Die Filmreise-Challenge: Weltreise 1.1

Bereits im Januar 2018 flatterte eine Einladung in mein Postfach. Mein geschätzter Bloggerkollege Ma-Go lud mich zu einer Filmreise ein. Dabei hatte er mich sofort für die Challenge gewonnen, trug die doch die gelungene Kombination aus Film und Reise im Titel. Als filmliebende Tourismuskauffrau konnte ich unmöglich widerstehen. Ich machte mich auch gleich daran den Plan für die Aufgaben auszuarbeiten. Die ersten Filme sah ich auch relativ zügig. Doch dann kam das, was mir ständig passierte. Ich fing an zu prokrastinieren. Und so zogen Monate, ja fast Jahre ins Land. Doch nun möchte ich endlich meinen ersten Beitrag beisteuern. Da ich bei solchen Challenges selten einen Beitrag pro Film schaffe, fasse ich auch hier wieder mehrere Filme zusammen. So begann ich mit der Weltreise und möchte euch nun von meinen ersten fünf Filmen berichten.

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Was ist die Filmreise-Challenge?

Hierbei handelt es sich ein Projekt von Bloggern für Blogger bzw. für alle Filmfans da draußen. In 70 Aufgaben geteilt in 7 Kategorien soll der filmische Horizont erweitert werden, in dem man sich mit anderen Welten/Kulturen/Menschen/Filmen auseinander setzt.

Pauschalreise oder Abenteuerreise?

Die 70 Aufgaben sind in zwei Kategorien unterteilt. Während die Pauschalreiseaufgaben sehr offen gehalten sind und viel Wahlmöglichkeit lassen, präzisiert die Abenteuerreise einzelne Aufgaben noch einmal. Meine Wahl fiel – um es mir noch einmal schwerer zu machen – auf die Abenteuerreise.

Worum geht es bei der Weltreise?

Die Weltreise hat als übergreifendes Thema Filme aus anderen Ländern. Dabei geht es vor allem darum mal abseits des Mainstreamkinos aus Hollywood oder auch Deutschland/Frankreich/Großbritannien (die noch am ehesten in die deutschen Kinos gelangen) zu schauen, was für Filme werden in anderen Ländern produziert.

Detaillierte Informationen findet ihr in den verlinkten Überschriften meiner Erklärungen.

Und die Reise beginnt…

Es ist soweit. Ich habe meinen Koffer gepackt. Es dürfte für alle Eventualitäten etwas eingepackt sein, aber wie ich mich kenne, habe ich sowieso wieder irgendetwas vergessen. Schnell kontrolliere ich, ob ich auch wirklich meinen Pass eingepackt habe, alle nötigen Visa sind genehmigt und ebenfalls in meinem Rucksack verstaut. Langsam werde ich hibbelig. Die Zeit ist reif. Ich steige zum ersten Mal ins Flugzeug. Für meinen ersten Stopp fliege ich gleich fast ans Ende der Welt. Mein Ziel: Australien. Die Insel, die gleich ein Kontinent für sich bildet, will mir endlich einmal die kleine Mary vorstellen.

Film: Mary & Max – oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet? – Australien, 2009
Ich treffe Mary erstmals im Jahr 1976. Sie ist ein neugieriges jungen Mädchen, als Knetfigur animiert, das mit einer kleptomanischen Alkoholikermutter und einem viel arbeitenden Vater zusammen lebt. Ihre Neugier kennt keine Grenzen. Vor allem interessiert sie, ob die Dinge im entfernten Amerika genauso sind, wie ihr Großvater es ihr für Australien erklärt. Also schreibt sie einen Brief und wählt im Telefonbuch durch Zufall den Mitt-Vierziger Max aus. Max ist Asperger-Autist und zunächst mit dem Brief der kleinen Mary völlig überfordert. Doch schließlich beschließt er zu antworten und es entsteht eine Brieffreundschaft. Über die Jahre schreiben sich die beiden immer wieder und Mary erzählt von ihrem Leben, das von Ängsten und Introvertiertheit geprägt ist, während ihr Max von seiner ganz eigenen Weltanschauung erzählt.
Mein Australienurlaub lässt mich ein wenig ratlos zurück. So grundsympathisch die beiden Charaktere auch sind, so wenig komm ich wirklich in ihre Geschichte rein. Sie ist immer mit einer gewissen Distanz erzählt, so dass ich mich am Ende keinen von beidem näher fühle. Zumal die Erzählweise selbst sich an das jüngere Publikum wendet, mit Themen, wie Alkoholsucht, Depressionen und ähnlichem aber für ein FSK 12 in Deutschland sorgt. So hat der Film eigentlich keinen direkten Adressaten und verläuft im Sande. Schade, war der Ansatz doch gut.

