Sisters

Am 11.02.2016 erschien ein neuer Film über etwas ungleiche Schwestern in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Maura und Kate Ellis sind zwar Schwestern, aber vom Charakter her sehr ungleich. Als ihre Eltern das Haus ihrer Kindheit verkaufen, müssen die beiden notgedrungen ihre früheren Kinderzimmer räumen. Allein in dem großen Haus kommt ihnen die Idee einer letzten großen berüchtigten Ellis Party. Schnell werden die Freunde von früher eingeladen und das Chaos kann beginnen.

Sisters scheint auf den ersten Blick alle Klischees eines typischen Schwesternfilms zu erfüllen. Zwei Schwestern, beide sehr unterschiedlich, treffen wieder auf einander und bäm herrscht Chaos. Doch so leicht ist Sisters nicht zu durchschauen. Denn hier werden auch noch ganz andere Geschichten erzählt: Die Verantwortungen beim Erwachsen werden, verschiedene Arten am Erwachsen werden zu scheitern und die Verantwortungen einer Mutter.
Amy Poehler übernimmt die Rolle der Maura Ellis. Sie arbeitet im Krankenhaus und hat ein schönes Haus. Doch sie ist geschieden und kommt darüber nicht hinweg und fühlt sich öfter einsam. Daher skyped sie beinahe täglich mit ihren Eltern. Von den beiden Schwestern war sie immer die bedachte, die alles doppelt und dreifach überdacht hat. Sie hat auf den Partys immer die Mutti gespielt, den anderen beim Kotzen die Haare gehalten und den Zerstörungsgrad in Grenzen gehalten. Bei der letzten Party im Elternhaus möchte sie einmal Kates Rolle übernehmen und richtig die Sau rauslassen.
Tina Fey übernimmt die Rolle der Kate Ellis. Sie hat eine Ausbildung zur Kosmetikerin gemacht, findet aber keine Anstellung, oder verliert diese sehr schnell wieder. Eine Wohnung kann sie sich für sich und ihre Tochter nicht leisten, sondern nistet sich immer wieder bei Freunden ein. Ihre Tochter scheint erwachsener als sie zu sein und verschwindet immer wieder auf unbestimmte Zeit, weil sie den Lebensstil Kates nicht erträgt. Von den beiden Schwestern war sie immer diejenige, die alles intuitiv entschieden hat und daher ohne Plan durchs Leben stolpert. Auf den Ellis Partys hat sie immer die Sau rausgelassen, Typen abgeschleppt und sich betrunken. Bei der letzten Party im Elternhaus soll sie einmal Verantwortung übernehmen und die Mutti spielen.
Sisters geht mit den angesprochenen Themen sehr locker um. Sie sind da, werden aber nicht zwangsläufig vertieft. Das sorgt für eine lockere Atmosphäre und ein einfaches Sehgefühl, aber es sorgt auch dafür, dass sich der Film von vergleichbaren abhebt. Der Spannungsaufbau ist sehr einfach gehalten. Zunächst werden die Charaktere und ihre Lebensweisen vorgestellt, dann erfolgt ein Settingwechsel zurück ins Elternhaus. Dort wird die Idee der letzten Party geboren, die dann auch ausladend gefeiert wird. Viele Handlungsteile sind vorhersehbar und natürlich wird auf der Party in allen Gebieten übertrieben. Trotzdem bleibt der Film spannend und einige Gags bringen neuen Wind ins Genre, denn sie schaffen es tatsächlich erst gegen Ende ins Übertriebene und unter die Gürtellinie abzudriften. Davor sind sie gut durchdacht und bringen das Publikum berechtigt zum lachen. Die Charaktere sind durchdacht und abseits der Stange zu finden. Natürlich werden auch hier Klischees bedient und nicht jeder Charakter bekommt eine Entwicklung, aber doch wird sich mehr Mühe gegeben als bei vergleichbaren Filmen. Am Ende schafft der Film es leider nicht das vorherige Niveau zu halten und sackt stark ab, was schade ist. Aber bis zum Ende kann man den Film gut ansehen. Das liegt vor allem auch an der unübersehbaren Dynamik zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen, die dem Film einen ganz eigenen Charme geben.

