Die Dark Knight Trilogie – Batman Nachgeholt #1

Ein Vorwort

Was wäre das Leben ohne Projekte? Nach einer ausufernden Diskussion mit meiner besten Freundin über Superheldenfilme, kamen wir immer wieder auf die sehr ikonischen Bösewichte aus den Batman-Filmen zu sprechen. Nur, dass ich dort kaum mitsprechen konnte, weil ich bisher erst sehr wenig Batman Filme gesehen habe. Tatsächlich war es wohl gerade Ben Affleck als Batman, den ich am meisten gesehen hatte (ja Schande über mich). Also holen wir die zurzeit nach. Den Auftakt macht die Dark Knight Reihe von Christopher Nolan, die von vielen als Meisterwerk betitelt wird.

Batman begins

Die Handlung: Bruce Wayne, verbittert nach der Begnadigung des Mörders seiner Eltern, reist um die Welt, um seine Ängste zu überwinden. Dabei trifft er auf die Geheimorganisation Ra’s al Ghul, die ihn aufnehmen. Nach seiner Rückkehr in Gotham beschließt er dem organisiertem Verbrechen den Kampf anzusagen und legt sich seine Deckidentität als Batman zu.

Meine Meinung: Batman begins war der einzige Teil der Reihe, den ich schonmal gesehen hatte. Aber dann bin ich irgendwie davon abgekommen, die Reihe weiterzuschauen. An ein paar Sachen konnte ich mich noch erinnern, an andere gar nicht mehr. Auf jeden Fall haben wir hier eine typische Origin-Story, allerdings in gut. Sprich es wird nachvollziehbar erklärt, wieso sich Batman für den Weg entschieden hat, wie er an seine Höhle und sein Arsenal an Ausrüstung kam. Wie diese entwickelt wurden und wie er nach und nach Stärken und Schwächen festgestellt hat. Das Ganze wird von Christopher Nolan mit einem einzigartigen Soundtrack, geschrieben von Hans Zimmer und James Newton Howard, untermalt und bringt das düstere und rohe der Batman Comics auf die Leinwand. Damit unterscheidet sich die Reihe deutlich von den vorherigen Verfilmungen. Wir bekommen einiges von Gotham und die Entwicklung der Stadt zu spüren. Lediglich mit den Bösewichten wurde sich ein wenig überkalkuliert und mit Scarecrow und Ra’s al Ghul gleich zwei Feine geschaffen, die irgendwie miteinander verwoben sind, aber dafür für viel Furore sorgen. Aber insgesamt ist es ein guter Auftaktfilm, der vieles zur Figur Batman erklärt, was auch hilfreich ist um die folgenden besser nachvollziehen zu können.

The Dark Knight

Die Handlung: Der Joker ist nach Gotham gekommen und fordert Batman heraus. Er spielt den Untergrund gegeneinander aus und fordert, dass Batman die Maske abnimmt, sonst würde er weiter töten. Im Zwiespalt tut er sich mit dem Anwalt, und neuen Liebhaber seiner Ex Rachel, Harvey Dent zusammen, um gegen den Joker anzutreten. Doch dabei sind Verluste vorprogrammiert.

Meine Meinung: Wohl der meistgenannte Film, wenn es um die gelungensten Batman Filme geht. Gerade Heath Ledger als Joker ist so ikonisch, dass ich einige Szenen kannte, ohne überhaupt den Film je gesehen zu haben. So starten wir hier gleich dynmaisch und spannend in den Film. Der Joker wird ziemlich schnell nicht nur zum Antagonisten und Stichwortgeber gemacht, sondern er dominiert und führt den Film. An ihm wird die Handlung entlanggehangelt und Batman ist mehr oder weniger dazu verdammt, zu reagieren, anstatt proaktiv zu sein. Damit unterscheidet sich der Film aber auch von so ziemlich jedem anderen Superheldenfilm, was eine schöne Abwechslung ist und gut funktioniert. So muss sich Batman weiterentwickeln und anpassen, was ebenfalls spannend zu sehen war. Lediglich gegen Ende verliert sich der Film leicht, wenn das Drama um Harvey Dent zunimmt und wir auf einmal einen weiteren Bösewicht mit im Spiel haben. Hier wird es leicht wirr und der gute Fokus mit dem Joker verschwimmt. Dadurch bekommt der Film noch einmal eine neue Ebene und die große Zerstörungskraft des zuvor aufgebauten Konstrukts kommt eindrucksvoll zum Vorschein.

