Verity

Ein Vorwort

Ihr habt hoffentlich noch nicht genug von Bücherkritiken? Denn ich habe noch eine für euch! Wie schon bei den Beiträgen zuvor, handelt es sich um ein Buch, dass ich nicht in einer Kurzkritik abhandeln wollte. Außerdem ist die Kinolandschaft aktuell wieder etwas Mau, es haben wohl viele Filme Platz für Tenet gemacht. Also geht es hier jetzt um das aktuelle Werk von Colleen Hoover, das so anders ist, als ihre bisherigen.

Die Handlung

Lowen ist Autorin, doch keine sonderlich erfolgreiche. Zu sehr wehrt sie sich gegen alles, was mit Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zu tun hat. Doch nun steht sie kurz vor der Pleite, nachdem sie sich eine längere Auszeit genommen hat, um ihre kranke Mutter zu pflegen. Nach deren Tod nimmt sie nun einen Termin im Verlag wahr, um sich eine neue Einnahmequelle zu sichern. Auf dem Weg dorthin begegnet sie Jeremy unter denkbar schlechten Bedingungen. Kurz darauf trifft sie ihn wieder. Im Verlagsgebäude bei ihrem Meeting. Denn Jeremy ist der Ehemann der Starautorin Verity Crawford, die nach einem Autounfall nicht mehr in der Lage ist zu schreiben. Nun soll Lowen die begonnene Thrillerreihe Veritys weiterschreiben. Dafür bekommt sie nicht nur ein gutes Honorar, sondern wird auch von Jeremy eingeladen, in seinem Haus die Unterlagen Veritys durchzusehen. Doch dabei macht sie eine folgenreiche Entdeckung.

Meine Meinung

Von Colleen Hoover ist der treue Leser gewohnt eine absolut hinreißende Liebesgeschichte zu bekommen, doch immer irgendwo mit einem schwierigen Thema. Diesmal hat sich Frau Hoover jedoch über die „Schranken“ eines herkömmlichen Liebesromans hinaus gewagt und sich dem Genre des Psychothrillers genähert. So hat sie eine interessante Verwebung beider Genres geschaffen, die nur in Ansätzen den beiden Genres zugeordnet werden kann, aber beide nicht weitergehend vertieft. 
So hat sie mit der Anziehung, die ab der ersten Sekunde zwischen Lowen und Jeremy herrscht, den typischen Auftakt einer Liebesgeschichte. Durch die Geschichte mit der Thrillerautorin Verity, also Jeremys Ehefrau, und der beängstigenden Geschichte des Ehepaares, die von Verlust geprägt ist, nähern wir uns dem Thrillerbereich. Durch Aufzeichnungen, die Lowen in Veritys Büro findet, kommen wir in den Bereich des Psychothrillers. Letztlich ist es eine interessante Mischung, aber durch die Kürze des Buches kommt beides ein wenig zu kurz. Mit 357 Seiten hat es zwar die durchschnittliche Seitenzahl eines Hoover-Buches, aber kann sich einfach nicht richtig entfalten, weil irgendwo beide Genres abgedeckt werden wollen. Zumal sich auch einige Stellen einfach wiederholen. Man weiß zwar früh, worauf die Geschichte hinaus will, aber das Erreichen dieses dauert durch die vielen Wiederholungen einfach an. 
Dennoch kann man dem Buch nicht absprechen, dass es spannend ist, gerade zum Ende hin wird nochmal einiges rausgeholt und die Auflösung lässt einen reichlich unentschlossen und verwirrt zurück, was aber ein Geniestreich der Autorin ist, weil man sich hier wirklich fragen kann, wem man trauen kann/sollte. Dadurch wird einiges von den Wiederholungen zuvor, die sich aber keiner Stelle wirklich ziehen oder fehl am Platz wirken, wieder gut gemacht. 
Ich schreibe selten von der Covergestaltung der Bücher. Diesmal möchte ich aber doch mal darüber sprechen. Denn viele haben das Cover wegen der Farbauswahl kritisiert, die nicht zu dem eher düsteren Thema passe. Dem stimme ich zwar zu, finde das Cover aber dennoch gut gestaltet, da es eben den Kontrast zwischen den beiden Genres irgendwo widerspiegelt. Die rosa Wolken der verliebten und dazu die Vögel, die spätestens seit Hitchcock bedrohlich wirken können. Und ein düsterer Einband hätte einfach nicht zu der Geschichte gepasst.
Charakterlich ist wieder wenig auszusetzen. Hier beweist Mrs. Hoover wieder, dass sie einfach ein Talent dafür hat, Charaktere kurz vorzuführen und schon fühlt man sich ihnen verbunden. Hier ist es bei Familie Crawford allerdings wesentlich schwieriger, was ja aber auch durch die Grundunsicherheit der Charaktere gegenüber geschuldet ist. 

