Rammstein – Live aus Paris

Am 23.03.2017 brachten über 1000 Kinos Weltweit den neuen Rammstein-Livefilm auf die große Leinwand. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen.

2012 war Rammstein auf Tournee und spielte auch mehrere Konzerte in Paris. Jonas Åkerlund hat bei zwei dieser Konzerte über 40 Kameras installiert und das ganze Spektakel gefilmt. Nun fünf Jahre später ist der Film endlich fertig geschnitten und konnte auf die große Leinwand gebracht werden.

Rammstein ist für drei Dinge bekannt. Zum einen für ihren sehr eigenen Musikstil, den sie selbst als “neue deutsche Härte” bezeichnen. Zum anderen für ihre umstrittenen Texte, bei denen sie Themen ansprechen, diese aber in ihren Texten immer unkommentiert lassen, so dass sie jeder für sich selbst interpretieren kann. Und zu guter Letzt für ihre spektakulären Bühnenshows. Schon seit ihren ersten Konzerten versuchten Rammstein immer eine gute Show zu liefern, egal, wie viele Menschen im Publikum stehen. Inzwischen ist jedes ihrer Konzerte innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Mit ihren stolzen Ticketpreisen – eine große Pyroshow muss auch finanziert werden – schaffen sie es ihre Show jedes Mal noch etwas aufregender zu gestalten, auch wenn sie viele Grundelemente regelmäßig übernehmen.
Doch wie schafft man es nun diese Show, die auch zum großen Teil von den Emotionen des Liveschauens lebt, auf die Leinwand zu bannen. Und wo liegt der Mehrwert für den Zuschauer – außer das der Eintrittspreis im Kino deutlich geringer ist? Jonas Åkerlund, der bereits für mehrere Musikvideos mit Rammstein zusammen arbeitete, stellte sich nun dieser Herausforderung. So vereinte er die Bühnenshow mit Elementen des Musikvideos und versuchte durch seine über 40 Kameras, die er vor der Show installierte, alles einzufangen und durch verschiedene Winkel, Weit- und Nahaufnahmen eine abwechslungsreiche Sicht auf die Dinge zu geben. Dies gelingt ihm sehr gut, so dass man sich immer wie mittendrin statt nur dabei fühlt. Zudem schafft er es durch gelungene Überblendungen das Kunstwerk Rammstein noch mehr in den Vordergrund zu stellen.
Und was ist nun der Vorteil für den Zuschauer das ganze Spektakel im Kino zu sehen? Nun für mich mit meinen 1,55m ist es wohl an erster Stelle, dass ich alles sehen konnte. Denn in der Menge beim Konzert wäre ich komplett untergegangen und hätte daher wenig von der Show gehabt. Zum anderen natürlich der Preis. Und zu guter Letzt ist die Sicht uneingeschränkt, heißt man ist nicht vom Blickfeld seines Standpunktes abhängig, sondern sieht alles von der Show, mit den zusätzlichen Elementen, die Akerlund einbaute. Der Vorteil den Film im Kino und nicht später zu Hause auf DVD zu sehen, ist natürlich die Größe der Leinwand und die gute Soundanlage eines jeden guten Kinos.
Während ich zum Kinoevent “Rammstein in Amerika” einige Kritikpunkte am Publikum losließ, muss ich bei diesem zweiten Event einiges loben. Da ich bekanntermaßen nicht mehr in Leipzig wohne, habe ich bei diesem zweiten Event auch nicht mehr im Cinestar Leipzig gesessen. Mein neues Kino hielt es zum Glück für überflüssig eine zweite Securitykontrolle einzuführen und beließ es beim einfachen Karten einscannen, was das Hineingehen viel entspannter gestaltete. Während in Leipzig größtenteils ein sehr junges Publikum bei Rammstein in Amerika zu finden war, bevölkerte nun die “ältere” Generation das Kino. Das brachte den Vorteil mit sich, dass alle viel mehr Lust auf das Konzert hatten. Dies spürte man auch während der einzelnen Lieder. Es stand zwar auch diesmal keiner auf, aber trotzdem wurden diesmal die Köpfe geschwenkt, applaudiert und Jubelpfiffe ertönten. So kam zumindest leichte Konzertatmosphäre auf.

Rammstein in Amerika

Am 24.09.2015 lief in aufgewählten Kinos ein Special-Screening zu einer der erfolgreichsten und umstrittensten Bands Deutschland: Rammstein.

Kurz zur “Story”: Rammstein wurde 1994 in der DDR gegründet. Doch nachdem sie in Deutschland bald schon viele Rekorde brachen und sehr erfolgreich waren, zog es die Band über das Meer in die USA. Doch als deutsche Band mit deutschsprachigen Texten und einem sehr eigenwilligen Musikgeschmack ist sehr schwierig in den USA Fuß zu fassen. Nach einer ca. 90 Minütigen Dokumentation folgte als Abschluss eine ca. 60 Minütige Live Fassung des Rammstein-Konzertes vom Madison Square Garden 2010.

