Der Buchspazierer

Ein Vorwort

Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich diesen Trailer gesehen habe, unzählige Male habe ich die immer gleiche Geschichte angeteasert bekommen. Und ich hatte so Lust auf diesen Film. Es klang nach einer schönen kleinen Perle eines deutschen Studios, das sich von der Masse der Komödien abheben könnte. Gleichzeitig war die Angst groß, dass der Film die Handlung nicht tragen könnte. Warum diese Befürchtung ungerechtfertigt war, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Filmtitel und Kinokarte arrangiert auf einer Filmklappe. Daneben sind drei Reclam Ausgaben von Klassikern der Literatur arrangiert.

Die Handlung

Carl Kollhoff spaziert für eine kleine Buchhandlung jeden Tag durch die Stadt und liefert Buchbestellungen aus. Die Stammkundschaft hat von ihm inzwischen Namen aus Büchern bekommen, so schaut er regelmäßig bei Mr. Darcy oder Frau Langstrumpf vorbei. Dabei wahrt er stets eine höfliche Distanz. Bis er auf die neunjährige Schascha trifft, die ihn gern begleiten möchte und durch ihre quirlige Art seinen Alltag ordentlich auf den Kopf stellt.

Meine Meinung

Ein Film über Bücher? Da war ich doch direkt dabei. Gut, es geht vielleicht nicht direkt um Bücher, aber es geht um die Menschen, die Bücher und Geschichten lieben und wie diese die Menschen beeinflussen können. Es ist eine Hommage an die ganzen Klassiker und an die kleinen Inhabergeführten Buchhandlungen, die nicht auf reine Massenabfertigung setzen. Aber beginnen wir am Anfang.
Eine Erzählstimme erklärt uns zunächst den Alltag von Carl Kollhoff. Wir lernen ihn als den Buchspazierer kennen, und als Mann, der Bücher ganz im allgemeinen liebt. Gleichzeitig ist er verschlossen und kurz angebunden, wenn auch sehr höflich dabei. Dann lernen wir Schascha kennen, die ebenfalls eher verschlossen ist, da sie in ihrer neuen Klasse noch keinen Anschluss gefunden hat. Auch ihre Liebe zu Büchern ist sofort erkennbar, was an der Erziehung der inzwischen verstorbenen Mutter liegt.
Hier kommt also früh das Thema Trauer und Trauerbewältigung ins Spiel. Während Schascha sich eher verschließt und die Nähe von einem anderen Buchliebhaber sucht, in diesem Fall dem Buchspazierer, trotz des gewaltigen Altersunterschieds, blockt ihr Vater alle Gespräche zu dem Thema ab. In seinen Augen sollte seine Tochter einfach weitermachen und wieder lachen und lebensfroh sein. Dass dies nicht so einfach ist und wie man besser mit Trauer umgehen kann, wird hier nach und nach entschlüsselt und kommt so neben einer sehr süßen Geschichte auch mit einer tollen Botschaft daher.
Aber auch darüber hinaus lernen wir die Lesenden nach und nach besser kennen und erfahren ihre Hintergrundgeschichten. Dabei wird der ein oder andere Konflikt vielleicht etwas leicht gelöst, was aber zur beschwingten Grundstimmung passt. Denn wir haben hier teilweise heftige Themen, dennoch ist es in großen Teilen ein Feelgood-Film. Auch, wenn man für das Ende besser eine große Packung Taschentücher bereit halten sollte.
Umrahmt wird das Ganze von der großen Liebe zu den Büchern, auch wenn über ihre Inhalte nicht so viel erzählt wird und man einige Andeutungen vermutlich besser versteht, wenn man bereits einige Klassiker der Weltliteratur gelesen hat. Zeitgleich geht es auch um die Kommerzialisierung von Buchhandlungen, was soweit geht, dass es in der vorher gut sortierten Stadtbuchhandlung auf einmal alles gibt, außer Bücher.
Insgesamt ist der Buchspazierer ein Film über Freundschaft, Trauerbewältigung und Bücher. Das Ganze wird sehr locker erzählt, nimmt seine Themen aber durchaus ernst. Es gibt verschiedene Betrachtungsweisen, die gehört werden, und dabei keinen direkten erhobenen Zeigefinger. Stattdessen sind es die Charaktere, die einen spielend leicht ans Herz wachsen und das emotionale Finale, das diesen Film zu etwas ganz besonderem macht und einfach eine schöne Geschichte erzählt. Ich habe jede Minute genossen.

Das Fazit

Der Buchspazierer ist einer dieser kleinen Filmperlen, die einfach so viel Liebe und Herzlichkeit in sich bergen, dass sie einen sehr berühren. Mit einer guten Portion Fröhlichkeit und dem Gegenpart der schweren Themen schafft der Film die Balance und findet einen Weg direkt ins Herz. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Der Buchspazierer läuft seit dem 10.10.2024 in den deutschen Kinos