Neulich in der Sneak: Die Agentin

Ein Vorwort

Vom 07.-17.02.2019 fanden die Internationalen Filmfestspiele Berlin, kurz Berlinale, statt. Diesmal mit dabei war die deutsch-französisch-israelische Produktion über eine in Deutschland ausgebildete Mossad-Agentin. Gezeigt wurde der Film außer Konkurrenz. Mit einer Diane Kruger als Spionin und Martin Freeman an ihrer Seite, konnte von der Besetzung her schon wenig schiefgehen. Was der Film darüber hinaus kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Rachel (Diane Kruger) wird vom Mossad angeworben und in Deutschland zur Spionin ausgebildet. Doch auf der Beerdigung ihres Vaters taucht sie unter. Kurz darauf erhält ihr ehemaliger Kontaktmann in Deutschland (Martin Freeman) einen mysteriösen Anruf von ihr. Vor einem Sonderkommando muss er nun die Geschichte noch einmal erzählen.

Meine Meinung

Regisseur Yuval Adler hatte bei seiner Grundidee drei Möglichkeiten der Inszenierung. Er hätte einen Film über die politischen Verstrickungen in der Spionage machen können. Oder Adler hätte einen hochspannenden Spionage-Thriller inszenieren können. Oder aber er hätte aus dem ganzen eine Charakterstudie machen können, was Spionage und die ständige Verstellung aus einem Menschen macht.
Vermutlich hat Adler auf letzteres abgezielt. Scheitert aber in allen Belangen in der Umsetzung. Denn Die Agentin ist leider einfach nur ein nichtssagender Film geworden. Keine Aussage, keine Tiefe, keine verständliche Handlung.
Aber fangen wir mit den positiven Sachen an. Die Dreharbeiten fanden in Deutschland, Israel und Bulgarien statt, da man einen Film über eine Mossad-Spionin im Iran, schlecht im Iran drehen konnte. Dennoch sind die Aufnahmen sehr authentisch und gerade für mich als Ex-Leipzigerin war es sehr schön einzelne Schauplätze in Leipzig zu haben. Die Agentin hat mit Diane Kruger und Martin Freeman durchaus zwei sehr talentierte Schauspieler gewonnen. Leider wurde gerade Freeman eher wegen seines bekannten Namens gecastet, denn an keiner Stelle im Film darf er zeigen, was wirklich in ihm steckt. Man merkt, dass er das beste aus seiner Rolle rauszuholen versucht, nur ist da wenig Potential. Kruger wird da schon mehr gefordert und ist damit auch die engagierteste Darstellerin im ganzen Film. Denn die anderen wussten wohl schon beim Lesen, wie der Film wird: Total langweilig.
Und somit kommen wir auch schon zum großen Problem des Films. Er hat kein Konzept. Während am Anfang noch beschrieben wird, wieso Rachel so geeignet als Kandidatin für den Mossad war, wird ihre eigentliche Tätigkeit dann sehr lasch angerissen. Letztendlich kommt eigentlich nur heraus, dass sie trotz allem immer noch versucht ihren eigenen Kopf durchzusetzen, was ihr Ende für die Mission bedeutet. Trotzdem soll sie wahllos noch einzelne Menschen beschatten oder mal eben Bomben in den Iran schmuggeln. Diese Schmuggelszene ist letztendlich auch die einzige, die wirklich unter die Haut geht und den Zuschauer zumindest für fünf Minuten den Atem anhalten lässt. Aber auch hier wird das ganze wieder mit einer Fast-Vergewaltigung übertrieben. Ansonsten erfährt man weder Rachels Beweggründe, noch etwas über ihre Gedanken, weswegen der Film als Charakterstudie durchfällt. Man erfährt nicht, warum ihre Vorgesetzten Entscheidungen treffen und was der Hintergrund des ganzen ist. Es ist also kein Film über politische Verstrickungen in der Spionage. Und als hochspannender Spionage-Thriller fällt er komplett durch, weil er in einem gemächlichen Tempo erzählt wird, dass er mit einem Thriller erst recht nichts gemein hat.
So verlässt man am Ende das Kino und weiß nicht, was der Film einem nun sagen wollte, ist absolut gelangweilt und über das plötzliche Ende völlig irritiert. Denn nachdem gefühlt der gesamte Film die Vorgeschichte der aktuellen Ereignisse erzählt, bricht Adler genau dort mitten während einer Verfolgungsjagd ab. Im Nachhinein ein mutiger Schritt, aber auch der richtige. Denn der Film wäre durch eine Verfolgungsjagd am Ende kein bisschen spannender oder tiefgründiger geworden. Er wäre einfach nur länger und hatte mit 117 Minuten schon lange seinen Zenit überschritten.