Film: Oldboy – Südkorea, 2003
Von Australien aus, steige ich sofort wieder in den Flieger. Mein nächstes Ziel ist Südkorea. Mit Oldboy schlage ich gleich drei Sachen mit einer Klappe. Sie passt zur Filmreise-Challenge als Film aus Fernost (Japan/China/Korea), stand auf meiner Bucketlist und wurde groß angepriesen in „1001 Filme, die Sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist“. Umso gespannter war ich Oh Dae-su (Choi Min-sik) kennenzulernen. Ich finde ihn in keinem guten Zustand vor. Bereits seit 15 Jahren ist er in ein Zimmer eingesperrt. Er hat eine Liste erstellt, wer ihn entführt haben könnte, die ihn jeden Tag antreibt. Fasziniert beobachte ich, wie er durch ein zufällig erhaltenes zusätzliches Essstäbchen versucht, sich ein Loch in die Freiheit zu schaben. Und tatsächlich schafft er es. Doch nach der gescheiterten Suche nach seiner Tochter, treibt ihn Rache an. Er versucht herauszufinden, wer ihn entführt und eingesperrt hat.
Geschockt fliege ich aus Südkorea weiter. Oldboy ist ein kompromissloser Rachethriller, der sich dem Thema trotz seiner eigentlich sehr ruhigen Erzählweise von mehreren Seiten schonungslos nähert. Was mir gefallen hat, ist dass es kein direktes Denken in Gut und Böse gibt, sondern sich alle Charaktere irgendwo im Graubereich aufhalten. Vor allem die Erzählstruktur unterscheidet sich sehr von bekannten Vertretern Hollywoods. 2013 versuchte Hollywood zwar in einem Remake seine Version daraus zu machen, scheiterte aber, wenn man den Kritikern glauben darf.

Film: Nader & Simin – Iran, 2011
Filmtechnisch bereits habe ich den Iran bisher eher nur, wenn Hollywood mal wieder einen Agenten in die Richtung schickte. Doch nun steige ich aus dem Flugzeug und stehe erstmals aus iranischer Sicht im heißen Teheran. Hier soll ich mich mit Nader (Peyman Maadi) treffen. Doch der ist gerade sehr überfordert. Seine Frau Simin (Leila Hatami) wollte zusammen mit ihn und der 11-jährigen gemeinsamen Tochter Termeh eigentlich das Land verlassen und hatten dafür bei der Behörde bereits alle Genehmigungen. Doch Nader hat einen Rückzieher gemacht, weil er seinen pflegebedürftigen Vater nicht zurücklassen will. Enttäuscht will Simin nun die Scheidung und ist zurück zu ihrer Mutter gezogen. Nader ist zwar gewillt, der Scheidung zuzustimmen, will aber Termeh die Ausreise verbieten. Doch wäre das Problem noch nicht genug, hat Simin noch eine Haushaltskraft eingestellt. Die strang gläubige Razieh sieht sich jedoch schnell überfordert sich anständig um Naders Vater zu kümmern. So kommt es zum Verwürfnis zwischen Razieh und Nader, die damit endet, dass sich beide vor Gericht wiederfinden. Die Anklage: Nader soll bei dem Versuch Razieh aus der Wohnung zu bekommen, dafür verantwortlich sein, dass diese ihr ungeborenes Baby verlor.
Im Iran kam mir tatsächlich die dramatische Erzählstruktur sehr bekannt vor, da sie dem bekannten Schema sehr ähnelt. Hier ist das Neue eher die Kultur. Die Gesetze, die einer Frau noch immer weniger Rechte einräumt als einem Mann, und vorallem die Nähe zum Koran im alltäglichen Leben, ist mir im filmischen Sinn eher neu. Hier hatte ich also neben einer neuen Geschichte auch eine neue Kultur zu erkunden. Die Geschichte selbst ist stark gespielt und gewann 2012 den besten fremdsprachigen Oscar – der erste für Iran.

