Eine Handvoll Bücher – 2/21

Herzlich Willkommen zur zweiten Ausgabe der buchigen Handvoll in diesem Jahr. Heute mit: befreiter Atmung, einem Starbucksbecher, einer Adaption vom Schwanensee, Berlin in den 1920er Jahren und einer Märchenanthologie im Wasser.

Wie die Luft zum atmen

Die Handlung: Liz kehrt nach dem Tod ihres Mannes mit ihrer Tochter in ihr Haus zurück. Doch der Verlust ist noch immer sehr präsent. Dann taucht auch noch Tristan Cole als ihr neuer Nachbar auf, vor dem sie alle warnen. Doch Liz schafft es hinter seine Fassade zu blicken und erkennt, dass er den gleichen Schmerz erleidet, wie sie. Und auf einmal kann sie in seiner Nähe endlich wieder atmen.

Meine Meinung: Zuvor hatte ich schon vieles von Brittany C. Cherry gehört, aber noch nichts von ihr gelesen. Um diese Reihe bin ich schon länger herumgeschlichen, vor allem, weil mir die Titel gut gefallen haben, aber bisher hatte ich mich noch nicht überwunden. Nach dem Lesen weiß ich ehrlich gesagt auch noch nicht so recht, was ich vom Buch halten soll. Aber fangen wir mal ganz vorne an. Der Schreibstil der Autorin hat mir gut gefallen, er ist flüssig zu lesen und sie beschreibt die Gefühle der Protagonisten sehr gefühlvoll. Der Verlust geliebter Menschen ist mir bisher – zum Glück! – erspart geblieben und doch konnte ich mich durch die Beschreibungen sofort in die Trauerarbeit einfühlen. Die Liebesgeschichte konnte mich dann auch mitreißen und ich habe  das Buch innerhalb weniger Tage verschlungen. Was mich dann aber doch ein wenig gestört hat, ist diese Stadt mit ihren kleinkarierten Bewohnern. Da wäre ich schon lange weggezogen. Aber was mich wirklich gestört hat, war die Auflösung des ganzen am Ende. Das war einfach viel zu überzogen und ging beinahe in den Psychothriller über. Das passte gar nicht mehr zu der sehr ruhigen und bedachten Geschichte über Trauer und eine neue Liebe. Das hätte man sich echt sparen können und ein schönes rundes Ende finden können. Aber nun gut. Ich werde wohl definitiv noch mehr von der Autorin lesen und hoffen, dass die nächsten Bände ein besseres Ende haben.

Ich bin Linus

Die Handlung: Linus Giese ist trans. Das dies in der aktuellen Gesellschaft noch immer nicht leicht ist, aber sein sollte, nimmt Linus uns hier mit auf seine ganz eigene Reise, um Vorteile abzubauen und den Weg ein Stück weit zu ebnen, für eine Gesellschaft in der trans sein, ganz normal ist.

Meine Meinung: Lest dieses Buch! Muss ich noch mehr sagen? Na gut: Als dieses Buch angekündigt wurde, stand für mich fest, dass ich es lesen wollte. Denn auch wenn ich mich sehr weltoffen fühle und mich aktiv für Rechte der LGTBQIA+ Community einsetze, merke ich auch bei mir noch gewisse Denkmuster. Um diese weiter abzubauen, bzw. umzudenken, hilft das Buch wahnsinnig, weil es einfach zum überdenken anregt. Zum Beispiel, dass wir bei Babys automatisch anhand der äußeren Geschlechtsmerkmale auf das Geschlecht tippen. Wichtig zu sagen, was er auch mehrfach erwähnt, ist, dass es sich nur um seine Meinung handelt und seine Erfahrungen und das diese nicht allgemeintauglich auf alle trans Menschen anwendbar sind. Aber immerhin ein Anfang, um einfach Barrieren abzubauen, die gar nicht da sein müssten. Dabei ist das Buch in sinnvolle Abschnitte gegliedert. Erfahrungen und Denkanstöße wechseln sich hier ab. Kurzum: Es lohnt sich das Buch zu lesen!

Schwanenfeuer

Die Handlung: Der junge Jäger Ayden wird vom König geschickt, ihm einen Vogel zu schießen. Doch das ist um diese Jahreszeit gar nicht so einfach. Umso erleichterter ist Ayden als er an einem See einen wunderschönen Schwan findet. Dieser ist jedoch kurz darauf verschwunden und er findet die verwundete Estelle. Schnell kommt er hinter ihr Geheimnis. Sie ist verflucht worden und am Tag ein Schwan und nur in der Nacht in ihrer menschlichen Gestalt. Lediglich ein Stück Papier mit einem Rätsel drauf, kann ihr helfen, den Fluch zu lösen. Ayden bietet seine Hilfe an und kurz darauf sind beide mitten im Abenteuer.

