Ich war noch niemals in New York

Ein Vorwort

Musicalverfilmungen gibt es immer mal wieder mit schwankender Qualität, wie auch so ziemlich jedes andere Genre. Eine deutsche Musicalproduktion ist da schon seltener. Aber der Erfolg des Bühnenmusicals zog eigentlich unweigerlich eine Verfilmung nach sich. So heißt es nun auch im Kino „Vorhang auf“ für eine kunterbunte Geschichte rund um die Lieder von Udo Jürgens.

Die Handlung

Lisa Wartberg (Heike Makatsch) ist eine nicht mehr ganz so erfolgreiche TV-Moderatorin, die dennoch arrogant alle anderen wie Deck behandelt. So vergisst sie auch ihren eigenen Geburtstag und, dass sie bei ihrer Mutter (Katharina Thalbach) eingeladen war. Diese rutscht beim Geschirrspülen aus und landet mit Gedächtnisverlust im Krankenhaus auf. Sie kann sich nur noch an eins erinnern: New York. Also beschließt sie kurzerhand sich auf ein Kreuzfahrtschiff zu schleichen und nach New York zu schippern. Ihre Tochter und deren Maskenbildner Fred (Michael Ostrowski) versuchen sie aufzuhalten und landen ebenfalls als blinde Passagiere an Bord. Dort werden alle drei zum Putzdienst verurteilt. Doch die Abenteuer fangen hier gerade erst an.

Meine Meinung

Hatte ich irgendwelche Erwartungen an den Film? Eigentlich nicht, ich wollte eigentlich nur eine locker flockige Geschichte mit ein paar guten Witzen und schön inszenierten Gesangs- und Tanzeinlagen. Habe ich genau das bekommen? So ziemlich.
Was ich damit sagen möchte, ist, dass Ich war noch niemals in New York bei weitem kein Meisterwerk ist. Dafür ist es ein Film, der sich selbst nicht so ganz ernst nimmt und auch weiß, dass ein Uwe Ochsenknecht nun nicht gerade der beste Sänger ist. Was man am Anfang noch nicht unbedingt glauben mag, denn die Einführung der Charaktere gerät doch etwas holprig. So ist dem Zuschauer zunächst absolut unklar, was die arrogante TV-Moderatorin auf der Leinwand zu suchen hat. Lediglich Heike Makatschs Enthusiasmus in der Rolle, lässt einen nicht zugleich wieder fluchtartig den Kinosaal verlassen. So kommt es dann zur ersten Interpretation eines Songs. „Vielen Dank für die Blumen“ wurde inszenatorisch stark angepasst, ist aber unverwechselbar noch ein Jürgens. Sobald die sehr holprige weitere Charaktereinführung von statten geht, ist man noch dezent gelangweilt. Dies ändert sich erst, als es die Charaktere endlich auf das Kreuzfahrtschiff geschafft haben.
Ab hier kommt eine stimmige Geschichte heraus, die zwar in vielen Bereichen stereotypisch und daher ohne Überraschungen funktioniert, aber dennoch nicht langweilt. Das kommt wohl durch die Vielzahl an vielen auch kleineren Charakteren, die dem ganzen einen gewissen Charme verleihen. Untermalt wird das ganze von immer wieder angespielten Liedern, wobei selten eins wirklich ausgespielt wird und gerade das namensgebende Lied nur einmal oder zweimal dezent erwähnt wird. Richtig angesungen jedoch nicht. Auch werden einige umgeschrieben, um textlich wieder zur entsprechenden Szene zu passen. Dies schadet jedoch weder dem Film, noch den Liedern an sich. Denn durch die farbenfrohe Gute-Laune-Inszenierung, kommt auch genau dies bei den Zuschauern an: Gute Laune. Da stört man sich dann auch nicht an der vorhersehbaren Handlung, den manchmal etwas holprigen Dialogen oder den nicht über Mittelmaß herausreichenden schauspielerischen Leistungen. Man merkt nur, dass so ziemlich jeder Darsteller Spaß am Film hatte und das auch herüberbringt.
Einziges Manko am Ende bleibt, dass die wirklich guten Gags bereits im Trailer enthalten waren.

