Ein Vorwort
Spätestens seit Bong Joon-ho 2020 für seinen Film Parasite den Oscar gewonnen hat, dürfte er nicht nur den Filmfans ein Begriff sein. Diesmal geht er wieder direkt nach Hollywood und greift in seiner Buchverfilmung leider sehr reale Entwicklungen auf. Wie das funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung
Mickey wollte nur einem Kredithai entfliehen und meldet sich daher als Expendable für eine Raummission. Als dieser wird er immer vor geschickt, um Impfstoffe oder ähnliches zu testen. Und wenn er stirbt, wird er neu ausgedruckt und bekommt sein Bewusstsein wieder. Doch bei einer Mission wird er für tot gehalten, ohne zu sterben. Und so wird die 18. Variante von ihm gedruckt und er existiert auf einmal doppelt. Und das ist verboten.
Meine Meinung
Von Bong Joon-ho habe ich bisher nur Snowpiercer und Parasite gesehen und fand zwar beide irgendwie gut, aber nicht so sehr, wie ihr Hype, gerade bei Parasite, suggerierte. Dennoch fand ich die Prämisse von Mickey 17 spannend genug, um ihm eine Chance zu geben. Leider wurde gerade aus der am Ende nur wenig gemacht.
Aber fangen wir am Anfang an. Zunächst lernen wir Mickey an einem ziemlichen Tiefpunkt in seinem Leben kennen, als seine 17. Variante in eine Felsspalte auf einem eisigen Planeten stürzt. Hier kommt direkt Bongs Humor durch, in Form des Nebencharakters Timo, der irgendwie immer ein Stichwortgeber für bevorstehende Verschlimmerungen war. Kurz darauf erfahren wir Mickeys Geschichte und wie er genau an diesem Punkt gelandet ist. Obwohl es sich wie ein ziemlicher Schnelldurchlauf anfühlt, ist es eigentlich der witzigste und spannendste Teil der Geschichte. Allerdings funktioniert es auch nur für die gute halbe Stunde, die sich Zeit genommen wurde. Wir erfahren genug über Mickeys Leben, die Raummission und seine vorherigen Kopien bzw. den Sinn und die Technik dahinter.
Zurück am Ausgangspunkt der Geschichte, überlebt Mickey und trifft dann auf die 18. Variante von ihm. Hier wird ganz kurz das ethische Dilemma der Multiplen aufgemacht und gute philosophische Fragen in den Raum geworfen. Also genau der Teil, für den ich ins Kino gegangen bin. Leider war es wohl nie der Gedanke des Regisseurs sich auf diesen Teil zu konzentrieren – oder es war bereits im Buch anders, das kann ich nicht sagen.
Auf jeden Fall haben wir hier praktisch eine Trump und Musk Variante bzw. wird auch gern der Vergleich zu Hitler gezogen, die leider nichtmal wie eine Parodie wirkt, da die Realität die Absurdität der Fiktion bereits übertroffen hat. Leider war gerade dieser Part, der, den ich nicht gebraucht hätte. Denn er ist absolut vorhersehbar und vermittelt genau das, was der durchschnittliche Zuschauende bereits weiß. Es werden keine Fragen oder Diskussionen aufgemacht, sondern lediglich eine Antwort präsentiert. Denn dieser Part bietet auch keine Angriffsfläche, da er nur eine Aussage am Ende zulässt.
Damit wird am Ende zwar ordentlich aus Hollywood gegen die aktuelle Regierung geschossen, was interessant ist, da sie zum Entstehungszeitpunkt 2021 noch nicht in dieser Extremität vorhersehbar war. Gleichzeitig wird sich aber wenig getraut, mit den Folgen von Klonen und Multiplen wird sich am Ende gar nicht auseinander gesetzt, was den Film aber ernst spannend gemacht hätte. So ziehen sich am Ende die 137 Minuten leider doch ein bisschen.
Das Fazit
Mickey 17 hat eine sehr spannende Prämisse, die leider nicht konsequent genutzt wird und hintenraus sehr generisch wirkt. Trotz starkem Schauspiel zieht sich die Geschichte leider etwas und somit bekommt der Film 06 von 10 möglichen Punkten.