Das Fazit

Die Agentin ist einer der langweiligsten Spionage-Filme, die ich kenne. Er hat kein Konzept, keine Tiefe und keine Handlung. Eine engagiert spielende Diane Kruger konnte daran auch nichts ändern. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Die Agentin läuft seit dem 29.08.2019 in den deutschen Kinos.

Cinemathek: Mit Siebzehn

Willkommen in der Cinemathek, heute mit „Mit Siebzehn“. Der Film lief ursprünglich ab dem 16.03.2017 in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Der französische Film „Quand on a 17 ans“, zu Deutsch „Mit 17“, nahm im Jahr 2016 am Wettbewerb zur Berlinale teil. Die Kritiken überschlugen sich und lobten den Film für sein Feingefühl und den vielen Aussagen ohne etwas zu sagen.

Die Handlung

Damien und Tom gehen in die gleiche Klasse, leben aber doch in völlig unterschiedlichen Welten. Damien lebt mit seiner Mutter, einer Ärztin, in der Stadt, während sein Vater als Berufssoldat überall auf der Welt ist und sich nur regelmäßig durch Videoanrufe meldet. Seine Mutter bringt und holt ihn täglich mit dem Auto von der Schule ab und auch wenn seine Familie nicht reich ist, können sie doch gut leben. Tom hingegen lebt bei seinen Adoptiveltern auf einem Bauernhof in den Bergen. Um zur Schule zu kommen muss er durch meterhohen Schnee stapfen und braucht jeden Tag drei Stunden für den Weg. Er hilft gerne auf dem Hof und nimmt die Schule nicht ganz so ernst. Beide verstehen sich überhaupt nicht. Ständig prügeln sie sich oder stellen dem jeweils anderen ein Bein. Das Verhältnis bessert sich auch nicht, als Damiens Mutter Tom zu sich einlädt, damit er einen kürzeren Schulweg hat. Doch woher kommt der ganze Groll.

Meine Meinung

Mit Siebzehn versucht sich an einer langsamen Erzählweise in der wenig gesagt wird. Was die Kritiker noch lobten, funktioniert für den durchschnittlichen Kinobesucher nicht mehr. Denn schon die ersten Minuten, die praktisch nur die Landschaft des französischen Ortes zeigen, in dem der Film spielt. Erst nach und nach scheint sich eine Handlung zu entwickeln, die man so richtig erst nach über einer Stunde Film erkennt. So entsteht schon früh eine große Langeweile im Kinosaal, die man hören kann. Erst nachdem scheinbar alles und doch absolut nichts gesagt wurde, kommt der Film auf den Punkt und offenbart seine eigentliche Handlung. Leider ist dieser kurze Abschnitt der Deutlichkeit schon ganz bald wieder vorbei und der Film versteckt sich wieder hinter Andeutungen. Hinzu kommt, dass keiner der Charaktere wirklich sympathisch ist und man so auch keine Verbindung aufbaut. Es ist einen bis zuletzt total egal, was aus Damien und Tom wird. Es ist einem egal, warum sie sich ständig prügeln, wieso sie die ganze Zeit gemein zueinander sind und doch immer wieder die Nähe des anderen suchen.
Durch die fehlende Handlung und Tiefe verläuft sich der Film in Belanglosigkeiten, obwohl er eigentlich im Verborgenen wirklich etwas zu erzählen hat. An sich greift er immer wieder verschiedene Themen auf: Adoption und die Angst vor einem leiblichen Kind, Homosexualität, Tod eines Elternteils und die alles zerfressende Trauer des zweiten Elternteils. Leider schafft es „Mit Siebzehn“ nicht diese Themen wirklich zu erzählen, sondern schneidet sie nur immer wieder an. Nach 114 Minuten Laufzeit ist der Film zu Ende, der Kinosessel wird verlassen und „Mit Siebzehn“ ist schon nach einer Minute wieder komplett vergessen. Kein Grübeln über die ernsten Themen des Films. Das einzige, was zumindest für fünf Minuten im Gedächtnis bleibt ist die Landschaft.

