Autokino: Kings of Hollywood

Ein Vorwort

Ich war im Kino! Zwar erst einmal nur im Autokino, aber wir nähern uns damit schrittweise wieder einer gewissen Normalität. Neben allerlei altbekannten Filmen, zeigte das Autokino in meiner Umgebung auch einen neuen Film. Als Krimi-Komödie angekündigt und mit Namen, wie Robert de Niro, Zach Braff, Morgan Freeman und Tommy Lee Jones war ich sofort angefixt. Wie ich den Film fand, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Quelle

Die Handlung

Das Produktionsstudio von Max Barber (Robert de Niro) und seinem Neffen Walter Creason (Zach Braff) läuft nicht sonderlich gut. Zumal Max Schulden bei Kredithai Reggie Fontaine (Morgan Freeman) hat. Doch nach einem Unfall an einem anderen Filmset kommt ihm eine Idee. Er will einen Film drehen, bei dem der Hauptdarsteller am ersten Drehtag bei einem Stunt stirbt und dann die Versicherungssumme abzukassieren. Doch Duke Montana (Tommy Lee Jones) ist widerstandsfähiger als gedacht.

Meine Meinung

The Comeback Trail wurde bereits 1982 gedreht. Im vergangenen Jahr inszenierte Geroge Gallo ein Remake. Im Zuge der geschlossenen Kinos durch Corona, startet er jetzt auch bei uns unter dem Namen Kings of Hollywood.
Zunächst braucht der Film eine ganze Weile ehe er in Fahrt kommt. Zwar sind die Dialoge zwischen Max und Walter ziemlich auf den Punkt und bergen eine ganze Menge Komik, doch so richtig weiß man nicht, worauf die Handlung hinaus will. Der Film ist schon zu einem Drittel vorbei, als das erste Mal die Idee auftaucht, einen Film zu produzieren, bei dem der Hauptdarsteller drauf geht. Als Einleitung vielleicht etwas zu lang, auch wenn alles gegeben wird, das zu überspielen. Sobald man den Punkt überwunden hat, macht der Film einfach nur noch Spaß. Die Unfallversuche Max Barbers sind schon wunderbar lustig, aber wie sie dann immer wieder schief gehen, ist so pointiert, dass man aus dem Lachen kaum noch rauskommt. Die Auflösung am Ende ist dann fast ein wenig vorhersehbar, funktioniert aber im großen und ganzen gut und führt den Film zu einem runden Ende.
Dass der Film in seiner Kürze, mit einer Laufzeit von 105 Minuten, so gut funktioniert, liegt vor allem daran, dass die Dialoge unglaublich gut auf den Punkt gebracht sind. Hier ist kein Wort zu viel, auch wenn man in der Argumentationsgeschwindigkeit von de Niro und Braff erst mal mitkommen muss.
Schauspielerisch wurde hier auf altbekannte Darsteller zurückgegriffen, die in der Kombination wunderbar funktionieren. Dabei sind alle Schauspielleistungen sehr souverän, gehen darüber aber auch nicht hinaus. Leider ist es gerade Zach Braff der hier am unscheinbarsten spielt, was aber auch mit an der Anlegung seiner Rolle liegt.
Letztlich ist Kings of Hollywood ein schöner Film für einen Sonntag Nachmittag. Er verbreitet Spaß und gute Laune, aber für mehr als die nette Unterhaltung reicht es eben nicht.

Das  Fazit

Kings of Hollywood ist eine wunderbar kurzweilige Unterhaltung, die trotz einer etwas langen Einleitung gut funktioniert und mit gut pointierten Dialogen den Lachnerv trifft. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Kings of Hollywood läuft seit dem 24.06.2021 in den (geöffneten) deutschen Kinos.

Balthazar

Ein Vorwort

Dass ich Krimiserien mag, dürfte, glaube ich, bekannt sein. Leider scheint der Crimehype der letzten Jahre nachgelassen zu haben, so dass nur noch selten neue Serien erscheinen. Auch wenn auf diversen TV-Sendern noch die immer gleichen Folgen wiederholt werden, gibt es doch wenig neues, vor allem nicht mit dem „Mordopfer der Woche“-Prinzip. Als ich dann von einer relativ neuen französischen Crimeserie hörte, war ich skeptisch. Crime klang toll, aber französisch? Warum mich die Serie dann doch überzeugen konnte, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Raphael Balthazar (Tomer Sisley) ist Gerichtsmediziner. Er assistiert Captain Helene Bach (Helene de Fougerolles) und ihrem Team am Tatort und führt mit seinem Team dann die Obduktionen durch. Doch sein scharfer Verstand und seine stummen Dialoge mit den Opfern führen dazu, dass er auch bei den Ermittlungen mithilft und meist die zündende Idee hat.