The Dark Knight Rises

Die Handlung: Nach den Ereignissen im vorherigen Film hat Bruce Wayne die Rolle des Rächers an den Nagel gehängt. Doch dann taucht Bane auf und fordert eine Revolution in Gotham. Während sich Batman mit Catwoman einlässt, merkt er jedoch schnell, dass er gegen Bane nicht ankommt. Auch Comissioner Gordon kommt an seine Grenzen. Und während Batman von Bane weggesperrt wurde, nimmt er die Stadt Stück für Stück ein. Wird der dunkle Ritter aufsteigen? 

Meine Meinung: Nach The Dark Knight konnte es ja nur bergab gehen, oder? Nun ganz so einfach macht es uns The Dark Knight Rises nicht. Aber eins ist sicher: Christopher Nolan hat sich hier mit der Geschichte und der Menge an zu erzählendem Material ordentlich verhoben. Nachdem Harvey Dent im vorherigen Teil als Held dargestellt wurde, gibt es hier nun das Problem, dass Batman eigentlich nicht mehr exisitiert. Wir brauchen also einen ordentlichen Grund, um ihn zurückzukriegen. Zeitgleich wird uns Anne Hathaways Catwoman präsentiert. Soweit funktioniert der Film auch noch, bietet neues und ist spannend. Dann kommt Bane ins Spiel und mir gefiel auch der Teil, wo Batman eben nicht direkt eine Chance hatte, sondern erst einmal gehörige Probleme bekam. Und dann kommt das Problem. Die Geschichte verliert sich so sehr in seiner kompletten Anarchie und Gotham wird komplett von der Außenwelt abgeschottet. Die Handlung geht über Monate hinweg weiter und die Stadt verkommt noch deutlich mehr. Das war der Part, wo ich mehr oder weniger mental ausgestiegen bin. Hier kommt dann die Stelle, wo Joseph Gordon-Lewitt eigentlich der Alleinunterhalter des Films wird. Ein neuer Charakter, man erfährt erst später, wie relevant er ist, und dann soll er gleich einen Großteil des Films tragen? Funktioniert nur bedingt, zumal ich erst zum Finale hin mich überhaupt wieder erinnerte, dass es ja ein Batman Film ist. Der Charakter wird über so lange Zeit komplett vergessen und ungenutzt gelassen, dass man ihn zwischenzeitlich gut vergessen konnte. So wird das Finale noch einmal spannend, aber insgesamt ist der Film mit einer Lauflänge von 164 Minuten viel zu lang und treibt die Handlung zu weit. Daher leider der schwächste Teil der Reihe.

Was ist eure liebste Batman Verfilmung?

Oppenheimer

Ein Vorwort

Christopher Nolan ist eigentlich immer ein Garant für große Kinounterhaltung. An vielerlei Genres hat er sich schon ausprobiert, wobei Zeit ein sehr übergeordnetes Thema ist. Nun sollte also sein erstes Biopic starten. Und der Hype war bereits im Vorfeld riesig, zumal mit dem gemeinsamen Kinostart mit Barbie. Warum mich auch Nolans neustes Werk begeistern konnte, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Robert Oppenheimer, der Vater der Atombombe, wird nach dem Krieg in einem Ausschuss zu seiner Sicherheitsfreigabe mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Dabei geht es um seine Studienjahre, seinen Einsatz für das Manhattan-Projekt und der damit verbundenen Entwicklung der Atombombe.

