Nur noch ein einziges Mal

Ein Vorwort

Bereits 2018 war „Nur noch ein einziges Mal“ mein Jahreshighlight in der Kategorie Bücher. Das Buch, das eine Liebesgeschichte wie eine sanfte Umarmung aufbaute, nur, um sich dann mit einem sehr schwierigem Thema zu widmen. CN: Häusliche Gewalt. Nach einigen eher fehlgeleiteten Marketingversuchen – Stichwort Malbuch – gab es nun die Verfilmung. Warum diese aber den Ton des Buchs nur bedingt einfangen kann und teilweise geradezu problematisch umgesetzt ist, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Lilly Bloom will in der Großstadt neu anfangen. Sie eröffnet einen Blumenladen und lernt dabei ihre neue beste Freundin kennen. Und Ryle, deren Bruder. Sie verlieben sich und kommen sich langsam näher. Doch als Atlas, Lillys Jugendliebe, auftaucht, zeigt sich Ryles gewalttätige Seite.

Meine Meinung

Okay Leute, ich weiß zur Zeit habe ich nicht unbedingt die besten gute Laune Filme im Repertoire. Aber es wird auch wieder anders versprochen! Heute befassen wir uns also mit der Umsetzung der Thematik von häuslicher Gewalt in der Buchverfilmung des Bestsellers von Colleen Hoover. Ich habe den Roman 2018 gelesen und kann sagen, dass mit dem Thema dort gut umgegangen wurde – wenn man mal von einer fehlenden Triggerwarnung absah und einfach einen weiteren Hoover Liebesroman erwartet hat. Dies kann man von der Verfilmung nicht unbedingt sagen. Daher wird es diesmal auch relativ viele Vergleiche mit dem Buch geben, auch wenn ich sonst versuche beide Medien getrennt voneinander zu betrachten.
Aber beginnen wir am Anfang. Wir lernen zunächst Lilly kennen, die auf der Beerdigung ihres Vaters keine Worte findet. Die Gründe sind uns noch unbekannt. Dann lernt sie Ryle kennen, der sie mit seiner Art sofort in den Bann zieht. Es beginnt eine süße Liebesgeschichte, die wohl alle Romance Fans begeistern konnte. Doch nach und nach zeigt sich Ryles toxische und gewalttätige Seite. Gleichzeitig lernen wir auch etwas über Lillys Vergangenheit, denn auch ihr Vater schlug gern zu. Soweit so wichtig, denn oft hören von häuslicher Gewalt betroffene Frauen, dass sie doch selbst Schuld seien, da sie ja von Anfang an gewusst hätten, wie der Partner drauf sei. Ich hoffe, ich muss nicht erklären, warum das sehr problematisch ist und den Diskurs verschiebt. Aber zumindest hier wird es deutlich, dass gewisse Seiten eben auch erst später zum Vorschein kommen können.