Film: Eine Frau namens Yesterday – Südafrika, 2004
Nach der unterbittlichen Sonne im Iran, sah ich mich gewappnet, für ein weiteres eher warmes Land. Südafrika – das Land mit 11 Amtssprachen und einer unvergleichbaren abwechslungsreichen Landschaft. Aber bevor ich zu sehr abschweife, treffe ich mich lieber mit Yesterday.
Diese hat mit einem starken Husten zu kämpfen. Der Fußweg zum Arzt ist lang und Sprechstunde ist nur einmal wöchentlich. Trotzdem nimmt Yesterday den Fußweg auf sich, steht dann aber in der Schlange so weit hinten, dass sie nicht mehr dran kommt. Nachdem dies drei Wochen hintereinander passiert und ihr Husten immer schlimmer wird, spendiert ihr eine befreundete Lehrerin des Dorfes eine Taxifahrt. Die Ärztin nimmt ihr Blut ab und stellt die Diagnose: HIV. Da sie die Krankheit nur von ihrem Mann erhalten haben kann, fährt sie nach Johannesburg, um John davon zu erzählen. Der reagiert jedoch zornig und verprügelt seine Frau. Im darauffolgenden Winter sitzt John eines Tages vor Yesterdays Tür. Er hat ebenfalls HIV und bereits fortgeschritten krank. Als die Dorfbewohner jedoch von der Krankheit erfahren, wollen sie die Familie verjagen, da in Folge mangelnder Aufklärung alle eine Ansteckung befürchten. Doch Yesterday lässt sich nicht unterkriegen und baut trotz Krankheit vor dem Dorf eine Hütte für sich und ihren Mann.
Südafrika zeigt mir zum ersten Mal, wie froh wir doch über unsere ärztliche Versorgung sein können. Jammern wir doch gerne mal über die langen Wartezeiten bei Fachärzten, so müssen wir doch nicht stundenlang laufen, um überhaupt mal einen Arzt zu Gesicht zu bekommen. Der Film holt einen dadurch in ernster Instanz wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. In zweiter Instanz zeigt er uns eine lebensbejaende Frau, die trotz aller Steine auf ihrem Weg versucht, hoffnungsvoll zu bleiben. Und obwohl der Film der erste war, der als Spielfilm in Zulu gedreht wurde, schaffte er es sogleich eine Nominierung als bester fremdsprachiger Oscar zu bekommen – verlor dann gegen Spaniens „Das Meer in mir“.

Film: No Man’s Land – Bosnien-Herzegowina, 2001
Nachdem ich nun bereits einige Kontinente bereist habe, zieht es mich erst einmal zurück nach Europa. Allerdings auch in eine eher unschöne noch nicht allzu entfernte Vergangenheit im östlichen Europa. Genauer gesagt ins Jahr 1993 zum Jugoslawienkrieg.
Hier finde ich mich in einer etwas misslichen Situation wieder. Irgendwie habe ich es geschafft zwischen die Fronten der Bosnier und der Serben zu geraten und befinde mich im sogenannten „Niemandsland“. Hier finde ich eine etwas groteske Situation vor. Der Bosnier Ciki (Branko Duric) wurde losgeschickt, um das Gebiet zu erkunden und findet dort den Serben Nino (Rene Bitorajac) und den auf einer Druckmine liegenden Bosnier Cera (Filip Sovagovic) vor. Sollte sich Cera bewegen und damit den Druck auf die Mine verändern, würden alle drei in die Luft fliegen. Also versuchen sie sowohl ihre Einheiten auf sich aufmerksam zu machen, als auch die Blauhelme der UN. Diese dürfen sich zunächst nicht einmischen, da sie angehalten sind, sich nicht in Gefahr zu bringen. Als sich dann auch noch die Presse einschaltet und daraus einen Skandal macht, ist das Chaos perfekt.
No Man’s Land ist ein Film, der über eine unglaublich groteske Situation berichtet und diese immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet. So ist der Film an vielen Stellen gewollt unfreiwillig komisch, präsentiert aber doch ein erschütterndes Thema. Das Gelungene am Film ist, dass er nicht nach Ursachen sucht oder Erklärungen bringt, warum und wieso der Krieg entstand. Hier gibt es nicht „die Guten“ und „die Bösen“, sondern nur drei Männer, die einfach nur nicht sterben wollen. Zwischendurch stellen sie fest, dass sie obwohl als Feinde aus den gleichen Gründen und mit den gleichen Begründungen kämpfen. Es fasst die Kritik am Jugoslawienkrieg, den Blauhelmen und der Presse gekonnt zusammen.

