Glennkill: Ein Schaftskrimi

Ein Vorwort

2005 kletterte der Debütroman der deutschen Autorin Leonie Swann in Windeseile auf die Spiegel Bestseller Liste und löste einen großen Hype aus. Ein Krimi aus der Sicht von Schafen klang so neuartig, dass ich das Buch ewig in den Buchhandlungen gesehen, aber nie zugegriffen habe. Zwar habe ich damals schon viel gelesen, aber Krimis waren zu der Zeit nicht mein Genre. Und jetzt 21 Jahre später, wäre so ein cosy Crime genau meins gewesen. Und da kam Working Title Film – eine britische Produktionsfirma – mit der Realverfilmung um die Ecke. Warum ich den Film sehr weiterempfehlen kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Filmtitels mit Kinoticket auf einer Filmklappe. Darüber steht ein Schafkuscheltier und schaut in die Kamera

Die Handlung

George Hardy ist Schäfer und lebt sehr zurückgezogen mit seiner Schafsherde, der er jeden Abend aus einem Krimi vorliest. Bis er eines Nachts ermordet wird. Zumindest ist das seiner Herde, allen voran Schäfin Lily, direkt klar, während der ortsansässige Polizist überfordert ist und daher Herzinfarkt eintragen lässt. Doch Lily, zusammen mit dem Widder Moppel und dem Einzelgänger Sebastian, versucht Hinweise zu finden und dem Polizisten zuzuspielen, so dass dieser doch mit den Ermittlungen beginnt.

Meine Meinung

Schafe als Protagonisten? Da war ich auf jeden Fall dabei. Doch als Ermittler in einem Kriminalfall? Wie sollte das funktionieren? Doch der Trailer sprach mich direkt an und ich erinnerte mich grob, dass Buch vor vielen Jahren schon mehrfach in Buchhandlungen gesehen zu haben. Schön ist zunächst, dass die Schafe untereinander für uns zu verstehen sind, aber die Menschen im Film nicht mit ihnen reden können. Dadurch ist keine direkte Fantasyebene drin und sorgt für eine Menge Missverständnisse, die zur guten Stimmung beitragen.
Aber fangen wir am Anfang an. Zunächst lernen wir George und seine Schafe kennen, ihre wichtigsten Eigenschaften, die so liebevoll erzählt werden, dass sie auch in Erinnerungen bleiben, da sie später noch wichtig werden. Dann schwenken wir ins Dorf und lernen dort die wichtigsten Bewohnenden kennen. Dabei sind einfach alle absolut überzeichnet, aber dabei zeitgleich so liebevoll charakterisiert, dass es direkt wieder funktioniert. Nehmen wir allein den Polizisten Tim Derry, der in seiner Karriere noch nie mit einem Mordfall zu tun hatte. Er ist völlig überfordert und hat überhaupt keine Routine, wie er vorgehen muss. Daher lässt er sich von den Leuten in seiner Umgebung leiten und beeinflussen, bis die Schafe ihm einen Krimi zukommen lassen, der ihm das wichtigste Grundwissen vermittelt. An diesem hangelt er sich dann auch lang und schafft es eigene Impulse zu setzen und über sich hinauszuwachsen.
Dennoch ist er immer wieder darauf angewiesen, dass die Schafe ihn in die richtige Richtung stupsen, auch wenn diese ab einem gewissen Punkt auch überfragt sind. Darüber hinaus lernen die schafe aber auch einiges über die Welt außerhalb ihrer Wiese, müssen über ihre Grenzen hinaus gehen und über sich selbst hinauswachsen.
Das Ganze wird mit so viel Liebe dargestellt, voller Witz, kleiner Details und trotz teilweise schwierigerer Themen, bleibt es cosy und ist einfach ein Feel-Good-Film. Die überzeichneten Charaktere werden mit der Zeit vielschichtiger und mehr als sie zunächst zu sein schienen. Da bekomme ich fast Lust, auf mehr Geschichten aus Denbrook.
Im Endeffekt ist es ein whodunnit für Einsteiger. Viele Hinweise tauchen zwischendrin bereits auf, dennoch konnte ich nicht sagen, wer es war, bis zur Auflösung. Einige Sachen wurden wohl auch für den Plot ein wenig verdreht, damit es zur Auflösung und zur Botschaft des Films passt, wie mir meine Landwirtschaftsinteressierte und Pflanzenexpertin – aka meine Kinobegleitung – nicht müde wurde, zu erzählen. Aber das konnte dem Film irgendwo verziehen werden, weil es hier gar nicht so sehr um die Logik hinter des Wies ging, sondern vielmehr um die Auflösung und die Hilfe der Schafe.
Und Lily und Moppel von Anke Engelke und Bastian Pastewka synchronisieren zu lassen, spricht übrigens auch sehr dafür ihn in deutscher Synchro zu schauen, die geben dem Ganzen noch einmal eine schöne Dynamik. Auch darüber hinaus wurde auf Darstellenden- und Synchronsprechendenseite keine Mühen und Kosten gescheut und ein tolles Ensemble zusammengestellt, die den Film gut zu tragen wissen.

Das Fazit

Glennkill: Ein Schafskrimi schafft es Klischees so aufzuarbeiten, das sie überwunden werden können, spielt mit den klassischen Whodunnit Elementen und überzeugt durch die liebevollen Charaktere und eben durch die Schafe. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Glennkill läuft seit dem 14.05.2026 in den deutschen Kinos