Detective Grace

Ein Vorwort

Es war ein aufregendes Serienjahr, wodurch ich auch nicht wirklich Zeit hatte, um mich, wie sonst üblich im Herbst, ein paar Crimeserien zu widmen. Doch als  Detective Grace an meine Tür klopfte, konnte ich nicht anders, als ihr eine Chance zu geben. Warum die Serie mich nicht vollständig überzeugen konnte, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Roy Grace (John Simm) ist verzweifelt. Nachdem bei seinem letzten Fall bekannt wurde, dass er ein Medium um Hilfe bat, ist er zu Schreibtischarbeit verdonnert. Dabei juckt es ihm in den Fingern draußen aktiv zu sein. Zum Glück hat er seinen Partner Glenn Branson (Richie Campbell), der ihn bei den brisanten Fällen mit einbezieht. Denn auch wenn mit fragwürdigen Methoden, hat Grace doch stets den richtigen Riecher.

Meine Meinung

Nichts ermüdet mich mehr als die immer gleichen Krimiklischees erneut verarbeitet zu bekommen. Ein Ermittlungsteam aus Brighton (UK) klang daher eher erst einmal vielversprechend. Etwas exzentrischer Ermittler war auch vollkommen in Ordnung. Seine tragische Hintergrundgeschichte mit der verschwundenen Ehefrau war für mich dann wieder ein Grund mit den Augen zu rollen. Glücklicherweise wurde das Thema nicht zu stark angeschnitten. Lediglich, um einzelne Charakterzüge zu erklären, oder wenn Grace versucht eine Verbindung zu Zeug*innen aufzubauen, wird es thematisiert.
Die erste Staffel bringt uns lediglich zwei Folgen. Dafür hatte jede eine Lauflänge von ca. 90 Minuten. Ähnliches ist man bereits von anderen Serien, wie Sherlock, gewöhnt. Durch die Spielfilmlänge müssen aber auch die Fälle interessant genug sein, dass sie genug Material für die gesamte Dauer bieten. Und genau daran scheitert Grace. Wir lernen relativ wenig vom Team kennen, auch Grace überzeugt eher durch seine zurückhaltende Art. Dadurch müssten die Fälle besonders spannend sein. Sie schaffen es auch immer noch eine Wendung reinzubringen, mit der zu Anfang keiner rechnen konnte und ich kann nun wirklich nicht behaupten mich gelangweilt zu haben. Doch sie reihen sich lediglich ein in die Flut der Crimeserien. Wer von den ganzen exzentrischen Ermittelnden genug hat, wird hier vielleicht eine Neuentdeckung machen. Für wen der Ermittelnde aber herausstechen muss, der wird mit Grace nicht glücklich.
Schauspielerisch zeigt John Simm, dass er den ruhigen und besonnenen Ermittler Roy Grace gut verkörpert. Immer an seiner Seite Richie Campbell, der das Pendant zu Simm bietet. Beide Leistungen sind absolut solide. Gut funktioniert auch das Setting in Brighton, ein guter Gegenpol zu sonst hektischen Großstädten, wie New York, wo viele Crimeserien angesiedelt sind. So zieht sich die ruhige Art der Serie auch hier weiter fort. Für meinen Geschmack war die Serie nur insgesamt etwas zu ruhig erzählt. Aber wer genau das sucht, sollte auf Grace auf jeden Fall mal einen Blick wagen.

Das Fazit

Detective Grace schafft es trotz ruhiger Erzählweise spannende Fälle zu erzählen, die dennoch über die Lauflänge nur bedingt funktionieren. Wer sich mit ruhigem Ermittler im windigen Brighton wiederfinden will, dem sei die Serie empfohlen.

Detective Grace – Staffel 1 wurde mir von Glücksstern-PR als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Einsame Nacht

Ein Vorwort

Im Herbst greif ich ja gern mal zu einem Krimi. Und da Charlotte Link trotz ein paar Enttäuschungen in den letzten Jahren noch immer zu meinen Lieblingsautor*innen zählt, musste ihr neustes Werk direkt bei mir einziehen. Dass es größtenteils zur Weihnachtszeit spielt, war für mich als Grinch dann ein kleiner Schick, aber wenn schon Weihnachten, dann doch mit einem spannenden Mordfall. Warum mir Einsame Nacht wieder gut gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Kate Linvilles zweiter Fall als festes Teammitglieder der North Yorkshire Police bringt sie zu einem Mordfall auf einsamer Straße. Eine Frau wurde mit mehreren Messerstichen in ihrem Auto ermordet. Die einzige Zeugin schweigt. Fingerabdrücke führen die Polizei zu einem Verbrechen von vor neun Jahren. Einem Cold Case, an dem Kates früherer Vorgesetzter Caleb Hale gescheitert ist. Schafft Linville es die Hinweise neu zu deuten?