Nachdem ich es irgendwie wieder heil aus dem Kriegsgebiet geschafft habe, ist meine Filmreise erst einmal wieder beendet. Glücklich lasse ich mich wieder auf meiner Couch fallen. Spaß gemacht hat die Reise. Voller Vorfreude sehe ich mir meinen kommenden Reiseplan an. Das wird auch wieder eine aufregende Reise.

Frühstück mit Kängurus

Ein Vorwort

Er gilt als einer der besten Autoren für Reiseliteratur. Bill Bryson. Während mich seine Berichte über Großbritannien (Reif für die Insel) und die USA (Streiflichter aus Amerika) nicht so wirklich begeistern konnten, rief ich mir ins Gedächtnis, dass nun mal alle guten Dinge drei sind. So gab ich Mr. Bryson noch eine Chance und legte mir sein Werk „Frühstück mit Kängurus“ zu, da es mir noch einmal von einer Freundin empfohlen wurde. Wagemutig nahm ich es also als eines von drei Büchern mit in meinen Marokkourlaub, wohl wissend, dass wenn es mich wieder langweilt, ich nicht so schnell an ein Ersatzbuch kommen würde. Aber ob es nun die marokkanische Sonne war, die im März während in Deutschland alle froren auf meinen Bauch schien, oder das fremdländische Australien war, auf jeden Fall bereute ich meine Entscheidung nicht!

Die Handlung

Bill Bryson unternimmt insgesamt drei Reisen nach Australien, über die er auch genauer berichtet. Eine Zugreise von West nach Ost, eine Reise entlang der Ostküste und eine Reise ins Outback. Alle Reisen beschreibt er mit einer hübschen Portion Witz und Selbstironie und verpackt das ganze mit Geschichten rund um das Australien, das bisher kaum einer kennenlernte.

Meine Meinung

Der Schreibstil von Bill Bryson war auch bei den vorherigen Werken nie das Problem beim Lesen. Denn Witz und Selbstironie wechseln sich hier gekonnt mit Pointen und interessanten Hintergrundgeschichten ab, so dass das Lesen einem leicht fällt. In diesem Werk sind diese Hintergrundgeschichten jedoch wesentlich spannender, als noch in Reif für die Insel. Vielleicht ein Punkt, wieso sich Frühstück mit Kängurus so wunderbar einfach weg liest. Die knapp über 400 Seiten gehen nahtlos ineinander über und gäbe es keine klare Kapitelabgrenzungen, dann würde man wohl das ganze Buch einfach in einem Stück lesen.
Das Buch teilt sich in drei Abschnitte, wobei der zweite Teil (der gleichzeitig auch der interessanteste ist) den größten Platz einnimmt. Jeder beschäftigt sich mit einer von den drei Reisen Brysons. Die erste mit der Zugreise von West- nach Ostaustralien war wohl auch die Reise, die am wenigsten spannend war. Das dürfte wohl daran liegen, dass Bryson dort die meiste Zeit im Zug saß und nur ab und an mal nach draußen sah. Doch wer diesen Abschnitt geschafft hat, bekommt das Herzstück des Buches präsentiert. Das liegt vor allem daran, dass die Ostküste von Adelaide, Canberra, Melbourne und Sydney (unter anderem) handelt und dies auch dem Australienfremden ein Begriff sein dürfte. Der dritte Teil, der sich mit dem Outback befasst, wurde dann wieder etwas langatmiger, aber immer noch spannend, auch wenn der bekannteste Ort hier Alice Springs mit dem Uluru (ehemals Ayers Rock) sein dürfte. Auf jeden Fall lernt man Australien aus den verschiedenen geographischen Gesichtspunkten kennen. Aber Bryson lässt es sich nicht nehmen, den Leser auch hinsichtlich der australischen Geschichte aufzuklären und dabei auch das unliebsame Kapitel der Aborigines nicht auszulassen, lässt aber auch hier immer wieder Meinungen von Australiern einfließen, so dass es keine reine Außenbetrachtung wird. Ebenso spricht er Politik, Wirtschaft und Städteplanung mit an, so dass für gute Abwechslung der Anekdoten gesorgt ist.
Der wichtigste Aspekt ist aber, dass man während des gesamten Buches Brysons Begeisterung für das Land spürt und dabei unweigerlich das Fernweh geweckt wird. Die Begeisterung schlägt auf den Leser über und man merkt, wie man im Kopf die Preise für Australien überschlägt und durchrechnet, wie lange man dafür sparen muss. Und das ist das größte Kompliment, dass man einer Reiseliteratur machen kann.

