Balthazar

Ein Vorwort

Dass ich Krimiserien mag, dürfte, glaube ich, bekannt sein. Leider scheint der Crimehype der letzten Jahre nachgelassen zu haben, so dass nur noch selten neue Serien erscheinen. Auch wenn auf diversen TV-Sendern noch die immer gleichen Folgen wiederholt werden, gibt es doch wenig neues, vor allem nicht mit dem „Mordopfer der Woche“-Prinzip. Als ich dann von einer relativ neuen französischen Crimeserie hörte, war ich skeptisch. Crime klang toll, aber französisch? Warum mich die Serie dann doch überzeugen konnte, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Raphael Balthazar (Tomer Sisley) ist Gerichtsmediziner. Er assistiert Captain Helene Bach (Helene de Fougerolles) und ihrem Team am Tatort und führt mit seinem Team dann die Obduktionen durch. Doch sein scharfer Verstand und seine stummen Dialoge mit den Opfern führen dazu, dass er auch bei den Ermittlungen mithilft und meist die zündende Idee hat.

Meine Meinung

Balthazar erinnert vom Hauptcharakter ein bisschen an The Mentalist. Zwar hat Balthazar nicht die gleichen Menschenkenntnisse und Manipulationsfähigkeiten wie Patrick Jane (Mentalist), aber sie haben die gleiche arrogant besserwisserische Art. Das funktioniert auf der Leinwand ganz gut, im wahren Leben möchte man aber doch mit beiden nicht zusammenarbeiten. Balthazar versucht das aber noch durch seinen französischen Charme wieder wett zu machen.
Darauf baut auch die Serie auf. Wir haben ein sehr kleines Team und über die wenigsten erfährt man wirklich etwas. Die Handlung wird hauptsächlich um die Fälle und Balthazar gesponnen. Wir erleben ihn regelmäßig in den Gesprächen mit den Opfern bei den Obduktionen, oder aber zu Hause, wo er noch immer mit seiner vor Jahren ermordeten Freundin spricht. Ihr Mord, bzw. ein weiterer Fall mit ähnlicher Markierung lässt Balthazar die Suche nach dem Mörder wieder aufnehmen, obwohl damals bereits jemand verurteilt wurde. Dies macht er aber auf eigene Faust.
Neben Balthazar bekommt auch Captain Bach ein wenig Raum, um ihren Charakter auch über die Ermittlungsarbeit hinaus zu entfalten. Hier wird der Fokus jedoch eher auf ihre angespannte Familiensituation gelegt. Wir haben hier als Gegenstück zu Balthazar eine wunderbar geerdete Ermittlerin, die mit der Bürokratie zu kämpfen hat und gleichzeitig versucht sich von Balthazar nicht auf der Nase herumtanzen zu lassen. Sie wirkt zwar etwas mürrischer, aber nach ca. einer Folge hat man sich an ihre Art gewöhnt.
Die erste Staffel umfasst sechs Episoden von ca. 50-60 Minuten Länge. Damit sind die Folgen etwas länger als der Crimedurchschnitt, was dazu führt, dass es immer noch eine zusätzliche Wendung am Ende gibt. Funktionierte bei den bisherigen Folgen ganz gut, ob es das wirklich bräuchte, darf jeder selbst entscheiden. Wichtig ist aber, dass bisher alle Folgen spannend sind, auch nochmal ganz neue Mordfälle bieten und man halt auch mit Paris einen ganz neuen Handlungsort hat. Dabei werden aber nicht die klassischen Ansichten abgefrühstückt, ich kann mich nicht daran erinnern auch nur einmal den Eifelturm gesehen zu haben. Trotzdem gibt es so typisch französische Klischees, die bedient werden, z.B. werden Besprechungen gerne mal in Cafés vorgenommen, statt im Büro.
Grundsätzlich kann man sagen, dass Balthazar das Rad nicht neu erfindet, man mit ihm als Charakter klar kommen muss, was i.d.R. leicht sein dürfte, und trotzdem frischen Wind ins Crimegenre bringt. Bei der zweiten Staffel bin ich auch gerne wieder mit dabei.

Das Fazit

Balthazar ist an sich eine klassische Crimeserie mit Ermittlerduo, punktet aber durch eine unkonventionelle Ermittlungsarbeit, starker Frauenfigur und spannenden Fällen. Für jeden Crimefan auf jeden Fall ein Blick wert.

