Eine Handvoll Serien – 6/23

Herzlich Willkommen zur sechsten Ausgabe der serientastischen Handvoll – ganz ohne Special. Heute mit: Licht auf der Flucht, Krimis in Taiwan, einer königlichen Liebesgeschichte, einer Austauschschülerin in Seoul und einem trekkigen Wiedersehen.

Shadow & Bone – Staffel 2

Die Handlung: Alina und Mal sind auf der Flucht, doch kommen nicht weit. Der Dunkle findet sie und zwingt sie dazu ihnen zu helfen die Meeresgeisel und damit den zweiten großen Kräftemehrere zu finden. Dabei bekommen sie unerwartete Hilfe. Währenddessen versuchen die Krähen ihre Schulden im Barrell zu begleichen. Dafür benötigen sie Hilfe von der Grisha Nina, doch diese stimmt nur unter einer Bedingung zu: Matthias Helvar muss aus dem Gefägnis befreit werden. Doch das ist gar nicht so einfach.

Meine Meinung: Groß waren die Erwartungen an die zweite Staffel, nachdem die erste alle Erwartungen übertroffen hat. Während die Grisha-Reihe drei Bände umfasst, ging ich davon aus, dass jetzt der zweite Band aufgegriffen wurde. Die Krähen haben nur eine Dilogie, weswegen die Handlung aus der ersten Staffel nicht auf dem Buch basierte. Also war es theoretisch nun Zeit dafür. Doch irgendwie kam alles anders. Es wurden Grisha Band zwei und drei in eine Staffel gequetscht, nebenbei wurden Motive aus der Krähendilogie übernommen, ohne die eigentliche Handlung und was soll ich sagen: Es funktioniert einfach nicht. Die Handlung ist wirr, übereilt und nichts ist wirklich auserzählt. Vor allem die Handlung der Krähen wirkt irgendwie überflüssig. Hier merkt man, dass die Vorlage gänzlich fehlt. Warum man nicht einfach das bestehende Material nutzte und die Grishareihe auf die drei Staffeln ausgedrehnt hätte, bleibt fraglich. Vielleicht war ich als Buchleserin auch einfach zu kritisch. Allerdings habe ich die Serie zusammen mit meiner besten Freundin geguckt, die keins der Bücher gelesen hat und sie hat es genauso empfunden. Durch das Zusammenstauchen der Grishabücher sind natürlich auch ein paar Stolpersteine der Vorlage aus dem Weg geräumt, aber es bleibt unrund. Woran es jedoch keine Zweifel gibt, ist, dass die Darstellenden noch immer perfekt gecastet sind und die Welt optisch wunderschön umgesetzt wurde. Da gibt es definitiv nichts zu meckern.

Taiwan Crime Stories – Staffel 1

Die Handlung: Während zwei Versicherungsangestellte eine Zugentgleisung untersuchen, versucht ein Reporter herauszufinden, ob ein verurteilter Straftäter wirklich seine Familie ermordet hat, ein Polizist versucht den Mord an seiner Tochter, einer Grundschullehrerin, aufzuklären und zwei Brüder untersuchen den Mord an einem Jungen, wo das Militär sich einmischt.  

Meine Meinung: Nachdem ich einige K-Dramen intus hatte, wollte ich noch einmal meinen Horizont etwas erweitern und da kam diese Serie aus Taiwan wie gerufen. In vier Einzelfälle mit je drei Folgen werden Kriminalfälle, die von wahren Ereignissen inspiriert sind, erkunden wir das Land und sehen neben den Geschichten an sich auch strukturelle Probleme. Gerade in der Letzten, die überwiegen auf Militärgelände spielt, kommen noch ganz andere Probleme ans Licht als nur der Fall. Natürlich ist eine Krimiserie nicht wirklich aussagekräftig dazu, dennoch war es ein interessanter erster Einblick ins Land. Und auch die Fälle an sich waren interessant und tendeziell spannend, doch drei Folgen für jeden, waren einfach zu lang. Dadurch war einfach viel zu schnell die Luft raus. Die Hälfte der Zeit hätte definitiv gereicht und es hätte nichts essentielles gestrichen werden müssen. So war die Serie insgesamt ganz nett, aber ich würde keine zweite Staffel sehen.

Queen Charlotte – Staffel 1

Die Handlung: 1761 wird Charlotte von Mecklenburg-Strelitz mit King George III verheiratet. Nach einem kurzen Kennenlernen scheinen die Sympathien da zu sein, doch George verhält sich merkwürdig und weicht Charlotte aus. Die ist entschlossen die Gründe dafür herauszufinden. 56 Jahre später versucht Queen Charlotte die Thronfolge zu erhalten, in dem sie ihre Söhne und Töchter zur Ehe drängt.

