Eine Handvoll (oder mehr) Filme – Weihnachtsspecial

Willkommen zur voraussichtlich letzten Ausgabe der filmischen Handvoll in diesem Jahr. Diesmal habe ich keine Mühen gescheut und für euch eine ganze Palette an Weihnachtsfilmen geschaut. Die habe ich tatsächlich an einem einzigen Wochenende hintereinander weggeschaut. Mein Ziel: Den trashigsten Weihnachts-Netflix-Film zu finden – manch einer hat vielleicht den etwas lang gewordenen Twitter-Thread dazu gesehen. Ob da auch ein paar versteckte Perlen dabei waren? Seht selbst!
Heute mit: einem Schloss, einem Ritter, einer Prinzessin, einer Karte, einem Adventskalender, Spielzeugerfindungen, im kalten Alaska kurz vor Weihnachten.

Platz 7: A Castle for Christmas

Die Handlung: Sophie ist Bestsellerautorin. Doch als sie in Anlehnung an ihren Ex einen Hauptcharakter umbringt, nehmen ihre Fans ihr das sehr übel. Bis der Trubel sich  gelegt hat, reist sie zu ihren Wurzeln nach Schottland. Dort findet sie heraus, dass Dun Dunbar zu verkaufen ist. Doch bevor der Kaufvertrag abgewickelt wurde, muss sie es mit dem griesgrämigen Herzog Myles aufnehmen.

Meine Meinung: Und der Preis für den trashigsten Netflix-Weihnachtsfilm – zumindest von den gesehenen – geht an: A Castle for Christmas. Der Film lässt aber auch kein Klischee aus. Beginnend mit der Vorstellung, dass man mit ein paar geschriebenen Büchern als Bestsellerautorin sofort genug Geld verdient, um ein ganzes Schloss in Schottland zu kaufen. Dann geht es weiter mit dem typischen from Enemies to Lovers Plot, schlechtem Schauspiel und absoluten Klischeecharakteren. Hier wird nichts ausgelassen, schon gar nicht die Erinnerungsmontage nach dem großen Streit mit melancholischem Popsong untermalt. Das Cringe-Herz schlägt hier sehr hoch. Wer ein Film-Bullshit-Bingo spielt, wird hier sehr schnell fündig. Dennoch schafft es der Film gerade durch die charmanten Dorfbewohner*innen irgendwo eine liebevolle Note einzubauen. Ich hätte zwar lieber einen Film über ihren Strickclub gesehen, statt dem Romanzen-Kitsch, aber man kann nicht alles haben. Und immerhin bietet Schottland als Kulisse viel Wegträumpotential.

Trashfaktor: 5/5
Weihnachtsfaktor: 1/5

Platz 6: The Knight before Christmas

Die Handlung: Cole ist ein Ritter und lebt im 14. Jahrhundert. Doch als er bei einem Ausritt auf eine alte Dame trifft, schickt diese ihn in die Gegenwart. Dort trifft er auf die Lehrerin Brooke, deren Herz gebrochen ist. Mit ihrer Hilfe versucht er seine wahre Bestimmung zu finden.

Meine Meinung: Auch The Knight before Christmas – nein, nicht a nightmare before christmas (und ja, ich musste das beim erzählen mehrfach richtig stellen) – stellt schon in den ersten Minuten die Qualität klar. Denn Coles Rüstung wird im billigen Aussehen nur durch die lachhafte Version der alten Dame mit dem wohl schlechtesten Make-up, das ich seit langem gesehen habe, übertroffen. Angekommen in der Gegenwart wird ganz schnell noch Brooke charaktersiert, dann geht es mit der Handlung weiter, die absolut jedes Klischee erfüllt. Einige Handlungsstränge erinnern an den ersten Thor-Film, nur eben noch etwas platter angelegt. Ich meine, wer nimmt nicht Fremde mit nach Hause, die sich für Ritter aus dem 14. Jahrhundert halten oder gibt denen dann auch noch ihre Autoschlüssel? Auch hier weiß der Film eher in den kleinen Szenen, wenn er sich nicht zu sehr auf die Haupthandlung konzentriert zu überzeugen.

Trashfaktor: 4/5
Weihnachtsfaktor: 2/5

Platz 5: Prinzessinentausch

Die Handlung: Bäckerin Stacy reist mit ihrem besten Freund und dessen Tochter nach Belgravia, um an einem Backwettbewerb teilzunehmen. Das Land bereitet sich zusätzlich auf die Hochzeit des Prinzen vor. Durch einen Zufall lernt Stacy die zukünftige Braut die Herzogin Margaret kennen. Da beide aussehen wie Zwillinge beschließen sie die Rollen zu tauschen, damit Margaret einen Einblick in das normale Leben bekommen kann.

