Mother!

Am 14.09.2017 erschien ein neuer Film von Darren Aronofsky in den deutschen Kinos

Ein Dichter und seine Frau leben in einem abgeschiedenen Haus, das bereits durch einen großen Brand komplett zerstört wurde und welches von ihr wieder komplett aufgebaut wird, während er an einer Schreibblockade leidet. Eines Abends taucht ein Fremder vor ihrer Tür auf.

 Was wie der Beginn eines klassischen Horrorfilms klingt, birgt doch so viel mehr in sich. Doch sollte man Mother! in jedem Fall komplett sehen, ohne sich groß über die Handlung zu informieren. Das machte bereits der erste Trailer deutlich, der eine komplett schwarze Leinwand zeigte und nur Stimmen zu hören waren. Allein dieser ganz neue Ansatz schürte große Erwartungen an den Film. Denn wie oft zeigen Trailer bereits die besten Szenen oder vermitteln ein völlig falsches Bild vom Film? Das wurde im ersten Ansatz komplett übergangen. Der zweite Trailer zeigte dann eine Jennifer Lawrence, die durch ein Haus schreitet und scheinbar etwas sucht, während die gleichen Stimmen mit den gleichen Sätzen, wie im ersten Trailer, erneut zu hören sind. Erst der dritte Trailer bot wild zusammengeschnittene Szenen aus dem Film, so dass man sich jedoch noch immer kein genaues Bild der Handlung machen konnte.
Und genau das hat Regisseur und Drehbuchautor Darren Aronofsky wohl auch beabsichtigt. Schöpfer der Werke „Requiem for a Dream“ und „Black Swan“ zeigt erneut, wie er einfache Szenen so skurril darstellen kann, dass er die Zuschauer lange im Ungewissen lässt, was sie davon halten sollen. Erst im letzten Jahr bewies er mit „Jackie“, dass er auch ganz andere Töne erklingen lassen kann. Doch mit Mother! übertrifft er sich selbst. Denn selten hat es ein einzelner Film geschafft auf so vielfache Weise interpretiert werden zu können. Der Film ist überflutet mit Symbolik und Andeutungen. Es kann aus weltgeschichtliche Weise interpretiert werden, aus künstlerischer Sicht und besonders deutlich werden die religiösen Andeutungen und Erzählungen. Dabei entsteht ein so abstruses Werk, das der durchschnittliche Kinobesucher hier nicht sein Glück finden wird. Denn der Unterhaltungsfaktor entstand eher durch unbeabsichtigte Komik und der Abstrusität. Der gesamten Handlung. Hier finden viele Kunstkritiker wahrscheinlich ihr Glück, denn Mother! ist eindeutig ein reiner Kunstfilm. Dem sollte man sich bewusst sein, ehe man den Kinosaal betritt. So kann man dem Film nicht einmal nachsagen, dass er schlecht sei, doch den Großteil des Kinosaals konnte er nicht abholen.
Ganz nebenbei verschwimmt die Zeitepoche. Das Haus des Paares wirkt zeitlich komplett entrückt. So besitzt es zwar ein Telefon, wirkt aber ansonsten sehr altbackend. Auch die Kleidung der Protagonistin wirkt wie aus einem bereits beendeten Jahrhundert. Eine der Gäste jedoch besitzt ein Handy.
Ebenso schwer wie die Zeit sind auch die Charaktere selbst einzuordnen. Ihre Beweggründe und Taten werden erst durch die verschiedenen Interpretationen deutlich. Zumal der Film eindeutig die Rolle der Frau des Dichters in den Mittelgrund stellt. So bleibt die Kamera beinahe durchgehend an Jennifer Lawrence kleben und begutachtet das Geschehen immer aus ihrem Blickwinkel. Ähnlich wie bereits bei „Jackie“ legt Aronofsky hier viel Wert auf ihre Mimik. Dem Anspruch ist Lawrence aber durchaus gewachsen. Auch ihre Mitspieler, wie Javier Bardem, Ed Harris und Michelle Pfeiffer spielen auf gewohnt hohem Niveau und bringen so ein wenig Farbe in den Film. Denn der Spielzeit von 121 Minuten ist der Film nicht völlig gewachsen. So tun sich immer wieder Längen auf, die dem Film nicht guttun. Zwischenzeitlich zieht sich eine fast schläfrige Stimmung über den Kinosaal, bis es letztendlich an das große Finale geht.

Alles in allem ist Mother! ein Film, der die Gemüter spaltet und die Bewertung richtet sich wohl sehr nach den Interpretationen der Zuschauer. Für interpretationsfreudige Zuschauer wäre er wohl 08 Punkte wert. Da die hier genannten Bewertungen jedoch immer subjektiv bleiben erhält er lediglich 05 von 10 möglichen Punkten.

Fluch der Karibik 5 – Salazars Rache

Am 25.05.2017 erschien der fünfte Teil der Fluch der Karibik Reihe rund um den Piraten Captain Jack Sparrow, in den deutschen Kinos.

Der Dreizack des Poseidon ist eine mächtige Waffe, die alle Flüche des Meeres aufheben kann. Henry Turner, Sohn von Will Turner, will mit dieser Waffe seinen Vater befreien. Um sie zu finden, muss er sich mit der Wissenschaftlerin Carina Smyth zusammen tun. Unterwegs begegnen sie alten Gesichtern, wie Captain Jack Sparrow und Captain Barbossa, und neuen Feinden, wie dem rachelüstigen Captain Armando Salazar.

