Atomic Blonde

Am 24.08.2017 erschien ein Actionfilm, der kurz vor dem Mauerfall in Ostberlin spielt, in den deutschen Kinos.

Lorraine Broughton eine Agentin des MI6 wird nach Ostberlin geschickt, um wichtige Informationen sicher zu stellen. Die CIA, der KGB und auch die Franzosene haben ebenfalls Agenten geschickt. Denn Deutschland steht kurz vor dem Mauerfall und die Informationen könnten dies ändern.

2015 erschien der erste Teil von John Wick in den deutschen Kinos. Sein Kennzeichen waren die sehr gut choreographierten Kampfszenen, das realistische Nachfüllen und die Anzeichen menschlicher Schwäche nach einem schweren Kampf. Nun haben sich die beiden Macher John Wicks David Leitch und Chad Stahelski ein neues Werk ausgedacht. Aber gleich Vorweg: Atomic Blonde ist in keinster Weise ein John Wick in weiblich.
1989 stehen in Ostberlin und der gesamten DDR die Zeichen auf Umbruch. Immer mehr Menschen sind bei Demonstrationen gegen die Regierung auf der Straße und wollen endlich den Mauerfall und die Widervereinigung mit dem Westen. Aufregende Wochen folgen, in der deutsche Geschichte geschrieben wurde. Genau in diesen Wochen setzt Atomic Blonde an. Der Mi6 schickt eine seiner besten Agentinnen Lorraine Broughton in die DDR. Denn hier sind wertvolle Informationen aufgetaucht, die in den falschen Händen die Widervereinigung verhindern könnte. Dementsprechend sind die großen Geheimdienste MI6, CIA und KGB an diesen Informationen interessiert.
Atmic Blonde wird jedoch nicht stringent erzählt, sondern von hinten aufgerollt. So sehen wir Lorraine praktisch nach getaner Arbeit, während sie ihren Vorgesetzten Rechenschaft ablegen muss. Erst nach und nach durch ihre Erzählungen, ergibt sich das Bild der Handlung in Berlin. Trotzdem beschränkt sich der Film nicht auf die Szenen aus ihrer Erzählung, sondern zeigt auch die anderen Charaktere, verschweigt aber immer wieder ein paar Informationen. So kann sich der Zuschauer zwar größtenteils ein eigenes Bild zum Geschehen machen und muss sich nicht rein auf Lorraines Darstellung verlassen, andererseits fehlt dem Zuschauer so aber auch immer ein Puzzleteil, so dass die Handlung an keiner Stelle vorhersehbar wird und die große Auflösung am Ende doch eine Überraschung bleibt.
Der große Pluspunkt des Films bleibt, wie schon in John Wick gezeigt, die realitätstreue Darstellung von Kämpfen. Diese sind sehr gut choreographiert, zeigen die Stärken und Schwächen der beiden Kämpfenden und sind nicht immer zum Vorteil der Heldin des Films gestaltet. So zeigen sich auch Erschöpfungszeichen bei den Kämpfenden und man sieht sogar die Versuchung des Aufgebens in den Augen glitzern, wenn sie sich erneut antreiben müssen, um wieder aufzustehen. Hierzu tragen auch die Schauspieler einen großen Teil bei, da einige der Erschöpfungskampfszenen schnell lächerlich hätten wirken können. Doch durch große Namen, wie Charlize Theron als Lorraine und James McAvoy als ihr Verbündeter wurde diese Gefahr gut umgangen. Ebenfalls mit von der Partie sind John Goodman und Sofia Boutella, die jedoch eher kleinere Rollen spielen und daher nicht ihr gesamtes Können zeigen können. Was genau ein Till Schweiger in diesem Film zu suchen hat, kann wohl keiner so genau sagen. Immerhin ist auch seine Rolle klein genug, dass er nicht viel falsch machen kann.
Der zweite große Pluspunkt des Films ist der coole Soundtrack, der auch einiges an Mut beweist. Welcher Hollywood-Streifen hat vorher Actionszenen mit Major Toms „Völlig losgelöst“ und Nenas „99 Luftballons“ unterlegt. Hier wird auch mit dem Soundtrack die Stimmung und die Zeit gekonnt eingefangen und gibt dem Zuschauer ein gutes Gefühl, so dass Atomic Blonde in der Darstellung zwar ein eiskalter Actionstreifen ist, aber trotzdem die Laune eines Feel-Good-Movies einfangen kann. Hinzu kommt die visuelle Gestaltung des Films. Denn neben dem trüben und grauen Ostberlin, setzt der Film immer wieder auf fast neonfarbene Effekte und setzt so einen Gegenpol zu der eigentlichen Stimmung, was sich auch wieder mit dem Soundtrack deckt.