Das Fazit

Verity bleibt in der Grundstruktur ein gewohnt starkes Buch von Colleen Hoover. Durch den Ausflug ins Psychotrillergenre und der Verwebung mit der typischen Liebesgeschichte überzeugt das Buch aber nicht völlig, da beide Genres irgendwo zu kurz kommen und sich nicht richtig entfalten können. Dennoch ist es eine spannende Geschichte mit großartigem Ende.

Verity ist seit dem 13.03.2020 in den deutschen Buchläden verfügbar

Zurück ins Leben geliebt

Mrs Hoover wir müssen schon wieder reden. Nach dem ich von Ihrem Werk “Nächstes Jahr am selben Tag” so begeistert war, konnte ich nicht widerstehen, mir auch gleich noch ein zweites Ihrer Werke zuzulegen. Nach der Beratung durch treue Leser von Ihnen fiel meine Wahl zunächst auf “Zurück ins Leben geliebt”. Mir wurde schon im Vorhinein gesagt, dass dieses Werk ganz anders sei, als Ihre anderen, aber vielleicht bestand gerade darin der Reiz für mich.

Tate zieht für ihr Studium nach San Francisco und bei ihrem Bruder ein. Dort lernt sie Miles kennen, einen der engsten Freunde ihres Bruders. Doch Miles scheint dauerhaft etwas zu belasten, nie lächelt er und umhüllt sich mit Geheimnissen. Trotzdem verfällt Tate ihm und lässt sich auf ein gefährliches Spiel ein. Denn Miles stellt klar, dass sie niemals auf eine Zukunft mit ihm hoffen darf.

Mrs Hoover, Sie haben ein Händchen dafür mich bereits ab der ersten Seite an Ihre Bücher zu fesseln und das Seite für Seite beizubehalten. Ihre Bücher haben keine Längen und strotzen nur vor Spannung, wie es um die beiden Hauptcharaktere wirklich steht. Mrs Hoover für Ihr nächstes Werk habe ich gelernt, dass ich es nur an einem freien Wochenende lesen darf und auf keinen Fall, wenn ich die Tage arbeiten muss. Denn Sie haben mich wieder so an Ihr Buch gefesselt, dass ich immer beinahe meine Busse verpasste, meine Mittagspause aus Versehen überzog und während meiner Arbeitszeit kaum still auf meinem Platz sitzen konnte, weil ich unbedingt wissen musste, wie es weitergeht. Mrs Hoover so schlimm ist es mir bei noch keinem anderen Buch ergangen. Zwar versinke ich auch bei anderen guten Werken gerne in meiner eigenen Welt und vergesse alles um mich herum, aber bei keinem ist dieses Gefühl so intensiv, wie bei Ihnen.
Aber Mrs Hoover ich wollte mit Ihnen ja über Zurück ins Leben geliebt sprechen. Die Prämisse war ja diesmal viel weniger romantisch als in Nächstes Jahr am selben Tag. Aber Mrs Hoover mein Kompliment: Sie schaffen es sogar eine Sexbeziehung noch irgendwo romantisch klingen zu lassen. Sie nehmen kein Blatt vor den Mund und beschreiben alle Sexszenen ins Detail, doch genau diese Details machen es so lebendig. Bei Ihnen ist selbst der reine Sex kein bloßes Rein und Raus, sondern voller Gefühle und versteckter Andeutungen. Die Leseempfehlung ab 16 Jahren ist hier angemessen.
Sie teilen Ihr Buch in zwei Erzählweisen. Tate erzählt uns alles in der Gegenwart und wie sie den verschlossenen und unnahbaren Miles kennenlernte. Miles erzählt aus der Vergangenheit, wie es dazu kam, dass er sich so verschloss. Mrs Hoover bei all dem Lob, muss ich Ihnen doch sagen, dass ich die Kapitel aus der Sicht von Miles überhaupt nicht mochte. Er erzählt seine Geschichte so kindlich und in viel zu einfachen und abgehackten Sätzen. Ich verstehe, dass wir hier einen verliebten Miles präsentiert bekamen, aber wieso muss er dabei so unmännlich und kindlich klingen? Zumal das Bild, was dort von Miles gezeichnet wird, fast naiv wirkt und nicht zu dem Miles passt, den man durch Tate kennenlernt, selbst man die Prämisse des Verschlossenseins mit einbezieht. Dafür, Mrs Hoover, ist Ihnen Tate als Charakter umso besser gelungen. Ich konnte ihre Gedankengänge immer nachvollziehen, sie wurde mir an keiner Stelle zu nervig und ich wollte sie beinahe durchgehend einfach nur in den Arm nehmen.
Ach Mrs Hoover Sie machen es Ihren Charakteren aber auch nie leicht. Gibt es eigentlich Charaktere in Ihren Büchern, die ein unbeschwertes Leben haben? Andererseits nehmen Sie nur Situationen, die auch im echten Leben passieren könnten.