Meine Meinung

Oppenheimer ist irgendwo ein typisches Biopic, weswegen es mir sehr schwer fiel eine Handlungszusammenfassung zu schreiben, die Lust macht, den Film zu sehen. Dabei gibt es wohl zwei ausschlaggebende Punkte. Zum einen ist die Figur Oppenheimer schon sehr kontrovers, seinen Einsatz für die Atombombe und die Entwicklung danach. Zum anderen ist Christopher Nolan eigentlich immer einen Blick wert. Ein Biopic über 180 Minuten war dann aber auch wieder eine Nachricht, die ich erstmal verdauen musste. Doch Nolan zeigt: Jede Minute war notwendig.
So beginnt der Film mit den Studienjahren Oppenheimers. Hier rast der Film einmal quer durch Europa, verschiedene Unis, verschiedene Städte, allerlei Bekanntschaften. Dachte man noch, dass die Hektik gar nicht notwendig war, denn es waren ja 180 Minuten Laufzeit, beweist Nolan, dass tatsächlich hinten raus jede Minute benötigt wird. Nach der Einführung des Charakters, wechseln wir schnell in den Kriegszustand und von da aus, dann zügig zum Manhattan-Projekt. Dies nimmt einen Großteil des Films ein und ab hier scheint alles auf den finalen Test hinauszulaufen. Nur, dass hinterher noch eine gute Stunde Laufzeit übrig war. Doch auch dies weiß Nolan zu nutzen und dreht die Stimmung des Films zu einem Gerichtsdrama, nur ohne Gericht. Und hier zeigte sich dann auch, warum es so wichtig war, sehr bekannte und vor allem markante Gesichter für die einzelnen Rollen zu nehmen. Denn bei der Fülle an Personen, die teilweise auch nur sehr kurze Auftritte hatten, konnte sich wohl keiner die ganzen Namen merken. Aber wenn beispielsweise ein Rami Malek zunächst nur eine Randfigur ist, dann erkennt man ihn später doch nochmal wieder.
Nach dem sehr übereilten Auftakt, nimmt sich der Film dann auch die benötigte Zeit, um die Geschichte zu erzählen. Und hier wird es wichtig, dass man von der aufgebauten Atmosphäre komplett eingesaugt wird. Denn dann entwickelt der Film einen Sog, dem man kaum widerstehen kann. Weiter und immer weiter, Entwicklung über Entwicklung, Fortschritt, Rückschlag, alles prasselt auf einen ein. Und trotz des bildgewaltigem Wettlauf mit der Zeit, kommen am Rand immer wieder die Zweifel durch. Warum wurde das Projekt durchgezogen, wie viele bewusste Fehlinformationen gab es?
Hierauf wird im letzten Drittel noch einmal genauer eingegangen. Denn wenn die Zuschauendenden anfangen sich zurückzulehnen, weil das „Schauspiel“ vorbei ist, bombardiert Nolan einem mit genau dem. Dem Gewissen. Dem, was haben wir getan und was werden wir vielleicht noch tun. Oppenheimers Perspektive, aber auch die seiner Mitarbeitenden. Und dann artet es aus irgendeinem Grund in einen Politthriller aus, was aber, wenn man in der Atmosphäre des Films gefangen ist, weiterhin erstaunlich gut funktioniert.
Einziger Kritikpunkt meinerseits an den Film ist, dass Nolan wieder einmal darauf verzichetet Jahreszahlen einzublenden. Zwar versucht er durch bestimmte Erwähnungen von historischen Ereignissen einem eine ungefähre Richtung zu geben, dennoch war es teilweise schwer zu folgen, gerade, wenn in der Zeit gesprungen wurde.
Über die Optik muss ich glaub ich gar nicht viel erzählen, die Trailer boten einen guten Einblick in die tollen Bilder, die Nolan zaubert. Seine Entscheidung kaum CGI zu nutzen und viele praktische Effekte umzusetzen, zeigt wieder einmal wie weit seine Liebe zum Film geht und wie viel heuzutage auch ohne den Computer möglich ist.
Mit Cillian Murphy als Hauptdarsteller hat Nolan castingtechnisch alles richtig gemacht. Er trägt den Film vollumfänglich auf seinen – für den Film doch sehr schmal gewordenen – Schultern. Doch auch der übrige Cast kann sich sehen lassen. Nolan versammelt einmal mehr ein Who is Who in Hollywood und schafft es auch namenhafte Schauspielende für kurze Auftritte zu gewinnen, so dass das Erkennen auch noch im fortgeschrittenen Film Spaß macht.