Meine Meinung

Balthazar erinnert vom Hauptcharakter ein bisschen an The Mentalist. Zwar hat Balthazar nicht die gleichen Menschenkenntnisse und Manipulationsfähigkeiten wie Patrick Jane (Mentalist), aber sie haben die gleiche arrogant besserwisserische Art. Das funktioniert auf der Leinwand ganz gut, im wahren Leben möchte man aber doch mit beiden nicht zusammenarbeiten. Balthazar versucht das aber noch durch seinen französischen Charme wieder wett zu machen.
Darauf baut auch die Serie auf. Wir haben ein sehr kleines Team und über die wenigsten erfährt man wirklich etwas. Die Handlung wird hauptsächlich um die Fälle und Balthazar gesponnen. Wir erleben ihn regelmäßig in den Gesprächen mit den Opfern bei den Obduktionen, oder aber zu Hause, wo er noch immer mit seiner vor Jahren ermordeten Freundin spricht. Ihr Mord, bzw. ein weiterer Fall mit ähnlicher Markierung lässt Balthazar die Suche nach dem Mörder wieder aufnehmen, obwohl damals bereits jemand verurteilt wurde. Dies macht er aber auf eigene Faust.
Neben Balthazar bekommt auch Captain Bach ein wenig Raum, um ihren Charakter auch über die Ermittlungsarbeit hinaus zu entfalten. Hier wird der Fokus jedoch eher auf ihre angespannte Familiensituation gelegt. Wir haben hier als Gegenstück zu Balthazar eine wunderbar geerdete Ermittlerin, die mit der Bürokratie zu kämpfen hat und gleichzeitig versucht sich von Balthazar nicht auf der Nase herumtanzen zu lassen. Sie wirkt zwar etwas mürrischer, aber nach ca. einer Folge hat man sich an ihre Art gewöhnt.
Die erste Staffel umfasst sechs Episoden von ca. 50-60 Minuten Länge. Damit sind die Folgen etwas länger als der Crimedurchschnitt, was dazu führt, dass es immer noch eine zusätzliche Wendung am Ende gibt. Funktionierte bei den bisherigen Folgen ganz gut, ob es das wirklich bräuchte, darf jeder selbst entscheiden. Wichtig ist aber, dass bisher alle Folgen spannend sind, auch nochmal ganz neue Mordfälle bieten und man halt auch mit Paris einen ganz neuen Handlungsort hat. Dabei werden aber nicht die klassischen Ansichten abgefrühstückt, ich kann mich nicht daran erinnern auch nur einmal den Eifelturm gesehen zu haben. Trotzdem gibt es so typisch französische Klischees, die bedient werden, z.B. werden Besprechungen gerne mal in Cafés vorgenommen, statt im Büro.
Grundsätzlich kann man sagen, dass Balthazar das Rad nicht neu erfindet, man mit ihm als Charakter klar kommen muss, was i.d.R. leicht sein dürfte, und trotzdem frischen Wind ins Crimegenre bringt. Bei der zweiten Staffel bin ich auch gerne wieder mit dabei.

Das Fazit

Balthazar ist an sich eine klassische Crimeserie mit Ermittlerduo, punktet aber durch eine unkonventionelle Ermittlungsarbeit, starker Frauenfigur und spannenden Fällen. Für jeden Crimefan auf jeden Fall ein Blick wert.

Balthazar ist seit dem 13.11.2020 auf DVD erhältlich

Balthazar Staffel 1 wurde mir von Glücksstern-PR als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Ohne Schuld

Ein Vorwort

Charlotte Link gehört wohl zu den AutorInnen, die sich mit recht zu meinen Lieblingen zählen dürfen. Hat sie mich doch Buch um Buch begeistern können. Bis sie 2015 mit Die Betrogene zum ersten Mal Richtung Krimi ging. Auch konnte mich die Protagonistin Kate Linville einfach nicht überzeugen. Kurz darauf gab es mit Die Entscheidung den nächsten Krimi, ohne Linville, der aber an blassen Figuren krankte und sich zu sehr an Stereotypen orientierte. 2018 sollte es dann mit Die Suche weitergehen, in der wir erneut auf Linville trafen. Das war der Punkt, wo ich dachte, dass ich einfach keine Krimis von Charlotte Link mehr lesen werden. Und nun kam Ohne Schuld. Wieder mit Kate Linville als Protagonistin. Und ich konnte nicht anders und musste es doch lesen. Und was soll ich sagen: Ich wurde positiv überrascht und hätte es bereut, wenn ich es nicht gelesen hätte. Wieso erfahrt ihr in meiner Kritik.