Meine Meinung

Charlotte Link, der Krimi und ich hatten einen schwierigen Start. Als mit Die Betrogene das erste Mal die Figur Kate Linvilles eingeführt wurde, war es zugleich Links erster Krimi. Gewohnt war ich ihre stets ins schwarze treffenden psychologischen Spannungsromane, mit Drama, mit Spannung, mit ausgewogenen Charakteren. All das vermisste ich und quälte mich Seite um Seite durch eine jammernde Kate, die mit der Einsamkeit nicht zurechtkam. Auch der zweite Linville Die Suche war zäh und nervte an vielen Stellen. Erst mit Ohne Schuld als Linville ein fester Bestandteil der North Yorkshire Police wurde, nahm Link wieder Fahrt auf. Die Handlung passte, die Geschichte war spannend, die Charaktere vielschichtig und auf die Auflösung wäre ich niemals gekommen. Nun hielt ich den vierten Linville in der Hand.
Glücklicherweise führt Link ihre Erfolgsserie hiermit fort. Die Karten im Police Departement wurden neu gemischt, neue und alte Charaktere halten sich die Waage. Mit Linville bin ich endlich warm geworden. Gleich zu Anfang wird man Zeug*in einer grauenhaften Tat. Jahre später setzt dann die eigentliche Handlung ein. Im Laufe des Buches trifft man auch viele Charaktere, die alle irgendwie mit dem aktuellen Mordfall zusammenhängen sollen, doch bis zum Schluss hat man keine Ahnung wie. Sogar der*die Mörder*in darf zu Wort kommen, und doch gibt es keinen Hinweis darauf, aus wessen Sicht die Abschnitte geschrieben sind.
Link lässt einige direkt zu Wort kommen, andere nur im Hintergrund agieren. Beim Lesen hatte ich so viele verschiedene Theorien und doch hat sich keine Bewahrheitet. Gefühlt werden drei verschiedene Handlungen aufgemacht und doch schafft Link es sie am Ende alle zusammenzuführen.
Trotz einer Dicke von 590 Seiten ist keine davon zu viel. Link schafft es mit ihrem einzigartigen Schreibstil einen nur so durch die Seiten gleiten zu lassen. Mal fühlt man sich mit den Charakteren verbunden, mal abgestoßen und gleichzeitig ist der Umgang mit der Weihnachtszeit faszinierend. Also wer mal keine Lust hat auf Friede Freude Eierkuchen, sondern lieber einen (oder mehrere) eiskalten Mord braucht, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.

Das Fazit

Einsame Nacht führt die guten Eigenschaften aus Platzhalter fort und verbindet Weihnachten mit Kälte, Einsamkeit und Mord. Spannend, mitreißend und lässt einen bis zum Ende im Dunkeln tappen.

Einsame Nacht wurde mir von Blanvalet als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Im Zweifel für das Monster

Ein Vorwort

Als ich noch dabei war, meine Monsterwochen für den Oktober zu planen, fiel mir dieses Buch mehr oder weniger in die Arme. Es sprach mich vom Titel und Cover sofort an und dann klang es auch noch nach einem perfekten Herbstbuch. Kurz darauf zog es als Rezensionsexemplar bei mir ein. Warum es sich bei ans Fenster prasselnden Regen und umgeben von verfärbtem Laub, echt gut gelesen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Daniel Becker ist ein frisch geschiedener Anwalt, der in seiner Kanzlei sehr erfolgreich ist und darauf hin arbeitet Partner zu werden. Doch eines Nachts besucht ihn das Monster aus seiner Kindheit. Ihm wird ein Mord vorgeworfen. Bei einem übernatürlichen Gericht schafft es Daniel die Unschuld des Monsters zu beweisen. Leider bekommt er daraufhin immer mehr Anfragen von anderen Monstern und wird auch noch mit der Aufgabe betraut, den wahren Mörder zu finden.

Meine Meinung

Meistens Richtung Herbst oder Winter gehend überkommt mich das Bedürfnis doch mal nach einem Krimi zu greifen. Dabei interessieren mich die ewig gleichen Ermittler*innen mit Alkohol (oder anderem) Problem ziemlich wenig. Dafür mag ich die Geschichten, die sich irgendwie unterscheiden. Die nochmal eine ganz neue Komponente ins Genre einbringen.
Im Zweifel für das Monster hat genau das, was mich sofort angesprochen hat. Wir haben statt eines Ermittlers einen Anwalt, der versucht Hinweise zu finden, um den Mord aufzuklären. Und wir haben die Monster und anderen übernatürlichen Aspekte, die die Geschichte in eine ganz ungewöhnliche Richtung drängt. Dabei bleibt es eine Kriminalgeschichte. Wir bewegen uns nur rudimentär im Fantasybereich durch den übernatürlichen Einfluss, aber es wird nicht eine komplett neue Welt aufgemacht.
Der Schreibstil ist sehr flüssig, so dass ich schnell in die Geschichte reingefunden habe. Zunächst lernen wir Daniel als Protagonisten kennen, der uns fortan durch die Geschichte führt. Relativ schnell wird der Monsteraspekt beleuchtet. Danach wird sich schnell auf den Mordfall fokussiert und die ersten Ermittlungen starten. Dabei wechselt die Geschichte immer zwischen neuen Aspekten und den Füllern in der Kanzlei hin und her, wobei das erste natürlich durchaus spannender ist, das zweite der Geschichte aber die nötige Rundung gibt.
Der Mordfall und die Ermittlungen gehen dann auch immer wieder in verschiedene Richtungen, wodurch ich bis zum Ende absolut im Dunkeln tappte, wer es denn nun war. Es werden Brotkrumen gestreut, aber da die Ermittlungen sehr weitläufig sind, was wieder auf den übernatürlichen Aspekt zurückzuführen ist, hätte ich die Zusammenhänge so nie gezogen.
Das Finale ist spannend und rund und führt einige Handlungsaspekte zusammen. Die Geschichte kann vermutlich Jahreszeitenunabhängig gelesen werden, aber es passte jetzt wunderbar in den Herbst, regnete es doch in letzter Zeit immer öfter. Dadurch kam die passende Atmosphäre hoch, wenn es abends schon dunkel war, dann gegen das Fenster regnete und in einem wieder die Kindheitsängste vom Monster unter dem Bett hochkommen, die in diesem Buch durchaus real sind.

