In the Heights (OV)

Ein Vorwort

Erinnert ihr euch noch an Hamilton? Okay blöde Frage, da es immer und immer wieder in meinen Monatsrückblicken aufgetaucht ist und sich schnell zu meinem Lieblingsmusical entwickelt hat. Doch vor Hamilton schrieb Lin-Manuel Miranda bereits ein Musical: In the Heights. Nun gibt es die adaptierte Bühnenfassung im Kino. Wie das funktioniert hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Usnavi (Anthony Ramos) ist Besitzer eines kleinen Ladens in Washington Heights einem Stadtteil von New York City. Dort trifft sich die Gemeinschaft, die alle unterschiedliche Sorgen haben. Als dann auch noch das Gerücht umgeht, dass jemand 96.000 Dollar im Lotto gewonnen hat, gibt es kein Halten mehr.

Meine Meinung

Die Handlung von In the Heights zusammenzufassen ist ein bisschen schwierig, weil alles und gleichzeitig nichts passiert. Um es ganz kurz zu machen, es geht um die Hoffnungen und Träume in einem Stadtteil New York, das von vielen Einwanderern und deren Nachkommen bewohnt wird. Von einem Ladenbesitzer, der von seiner Kindheit in der Dominikanischen Republik träumt und dorthin zurückziehen will. Von einer jungen Friseurin, die gerne Designerin wäre und einen Laden in Manhattan hätte, dort aber nicht einmal eine Wohnung bekommt. Von einer jungen Studentin, die es nach Stanford geschafft hat, doch vom Heimweh zerfressen wird. Und noch so vielen anderen.
Und auch wenn die Grundstimmung der einzelnen Geschichte eher traurig ist, ist es der Film keinesfalls. Lateinamerikanische Rhythmen, mitreißende Hip-Hop Beats und dazu Musical-Melodien. Zusammen ergibt dies einen Cocktail, der es einem schwer macht, artig im Kinosessel sitzen zu bleiben. Vor allem weil die Choreographien einen förmlich dazu auffordern, aufzuspringen und mitzutanzen – auch wenn ich null Rhythmusgefühl habe.
Schwieriger ist es da schon der Handlung zu folgen. Denn es gibt den Film aktuell nur in der Originalversion. Die Betonung liegt hier auf Ohne Untertitel. Das mag bei den Dialogen für geübte Originalzuschauer noch gut funktionieren, ist bei den Liedern dann schon schwieriger, vor allem wenn viel durcheinander gesungen wird. Dennoch schafft man es die Grundaussagen des Films gut zu verstehen, auch wenn es dadurch mitunter anstrengend wird.
Mit 143 Minuten ist In the Heights kürzer als Hamilton (160 Minuten). Dennoch merkt man stellenweise, wo sich Längen auftun könnten. Doch das Drehbuch schafft es genau dann wieder durch eine gefühlvolle Ballade oder eine mitreißende Nummer die Stimmung zu kippen.
Schauspielerisch ist der Film top besetzt. Lin-Manuel Miranda, der in der Broadwayfassung noch die Hauptrolle des Usnavi spielte, gibt diese an seinen Kollegen Anthony Ramos ab, der bereits bei Hamilton eine große Rolle spielen durfte. Doch auch der übliche Cast kann sich durchaus sehen lassen. Schmunzler gab es für Brooklyn-99 Fans mit Stephanie Beatriz Rolle, die so gar nicht der Rosa entspricht und für Hamilton Fans mit dem Gastautritt von Chris Jackson.

Das Fazit

In the Heights bringt lateinamerikanische Rhythmen ins Musical und vereint gute Laune und ernste Themen über die Einwanderungspolitik mit einem unfassbaren Gemeinschaftsgefühl. Nicht nur für Musicalfans eine Empfehlung! Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

In the Heights läuft seit dem 22.07.2021 in den deutschen Kinos

PS: Bleibt bis zum Ende des Abspanns sitzen! Dort wartet noch ein kleiner Schmunzler und das letzte Lied auf euch!