Das Fazit

Oppenheimer ist Nolans neustes Meisterwerk und bietet alles, was ein Biopic braucht und darüber hinaus. Atemraubende Atmosphäre, fantastische Bilder, namenhafter Cast und keine Minute der drei Stunden Lauflänge war zu viel. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Oppenheimer läuft seit dem 20.07.2023 in den deutschen Kinos

Tenet

Ein Vorwort

Der Hoffnungsschimmer der Kinos, der vielverschobene Film, der langersehnte Blockbuster oder einfach der neue Christopher Nolan. Nach einer langen Zeit des Zitterns hat er nun endlich seinen Starttermin in Deutschland gehabt. Bereits lange bevor wir uns mit dem Thema Corona auseinandergesetzt haben, angekündigt, war er lange das Hoffnungslicht der Kinos, weil er im Gegensatz zu den anderen Blockbustern nicht verschoben wurde. Und dann doch, aber immer nur für ein paar Wochen. Und nun ist er tatsächlich im europäischen Markt veröffentlicht wurden, obwohl im Hauptmarkt USA noch immer die Schotten der Kinos dicht sind – was zuvor nicht einmal zur Diskussion stand. Nun sind die Erwartungen an Nolan hoch. Nicht nur, dass er viele Zuschauer in die Kinos zieht, sondern auch, dass er seine Mindfuck-Zeitexperiment-Filmreihe weiterführt. Warum er genau hier leider ein bisschen übertreibt, erfahrt in in meiner Kritik.

Die Handlung

Der Protagonist (John David Washington) wird bei einem CIA-Einsatz in Kiew gefangen genommen und gefoltert. Als er sich aber dagegen entscheidet seine Leute zu verraten und lieber den Tod wählt, wird er in ein künstliches Koma befördert. Als er aufwacht, wird ihm eröffnet, dass er damit einen geheimen Eignungstest für das Geheimprojekt Tenet bestanden hat. Diese befasst sich mit temporal invertierten Waffen und versucht diese zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen. Dabei bekommt er Neil (Robert Pattinson) an die Seite gestellt. Eine erste Spur führt sie nach Mumbai.