Alles in allem ist Sisters ein Film, der versucht neuen Wind ins Genre zu bringen, gegen Ende aber stark abdriftet. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Eddie the Eagle – Alles ist möglich

Am 31.03.2016 erscheint ein Film über den britischen Skispringer Michael Edwards in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Michael „Eddie“ Edwards hat nur einen Traum. Er möchte zu den Olympischen Spielen. Nur ist er nicht wirklich dafür geeignet. Doch allen Kritikern zum trotz schafft er es sich für die olympischen Sommerspiele 1988 in Calgary zu qualifizieren und erobert durch seine einzigartige Art die Herzen aller.

In Eddie the Eagle geht es um den Traum eines Jungens, der niemals aufgab. Das schönste an dieser überaus berührenden Geschichte: Sie ist wahr. Eddie Edwards möchte schon als Kind zu den olympischen Spielen. Doch durch seine Beinschiene ist er gehandicapted. Also möchte er zu den Paralympics. Doch ein paar Jahre später kommt die Schiene ab und nun scheint nichts mehr Eddie zu stoppen. Außer der Tatsache, dass er sportlich nicht begabt ist. Als ihm sein Vater das in aller Deutlichkeit erklärt, hört Eddie zwar aufmerksam zu, versteht aber nur, dass er viel geeigneter für die olympischen Winterspiele ist. Auf den Skiern qualifiziert er sich beinahe für die Disziplin Abfahrt. Doch der britische Sportbund will ihn nicht dabei haben. Denn durch seine eigene Art, die eine große Naivität aufweist und einen gewissen Grad an Tollpatschigkeit hat, wird er von Kollegen gemieden und ist nicht gerade ein Vorzeigesportler. Doch statt aufzugeben, beschließt Eddie nun Skispringer zu werden. Dafür fährt er mit seinen Skiern im Gepäck nach Deutschland. Dort springt er ohne Erfahrung und ohne eine Technik vom 15m Turm. Da er den Sprung ohne weiteres schafft, versucht er sich nun am 30m Turm. Doch da stürzt er und zieht sich erste Verletzungen zu. Also beschließt er einen Lehrer zu suchen und findet diesen in dem ehemaligen Skispringer Bronson Peary, der in Ungnade viel und daher mit dem Springen aufhören musste. Mit Edwards und Peary trafen Welten aufeinander, aber trotz vieler Hindernisse schafft Eddie es und qualifiziert sich für die olympischen Winterspiele 1988 in Calgary.
Eddie the Eagle hat zu Recht den deutschen Beinamen „Alles ist möglich“. Denn der Film erzählt zwar die Geschichte von Eddie Edwards, hat aber auch die Aussage, dass man alles schaffen kann, wenn man es nur wirklich versucht. Eddie schafft es innerhalb von zwei Jahren vom unsportlichen Tollpatsch zum Teilnehmer an den olympischen Spielen. Und das nur weil er einen großen Traum hatte und niemals aufgab. Er akzeptierte keine Neins und versuchte alles. Es ging ihm nie ums Gewinnen, sondern immer nur darum teilzunehmen. Die Geschichte wird im Film sehr liebevoll und respektvoll erzählt. Der Zuschauer kann sich leicht in Eddie hineinversetzen und er ist ein so sympathischer Charakter, dass man ihn nicht belächelt, sondern höchstens über die ein oder andere Aussage. Der Film bleibt trotz einer sehr lockeren Erzählweise ohne großen Spannungsbogen durchgehend spannend. Der Zuschauer hofft, fühlt, bangt mit Eddie und nicht selten werden die Augen zugehalten, wenn Eddie wieder einen neuen Sprung ausprobiert.
Einen großen Beitrag zu der sympathischen Figur trägt Taron Egerton, der den Eddie Edwards verkörpert. Er schafft es die Rolle authentisch herüberzubringen und Eddies naive Art nicht lächerlich erscheinen zu lassen, was eine sehr starke schauspielerische Leistung ist. Doch mit viel eigenem Charme und Witz kam ein Charakter heraus, den man einfach nur knuddeln möchte.
Als sein Trainer und Gegenpol wurde Hugh Jackman gecastet, der durch seine coole und lässige Art ebenfalls überzeugt. Er übernimmt die Rolle des Bronson Peary einem ehemaligen Skispringer, der in Ungnade fiel und daher vom Skispringen ausgeschlossen wurde. Er jobbte nun auf einer Skischanze, wo er Eddie kennenlernte, der nicht locker ließ und Peary als Trainer wollte. Dieser will davon nichts wissen, bis er Eddies unbrechbaren Willen kennenlernt. Immer mit einem Flachmann bewaffnet und immer einen sarkastischen Spruch auf den Lippen, und trotzdem ist auch Peary eine Sympathiefigur des Films.