Balthazar ist seit dem 13.11.2020 auf DVD erhältlich

Balthazar Staffel 1 wurde mir von Glücksstern-PR als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag hiermit als Werbung.

Unterwegs mit Jacqueline

Am 14.07.2016 erschien ein französischer Film mit einer Kuh als weiblicher Hauptdarstellerin in den deutschen Kinos.

Fatah lebt mit seiner Frau, seinen Kindern und seiner Kuh Jacqueline in einem kleinen Dorf in Algerien. Sein größter Traum ist es mit Jacqueline auf der Landwirtschaftsmesse in Paris aufzutreten. Eines Tages bekommt er sogar die Einladung dahin. Nur leider ist er arm. Doch das ganze Dorf legt für ihn zusammen und so kann er die Überfahrt bezahlen und läuft einfach den restlichen Weg. Unterwegs trifft er allerhand verschiedene Leute.

Tiere haben in Filmen immer wieder kleinere oder größere Rollen. Doch wenn sie die Protagonisten des Films sind, handelt es sich doch meistens um einen Kinderfilm. Doch nur die Franzosen schaffen es einen Film auf die Kinoleinwand zu bringen, in der eine Kuh die weibliche Hauptrolle übernimmt und es sich um keinen Kinderfilm handelt. Die Altersfreigabe ist zwar ab 0 Jahren, aber Kinder sind in diesem Fall nicht die Hauptzielgruppe. Dabei herausgekommen ist eine etwas andersartige Komödie.
Fatah ist ein Bauer in einem kleinen Dorf in Algerien. Sein ganzer Stolz ist seine Kuh, die er Jacqueline getauft hat. Im Dorf wird Jacqueline sogar als seine eigentliche Ehefrau betitelt. Während Fatah das Gerede ziemlich kalt lässt, ist seine Ehefrau nicht begeistert. Fatahs größter Traum ist die Landwirtschaftsmesse in Paris. Er bewirbt sich jedes Jahr, hat aber bisher noch nie eine Einladung bekommen. Das ändert sich jedoch diesmal. Nun steht Fatah vor dem nächsten Problem: Wie soll er die Reise bezahlen. Also legt das ganze Dorf für ihn zusammen, auch wenn sie nicht geschlossen hinter der Reise stehen. So kann er sich zumindest die Überfahrt nach Marseille leisten und von dort geht es zu Fuß weiter bis nach Paris. Unterwegs trifft er die verschiedensten Menschen, die er alle durch seine einmalige positive Art überzeugt und so wird er schon bald zum Internet-Phänomen. Trotzdem ist der Weg weit und beschwerlich und nicht immer geht alles rund.
Am Anfang von „Unterwegs mit Jacqueline“ braucht man ein bisschen, um sich mit der Ausgangssituation anzufreunden. Denn Fatah etwas naive Art und einfältige Art zusammen mit seiner Liebe zu seiner Kuh sind am Anfang ziemlich befremdlich. Trotzdem ist man gespannt auf seine Reise, die leider zu Anfang etwas langweilig und eintönig dargestellt wird. Doch spätestens nach einem französischen „I will survive“ kommt etwas Stimmung in den Film und von da an macht es Spaß Fatah bei seiner Reise zuzusehen. Die verschiedenen Personen, die er unterwegs trifft, sind alle so verschieden, dass es Spaß macht, sie mit Fatah kennenzulernen. Hier treffen vorallem auch verschiedene Kulturkreise aufeinander. Als Fatah schließlich von der Presse entdeckt wird und zum Internet-Phänomen mutiert, lässt man sich schnell vom Hype mitreißen und hofft nur noch auf ein Happy-End und verflucht alle Steine im Weg. So schafft der Film es sich von langweiligem Drama zu mitreißender Komödie zu bessern. Trotzdem bleiben die Witze rar gesäht und zum Ende hin zieht sich der Film ein wenig. Trotzdem kann der Film am Ende mehr überzeugen, als man aus der Filmbeschreibung vermuten kann.

Alles in allem überzeugt der Film mehr, als man am Anfang vermuten lässt, hat aber doch ein paar Schwächen. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.