Das Fazit

Frühstück mit Kängurus ist witzig und gleichzeitig interessant geschrieben, lässt sich gut weg lesen und schürt dabei ordentlich das Fernweh. Bisher Brysons stärkstes Werk (gemessen an den bisher gelesenen).

Der verborgene Garten

Vor ein paar Wochen streifte ich nach einem besonders harten Arbeitstag durch eine Buchhandlung und belohnt mich selbst mit einem bereits etwas älteren Buch von Kate Morton.

Die Australierin Cassandra erfährt bei der Testamentseröffnung ihrer Großmutter Nell, dass sie ein kleines Cottage in Cornwall geerbt hat. In all den Jahren hatte Nell nichts davon erwähnt. Neugierig, was es damit auf sich hat, reist Cassandra nach Cornwall und entdeckt dabei Geheimnisse und eine Verschwörung aus längst vergangener Zeit.

Nachdem ich bereits ‚Die fernen Stunden‘, das mich absolut begeisterten, und ‚die verlorenen Spuren, das mich eher enttäuschten, von Kate Morton gelesen habe, wagte ich mich nun an eines ihrer älteren Werke.
Der Einstieg war etwas schwer, denn es wird gleich zu Anfang mehrmals in der Zeit gesprungen und einem werden Namen an den Kopf geknallt, ohne näher auf sie einzugehen, und es fällt sehr schwer einen Zusammenhang herzustellen. Dies entspannt sich jedoch schnell und wir lernen Cassandra kennen. Eine sympathische junge Frau, die gerade ihre Großmutter Nell zu Grabe tragen musste. Sie lebten zusammen in Brisbane, Australien. Doch schon bei der Beerdigungsfeier erfährt sie von den Schwestern Nells, dass diese ein Geheimnis hatte, das schwer auf ihr gelastet hatte. Wenig später taucht ein weiteres Geheimnis auf. Nell hat vor ca. 30 Jahren ein kleines Cottage in Cornwall, Großbritannien, gekauft. Welchen Bezug hatte Nell zu dem Ort und dem Cottage? Cassandra will diese Geheimnisse lüften und reist nach Cornwall. Dort mietet sie sich in dem Hotel in Blackhurst Manor, einst ein prachtvolles Herrenhaus, zudem auch das Cottage gehört. Auf der Suche nach Antworten findet Cassandra nicht nur einen geheimen Garten.
Mortons Schreibstil ist flüssig und lässt sich gut lesen. Gleichzeitig lassen die Beschreibungen der Gegenden und Häuser einen in eine ganz andere Zeit träumen. Lediglich die Fülle an Zeitlinien ist mitunter etwas verwirrend. Doch nachdem man am Anfang komplett den Überblick verloren hat, pendelt es sich auf drei Zeitstränge ein: 1905-1913, 1976 und 2005. Dabei werden sehr viele Geschichten der einzelnen Personen erzählt, was stark an den Schreibstils Victor Hugos (Die Elenden) erinnert. Das hilft sich über jeden Charakter Gedanken zu machen und somit eine eigene Meinung zu bilden, ob man die Handlungen der Personen nachvollziehen kann. Die erste Hälfte des Buches zieht sich dadurch beim Lesen etwas, aber dafür wird man in der zweiten Hälfte umso mehr belohnt. Mitunter sorgt es dafür, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte und man unbedingt auch das letzte Geheimnis aufklären möchte.