Das Fazit

Im Zweifel für das Monster vereint Krimi  mit übernatürlichem Aspekt und schafft damit eine spannende und runde Geschichte, die sich perfekt für die bevorstehenden dunklen Monate eignet. Wer also Krimis mag, aber genug von der klassischen Ermittlerhandlung hat, ist hier bestens aufgehoben.

Im Zweifel für das Monster wurde mir von Blanvalet als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Adam Dalgliesh

Ein Vorwort

In letzter Zeit habe ich immer mehr Gefallen an Krimiserien mit historischem Flair gefunden. So konnten mich nicht nur Miss Fishers (neue) mysteriöse Mordfälle begeistern, sondern auch beispielsweise Murdoch Mysteries. Mit Dalgliesh zog es mich diesmal nicht so weit in die Ferne, Großbritannien der 1970er Jahre war das Ziel. Wie mir die Serie gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Adam Dalgliesh (Bertie Carvel) ist Ermittler beim Scotland Yard. Schweigsam und in Trauer ist er nach dem Tod seiner Frau frisch in den Dienst zurückgekehrt. Ihm zugeteilt wird DS Charles Masterson (Jeremy Irvine), der die poetische Ader Dalglieshs kritisch begutachtet. Zusammen sitzen sie an besonders ausgewieften Fällen.

Dalgliesh_Ch5 press images. Photographer: Christopher Barr

Meine Meinung

Die erste Staffel Dalgliesh besteht aus drei Mordfällen verpackt in sechs Episoden, so dass jeder Fall eine Doppelfolge erhält. Dadurch sind es deutlich komplexere Fälle als bei vergleichbaren Serien, da ca. 90 Minuten Zeit sind, um den*die Mörder*in zu überführen. Die Zeit nimmt die Serie sich auch und so handelt es sich bei Dalgliesh wohl um eine der unaufgeregtesten Serien des Krimi-Genres. Das ist aber keinesfalls negativ zu verstehen, denn die Fälle haben es in sich und in keiner der drei Fälle konnte ich vorab sagen, wer letztendlich die Tat ausführte.
Der erste Fall zieht die Ermittler in eine Krankenpflegerinnenschule, bei der ein medizinischer Test tödlich endet. Im zweiten Fall finden wir uns in Dorset in einem Sanatorium wieder, wo Dalgliesh einen alten Freund besuchen wollte, der jedoch kurz zuvor verstarb. Doch die Umstände sind merkwürdig, weswegen er sich der Sache annimmt. Erst der dritte Fall zeigt uns London und damit auch Räumlichkeiten von Scotland Yard. Hier werden zwei Leichen in einer Kirche gefunden. Dalgliesh hegt jedoch seine Zweifel an der Selbstmordtheorie.
Eine Serie, die direkt um einen Ermittler aufgebaut wird, steht und fällt natürlich auch mit diesem. Hier hatte ich tatsächlich höhere Erwartungen an Adam Dalgliesh, denn seine Rolle ist sehr zurückhaltend. Zwar ist er auch hier der Ermittler, der vieles voraus plant und so seinen Kolleg*innen oft einen Schritt voraus ist, aber er hat weder besonders viel Screentime, noch kommt er besonders oft zu Wort. Tatsächlich sind es sogar eher die Verdächtigen, die viel Dialogzeit haben. Seine schweigsame Art ist eine willkommene Abwechslung, ist aber auch gewöhnungsbedürftig. Gleichzeitig war ich verwundert, dass es so wenig Screentime auf dem Revier gibt, da Scotland Yard es in Deutschland sogar in den Titel geschafft hat. Aber auch das ist mal ein anderer Ansatz. Statt der üblichen Polizeiarbeit wird hier der Fokus auf Dialoge und Atmosphäre gelegt. Und genau das schafft die Serie, denn trotz der Doppelfolgen und den damit längeren Folgen und der sehr ruhigen Erzählweise, ziehen sich die Folgen an keiner Stelle und die Fälle sind durchgehend spannend.
So lohnt sich ein Blick auf Dalgliesh auf jeden Fall. Wem Agatha Christies Poirot zu aufgeregt ist, dem wird P.D. James‘ Dalgliesh – auf deren Bücher die Serie basiert – genau gefallen.

Dalgliesh. Picture shows: Adam Dalgliesh (BERTIE CARVEL). Photographer: Christopher Barr

Das Fazit

Adam Dalgliesh ist eine wunderbar ruhig erzählte Krimiserie im Großbritannien der 1970er Jahre. Ruhig, viel über Dialoge und Atmosphäre erzählt, bildet sie einen guten Kontrast zu anderen Krimiserien. Ein Blick lohnt sich auf jeden Fall.

Adam Dalgliesh – Staffel 1 wurde mir von Glücksstern-PR als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Tod auf dem Nil

Ein Vorwort

2017 wagte sich Kenneth Branagh an den berühmten Stoff auf der Feder von Agatha Christie und brachte uns eine wunderbare Neuverfilmung von Mord im Orient-Express. Im Gepäck hatte er die Creme de la Creme aus Hollywood. Bereits 2018 gab es dann Dreharbeiten zur Fortsetzung „Tod auf dem Nil“. Mehrere Faktoren unter anderem natürlich die Pandemie, sorgten dafür, dass der Film immer wieder verschoben wurde. Nun durfte er endlich auf der großen Leinwand einziehen. Konnte Branagh als Regisseur und Hauptdarsteller ein weiteres Mal überzeugen? Das erzählte ich euch in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Frisch verheiratet verbringen Linnet Ridgeway-Doyle (Gal Gadot) und Simon Doyle (Armie Hammer) ihre Flitterwochen in Ägypten. Mit dabei sind Familie, Freunde und Bekannte, die das reiche Paar eingeladen hat. Durch Zufall ist auch Hercule Poirot (Kenneth Branagh) mit dabei. Da die eifersüchtige Ex-Freundin Simons Jacqueline de Bellefort (Emma Mackey) sie auf Schritt und Tritt verfolgt, flüchten sie schließlich an Bord eines Nilschiffes. Doch nach einigen merkwürdigen Begebenheiten kommt es zu einem Mord. Ein neuer Fall für Hercule Poirot.