 

Die Handlung

Kate Linville hat ihren Job bei Scotland Yard gekündigt, um im Norden noch einmal völlig neu anzufangen. Und schon ist sie mitten drin im neuen Fall. Denn im Zug rennt ihr eine panische Frau in die Arme. Xenia Paget ist sich sicher, dass sie ermordet werden soll. Und tatsächlich stehen beide Frauen kurz darauf unter Beschuss. Die Ereignisse werden aber noch rätselhafter als ein paar Tage später eine andere Frau mit dem Fahrrad über einen gespannten Draht fährt und sich lebensbedrohlich verletzt. Das erstaunliche ist, dass an beiden Orten Schüsse aus der gleichen Waffe abgefeuert wurde. Wo ist der rote Faden? Wie gehören beide Frauen zusammen?

Meine Meinung

Ohne Schuld beginnt eigentlich ähnlich wie auch Die Betrogene oder Die Suche. Wir haben Kate Linville, die irgendwie in den aktuellen Fall der Polizei von Scarborough reinstolpert. Diesmal aber muss sie danach nicht auf eigene Faust ermitteln, sondern ist direkt in die Ermittlungen eingespannt. Das hat schon einmal den Vorteil, dass sie viel mehr Freiraum bekommt, um ihre Fähigkeiten als Ermittlerin zu demonstrieren, anstatt die halbe Zeit über ihr einsames Leben zu jammern. Das macht sie als Person schon einmal greifbarer. Man fiebert mehr mit ihr mit, statt sich zu freuen, wenn es mal nicht um sie geht. Natürlich ist sie nicht sofort ein neuer Mensch, ihr Charakter bleibt sich noch treu, aber es ist ein besseres Gleichgewicht. Dann haben wir vermehrt wechselnde Perspektiven zwischen anderen Charakteren aus ihrem Team, bzw. den betroffenen Frauen. Unterbrochen wird das ganze durch eine Art Tagebucheintrag einer lange Zeit unbekannten Person, die irgendwo mit allem zu tun zu haben scheint. 
Die Handlung an sich ist sehr linear und lange Zeit wird auch nichts genaueres über die Hintergründe der neuen Charaktere erzählt, sondern immer nur angedeutet. Lediglich die Tagebucheinträge scheinen irgendwo Hinweise zu geben, aber die kann man einfach keinem zuordnen. Die Ermittlungen selbst kommen nur langsam voran, aber das wirkt dafür umso realistischer. Auch schafft Link es immer wieder versteckte Hinweise einzubauen, so dass man als Leser miträtseln kann und selbst zwischendurch fast verzweifelt, weil einfach nichts passen will. Dafür ist man als Leser aber auch durch die wechselnden Perspektiven an allen Charakteren nah dran und verfolgt gespannt ihre Schicksale. 
Die Lösung des Falls ist dann noch einmal völlig überraschen und deckte sich nicht mit meinen Vermutungen, was ein gutes Zeichen ist. Gleichfalls ist es absolut erschreckend, wozu Menschen fähig sind. Link versucht zwar die meisten Taten zu erklären und manche Teile der Auflösung kann man irgendwo noch nachvollziehen, auch wenn es echt erschreckend ist. 
Mit knapp 550 Seiten ist Ohne Schuld schon ein dickes Buch für einen Krimi. Aber der Fall reicht dafür aus, um alle Seiten spannend zu füllen, ohne das er unnötig gestreckt oder aufgeplustert wirkt. Hier zeigt Link einmal mehr, dass sie ihre Geschichten um die Charaktere spannt und diese auch einfach ihre Ecken und Kanten zeigen dürfen – Fun Fact: Genau das habe ich mir in meiner Kritik zu Die Entscheidung gewünscht. Manchmal gehen Wünsche also doch in Erfüllung! 