Das Fazit

Ich war noch niemals in New York hat gewiss einige Schönheitsfehler, die aber gut überdeckt werden, von dem, was der Film eigentlich will: Gute Laune verbreiten. Und dies schafft er durch seine kunterbunte Inszenierung ganz hervorragend. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Ich war noch niemals in New York läuft seit dem 17.10.2019 in den deutschen Kinos.

Aus dem Leben: Musical-Triple

Das Leben ist voller Überraschungen. So auch diesmal wieder, als ich es überraschenderweise geschafft habe an drei Tagen hintereinander in drei verschiedene Musicals in zwei verschiedenen Städten zu gehen. Genauer gesagt liefen bei mir am ersten Mai-Wochenende „The Band“ mit den Liedern von Take That, „Die Königs vom Kietz“ ein Musical mit dem treffendem Untertitel Ein Musical mit Herz und Promille und zum krönenden Abschluss noch „Mary Poppins“ basierend auf den gleichnamigen Büchern und dem Film.

Station 1: „The Band“ im Theater des Westens in Berlin

Ein Vorwort: Berlin liegt knapp über eine Stunde von meinem Wohnort entfernt. Dementsprechend hoffe ich ja meistens, dass die schönsten Musicalproduktionen auch mal nach Berlin kommen. Nachdem ich im Januar bereits den „Tanz der Vampire“ bestaunen durfte, war ich gespannt, was als nächstes nach Berlin kommen würde. Bei all den vielen Stage Produktionen hatte ich mir bereits das schönste ausgemalt und wurde dann bitterlich enttäuscht als es hieß, dass das Take That Musical nach Berlin kommen würde. Für den damaligen Hype bin ich ein paar Jahre zu spät geboren, dementsprechend kannte ich zwar ein paar Lieder, aber bei weitem nicht alle. Als dann jedoch ein Freundinnen-Special mit einer ziemlich großen Ersparnis ins Haus flatterte, wurde ich doch schwach. Warum nicht auch Neues wagen? So wurde sich die Lieblingskollegin geschnappt und auf ging es nach Berlin.

Trailer:

Die Handlung: Rachel und ihre vier besten Freundinnen schwärmen in ihrer Teenie-Zeit für Die Band. Die fünf Jungs haben es ihnen so sehr angetan, dass sie sogar davon träumen ständig von ihnen umgeben zu sein. Nach einem Konzertbesuch kommt es jedoch zu einem Zwischenfall, der die Freundschaft stark erschüttert und jeder geht von nun an seinen eigenen Weg. 25 Jahre später hat Rachel bei einem Preisausschreiben eine Reise nach Prag zur Reunion-Tour der Band gewonnen. Sie schreibt ihren damaligen Freundinnen in der Hoffnung sich in Prag wiederzusehen.

Meine Meinung: The Band ist ein Musical, dass leider einzig und allein von den Fans von Take That lebt, die noch einmal die alten Lieder hören wollen. Viel mehr hat es leider nicht zu bieten. Aber fangen wir noch mit einem positiven Aspekt an. Die Handlung über die fünf Freundinnen ist eine nette Geschichte mit schönen Einfällen, lustigen Einlagen und viele Weisheiten über das Leben und Freundschaft. Als reines Theaterstück in einer weitaus niedrigeren Preiskategorie hätte die Handlung durchaus perfekt gepasst. Allerdings erwartet man in einem Musical, wo Eintrittskarten teilweise über 100Euro kosten doch ein wenig mehr. An vorderster Stelle erwarte ich einfach, dass die Lieder die Handlung tragen und erzählen. Hier war beides nicht der Fall, sondern die namensgebende Band und die Lieder werden in den Hintergrund gepackt und verkommen dort zum Hintergrundrauschen. Das ganze darf man sich so vorstellen: Im Vordergrund stehen die Freundinnen und erzählen. Im Hintergrund stehen die fünf jungen Herren der Band und singen eines der Lieder. Der Dialog der Damen hört jedoch nicht auf. Szenenwechsel. Die fünf Freundinnen stehen vor verändertem Hintergrund und erzählen. Die Bandmitglieder kommen nach und nach auf die Bühne, stehen im Hintergrund und singen das nächste Lied. Die Damen erzählen aber munter weiter. Dieses Schema wird nur durch zwei Konzertauftritte unterbrochen, in denen die Jungs eine boybandwürdige Performance abliefern und von zwei oder drei Liedern, die tatsächlich mal von den Damen gesungen wurden und dadurch auch die Handlung selbst erzählen. Letztendlich gab es dadurch nur eine einzige Szene, die mir wirklich nah ging. Hier trafen die Damen aus beiden Generationen (1993 & 2018) aufeinander und sangen „Back for Good“, was wunderbar passte und mir den einzigen Gänsehautmoment des Abends bescherte. Gesangstechnisch waren zwar alle Darsteller gut ausgebildet, die Jungs der Band hatten jedoch nicht gerade kräftige Stimmen und konnten so gegen das Orchester nicht unbedingt ansingen, bzw. hätte man die Mikros einfach lauter drehen müssen.