Meine Meinung

Ich bin ein großer Fan von der Poirot-Reihe Agatha Christies, habe es aber noch nicht geschafft die beiden wohl bekanntesten Fälle Mord im Orient Express und Tod auf dem Nil zu lesen. So wa ich jeweils auf die Verfilmungen gespannt und wusste vorher tatsächlich auch noch nicht, wer der*die Mörder*in war. Bereits der Trailer von Tod auf dem Nil konnte mich wieder vollständig mitreißen, wollte ich meine Erwartungen dennoch nicht zu hoch schrauben, da mir diese bei Mord im Orient-Express zum Verhängnis wurden.
Als der Film mitten im ersten Weltkrieg begann, dachte ich mir kurzzeitig im falschen Film, passte die Einordnung doch zeitlich nicht. Schnell wurde ich aufgeklärt, dass es sich um die Vorgeschichte Poirots handelt, um einige Äußerungen und Entscheidungen später besser nachvollziehen zu können. Ein Zeitsprung später lernen wir die ersten Charaktere kennen und bekommen praktisch noch einmal eine Art Vorgeschichte. Einen weiteren – wenn auch wesentlich kleineren – Zeitsprung später sind wir dann in Ägypten angekommen. Bis wir das Schiff erreichen, dauert es zwar immer noch etwas, aber hier erfolgt dann die Charaktervorstellung.
Diesmal bleibt auch erstaunlich lange offen, wer denn überhaupt ermordet wird. Das whodunnit setzt sehr spät ein und geht auch nicht über ein paar Gespräche hinaus. Das macht in diesem Fall aber auch gar nicht, weil allein die Charakterentwicklung vorab interessant ist und die Spannung hoch hält. Ständig hat man jemand Neues im Verdacht, um doch wieder auf eine neue Spur gebracht zu werden. Zwar hat sich letztlich mein Verdacht bestätigt – eventuell bin ich da ein bisschen stolz drauf, ich bin sonst echt schlecht im Mörder*innen erraten – aber das Wie war für mich wieder einmal absolut überraschend.
Schauspielerisch waren auch diesmal wieder einige bekannte Namen aus Hollywood dabei. Und dabei werden alle ihrem Ruf gerecht und liefern ab. Im großen und ganzen also wieder ein Film, der hält, was der Trailer verspricht und dabei besonders mit tollen Bildern verzaubert. Und auch wenn es hier um einen Mordfall ging, hat mir der Film einmal mehr Lust auf eine Nilkreuzfahrt gemacht.

Das Fazit

Tod auf dem Nil überzeugt trotz oder gerade wegem dem spätem whodunnit, mit gutem Schauspiel und eindrucksvollen Bildern. Branagh überzeugt einmal mehr als Poirot. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Tod auf dem Nil läuft seit dem 10.02.2022 in den deutschen Kinos

Murdoch Mysteries

Ein Vorwort

Hatte ich mich im Crimeherbst noch beschwert, dass es kaum neue Crimeserien gibt, flatterte kurz darauf eine Anfrage bei mir rein. Eine kanadische Crimeserie im Toronto der 1890er Jahre? Ich war sofort begeistert und konnte mir die Serie nicht entgehen lassen. Wie sie mir gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Detective William Murdoch (Yannik Bisson) arbeitet im 4. Polizeirevier von Toronto in den 1890er Jahren. Mit seinem unstillbaren Drang nach neuen Erkenntnissen ist er der Wissenschaft zeitweise voraus, was sein Vorgesetzter Inspector Thomas Brackenreid (Thomas Craig) eher kritisch beäugt. Unterstützt wird er von Pathologin Dr. Julia Ogden (Hélène Joy).

Meine Meinung

Der Einstieg in Murdoch Mysteries war etwas schwerfällig. Ich habe die ersten drei Folgen gebraucht, um reinzukommen, weil es keine direkte Einführungsfolge gibt. Ab Folge 1 an agieren die Charaktere, wie in den anderen Folgen auch. Wer sie alle sind, was ihre Aufgaben sind und wie sie zueinander stehen, muss man sich selbst ableiten. Doch sobald man das Grundkonstrukt verstanden hat – bei mir war es Folge 3 – macht die Serie gleich noch mehr Spaß.
Im Historienkrimi-Bereich habe ich bisher eher Miss Fishers mysteriöse Mordfälle gesehen, wo es nicht direkt um eine Polizeistation ging. Auch sind wir hier nicht in Australien, sondern in Kanada, was aber trotzdem eine schöne Abwechslung zu den bekannten Setting in den USA ist. Spannend ist hier vor allem, dass die Ermittlungen ohne die moderne Technik auskommen muss. Keine Verdächtigenkartei im PC, keine Überwachungskameras, selbst das Nehmen von Fingerabdrücken ist hier sehr fortschrittlich. Wie historisch korrekt das alles ist, überlasse ich lieber Historikern in der Bewertung, da gerade die Pathologin viele Sachen bestimmen kann, die für die damalige Zeit sehr fortschrittlich sein dürfte.
Protagonist William Murdoch besticht mit seiner distanzierten charmanten Art. Er ist eher zurückhaltend und muss nicht dauernd im Mittelpunkt stehen, ist aber im richtigen Moment präsent. Damit bildet er den perfekten Kontrast zu seinem eher hitzköpfigen Vorgesetzten. Ergänzt wird er von der ebenfalls eher ruhigen Pathologin und dem hibbeligen und eher nervösen Constable George Crabtree (Jonny Harris).
Die Folgen sind alle in sich geschlossen, die Serie arbeitet also nach dem „Mordfall der Woche“-Prinzip, was mir sehr gefällt. Dabei werden immer wieder historische Figuren oder Ereignisse aufgegriffen, wie beispielsweise der Kampf zwischen Wechsel- und Gleichstrom und Prominente, wie Nikola Tesla oder Arthur Conan Doyle. Die Fälle sind abwechslungsreich und spannend. Die persönlichen Dramen im Polizeirevier sind auf ein Minimum reduziert, so dass der Fokus überwiegend auf den Fällen liegt.
Das Ende ist irgendwo abgeschlossen, es gibt also keinen großen Cliffhanger, dennoch hoffe ich, dass die Handlung der finalen Folge noch einmal aufgegriffen wird, da sie etwas unbefriedigend endete. Aber dies stört den sehr positiven Gesamteindruck der Serie nicht.