Das Fazit

Ohne Schuld ist zwar nicht Charlottes Link erster Krimi, aber der erste, der qualitativ an ihre psychologischen Spannungsromane heranreicht. Spannende Handlung, interessante Charaktere, große Geheimnisse und realistische Polizeiarbeit vereinen sich hier zu einem Krimi mit Links ganz besonderer Handschrift. 

Ohne Schuld ist seit dem 02.11.2020 in allen Buchhandlungen erhältlich

Ohne Schuld wurde mir von Blanvalet als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Herbstzeit = Crimezeit – Ausgabe 2020

Ähnlich wie für mich zum Sommer meine Sommerlektüren gehören, gehören für mich zum Herbst Crimeserien. Diesmal habe ich zwar etwas geschummelt und zwei der drei Serien, die ich heute vorstellen möchte, nicht in diesem Herbst gesehen. Dennoch bleibt das Prinzip das gleiche und außerdem bin ich nebenbei auch schon an der nächsten Serie dran, die ich euch bestimmt im nächsten Jahr vorstellen kann. 
Für mich macht eine gute Crimeserie aus, dass sie erinnerungswürdige Charaktere und  intelligente Fälle hat, sehr gerne nach dem „Mord der Woche“-Prinzip. Wenn ihr Empfehlungen für mich habt, sehr gerne her damit! Ich habe nämlich das Gefühl, dass das Genre langsam ausstirbt und nur noch die angefangenen Serien beendet werden, aber wenige neue erscheinen. 

Bones – 12 Staffeln

Die Handlung: Temperance „Bones“ Brennan (Emily Deschanel) ist forensische Antropologin am Jeffersonian Institute. Sie untersucht Knochen alter Zivilisationen und kann daraus eine Menge Ereignisse rekonstruieren. Dies will sich das FBI zu Nutze machen und schickt Seeley Booth (David Boreanaz), um mit Brennan zu verhandeln. Nach einer etwas schwierigen Eingewöhnung zwischem dem impulsiven Booth und der menschenscheue Brennan, die mit vielen gesellschaftlichen Gepflogenheiten nichts anfangen kann, entwickeln sie sich zu einem guten Team. Fortan werden Leichen von Brennan und ihrem Team untersucht. Bedingungen ist für Brennan allerdings, dass sie bei den Ermittlungen auch im Außeneinsatz mithelfen darf, was Booth gar nicht gefällt. 

Meine Meinung: Die Serie läuft bereits seit 2005 und gerade die Anfänge habe ich noch sehr intensiv im Fernsehen verfolgt. Die Serie funktioniert eigentlich lange Zeit sehr gut, lediglich in den späteren Staffeln wurden die Staffelfinale ein wenig größenwahnsinnig, weswegen ich lange Zeit keinen Anschluss mehr an die Serie fand. Das hat sich Ende letzten Jahres geändert und seit diesem Jahr habe ich alle 12 Staffeln gesehen. 
Die Serie hat vor allem durch das Team des Jeffersonian wunderbar funktioniert. Zwischenzeitlich gab es ein paar Änderungen im Team, aber gerade die Vielfalt durch die Assistenten ab Staffel 4 – glaube ich zumindest – war eine gute Rotation drin, die Platz für verschiedene Witze schufen und doch eine gewissen Kontinuität erlaubten. Dennoch ist das Team irgendwo miteinander gewachsen. Auch an Brennan selbst, musste man sich am Anfang gewöhnen. Doch nach und nach konnte man sie immer besser verstehen und ihr gutes Verhältnis zu Booth haben die Serie so sympathisch gemacht. Leider passierte irgendwann das unausweichliche und die beiden wurden ein Paar, und genau ab da ging es mit der Serie bergab. Das bleibt jedoch jammern auf hohem Niveau, da die Fälle selbst durchgehend spannend bleiben und genug Variation drin ist, so dass es einen immer noch überrascht, wer am Ende der Mörder ist. 

Miss Fishers mysteriöse Mordfälle – 3 Staffeln

Die Handlung: Phryne Fisher (Essie Davis) ist Aristokratin und kehrt in den 1920er Jahren nach vielen Jahren in Europa in ihre Heimat Melbourne, Australien zurück. Dort hilft sie bei der Aufklärung eines Mordes mit. Fortan mischt sie sich gerne in die laufenden Ermittlungen bei Mordfällen ein. Detective Inspector Jack Robinson (Nathan Page) ist davon wenig begeistert, kann Miss Fishers Enthusiasmus aber auch nicht stoppen.