Alles in allem ist Eddie the Eagle ein durch und durch sympathischer Film, der gute Laune versprüht und zudem noch eine schöne Botschaft übermittelt. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Erschütternde Wahrheit

Am 18.02.2016 erschien ein Film über eine wahre Geschichte, die zu einem Skandal beim NFL sorgte, in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Bennet Omalu ist ein Gerichtsmediziner mit etwas eigenartigen Methoden. Doch als ein berühmter ehemaliger Footballspieler bei ihm auf dem Tisch landet, entdeckt er eine Krankheit, die bei Footballspielern durch die ständigen Erschütterungen im Gehirn verursacht wird. Die Spieler machen kurz vorher eine große Charakterveränderung durch, ehe sie entweder Herzinfarkten sterben oder sogar Selbstmord begehen. Als Omalu seine Forschungen veröffentlich, streitet die NFL alles ab und greifen Omalu öffentlich an. Ein Kampf um die Wahrheit entbrennt.

Bennet Omalus Vorgehensweise in den Sälen der Gerichtsmedizin erscheinen auf dem ersten Blick sehr merkwürdig. Er spricht mit seinen Patienten, die aber ja bereits tot sind. Dabei bittet er immer um ihre Mithilfe, ihren Tod aufzuklären. Und es hilft. Doch als er einen ehemaligen Footballspieler auf dem Tisch hat und entdeckt, dass dieser in Folge der vielen vielen Kopfstöße in seiner Profikarriere gestorben ist, stößt er an seine Grenzen. Denn die Veröffentlichung zieht einen Skandal bei der NFL nach sich. Dieser lässt die Vorwürfe natürlich nicht auf sich sitzen und wettert gegen Omalu und ist als riesige Instition weitaus mächtiger als Omalu. Hilfe findet Omalu in Dr. Julian Bailes, einem ehemaligen Mannschaftsarzt.
Der Film ist in zwei Hälften geteilt. In der ersten Hälfte geht es um die Entdeckung der Krankheit und ihrer Folgen. Hier wird die Diagnose bis ins letzte Detail geprüft. In der zweiten Hälfte geht es um die „Schlacht“ gegen die NFL, der natürlich alles abstreitet und gegen Omalu wettert. Zwar ist die eigentliche Thematik spannend und wie der Titel schon sagt erschütternd, aber der Film ist es nicht. Das liegt vor allem an einem sehr schlechten Schnitt. Auf unwichtige Szenen wird die Kamera ewig gehalten, während entscheidende Szenen nur kurz gezeigt werden und dann ein abrupter Schnitt erfolgt. Dadurch wird jeglicher Bezug zum eigentlichen Thema verloren. Als bestes Beispiel ist hier die Szene, in der Omalu seiner Freundin anhand eines Apfels in einem Glas versucht zu zeigen, was mit dem Gehirn bei ständigen Stößen passiert. Omalu schüttelt und schüttelt, man wartet auf die Pointe, aber stattdessen gibt es einen Cut. Und man bleibt zurück mit einem „Was sollte mir das jetzt sagen?“. Auch die Nebengeschichte mit Omalus späterer Frau scheint einfach nur unpassend und fehl am Platz. Zwar wurde sie wahrscheinlich aus biographischer Richtigkeit aufgenommen und um Omalus Charakter ein wenig Tiefe zu geben, aber im Endeffekt verlängert sie den Film unnötig und bietet keinen großen Einblick in Omalus Wesen. Stattdessen ist sie wieder eine Liebesgeschichte, die vom eigentlichen Thema ablenkt. Hier hätte statt auf biogrphischer Genauigkeit lieber auf gute Filmtechnik der Augenmerk liegen sollen.  Allgemein sympathisiert man nicht mit Omalu, was für den Film kontraproduktiv ist, da er als der „Held“ der Geschichte gilt. Will Smith in der Rolle des Bennet Omalu brilliert durch seinen angelernten nigerianischen Akzent, überzeugt ansonsten aber nicht. Seine Mimik bleibt auch in Schlüsselszenen ausdruckslos und gibt dem Publikum durch durchgehende Distanz keinen Anlass ihm zu trauen.