Alles begann vor vielen Jahren mit dem Bau einer neuen Attraktion im DisneyWorld. Eine Themenfahrt mit dem Namen “Pirates of the Caribbean”. Regisseur Gore Verbinski und Produzent Jerry Bruckheimer namen diese Themenfahrt als Vorbild und brachten sie 2003 erstmal auf die große Leinwand. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten und Johnny Depps Performance als Captain Jack Sparrow wurde schnell Kult. Sein Standardsatz “Klar Soweit” war wochenlang in aller Munde. 2006 und 2007 kamen dann der zweite und dritte Teil der Reihe in die Kinos, die thematisch aufeinander aufbauen. Hier wäre am Ende ein bisschen weniger Handlung und Intrigen vielleicht besser gewesen, aber trotzdem konnten die Filme sehr viel Erfolg verbuchen. Die Trilogie war damit abgeschlossen, ein würdiges Ende war gefunden. Leider endet hier die Geschichte über den Fluch der Karibik nicht. Denn 2011 brachte Regisseur Rob Marshall noch einen vierten Teil in die Kinos. Gore Verbinski hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits komplett von der Reihe abgewandt, was man dem Film auch ansah. Die Hälfte des Casts hat gefehlt und die neuen Charaktere konnten irgendwo einfach nicht mehr überzeugen. Auch schien Depps Rolle inzwischen sehr ausgelutscht, dass selbst der berüchtigte Jack Sparrow den Erfolg nicht mehr rausreißen konnte. Man sollte meinen Produzenten und Regisseure hätten ihre Lektion gelernt. Leider ist das ja immer nur selten der Fall, denn noch war nicht alles Geld aus dem Fluch der Karibik Universum herausgeholt worden. Und so können wir nun den inzwischen fünften Teil der Reihe im Kino bewundern.
Schon vorab ließ der fünfte Teil wieder ein bisschen zu hoffen übrig. Denn als Bösewicht wurde diesmal Javier Bardem gecastet, der bereits in James Bonds Skyfall bewiesen hat, dass er mit einfachen Gesten eine bedrohliche Situation herstellen kann. Auch wurde groß die Rückkehr von Orlando Bloom und Keira Knightley angekündigt, die wieder ihre Rollen aus den ersten drei Filmen als Will Turner und Elizabeth Swann übernehmen sollten. Das diese im Film nur für kleine Szenen wieder auftauchten, verriet uns die Marketingabteilung aus dem Hause Disney natürlich nicht. Auch wieder mit von der Partie waren natürlich Johnny Depp und Geoffrey Rush als Captain Barbossa und noch ein paar andere bekannte Gesichter. Neu dazu kamen Brenton Thwaites als Henry Turner und Kaya Scodelario als Carina Smyth. Scodelario durfte hier nicht nur die Frauenquote aufwerten, sondern wurde auch gleich der klügste Kopf der Piratenbande. Aber eine Frau als Wissenschaftlerin? Sie muss einfach eine Hexe sein. Immerhin darf Frau hier auch einmal sagen, wo es lang geht und wortwörtlich das Steuer in die Hand nehmen.
Eines kann auch der fünfte Teil der Reihe noch so gut wie der erste. Sagenhafte Bilder und Schlachten auf See inszenieren. Hier lohnt die Optik auf jeden Fall einen Besuch im Kino.
Der Rest des Films dagegen klammert sich viel zu sehr an die guten alten Zeiten. Klaus Badelts legendärer Theme “He’s a Pirate” mag ja noch immer Laune machen und passt sich auch noch immer den einzelnen Szenen an. Der restliche Soundtrack ging im Geschehen einfach nur noch unter.
Auch die alten Charaktere haben ihre Entwicklung schon vor langer Zeit abgeschlossen. Johnny Depps Captain Jack Sparrow ist nur noch ein Abbild des coolen Piraten, den wir 2003 kennenlernen durften. Noch betrunkener in jeder Szene – wo unweigerlich die Frage aufkommt, ob das an Depps eigenen Drogen- und Alkoholexzessen liegt – fehlt ihm einfach der flotte Spruch auf den Lippen, den er früher immer hatte. Einzig Rushs Captain Barbossa konnte wieder komplett überzeugen und durfte gegen Ende auch noch einmal eine neue Charaktereigenschaft an sich entdecken. Die neuen Charaktere wurden gut eingeführt und ihre Beweggründe erläutert. Eine richtige Charaktertiefe wurde aber auch hier nicht erlangt.
Die Handlung des Films dürfte das größte Manko sein. Wieder einmal gab es zu viele Interessenparteien, angefangen bei Sparrows Mannschaft, bis zum britischen Militär. Dabei versucht jeder nach seinem Willen zu agieren, muss sich mit anderen zusammenschließen, um denen dann aber wieder in den Rücken zu fallen. Das ging schon beim dritten Teil nicht mehr gut, wobei im fünften Teil die Beweggründe sehr einfach gestrickt sind. Trotzdem wäre hier weniger mehr gewesen. Das Weniger hätte man schon hinbekommen können, indem man einfach auf Captain Jack Sparrow verzichtet hätte. Ja den absoluten Star der Reihe hätte man hier einfach weglassen können, da er für die eigentliche Handlung nur sehr wenig von Belangen war.

Alles in allem kommt beim fünften Abenteuer der Piratenbande einfach nicht mehr das richtige Gefühl auf und abgesehen von sehr sehenswerten Bildern hat der Film wenig zu bieten. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten. In diesem Sinne: Trinkt aus Piraten, joho!