Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Ein Vorwort

Caroline Link präsentierte uns bereits letztes Jahr zu Weihnachten die Geschichte eines harten Kinderschicksals. In „Der Junge muss an die frische Luft“ erzählte sie die Geschichte der Kindheit von Hape Kerkeling, nach dessen gleichnamigen Roman. Dieses Jahr nahm sich die Regisseurin das autobiografische Buch von Judith Kerr vor, die von ihrer Kindheit während der Nazizeit und der Flucht vor eben denen berichtete. Was „Als Hitler das Rosa Kaninchen stahl“ nun zu erzählen hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

1933. Annas Vater Arthur Kemper ein jüdischer Journalist muss vor der Wahl aus dem Land fliehen, da er den Nazis ein Dorn im Auge ist. Anna kommt kurz darauf mit ihrer Mutter und ihrem Bruder nach. Die Familie sucht zunächst in Zürich Unterschlupf und muss später weiter nach Paris und nach London fliehen. Dabei musste die Familie fast alles zurücklassen, auch Annas geliebtes rosa Kaninchen.

Meine Meinung

Das Caroline Link ein gutes Händchen für das Casting von Jungdarstellern hat, bewies sie bereits mit Julius Weckauf als jungen Hape Kerkeling. Auch in ihrem neuen Film hat sie es geschafft mit Riva Krymalowski und Marinus Hohmann zwei gute Jungdarsteller zu finden, die den schmalen Grad zwischen dem jugendlichen Leichtsinn und der Last der Flucht gut ausbalancieren und es in ihrem Alter schon verstehen, zwar reduziert zu spielen, aber trotzdem eine Menge Emotionen zu vermitteln.
Wirklich aufregend wird die Handlung an keiner Stelle. Wer also mit spannenden Fluchtszenen gerechnet hat, der wird hier wohl enttäuscht. Auch hat der Titel bis auf drei kurze Szenen wenig mit dem Titel zu tun. Gerade hierüber war beispielsweise meine beste Freundin sehr enttäuscht, die sich auf wilde Gute-Nacht-Geschichten gefreut hatte, in dem ein gezeichneter böser Hitler das arme rosa Kaninchen stahl. Als sowas sucht man in diesem Film vergeblich. Stattdessen bleibt die Erzählung an Anna dran, die sich regelmäßig in neuen Situationen wiederfindet, die ihr zuwider sind, oder die sie schlicht nicht nachvollziehen kann. Auch bleibt das regelmäßige Sprache lernen und wieder nichts verstehen den Kindern nicht erspart.
Hier ist vor allem spannend zu entdecken, wie das Thema Nazis und Hitler und dessen Machtergreifung mit den Auswirkungen auf die Bevölkerung zwar allgegenwärtig sind, aber tatsächlich eher über die Gespräche der Erwachsenen transportiert wird. Für die beiden Kinder ist es eher ein Herausreißen aus dem gewohnten Leben und ein Abschiednehmen aus der Heimat. Wie unterschiedlich auch beide damit umgehen und mit welchen Problemen und Sorgen sie sich herumschlagen, all das beleuchtet der Film ganz genau. Vielleicht ist er gerade durch die Unaufgeregtheit und die ruhige reduzierte Erzählweise eines der ehrlichsten Alltagsbilder aus eben jener Zeit.
Getragen wird der Film von einer hochmotivierten Riva Krymalowski als Anna, die mit ihrem nie enden wollenden Enthusiasmus den Zuschauer in den Bann ziehen kann. Gerade die transportierte kindliche Unbeschwertheit, trotz der vielen Sorgen der Familie, machen den Film aus. Gerade die Sympathien mit der Familie sorgen dafür, dass der langsam erzählte Stoff an keiner Stelle zäh wirkt.

Das Fazit

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl ist ein ruhig, aber ehrlich erzählter Film über die Nazizeit aus der Sicht eines jungen Mädchens. Dabei ist er nie wirklich spannend, aber wird durch die sympathische Familie getragen. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl läuft seit dem 26.12.2019 in den deutschen Kinos.