Alles in allem ist der Film ein netter Versuch die Thematik aufzugreifen, überzeugt aber nicht. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Zoomania

Am 03.03.2016 erschien ein neuer Disney-Pixar Film in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Judy Hopps hat sein Kindheitstagen nur einen Traum: Sie möchte Polizistin werden. Nur leider ist sie als Hase sehr klein und daher stehen ihre Chancen sehr schlecht. Doch sie schafft die Ausbildung und zieht nach Zoomania, wo „jeder alles werden kann“. Doch auch dort trifft sie auf viele Vorurteile. Als sie einen ausweglos scheinenden Fall zugeteilt bekommt, für den sie nur 48 Stunden Zeit hat und von dem ihre Karriere abhängt, braucht sie Hilfe und findet sie in einem kleinkriminellen Fuchs.

Nach uns Pixar im letzten Jahr mit „Alles steht Kopf“ gezeigt hat, wie es bei uns im Kopf aussieht, geht es diesmal um unsere Träume. Mit der Geschichte der Judy Hopps zeigt uns Pixar, dass wir groß träumen dürfen und mit viel Mühen auch unseren Traum leben können. Zunächst lernt der Zuschauer Judy Hopps in Kindheitstagen kennen. Zusammen mit ihrer sehr großen Familie lebt sie in einem kleinen Dorf und träumt davon Polizistin zu werden. Dabei wird sie von allen Seiten belächelt, denn ein kleines Tier, wie ein Hase, hat keine Chance Polizistin zu werden. Doch Hopps beweist es allen und besteht als Jahrgangsbeste die Polizeiakademie. Sie wird in Zoomania eingesetzt, die Stadt mit dem Motto „Wo jeder alles sein kann“. Doch schnell lernt Hopps, dass es nicht der Realität entspricht. Wieder muss sie sich den gängigen Vorurteilen stellen. Aber Judy Hopps wäre nicht Judy Hopps, wenn sie nicht weiter nach der Erfüllung ihres Traumes streben würde. Allen Widrigkeiten zum Trotz.
Zoomania ist ein Film, der sehr ernste Themen anspricht und sie in eine Hülle aus Humor packt. Die Hauptthemen sind Benachteiligung und Rassismus. Jemand, der klein ist, kann kein Polizist werden. Ein Fuchs kann nicht anständig sein. Raubtiere können von Natur aus nicht gutartig sein, sondern irgendwann bricht immer ihre böse Natur aus. Der Film greift diese Themen auf und verpackt sie in eine süße Geschichte, die trotzdem zum nachdenken anregt. Dies scheint ein Versuch zu sein, aktuelle Themen aufzugreifen und auch schon der jüngsten Generation näher zu bringen. Ob diese die Themen dann wirklich verstehen oder sich eher über das liebevolle Setdesign und die vielen witzigen Einlagen freuen, ist fraglich. Doch Zoomania ist auch ein Film, der bei dem erwachsenen Publikum punkten kann, gerade mit Anspielungen auf den Paten und Breaking Bad. Doch leider wollte der Film ein bisschen zu viel. Durch die beiden großen Themenkomplexe wirkt der Film sehr vollgestopft, auch wenn am Ende versucht wurde beide zu verbinden. Hier hätte es ein Thema – Benachteiligung oder Rassismus – durchaus auch getan. Trotzdem schafft der Film es das Publikum durchweg gut zu unterhalten. Gerade die vielen kleinen Nebencharaktere machen das gewisse Etwas aus und bringen viel frischen Wind auf die Kinoleinwand. Es wird mit einigen Klitschees gespielt, die die Vielfalt der Tiere zeigen.