Meine Meinung: Von der Serie habe ich euch dieses Jahr ja schon mehrfach berichtet, aber auch in diesen Beitrag passt sie wieder perfekt rein. Denn wir haben erinnerungswürdige Charaktere, auch neben der Protagonistin, spannende Fälle und den „Mord der Woche“. Am spannendsten ist hier aber, dass das ganze nicht in der modernen technischen Welt spielt, sondern in den 1920er Jahren. Dadurch mussten viele Fälle auf ganz andere Weise gelöst werden, als durch Analyse der Spuren am Tatort. Hinzu kommt, dass Australien als Handlungsort noch einmal zusätzlichen Charme hat. Es spielen einfach zu viele Crimeserien in New York. 

Stumptown – 1 Staffel

Die Handlung: Dex Parios (Cobie Smulders) war beim Militär und hat in Afghanistan gekämpft. Als sie zurückkam waren ihre Eltern weg und ihr Bruder Ansel (Cole Sibus) in einem Heim. Nun zieht sie ihren Bruder groß, der das Down Syndrom hat. Sie hängt häufig im Bad Alibi ab, der Bar ihres besten Freundes Grey (Jake Johnson). Nachdem sie von der Mutter ihres verstorbenen Ex-Freundes Sue Lynn Blackbird (Tantoo Cardinal) den Auftrag bekommt ein vermisstes Mädchen zu finden, erkennt Dex, dass sie durchaus Talent in dieser Art von Job hat. Sie beantragt eine Privatermittlerlizenz. Dabei hilft ihr Detective Miles Hoffmann (Michael Ealy). 

Meine Meinung: Im letzten Jahr stellte ich euch mit Almost Human bereits eine Crimeserie mit Michael Ealy vor. Die wurde nach einer Staffel abgesetzt. Dieses Jahr habe ich Stumptown entdeckt. Zwar hat ABC im Mai 2020 eine zweite Staffel bestellt, dies aber wohl im September 2020 wieder gecancelt. Aber vielleicht gibt es ja noch mehr Menschen, die diese Serie ebenso lieben wie ich und wir schaffen es die Serie zu retten? 
Denn Stumptown ist auf jeden Fall anders, als die gängigen Crimeserien. Dex stolpert eigentlich eher von einem Fettnäpfchen ins nächste, ist chaotisch und durch ihre posttraumatische Belastungsstörung aus der Zeit in Afghanistan auch dem Alkohol sehr zugeneigt. Nicht gerade die übliche Heldin. Auch haben wir neben Miles kaum Kontakt zum örtlichen Polizeirevier, auch wenn seine Vorgesetzte Bobby Cosgrove beide öfter mal zur Ordnung rufen muss. Wir haben also kein Sammeln von Beweisen, keine Spurensuche am Tatort, vor allem haben wir in der Regel kein Tatort. Denn als Privatermittlerin hat es Dex nicht mit Morden zu tun. Auch sind die zwischenmenschlichen Beziehungen hier kein reines Schmückwerk, sondern bilden das Herz der Serie. Mit all ihren verschiedenen und vor allem auch diversen Charakteren hat Stumptown eine ganz besondere Mischung. Nur ein paar Beispiele: Dex ist bisexuell, Miles ein people of colour, Ansel hat das Downsyndrom und die indigene Bevölkerung spielt eine regelmäßige Rolle. Besonders herausheben möchte ich hier auch noch den genialen Soundtrack. Also schaut euch die Serie an und dann müssen wir ABC bearbeiten, damit sie doch noch eine zweite Staffel produzieren!

Mord im Orient Express

Am 09.11.2017 erschien eine Neuverfilmung des Agatha Christie Romans in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort:

Agatha Christie gilt nicht umsonst als „Queen of Crime“. Ihre 66 Kriminalromane, unter anderem mit den weltberühmten Detektiven Hercule Poirot oder Miss Marple, und ihre Kurzgeschichten wurden weltweit über 2 Milliarden Mal verkauft und gehören zu den meistübersetzten Werken weltweit. Während sie der Theaterwelt wenig vertraute und die auf ihren Werken basierenden Theaterstücke immer selbst inszenierte, sieht es in der Filmwelt anders aus. Denn hier sind ihre beiden Meisterdetektive Miss Marple und Mr Poirot altbekannte Figuren. Trotzdem schien es an der Zeit zu sein, die Werke Christies erneut auf die Leinwand zu bringen. So begeisterte sich Kenneth Branagh sowohl für die Neuverfilmung eines der Christie-Werke, als auch für die Darstellung des Detektivs Hercule Poirot. Wie schon in der Fassung von 1974 liest sich auch die Besetzungsliste von Branaghs Remake des Stoffes wie ein Who-is-Who in Hollywood. Der Trailer setzte die Erwartungen sehr hoch. Doch kann der Film diese Erwartungen halten?