Love, Simon

Ein Vorwort

Neben dem allgemeinem Wust an Superheldenfilmen, Fortsetzungen, Remakes und Reboots gibt es auch noch die ganz klassischen Buchverfilmungen. So geschehen mit dem Buch „Nur drei Worte“ von Becky Albertalli (Originaltitel Simon vs. the Homo Sapiens Agenda). Schon der Trailer ließ auf eine süße Teenager Dramedy mit erstem Thema schließen. Was dabei herauskam, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Simon Spier (Nick Robinson) ist ein ganz normaler Junge kurz vor seinem Abschluss an der High-School. Er hat nur ein Geheimnis: Er ist schwul. Auf dem Schulblog outet sich eines Tages der anonyme Blue. Simon freundet sich per E-Mail mit Blue an und versucht herauszufinden, wer er ist. Bis seine E-Mails auch auf dem Schulblog geleaked werden.

Meine Meinung

Love, Simon ist einer dieser selten gewordenen Filme, bei dem einfach alles passt. Die Handlung ist logisch, mitreißend, aber doch auf dem Boden geblieben und erzählt chronologisch die Geschichte des ganz normalen Teenagers, der ein wenig Angst vor seinem Coming-out hat und mit den normalen High-School Problemen herumläuft.
Das größte Lob sollte der Film für die Herangehensweise an das Thema Coming-out kriegen. Natürlich ist vieles davon aus der Buchvorlage abgekupfert, aber auf eine gute Art. So lernen wir zunächst den ganz normalen Simon kennen. Irgendwann erfahren wir, dass er schwul ist und dies auch vor seiner Familie geheim hält. Er ist aber immer noch der gleiche sympathische Junge wie vorher, nur dass der Zuschauer nun ein Detail mehr über ihn weiß. In seinem Mailwechsel mit dem anonymen Blue philosophiert Simon unter anderem darüber, warum er sich überhaupt outen muss. Warum müssen sich heterosexuelle Menschen nicht outen, homosexuelle aber schon? Das ist nur ein Beispiel, in dem Love, Simon auf sehr subtile Art deutlich macht, wie normal Homosexualität in der Gesellschaft sein sollte, aber leider nicht ist. So bekommen wir ein supersüßes lockeres leichtes Teenagerdrama mit einem Hauch Gesellschaftskritik, die gut eingebunden ist, aber nicht dominant auftaucht. So ist Love, Simon so viel mehr als nur ein erzähltes Einzelschicksal, was dem Film nochmal zusätzliche Pluspunkte gibt.
Wie man im Trailer bereits erfährt, kommt es zum unfreiwilligen Coming-out. Hier nimmt sich der Film vor, ganz genau die verschiedenen Charaktere und ihre Reaktionen abzubilden. So erfährt es die Familie, die nicht geschockt ist, dass er schwul ist, sondern dass sie es einfach nicht bemerkt haben. Dass er so lange so ein Geheimnis mit sich herum tragen konnte, ohne dass sie etwas gemerkt haben. Dann kommen die Freunde, die ihn teilweise auch schon ewig kennen und ihre Reaktionen und schließlich natürlich die Mitschüler, die es sehr unterschiedlich auffassen.
Die ganze Thematik meistert Love, Simon mit einer unglaublichen Lockerheit. Hinzu kommt genau pointierter Humor, der dem Film nicht den nötigen ernst nimmt. Untermauert wird die gute Handlung von den gut durchdachten Charakteren und deren Darstellern.

Das Fazit

Love, Simon ist intelligent geschrieben und erzählt Simons Geschichte mit dem nötigen Ernst, aber doch auf eine lockere und witzige Weise. Dabei unterläuft ihm kein Fehler und spielt sich direkt in die Herzen der Zuschauer. Dafür gibt es 10 von 10 möglichen Punkten.

Love, Simon läuft seit dem 28.06.2018 in den deutschen Kinos.