Mrs Hoover ich werde Ihre Bücher auch weiterhin empfehlen und auch weiter lesen. Und wissen Sie was? Gerade traf ich die freundliche Dame aus dem Buchladen meines Vertrauens. Mein drittes Buch von Ihnen ist eingetroffen. Wir hören uns also wieder. Bis dahin schreiben Sie bitte brav weiter.

Ihre treue Leserin

Shalima

Nächstes Jahr am selben Tag

Mrs Hoover wir müssen reden. Ich habe Freitag Nacht ihr Buch “Nächstes Jahr am selben Tag” beendet. Es war eigentlich schon viel zu spät. Mein Freund schnarchte bereits friedlich neben mir und ich hätte auch längst schlafen müssen, da ich am folgenden Tag die Samstagsschicht hatte. Aber ich konnte ihr Buch einfach nicht aus der Hand legen. Ich musste nun endlich wissen, was genau passiert ist. Mrs Hoover dieses Buch war mein erstes Werk von Ihnen, dass ich gelesen habe. Sind Liebesgeschichten nicht immer das gleiche? Männlein und Weiblein finden sich, verlieben sich, trennen sich, weinen, und finden doch wieder zusammen? Ich wollte keine Liebesromane mehr lesen. Aber Mrs Hoover sie haben eine sehr große Fangemeinde. So las ich auf verschiedenen Blogs, denen ich folge immer wieder gute Bewertungen über Ihr neustes Werk. Und ich wollte der Geschichte eine Chance geben. Der Geschichte von Ben und Fallon.

Ben und Fallon lernen sich an einem ganz normalen Tag in Los Angeles kennen. Sie empfinden gleich eine starke Zuneigung zueinander. Der Haken an der Sache ist, dass Fallon noch am gleichen Abend nach New York zieht. Da sie beide nicht nach einem schönen Tag ihre Zukunft aufgeben wollen, schmieden sie einen Plan. Sie treffen sich jedes Jahr am gleichen Tag im gleichen Diner und verbringen diesen Tag miteinander. Zwischendurch haben sie das ganze Jahr über keinen Kontakt. Doch spielt das Schicksal ihr Spiel für fünf Jahre mit?

