Monsterwochen Reloaded – Der Untergang des Hauses Ushers – III & IV

Nachdem ich die Monsterwochen im letzten Jahr pausiert habe, geht es dieses Jahr weiter. Zwar nicht direkt mit Monstern, aber dafür wieder mit einem Klassiker aus dem Bereich Horror bzw. Schauerroman, den ich lese und mir dann verschiedene filmische Interpretationen dazu anschaue.
So waren es in den Jahren zuvor bereits Dracula, Frankenstein, Das Phantom der Oper und Das Bildnis des Dorian Gray.
Eine weitere Änderung in diesem Jahr ist, dass ich die vier Versionen aus zeitlichen Gründen lediglich in zwei Beiträgen erläutern werde.

Und damit Vorhang auf für den zweiten Part zu „Der Untergang des Hauses Usher“

Die populärste Verfilmung

Die Handlung: Philip Winthrop hat sich mit Madeleine Usher verlobt und reist zu dem Landsitz der Familie, um sie abzuholen. Doch vor Ort verhalten sich der Butler und vorallem Madeleines Bruder Roderick sehr merkwürdig und erzählen etwas von einer seltsamen Krankheit. Philip will es nicht glauben und versucht alles, um seine Verlobte zu retten.

„Unsicherheit, wie nur das Erlöschen aller lebendigen Impulse sie hervorruft, zu jener Art entschlossener Knappheit, jener abgehackten, gewichtigen, schleppenden und hohlen Aussprache, jenem bleiernden, schwerfälligen und moduliert-gaumigem Tonfall,den man sonst nur bei haltlosen Trinkern oder unverbesserlich Opiumsüchtigen im Zustand höchster Erregung beobachten kann.“*

Meine Meinung: Wenn man nach Verfilmung zur Kurzgeschichte sucht, kommt „Die Verfluchten“ als eines der meisten Suchergebnisse. In 76 Minuten verfilmte Roger Corman – der übrigens eine beeindruckende Geschichte hat und Hollywood nachhaltig veränderte – die 25 Seiten Geschichte und schafft es dabei den Fokus genau richtig zu legen. Denn die Änderung den eigentlich namenlosen Erzähler, der ein alter Freund von Roderick ist, umzuändern in Philip Winthrop, den Verlobten von Madeleine, lässt mehr Spielraum, um die Geschichte zu erzählen. Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern, die beide auf ihre Weise versuchen Madeleine zu schützen – wir erinnern uns, dass der Film von 1960 ist – funktioniert hervoragend und gibt der Geschichte weit mehr Tiefe als die Buchvorlage bot. So haben wir trotz der Kammerspielartigen Kulisse, da das Haus kaum verlassen wird, immer wieder erschreckende Momente, denn die Charaktere können einfach aus dem Nichts auftauchen und verschwinden. Und gerade weil Roderick und Philip eher im Streit sind, ergibt sich auch Konflikt und Dialog. So bleibt der Kern der Geschichte erhalten und wird soweit ausgeschmückt, um einen kompletten Film zu erzählen.

„Seine erregte und zerrüttete Vorstellungsweise verlieh allen Dingen einen schwefligen Schimmer; seine langen, improvisierten Sterbegesänge werden mir immer in den Ohren klingen.“*

Funfact zu Edgar Allen Poe: Poes Tod ist so mysteriös wie seine Geschichte. Er war zuvor tagelang verschwunden, trug die Kleidung eines Anderen und wurde als sehr verwirrt beschrieben. Da das Krankenhaus seine Unterlagen verlor, ist die genaue Ursache bis heute unbekannt.

Funfact zu Untergang des Hauses Usher: Es wird gemutmaßt, dass Poe sich bei  der Geschichte stark an „Das Raubschloss“ des deutschen Autors Heinrich Clauren orientiert hat, da es im Aufbau sehr ähnlich ist und die Geschichte auch ins englische übersetzt wurde.

Die Serienverfilmung

Die Handlung: Roderick Usher ist CEO von Fortunato Pharmaceuticals, einem milliademschweren Unternehmen, das sich gerade in einem Gerichtsverfahren wiederfindet. Auch hat er frisch den Tod seiner sechs Kinder zu betrauen. In einer regnerischen Nacht legt er vor dem ermittelndem Staatsanwalt eine umfangreiche Beichte ab und erzählt dabei auch, wie seine Kinder ums Leben kamen.

