Anime Special: The Dragon Dentist

Ein Vorwort

Die Anime Specials im Kino werden gefühlt von Jahr zu Jahr mehr. Während es aber auch immer mehr Filme zu Serien sind, ist für mich die Auswahl nicht unbedingt größer geworden. Ab und an lohn sich aber doch ein Blick ins Programm, denn manchmal werde auch ich noch überrascht. So fand ich den Titel The Dragon Dentist so witzig, dass ich mir einfach mal den Trailer angesehen habe. Und sagen wir mal, er hat mich nicht völlig abgeschreckt, was bei Animes für mich schon viel aussagt. Da mein Pärchenpartner sowieso für Animes zu begeistern ist, stand also mal wieder ein Kinobesuch an – also zu Zeiten, wo das noch möglich war. Warum mir der Film in seiner Gänze gut gefallen hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

In einem großen Krieg zweier Nationen wird ein großer und kilometerlanger Drache als Waffe eingesetzt. Da er kriegsentscheidend sein kann, versucht die eine Seite ihn irgendwie zu besiegen, während die andere sich um ihn kümmert. So leben im Drachen seine Zahnärzte, da die Zähne seine größte Schwäche sind. Nonoko ist eine noch junge Zahnärztin. Nach einer Schlacht findet sie den jungen Bell in einem Zahn, der ein Soldat der Gegenseite war.

Meine Meinung

Ich mag Drachen. Ich bin fasziniert von ihren vielen verschiedenen Darstellungen und den Charakterzügen, die man ihnen nachsagt und mit denen man dann doch bricht. In The Dragon Dentist bekommen wir es noch einmal mit einer ganz anderen Sorte Drache zu tun. Die Grundzüge der hier genutzten Drachenmythologie werden dem Zuschauer auch zunächst im Schnelldurchlauf durch einige markante Szenen verdeutlicht. Seine Eignung für den Krieg, das Mysterium seiner Zähne und seiner Zahnärzte. Wir lernen Nonoko kennen und mit ihr den Alltag eines Drachenzahnarztes. Kurz darauf darf dann auch schon Bell auf der Bildfläche erscheinen. Durch sein Eintreffen wird der Film zunächst vorangetrieben, weil nun mehrere Details zum Kriegsgeschehen folgen. Kurz darauf scheint der Film aber wieder in sein  gemächliches Tempo zurückgefunden zu haben. So meint man schon, dass der Film gar nicht so viel zu sagen habe, aber dann geht es Schlag auf Schlag.
Besonders faszinierend an der Geschichte ist, dass sie zwar linear erzählt wird, aber durch viel Symbolik im Mund des Drachen so viel mehr erzählt wird, als nur die Geschichte von Nonoko und Bell. Hier könnte man wahrscheinlich ganze Abhandlungen darüber verfassen, wofür bestimmte Erreger an den Zähnen stehen und wie sie das Kriegsgeschehen widerspiegeln. Hinzu kommt eine wunderbare Optik, die an keiner Stelle ins zu übertriebene abdriftet, was bei Animes gerne mal passiert.
Das große Finale mag an ein paar Stellen zu übertrieben wirken, bzw. wird die ‚Moral von der Geschicht‘‘ ein bisschen zu sehr mit der Holzhammermethode rübergebracht. Hier wären die sanfteren Metaphern von davor, wesentlich angebrachter gewesen. Denn grundsätzlich ist es ein Finale, das sich sehen lassen kann. Es ist spannend, mitreißend und man fiebert verzweifelt mit den Charakteren mit.
Was dem Film letztlich fehlt ist eine finale Diskussion. Zwar wird der Krieg symbolisch an mehreren Stellen kritisiert. Die Charaktere werden aber ein wenig zu sehr im Schubladendenken gezeigt. Die ‚bösen‘ von der anderen Seite und natürlich die ‚guten‘ auf der Seite des Drachen. Das der Drache ebenfalls Werkzeug im Krieg ist, wird ein wenig außen vorgelassen. Über die Hintergründe des Krieges und welches Ziel er verfolgt, bleibt auch unklar. Natürlich ist das für den Film auch nicht weiter von Bedeutung, aber gerade dann ist die Einordnung in ‚Wir und die Anderen‘ ein wenig zu einfach.
Dafür das der Film auf einem Kurzfilm basierte, bot die Idee genug Raum um die Laufzeit von 90 Minuten spannend zu füllen. Selbst der ruhigere Einstieg ist durch seine Faszination der neuen Welt, nie langatmig oder gar langweilig.

Das Fazit

The Dragon Dentist überzeugt durch eine wunderbare Optik, eine spannende Geschichte, eine interessante Idee und teilweise sympathischen Charakteren. Während gerade zu Anfang viel über Symbolik vermittelt wurde, bleibt die Enddiskussion ein wenig liegen, was zwar schade ist, dem Film aber im Sehvergnügen nicht schadet.

The Dragon Dentist lief am 27.10.2020 in den deutschen Kinos