Das Fazit: The Band ist leider im Genre Musical von der Inszenierung etwas daneben gegangen und ist seinen Preis nicht wert. Als Theaterstück hätte es durchaus besser funktioniert, da die Grundgeschichte doch ganz nett war.

Station 2 – „Die Königs vom Kietz“ im Schmidt’s Tivoli in Hamburg

Ein Vorwort: Es gibt eine Musicalwelt außerhalb der großen Stageproduktionen? Ungefär so habe ich auch reagiert, als ich im letzten September zur Dienstreise nach Hamburg musste und auch überlegte mir ein Musical anzusehen. Eigentlich wollte ich schon da Mary Poppins gucken, für eine Spontanaktion waren die über 100 Euro für eine Karte mir dann doch zu teuer. Ich hatte jedoch von einer kleineren Produktion in Hamburg gehört, die zu einem Selbstläufer geworden ist. Die Rede ist von „Heiße Ecke“ – das Kiezmusical. Leider liefen es genau in der Woche nicht. Aber so bin ich auf den Schmidt’s Tivoli aufmerksam geworden. Dann lachte ich mich noch ein Musical an. „Die Königs vom Kietz“ versprachen ein Musical mit „Herz und Promille“. Da die Karte für die erste Reihe nicht einmal die Hälfte der Mary Poppins Karte kosten sollte, kaufte ich mir schließlich eine – und hatte einen der unterhaltsamsten Abende meines Lebens. Da mein Lebensgefährte und ich dieses Wochenende sowieso nach Hamburg wollten und ich noch keine Idee für den bevorstehenden Jahrestag hatte, kaufte ich uns schließlich noch einmal zwei Karten.

Trailer:

Die Handlung: Familie König lebt in St. Pauli auf dem Kietz. Während der Vater genannt der „Käpt’n“ sein Hartz 4 regelmäßig versäuft, ist die Miete nun soweit im Rückstand, dass die Räumung droht. Tochter Marie, die als einzige sich wirklich für ihre Schulbildung interessiert, trommelt nun die Familie zusammen, um das Geld irgendwie aufzutreiben. Ihre Schwester Pamela klappert mit ihrem Baby Brutus ihre alten Lover ab, um Alimente zu kassieren, Bruder Benny bekommt einen Job als Maskottchen beim HSV (zur Schande seines Vaters einem eingefleischten St. Pauli Fan) und Bruder Björn versucht sein Gras zu verkaufen. Ganz nebenbei macht noch Nachbarin Berta dem Käpt’n schöne Augen und auch Marie hat einen Verehrer. Probleme sind auf jeden Fall vorprogrammiert.