Alles in allem ist Zoomania ein Film, der gut unterhält aber ein bisschen zu viel wollte. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Zoolander 2 (Kurzkritik)

Am 18.02.2016 erschien ein neuer Film mit Ben Stiller und Owen Wilson in der Hauptrolle in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Derek Zoolander lebt nach dem Unfall, bei dem seine Frau starb, und nachdem ihm sein Sohn weggenommen wurde, zurückgezogen. Doch als immer mehr Popstars sterben und dabei einen unverwechselbaren Blick posten, werden Zoolander und sein bester Freund Hansel gerufen, um bei der Aufklärung der Fälle zu helfen.

Zoolander 2 ist die Fortsetzung eines normalen Klamauk-Filmes. Und auch dieser Teil lässt wenig bis keine Ernsthaftigkeit aufkeimen. Ein abgedrehter Gag jagt den anderen und dabei wird vor allem die Modewelt und das Klitschee der dummen Models aufs Korn genommen. Doch abgesehen von ein paar One-Linern und ein paar abgedrehten Star-Auftritten, allen voran Benedict Cumberbatch als Alles und Kiefer Sutherland, hat der Film wenig bis gar nichts zu bieten. Die Witze sind größtenteils nicht lustig und zudem noch völlig übertrieben. Ben Stiller sieht völlig fehl am Platz aus, Owen Wilson bringt noch die lustigere Nebengeschichte und auch Penelope Cruz kann den Film nicht mehr retten. Was vom Film hängen bleibt ist einzig die erste Szene, in der Justin Bieber ermordet wird – das Kino ist lange bei keinem Film mehr in so große Jubelstürme ausgebrochen.

Alles in allem ist Zoolander 2 ein reiner Klamauk-Film, der nicht überzeugen kann. Lediglich für One-Liner und die Ermordung Justin Biebers gibt es 02 von 10 Punkten.

Verpasst im Februar 2016

Hallo ihr Lieben,
manchmal glaube ich ja, dass mein Kalender mich belügt. Es war doch gerade erst Silvester und schon soll auch der Februar vorbei sein? Das geht nicht! Ich habe im Mai schon Abschlussprüfung und bei den starken Kinomonaten einfach keine Zeit zu lernen… und der März wird nicht besser… Aber genug gejammert hier erst einmal meine Filme, die ich im Februar leider nicht geschafft habe zu sehen:

1) The Forest: Natalie Dormer in einen Horrorfilm über den Selbstmordwald in Japan. Der Trailer sah einigermaßen spannend aus, leider kamen bisher kaum gute Kritiken. Aber davon habe ich mich ja noch nie abhalten lassen 😉

2) Where to invade next?: Ein neuer Film von Michael Moore. Er war bis zum Trailer gänzlich unbekannt, aber mein Freund „klärte mich auf“ und auch der Trailer über die 1-Mann-Armee, die auf friedliche Weise versucht die Welt zu erobern, sah sehr schön aus.

