Eine Handvoll Bücher

Heute mit: dem Finale des Kampfes zwischen Chimären und Seraphim, einem magischen Constable in London, dem Finale der Again-Reihe, dem Auftakt eines Kampfes mit den sieben Todsünden und einer chaotischen Irin. 

Dreams of Gods and Monsters

Die Handlung: Als die Dominion-Armee der Seraphim unter Führung des brutalen Jael das Tor von Eretz in die Welt der Menschen durchquert, beschließen Seraphim und Chimären ein wackliges Bündnis, das Akive und Karou wieder zusammenführt. Doch wie sollen sie gegen die zahlenmäßig überlegende Armee Jaels bestehen?

Meine Meinung: Der Abschluss der Zwischen den Welten Reihe kommt zunächst ziemlich ernüchternd daher. Nach einem richtig starken Auftakt bei Daughter of Smoke and Bone, einem eher langatmigen Zwischenteil bei Days of Blood and Starlight, sind nun alle Weichen für das große Finale gestellt. Das dieses mit fast 800 Seiten noch einmal deutlich dicker ist als die Vorgängerbände hätte schon ein Warnzeichen sein können. Denn Autorin Laini Taylor hat noch eine ganze Reihe von Ideen, die sie einbringen wollte. Leider verliert sie sich dabei in ewigen Wiederholungen, dreht sich ständig im Kreis, ehe das Buch nach über 500 Seiten doch endlich mal in Schwung kommt, und bringt dann nochmal so viele neue Wendungen gegen Ende ein, dass sie den finalen Kampf ganz einfach vergisst. Das, worauf die ganze Zeit hingearbeitet wurde, gibt es einfach nicht. Was es aber gibt, und was die wenigsten Fantasybücher schaffen: ein richtiges Ende. Es wird nicht einfach nach einer großen Schlacht aufgehört und vielleicht noch ein Epilog eingeführt. Nein, es werden alle Rätsel und Andeutungen aufgelöst, erklärt und zu Ende gebracht. Das macht zwar vieles wett, aber ich habe mich gerade am Anfang echt durch das Buch gequält und nach ca. 200 Seiten eine sehr lange Pause eingelegt, weil ich es einfach nicht mehr weiterlesen wollte.

Die Flüsse von London

Die Handlung: Constable Peter Grant wollte eigentlich eine ganz normale Karriere bei Scotland Yard. Doch als er an einem Tatort auf einen Geist trifft, wird er dem mysteriösen Detective Chief Inspector Nightingale zugeteilt. Dieser eröffnet ihm, dass er ein Zauberer ist und Peter auch magische Fähigkeiten hat. Zusammen fahnden sie nicht nur nach dem Mörder, sondern sollen auch einen Streit zwischen Mutter und Vater Themse schlichten.

Meine Meinung: Ich habe das Hörbuch schon vor einigen Jahren mal gehört, aber ehrlich gesagt, hatte ich das meiste schon wieder vergessen. Das könnte man als schlechtes Omen nehmen, wahrscheinlicher ist, dass ich damals nicht richtig aufgepasst habe, weil ich Hörbücher meistens bei längeren Autofahrten höre. Bevor ich mich jedoch an einen zweiten Band der Reihe wagen wollte, hörte ich also noch einmal den ersten Band, um mich an alle wichtigen Figuren zu erinnern. Und zu meiner Verteidigung: Es gibt hier wirklich eine Menge an Figuren. Grundsätzlich handelt es sich aber um eine fantastische Idee, die spannend und interessant umgesetzt wurde. Gerade die Kombination aus normaler Polizeiarbeit und den fantastischen Elementen, fand ich sehr gut umgesetzt. So wirkt es wie ein „normaler“ Krimi mit starken Charakteren, aber hebt sich eben doch durch das fantastische Element stark ab. Durch eine ordentliche Länge von 480 Seiten im Taschenbuch und knapp 4 Stunden Hörbuch bleibt genug Platz/Zeit um die Charaktere vorzustellen, die Arbeit von Nightingale zu erkunden und trotzdem den Kriminalfall nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Ich bin auf jeden Fall auf die weiteren Teile gespannt!

Dream Again

Die Handlung: Jude hat sich an einer Schauspielkarriere in LA versucht und ist tief gefallen. Nun flieht sie zu ihrem Bruder Ezra nach Woodshill. Doch ihr Ex-Freund Blake ist Ezras Mitbewohner und alles andere als begeistert. Nun versucht Jude nicht nur irgendwie nach vorne zu sehen, sondern auch das Zerwürfnis mit Blake zu regeln. Denn eigentlich hat sie nie aufgehört ihn zu lieben.

