Eine Handvoll Bücher – 5/22

Herzlich Willkommen zur fünften Ausgabe der buchigen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: einer todbringenden Prüfung, einem magischen Smartphone, Dunkelheit im Spiegelland, einer windigen Erbin und einem Fahrradkurrier für Bücher.

Nevernight – die Prüfung

Die Handlung: Mia hat Rache an den Mördern ihrer Familie geschworen. Dazu versucht sie dem geheimen Assassinenorden beizutreten. Doch die Aufnahmeprüfung verlangt ihr alles ab. 

Meine Meinung: Autor Jay Kristoff wird im Fantasybereich gern als Geheimtipp genannt (wobei die Frage ist, ob er bei seiner Bekanntheit inzwischen noch ein Geheimtipp ist?). Als ich die ersten beiden Bände seiner Nevernight-Reihe reduziert in die Hände bekam, schlug ich zu. Dabei schreckte mich lange Zeit die Dicke ab, bis Band 1 schließlich auf meiner 22 für 2022 Liste landete. Der Schreibstil ist sehr flüssig, so dass ich das Buch gut weglesen konnte, aber wirklich in die Geschichte bin ich nicht reingekommen. Kristoff hat eine faszinierende Welt geschaffen und den Weltenbau so detailliert ausgearbeitet, dass viele Zusatzinformationen über teilweise seitenlange Fußnoten widergegeben werden. Wahrscheinlich könnte er allein damit ganze Bücher füllen. Doch die Geschichte um Mia war mir zu lang gezogen. Es passieren zwar unglaublich viele krasse Sachen, also die Handlung hat es in sich, aber dennoch kommt sie nicht so richtig ins Rollen. Wahrscheinlich werde ich Band 2 noch lesen, da es auf dem SuB liegt, aber von der Geschichte her hätte ich nicht das Bedürfnis dazu.

Beastseller 1 – Monomythos

Die Handlung: Marc wacht in einer Fantasywelt auf und hat nur noch eine Nummer in seinem Smartphone gespeichert. Ciri eine Fee in Handyform erklärt ihm, dass er eine Heldenreise durchleben muss, um wieder zurück zu kommen. 

Meine Meinung: Mit Spiritus Daemonis hat das Autor*innenduo Jan Gießmann und Mary Cronos mein zuvor eher geringes Interesse an Geschichten in Chatform geweckt. Nach der Theaterlesung des ersten Bandes, gab es noch eine Kostprobe aus Beastseller. Danach stand für mich fest, dass ich auch dieses Werk verschlingen würde. Und genau so kam es, innerhalb eines Tages war die Geschichte ausgelesen. Ich wurde sehr unterhalten, denn Jan Gießmann spielt gekonnt mit gängigen Klischees und setzt diese bewusst ein. Dabei geht es gar nicht darum, andere fantastische Geschichten, die diese nutzen schlecht zu reden, sondern es ist das Spiel damit und die Beleuchtung, wenn man die komplexen Stränge der Held*innenreise aufs einfache herunterbricht. Die Kombination der High Fantasy Welt mit einem modernen Smartphone brachte dann den zusätzlichen Reiz. Marc als Protagonist ist dann auch die perfekte Identifikationsfigur zum mitfühlen, mitleiden und mitlachen. Wer also mal einen völlig neuen Blick auf das Fantasy Genre werfen will, dem kann ich das Buch nur empfehlen.

Chroniken von Alice 3 – Dunkelheit im Spiegelland

Die Handlung: In vier Novellen wird die Geschichte um Alice und Hatcher weitergesponnen. Es gibt Einblicke in Hatchers früheres Leben und Alice kleinere Schwester erlebt ein Abenteuer.