Das Fazit

Murdoch Mysteries ist eine spannende historische Crimeserie, mit einem sympathischem Protagonisten, spannenden Fällen und Toronto in den 1890er Jahren. Für Historien- und Crimefans die perfekte Mischung.

Murdoch Mysteries Staffel 1 wurde mir von Glücksstern-PR als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Autokino: Kings of Hollywood

Ein Vorwort

Ich war im Kino! Zwar erst einmal nur im Autokino, aber wir nähern uns damit schrittweise wieder einer gewissen Normalität. Neben allerlei altbekannten Filmen, zeigte das Autokino in meiner Umgebung auch einen neuen Film. Als Krimi-Komödie angekündigt und mit Namen, wie Robert de Niro, Zach Braff, Morgan Freeman und Tommy Lee Jones war ich sofort angefixt. Wie ich den Film fand, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Quelle

Die Handlung

Das Produktionsstudio von Max Barber (Robert de Niro) und seinem Neffen Walter Creason (Zach Braff) läuft nicht sonderlich gut. Zumal Max Schulden bei Kredithai Reggie Fontaine (Morgan Freeman) hat. Doch nach einem Unfall an einem anderen Filmset kommt ihm eine Idee. Er will einen Film drehen, bei dem der Hauptdarsteller am ersten Drehtag bei einem Stunt stirbt und dann die Versicherungssumme abzukassieren. Doch Duke Montana (Tommy Lee Jones) ist widerstandsfähiger als gedacht.

Meine Meinung

The Comeback Trail wurde bereits 1982 gedreht. Im vergangenen Jahr inszenierte Geroge Gallo ein Remake. Im Zuge der geschlossenen Kinos durch Corona, startet er jetzt auch bei uns unter dem Namen Kings of Hollywood.
Zunächst braucht der Film eine ganze Weile ehe er in Fahrt kommt. Zwar sind die Dialoge zwischen Max und Walter ziemlich auf den Punkt und bergen eine ganze Menge Komik, doch so richtig weiß man nicht, worauf die Handlung hinaus will. Der Film ist schon zu einem Drittel vorbei, als das erste Mal die Idee auftaucht, einen Film zu produzieren, bei dem der Hauptdarsteller drauf geht. Als Einleitung vielleicht etwas zu lang, auch wenn alles gegeben wird, das zu überspielen. Sobald man den Punkt überwunden hat, macht der Film einfach nur noch Spaß. Die Unfallversuche Max Barbers sind schon wunderbar lustig, aber wie sie dann immer wieder schief gehen, ist so pointiert, dass man aus dem Lachen kaum noch rauskommt. Die Auflösung am Ende ist dann fast ein wenig vorhersehbar, funktioniert aber im großen und ganzen gut und führt den Film zu einem runden Ende.
Dass der Film in seiner Kürze, mit einer Laufzeit von 105 Minuten, so gut funktioniert, liegt vor allem daran, dass die Dialoge unglaublich gut auf den Punkt gebracht sind. Hier ist kein Wort zu viel, auch wenn man in der Argumentationsgeschwindigkeit von de Niro und Braff erst mal mitkommen muss.
Schauspielerisch wurde hier auf altbekannte Darsteller zurückgegriffen, die in der Kombination wunderbar funktionieren. Dabei sind alle Schauspielleistungen sehr souverän, gehen darüber aber auch nicht hinaus. Leider ist es gerade Zach Braff der hier am unscheinbarsten spielt, was aber auch mit an der Anlegung seiner Rolle liegt.
Letztlich ist Kings of Hollywood ein schöner Film für einen Sonntag Nachmittag. Er verbreitet Spaß und gute Laune, aber für mehr als die nette Unterhaltung reicht es eben nicht.

Das  Fazit

Kings of Hollywood ist eine wunderbar kurzweilige Unterhaltung, die trotz einer etwas langen Einleitung gut funktioniert und mit gut pointierten Dialogen den Lachnerv trifft. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Kings of Hollywood läuft seit dem 24.06.2021 in den (geöffneten) deutschen Kinos.