„“Ob ich es höre? – Oh doch, ich höre es und habe es gehört. Lange schon – lange – viele Minuten, viele Stunden, viele Tage höre ich es schon – doch ich wagte nicht – so habt doch Mitleid mit dem Elenden, der ich bin! – Ich wagte nicht zu sprechen!“*

Meine Meinung: Netflix Werbekampagne hat Früchte getragen, denn mir fiel noch vor der Recherche zu verschiedenen Verfilmungen sofort diese Serienumsetzung ein. Dabei fand ich es von Anfang an befremdlich, dass eine Kurzgeschichte in acht Folgen umgesetzt werden sollte. Und auch der Beginn sah so aus, als würde sich gerade einmal das Grundgerüst an die Vorlage halten. Tatsächlich ist es aber auch genauso gewollt. Netflix wählte zwar den Titel „Untergang des Hauses Usher“, aber eigentlich ist es eine Verfilmung von acht verschiedenen Kurzgeschichten inklusive des wohl bekanntesten Gedichts Poes „Der Rabe“. So begab ich mich auf weitere Recherche und las vor den Folgen jeweils die dazugehörigen Geschichten. Und den Machern der Serie ist es wirklich gut gelungen durch die familiären Strukturen und der Rahmenhandlung die verschiedenen Motive gekonnt einzusetzen. Da die Handlung in die Gegenwart geholt wurde, konnte viel mit den Motiven und die Übertragung dieser in die heutige Zeit gespielt werden, was die Serie auch gekonnt umzusetzen weiß. Unterschwellig ist auch viel Gesellschaftskritik vorhanden, die den finalen Schliff gibt.

„Als läge ein Zauber im Schrei seiner Worte, öffnete im gleichen Moment die schwere alte Tür, auf die er deutete, langsam ihre mächtigen Ebenholzkiefer.“*

Funfact zu Edgar Allen Poe: Obwohl Poe zum Release von Der Rabe bereits seit zwanzig Jahren veröffentlichte, bekam er lediglich 9 Dollar für sein Werk.

Funfact zu Untergang des Hauses Usher: Alle in der Serie vorkommenden Charaktere tragen Namen, die Anspielungen auf Poes Leben oder seine Werke sind.

Kennt ihr die Werke?

*Zitate aus: „Der Untergang des Hauses Usher und andere fantastische Geschichten“ von Edgar Allen Poe in der Ausgabe des Coppenrath Verlags 2024.

Monsterwochen Reloaded – Der Untergang des Hauses Usher I & II

Nachdem ich die Monsterwochen im letzten Jahr pausiert habe, geht es dieses Jahr weiter. Zwar nicht direkt mit Monstern, aber dafür wieder mit einem Klassiker aus dem Bereich Horror bzw. Schauerroman, den ich lese und mir dann verschiedene filmische Interpretationen dazu anschaue.
So waren es in den Jahren zuvor bereits Dracula, Frankenstein, Das Phantom der Oper und Das Bildnis des Dorian Gray.
Eine weitere Änderung in diesem Jahr ist, dass ich die vier Versionen aus zeitlichen Gründen lediglich in zwei Beiträgen erläutern werde.

Und damit Vorhang auf für „Der Untergang des Hauses Usher“

Ein aufgeschlagenes Buch mit Illustrationen zum Untergang des Hauses Usher, so wie ein Tablet mit Standbild zum Kurzfilm. Umring von einer lila Fledermaus und einem dekorativen Glas.

Die Buchvorlage

Die Handlung: Der namenlose Erzähler reist zum Anwesen der Familie Usher, die sein Jugendfreund Roderick Usher und seine Zwillingschwester Madeline bewohnen. Ein Brief von Roderick hatte ihn hergebeten, doch er muss erkennen, dass die letzten lebenden Ushers sehr krank sind. Ein Sturm zieht auf und der Erzähler muss den Untergang des Hauses hautnah miterleben.

„Was war das nur – ich hielt inne, um darüber nachzugrübeln -, was mochte es sein, das mich Anblick des Hauses Usher so bedrückte?“*

Meine Meinung: Poe gilt nicht nur als Begründer des Kurzromans, er hat eben diese auch perfektioniert. In meiner Ausgabe ist der Untergang des Hauses Usher gerade einmal 25 Seiten lang und schafft es doch ab der ersten Seite eine Beklemmung auszulösen, ohne, dass Poe diese genauer beschreiben muss. Im Gegenteil es ist gerade seine zugegebene Unfähigkeit dieses genauer zu erläutern, die es noch realer wirken lässt. Auch weiß er mit der Grundangst der Menschen vor Krankheit und Tod zu spielen. Dabei muss er die Krankheit, die die Familie Usher heimsucht, gar nicht benennen. Allein der stetige Gedanke, dass es gesundheitlich zu Ende geht und damit auch die Erblinie komplett ausgelöscht wird, schafft es die Charaktere an den Rande des Wahnsinns zu treiben. Und nachdem man sich darauf eingelassen hat, schafft er es dann doch noch in einer stürmischen Nacht den wahren Horror herauszuholen, der mehr ist als nur die Metaebene der Geschichte.