Meine Meinung

Was verrät man über diesen Film und was nicht? Eine gute Frage, wo doch jede Äußerung ein potenzieller Spoiler sein kann, zumal sich die Trailer wunderbar bedeckt gehalten haben, wo der Film genau hinführt. Demnach werde ich versuchen möglichst wenig auf die Handlung an sich einzugehen. 
Befassen wir uns zunächst mit den Rahmenbedingungen des Films. Denn hier macht Nolan so ziemlich alles richtig, was man richtig machen kann. Er baut wunderbare Settings auf, die sich alle irgendwo unterscheiden und jedes für sich eindrucksvoll und doch realistisch sind. Dann wechselt er den Film passend mit spannenden Szenen und dialoglastigeren Szenen ab, so dass aber das Spannungsniveau von Anfang bis Ende ganz oben ist. Vor allem die Actionszenen an sich sind ein absoluter Augenschmaus. Gut choreographiert und gerade noch auf einem „Nur ein bisschen abgehoben“-Niveau. Flugzeug am Boden in Gebäude krachen lassen ist zwar beeindruckend, aber weniger abstrus als Sprünge oder Kletterpartien aus/an Flugzeugen – looking at you Tom Cruise. So nimmt man der ganzen Mission irgendwo noch ab, dass sie so abgelaufen sein könnte, aber trotzdem warten beeindruckende Bilder und spannende Stunts auf den Zuschauer. Hier behält man durch die sichere Kamerafahrt von Hoyte van Hoytema, der mit Nolan bereits bei Dunkirk und Interstellar zusammenarbeitete, immer den Überblick über den Fokus der Szene, auch wenn teilweise vieles gleichzeitig passiert. Positiv hervorzuheben ist auch der Soundtrack von Ludwig Göransson, der die Szenen sehr gut unterstreicht, permanent präsent ist und doch nie zu vordergründig wird. 
Kommen wir nun also zu dem schwierigeren Teil bei Tenet. Ich habe es bereits in meiner Einleitung Mindfuck-Zeitexperiment genannt. Eben jenes Spiel mit der Zeit, das Nolan gerne in seine Filme einbaut. Sei es die Rückwärtserzählung von Memento, die drei Zeitebenen in Dunkirk oder die unterschiedlichen Zeitgefühle in den verschiedenen Traumebenen in Inception. Nolan spielt gerne mit der Zeit und auch gerne so, dass am Ende (oder irgendwo mittendrin) ein Mindfuckmoment entsteht. In Tenet hat er nun gleich sein beliebtes Spiel mit der Zeit zum Hauptthema gemacht. Hier konnte er sich einmal richtig austoben und alles rauskitzeln was ging. Nun wenn man den Film als Gesamtkonstrukt sieht, funktioniert das ganze auch erstaunlich gut. So verlässt man am Ende den Kinosaal und ist von den ganzen Eindrücken absolut überwältigt und gerade nach dem großen Finale auch irgendwo wieder mit allem im reinen. Doch gerade zwischendurch merkt man, dass Nolan mehr als einmal in Erklärungsnöte gerät und diese einfach zu überspielen versucht. Dabei wirft er einfach mit ein paar Fachbegriffen um sich, die den Zuschauer mehr verwirren als aufklären und behauptet dann, dass er ja nun alles erklärt hat. Und wenn es daran geht, dass ein paar Logiklöcher auftauchen, werden die einfach mit ein paar Paradoxen erklärt. So ist man am Ende zwar durchaus noch verwirrt, weil einige Handlungsstränge nicht wirklich erklärbar sind. Man muss halt ein paar Dinge akzeptieren. Dazu gehören gewisse Paradoxe, aber vor allem die Ausgangsidee hinter Tenet. Wenn man die einfach als gegeben akzeptiert, hat man einen richtig guten Film. Wenn man anfängt einzelne Sachen zu hinterfragen, fällt aber das Kartenhaus sehr schnell in sich zusammen. 
Mit einer Lauflänge von 150 Minuten ist Tenet streckenweise zu lang. Hier hätte man Zeit gehabt, um dem Zuschauer ein paar mehr Details zu erklären, aber darauf wird verzichtet. Vielleicht auch einfach, weil Nolan es selbst nicht genauer erklären kann. Dennoch ist Tenet an keiner Stelle langweilig. 
Bleibt mir zum Schluss nur noch über die Schauspielleistungen zu sprechen. Fangen wir mit John David Washington an, der als Protagonist den Film größtenteils auf seinen Schultern trägt. Hier macht er grundsätzlich eine gute Figur, spielt dezent, auch wenn man sich manchmal ein bisschen mehr als nur das Pokerface gewünscht hätte. Positiv sticht hingegen Robert Pattinson hervor – und ja ich gehöre zu denen die nach Twilight alle Filme mit Pattinson gemieden haben, vielleicht ein Fehler wie sich hier zeigt. Auch der übrige Cast liefert eine gute Performance ab. Lediglich mit Kenneth Branagh als russischer zwielichtiger Geschäftsmann hatte ich so meine Probleme. Vielleicht weil er für mich immer noch ein wenig Professor Lockhardt (Harry Potter) oder Poirot (Mord im Orient-Express) ist. Auf jeden Fall habe ich ihm den Schläger nicht abgenommen. 

Das Fazit

Tenet ist der Blockbuster auf den wir gewartet haben. Nolan hat sich aber ein bisschen zu sehr in seinen eigenen Anforderungen an die Mindfuck-Zeitexperimente verstrickt, dass man das Gesamtkonstrukt akzeptieren muss, ohne es zu hinterfragen. Wer das kann, wird mit einem wunderbaren Actionthriller sehr gut unterhalten. Dafür gibt es 08 von 10 Punkten.

Tenet läuft seit dem 26.08.2020 in den deutschen Kinos

Dunkirk

Am 27.07.2017 erschien Christopher Nolans Werk über die Evakuierung Dünkirchens in den deutschen Kinos.

1940. Ca. 370 000 Soldaten sind in der französischen Hafenstadt Dünkirchen (englisch: Dunkirk) eingeschlossen und warten auf Rettung über die See, in die Heimat nach England. Dabei kämpfen sie gegen deutsche U-Boote, deutsche Luftangriffe und Naturgewalten, wie Ebbe und Flut.

