Ein Vorwort
Nachdem die Musikerbiopics nach ihrer Hochphase zum Glück ein wenig nachgelassen haben, wurde es dennoch Zeit sich mit einem Namen zu befassen, der bisher fehlte. Michael Jackson. Ein Künstler, der neue Maßstäbe setzte, eine ganze Generation prägte und am Ende nur noch für seine negativen Schlagzeilen bekannt war. Wie sollte so ein Film funktionieren? Nun, genauso, wie dieser. Mehr dazu in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung
Mit gerade einmal acht Jahren steht der junge Michael Jackson zusammen mit seinen Brüdern als Jackson 5 auf der großen Bühne. Getrieben von seinem gewalttätigen und manipulierenden Vater muss er schon früh funktionieren und darf kein eigenes Leben, geschweige denn Freundschaften haben. Der Erfolg kommt und schnürt ihn immer weiter ein, doch er versucht sich zu lösen und seinen eigenen weg zu finden.
Meine Meinung
Ob man nun mit der Musik von Michael Jackson etwas anfangen kann oder nicht, Fakt ist, dass viele seiner Hits weltbekannt sind und einen so eigenen Stil aufweisen, dass sie direkt erkennbar sind. Doch mir war zum Beispiel nicht bekannt, welche bedeutenden Schritte hinter diesen Hits standen für einen BPoC Künstler. So war ich gespannt auf den Film, hatte aber auch meine Zweifel. Wie würde mit den noch immer im Raum stehenden Vorwürfen umgegangen werden, die nie bewiesen, aber auch nie widerlegt werden konnten, was bei der Thematik aber auch generell schwierig ist.
Nun, so weit geht der Film aber gar nicht, sondern behandelt die Jahre 1966 bis 1988, also die Zeit, wo die Jackson 5 das erste Mal auftreten bis Michael final ankündigt, keine Konzerte mehr mit seinen Brüdern zu geben. Dies war allerdings nicht die Anfangsversion, jedoch hatte der Film bereits im Vorfeld mit einigen Klagen zu kämpfen. So wurden alle Szenen rund um Diana Ross gestrichen und erste Darstellungen rund um die Missbrauchsvorwürfe. Gleichzeitig sollen sich andere Mitstreiter reingeklagt haben und generell hatte die Familie Jackson wohl einen großen Einfluss auf das Drehbuch.
Herausgekommen ist ein Film, der die schwierigsten Themen umschifft, und sich allein um die Geschichte der toxischen Familienverhältnisse durch den gewalttätigen Vater, der die Kinder isolierte und zu Höchstleistungen zwang, um die erfolgreiche Gruppe der Jackson 5 herauszubringen, über Michaels eigene Solokarriere und die finale Entsagung von seinem Vater und dessen erneuten Tourplänen. Dadurch ist es immer noch kein Feel Good Film, sondern ein knallhartes Drama, und es kann zu Recht Kritik an einigen Darstellungen geben. An sich ergibt sich aber eine runde Geschichte, die wichtige Aspekte aus der Karriere in den genanntene Jahren aufgreift und viele Charakterzüge einbaut.
Gleich am Anfang wurde es für mich jedoch schon schwierig, denn es gibt für Filme einfach keine Triggerwarnungen, und genau die hätte ich gebraucht, da hier detailliert gezeigt wird, wie Josef Jackson seine Söhne nicht nur psychisch unter Druck setzt und regelrecht drangsaliert in seinen Bestrebungen sie erfolgreich zu machen, um seinem eigenen Leben in ärmlichen Verhältnissen zu entkommen, sondern eben auch physisch misshandelt – sprich ihn verprügelt. Auch im weiteren Verlauf wird es nur bedingt besser, also wenn ein toxisches/gewalttätiges Elternhaus für euch Trigger enthalten kann, dann ist dieser Film für euch mit Vorsicht zu genießen. Passt auf euch auf!
Es wird glaubhaft dargestellt, wie Michael aufwuchs und immer erfolgreicher wurde, später auch als Solokünstler und wie eingeschränkt er doch in seinen Möglichkeiten war. Wie sehr er darauf bedacht war, sich und seinen Stil zu zeigen und doch gleichzeitig absolut unsicher wegen sich und seiner Erscheinung. Dies mag für Fans alles sehr oberflächlich wirken, da sie noch viel mehr dazu wissen, aber für mich als durchschnittliche Kinobesucherin, waren es genug Infos, um die Person Michael Jackson besser zu verstehen. Auch wichtige Ereignisse, wie der gesamte Pepsivorfall, waren Geschehnisse, die an mir komplett vorüber gingen. Diese aufgearbeitet eingearbeitet zu sehen, hat mir nochmal einiges vermittelt, was mir zuvor einfach nicht bewusst war.
Hervorzuheben sind hier auch die schauspielerischen Leistungen, vor allem von Jaafar Jackson, der seinem Onkel wie aus dem Gesicht geschnitten ist, und seine ikonischen Tanzbewegungen wunderbar erneut zum Leben erwecken konnte.
So blieb bei mir kein Auge trocken während des Films. Ich litt mit dem kleinen Jungen und dem heranwachsendem Mann, lernte und verstand mehr. Und gönnte ihm seinen Triumpf in der letzten Szene, in der er sich von seinem Vater lossagte.
Nur, um die Einblendung „Seine Geschichte geht weiter“ zu lesen, die möglicherweise auf einen zweiten Teil hindeuten könnte. Und ich kann nur sagen: Bitte nicht. Es war ein runder Film, ein runder Abschluss der Thematik. Alles weitere kann nur schief gehen und die bisherige Produktionsgeschichte zeigt bereits, dass hier viel mit Klagen zu rechnen ist und so viele Vorwürfe sind bis heute unaufgearbeitet, dass sich nicht gerade Hollywood daran setzen sollte. Schon gar nicht, wenn nur die Familie einer Seite der Klagen an der Produktion beteiligt ist.
Das Fazit
Michael schafft es den beschriebenen Zeitraum aus meiner Laiensicht filmisch gut rüberzubringen und schafft dabei große Emotionen, mitreissende Momente und zeigt den Charakter hinter der Legende. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.
Michael läuft seit dem 23.04.2026 in den deutschen Kinos