„Ich musste mich endlich mit der unbefriedigenden Folgerung begnügen, dass völlig simple und unnatürliche Dinge in bestimmter Anordnung zweifellos die Macht haben, in solcher Art auf uns zu wirken; dass aber ein Ergründen dieser Macht jenseits unserer Fähigkeiten liegt.“*

Funfact zu Edgar Allen Poe: Er ist berühmt geworden für seine Schauerkurzgeschichten und gilt als Meister der Metaebene. Doch auch das Krimigenre hätte es ohne seine Ideen so vielleicht nie gegeben. Sei es Doyles Sherlock Holmes oder Christies Hercule Poirot, sie alle basieren in irgendeiner Weise auf Poes Arthur Gordon Pym.

Funfact zu Untergang des Hauses Usher: Viele Motive der Geschichte sind biographisch entstanden und daher nicht rein als Effektsteigerung zu verstehen. DIe Liebe unter nahen Verwandten basiert zum Beispiel auf seiner Ehe mit seiner jüngeren Cousine und auch Opiumrausch ist dem Autor nicht fremd gewesen.

Die erste Verfilmung

Die Handlung: Familie Usher bestehend aus Roderick und Madeline Usher sitzen entspannt beim Abendessen. Dabei befallen Madeline ungewöhnliche Bilder, die sie in den Wahnsinn und schließlich in den Tod treiben. Roderick befürchtet nun das gleiche Schicksal. Der Reisende besucht ihn und versucht zu helfen.

„Zweifellos war ich mir der abergläubischen Furcht – weshalb sollte ich sie nicht bei diesem Namen nennen? – bewusst, die in mir aufstieg, und zweifellos begünstigte gerade dieses Wissen ihre beklemmende Zunahme.“*

Meine Meinung: Bei der gesehenen Version handelt es sich um die erste amerikanische Verfilmung von 1928. Die französische Verfilmung aus dem gleichen Jahr konnte ich nicht auftreiben. In 13 Minuten wurde die Geschichte nachempfunden, was bei einer Kurzgeschichte durchaus ausreichend sein kann. Durch den Stummfilm gab es keine erklärenden Dialoge und es wurden auch keine Dialogtafeln eingeblendet, wodurch die Handlung ein bisschen schwierig zu entwirren war. Denn um den aufkommenden Wahnsinn der beiden Geschwister darzustellen wurden oft einzelne Bilder übereinander gelegt und ineinander verwoben, wodurch aber die Kulissen schwerer auszumachen waren. Wirklich folgen konnte ich der Handlung nur, weil ich die Buchvorlage vorher gelesen hatte. Da es nur Innenaufnahmen gab, war die Ankunft des Reisenden nicht nachvollziehbar, auch fehlt dadurch die bedrückende Stimmung durch das einschüchternde Haus an sich. Der Film zählt zu den ersten avantgardistischen US-Filmen und das merkt man auch. So fasst die Verfilmung zwar die Grundzüge der Kurzgeschichte zusammen, aber nicht auf wirklich verständliche oder nachvollziehbare Weise.

„Bei meinem Eintreten erhob sich Usher von einem Ruhebett, auf dem er ausgestreckt gelegen hatte, und begrüßte mich mit lebhafter Wärme, die, wie mir anfangs schien, viel von übertriebener Herzlichkeit an sich hatte – von dem gekünstelten Bemühen des blasierten Weltmannes.“*

Funfact zu Edgar Allen Poe: Poe hatte ein Glückspielproblem. Seine Schulden versuchte er mit dem Geld für die Universität zu begleichen, doch sein Ziehvater merkte dies, nachdem Poe immer mehr Geld forderte und drehte ihm schließlich den Geldhahn zu. Dadurch verlor er sein Studium.

Funfact zu Untergang des Hauses Usher: Der Ich-Erzähler wird als Außenstehender eingeführt und erzählt die Geschichte sehr rational, weswegen es den Lesenden so erscheint, als ob noch mehr Geheimnisse zu erkunden sind, die aber offen bleiben.

Kennt ihr die Werke?