Machen wir auch mit den positiven Seiten weiter. Während im Buch viel mit innerem Monolog gespielt wurde, um so die Zerrissenheit von Lilly zu zeigen, die nach dem ersten Vorfall nicht genau einordnen konnte, was passiert ist, wird hier ein anderes Stilmittel genutzt. Denn es wird aus einem ganz bestimmten Blickwinkel gefilmt und dann sofort abgeblendet. So wissen die Zuschauenden (ohne Buchvorkenntnisse) eben auch nicht, was gerade genau passiert ist und ob es nicht doch ein Unfall gewesen sein könnte. Denn das ist die große Frage danach. War es ein Unfall? EIn Ausrutscher? Ein Einzelfall? Und ab dem wievielten Mal sollte man gehen? Nur noch ein einziges Mal, dann gehe ich wirklich. Doch was, wenn der Mann mein Ankerpunkt im Leben ist? Von der Familie entfremdet, in einer neuen Stadt ein neues Leben begonnen, meine einzige Freundin ist die Schwester meines gewalttätigen Mannes. Und er liebt mich doch, das sagt er doch immer wieder. Vielleicht bewerte ich die Situation auch nur über. Soweit so stark.
Kommen wir nun leider zu den Schwachstellen des Films. Und Hauptkritikpunkt bezieht sich auf den zuvor genannten positiven Punkt. Denn es gibt eine Stelle im Film, wo Lilly final realisiert, dass es eben nicht nur noch ein einziges Mal gibt, sondern, dass sie in einer gewalttätigen Beziehung ist und zwingend weg muss. Dabei laufen die vorher genannten Szenen noch einmal aus ihrer Perspektive vor ihr ab. So weit so gut. Aber das ganze passiert so schnell, dass sie überhaupt keine Wirkung haben. Die Erkenntnis, die daraus gewonnen wird, wird nicht gezeigt.
Problem Nummer Zwei: Es geht viel zu einfach. Sie entscheidet zu gehen, und hat sofort Unterstützung durch ihre Jugendliebe Atlas, die sie wieder getroffen hat, ihre Beziehung zu ihrer Mutter ist auf einmal wieder da und ihre beste Freundin – wir erinnern uns, die Schwester ihres Partners – hat sofort Verständnis. Doch es gibt so viele Faktoren, die dazu führen, dass Frauen eben nicht einfach gehen können. Und auch im Buch wird dies nicht als so einfach dargestellt. Denn dort gibt es zuvor noch eine wichtige Schlüsselszene, in der ihre beste Freundin sie bewusst nochmal zu Ryle drängt und sie anfleht, ihrem Bruder doch noch eine Chance zu geben. Wo also bewusst dieser Rückhalt fehlt.
Daraus resultiert dann auch das nächste Problem: Die Geschichte rund um ihren gewalttätigen Vater wurde nur in wenigen Szenen gezeigt und das Kernproblem wird nicht deutlich. Denn ihr Vater ist eine einflussreiche Persönlichkeit in der Kleinstadt, wo Lilly herkommt. Er hatte Mittel und Wege ihre Mutter als Lügnerin hinzustellen und sie hätte im schlimmstenfall sogar ihre Tochter zurücklassen müssen. Also hat sie sich entschieden, zu bleiben. Hier ist nämlich das nächste Beispiel von Abhängigkeit, das man gut als Gegenstück hätte nutzen können.
Auf das ganze Drama hinter den Kulissen verzichte ich mal einzugehen. Aber es gab die Möglichkeit ein wichtiges Werk über ein viel zu totgeschwiegenes Thema zu verfilmen und die Chance wurde leider nicht ausreichend genutzt. Dass die ersten Verbände den Film stark kritisieren, kann ich leider nachvollziehen. Also hier mein Appell zum Ende: Lest lieber das Buch, da die Thematik dort besser aufgearbeitet wurde.