Balthazar

Ein Vorwort

Dass ich Krimiserien mag, dürfte, glaube ich, bekannt sein. Leider scheint der Crimehype der letzten Jahre nachgelassen zu haben, so dass nur noch selten neue Serien erscheinen. Auch wenn auf diversen TV-Sendern noch die immer gleichen Folgen wiederholt werden, gibt es doch wenig neues, vor allem nicht mit dem „Mordopfer der Woche“-Prinzip. Als ich dann von einer relativ neuen französischen Crimeserie hörte, war ich skeptisch. Crime klang toll, aber französisch? Warum mich die Serie dann doch überzeugen konnte, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Raphael Balthazar (Tomer Sisley) ist Gerichtsmediziner. Er assistiert Captain Helene Bach (Helene de Fougerolles) und ihrem Team am Tatort und führt mit seinem Team dann die Obduktionen durch. Doch sein scharfer Verstand und seine stummen Dialoge mit den Opfern führen dazu, dass er auch bei den Ermittlungen mithilft und meist die zündende Idee hat.

Meine Meinung

Balthazar erinnert vom Hauptcharakter ein bisschen an The Mentalist. Zwar hat Balthazar nicht die gleichen Menschenkenntnisse und Manipulationsfähigkeiten wie Patrick Jane (Mentalist), aber sie haben die gleiche arrogant besserwisserische Art. Das funktioniert auf der Leinwand ganz gut, im wahren Leben möchte man aber doch mit beiden nicht zusammenarbeiten. Balthazar versucht das aber noch durch seinen französischen Charme wieder wett zu machen.
Darauf baut auch die Serie auf. Wir haben ein sehr kleines Team und über die wenigsten erfährt man wirklich etwas. Die Handlung wird hauptsächlich um die Fälle und Balthazar gesponnen. Wir erleben ihn regelmäßig in den Gesprächen mit den Opfern bei den Obduktionen, oder aber zu Hause, wo er noch immer mit seiner vor Jahren ermordeten Freundin spricht. Ihr Mord, bzw. ein weiterer Fall mit ähnlicher Markierung lässt Balthazar die Suche nach dem Mörder wieder aufnehmen, obwohl damals bereits jemand verurteilt wurde. Dies macht er aber auf eigene Faust.
Neben Balthazar bekommt auch Captain Bach ein wenig Raum, um ihren Charakter auch über die Ermittlungsarbeit hinaus zu entfalten. Hier wird der Fokus jedoch eher auf ihre angespannte Familiensituation gelegt. Wir haben hier als Gegenstück zu Balthazar eine wunderbar geerdete Ermittlerin, die mit der Bürokratie zu kämpfen hat und gleichzeitig versucht sich von Balthazar nicht auf der Nase herumtanzen zu lassen. Sie wirkt zwar etwas mürrischer, aber nach ca. einer Folge hat man sich an ihre Art gewöhnt.
Die erste Staffel umfasst sechs Episoden von ca. 50-60 Minuten Länge. Damit sind die Folgen etwas länger als der Crimedurchschnitt, was dazu führt, dass es immer noch eine zusätzliche Wendung am Ende gibt. Funktionierte bei den bisherigen Folgen ganz gut, ob es das wirklich bräuchte, darf jeder selbst entscheiden. Wichtig ist aber, dass bisher alle Folgen spannend sind, auch nochmal ganz neue Mordfälle bieten und man halt auch mit Paris einen ganz neuen Handlungsort hat. Dabei werden aber nicht die klassischen Ansichten abgefrühstückt, ich kann mich nicht daran erinnern auch nur einmal den Eifelturm gesehen zu haben. Trotzdem gibt es so typisch französische Klischees, die bedient werden, z.B. werden Besprechungen gerne mal in Cafés vorgenommen, statt im Büro.
Grundsätzlich kann man sagen, dass Balthazar das Rad nicht neu erfindet, man mit ihm als Charakter klar kommen muss, was i.d.R. leicht sein dürfte, und trotzdem frischen Wind ins Crimegenre bringt. Bei der zweiten Staffel bin ich auch gerne wieder mit dabei.

Das Fazit

Balthazar ist an sich eine klassische Crimeserie mit Ermittlerduo, punktet aber durch eine unkonventionelle Ermittlungsarbeit, starker Frauenfigur und spannenden Fällen. Für jeden Crimefan auf jeden Fall ein Blick wert.

Balthazar ist seit dem 13.11.2020 auf DVD erhältlich

Balthazar Staffel 1 wurde mir von Glücksstern-PR als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Ohne Schuld

Ein Vorwort

Charlotte Link gehört wohl zu den AutorInnen, die sich mit recht zu meinen Lieblingen zählen dürfen. Hat sie mich doch Buch um Buch begeistern können. Bis sie 2015 mit Die Betrogene zum ersten Mal Richtung Krimi ging. Auch konnte mich die Protagonistin Kate Linville einfach nicht überzeugen. Kurz darauf gab es mit Die Entscheidung den nächsten Krimi, ohne Linville, der aber an blassen Figuren krankte und sich zu sehr an Stereotypen orientierte. 2018 sollte es dann mit Die Suche weitergehen, in der wir erneut auf Linville trafen. Das war der Punkt, wo ich dachte, dass ich einfach keine Krimis von Charlotte Link mehr lesen werden. Und nun kam Ohne Schuld. Wieder mit Kate Linville als Protagonistin. Und ich konnte nicht anders und musste es doch lesen. Und was soll ich sagen: Ich wurde positiv überrascht und hätte es bereut, wenn ich es nicht gelesen hätte. Wieso erfahrt ihr in meiner Kritik.

 

Die Handlung

Kate Linville hat ihren Job bei Scotland Yard gekündigt, um im Norden noch einmal völlig neu anzufangen. Und schon ist sie mitten drin im neuen Fall. Denn im Zug rennt ihr eine panische Frau in die Arme. Xenia Paget ist sich sicher, dass sie ermordet werden soll. Und tatsächlich stehen beide Frauen kurz darauf unter Beschuss. Die Ereignisse werden aber noch rätselhafter als ein paar Tage später eine andere Frau mit dem Fahrrad über einen gespannten Draht fährt und sich lebensbedrohlich verletzt. Das erstaunliche ist, dass an beiden Orten Schüsse aus der gleichen Waffe abgefeuert wurde. Wo ist der rote Faden? Wie gehören beide Frauen zusammen?