Meine Meinung: Der fünfte und voraussichtlich letzte Teil der Again-Reihe zieht noch einmal ein ganz neues Gesicht in die Geschichte. Die Verbindung zu den vorherigen Teilen stellt diesmal Blake dar, der zusammen mit Hope und Everly in Nolans Seminar war. Natürlich dürfen auch einige der bereits bekannten Charaktere wieder auftauchen, wenn auch eher kurz. Die Geschichte selbst verfolgt das bekannte Schema und schafft es nur selten zu überraschen. Irgendwo war Jude auch nicht der greifbarste Charakter der Reihe. Versteht mich nicht falsch, sie war durchaus sympathisch und ihre Handlungen waren auch größtenteils nachvollziehbar. Aber die Geschichte von ihr und Blake hätte auch in ein wesentlich schmaleres Buch gepasst, dabei ist es mit 321 Seiten schon eher schmal. Kurzum: Auch der Abschluss der Again-Reihe hat mir wieder großen Spaß beim Lesen gemacht, ist aber mit der schwächste Band der Reihe, da er etwas zu vorhersehbar verläuft und sich in Wiederholungen verliert.

Seven Sins – hochmütiges Herz

Die Handlung: Avery hatte sich ihren 18. Geburtstag wohl ganz anders vorgestellt. Doch als der gutaussehende Dämon Nox ihr enthüllt, dass ihr Vater ihre Seele verpfändet hat und sie sterben wird, geht sie auf einen folgenschweren Deal ein. Sie kann versuchen die Prüfung der sieben Todsünden zu bestehen, dann wäre ihre Seele frei. Auf einmal muss sie feststellen, dass ihr bester Freund Adam ein Engel ist und sie beschützen soll. Und eigentlich weiß auch keiner so genau, was die Prüfungen beinhalten. Und so gehen die drei auf die Suche, um sich der ersten Prüfung zu stellen.

Meine Meinung: Autorin Lana Rotaru hatte sie Sevens Sins Reihe bereits vor ein paar Jahren angefangen und im Selfpublishing veröffentlicht. Schon damals habe ich sie verfolgt. Nun hat der Impress Verlag sie von der Autorin überarbeiten und auch endlich weiterschreiben lassen. Der erste Band beinhaltet nun den ursprünglich ersten Band und große Teile des zweiten Bands. Damit ist er immer noch ein reiner Einleitungsband. Das eigentlich spannende fängt erst im zweiten Band an. Das muss man allerdings wissen, um Hochmütiges Herz nicht voreilig wieder wegzulegen. Dennoch versteht sich Frau Rotaru darauf die Charaktere vorzustellen, einem näher zu bringen und die Handlung zu ebnen, damit es danach richtig losgehen kann. Durch ihren flüssigen Schreibstil hatte ich beim Lesen trotzdem Spaß. Umso gespannter bin ich auf die nächsten Bände.

OMG – Diese Ashling

Die Handlung: Aisling lebt mit 28 noch bei ihren Eltern im beschaulichen Ballygobbard. Sie pendelt regelmäßig zu ihrem Job in Dublin. Mit ihrem Freund John ist sie seit 7 Jahren zusammen. Doch als John ihr eröffnet, dass er sie noch lange nicht heiraten will und auch nicht mit ihr zusammenziehen will, beschießt Aisling ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie zieht zu ihrer Kollegin Sadhbh in eine hippe WG und probiert neue Dinge aus. Wenn das mal nicht im Chaos endet.

Meine Meinung: Ich bin durch den Youtube Kanal von Anabelle Stehl auf dieses Buch aufmerksam geworden. Dort findet man auch ein hilfreiches Video zur Aussprache der irischen Namen, die nicht ganz ohne sind (Link hier). Zu 100% bin ich aber nicht warm geworden mit dem Buch. Denn gerade zum Anfang konnte ich Aisling und ihre Handlungen noch irgendwo nachvollziehen und dann kam noch ein bisschen Sehnsucht nach Irland dazu, eigentlich eine gute Kombination. Doch mit fortschreitendem Buch wurde mit Aisling immer unsympathischer. Sie wird immer unselbstständiger und gerade wenn sie auf ihre hippere Kollegin Sadhbh trifft, wirkt sie eher wie ein Trampel, als eine starke Frau. Während ich einige Aufreger ihrerseits nachvollziehen konnte und auch wenig Probleme mit ihrer ständigen Weight Watchers Zählerei hatte, steigert sie sich mit fortlaufender Geschichte in immer mehr Belanglosigkeiten rein. Auch die Geschichte an sich, die in mehrere Kurzgeschichten unterteilt scheint, verrennt sich immer mehr. Zwar ergibt sie am Ende eine zusammenhängende Handlung, doch scheint den Autorinnen am Ende ein wenig die Ideen auszugehen.

Daughter of Smoke and Bone

Das erste was einem an einem Buch auffällt, dürfte wohl das Cover sein. Und das Cover von Daughter of Smoke and Bone hat mich zugleich in den Bann gezogen. Eine ausführliche Empfehlung und ein Blick auf den Klappentext später und schon stand es willig gelesen zu werden auf meinem Nachttisch.