Die Handlung:

Der Orient-Express von Istanbul bis Paris ist gut gefüllt, als der Detektiv Hercule Poirot (Kenneth Branagh) einsteigt. Die Wagen der ersten Klasse sind komplett gefüllt, weswegen er sich ein Abteil mit dem Sekretär MacQueen (Josh Gad) teilt. Doch mitten in der Nacht kommt es zu einem Mord. Nun ist die Liste der Verdächtigen zwar überschaubar, immerhin müsste es einer der Passagiere sein, doch steht Poirot vor seiner größten Aufgabe, obwohl er doch eigentlich nur seinen Dickens lesen wollte. Waren es der Graf und die Gräfin Andrenyi (Sergei Polunin & Lucy Boynton), die Prinzessin Dragomiroff (Judy Dench) mit ihrer Zofe Hildegarde Schmidt (Olivia Coleman), der Butler Masterman (Derek Jacobi), der mit dem Sekretär MacQueen und dem Gangsterboss Ratchett (Johnny Depp) reist? Oder waren es vielleicht doch die Einzelreisenden? Die Witwe Hubbard (Michelle Pfeiffer), die Missionarin (Penelope Cruz), die Gouvernante (Daisy Ridley), der Arzt Arbuthnot (Leslie Odom Jr.) oder doch der Professor Hardman (Willem Dafoe)?

Meine Meinung:

Mord im Orient-Express beginnt zunächst mit der Aufklärung eines anderen Falls, in dem der Protagonist Poirot vorgestellt wird. So soll der Zuschauer schnell einen Zugang zu ihm kriegen und als Sympathiefigur des Films verstehen. Leider ist Poirot so exzentrisch, dass er nicht wirklich als Identifikationsfigur herhalten kann. Wenn man sich trotzdem an seine Art gewöhnt, hat man mehr Freude an seiner Aufklärungstechnik. Denn Branaghs Mord im Orient Express orientiert sich sehr stark an den Vorlagen und erzählt die Geschichte immer mit einer gewissen Ruhe. Wer aufregende Dialoge, spannende Verfolgungsjagden oder ausgeklügelte Verhörmethoden sucht, sitzt eindeutig im falschen Film. Christies Werk wird voller Respekt behandelt. Der Spannungsbogen selbst ist dadurch zwar nicht sonderlich hoch, aber der Mörder bleibt doch lange Zeit unentdeckt. Die Vermutungen überschlagen sich und wechselns ebenso häufig. Mit seinen 114 Minuten fehlt dem Film die Zeit alle Figuren bis ins Detail vorzustellen, weswegen der Zuschauer gebannt Poirots Ausführungen folgt, da er als einziger den Überblick bei den Charakteren zu halten scheint und ihm Sachen auffallen, die jedem Laien entgangen wären – ganz so wie es sich für einen Meisterdetektiv gehört.

