Der Junge und der Reiher

Ein Vorwort

Nachdem Hayao Miyazaki 2013 nach „Wie der Wind sich hebt“ sein Karriereende ankündigte, erlebte Studio Ghibli ein wenig eine Durststrecke, wurden doch in der Zwischenzeit gerade einmal vier Spielfilme veröffentlicht. Nun kam Miyazaki doch noch einmal zurück mit seinem angeblich wirklich letzten Film – auch wenn es Gerüchte gibt, dass er doch bereits am nächsten arbeitet. Ob der lang ersehnte Film dem Hype gerecht wird, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Maki Mahito zieht während des zweiten Weltkriegs und nachdem seine Mutter in einem Brand ums Leben kam, mit seinem Vater aufs Land, da er dort die jüngere Schwester seiner verstorbenen Frau geheiratet hat. Während der Vater mit der Leitung einer Rüstungsfabrik beschäftigt ist, erkundet Mahito das Grundstück und trifft dabei immer wieder auf einen Reiher, der ihn zu einem teilweise verschütteten Turm führt. Doch erst als seine Stiefmutter entführt wird, betritt er durch den Turm eine andere Welt. Wird er sie finden und können beide zurückkehren?

Meine Meinung

Egal, wie wenig man sich mit Animes und der japanischen Filmgeschichte auskennt, so haben Hayao Miyazaki Werke es auch in unseren Kreisen zu unfassbarer Bekanntheit geschafft. So war Chihiros Reise ins Zauberland zum Beispiel auch mein erster Anime, den ich bewusst gesehen habe. Und es sollten einige, davon viele aus der Feder Miyazakis, folgen. Dabei ging ich an Der Junge und der Reiher eher unbedarf heran, hatte mich vorher wenig mit dem Film auseinander gesetzt, lediglich über Filmportale die gespannte Erwartung der Filmwelt mitbekommen.
Und wie es bei einigen seiner Filme so ist, baut Miyazaki spielerisch eine Welt zwischen Katastrophe und Harmonie, eine Welt in einer Welt, eine Fantasiewelt, die so voller Metaebenen ist, dass es wohl noch einige Male braucht, bis sich den Zuschauenden wirklich alles entfaltet. Dabei ist es gerade dieses mitdenken, interpretieren, die Kleinigkeiten entdecken und enträtseln, die diese Filme zu etwas zu besonderem machen, da es sich doch von den üblichen Animationsfilmen aus Hollywood unterscheidet.
Ich muss gestehen, dass ich aber gerade dadurch zunächst so meine Probleme mit dem Film hatte. Beim Ansehen strömte so viel auf mich ein, dass ich mich einfach überfordert gefühlt habe. Denn selbst, wenn man versucht zunächst nur die wundervollen und liebevollen animierten Bilder auf sich wirken zu lassen, kommt man doch nicht umhin sich mit den ersten Kleinigkeiten auseinander zu setzen, in der Angst, sonst etwas zu verpassen. Im Nachhinein habe ich mir ein ausführliches Video zu den ganzen Einflüssen aus Miyazakis Lebensgeschichte und anderen Werken auf den Film angesehen und damit begann dann so langsam meine Begeisterung für den Film. Denn so erkennt man bereits so viele Anspielungen, dass es absolut faszinierend ist, und dennoch bleiben viele Ebenen des Films immer noch einem zur eigenen Interpretation offen.
Was aber sofort blieb war der wunderschöne Zeichenstil, eine Geschichte, die einen in einen Bann zieht, auch wenn sie einen überfordert und unglaublich interessante Charaktere. Was noch kommen kann, ist eine völlig Faszination von dem Film, doch das ist wohl auch einfach ein Film, der in einem nachreift und seine Zeit braucht.

Das Fazit

Der Junge und der Reiher hat mich beim ersten Mal sehen komplett überfordert, dennoch sind die vielen Ebenen absolut faszinierend und bleiben auf jeden Fall in Erinnerung. Der Film übt einen Sog aus, dass man sich danach noch länger mit ihm befassen will und das habe ich so lange nicht mehr erlebt. Dafür gibt es dennoch aktuell 07 von 10 Punkte (was sich nach öfterem sehen durchaus nach oben ändern kann).

Der Junge und der Reiher läuft seit dem 04.01.2024 in den deutschen Kinos