Alles in allem ist Atomic Blonde ein knallharter Actionstreifen, der aber trotzdem großen Spaß macht und das ohne großen Witz und Humor. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Dark Places – Gefährliche Erinnerung

Am 10.12.2015 erschien nach „Gone Girl“ die zweite Verfilmung eines Gillian Flynn Romans in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Im Alter von 7 Jahren muss Libby Day mit ansehen, wie ihre Familie ermordet wird. Völlig verwirrt beschuldigt sie in ihrem Trauma ihren Bruder, der einzige, der ebenfalls überlebt hat. 25 Jahre später trifft Libby auf einen „Club“, der sich mit alten Kriminalfällen befasst und an die Unschuld ihres Bruders glaubt. Da sie Geld braucht, lässt sie sich darauf ein und rollt die Geschichte wieder auf und stellt sich ihren Erinnerungen.

Libby Day lebt ihr Trauma. Im Alter von 7 Jahren sah sie zu, wie ihre Mutter und ihre zwei Schwestern getötet wurden. Nur sie konnte ihr fliehen und auch ihr Bruder Ben überlebte. Beim anschließenden Prozess wurde ihr Bruder als der Mörder und ein wahnsinniger Satanist verurteilt. Libbys Aussage, die ihr noch unter Schock abgenommen wurde und ihren Bruder als den Mörde darstellte, brachte ihn lebenslänglich ins Gefängnis. Von nun an ohne Familie – der Vater hatte die Familie bereits Jahre vorher verlassen – war Libby auf Spenden angewiesen, um zu überleben. Doch auch 25 Jahre später hat sich nichts geändert. Der Spendenfont, der damals eingerichtet wurde, füllt sich nicht mehr, das Buch, dass sie über die Geschehnisse schrieb, verkauft sich nicht mehr und auch wird sie nicht mehr so oft zu Gesprächen und Interviews eingeladen. Damit sind ihre Kassen leer. Sie hat ihr Schicksal so lange ausgeschlachtet wie es ging, aber ab hier ist Schluss. Doch dann trifft sie auf Lyle Wirth, einem jungen Mann, der ein großes Interesse an ungelösten Kriminalfällen hat. Zusammen mit gleichgesinnten gründete er einen Club. Besonders interessiert sind sie an Libbys Fall. Denn eins ist für sie sicher: Libbys Bruder Ben ist unschuldig. Doch Ben ist niemals in Berufung gegangen, was für Libby der ultimative Schuldbeweis ist. Aber der Club ist bereit ihr Geld zu zahlen, wenn sie sich ihrer Vergangenheit stellt und an der endgültigen Aufklärung des Falles hilft.
Der Film spielt auf zwei Zeitebenen. Die erste spielt in der aktuellen Zeit und begleitet Libby auf dem Weg zu Personen aus der Vergangenheit, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Die zweite Ebene spielt in der Vergangenheit. Nach und nach erfährt man, was damals passiert, immer parallel zu dem, was Libby in der Gegenwart herausfindet. Beide Handlungsstränge werden dabei absolut gleichwertig gehandelt, so dass man gar nicht weiß, bei welcher Ebene man mehr mitfiebern soll.
Charlize Theron übernimmt die Rolle der Libby Day. Souverän spielt sie die noch immer von Albträumen geplagte Waisin. Ihr ganzes Leben hatte sie nichts weiter als ihr Schicksal. Keine Freude, keine Familie, keinen Job. Sie hat sich mit Einnahmen durch ihr Schicksal über Wasser gehalten und auch nie in Betracht gezogen etwas anderes zu machen. Dadurch ist sie zu einer verbitterten Frau geworden, die isoliert lebt und auch keine Chance auf ein glückliches Leben zu haben scheint.
Nicholas Hoult übernimmt die Rolle des Lyle Wirth. Gerade das besonnen Spiel Hoults gibt dem Charakter die Tiefe, die allein durch das Drehbuch nicht da war. An sich wirkt er wie ein Freak, der sich in seiner Freizeit mit ungelösten Mordfällen befasst. Aber er scheint ein ernsthaftes Interesse an dem Schicksal Libbys und ihres Bruders Ben zu haben, der ihn sehr sympathisch wirken lässt.
Der Film hat einen sehr inteniven Spannungsgrad, der sich langsam aufbaut und dann bis zum Ende hält. Man fiebert mit Libby mit, dass sie mit ihrer Geschichte abschließen kann, und das obwohl die durch ihre ruppige und verbitterte Art auf den ersten Blick nicht unbedingt sympathisch herüberkommt. Gleichzeitig will man unbedingt wissen, was in jener Nacht geschah. Zuvor kämpft man sich jedoch durch ein Vielzahl an Namen, die letztendlich alle verdächtigt werden konnten. Schnell hat man eine Meinung über den Ausgang gefasst und wir dann doch überrascht, wenn es zu Wendungen kommt. Dabei werden die verschiedensten Themen und Charaktere vorgestellt, die den Film eine Mehrschichtigkeit verleihen, die einen gewissen Charme ausmacht.

Alles in allem ist der Film ein packender Thriller, der den Spannungsbogen gut hält. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.