Meine Meinung

Ohne Schuld beginnt eigentlich ähnlich wie auch Die Betrogene oder Die Suche. Wir haben Kate Linville, die irgendwie in den aktuellen Fall der Polizei von Scarborough reinstolpert. Diesmal aber muss sie danach nicht auf eigene Faust ermitteln, sondern ist direkt in die Ermittlungen eingespannt. Das hat schon einmal den Vorteil, dass sie viel mehr Freiraum bekommt, um ihre Fähigkeiten als Ermittlerin zu demonstrieren, anstatt die halbe Zeit über ihr einsames Leben zu jammern. Das macht sie als Person schon einmal greifbarer. Man fiebert mehr mit ihr mit, statt sich zu freuen, wenn es mal nicht um sie geht. Natürlich ist sie nicht sofort ein neuer Mensch, ihr Charakter bleibt sich noch treu, aber es ist ein besseres Gleichgewicht. Dann haben wir vermehrt wechselnde Perspektiven zwischen anderen Charakteren aus ihrem Team, bzw. den betroffenen Frauen. Unterbrochen wird das ganze durch eine Art Tagebucheintrag einer lange Zeit unbekannten Person, die irgendwo mit allem zu tun zu haben scheint. 
Die Handlung an sich ist sehr linear und lange Zeit wird auch nichts genaueres über die Hintergründe der neuen Charaktere erzählt, sondern immer nur angedeutet. Lediglich die Tagebucheinträge scheinen irgendwo Hinweise zu geben, aber die kann man einfach keinem zuordnen. Die Ermittlungen selbst kommen nur langsam voran, aber das wirkt dafür umso realistischer. Auch schafft Link es immer wieder versteckte Hinweise einzubauen, so dass man als Leser miträtseln kann und selbst zwischendurch fast verzweifelt, weil einfach nichts passen will. Dafür ist man als Leser aber auch durch die wechselnden Perspektiven an allen Charakteren nah dran und verfolgt gespannt ihre Schicksale. 
Die Lösung des Falls ist dann noch einmal völlig überraschen und deckte sich nicht mit meinen Vermutungen, was ein gutes Zeichen ist. Gleichfalls ist es absolut erschreckend, wozu Menschen fähig sind. Link versucht zwar die meisten Taten zu erklären und manche Teile der Auflösung kann man irgendwo noch nachvollziehen, auch wenn es echt erschreckend ist. 
Mit knapp 550 Seiten ist Ohne Schuld schon ein dickes Buch für einen Krimi. Aber der Fall reicht dafür aus, um alle Seiten spannend zu füllen, ohne das er unnötig gestreckt oder aufgeplustert wirkt. Hier zeigt Link einmal mehr, dass sie ihre Geschichten um die Charaktere spannt und diese auch einfach ihre Ecken und Kanten zeigen dürfen – Fun Fact: Genau das habe ich mir in meiner Kritik zu Die Entscheidung gewünscht. Manchmal gehen Wünsche also doch in Erfüllung! 

Das Fazit

Ohne Schuld ist zwar nicht Charlottes Link erster Krimi, aber der erste, der qualitativ an ihre psychologischen Spannungsromane heranreicht. Spannende Handlung, interessante Charaktere, große Geheimnisse und realistische Polizeiarbeit vereinen sich hier zu einem Krimi mit Links ganz besonderer Handschrift. 

Ohne Schuld ist seit dem 02.11.2020 in allen Buchhandlungen erhältlich

Ohne Schuld wurde mir von Blanvalet als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Herbstzeit = Crimezeit – Ausgabe 2020

Ähnlich wie für mich zum Sommer meine Sommerlektüren gehören, gehören für mich zum Herbst Crimeserien. Diesmal habe ich zwar etwas geschummelt und zwei der drei Serien, die ich heute vorstellen möchte, nicht in diesem Herbst gesehen. Dennoch bleibt das Prinzip das gleiche und außerdem bin ich nebenbei auch schon an der nächsten Serie dran, die ich euch bestimmt im nächsten Jahr vorstellen kann. 
Für mich macht eine gute Crimeserie aus, dass sie erinnerungswürdige Charaktere und  intelligente Fälle hat, sehr gerne nach dem „Mord der Woche“-Prinzip. Wenn ihr Empfehlungen für mich habt, sehr gerne her damit! Ich habe nämlich das Gefühl, dass das Genre langsam ausstirbt und nur noch die angefangenen Serien beendet werden, aber wenige neue erscheinen. 

Bones – 12 Staffeln

Die Handlung: Temperance „Bones“ Brennan (Emily Deschanel) ist forensische Antropologin am Jeffersonian Institute. Sie untersucht Knochen alter Zivilisationen und kann daraus eine Menge Ereignisse rekonstruieren. Dies will sich das FBI zu Nutze machen und schickt Seeley Booth (David Boreanaz), um mit Brennan zu verhandeln. Nach einer etwas schwierigen Eingewöhnung zwischem dem impulsiven Booth und der menschenscheue Brennan, die mit vielen gesellschaftlichen Gepflogenheiten nichts anfangen kann, entwickeln sie sich zu einem guten Team. Fortan werden Leichen von Brennan und ihrem Team untersucht. Bedingungen ist für Brennan allerdings, dass sie bei den Ermittlungen auch im Außeneinsatz mithelfen darf, was Booth gar nicht gefällt. 

