Last Chrismas

Ein Vorwort

Und Ohrwurm in 3…2…1… Last Christmas, I gave you my heart, but the very next day, you gave it away… Wer kennt es nicht, jedes Jahr wieder läuft der Song in Dauerschleife im Radio und allen Weihnachtsmärkten. Diesmal gibt es auch gleich noch einen Film mit dem Song im Titel. Inspiriert wurde der Film übrigens von genau diesem Lied. Auf dem Soundtrack befinden sich noch zwei weitere Wham! Stücke, sowie 12 Nummern aus George Michaels Solokarriere. Was der Film darüber hinaus kann und wie gut er tatsächlich in die Vorweihnachtszeit passt, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Kate (Emilia Clarke) arbeitet in einem Weihnachtsshop, der 365 Tage im Jahr geöffnet hat. Ihre mürrische Chefin „Santa“ (Michelle Yeoh) wirft ihr ständig vor ihre Fröhlichkeit in der letzten Weihnacht verloren zu haben. Und tatsächlich war Kate letzte Weihnachten sehr krank. Dies führte nicht nur zum Verwürfnis mit ihrer Familie, sondern auch zu einer Charakteränderung. Erst als Kate den attraktiven Tom (Henry Golding) kennenlernt, scheint sie sich wieder öffnen zu können.

Meine Meinung

Eigentlich versuche ich immer relativ unvoreingenommen in einen Film zu gehen oder zumindest nichts zu erwarten, damit ich eher überrascht als enttäuscht werde. Auch diesmal hoffte ich eigentlich eher auf eine interessante Liebesgeschichte mit zwei Schauspielern, die ich schätze, und die bereits im Trailer eine gute Chemie zu haben schienen, erwartete aber eher eine sehr routinehafte Liebesgeschichte, die man ja doch häufiger zu sehen bekommt. Wie falsch ich doch lag. Denn Last Christmas ist ein Film, der weit darüber hinaus geht. Also ja ich bekam meine Liebesgeschichte mit zwei Schauspielern, die ich auch weiterhin sehr schätze. Aber ich bekam auch so viel mehr.
Last Christmas greift die Themen Krankheit und den Umgang damit auf, nicht nur man selbst, sondern auch wie die Familie damit umgeht. Gleichzeitig geht es um das Thema Freundschaft, Nächstenliebe und die Akzeptanz des eigenen Körpers. All dies verwickelt der Film in eine Geschichte, die größtenteils fröhlich oder aber sarkastisch erzählt wird, da die Protagonistin nur noch diesen Tonfall zu kennen scheint. Dabei berührt der Film auch einige Themen nur oberflächlich, wie Flucht, Rassismus und die Emotionen des Brexits. So schafft der Film eine eher tiefgründige Aussage in einer lockeren Liebesfilmatmosphäre zu erzählen und entwickelt dabei einen Tiefgang, den man ihm nach dem Trailer niemals zugetraut hätte.
Dazu trägt das vielfältige Spiel von Emilia Clarke ebenso bei, wie das der anderen Charaktere. Sei es eine überfürsorgliche Emma Thompson als Mutter, eine gewohnt bissige Michelle Yeoh als Chefin oder eben Henry Golding als Zufallsdate.
Mit der Weihnachtsstimmung, da er irgendwo wohl auch als Weihnachtsfilm gedacht war, wird dann auch noch gespielt. Während der Weihnachtsshop eindeutig den übertriebenen Kitsch in der Weihnachtszeit widerspiegelt und überladene Häuserfassaden voller Weihnachtsdeko dazu nicht beitragen, schafft es dann die Kernaussage zum Thema Nächstenliebe doch noch die Quintessenz von Weihnachten einfließen zu lassen. Und keine Angst, der titelgebende Song ist zwar sehr präsent, aber gerne auch auf ironische Weise. So ganz ohne Ohrwurm verlässt man das Kino dann aber doch nicht.

Das Fazit

Last Christmas ist ein wunderbarer Liebesfilm, der sich jedoch mit so viel mehr befasst und neben dem wahren Gedanken von Weihnachten eine Menge guter Botschaften vermittelt. Dabei ist er überaus klischeefrei, außer er setzt diese gezielt ein. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Last Christmas läuft seit dem 14.11.2019 in den deutschen Kinos.