Meine Meinung: Die Geschichte vom König und Bettelknabe dürfte so ziemlich jedem bekannt sein. Hier wird sie modern interpretiert und in Prinzessin und Bäckerin umgewandelt. Allein die Ausgangssituation ist sehr abstrus, aber die Tatsache, dass Stacys bester Freund nicht mitbekommt, dass sie nicht sie selbst ist, wirkt einfach nur unglaubwürdig. Doch trotz der komplett vorhersehbaren Handlung, die in ihrem Happy end jedem Disney-Film Konkurrenz macht, schafft Vanessa Hudgens in ihrer Doppelrolle es so viel Liebenswürdigkeit reinzulegen, dass man trotz der Vorhersehbarkeit mitfiebert und sich das Happy end auch wünscht. Warum hier wieder eine Schauspielerin in eine Doppelrolle gezwängt wird, statt es vielleicht mit sehr ähnlich aussehenden Schauspielerinnen oder gar Zwillingen zu konzipieren, ist fraglich. Denn das führt wieder dazu, dass zumindest die Rolle der Herzogin sehr überzogen gespielt wird, um den Unterschied eben noch einmal klar zu machen. Hier gibt es keine Nuancen, sondern nur die Holzhammermethode.

Trashfaktor: 4/5
Weihnachtsfaktor: 2/5

Platz 4: Christmas under Wraps

Die Handlung: Dr. Lauren Brunell hat ihre ganze Karriere auf eine Stelle in Boston ausgelegt. Als sie diese nicht erhält, nimmt sie kurzerhand die Stelle im Krankenhaus einer Kleinstadt in Alaska an. Dort muss sie nicht nur mit den kalten Temperaturen klar kommen.

Meine Meinung: Der Film beginnt ganz typisch mit dem Platzen eines Traumes. Für Lauren ist dies ein Tiefpunkt in ihrem Leben, da sie immer sehr penibel alles geplant hat. Die Entscheidung nach Alaska zu gehen ist für sie ein Ausbrechen aus ihrer Komfortzone. Der Film beginnt mit allen typischen Klischees, die dazugehören. Die überfürsorgliche Mutter, der Vater, der sie in ihren Bestrebungen für die Chirurgenkarriere unterstützt. Der hübsche, aber schroffe Mann, der sie vom Flughafen abholt und dann ständig ihren Weg kreuzt, bis sie sich näher kommen. Zumindest kann man dem Film lassen, dass er einen Plotpunkt, den ich erwartet hätte – die böse, kapitalistische große Firma – auslässt. Stattdessen wird ein sehr kitschiges Ende konstruiert. Denn die ganze Stadt scheint nahezu von Weihnachten und allem drum und dran besessen zu sein. War der Film am Anfang noch der Beginn einer klassischen romantischen Komödie, so entwickelt sie sich schrittweise immer weiter zum kitschigen Weihnachtsfilm. Dabei ist die Handlung bis auf wenige Punkte sehr vorhersehbar. Der Film funktioniert dennoch erstaunlich gut, da die Charaktere sehr sympathisch sind und durch liebevolle Nebencharaktere auch Handlung abseits der großen Romanze stattfindet.

Trashfaktor: 3/5
Weihnachtsfaktor: 3/5

Platz 3: Die Weihnachtskarte

Die Handlung: Ellen kommt aus gutem Hause und gehört zu New Yorks High Society. Sie steht kurz davor die Firma ihres Vaters zu übernehmen. Als sie jedoch wieder für Negativschlagzeilen sorgt, schließt sie einen Deal mit ihrem Vater. Sie muss mit 100 Dollar auskommen und in ihre Heimatstadt reisen, um dort dem früheren Geschäftspartner ihres Vaters eine Weihnachtskarte zu bringen. Dieser ist jedoch nicht da und ihr geht schon bald das Geld aus. Zum Glück hilft ihr der Gastwirt Jake.