Meine Meinung: Die Serie läuft bereits seit 2005 und gerade die Anfänge habe ich noch sehr intensiv im Fernsehen verfolgt. Die Serie funktioniert eigentlich lange Zeit sehr gut, lediglich in den späteren Staffeln wurden die Staffelfinale ein wenig größenwahnsinnig, weswegen ich lange Zeit keinen Anschluss mehr an die Serie fand. Das hat sich Ende letzten Jahres geändert und seit diesem Jahr habe ich alle 12 Staffeln gesehen. 
Die Serie hat vor allem durch das Team des Jeffersonian wunderbar funktioniert. Zwischenzeitlich gab es ein paar Änderungen im Team, aber gerade die Vielfalt durch die Assistenten ab Staffel 4 – glaube ich zumindest – war eine gute Rotation drin, die Platz für verschiedene Witze schufen und doch eine gewissen Kontinuität erlaubten. Dennoch ist das Team irgendwo miteinander gewachsen. Auch an Brennan selbst, musste man sich am Anfang gewöhnen. Doch nach und nach konnte man sie immer besser verstehen und ihr gutes Verhältnis zu Booth haben die Serie so sympathisch gemacht. Leider passierte irgendwann das unausweichliche und die beiden wurden ein Paar, und genau ab da ging es mit der Serie bergab. Das bleibt jedoch jammern auf hohem Niveau, da die Fälle selbst durchgehend spannend bleiben und genug Variation drin ist, so dass es einen immer noch überrascht, wer am Ende der Mörder ist. 

Miss Fishers mysteriöse Mordfälle – 3 Staffeln

Die Handlung: Phryne Fisher (Essie Davis) ist Aristokratin und kehrt in den 1920er Jahren nach vielen Jahren in Europa in ihre Heimat Melbourne, Australien zurück. Dort hilft sie bei der Aufklärung eines Mordes mit. Fortan mischt sie sich gerne in die laufenden Ermittlungen bei Mordfällen ein. Detective Inspector Jack Robinson (Nathan Page) ist davon wenig begeistert, kann Miss Fishers Enthusiasmus aber auch nicht stoppen.

Meine Meinung: Von der Serie habe ich euch dieses Jahr ja schon mehrfach berichtet, aber auch in diesen Beitrag passt sie wieder perfekt rein. Denn wir haben erinnerungswürdige Charaktere, auch neben der Protagonistin, spannende Fälle und den „Mord der Woche“. Am spannendsten ist hier aber, dass das ganze nicht in der modernen technischen Welt spielt, sondern in den 1920er Jahren. Dadurch mussten viele Fälle auf ganz andere Weise gelöst werden, als durch Analyse der Spuren am Tatort. Hinzu kommt, dass Australien als Handlungsort noch einmal zusätzlichen Charme hat. Es spielen einfach zu viele Crimeserien in New York. 

Stumptown – 1 Staffel

Die Handlung: Dex Parios (Cobie Smulders) war beim Militär und hat in Afghanistan gekämpft. Als sie zurückkam waren ihre Eltern weg und ihr Bruder Ansel (Cole Sibus) in einem Heim. Nun zieht sie ihren Bruder groß, der das Down Syndrom hat. Sie hängt häufig im Bad Alibi ab, der Bar ihres besten Freundes Grey (Jake Johnson). Nachdem sie von der Mutter ihres verstorbenen Ex-Freundes Sue Lynn Blackbird (Tantoo Cardinal) den Auftrag bekommt ein vermisstes Mädchen zu finden, erkennt Dex, dass sie durchaus Talent in dieser Art von Job hat. Sie beantragt eine Privatermittlerlizenz. Dabei hilft ihr Detective Miles Hoffmann (Michael Ealy). 

Meine Meinung: Im letzten Jahr stellte ich euch mit Almost Human bereits eine Crimeserie mit Michael Ealy vor. Die wurde nach einer Staffel abgesetzt. Dieses Jahr habe ich Stumptown entdeckt. Zwar hat ABC im Mai 2020 eine zweite Staffel bestellt, dies aber wohl im September 2020 wieder gecancelt. Aber vielleicht gibt es ja noch mehr Menschen, die diese Serie ebenso lieben wie ich und wir schaffen es die Serie zu retten? 
Denn Stumptown ist auf jeden Fall anders, als die gängigen Crimeserien. Dex stolpert eigentlich eher von einem Fettnäpfchen ins nächste, ist chaotisch und durch ihre posttraumatische Belastungsstörung aus der Zeit in Afghanistan auch dem Alkohol sehr zugeneigt. Nicht gerade die übliche Heldin. Auch haben wir neben Miles kaum Kontakt zum örtlichen Polizeirevier, auch wenn seine Vorgesetzte Bobby Cosgrove beide öfter mal zur Ordnung rufen muss. Wir haben also kein Sammeln von Beweisen, keine Spurensuche am Tatort, vor allem haben wir in der Regel kein Tatort. Denn als Privatermittlerin hat es Dex nicht mit Morden zu tun. Auch sind die zwischenmenschlichen Beziehungen hier kein reines Schmückwerk, sondern bilden das Herz der Serie. Mit all ihren verschiedenen und vor allem auch diversen Charakteren hat Stumptown eine ganz besondere Mischung. Nur ein paar Beispiele: Dex ist bisexuell, Miles ein people of colour, Ansel hat das Downsyndrom und die indigene Bevölkerung spielt eine regelmäßige Rolle. Besonders herausheben möchte ich hier auch noch den genialen Soundtrack. Also schaut euch die Serie an und dann müssen wir ABC bearbeiten, damit sie doch noch eine zweite Staffel produzieren!