Das Fazit

Nur noch ein einziges Mal verfehlt leider die sensible Thematik gut umzusetzen und setzt falsche Signale, die Aufklärungsarbeiten leider eher erschweren. Trotz guter Ansätze leider in der Gesamtheit eher schwierig. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Nur noch ein einziges Mal läuft seit dem 15.08.2024 in den deutschen Kinos

Neulich in der Sneak: Nur ein kleiner Gefallen

Ein Vorwort

„Kannst du mir einen Gefallen tun?“ Wie oft hört man dieses Satz? Ich höre ihn bereits auf Arbeit mindestens einmal am Tag. Meistens sind es wirklich nur kleine Gefallen, die das Leben nicht weitreichend beeinflussen. Doch was, wenn durch einen kleinen Gefallen plötzlich das eigene Leben aus den Fugen gerät? Genau das wird in „Nur ein kleiner Gefallen“ thematisiert.

Die Handlung

Die beiden Mütter Stephanie (Anna Kendrick) und Emily (Blake Lively) könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Stephanie Vollzeit Mama ist, ist Emily eher auf ihre Karriere als auf die Erziehung fixiert. Trotzdem freunden sich beide an. Bis Emily eines Tages Stephanie um einen kleinen Gefallen bittet. Sie solle bitte ihren Sohn Nick nach der Schule mit abholen. Doch aus diesem kleinen Gefallen entwickelt sich bald mehr, denn Emily taucht nicht wieder auf.

Meine Meinung

Nur ein kleiner Gefallen fängt zunächst als typische Mutterstudie an. Während die „perfekten“ Eltern, die es schaffen sowohl Geld zu verdienen, als auch sich ausreichend um ihre Kinder zu kümmern, über Stephanie und Emily immer nur lästern können, sind es vor allem diese beiden Charaktere, die als abschreckende Beispiele genutzt werden. Stephanie ist verwitwet und lebt von der Lebensversicherung ihres Mannes. Dadurch kann sie Vollzeitmutter sein und verschreibt sich dieser Aufgabe auch mit Haut und Haaren. Für die anderen Eltern ist sie dadurch viel zu überengagiert. Allerdings reicht das Geld aus der Lebensversicherung auch nicht ewig. Aber statt sich einen Job zu suchen, investiert sie viel Freizeit in einen Vlog, auf dem sie Rezepte und Haushaltstipps teilt. An ihren Sohn ist sie immer mit einer Kamera dran und wenn es um Schulfeste geht, würde sie am liebsten alle Organisationspunkte selbst in die Hand nehmen. Im starken Kontrast dazu steht Emily. Sie ist erfolgreiche PR-Beraterin eines angesagten Designers. Dementsprechend ist sie auch immer von oben bis unten durchgestylt. Sie führt ein pompöses Leben in einem Designerhaus, zusammen mit ihrem Mann Sean, der ein erfolgloser Schriftsteller ist und sein Geld an der Universität verdient. Mutter zu werden, gehörte wohl nicht zu ihrem Plan und so ist die Erziehung des Kindes nur Nebensache und wird auch nur halbherzig vorgenommen.
Nachdem die Mutter- und Charakterstudie beendet ist, fängt der Krimi/Thriller-Part an. Emily bittet Stephanie um den titelgebenden kleinen Gefallen und verschwindet. Stephanie versucht nun ihre Freundin wiederzufinden und nutzt dafür auch ihren Vlog. Dabei wird sie immer wieder gewarnt, nicht zu weit in Emilys Vergangenheit zu schnüffeln. Hier kippt zwar die fröhlich lockere Stimmung, die noch zu Anfang herrschte, aber der Film schafft es den Umschwung zu nutzen und einen hohen Spannungsgrad zu erzeugen. Im weiteren Verlauf des Films wird dann noch einmal das Genre gewechselt. Hier spinnen nun einzelne Charaktere verschiedene Intrigen. Allianzen werden gebildet und gleich wieder zerstört. Leider ist es das Ende, das einen starken Film dann doch ein wenig runterzieht. Zwar werden die einzelnen Fäden zusammengeführt und das Ende logisch erklärt, trotzdem sorgt die ein oder andere Szene für ein bisschen Slapstick, was nicht zum vorherigen Film passt.
Castingtechnisch wurden mit Anna Kendrick und Blake Lively genau passende Darsteller gefunden. Während Lively den nötigen Glamour versprüht, passt Kendrick zu der Vorstadtmutter. Wobei man gerade von Kendrick schauspieltechnisch doch mehr gewöhnt ist. Hier stellt sich die Frage ob die etwas schwächere Schauspielleistung gewollt ist.

Das Fazit

Nur ein kleiner Gefallen ist ein Film aus drei Genres, die nacheinander abgespielt werden und doch wunderbar zusammenpassen. Die Geschichte ist spannend erzählt und hat immer wieder interessante Wendungen. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Nur ein kleiner Gefallen läuft ab dem 15.11.2018 in den deutschen Kinos.