Ein ganzes halbes Jahr

Am 23.06.2016 erschien die Buchverfilmung des Bestsellers von Jojo Moyes in den deutschen Kinos.

 Lou lebt in einem kleinen Städtchen in England. Als sie ihren Job verliert, findet sie eine Anstellung im Haus der Familie Traynor. Will Traynor, der Sohn der Familie, ist seit einem Unfall vom Hals abwärts gelähmt. Nun soll Lou ihm Gesellschaft leisten. Doch warum ist die Anstellung auf 6 Monate befristet?

Ein ganzes halbes Jahr basiert auf dem Weltbestseller von Jojo Moyes, dass sich allein in Deutschland ca. 2 Millionen Mal verkauft hat. Schon das Buch mit seinem sehr flüssig lesbarem Schreibstil konnte begeistern. Nun wurde das Buch verfilmt. Und die Produzenten haben sich sehr stark an das Buch gehalten. Es gab keine Szene, die man nicht auch so im Buch finden kann, was schon einmal keinen Leser verschrecken kann. Das ist auch nicht nötig, denn die Handlung ist romatisch, witzig, zynisch und hochdramatisch. Eine perfekte Kombi, die gepaart mit den verschiedenen Charakteren ein Erfolgsrezept ist.
Louisa Clark ist 26 Jahre alt, aber lebt noch immer bei ihren Eltern. Zwischenzeitlich ist sie sogar Alleinverdiener in der Familie, da ihr Vater seinen Job verloren hat und ihre Schwester Treena an der Uni studiert. Am Anfang zögert sie den Job anzunehmen, da sie keine Ausbildung in der Pflege hat. Aber die ist auch gar nicht nötig, denn dafür gibt es Nathan, Wills Pfleger. Lou soll ihm eher Gesellschaft leisten und bei alltäglichen Sachen, wie essen und trinken helfen. Will jedoch ist von seinem Leben so enttäuscht, dass er ihr zunächst versucht das Leben schwer zu machen mit seinen Launen. Doch Lou kämpft sich durch und bringt ihn mit ihrem schrägen Geschmack für Mode und ihrer stets guten Laune doch noch auf ihre Seite. Eine rührende Geschichte startet, in der der gelähmte Will wieder Freude am Leben bekommen soll.
Ein großes Plus für den Film sind die wunderschöne Kulisse des Films und an erster Stelle die sehr gute Auswahl der Schauspieler. Einige Charaktere sind in dem Buch eher unsympathisch dargestellt, weswegen das Buch nicht die gleiche Ausstahlung hatte, wie jetzt der Film. Denn selbst die unsympathischeren Charaktere sind im Film so gut und passend besetzt, dass man sie viel eher ins Herz schließt. Das beste Beispiel ist Sam Claflin als Will Traynor. Will ist im Buch durch und durch zynisch und selbst in seinen guten Momenten kommt er noch unsympathisch herüber. Doch Sam Claflin schafft es durch sein strahlendes Lächeln dies zu überspielen, weswegen man im Film viel mehr mit ihm mitleidet. Auch die Lähmung stellt er gut dar.
Emilia Clarke ist der Star des Films. Sie verkörpert die Rolle der Louisa Clark einmalig und setzt den Charakter genau so um, wie man ihn sich nach dem Lesen vorstellt. Sie schafft es gleichzeitig die tapfere und die verletzliche Seite von Lou zu zeigen, trägt ihre verrückten Kleidungsstücke voller Überzeugung und lächelt sich von Anfang an in die Herzen der Zuschauer.
Auch der restliche Cast überzeugt auf ganzer Linie. Gebettet in ein wunderschönes Setting in einem kleinen Dorf in England zaubert der Film einen zum einen ein strahlendes Lächelns ins Gesicht und lässt zum anderen kaum ein Auge trocken. Der Film bleibt durchweg spannend, was vor allem daran liegen könnte, dass die langweiligeren Szenen aus dem Buch gestrichen wurden.

Alles in allem ein Film, der im Genre Romantik/Drama auf ganzer Linie überzeugt und schon jetzt ein Highlight des Jahres sein dürfte. Dafür gibt es 10 von 10 möglichen Punkten.