Logan

Am 02.03.2017 kam der finale Teil der Wolverine-Trilogie in die deutschen Kinos.

Viele Jahre nach seinem letzten Abenteuer ist Wolverine gealtert und seine Heilungsmutantenkräfte funktionieren nicht mehr richtig. Mutanten gibt es kaum noch. Nur Charles Xavier vegetiert in einem alten Tank vor sich hin, seine Mutantenkräfte hat er auch nicht mehr richtig unter Kontrolle. Bis eines Tages eine junge Frau in aufsucht und um Hilfe bittet. Widerwillig wird Wolverine der Beschützer der kleinen Laura, die seltsamerweise ähnliche Kräfte, wie er zu haben scheint.

Bei den X-Men Filmen ist es immer ein bisschen schwierig die Zeitlinie zu verstehen, da es sich inzwischen um drei verschiedene Trilogien handelt, die sich auch noch teilweise überschneiden. Logan gehört zur Wolverine-Trilogie und bildet den Abschluss. Der erste Teil “X-Men Origins: Wolverine” kam 2009 in die Kinos und erzählte die Geschichte vom Mutanten Wolverine ehe er zu den X-Men stieß. Hier wurde vor allem stark kritisiert, dass der Film sehr verweichlicht sei, da er unbedingt zur Zielgruppe passen wollte und daher eine “Ab 12 Jahren”-Freigabe brauchte. 2013 folgte der zweite Teil “Wolverine: Wege des Kriegers” und spielte in Japan. Damit unterschied er sich stark von allen vorherigen X-Men Filmen und brachte das Thema der Sterblichkeit zum ersten Mal zur Sprache. Nun haben wir das Jahr 2017 und der letzte Teil trägt den passenden Namen Logan und schlägt zum ersten Mal im Superhelden-Genre einen ganz anderen Ton an und traut sich als zweiter Teil nach Deadpool an eine “Ab 16 Jahren”-Freigabe

