Girl, you know it’s true

Ein Vorwort

Nachdem Hollywood ein Musiker*innen Biopic nach dem nächsten rausgehauen hat, war es nicht weiter verwunderlich, dass auch Deutschland auf den Hype aufgesprungen ist – auch wenn der Hype eigentlich schon längst wieder abgekühlt ist und der Markt übersättigt scheint. Nun konnte man sich vermutlich eine Menge toller deutscher Musiker*innen mit interessanter Geschichte vorstellen. Wir bekamen jedoch einen Film über Milli Vanilli. Warum das jedoch teilweise besser als die Gegenparts aus Hollywood funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Rob und Fab haben den Traum in der Musikbranche durchzustarten. Als Produzent Frank Farian auf sie aufmerksam wird, scheint dieser Traum zum greifen nah. Als MilliVanilli starten sie durch und haben schnell Erfolg. Doch das Problem ist, dass sie davon nicht eine Note selbst gesungen haben.

Meine Meinung

Ich war wahrscheinlich die eine Person auf dieser Erde, die vom damaligen Skandal rund um MilliVanilli nichts mitbekam. Dementsprechend war ich völlig unbefleckt auf dem Weg mit einer Freundin ins Kino, als mich mein Mann nochmal fragte, in welchen Film ich ging. „Ach, waren das nicht die, die gar nicht selbst gesungen haben? War doch ein riesen Skandal“. Nun, ich ging also in den Film und wusste doch wieder, wie er ausgehen würde.
Womit ich nicht gerechnet habe, nachdem auch noch klar wurde, dass Matthias Schweighöfer mitspielte, war, dass mich der Film so überzeugen würde. Aber fangen wir am Anfang an. Wir lernen Rob und Fab nämlich nicht am Anfang ihrer Geschichte kennen, sondern auf dem Höhepunkt. Nach einer durchfeierten Nacht in einem zwar nicht zerstörten Hotelzimmer, doch die Spuren der ausgelassenen Feierei sind deutlich zu sehen. Hier treten die beiden nun als Erzähler auf. Sie berichten von ihrer Geschichte. Während wir dann doch zu den Szenen ihres Kennenlernens driften, wird immer wieder zu dieser Szene zurückgeblendet, so dass sie immer ein paar Andeutungen an die Zukunft machen können, uns weitere Details erzählen können und damit eine unglaubliche Nähe zu den Zuschauenden aufbauen, was ich lange nicht mehr erlebt habe. Denn es ist eine reflektiertere Sicht als noch in den Momenten des erlebens selbst.
Ihre Geschichte, wie sie einfach schnell berühmt werden wollten mit ihrer Musik, die Steine, die ihnen in den Weg gelegt wurden und die Lügen, die sie irgendwann selbst glaubten. Alle Zutaten für ein Musik Biopic sind da und werden hier mit einer gelungenen Mischung aus Drama, Witz und Selbstironie zusammengemischt und präsentieren einen Film, der über das übliche Abhaken der Wikipedia-Abschnitte hinausgeht. Die Tiefe, die man sich beim Whitney Houston Biopic gewünscht hat, aber niemald in einem Film über MilliVanilli erwartet hat, wird eben genau hier geboten.
Auch schauspielerisch stimmt das Ensemble hier. Selbst ein Matthias Schweighöfer kann abliefern, auch wenn die sehr überzeichnete Rolle, wohl auch einfach zu seinem üblichen Spiel passt und er hier keine neuen Dimensionen zeigen musste. So habe ich einen entspannten Filmabend verbracht, gelacht, gebangt – obwohl der Ausgang irgendwo klar war, doch er hat einen so gut mitgezogen – und war überrascht, dass einer der interessantesten Musik Biopics aus Deutschland kam und über mir eine eigentlich unbekannte Gruppe. Aber es braucht eben nicht nur die großen Namen, wie Whitney Houston, Aretha Franklin, Elvis und Co, sondern auch Ideen, wie diese umgesetzt werden können.

Das Fazit

Girl you know it’s true überrascht als Musik Biopic mit einer erfrischenden Erzählweise und kann dadurch den Film über Auf- und Abstieg von Milli Vanilli tragen und bietet dabei mehr als nur die Informationen aus dem Wikipedia-Artikel. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Girl you know it’s true läuft seit dem 21.12.2023 in den deutschen Kinos