Neulich in der Sneak: Fisherman’s Friends

Ein Vorwort

Als Reisewütige gibt es doch noch viele Sehnsuchtsorte auf meiner Liste. Die unendlichen Weiten der so nahen und doch so fernen Nachbarinsel Großbritannien gehören auf jeden Fall dazu. Auch der südliche Zipfel mit dem Namen Cornwall steht definitiv noch auf meiner Liste zu erkundender Regionen. Umso mehr freute ich mich, als in der Sneak ein Film über echte Cornwaller Urgesteine lief. Warum Fishermans Friends noch so viel mehr zu bieten hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Danny (Daniel Mays) und seine Freunde fahren für einen Junggesellenabschied in das kleine Städtchen Port Isaac in Cornwall. Die vier Londoner bringen mit ihrem Übermut so manche Dorfbewohner ein wenig auf dem Konzept. Durch Zufall sehen sie eine Gruppe Einheimischer Männer, die Chantis singen. Da sie bei einem Plattenlabel arbeiten, bringen seine Freunde Danny dazu in Cornwall zu bleiben und den Fishermans Friends einen Plattenvertrag anzubieten. Dass dies nur ein Scherz ist, ahnt dieser zu diesem Zeitpunkt nicht.

Meine Meinung

Fishermans Friends ist ein Film, der von vielen Faktoren lebt. Zum einen ist da natürlich die im Vorwort bereits erwähnte Landschaft. Schroffe Klippen, Häfen, die raue See und immer im Hintergrund die grünen Hügel Cornwalls. Allein das zu sehen ist schon eine Augenweide. Im Mittelpunkt des Films steht das kleine verträumte Dörfchen Port Isaac. Während so manch einer hier wohl gerne Urlaub machen würde, um die Seele baumeln zu lassen, treffen wir auf eine kleine Freundesgruppe aus London, die hier versuchen die Sau rauszulassen, um den Junggesellenabschied eines ihrer Freunde zu feiern. Alle vier arbeiten bei einem großen Plattenlabel und verdienen in London einen Haufen Geld, weswegen sie auch glauben, dass alle ihnen zu Füßen liegen müssten. Die Einheimischen sind von den Urlaubern jedoch eher genervt und erlauben sich gerne kleine Scherze. Auch im späteren Verlauf des Films wird immer wieder auf den Unterschied zwischen Stadt und Land eingegangen.
Der zweite Faktor sind die Charaktere. Während man am Anfang noch nicht weiß, was man von Danny halten soll, der zwischen tollpatschig, arrogant und einfach nur unsicher hin und her schwankt, schließt man die Cornischen schnell ins Herz. Sie sind zwar ein eingeschworener Verein, die kaum Einflüsse von außen an sich lassen, aber dafür zutiefst sympathisch.
Der dritte Faktor sind die Chantis. Denn während mir ein paar durchaus bekannt waren, hab ich auch Neu entdeckt. Zumal es hier eben nicht um die große Rockband oder den großen Sänger und ihren Durchbruch ging – sowie wir es gerade mit Bohemian Rhapsody und Rocketman gefeiert haben – sondern es geht um eine kleine Gesangsgruppe, die es fernab des großen Trubels trotzdem geschafft hat.
Und so ist Fishermans Friends einfach ein zutiefst sympathischer Film, der am Ende natürlich nicht ohne den großen Dramawendepunkt auskommt, dem man dieses kleine Manko aber verzeiht. Denn letztendlich verleiht er einen zum Fernweh nach Cornwall und schafft es ganz dezent gute Laune zu versprühen. Es sind eben diese kleinen Filme, die die Filmlandschaft so vielseitig macht und auch abseits von großen Blockbustern einfach funktionieren.

Das Fazit

Fisherman’s Friends ist ein sympathischer kleiner Film über eine Chantis singende Fischergruppe, mit einer Menge Heimatgefühl, aber eben auch dem Fernwehfaktor. Für den gute Laune Faktor einfach einmal ansehen! Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Fisherman’s Friends läuft seit dem 08.08.2019 in den deutschen Kinos.

Der verborgene Garten

Vor ein paar Wochen streifte ich nach einem besonders harten Arbeitstag durch eine Buchhandlung und belohnt mich selbst mit einem bereits etwas älteren Buch von Kate Morton.

Die Australierin Cassandra erfährt bei der Testamentseröffnung ihrer Großmutter Nell, dass sie ein kleines Cottage in Cornwall geerbt hat. In all den Jahren hatte Nell nichts davon erwähnt. Neugierig, was es damit auf sich hat, reist Cassandra nach Cornwall und entdeckt dabei Geheimnisse und eine Verschwörung aus längst vergangener Zeit.

Nachdem ich bereits ‚Die fernen Stunden‘, das mich absolut begeisterten, und ‚die verlorenen Spuren, das mich eher enttäuschten, von Kate Morton gelesen habe, wagte ich mich nun an eines ihrer älteren Werke.
Der Einstieg war etwas schwer, denn es wird gleich zu Anfang mehrmals in der Zeit gesprungen und einem werden Namen an den Kopf geknallt, ohne näher auf sie einzugehen, und es fällt sehr schwer einen Zusammenhang herzustellen. Dies entspannt sich jedoch schnell und wir lernen Cassandra kennen. Eine sympathische junge Frau, die gerade ihre Großmutter Nell zu Grabe tragen musste. Sie lebten zusammen in Brisbane, Australien. Doch schon bei der Beerdigungsfeier erfährt sie von den Schwestern Nells, dass diese ein Geheimnis hatte, das schwer auf ihr gelastet hatte. Wenig später taucht ein weiteres Geheimnis auf. Nell hat vor ca. 30 Jahren ein kleines Cottage in Cornwall, Großbritannien, gekauft. Welchen Bezug hatte Nell zu dem Ort und dem Cottage? Cassandra will diese Geheimnisse lüften und reist nach Cornwall. Dort mietet sie sich in dem Hotel in Blackhurst Manor, einst ein prachtvolles Herrenhaus, zudem auch das Cottage gehört. Auf der Suche nach Antworten findet Cassandra nicht nur einen geheimen Garten.
Mortons Schreibstil ist flüssig und lässt sich gut lesen. Gleichzeitig lassen die Beschreibungen der Gegenden und Häuser einen in eine ganz andere Zeit träumen. Lediglich die Fülle an Zeitlinien ist mitunter etwas verwirrend. Doch nachdem man am Anfang komplett den Überblick verloren hat, pendelt es sich auf drei Zeitstränge ein: 1905-1913, 1976 und 2005. Dabei werden sehr viele Geschichten der einzelnen Personen erzählt, was stark an den Schreibstils Victor Hugos (Die Elenden) erinnert. Das hilft sich über jeden Charakter Gedanken zu machen und somit eine eigene Meinung zu bilden, ob man die Handlungen der Personen nachvollziehen kann. Die erste Hälfte des Buches zieht sich dadurch beim Lesen etwas, aber dafür wird man in der zweiten Hälfte umso mehr belohnt. Mitunter sorgt es dafür, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte und man unbedingt auch das letzte Geheimnis aufklären möchte.

Der verborgene Garten vereint Vergangenheit und Gegenwart in einem, was eine schöne Mischung ergibt. Die sympathischen und unsympathischen Charaktere sind ausgewogen und man wird immer gerade genug mit Informationen zu den Geheimnissen versorgt, um mehr erfahren zu wollen. Eingerahmt in die sonnige Kulisse Australiens und in die verzaubernde Kulisse Cornwalls lädt das Buch zum Träumen ein.