Meine Meinung: Auf Autorin Regina Meißner bin ich tatsächlich über Instragram gestoßen. Ihr Account fiel mir durch ihren süßen Grogu („Baby-Yoda“) auf. Mit Schwanenfeuer habe ich zum ersten Mal etwas von der Autorin gelesen, zumal mich die Idee, das Schwanensee Märchen zu adaptieren, sofort angesprochen hat. Gestrauchelt bin ich dann allerdings über ihren Erzählstil und auch ein wenig über ihren Schreibstil. Ich würde ihn jetzt nicht sofort als schlecht bezeichnen, aber er ist sehr gewöhnungsbedürftig. Woran das genau liegt, ist schwer festzumachen, mir war die Geschichte grundsätzlich ein wenig „zu einfach“ aufgebaut. Ayden findet Estelle und will ihr natürlich sofort helfen, egal, wie abweisend sie ist, und natürlich hat er sofort einen Ansatz auf ihr Rätsel. Die Abenteuer, die danach folgen sind dann teilweise wieder spannend, aber es war auch viel Füllmaterial dazwischen. Dennoch ist es Frau Meißner gelungen mich so sehr in die Geschichte hineinzuziehen, dass ich auf das Schicksal ihrer Schwestern – ebenfalls verflucht – gespannt bin und wohl noch mindestens ein weiteres Buch der Reihe lesen werde.

Der Tod ist ein Tänzer*

Die Handlung: Berlin 1926. Tristan Nowak erhält den Auftrag die Sängerin Josephine Baker bei ihren Auftritten in Berlin zu schützen, da es aufgrund ihrer Hautfarbe viele Anfeindungen gibt. Tristan ist davon wenig begeistert, versucht er doch noch immer die Nachwirkungen des Kriegs zu verdauen. Zeitgleich wird eine neue Gruppierung in Berlin laut, die mit einem Anschlag auf Josephine und ihre Revue das Land auf neuen Kurs bringen will. Schon bald ist Tristan mitten in einer Verschwörung und versucht diese zu verhindern.

Meine Meinung: Der Tod ist ein Tänzer ist der erste Teil der Schwarzen Venus Reihe rund um Josephine Baker. Mit knapp 500 Seiten ist es aber eindeutig zu lang, für die Geschichte, die erzählt wird. So kommt es permanent zu Wiederholungen, die Figuren drehen sich im Kreis und immer wenn man denkt, schlimmer geht es nicht mehr, holt Autorin Veronica Rusch von irgendwo noch einen Hammer her. Hier zeigt sich, dass manchmal eben weniger doch mehr ist. So fühlt sich die Geschichte völlig überladen an und zieht sich doch nur, weil die Spannung nicht richtig aufgebaut wird, weil halt permanent irgendwas passiert. Grundsätzlich bin ich auch einfach nicht die Zielgruppe des Buches. Die aufkommenden Nazibewegungen waren für mich schwer zu greifen. Hier kann man der Autorin allerdings keinen Vorwurf machen. Ihre Recherchearbeit hat sich ausführlich erledigt und schafft es die Stimmung der Zeit gut einzufangen und wiederzugeben. Ein paar weniger Charaktere, ein paar weniger überflüssige Handlungselemente und nach dem ersten großen Knall das Buch vielleicht einfach ausklingen lassen, hätte dem Ganzen durchaus gut getan. So wirkt es einfach nicht rund.

Von Flusshexen und Meerjungfrauen

Die Handlung: Eine Märchenanthologie rund um das Thema Wasser. Von Adaptionen der kleinen Meerjungfrau, über japanische Kappas, bis zu gewaltigen Wasserdrachen. Hier ist einfach alles vertreten.

Meine Meinung: Dies war meine erste Märchenanthologie aus dem Drachenmond-Verlag, aber bestimmt nicht meine letzte. Herausgeber Christian Handel versammelt einige mir bekannte Autoren, aber auch mir (noch) völlig unbekannte. Dabei hatte jeder seine ganz eigene Herangehensweise an das Thema Wasser. Wenn es hier etwas gab, dann Abwechslung. Und auch, wenn mir nicht jede Geschichte zugesagt hat, so waren es eben doch Kurzgeschichten, so dass man nie lange in einer Geschichte „festhing“. Auf jeden Fall ein guter Weg, um neue Autoren zu entdecken, und einfach Abwechslungsreich in verschiedene Märchen abzudriften. Die bisher erschienen Märchenanthologien dürfen bestimmt auch bald bei mir einziehen.

Habt ihr eins oder mehrere der Bücher gelesen? Wie fandet ihr sie?

*Der Tod ist ein Tänzer wurde mir von Jellybook im Zusammenarbeit mit dem Verlag im Rahmen einer Testleseaktion kostenfrei zu Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich kennzeichne diesen Beitrag daher als Werbung!