Neulich in der Sneak: Ein letzter Job

Ein Vorwort

Erst 2017 erschien ein Heist-Movie, der sich mit einem Banküberfall von einer Gruppe Rentnern beschäftigt, in den deutschen Kinos. Auch dort spielte Michael Caine eine Hauptrolle. Abgang mit Stil war noch als Komödie angelegt, scheiterte aber an dieser Prämisse. Erst in der vorletzten Sneak gab sich Robert Redford in seinem letzten Film die Ehre und spielte als Gauner & Gentleman im gleichnamigen Film. Dieser konnte trotz ruhiger Erzählweise überzeugen. Nun versucht Regisseur James Marsh (Die Entdeckung der Unendlichkeit) noch einmal reale Ereignisse über eine Gaunerbande im Rentneralter zu inszenieren, auch hier ist Michael Caine in einer Hauptrolle dabei. Warum dieser Film jedoch floppen wird, verrate ich in meiner Kritik.

Die Handlung

Brian Reader (Michael Caine) hat seiner kranken Frau versprochen keine krummen Dinger mehr zu drehen. Doch nach ihrem Tod findet er keinen Lebenssinn mehr. Da kommt der junge Basil auf ihn zu und erzählt ihm von seinem Plan ein Juweliergeschäft auszurauben. Kurzerhand beschließt Reader aus dem Ruhestand zurückzukehren und die alte Crew zusammen zu trommeln.

Meine Meinung

Regisseur James Marsh fährt mit einem namenhaften Cast auf. Michael Caine (Die Unfassbaren) werden zur Seite gestellt Jim Broadbent (Harry Potter und der Halbblutprinz), Tom Courtenay (Deine Juliet) und Ray Winstone (Departed – unter Feinden). Für die jüngere Generation darf dann noch Charlie Cox (Daredevil) mitspielen. In einer Nebenrolle tritt dann auch noch Sir Michael Gambon auf (Prof. Dumbledore in den Harry Potter Filmen). Bei dieser Kombination dachte man, könne nicht allzu viel schief gehen. Leider ist aber genau das eingetreten.
Das liegt tatsächlich auch in erster Linie an den Darstellern bzw. an den Rollen, die diese spielen müssen. Regelrecht lustlos scheinen die Darsteller hier ans Werk zu gehen und sich um Mimik und Gestik keine Gedanken zu machen. Müsste ich so plumpe und unsympathische Charaktere spielen, wäre meine Motivation jedoch auch nicht höher. Denn während ganz am Anfang noch der Teamgedanke dagewesen war, geht der im Laufe des Films komplett verloren. Es verkommt zu einem zickigen Jeder-gegen-Jeden und jeder fühlt sich durch den anderen betrogen oder hintergangen oder angegriffen. Inwieweit dies auf den „realen Begebenheiten“ beruhen soll, sei mal außen vorgelassen, jedoch ist es dem Film in keiner Weise dienlich. Denn eigentlich hat man schon von Anfang an keine Lust dem Team bei seinem Überfall zuzusehen. Die FBI-Mitarbeiter, die insgesamt vielleicht fünf Minuten Screentime hatten, wurden zu den wirklichen Helden.
In zweiter Linie liegt es an dem Drehbuch. In jedem Heist-Movie ist die Planung ein wichtiger Teil und natürlich der eigentliche Raub. Das beide Teile absolut emotionslos und langweilig dargestellt wurden, so dass der Zuschauer fast einschläft, ist wohl nicht der Plan gewesen. Aber wenn selbst ein Alarm, der losgeht gefühlt minutenlang angestarrt wird, bis mal einer reagiert, dann weiß ich auch nicht, was sich die Macher dabei gedacht haben. Der letzte Teil befasst sich dann mit den Ermittlungen des FBI und dem Verschachern der Beute, bei der ein riesiger Streit zwischen allen Gaunern entfacht. Spätestens hier schaltet auch der letzte Zuschauer ab, den von einem Heist-Movie ist nun gar nichts mehr zu spüren, sondern nur noch von ein paar zickigen alten Männern, deren Streitereien weder in ein Drama, noch in eine Komödie passen, sondern schlichtweg nichts auf einer Kinoleinwand zu suchen haben.
Gibt es denn auch positive Aspekte im Film? Tatsächlich nur einen einzigen. Die Rolle von Sir Michael Gambon ist tatsächlich humorvoll angelegt und wird auch so gespielt. Das hat wenigsten für ein bis zwei erheiternde Momente in einem ansonsten langweiligen Film gesorgt.

Das Fazit

Ein letzter Job ist ein Film, der mit einem langweiligen Drehbuch, unsympathischen Charakteren und unmotivierten Darstellern daherkommt, die alle schon bewiesen haben, es wesentlich besser zu können. Ein Heist-Movie, der so ziemlich alles falsch macht. Dafür gibt es 02 von 10 möglichen Punkten.

Ein letzter Job läuft seit dem 25.04.2019 in den deutschen Kinos.

Abgang mit Stil

Am 13.04.2017 erschien ein neuer Film von Zach Braff in den deutschen Kinos.

Den Rentnern Willie, Joe und Albert wird die betriebliche Rente gestrichen. Nun sind sie pleite und kurz davor ihre Häuser zu verlieren. Nachdem Joe Zeuge eines Banküberfalls wurde, beschließen die drei ihre eigene Bank zu überfallen, die mit Schuld an ihrer Rentenstreichung trägt. Doch ein Banküberfall braucht Planung und Training.