Mrs Hoover, Sie haben mich schon nach dem ersten Kapitel in einen Bann gezogen, den seit langem kein Buch mehr so ausgelöst hat. Ich bin in Ihrem Buch versunken, habe Zeit und Raum um mich herum vergessen (das ein oder andere Mal auch fast meine Bushaltestelle oder das Ende meiner Mittagspause). Ich fand die Geschichte von Ben und Fallon so zuckersüß und konnte bei der ein oder anderen Stelle ein aufgeregtes Quicken nicht unterdrücken. Ich habe über Ihr Buch gelächelt und schon nach dem ersten Kapitel es fast aus dem Fenster geworfen, als Fallon nach New York zog. Auch wenn ich es unfassbar fand, was Sie Fallon schon vor Anfang des Buches angetan haben, war es doch einmal etwas Neues. Und wie Ben dann ihr Selbstvertrauen stärkte, schien ihn zu dem perfekten Mann zu machen. Ich fand Ihre Idee, das Buch immer nur am 9. November spielen zu lassen und das Jahr der beiden zwischen ihren Treffen unerzählt zu lassen, sehr gelungen. Die paar Hinweise und Erinnerungen, die Sie eingestreut haben, waren vollkommen ausreichend. So spürte ich jedes Mal die Aufregung beim Wartenden, ob der jeweils andere denn auch wirklich auftauchen würde. Mir ist jedes Mal das Herz fast stehen geblieben, ob bei dem anderen in diesem Jahr irgendetwas passiert ist, was das Buch hätte beenden können. Da war auch egal, wie viele Seiten das Buch noch hatte und ich objektiv wusste, dass die Geschichte noch nicht zu Ende sein konnte, ich habe trotzdem gebangt.
Mrs Hoover ich habe Ihr Buch bis zur Hälfte absolut geliebt. Es war eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich seit langem gelesen hatte. Aber Mrs Hoover, was ist dann passiert? Wie konnten Sie diese Wendungen einbauen? Wie konnten Sie meine Gefühle nur so durcheinander bringen? Sie haben mich ab der Hälfte des Buches auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle geschickt. Ich wusste nicht mehr, was ich denken sollte. Ab hier konnte ich Ihr Buch noch weniger aus der Hand legen. Es musste doch eine gute Erklärung für alles geben! Mrs Hoover Sie haben Ihr Buch noch einmal ganz schön spannend gemacht. Natürlich war am Anfang alles zu schön, um wahr zu sein. Aber wieso musste der obligatorische Abfall der Stimmung so drastisch sein? Mrs Hoover ich habe das erste Mal seit langem wieder wegen eines Buches geweint. Und es war so befreiend. Endlich hat es eine Autorin wieder geschafft Charaktere zu schaffen, die so vielschichtig sind, deren Charakter so viel tiefer geht, als man es am Anfang dachte. Die man erst erforschen musste, die man nicht gleich von Anfang an durchschauen konnte. Ich bin Ihnen so dankbar, dass Sie diese Geschichte der Welt zugänglich gemacht haben. Sie haben genau den richtigen Ton zwischen Witz, Liebe und Trauer getroffen. Mit Ihren Worten haben Sie es geschafft, dass Sich jedes Mädchen auf dieser Welt wieder schön fühlen kann.
Mrs Hoover Ihr Buch ist leider nicht perfekt. Aber hätten Sie es perfekt geschrieben, die perfekte Liebesgeschichte, dann wäre es nicht so authentisch geworden. Ich wollte Ihr Buch an mehr als einer Stelle aus dem Fenster werfen. Aber hätte ich das nicht gewollt, dann hätte es sich nur in einer Reihe mit Möchtegern Geschichten wiedergefunden, die einfach zu perfekt für die Wirklichkeit waren. Mrs Hoover Sie haben mich zum Träumen gebracht. Und Sie haben meine Träume platzen lassen und mich auf den Boden der Tatsachen geholt. Auch wenn ich Freitag Nacht kurz vorm Ende des Buches Ihnen dieses am liebsten um die Ohren gehauen hätte, so bin ich jetzt doch mit Ihrer Geschichte versöhnt. Weil sich Ihre Geschichte einfach echt anfühlt!
Mrs Hoover ich vergebe bei meinen Buchkritiken keine Punkte, weil ich es viel schwieriger finde, Bücher miteinander im Punktesystem zu vergleichen als Filme. Aber wenn ich Punkte geben würde, hätten Sie alle Punkte eingesammelt.
Mrs Hoover. Sie werden wahrscheinlich diese Kritik nie selbst lesen. Aber trotzdem möchte ich Sie noch um etwas bitten. Sie haben in mir einen neuen Fan gefunden. Wahrscheinlich werde ich irgendwann auch noch andere Werke von Ihnen lesen, in der Hoffnung das gleiche Gefühlschaos zu durchleben. Aber bitte, Mrs Hoover, schreiben sie keine Fortsetzung. Das Buch steht für sich alleine und das Ende ist rund. Ich möchte nicht, dass meine Träume und Hoffnungen für die beiden, vielleicht doch noch zerplatzen. Lassen Sie “Nächstes Jahr am selben Tag” ein richtig gelungenes Einzelwerk sein.

Ihre ergebene Leserin
Shalima