Dark

Ein Vorwort

Bei manchen Sachen bin ich einfach „Late to the Party“. So lief die erste Staffel von Dark bereits 2017 an. Als eine der deutschen Netflixproduktionen habe ich aber zunächst eher einen großen Bogen um sie gemacht, zu groß waren meine Vorurteile. Tatsächlich musste erst mein bester Freund ein großer Darkfan werden und mir immer und immer wieder von der Serie vorschwärmen. Als er mich nach Ende der finalen dritten Staffel aber auch noch im Hinsicht auf das Ende beruhigen konnte, dass die Serie nämlich durchaus von Anfang an einen Plan hat und das Ende logisch und vor allem ein richtiges Ende ist, habe ich dann endlich nachgegeben. Und nun drei Staffeln später, möchte ich euch von der Serie berichten.

Die Handlung

In der fiktiven Kleinstadt Winden verschwinden Kinder. Die Polizei, aber auch die ortansässigen Familien sind in Alarmbereitschaft. Als mit Mikkel Nielsen ein weiterer Junge verschwindet, fangen die Beschuldigungen an. Was keiner ahnt: Mikkel ist durch eine Passage in den Windener Höhlen im Jahr 1986 gelandet. Doch damit haben die mytseriösen Ereignisse gerade erst begonnen.

Meine Meinung

Dark ist eine dieser Serien, die man nicht in wenigen Sätzen zusammenfassen kann, und bei der man andererseits aber auch nicht mehr verraten darf, weil jedes Wort zu viel ein ziemlicher Spoiler ist. Grob sollte man wissen, dass man in den ersten Folgen die vier zentralen Familien Kahnwald, Nielsen, Doppler und Tiedemann sich genau angucken sollte und vor allem: Möglichst schnell die Namen lernen. Sonst ist man bei der Serie schon bald raus. Denn zu den vier Familien kommen bald noch sehr viel mehr Charaktere und noch einige Zeitstränge.
Das ist in der ersten Staffel fast noch übersichtlich, hier gibt es tatsächlich primär noch ziemlich viel Drama zwischen den Familien und der Mysteryaspekt wird nach und nach aufgebaut. In der zweiten Staffel muss man dann schon deutlicher aufpassen, in welcher Zeit man sich gerade befindet, zumal da noch einmal neue Zeitstränge hinzukommen. Die Königsdisziplin ist es dann aber auch in der dritten noch alles nachvollziehen zu können. Denn hier kommt noch eine weitere Ebene hinzu, die ich hier aber noch nicht näher besprechen will. 
Grundsätzlich ist es gut, dass die Serie noch mit relativ wenigen Zeitsträngen anfängt. Denn die Vielzahl an Charakteren war für mich so schon sehr schwer zu merken. Auch ist es nicht ratsam zwischen den einzelnen Staffeln größere Pausen zu machen, weil man dann wieder irgendetwas vergisst, was irgendwann doch wieder wichtig werden kann. So ist Dark auch keine Serie, die man mal eben nebenbei sehen kann. Man muss hier schon aufmerksam bleiben, um einzelne Hinweise aufzuschnappen und zu entschlüsseln. Hier werden wohl vor allem die Serienfans Freude dran haben, die gerne Mysterien entschlüsseln, kein Problem mit komplexer Handlung auf vielen Zeitebenen haben, generell Zeitreisen und ihre physikalischen Überlegungen und Paradoxe mag.
Gleichzeitig muss man aber auch Kleinstadtdrama händeln können, denn das ist durchgehend dabei, auch wenn es ab einem bestimmten Punkt weniger wird. Und hier können alle Charaktere ganz schön eklig werden, auch wenn manche negativer hervorstechen als andere. Aber auch das macht irgendwo den Charme der Serie aus.
Eingangs sprach ich über meine Vorurteile bezüglich deutscher Serien. Tatsächlich haben sich diese gar nicht bestätigt. Lediglich in den ersten ca. vier Folgen ist der Ton etwas gewöhnungsbedürftig, vor allem weil die Sprecher da ein bisschen nuschelig reden. Aber auch das legt sich sehr schnell.
Kommen wir zu guter Letzt noch auf den Schluss zu sprechen, wie immer versuche ich es spoilerfrei zu halten. Mir persönlich war in der dritten Staffel noch zu viel hin und her und es wurden noch einige neue Ebenen aufgemacht, so dass ich dachte, dass es einfach nicht mehr logisch aufgeklärt werden kann. Doch genau das haben sie hinbekommen. Ob einem das Ende nun gefällt, ist eine ganz andere Frage, aber bei allem, was davor schon geschehen ist, war es wohl die letzte Möglichkeit noch alles irgendwie logisch aufzulösen. Da merkt man eben, dass die drei Staffeln von Anfang an durchgeplant waren. Lediglich eine Kleinigkeit war mir am Ende noch immer nicht logisch, aber da ich das Finale mit einem Dark-Fan geguckt habe, konnte mir auch da alles erklärt werden.
Bleibt die finale Frage: Hat mir die Serie gefallen? Tja und genau das ist die schwierigste Frage. Ich mochte sehr viele Aspekte der Serie. Aber mir war es irgendwann einfach zu viel. Gerade die dritte Staffel mit der noch einmal zusätzlichen Ebene war für mich einfach zu viel, um noch Spaß an der Serie zu haben. Da ist das Zuschauen eher in Arbeit ausgeartet, wenn man noch alles verstehen wollte. Deswegen gibt es hier wirklich nur eine Empfehlung, wenn man die oben genannten Aspekte mag und sich wirklich mit der Serie befassen will. Sonst bringt sie leider nichts.  Hier vielleicht noch kurz eine Warnung: Wenn ihr in den ersten Staffeln mit den Namen Probleme habt und einen Stammbaum im Internet sucht, dann passt auf, dass es einer für die jeweilige Staffel ist. Denn sonst kann es massive Spoiler geben.