Meine Meinung: Während mir Band 1 richtig gut gefallen hat, war Band 2 vom Schreibstil her noch immer sehr stark und bot ein hohes Niveau, die Geschichte zog sich aber auch ein bisschen, zumal das Buch in nur zwei Kapitel unterteilt war und kaum Absätze hatte. Da es sich bei Band 3 um eine Novellensammlung handelte, zögerte ich zunächst, entschied mich dann aber doch dafür. Nun war nach fast einem Jahr der Zeitpunkt gekommen, um es vom SuB zu befreien. Die vier Geschichten haben mir unterschiedlich gut gefallen. Gerade die beiden Geschichten, die nicht direkt mit Alice im Kontext stehen, gefielen mir besser, weil sie keine Wiederholung bereits gelesener Ereignisse sind bzw. diesen nicht so ähneln, wie die anderen beiden Geschichten. Dennoch funktionieren die Novellen gerade in ihrer Kürze so gut, da hier nichts zu sehr ausgeschmückt werden konnte. Nach Band 2 war ich nicht sicher, ob ich noch die anderen Bücher der Autorin lesen wollte, aber jetzt wäre ich bereit dafür.

Die Erbin des Windes

Die Handlung: Likah lebt mit zwei Kindern auf der Straße des Kontinent Nakita. Als ein Diebstahl schief geht, findet sie sich vor Gericht wieder. Doch statt einer Verurteilung wird sie vom Herrn des Windes zu seiner Nachfolgerin ernannt. Doch während ihrer Ausbildung ruft eine fremde Stimme sie immer wieder zu ihr, die sie kurz darauf in Schwierigkeiten stürzt.

Meine Meinung: Einzelbände sind in der Fantasy ja doch eher Mangelware, da der Aufwand eines vollständigen Weltenbau meist zumindest in einer Trilogie ausgebaut wird. Dabei muss es aber auch genug Handlung geben, so dass meist der mittlere Band zum Füllerband wird. So reizte mich an Die Erbin des Windes gerade, dass es ein High Fantasy Einzelband ist und mit knapp über 400 Seiten auch eine überschaubare Länge hat. Und auch in der Kürze der Zeit schafft Lucinda Flynn in ihrem Debüt eine spannende Welt mit einem coolen Magiesystem zu  kreieren. Nach einem etwas holprigen Einstieg, bin ich bald völlig in der Geschichte versunken und habe gerade die zweite Hälfte an einem Tag verschlungen. Zwischendurch waren es eine Menge Namen zum merken, aber durch subtile Wiederholungen war das überhaupt kein Problem. Das Ende ist auch rund und die Geschichte auserzählt. Grundsätzlich wäre ich aber auch bereit eine weitere Geschichte in der Welt zu erleben, aber das Abenteuer von Likah ist auserzählt.

Bookboy

Die Handlung: Fabius Flieder ist in der Stadt nur als der Bookboy bekannt. Mit dem Fahrrad liefert er Bücher aus der Buchhandlung seines Großvaters aus. In dieser Anthologie erlebt er in Kurzgeschichten die verschiedensten Abenteuer bei seinen Auslieferungen.

Meine Meinung: Grundsätzlich greif ich ab und an mal zu einer Kurzgeschichtensammlung. Durch die Auswahl verschiedenster Autor*innen ist eigentlich immer für jeden was dabei. Als mir auf der Buch Berlin dann dieses Büchlein in die Hände fiel, wanderte es sehr schnell in meinen Beutel. Doch auch, wenn ich sowas selten bewerte, hat mich hier doch der Buchsatz ziemlich gestört. Es gab keine Vorstellung der Autor*innen und es wirkte alles sehr zusammengequetscht (kann natürlich auch Einbildung sein). Und auch, wenn zwischenzeitlich viele gute Ideen dabei waren, konnte mich keine so wirklich überzeugen. Sie ähnelten sich alle zu sehr und waren mir in den meisten Fällen zu abgedreht. Vielleicht war das auch nur meine andere Erwartungshaltung, die mich hier enttäuschte. Im Laufe der Geschichten scheint es so eine Art roten Faden zu geben, mit dem Motiv von Fabius Eltern, wo immer wieder Dinge angedeutet wurden, die aber am Ende komplett vergessen wurde. Also entweder auserzählen oder weglassen, aber so war das sehr unbefriedigend.

Habt ihr eins oder mehrere der Bücher gelesen? Wie fandet ihr sie?