Abgang mit Stil ist nach Wish I was here das nächste Kinoprojekt von Zach Braff, der den meisten besser bekannt als JD aus der Comedyserie Scrubs sein dürfte. Im Gegensatz zu Wish I was here, übernahm Braff aber keine Rolle in diesem Film, sondern überließ das Zepter de Hollywoodgrößen  Michael Caine, Morgan Freeman und Alan Arkin.
An erster Stelle als zentrales Thema in Abgang mit Stil steht der Generationskonflikt. Alle drei Hauptcharaktere sind inzwischen Rentner und haben daher auch die üblichen Gebrechen. Sie können nicht mehr schnell laufen, haben so ihre Schrulligkeiten entwickelt und wollten eigentlich nur noch ihre letzten Lebtage in Ruhe verbringen. Wenn man sie sich so ansieht, glaubt man kaum, dass die drei Männer für einen Banküberfall geeignet sind.
An zweiter Stelle, und etwas in den Hintergrund geraten, ist der Film auch eine kleine Kritik am Rentenwesen in den USA. Alle drei haben über viele Jahre in der gleichen Firma geschuftet und da diese nun den Standort ändert (und noch irgendetwas mit der Bank am Laufen hatte) ist auf einmal die Rentenkasse leer. Fängt man nun also im Rentenalter wieder an zu arbeiten? Hat man Familie bei der man unterkommen kann? Der bezeichnendste Satz aus dem Film dürfte wohl sein, als Joe zu den anderen sagte: “Was soll uns im schlimmsten Fall passieren? Die Polizei schnappt uns und wir landen im Gefängnis. Dann haben wir alle ein Dach über dem Kopf und feste Mahlzeiten jeden Tag” (Wortlaut aus dem Gedächtnis, daher ungenau).
Beide Themen werden in Abgang mit Stil zu einem Paket geschnürt und mit einer liebevollen Handlung umrahmt. Dazu kommt noch der Humor, der leider – im Gegensatz zur Erwartung – etwas mau ausfällt. Dafür gibt es keinen überstrapazierten und unangebrachten Humor, aber er wurde doch etwas sehr gut dosiert. Hier wäre ein wenig mehr, besser gewesen.
Gleichzeitig wurden auch beide Themen leider nur mäßig ausgearbeitet und so fehlte an allen Ecken und Enden der Bezug zur
Rahmenhandlung. Trotz der relativ kurzen Spiellänge von 97 Minuten scheinen zu viele Szenen einfach überflüssig. Sie haben kaum Aussage, bringen die Handlung nur bedingt voran und machen den Film stellenweise dröge, was eigentlich nicht sein müsste, weil die Grundhandlung genug zu bieten hätte.
Trotz aller Kritik schafft es Abgang mit Stil doch zu unterhalten, aber in reduzierterem Maße als die Erwartungen durch Beschreibung und Trailer zu hoffen ließen.

Alles in allem bleibt Abgang mit Stil hinter den Erwartungen und schafft es nicht die behandelten Themen richtig auszuarbeiten. Trotzdem wird man als Zuschauer unterhalten. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Youth – Ewige Jugend (Kurzkritik)

Am 26.11.2015 erscheint ein Film, der das älter werden philosophisch betrachtet, in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Der Komponist Fred Ballinger und der Regisseur Mick Boyle verbringen ihre Ferien in einem Luxus-Wellnesshotel in der Schweiz. Dort beschäftigen sie sich damit, die anderen Gäste zu beobachten. Doch die Vorstellungen des Ruhestandes gehen bei beiden weit auseinander. Während Ballinger nicht mehr komponiert, und sogar den Auftrag der britischen Queen, vor ihr seine Werke zu dirigieren, ablehnt, steckt Mick mitten in den Vorbereitungen für einen neuen Film.

Youth ist einer der Filme, die bei Cineasten und Liebhabern von Kunstfilmen sehr gut ankommen, vom durchschnittlichen Publikum aber gemieden werden sollte. Der Film verläuft sich in einer aneinander Reihungen von philosophischen Fragen und Antworten. Im großen und ganzen geht es um zwei alte Männer, die im Alter nicht mehr glücklich sind, wie sie ihre Jugend verbracht haben. Fred Ballinger bereut vor allem das schlechte Verhältnis zu seiner Tochter, da er zu viel Zeit seiner Musik gewidmet hatte. Das Verhältnis der beiden wird auf das genauste durchleuchtet. Mick Boyle hingegen versucht sich an noch einem großen Film, eine Homage an alle seine vorherigen Werke. Nur seine Hauptdarstellerin spielt nicht so ganz mit. Doch trotz der ganzen Philospohie schafft der Film es nicht eine klare Aussage zu treffen oder einer direkten Struktur zu folgen. Stattdessen plätschert der Film so vor sich hin und vertraut darauf, dass die starke Besetzung des Filmes darüber hinweghilft. Aber selbst Michael Caine scheint in diesem Film sehr schwach und unpointiert. Erst im letzten Drittel erfährt man langsam seine Beweggründe und geht ganz anders mit seiner Rolle um.
Dadurch, dass dem Film die wirkliche Aussage und Pointe fehlt, ist dem Zuschauer nicht klar, wo genau das Ende ist. Während der Film sich immer weiter zieht, gibt es gefühlte 10 Szenen, die perfekt als einen runden Abschluss dienen. Nur das nur einer letztendlich wirklich als Abschluss dienen.

Alles in allem ist der Film nur für die oben genannte Zielgruppe und selbst dann unpointiert. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.