Gleich zu Anfang des Films merken wir, dass einige Zeit zwischen dem zweiten und dem dritten Teil vergangen sein muss. Denn wir treffen auf einen Wolverine, der stark gealtert ist und sich mitunter kaum noch auf den Beinen halten kann – was allerdings auch an seinem starken Alkoholkonsum liegen kann. Gleichzeitig ist der erste Kampf sehr viel brutaler, als wir es bisher sahen. Logan ist inzwischen Chauffeur und versucht mit seinem Gehalt auf ein Boot zu sparen. Er pendelt regelmäßig zwischen seinem Arbeitsplatz und einer alten verlassenen heruntergekommenen Schmelzanlage. Hier versteckt er Prof. Charles Xavier, einst der brillianteste Kopf der X-Men und deren Anführer. Doch eine neurodegenerative Erkrankung macht aus dem einst brillanten Kopf eine unkontrollierbare Gefahr. Mutanten wurden schon seit Jahren keine mehr geboren und die beiden ehemaligen X-Men müssen einsehen, dass sie vielleicht doch nicht die nächste Evolutionsstufe waren, sondern nur eine Laune der Natur. Doch eines Tages sucht eine Frau Logan auf und bittet ihn um Hilfe. Er soll sie und ihre Tochter Laura an einen sicheren Ort nach North Dakota bringen. Obwohl er sich strikt weigert, wird Logan doch mit hineingezogen und muss mit Charles und Laura fliehen.
Filme aus dem Superhelden-Genre sind meist sehr bunt, sehr actionlastig und voller Humor. Die Humorschiene trifft vor allem das Marvel Cinematic Universe regelmäßig. Das DC Cinematic Universe hat bereits mehrfach versucht einen düsteren Ton anzustimmen, ist aber meistens über ihre eigenen Bemühungen gestolpert – wie zuletzt bei Suicide Squad. Die X-Men Filme standen meist im Schatten des großen Vorbildes Marvel, bedienten aber auch die gängigen Klischees. Logan jedoch ist in gelb und brauntönen gehalten und hat nur wenig Farbanteile, hat auch einige gute Actionszenen, aber bei weitem weniger als noch die Vorgängerfilme und auch der Humor wurde stark gedrosselt. So bricht Logan mit allen Erwartungen und schafft eine neue Art des Superhelden, nämlich der Gealterte.
Kann man noch ein Superheld sein, wenn man langsam gebrechlich wird? Wie soll man die rasanten Kämpfe ausfechten, wenn einem die eigenen Kräfte, sowohl Mutantenkräfte, als auch die ganz normale Kraft eines jeden Menschen, die mit dem Alter immer geringer wird, verlassen? Kann man dann noch immer ein Held sein? Genau dies ist das Hauptthema in Logan. Wir erleben von der ersten Sekunde an einen geschwächten Wolverine. Seine Klingen fahren nicht mehr ganz korrekt aus, seine Heilungskräfte versagen und auch seine restliche Muskulatur ist geschwächt. Er wehrt sich dagegen, doch muss immer mehr feststellen, dass er teilweise auch auf Hilfsmittel angewiesen ist. Die ganze Situation, gepaart mit der Tatsache, dass die Mutanten so gut wie ausgestorben sind, lässt Logan immer mehr Alkohol konsumieren. So spiegelt er irgendwo auch den resignierten Held wieder. Trotzdem handelt es sich bei Logan um einen Superheldenfilm, denn Wolverine wird, obwohl er alles versucht, um es zu vermeiden, in einen Auftrag hineingezogen. Jetzt muss er beweisen, was noch in ihm steckt und wie viel er noch immer aushalten kann.
Das zweite große Thema ist das Familienleben. Wolverine versuchte bereits häufiger häuslich zu werden, doch gelang es ihm nicht. Das Leben als richtige Familie hat er nicht kennengelernt. Umso bizarrer ist es, als er auf der Flucht immer wieder Laura als seine Tochter und Xavier als seinen Vater ausgeben muss. Wie stellt man eine Familie da, wenn man eigentlich keine ist? Und können trotzdem familiäre Gefühle auftreten? Das sind weitere Fragen, die Logan versucht zu beantworten.
Natürlich muss es auch in Logan wieder einen Bösewicht geben, der die drei verfolgt. Hier wurde wieder einmal auf das Klitschee des bösen Wissenschaftler zurückgegriffen, womit sich auch der Kreis seit dem ersten Wolverine-Solofilm schließt. Dort erhielt Wolverine nämlich durch Experimente seine Alamantium-Klingen. Zeitgleich bringt Logan noch neue Ideen mit ein, was das Klitschee des Bösewichts zwar verstärkt, sich aber von den anderen X-Men Filmen wieder abhebt.
Trotz der düsteren Grundstimmung schafft es Logan auch immer wieder hoffnungsvolle Momente einzubringen und durch einen exzellent ausgewählten Soundtrack, der überwiegend auf ruhigere Klänge setzt, immer die passende Stimmung zu vermitteln. Durch die Anpassung der Freigabe auf “Ab 16-Jahren” wurden die einzelnen Kämpfe zwar brutaler als die Vorgängerfilme und es wurde bei weit weniger Szenen weggeblendet. Trotzdem trifftet Logan nicht ins Übertriebene ab, sondern zeigt eher die brutale Wahrheit bei Kämpfen mit Alamantium-Klingen. Die Schauspielleistungen bleiben auf dem bekannten Niveau, vor allem vom Hugh Jackman und Patrick Stewart. Die neuen Darsteller reihen sich mit ein und treffen in der Darstellung genau den richtigen Ton.
So schafft es Logan eine gute Leistung abzuliefern, nebenbei das Superheldengenre auf ein ganz neues Niveau zu bringen und trotzdem Spannung zu schaffen. Trotzdem hängt der Film an manchen Stellen. Ich fühlte mich nicht richtig abgeholt und an manchen Stellen nimmt der Film sich auch einfach zu ernst bzw. wird zur schweren Kost. Vielleicht lastete auf mir auch einfach nur die Tatsache, dass ein lange existierender Held, immerhin erschien der erste X-Men Film bereits 2000, nun alt ist und ebnet den Weg für das Unausweichliche. Irgendwann werden auch meine anderen Helden alt sein.