Durch die bedrückende und einengende Atmosphäre des Zuges wird das Katz und Maus Spiel doch noch spannender als zunächst vermutet. Keiner kann weg, jeder könnte der Mörder gewesen sein. Die Enge des Zuges lässt auch das Kamerateam sehr kreativ sein, was die Einstellungen betrifft. So sind nicht nur die üblichen Einstellungen zu sehen, sondern auch immer mal wieder neuartige, die frischen Wind in den Film bringen. Und zwischendurch gibt es dann doch kleine Szenen, die die Spannung durchaus erhöhen.
Ebenfalls ein interessanter Schachzug ist es, neben den ganzen hochkarätigen Namen der Schauspielriege auch wenige unbekannte hinzuzufügen. Während sich Branagh, Dafoe, Dench und viele weitere einer Oscarnominierung oder sogar eines Oscargewinns rühmen können, schafft es trotzdem sich Daisy Ridley (Star Wars – das Erwachen der Macht) ebenfalls in den Vordergrund zu spielen, auch wenn sie vor Star Wars kaum Rollen vorzuweisen hatte. Einen Schritt weiter geht Branagh dann noch bei der Besetzung von Sergei Polunin als Graf Andrenyi, der bisher erfolgreicher Ballettänzer war und zum ersten Mal für einen Kinofilm vor der Kamera stand. Dennoch muss auch er sich nicht verstecken. Castingtechnisch macht Mord im Orient Express also auch vieles richtig.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Mord im Orient Express interessante Kameraführungen hat, den Cast gut ausgewählt hat und sich gleichzeitig auch nah an die Romanvorlage hält. Doch der schmale Grad zur Modernisierung des Materials gelingt letztendlich nicht. So fesselt der Film nicht genug, erzeugt zu wenig Spannung und auch die Auflösung wird im komplett ruhigen Ton des Films gezeigt. Dadurch fehlt dem Film das gewisse Etwas, den gewissen Pepp, der das Werk außergewöhnlich gemacht hätte. So ist Mord im Orient Express zwar ein guter Film, bleibt aber doch hinter den Erwartungen zurück.

Das Fazit:

Wer einen ruhig erzählten Kriminalfall, der in sich an jeder Stelle schlüssig ist – dank der guten literarischen Vorlage – mit einem starken Cast und nicht allzu viel Wert legt auf das außergewöhnliche oder einem hohen Spannungsbogen ist mit Mord im Orient Express genau richtig bedient. Für alle anderen dürfte der Film an der einen oder anderen Stelle doch enttäuschend wirken. Dafür gibt es 7,5 von 10 möglichen Punkten und damit das erste Mal, dass auf dieser Seite halbe Punkte vergeben werden.

 

Die Entscheidung

Ich bin ein großer Fan von Charlotte Link und habe so ziemlich jedes Buch von ihr im Regal stehen (ausgenommen ihre Pferdekinderbücher). So konnte ich auch nicht wiederstehen ihr neustes Buch direkt zu verschlingen.

Simon wollte eigentlich über Weihnachten mit seinen Kindern im Ferienhaus seines Vaters in Südfrankreich Urlaub machen. Doch seine Kinder sagen ihm ab, seine neue Freundin trennt sich von ihm und dazu regnet es pausenlos. Trotzdem schlendert er am Strand entlang und trifft dort auf Nathalie, die offensichtlich in Schwierigkeiten steckt. Die Entscheidung ihr zu helfen, soll Simon schnell bereuen, denn Nathalie ist irgendwie in Verstrickungen, die bis nach Bulgarien reichen verwickelt.