Meine Meinung: 2020 kam kaum jemand an dem Riesenerfolg von Bridgerton vorbei. Inzwischen um eine zweite Staffel erweitert, war es zunächst verwunderlich, dass statt der erwarteten dritten Staffel ein Spin-off angekündigt wurde. Doch da Queen Charlotte ein sehr interessanter Charakter ist, lag die Wahl dennoch nah. Und die Geschichte von Charlotte und George ist absolut süß. Ist sie in Bridgerton ein ziemlich unnahbarer Charakter, so ist sie hier eine starke Persönlichkeit, die für ihr Glück einsteht und dabei so nachvollziehbar ist. Und das macht sie unfassbar sympathisch und man leidet mit ihr mit. Denn so süß die Geschichte auch ist, so tragisch ist der Ausgang dieser, der von vornherein feststeht und durch Bridgerton bereits bekannt ist. Schön ist es auch, dass altbekannte Gesichter wieder auftauchen und wir so auch die Hintergrundgeschichte von anderen kennenlernen.

XO, Kitty – Staffel 1

Die Handlung: Kitty Song Covey hat eine Fernbeziehung zu Kim Dae-heon nach Seoul. Doch da bekommt sie die Zusage für ein Auslandsjahr an der Schule, die auch ihre verstorbene Mutter besucht hat und die auch Dae besucht. Doch vor Ort muss sie feststellen, dass Dae eine andere Freundin hat. Dass es sich nur um eine Scheinbeziehung handelt, muss sie erst noch herausfinden.

Meine Meinung: Ich habe die To all the boys I loved before Filme geliebt. Die Geschichte von Lara-Jean war einfach sehr süß und die Filme unglaublich cozy. Also habe ich mich sehr gefreut, dass ihre jüngere Schwester Kitty nun eine ganze Serie als Spin-off bekommt. Als ich dann noch rausfand, dass die Geschichte hauptsächlich in Korea spielt, konnte ich es kaum noch erwarten. Das Problem an der Sache ist nur, dass hier ein US-Team versucht ein K-Drama zu inszenieren, was leider überhaupt nicht funktioniert. Die Schule ist sehr international aufgebaut, weswegen es auch normal ist, dass viel englisch gesprochen wird, aber selbst bei Gesprächen zwischen zwei Muttersprachlern wird oft wild zwischen koreanisch und englisch hin- und hergewechselt. Das größte Problem ist aber, dass so ziemlich alle Charaktere unsympathisch sind. Kitty ist einfach nur nervig und ändert ihre Meinung gefühlt ständig und ist auch nicht immer fair ihren Mitschüler*innen gegenüber. Auch die Handlung an sich ist ziemlich wirr und funktioniert einfach nicht. Kurzum die Serie klang super, war aber einfach eine einzige Enttäuschung.

Picard – Staffel 3

Die Handlung: Jean-Luc Picard bekommt einen Notruf von einer alten Bekannten. Zusammen mit William Riker folgt er diesem und geht dafür an Bord der USS Titan, an der auch Seven of Nine dient. Dabei finden sie heraus, dass die Förderation unterwandert wurde. Zeitgleich sucht Raffi undercover nach Hinweisen.

Meine Meinung: Der Vorteil an Picard ist, dass jede Staffel eine komplett eigene Handlung hat, die in sich abgeschlossen ist. Dennoch schien es so, als wäre nach der zweiten Staffel endgültig alles erzählt. Doch irgendwie war der Abschluss noch nicht ganz rund. Also wurde hier nochmal eine Handlung aus dem Hut gezaubert, die wieder besser funktioniert hat als die zweite Staffel. Dennoch wirkt es ziemlich zusammengeschustert, um möglich nochmal die ganze Crew von Next Generation und die neuen Charaktere aus den bisherigen Staffeln Picard zu vereinen. Und wenn man es darauf reduziert, funktioniert die dritte Staffel mit am besten. Es war Wiedersehen über Wiedersehen und manche haben besser funktioniert, aber sie waren einfach alle schön. Auch die Spannungskurve ist sehr hoch, da durch die Invasion der Wechselbälder genug Stoff da war, um immer wieder Kämpfe, Verfolgungsjagden und ähnliches zu inszenieren. Und auch, wenn ich die dritte Staffel sehr genossen habe, so war der absolut perfekte Abschiedsmoment da, also hoffe ich doch, dass es keine vierte Staffel geben wird.

Habt ihr eine davon gesehen? Wie fandet ihr sie?

Shadow & Bone

Ein Vorwort

Es scheint schon jetzt eines der Serienereignisse des Jahres zu sein, auf das sich am meisten gefreut wurde. Denn allein die Romanvorlagen von Leigh Bardugo erfreuen sich großer Beliebtheit. Natürlich steht dann immer gleich das erste Problem vor der Tür: Kann die Serie sowohl Buchfans überzeugen, als auch reine Serienschauer zu begeistern? Wenn ihr wissen wollt, warum Shadow & Bone das beinahe spielerisch schafft, dann lest einfach weiter.