Die 18 jährige Kunststudentin Karou lebt in Prag und würde eigentlich gerne ganz normal leben. Aber sie ist bei einem Wunschhändler und Chimären – halb Mensch halb Tier – aufgewachsen und muss für ihn immer wieder Aufträge erfüllen, was ihr Leben immer wieder sehr ungeregelt wirken lässt. Doch eines Tages tauchen merkwürdige Brandzeichen auf der Tür zu Brimstones Laden auf.

Das zweite, was mich an dem Buch gereizt haben dürfte, nach dem Cover, war wohl der Haupthandlungsort Prag. Während viel zu viele Bücher, die einen realen Handlungsort haben meistens irgendwo in den USA oder teilweise zumindest noch in Großbritannien spielen, reizte mich dieser “exotische” Ort in einer Fantasy-Geschichte sehr. Zumal ich erst 2015 mir einen eigenen Eindruck von der “goldenen Stadt” verschaffen konnte.
So schlug ich begeistert die ersten Seiten des Buches auf und lernte zunächst die 18 jährige Karou kennen. Sie schien auf dem ersten Blick sehr normal, studiert Kunst an der Hochschule in Prag, hat die gleichen Männerprobleme, die jeder von uns sehr gut kennen dürfte und hat ihre beste Freundin, die sie bei allem unterstützt. Die größte Auffälligkeit an ihr dürfte das strahlend blaue Haar sein. Doch Karou pendelt immer wieder zwischen zwei Welten. Die zweite Welt lernt der Leser als nächstes kennen. Wir gehen mit Karou durch eine versteckte Tür in den Brimestones Laden. Hier lebt der Chimäre – eine Mischung aus Mensch und Tier – zusammen mit drei Helfern. Auch Karou ist hier aufgewachsen und kannte lange Zeit nichts anderes als diesen Laden. Brimstone ist Wunschhändler. Er tauscht Zähne gegen Wünsche ein. Und Karou geht für ihn immer wieder auf kleine Missionen, um Zähne in aller Welt zu erstehen. Durch die gleiche Tür, durch die sie von Prag aus eintrat, kann sie in alle anderen Städte der Welt gehen. Durch diese kleinen Missionen, die sich immer mehr zu häufen scheinen, gerät jedoch Karous erste Welt immer wieder etwas aus dem Gleichgewicht. Eines Tages taucht der Engel Akiva auf. Er markiert die Tür zu Brimstones Laden mit einem flammenden Handabdruck. Doch dann trifft er auf Karou und für beide ändert sich einiges.
Daughter of Smoke and Bone überzeugt durch einen sehr flüssigen Schreibstil und einer unglaublich spannenden Geschichte, die einen das Buch verschlingen lässt. Nach der ausführlichen Einführung der wichtigsten Charaktere, gewinnt die Handlung zunehmend an Fahrt. Zwischendurch gibt es leider immer wieder kleine Durchhänger, in denen man sich fragt, was die Charaktere damit genau bezwecken. Aber das große Geheimnis um Karous Herkunft, das sie selbst nicht kennt, schwebt immer wieder über der Handlung und lässt einen begierig weiterlesen.
Der größte Kritikpunkt an Laini Taylors Werk dürfte ihre Verliebtheit in die Charaktere sein. Karou ist nämlich nicht nur außergewöhnlich hübsch, sie ist auch noch klug, natürlich die Begabteste an der Kunsthochschule, in allem, was sie tut, sehr geschickt und ihr einziger “Makel” ist ihr schlecht gewählter Ex-Freund. Bei der ausführlichen Beschreibung ihrer Person, wollte ich das Buch zunächst im hohen Bogen aus dem Fenster werfen, denn so perfekte Frauen gibt es nirgendwo, auch nicht im Laden eines Wunschhändlers. Ich gab dem Buch aber noch eine Chance und dies blieb auch der größte Fehler des Buches. Die anderen Charaktere wurden im Laufe des Buches mit weitaus mehr Tiefgang beschrieben.
Daughter of Smoke and Bone wird aus der Sicht von Karou und Akiva geschrieben. So erfährt man von beiden Protagonisten die Gedankenwelt und hilft auch bei der Erzählung der Geschichte von beiden Seiten. So ist kein eindeutiges Einteilen in Gut und Böse möglich, sondern alle Seiten werden mit Vor- und Nachteilen versehen. Nur das die Sichtwechsel mitunter sehr plötzlich passieren und man dann sehr schnell umdenken muss, ist auf Dauer etwas nervig, stört letztendlich aber nicht den Lesefluss.
Prag ist als Hauptort der Geschichte gut gewählt und schmiegt sich sehr passend in die Handlung ein. Auch die übrig besuchten Städte, wie Marrakesch in Marokko passen zum Flair der Geschichte. Die fiktiven Orte der Chimären sind gut beschrieben und man kann es sich beim Lesen gut vorstellen, wie es dort aussehen soll.

Alles in allem ein sehr spannender Einstieg in eine neue Fantasy-Trilogie. Ich bin gespannt, was die Fortsetzungen zu bieten haben.