Der verborgene Garten vereint Vergangenheit und Gegenwart in einem, was eine schöne Mischung ergibt. Die sympathischen und unsympathischen Charaktere sind ausgewogen und man wird immer gerade genug mit Informationen zu den Geheimnissen versorgt, um mehr erfahren zu wollen. Eingerahmt in die sonnige Kulisse Australiens und in die verzaubernde Kulisse Cornwalls lädt das Buch zum Träumen ein.

Der Babadook

Am 07.05.2015 erschien der australische Horrorfilm in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Amelia Vanek verlor ihren Mann am Tag der Geburt ihres Sohnes Samuel. Sieben Jahre später ist das Verhältniss zwischen Mutter und Sohn noch immer angespannt. Samuel hat Alpträume von Monstern und baut deswegen eigene Waffen. Amelia verzweifelt in ihrer Rolle als alleinerziehender Mutter und Pflegerin. Eines Abends liest sie Samuel ein Buch über den Babadook vor. Seitdem passieren immer seltsamere Sachen im Hause Vanek.

Der Babadook ist ein als Horrorfilm getarntes Familiendrama. Das gestörte Verhältnis zwischen Mutter und Sohn durch den Tod des Vaters zieht sich durch den ganzen Film. Daher ist den klassischen Horrorfilmgängern eher davon abzuraten. Der Babadook kommt aber auch ohne große Klitschee aus und bedient sich eher der Technik, dass Effekte langsam aufgebaut werden und es daher keine großen Schockmomente gibt,  man aber doch laufend erschaudert. Der eigentliche Horror ist auf der zwischenmenschlichen Ebene zu finden. Wer grundsätzlich eine Abneigung gegen Kinder und besonders gegenüber nervigen Kindern hat, der sollte diesen Film definitiv meiden. Denn Samuel kann nerven! Ich persönlich war schon nach ein paar Minuten so genervt, dass ich am liebsten die Leinwand angeschrien hätte oder in den Film springen wollte, um Samuel eine links und eine rechts zu geben, damit er endlich ruhig ist. Aber auch Amelia, die Mutter, schafft es einen zu nerven mit ihrer Art. Pausenlos trauert sie um ihren verstorbenen Mann und fühlt sich von jedem im Stich gelassen.
Die eigentliche Figur des Babadook, ein aus einem Kinderbuch entsprungenem Alptraum, wird in diesem Film leider etwas stiefmütterlich behandelt. Eigentlich das Horrorelement im Film, dass den Film unterscheidet von einem Familiendrama, erzeugt zwar die Gruselelemente, wird aber nur wenig gezeigt und auch kaum erklärt. Das ist doch ziemlich schade, denn mit dem, was der Zuschauer über den Babadook erfährt, wäre er eine tolle Horrorfigur geworden.
Auch habe ich von Zuschauern, die in meiner Umgebung saßen gehört, dass kaum einer das Ende wirklich verstanden hat. Das liegt wohl vorallem daran, dass man in das Ende viel hinein interpretieren musste, um zu einem sinnvollen Schluss zu kommen und das ist nicht das, was ich von einem guten Horrorfilm erwarte.

Alles in allem hätte der Film ziemlich gut werden können, da er sich eigentlich einer guter Gruselatmosphäre und langsam aufbauenden Gruselmomenten bedient, aber im Zuge des Familiendramas wird die eigentliche Horrorhandlung leider zu sehr vernachlässigt. Daher erhält der Film nur 04 von 10 möglichen Punkten.