Die Handlung

Ravka ist ein Land, das durch die Schattenflur in zwei Teile geteilt wird. Die Flur ist ein riesiger Wall aus undurchdringbarer Dunkelheit, in der hungrige Wesen lauern. Leider ist es der einzige Weg, um die Waren von West-Ravka und den dortigen Häfen nach Ost-Ravka zu bringen, genau dadurch. Bei einer Durchquerung ist auch die junge Kartografin Alina Starkov dabei. Als ihr bester Freund Mal dabei fast stirbt, entfesselt sie eine Kraft, von der sie nichts ahnte. Und findet sich kurz darauf bei den Grisha wieder, die alle unterschiedliche Fähigkeiten aufweisen. Gleichzeitig versuchen die Dregs, eine Gruppierung um den Anführer Kaz Brekker, die Flur in die andere Richtung zu durchqueren, um das Kopfgeld zu kassieren, das auf Alina ausgesetzt wurde.

Meine Meinung

Der Trend Fantasyreihen nicht mehr unbedingt als Filmreihe anzugehen, sondern gleich als Serie, ergibt durchaus Sinn, wenn die beschriebene Welt das hergibt. Hat man doch an der Reihe City of Bones gesehen, dass sie weder als Film noch als Serie sonderlich gut funktioniert hat. Leigh Bardugo hat mit ihrem Grishaverse zumindest eine ausschweifende Welt erschaffen, die zu erkunden durchaus spannend sein könnte. Bisher habe ich es nur geschafft, das erste Buch der Grisha-Reihe zu lesen (Goldene Flammen). Die erste Staffel der Serie verfilmt diese, lässt aber auch Figuren aus der Krähen-Reihe (Das Lied der Krähen) auftauchen.
Genau das erscheint in sofern passend, weil die Welt nun von zwei Seiten beschrieben wird, und durch den stetigen Perspektivwechsel eine gewisse Dynamik mit reinbringt. So ist die Geschichte rund um Alina und die Grisha relativ ernst erzählt, während die Geschichte rund um die Krähen eher locker ist und eine gute Portion Witz in die Serie bringt. Dadurch ist die Serie aufgelockert, bietet aber dennoch die Spannung und die magische Welt, die eine gute Fantasyserie braucht.
Man kann natürlich auch sagen, dass der stetige Tempowechsel einen aus der Handlung rausreißt und an manchen Stellen war ich schon dezent genervt, weil ich beim anderen Handlungsstrang unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Aber im Endeffekt wird dadurch nur der Spannungsgrad noch erhöht.
Die Handlung wird genau genommen in drei Handlungssträngen erzählt, die alle an anderen Orten spielen. Schon während des Lesens war es für mich nötig, ständig auf die Karte zu gucken, wo die Orte jetzt liegen. Dies fehlt in der Serie leider, weswegen man zwar immer wieder angezeigt bekommt, in welchem Ort sich die Handlung gerade befindet, das Hintergrundwissen aus dem Buch mir jedoch sehr entgegen kam. Es ist auch ohne Karte zu verstehen, aber die vielen Ortsnamen kann man auch schnell durcheinander bringen, was allerdings auch so ziemlich der einzige Haken der Serie ist.
Denn schauspielerisch ist die Serie verdammt gut gecastet worden. Jede/r scheint nur für diese Rolle geschaffen. War ich nach der Sichtung des Trailers noch höchst unzufrieden mit Ben Barnes als Der Dunkle, musste ich das sehr schnell zurücknehmen. Denn er schafft es mit seiner Präsenz und seiner Mimik genau das geheimnisvolle zu verkörpern, was den Dunklen ausmacht. Die Handlung bleibt bis auf wenige Ausnahmen sehr buchnah, versteht aber die Stärken des Buches gekonnt auszuspielen. Ein paar mehr Erklärungen wären an manchen Stellen angemessen für alle, die die Bücher nicht gelesen haben, aber dennoch ist das Grundgerüst der Welt gut zu verstehen.
Kommen wir zu guter Letzte zu der unvergleichlichen Optik der Serie. Denn war gerade die Schattenflur im Buch zwar gut beschrieben, ist sie nun zu sehen, doch etwas sehr gewaltiges. Und genau das erstreckt sich über die ganze Serie. Hier waren eindeutig Leute am Werk, die großen Spaß hatten die Welt so lebendig wie möglich zu machen und die Liebe in den Details versteckt haben.

Das Fazit

Shadow & Bone ist eine Fantasyserie, die sehr von der Buchnähe profitiert und so spannend eine neue Welt eröffnet. Durch verschiedene Handlungsstränge wird die Spannung zusätzlich erhöht, die Optik macht die Serie lebendig und der sehr gute Cast, nimmt einen mit in eine andere Welt. Absolute Sehempfehlung einer großartigen Serie!

Shadow & Bone ist seit dem 23.04.2021 auf Netflix verfügbar