Meine Meinung: Die Königs vom Kietz ist ein Musical, wie es das nur direkt auf der Reeperbahn geben kann. Der Humor ist deftig, es wird alles auf die Schippe genommen, von der Kirche über den HSV bis Christian Lindner. Die Witze sind nicht immer politisch korrekt, aber treffen dafür genau den richtigen Nerv, so dass ich mich auch beim zweiten Mal noch unter den Sitzen vor Lachen widerfand. Dazu kommt ein wunderbarer Soundtrack, der vom eingängigen Öffner, über Duett bis Bollywood Ende alles dabei hat. Dabei sind die Melodien sehr eingängig und auch der Text war schnell gelernt (okay ich hör den Soundtrack auch seit September regelmäßig…). Die Darsteller sind allesamt gut besetzt und gerade der Herr der fünf Nebenrollen kann mit seiner Vielfältigkeit punkten. Es gehört schon einiges an Schauspieltalent dazu, wenn man innerhalb von zwei Szenen vom knallharten Drogendealer zur Glücksfee wechseln kann. Das Bühnenbild ist zwar simpel gehalten, reicht für die wenigen Schauplätze aber vollkommen aus.

Das Fazit: Die Königs vom Kietz waren auch beim zweiten Mal sehen, voller Überraschungen, Witz, Spaß und vor allem Herz. Wer also Musicalspaß abseits der großen Bühnen sucht, ist hier perfekt aufgehoben.

Station 3 – „Mary Poppins“ im Stage Theater an der Elbe in Hamburg

Ein Vorwort: Und hier der eigentliche Grund, weswegen wir nach Hamburg fuhren. Bereits zu Weihnachten schenkte mir mein Lebensgefährte die Karten für das Musical, in das ich schon lange gehen wollte. Nun war endlich der Tag ran und meine Vorfreude konnte nicht größer sein.

Trailer:

Meine Meinung: Mary Poppins war gut gewählt als Abschluss meiner Musicalreise. Denn die Tickets sind zwar besonders teuer, aber dafür bekommt man auch genau das geboten, was ich von einem guten Musicalbesuch erwarte. Erst einmal ist die Anreise ja schon ein kleines Erlebnis, wenn man mit der Musicalfähre einmal über die Elbe schippert, um auf der Musicalinsel zu landen, die sich das Stage Theater an der Elbe mit dem Stage Theater König der Löwen teilt.
Dann findet man irgendwann seinen Platz und der Vorhang geht auf. Man hat schon ab der ersten Szene ein absolut liebevoll gestaltetes Bühnenbild und wunderbar talentierte Nebendarsteller. Dann lernt man nach und nach die Hauptcharaktere kennen und einer übertrifft den nächsten, bis schließlich Mary Poppins auftaucht und man nur noch hin und weg ist. Als großer Bücher- und Filmliebhaber war ich von der adäquaten Darstellung der Mary sehr begeistert. Allerdings sollte man sich gleich vorab bewusst machen, dass die Handlung nicht 1:1 zum Film ist. Zwar sind viele Szenen übernommen worden und auch seine Lieblingslieder wird man größtenteils wiederfinden, aber darüber hinaus wurde die Geschichte etwas umgeschrieben, erweitert, verändert und auch die bekanntesten Lieder, wie Superkalifragelistikexpialigetisch oder ein Löffelchen voll Zucker wurden textlich verändert (blöd, wenn jemand in der Reihe hinter einem, dass nicht versteht und den falschen, sprich den Filmtext, mitsingt…). Aber wenn man sich ein wenig aus dem voreingenommenen löst, merkt man schnell, dass die neue Handlung ebenso gut zusammenpasst und auch die neuen Lieder sind sehr schnell einprägsam und haben größtenteils Ohrwurmcharakter.
Aber bei Mary Poppins passt vor allem das Gesamtbild. Super Darsteller, tolle Musik, verzaubernde Handlung, gute Spezialeffekte und faszinierende Tänze. Ein Gänsehautmoment jagt dem nächsten und der Spaß kommt auch nicht zu kurz.

Das Fazit: Mary Poppins ist ein Musical, von dem ich noch lange schwärmen werde und bei dem das Gesamtbild von Handlung über Musik bis zum Bühnenbild einfach nur passt. Es war einfach Superkalifragelistikexpialigetisch!