Fazit

„Mit Siebzehn“ ist ein Film, der die Kritikergemeinde zur Berlinale begeistern konnte, für den durchschnittlichen Kinogänger aber an keiner Stelle funktioniert. Er ist langweilig, verliert sich im Nichtssagen und hätte doch so viel zu erzählen. Dafür gibt es 02 von 10 möglichen Punkten.

 

Im Sommer wohnt er unten

Am 29.10.2015 erscheint der Film, der bei der Berlinale die Sektion Perspektive Deutsches Kino eröffnete, in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Matthias lebt in dem Ferienhaus seiner Eltern in Frankreich zusammen mit seiner Freundin Camille und deren Sohn Etienne. Dort macht er sich ein schönes Leben, ohne Job und auf den Kosten seiner Eltern. Alles wirkt idyllisch, bis sein Bruder David und dessen Frau Lena eine Woche früher als geplant zu Besuch kommen. Da David ein erfolgreicher Bänker ist, sind für ihn die Machtverhältnisse klar geklärt. Doch Camille mag das Familienspiel nicht mitspielen.

Ein Film, der auf der Berlinale läuft, hat meistens den Charakter ein Nischenfilm zu sein, der für eine ganz bestimmte Zielgruppe nur geeignet ist. So auch dieser Film. Denn ohne Untertitel ist er nur zu genießen, wenn man fließend Deutsch, Englisch und Französich spricht. Die Sprachen wechseln sich ständig ab und teilweise auch mitten im Satz. Das hat den Hintergrund, dass es sich um eine deutsche Familie handelt, die das Ferienhaus in Frankreich hat. Doch Camille und ihr Sohn sind Franzosen und sprechen daher ihre Muttersprache. Da Matthias‘ Französischkenntnisse begrenzt sind, wechselt er gerne einmal ins englische und David und Lena sprechen erst gar kein französisch und kommunizieren daher mehr schlecht als recht auf englisch mit Camille. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase stört der Sprachwechsel aber kaum noch und die Untertitel helfen weiter, wenn man etwas doch nicht versteht.
Im Sommer wohnt er unten beschreibt den typischen Familienkonflikt. Die Eltern sind Bänker und leben daher einen gewissen Lebensstandart vor. Der ältere Bruder lebt dieses Vorbild und befindet sich damit als besser als sein jüngerer Bruder Matthias. Denn dieser möchte gerne einen kleinen Laden in Frankreich eröffnen. Doch seine Eltern wollen ihn bei diesem Wunsch nicht unterstützen, also liegt er lieber weiter auf ihren Kosten auf der faulen Haut. Als David, der ältere Bruder, im Sommer auch seinen Urlaub im Ferienhaus verbringen möchte, werden gleich die Rollen wieder geklärt. Matthias muss in das kleine Zimmer nach unten ziehen, weil David das größere beanschlagt. Etienne, Camilles Sohn, muss zu seinem Vater, weil David sich durch seine Anwesendheit gestört fühlt. David findet, dass das Gras zu hoch ist, also muss Matthias umgehend Rasen mähen. Dieser ist auch noch so unterwürfig und lässt das alles mit sich machen. Einzig Camille macht den Mund auf und gibt David konter. Da sie aber auf taube Ohren stößt, versucht sie es dann doch genau andersrum und schafft es schnell David um den Finger zu wickeln. Lena, Davids Frau, hingegen, ist unglücklich über die Entwicklung. Denn sie versucht schon seit längerem schwanger zu werden. Das wird dem Zuschauer auch immer wieder deutlich gemacht. Mal liest sie ein Buch über das schwanger werden, dann steckt sie sich ein Kissen unter das Oberteil, um einen Babybauch zu imtieren, und dann wiederum misst sie ihre Temperatur und teilt David freudig mit, dass sie heute wieder einen fruchtbaren Tag hat. Ein Stilmittel hätte hier ausgereicht.
Wer sich ein spannendes, lustiges Familiendrama wünscht ist bei diesem Film an der ganz falschen Adresse. Der Film plätschert mit der Handlung nur so vor sich hin, greift hier und da einmal ein Thema auf, springt dann wieder zum nächsten, erzählt aber alles in einer zähen Ruhe. Also müde sollte man den Film nicht gucken. Auch an der Komik spart der Film sehr. Einzelne Szenen sind wirklich auf Lacher angelegt, andere sind eher unfreiwillig komisch. Lediglich der Punkt Familiendrama ist erfüllt.

Alles in allem ist der Film definitiv nur etwas für Cineasten, die der Plot absolut anspricht. Von mir gibt es dafür 03 von 10 möglichen Punkten.