Hamilton

Ein Vorwort

Ein Broadway Musical im heimischen Wohnzimmer? Da war ich doch sofort dabei. Während zuvor eine Ausstrahlung der Aufnahme im Kino für 2021 angepeilt wurde, fand nun die Veröffentlichung auf Disney+, dem Streamingdienst aus dem Hause Disney, statt. Da der Dienst mit schwindenden Nutzerzahlen zu kämpfen hat, dürfte Hamilton nach dem Zugpferd The Mandalorian zumindest kurzseitig für Besserung sorgen.

Die Handlung

Der Gründungsvater Alexander Hamilton (Lin-Manuel Miranda) trifft 1776 in New York ein und schließt sich der Revolution an, die im Unabhängigkeitskrieg gipfelt. Nach erfolgreichem Sieg wird Hamilton durch enge Beziehungen zum 1. Präsidenten der USA George Washington (Christopher Jackson) zum 1. Finanzminister, hat im Kabinett aber mit ordentlich Gegenwind zu kämpfen.

Meine Meinung

Wie oft im Leben hat man schon die Chance ein echtes Boradwaystück zu sehen? Und zwar nicht neu adaptiert, verfilmt oder für deutsche Bühnen umgeschrieben. Mit Lin-Manuel Mirandas Hamilton kommt genau dies ins heimische Wohnzimmer. Während es auf der Kinoleinwand wahrscheinlich noch einmal besser gewirkt hätte, ist das Musical aber auch so vom ersten Moment an beeindruckend.
Schon sobald Leslie Odom Jr. die ersten Töne als Aaron Burr anstimmt und dann das Ensemble dazustößt, gibt es Gänsehautmomente. Auch wenn danach erst einmal Verwirrung herrscht, in welche Richtung die Handlung geht, hält Hamilton einen zunächst gefangen.
An die Tatsache, dass es keine deutschen Untertitel gibt, muss man sich auch erst einmal gewöhnen, aber gänzlich ohne Untertitel würde es dann doch nicht gehen. Denn die Lieder sind eine gute Mischung aus Jazz, Musical und vor allem R&B und Hip-Hop. Bei der Geschwindigkeit der Texte sind die Untertitel dann sehr hilfreich. Da auch das gesamte Musical durchgetextet ist, und es zwischendurch keine gesprochenen Dialoge gibt, muss man bei den Liedern auch am Ball bleiben. Daher empfiehlt es sich das Musical eigentlich mindestens zweimal zu sehen, einmal um zu verstehen, worum es geht, und einmal um die Performance an sich genießen zu können.
Auch wenn der Ausgang der Geschichte bereits im ersten Lied gespoilert wird und viele Sachen einfach durch ihren historischen Bezug vorhersehbar sind, bleibt Hamilton doch durch die gesamte Gestaltung und der Ohrwurmlieder durchgehend spannend. Mit einer Lauflänge von 180 Minuten bekommt man trotzdem die ganze Zeit etwas für Augen und Ohren geboten. Gerade die kleinen Details – ja, es gibt schon unzählige Listen mit Ranking dieser Details – heben das Musical auf ein ganz besonderes Niveau.
Schauspielerisch ist das Musical bereits vom Allerfeinsten. Getoppt wird es aber noch um Welten durch die gesanglichen Leistungen und die Tanzperformances.
Hach, ich könnte hier noch eine ganze Weile weiter schwärmen, aber ich mache es mal kurz: Wenn ihr auch nur ansatzweise etwas mit Musicals anfangen könnte, dann guckt euch Hamilton an.

Das Fazit

Hamilton ist ein Musical auf ganz hohem Niveau und unterscheidet sich dabei gerade musikalisch von den sonst üblichen Popklängen. Amerikanische Geschichte wurde noch nie so mitreißend erzählt.

Hamilton ist seit dem 03.07.2020 auf Disney+ abrufbar