Wie viele Filme es inzwischen über Geschehnisse im zweiten Weltkrieg gibt, kann wohl kaum noch einer zählen. Doch erstmals wagt sich auch Christopher Nolan an die Thematik. Bekannt für die Batman The Dark Knight Reihe, aber vorallem durch seine Filme, die man mehrfach schauen muss, um alle verworrenen Handlungsstränge verstehen zu können. Dazu zählen u. a. Memento Inception und Interstellar. Die Schlacht bzw. die Evakuierung von Dünkirchen während des zweiten Weltkrieges scheint so gar nicht richtig ins Schema zu passen. Doch Christopher Nolan beweist einmal mehr, dass er zu Recht ein Regisseur von Meisterwerken ist.
Dunkirk wartet gleich mit drei Erzählabschnitten auf. Abschnitt 1 „die Mole“ behandelt die eingeschlossenen Soldaten, die am Strand von Dünkirchen auf Rettung durch Schiffe wartet. Abschnitt 2 „die See“ behandelt die von der Marine beschlagnahmten zivilen Schiffe, die zu einer Rettungsaktion starten, da sie weniger Tiefgang im Wasser haben. Abschnitt 3 „die Luft“ behandelt drei Spitfires von der Royal Air Force, die versuchen die deutschen Bomber aus der Luft aufzuhalten, die wiederum versucht haben die evakuierenden Schiffe aufzuhalten. Das interessante an der Erzählweise der drei Abschnitte ist, dass sie parallel erzählt werden, aber unterschiedliche Längen aufweisen. So dauern die Geschehnisse des ersten Abschnitts eine Woche, die des zweiten einen Tag und die des dritten gerade einmal eine Stunde. So kommt es vor, dass zwischen den Perspektiven hin und her geschnitten wurde und bei den einen Tag und bei den anderen Nacht ist. Gerade diese verworrene Erzählweise, die wieder so typisch für Nolan ist, lässt den Film niemals an Spannung nachlassen. Durch Überlappungen der Abschnitte kommt es nämlich zu Wiederholungen in der Geschichte, von der man zunächst denken könnte, dass es sich um neue handelt.
Dunkirk zeichnet sich auch dadurch aus, dass der gesamte Film mit sehr wenig Dialogen daher kommt. Die Musik von Hans Zimmer ist der ständige Begleiter des Films und auch Zimmer beweist hier einmal mehr, dass er ein Meister auf seinem Fachgebiet ist. Allein der Einsatz von Geigen in einer der Anfangsszenen erzeugt so viel Spannung, obwohl von der Handlung her noch wenig passiert, dass man als Zuschauer permanent an den Kinosessel gefesselt wird. Auch zeigen die Bilder genug, um den Film mit so wenig Dialog auskommen zu lassen.
Dadurch kommt der zweite sehr positive Effekt von Dunkirk zu stande. Im Gegensatz zu anderen Kriegsfilmen, die die reine Brutalität eines Schlachtfeldes einfangen, wie zuletzt beispielsweise Hacksaw Ridge, verzichtet Nolan hier auf blutige Schlachtdarstellung. Dennoch kommt es an keiner Stelle zur Romantisierung des Krieges, was viele Kritiker im Vorfeld des Films befürchtet hatten. Denn Dunkirk zeigt die brutale Realität, verzichtet dabei aber auf die blutigsten Darstellungen. Stattdessen kämpfen die Soldaten in Dunkirk gegen einen praktisch unsichtbaren Feind. Es sind die plötzlich auftauchenden Bomber am Himmel, oder die aus dem nichts kommenden Torpedos, die als ständige Gefahr präsent sind. Und es ist die nackte Angst, die den Soldaten fast durchgehend ins Gesicht geschrieben ist, die den Krieg so real macht.
Nummer 3, warum Dunkirk so gut geworden ist, ist wohl die Tatsache, dass er fast durchgehend auf Helden und Patriotismus verzichtet. Lediglich Tom Hardys Figur scheint den typischen Helden zu mimen. Ansonsten wird der Film aus Sicht von dem typischen Durschnittsssoldaten gezeigt, der eigentlich viel zu jung und unerfahren ist und aus Sicht von Zivilisten, die mehr oder weniger in den Krieg mit reingezogen wurden.
Und so kommt in Dunkirk einfach alles zusammen. Eine realistische, aber unblutige, Darstellung der Ereignisse, kaum Patriotismus, realistische Charaktere, eine durchgehende Spannung, die an keiner Stelle nachlässt, drei verschiedene Handlungsabschnitte, die den Krieg aus verschiedenen Sichten darstellen und das ganze zusammen mit durchgehend guten schauspielerischen Leistungen.

Dunkirk macht praktisch fast alles genau richtig. Über kleinere Details kann man sich immer streiten, aber Dunkirk ist auf jeden Fall eine große Sehempfehlung. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.