Meine Meinung: Auch hier beginnt der Film voller Klischees. Das Party-Girl aus gutem Haus, die natürlich mit der Realität überhaupt nicht klar kommt und auf einmal mit den „normalen“ Bürgern auskommen muss. Dazu natürlich der Verlobte, bei dem jedes Wort und jede Geste nur ausdrückt, dass er ebenfalls verzogen und reich ist und deswegen natürlich auch eingebildet und unsympathisch. Dann gibt es natürlich den „Normalo“, der zu allen nett und freundlich ist und sich ihrer annimmt. Auch der Teil danach ist absolut vorhersehbar. Aber das alles passiert mit einer Herzlichkeit, dass man sich fast in die Kleinstadt wünscht, die ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt, von dem man einfach nur ein Teil sein will. Auch die Hauptcharaktere entwickeln eine Herzlichkeit und wachsen einem ans Herz, so dass man das unausweichliche Zerwürfnis kurz vor Ende nur schwer erträgt. Letztlich transportiert der Film gute Botschaften zu Weihnachten, auch wenn vielleicht das ein oder andere Klischee ausgespart werden könnte.

Trashfaktor: 3/5
Weihnachtsfaktor: 3/5

Platz 2: The Holiday calendar

Die Handlung: Abby ist Fotografin. Doch von ihrem Traum eines eigenen Studios ist sie weit entfernt. Dann bekommt sie von ihrem Großvater einen antiken Adventskalender geschenkt. Zunächst misst sie den kleinen Figuren keine größere Bedeutung bei, doch dann häufen sich die Zufälle, so als ob der Kalender ihr die Zukunft voraussagt.

Meine Meinung: Es war der erste Film, den ich in meinem Marathon sah und ich war fast enttäuscht. Denn ich hatte mir vorgenommen möglichst viele Trash-Weihnachtsfilme auf Netflix zu sehen. Nur war the Holiday calendar gar nicht so trashig. Stattdessen musste ich mir eingestehen, dass ich ihn tatsächlich mochte. Das liegt vor allem daran, dass mir die Protagonistin mit ihren Wünschen und Träumen sofort aus der Seele sprach. Die Geschichte baut sich langsam auf und nimmt Fahrt auf. Es macht Spaß jeden Tag die Türchen und die darauffolgenden Ereignisse miteinander zu verknüpfen. Natürlich wird es auch hier vorhersehbar, sobald man die Grundstruktur des Films entschlüsselt hat. Aber das ist egal, denn genau das will man auch irgendwo haben und ein anderes Ende als dieses wäre einfach nicht haltbar. Zeitgleich versprüht der Film diese ganz besonderen Weihnachtsvibes, ohne direkt in den Kitsch zu verfallen. Gestützt wird alles von einer supersympathischen Protagonistin und ihrer Familie.

Trashfaktor: 2/5
Weihnachtsfaktor: 4/5

Platz 1: Jingle Jangle Journey

Die Handlung: Der legendäre Spielzeugerfinder Jeronicus Jangle wird von seinem Gesellen Gustafson betrogen und verliert daraufhin alles. Jahre später ist er nur noch ein Schatten seiner selbst. Bis seine Enkelin Journey ihn besucht und ihm bei seiner letzten großen Erfindung hilft.

Meine Meinung: Dass Jingle Jangle Journey vielleicht nicht unbedingt der trashigste Film auf meiner Liste sein würde, war mir eigentlich klar. Dafür sah das Vorschaubild und der Cast rund um Forrest Whittaker schon zu gut aus. Und tatsächlich bekam ich hier einen richtig tollen Weihnachtsfilm und zeitgleich: ein Musical! Dass ich Musicals liebe, ist, denke ich, bekannt. So gab es hier zunächst die traurige Hintergrundgeschichte rund um geplatzte Träume, die an die traurigen Disneyfilm-Auftakte erinnert. Dann steigen wir direkt in die eigentliche Geschichte ein. Zwischendurch vielleicht ein bisschen wirr, findet sie doch immer wieder ihren roten Faden. Unterstrichen wird das ganze von tollen Liedern, die sich gut in die jeweilige Szene fügen und einem zum mitwippen animieren. Besonders herausragend sind jedoch die super schönen Bilder und das herausragende Setdesign. Hier merkt man die Liebe zum Detail in jeder Einstellung. Dabei harmoniert jede Farbe und das Design trägt eine ganz eigene Handschrift. So birgt die Geschichte die Hoffnung und Träume rund um Weihnachten, bietet herausragende Bilder und einen Soundtrack, der im Ohr bleibt. Kurzum: der perfekte Film zu Weihnachten – sofern man Musicals mag.

Trashfaktor: 0/5
Weihnachtsfaktor: 5/5