Das Fazit

Dark ist eine spannende Mysteryserie und für alle gut geeignet, die Zeitreisen mögen und da endlich mal eine wirklich gut durchdachte und logische Serie sehen wollen. Wer mit vielen Namen und Zeitebene Probleme hat, sollte es sich überlegen, auch wenn ein sanfter Einstieg in die Serie möglich ist.

Dark ist bei Netflix verfügbar

Unorthodox

Ein Vorwort

Das Schöne an Netflix Originalen ist, dass es weltweit produzierte gibt, so dass man als Zuschauer ganz leicht auch einmal eine Produktion eines Landes bestaunen kann, die man sonst eher nicht zu Gesicht bekommen würde. Nach Dark schickt Deutschland nun die vierteilige Miniserie Unorthodox ins Rennen. Ob die Serie gelungen ist und ob einiger der kursierenden Kritikpunkte berechtigt sind, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Esther „Esty“ Shapiro lebt in Williamsburg, New York City, in einer Ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde. Aufgewachsen bei ihrer Großmutter, geht sie eine arrangierte Ehe mit Yanky Shapiro ein. Durch anhaltende Schmerzen beim Geschlechtsverkehr wird Esty immer unglücklicher und beschließt schließlich zu fliehen. Ihr einziger Anhaltspunkt außerhalb der Gemeinde ist ihre leibliche Mutter in Berlin. Mit Hilfe ihrer Klavierlehrerin reist sie nach Deutschland und lernt dort einige Musikstudenten kennen mit denen sie schnell Freundschaft schließt. Währenddessen reisen ihr Mann Yanky und dessen Cousin Moische ihr nach, um sie zur Rückkehr zu bewegen.

Meine Meinung

Unorthodox ist eine abgeschlossene Miniserie mit vier Folgen und einer durchschnittlichen Lauflänge von 55 Minuten pro Folge. An sich ist es ein etwas längerer Spielfilm mit unter vier Stunden in gut sehbare Portionen unterteilt.
Die Serie beginnt mit Estys Flucht und erzählt dann abwechselnd ihr Abenteuer in Berlin, in Rückblicken ihr Leben in Williamsburg und parallel in Berlin die Suche von Yanky und Moische. Nach und nach klären sich dadurch viele Dinge, die man am Anfang einfach als gegeben akzeptieren muss. Denn zunächst werden viele Begrifflichkeiten und Traditionen eingeworfen, wobei manche bis zum Ende für den Laien nicht aufgeklärt werden.
Dennoch wird durch den Aufbau der Spannungsbogen von Anfang an hochgehalten und bleibt dort auch bis zum Ende. Mit Shira Haas wurde eine Schauspielerin gefunden, die die Zwiegespaltenheit von Esty perfekt wiedergeben kann. Denn einerseits liebt sie ihre Familie und ist stolz auf ihre Herkunft, hält es aber andererseits nicht mehr in ihrem alten Leben aus. Allein in Berlin sind es dann die einfachsten Sachen, die sie in Begeisterung versetzen können, ihr Angst einjagen oder sie einschüchtern können. Durch die Hilfe der Musikstudenten, die sie sofort in ihre Gruppe aufnehmen, wenn auch mit unterschiedlichen Gefühlen. Durch die Studenten wird auch bewusst ein Kontrast zu der Gemeinde in Williamsburg gesetzt. Denn während diese in ihren Traditionen festhängt und versucht sich nicht an die moderne Welt zu gewöhnen, stellen die Studenten eine offene Gemeinschaft dar, mit verschiedenen Nationalitäten und sexueller Orientierung.
Mit der Darstellung der Gemeinde in Williamsburg wurde sich an Deborah Feldmanns Autobiographie, die ebenfalls den Titel Unorthodox trägt, orientiert, bzw. ist Estys Leben in Williamsburg den Feldmanns nachempfunden. Der Handlungsstrang in Berlin ist hingegen fiktiv. Der Serie wird von einigen Kritikern antisemitische Töne vorgeworfen. Das wird vor allem mit der Darstellung von Estys Vater als „Miethai“ festgemacht. Diese Vorwürfe kann ich nur bedingt nachvollziehen, da es nur eine kleine Szene gibt, in der Esty ihren Vater begleitet, um bei einer Frau, die mit der Miete im Verzug ist, diese einzufordern. Dies wird aber eher als Mittel genutzt, um Esty mit ihrer späteren Klavierlehrerin bekannt zu machen, die ihr bei der Reise nach Berlin hilft. Auch wird das Leben in der Gemeinde nicht grundsätzlich verteufelt, nur einzelne Aspekte etwas kritischer angefasst.
Grundsätzlich ist Unorthodox eine spannende Serie, die interessante Einblicke in eine ultraorthodoxe Gemeinde bietet und gleichzeitig die Emanzipation von Esty zeigt. Ein paar mehr Erklärungen bei einzelnen Aspekten wären schon gewesen, um die Serie noch besser zu verstehen.
Ein Großteil der Serie wird Jiddisch gesprochen. Untertitel sind daher notwendig – außer natürlich man spricht fließend Jiddisch. Dies mag am Anfang gewöhnungsbedürftig wirken, macht die Serie aber auch authentischer.

Das Fazit

Unorthodox ist eine spannende und interessante Serie über das Loslösen einer jungen Frau aus den ihr bekannten Konventionen. Kleinere Schwächen können verziehen werden, so dass sich ein Blick durchaus lohnt.