Amerika. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Hier kann es jeder vom Tellerwäscher zum Millionär schaffen. Mit dieser Einstellung versuchte Rammstein in den USA Fuß zu fassen. Doch selbst für Bands mit englischen Texten ist es sehr schwer in den Staaten bekannt zu werden. Doch Rammstein lässt sich nicht unterkriegen und trifft immer wieder auf einflussreiche Leute, die an die Band glauben. Vor allem durch den vielen Einsatz von Pyrotechnik wird die Band als einzigartig verkauft. Doch um in den Staaten an Bekanntheit zu gewinnen muss man touren, touren und noch einmal touren. Denn das Land ist einfach riesig. Und genau das tun Rammstein. Sie schaffen es immer wieder auf Touren mit bekannten Bands, wie Korn, System of a Down, Anthrax und letztendlich sogar ihren großen Vorbildern KISS zu gehen. Auf ihrem Weg durch die USA gibt es immer wieder Höhen und Tiefen. Sie brechen alle Rekorde einer deutschen Band in den Staaten, geraten aber auch immer wieder mit ihren eigenwilligen Bühnenshows mit der Polizei aneinander und werden nicht nur einmal verhaftet. Während Rammstein kein Blatt vor den Mund nimmt und auch ihre Texte in den Shows widerspiegeln lässt, sind die USA doch noch immer sehr prüde. Als die Band 2001 auch noch 9/11 mitbekam, scheint die Verbindung zu den Staaten letztendlich doch noch zu brechen. Denn nach diesem Unglück ist die Feindseligkeit sehr hoch. Also bricht die Band in den Staaten die Zelte ab. Und es soll einige Jahre dauern bis sie den Höhepunkt ihrer Karriere feiern. Ein in 20 Minuten restlos ausverkauftes Konzert am Madison Square Garden!

Die ca. 90 Minütige Dokumentation erzählt die Bandgeschichte anschaulich mit exklusivem Material der Band selbst (bisher unveröffentlicht!), Interviews mit den einzelnen Mitgliedern und ein Gruppeninterview. Hinzu kommen Interviews mit Band- und Filmpersönlichkeiten aus den USA, wie Steve Tyler (Aerosmith), Kiefer Sutherland, Chad Tyler (Red Hot Chili Peppers) und Iggy Pop , die ihre eigenen Erfahrungen, die sie mit Rammstein gemacht haben mit dem Publikum teilen. Alles in allem war man der Band wohl noch nie so nah. Sie erzählen sehr persönlich und das ein oder andere Detail wäre wohl auch lieber verschwiegen worden. Nach der Dokumentation saß man schon mit Gänsehaut im Kino, weil einem die Geschichte und die eingespielten Lieder auf der großen Leinwand und dem phänomenalen Soundsystem nahe gingen. Doch als letztendlich noch 60 Minuten lang das Konzert vom Madison Square Garden 2010 gezeigt wurde, war es auch um den letzten Zuschauer geschehen. Denn die Musik war so laut, dass sie den Herzschlag im Takt der Musik schlagen ließ.

So genial auch die Dokumentation war, so kritisierbar war das Drumherum. Zwar hat man das Gefühl auf einem richtigen Konzert zu sein, wenn man direkt am Kinosaal kontrolliert wird, inklusive Taschenkontrolle, jedoch war die zweite Kontrolle bei dem Massenandrang doch sehr zeitaufwendig. Ich verstehe natürlich, dass für die Sicherheit gesorgt sein soll, aber vertraut das Kino Rammstein Fans so wenig? Denn diese intensive Kontrolle hatte ich bei noch keinem anderen Film bisher im Kino (und der Film Wacken 3D bediente nun ja auch die gleiche Zielgruppe). Darüber hinweggesehen und auch, dass ich natürlich wieder jemanden hinter mit sitzen hatte, der der Ansicht war, es wäre doch toll im Takt der Musik gegen meinen Sitz zu treten, was bereits nach der Hälfte der Dokumentation zu Rückenschmerzen führte, war ich doch vom Publikum selbst am meisten enttäuscht. Denn wohl entgegen der Befürchtungen der Kinoinhaber, was eine zweite Security-Kontrolle nötig machte, rührte sich das Publikum selbst beim Live-Konzert nicht aus ihren Sitzen. Vereinzelt wurden die Füße im Takt bewegt, doch währen meine Begleitung und ich uns kaum in den Sitzen halten konnten, weil wir laut jubelnd vor Begeisterung aufspringen wollten, den Kopf im Takt bewegen und dabei die Haare ordentlich schwingen, bewegten sich die  meisten gar nicht. Aus Rücksichtsnahme ließen meine Begleitung und ich es dann auch. Aber die Tatsache, dass selbst bei so einem Film das brave deutsche Publikum sich nicht rührt (”weil es sich nicht gehört”), finde ich einfach nur schade.

Alles in allem war die Sondervorführung zu Rammstein in Amerika ein einmaliges Erlebnis, weil spätestens das Konzert auf der großen Leinwand einfach nur Gänsehaut erregend war. Für alle, die es leider verpasst haben: Es gibt ein Heimkino-Release (Datum weiß ich leider nicht),so dass man es sich auch auf DVD oder BluRay holen kann.