Das Charlotte Link sehr wandelbar ist, hat sie bereits mehrfach bewiesen. Zunächst gestartet mit Gesellschaftsromanen, wie ihrer gefeierten „Sturmzeit“-Trilogie, entdeckte sie schnell die psychologischen Spannungsromane für sich. Hier bekam der fleißige Leser mehrere Charaktere bzw. ganze Familien präsentiert, die in irgendeiner verstrickten Geschichte steckten, die der Leser entschlüsseln musste. Gerne wurde hier auch ein Ausflug in die entfernte Vergangenheit verschiedener Figuren entführt. Diese Ausflüge kamen danach immer weniger vor, aber das tat der Spannung keinen Abbruch und Link entdeckte sich erneut neu. Mit ihrem letzten Werk „Die Betrogene“ versuchte sich Link nun zum ersten Mal in Richtung Kriminalroman. Aber auch hier entstand eine enge Verbindung zu den Figuren, wir lernten viel über sie, ihre Stärken, ihre Schwächen, ihre Ecken und Kanten. Doch irgendwo fehlte der Geschichte so ein bisschen das typische Linkkalkül. Dies sollte sich jedoch am Ende doch noch zeigen und so lässt sich „die Betrogene“ als Versuch Richtung Krimi abstempeln, kommt jedoch nicht mehr an die früheren Werke heran. Nun präsentiert uns Charlotte Link ihr neustes Werk und auch diesmal handelt es sich wieder um einen Kriminalroman.
Simon ist der typische Versager. Geschieden und doch lässt er sich von seiner Ex-Frau auf der Nase rumtanzen, was die Kinder betrifft. Sein Vater sagt ihm offen ins Gesicht, dass er ihn für einen Versager hält und trotzdem versucht Simon noch immer die Anerkennung des Vaters zu bekommen. Doch aus dem geplanten Weihnachtsurlaub mit seinen Kindern im Ferienhaus des Vaters in Südfrankreich wird nichts, denn seine Ex-Frau und deren neuer Freund beschließen, dass die Kinder lieber bei ihnen in Deutschland bleiben sollen. Und so fährt Simon alleine, denn seine neue Freundin hat er damit verschreckt, dass er sie vor den Kindern verheimlicht und daher nicht mit nach Frankreich nehmen wollte. In dieser trostlosen Ausgangslage trifft er am Strand auf die verzweifelte und heruntergekommende Nathalie. Eigentlich hätte er einfach weitergehen müssen, aber ausgerechnet diesmal trifft Simon eine Entscheidung, die seine nahe Zukunft stark beeinflussen sollte. Denn Nathalie ist auf der Flucht. Vor wem, dass weiß sie selbst nicht. Sie hat lediglich eine Warnung ihres Freundes Jérôme bekommen. Beide sollen erst später erfahren, dass sie irgendwie in das Visier eines Menschenhändlerrings gekommen sind, die keine Skrupel haben. Die Geschichte führt bis nach Bulgarien und erzählt neben Simons und Nathalies Geschichte auch die zweiter verzweifelter Familien, die glauben ihre schönen Töchter könnten im Westen ein gutes Leben bekommen.
Die Thematik von Menschenhändlern ist bereits in mehreren Büchern und Filmen behandelt worden. Link schafft es trotzdem der ganzen Geschichte eine eigene Richtung zu geben. Denn hier sind es keine Helden, die auf eigene Faust den Ring bekämpfen wollen. Hier sind es die Alltagshelden, die für sich oder für ihre Familien kämpfen. Dabei treten eine Vielzahl von Charakteren auf, deren Verbindung wieder einmal erst gesucht werden muss. Wie für einen Krimi üblich hat auch hier die Polizei eine große Rolle, jedoch nicht so groß, wie in anderen Krimis üblich. Dadurch behalten die Charaktere noch ihre Handlungsfreiheit und können dieses Buch weitgehend selbst gestalten. Doch während Links ältere Bücher sich durch sorgfältig charakterisierte Figuren auszeichnen, hinter denen mehr steckt, als man auf dem ersten Blick denken mag, spiegeln die Figuren diesmal die klassischen Schwarz/Weiß-Klitschees wieder. Jeder Charakter bekommt praktisch nur 1-2 Eigenschaften und handelt nur nach diesen. Kein Variieren, keine ausgeprägten Charakterzüge, keine Überraschungen. Daher wird aber leider auch die komplette Handlung vollständig vorhersehbar. Bis auf 1-2 Wendungen in Bulgarien, kann der Leser bereits am Anfang das Ende vorhersagen. Hier fehlt einfach eine überraschende Handlung der Charaktere.
Trotzdem muss man sagen, dass Link es durch ihren sehr flüssigen Schreibstil trotzdem schafft, einen für 2-3 Tage an das Buch zu fesseln, ehe man die knapp 600 Seiten verschlungen hat. Das ist wieder eine gewaltige Verbesserung zu „die Betrogene“, in der man sich durch viele Seiten durchquälen muss, ehe das Buch in Fahrt kommt. „Die Entscheidung“ hat keine einzige Länge, jede Handlung und Figur hat irgendwo seine Berechtigung, um auf das große Finale zuzusteuern. Wobei hier jedoch noch ein großer Kritikpunkt liegt: das sehr knappe und kurz gehaltene große Finale. Ein brutaler Menschenhändlerring, die nichts zu verlieren haben, und doch ist die Lösung am Ende zu einfach. Hier fühlt man sich am Ende um die Mühe eines Showdown betrogen.

Liebe Frau Link, als ein großer Fan ihrer Werke, verstehe ich, dass sie einmal etwas neues ausprobieren wollten und sich nun den Krimis zuwenden. Aber bitte geben sie ihren Charakteren trotzdem genug Tiefe, bitte bauen sie wieder Überraschungen in die Handlung ein und bitte bleiben sie sich selbst dabei treu. Beim Lesen von „Die Entscheidung“ wäre ich nicht darauf gekommen, dass sie dieses Buch schrieben. Ihre unverkennbare Handschrift hat einfach gefehlt! Ich freue mich trotzdem schon jetzt auf ihr nächstes Werk!

„Die Entscheidung“ wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!