Alles in allem ein gelungener und runder Abschluss der dritten X-Men-Reihe. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Green Room

Am 02.06.2016 erschien einer der letzten Filme mit Anton Yelchin in den deutschen Kinos.

Die Punkrock Band „Ain’t Rights“ tourt ohne Budget durch die USA. Unterwegs bekommen sie einen Gig in einem Nazi-Schuppen, der sie mitten in die Einöde führt. Nach ihrem erfolgreichen Gig werden sie jedoch Zeuge eines Mordes und werden in den Proberaum gesperrt. Ein Katz und Maus Spiel beginnt.

Star Trek – The next Generation trifft auf das Reboot von Star Trek. Patrick Stewart als Nazi-Führer gegen Anton Yelchin als Kopf der Band „Ain’t Rights“. Nazis gegen Punks. So ist das Thema des Films. Das Sehvergnügen dürfte jedoch getrübt sein durch den schweren Unfall Anton Yelchins, den er mit dem Tod bezahlte.
Der Traum einer jeder Band ist eine eigene große Tour. Wenn jedoch der große Vertrag und damit auch die Sponsoren fehlen, muss es halt ohne Geld gehen. „Ain’t rights“ lassen sich jedenfalls nicht von ihrem Traum abbringen und touren im alten Bus durch die USA, immer versucht mit kleinen Auftritten ein wenig Geld zu verdienen, um sich Essen und Benzin kauen zu können. Nach einem gescheiterten Gig bekommen sie das Angebot abseits des Weges einen Ersatzgig in einem Nazi-Schuppen halten zu können. Da sie dringend Geld brauchen, nehmen sie an. Es scheint auch vorerst alles glatt zu gehen. Doch als sie gehen wollen, werden sie Zeuge eines Mordes. Die Organisatoren geraten in Panik und sperren die Band kurzerhand in einen Raum ein, aus dem es keinen zweiten Ausweg gibt. Ein gnadenloses Katz und Maus Spiel beginnt, denn der Mord soll nun der Band angehangen werden.
Green Room kommt überraschend brutal und entgültig daher, dass lässt sich auf dem erste Blick nicht abschätzen. Ihn deswegen aber als Horrorfilm zu betiteln, ist übertrieben. Die Bezeichnung Thriller trifft es eher. Die Handlung braucht ein wenig, um in Schwung zu kommen. Am Anfang weiß man nicht genau, wohin der Film eigentlich führen will und auch nachdem der Mord passierte, baut sich einige Zeit keine Spannung auf. Erst nach über einem Drittel beginnt letztendlich die Jagd der Skinheads auf die Punks, die wiederum versuchen zu fliehen. Erst hier baut sich eine gewissen Spannung auf. Allerdings kommen schnell die üblichen Klitschees auf, bei denen sich das halbe Kino gegen die Stirn klatschte. Vom Setting her ist der Film sehr einfach gehalten, aber doch auch authentisch. Schauspieltechnisch wurde eine gute Auswahl getroffen. Gerade Patrick Stewart als Nazi-Führer war gut gewählt. Berühmtheit erlangte Stewart durch seine Rollen als Captain Pickard in Star Trek – The next Generation und als Professor Xavier in den X-Men Filmen. In beiden Rollen spielt er einen weisen, väterlichen Charakter. Auch in Green Room will man ihn zunächst damit assoziieren, weswegen es länger dauert, bis man ihn als den Hauptbösewicht identifiziert.

Alles in allem birgt Green Room leider wenig Spannung für einen Thriller. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.