So das war es dann auch, denn ich habe ansonsten meine Liste komplett abhaken können. Hier noch ein paar Filme, die es nicht auf meine Liste geschafft haben, die ich aber nicht unerwähnt lassen möchte:

Suffragette, Dirty Grandpa, der geilste Tag, Mustang

Deadpool

Am 11.02.2016 erschien ein neuer Film aus dem Hause Marvel mit einem etwas anderen Helden in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Wade Wilson ist ein Söldner und führt eine glückliche Beziehung zu der Prostituierten Vanessa. Bis bei ihm Krebs diagnostiziert wird. Im Kampf ums Überleben gibt er sich in die Hände einer zwielichtigen Organisation, die ihm verspricht den Krebs zu heilen und ihn zu einem Superheld zu machen. Doch etwas geht gehörig schief und Wilson hat zwar Superheilungskräfte, ist aber auch komplett entstellt. In dem bekannten roten Anzug geht er auf die Suche nach dem Kopf der Organisation für seine Rache.

Deadpool ist vielleicht nicht der typische Held und der Film kein typischer Film aus dem Hause Marvel, aber dafür kann er noch mehr begeistern als andere. Deadpool ist brutal, sorgt für beinahe pausenlose Lachanfälle und hat so viel Charme, wie kaum ein Film vor ihm. Das ganze beginnt schon am Anfang. Anstatt mit einer Großaufnahme einer überflogenen Stadt oder irgendetwas ähnlichem Belanglosen anzufangen, beginnt Deadpool mit einem Standbild. Zunächst werden nur kleine Teile gezeigt, doch während des gesamten Vorspanns wird das Bild von allen Seiten gezeigt, wodurch sich ein sehr obstruses Bild ergibt. Doch viel Zeit zum Wundern bleibt nicht, denn die Beteiligten am Film werden genannt, nur halt nicht wie üblich mit Namen. Und schon liegt das Publikum halb auf dem Boden vor Lachen. Schnell wird der Film ein bisschen zurückgedreht und der Zuschauer erkennt, wie Deadpool in die Situation kam. Die Zeitachse wechselt sich nun ab. Zum einen wird das „aktuelle“ Geschehen gezeigt und zum anderen Deadpools Vorgeschichte. Dabei fällt es schwer zu entscheiden, welche Zeitebene einem besser gefällt, denn beide sind so voller Witz, Humor und Charme, dass beide Geschichten wunderbar funktionieren. Selbst die Liebesgeschichte stört kaum, denn sie wird im Schnelldurchlauf erzählt und Deadpool hatte schon vor seinem „Unfall“ eine große Klappe. Der Film bietet einige brutalen Szenen, die ungeschnitten gezeigt werden, aber nie zu Übertrieben sind. Das Publikum liegt in jeder zweiten Szene auf dem Boden vor Lachen, aber trotzdem punktet der Film als Actionfilm und auch anrüchige Witze landen nie unter der Gürtellinie. Es gibt unzählige Anspielungen auf das Marvel Cinematic Universe, die X-Men Filme, Green Lantern, etc, die für Fans zu noch mehr Erheiterung führte. Aber auch ohne vorher einen einzigen Marvel Film gesehen zu haben ist Deadpool in vollen Zügen zu genießen.
Ryan Reynolds übernimmt die Rolle des Wade Wilson bzw. des Deadpools. Er spielte die Rolle bereits im X-Men Universum in X-Men Origins: Wolverine. Dort hatte Deadpool aber eher einen kleinen Auftritt und konnte nicht überzeugen. Dafür gibt Reynolds in diesem Film alles. Wilson ist ein sarkastischer Söldner und wird zu einem sarkastischen… Held? Das bestreitet Deadpool die ganze Zeit und wirklich ein Held ist er nicht. Aber auf der Suche nach dem Mann, der ihn bei der Krebsheilung entstellt hat. Zur Seite stehen ihm mehrere Sidekicks, die ebenfalls alle ihren eigenen Charme und Humor haben.
Ed Skrein übernimmt die Rolle des Francis bzw. des Ajax. Damit übernimmt er die Rolle des Antagonisten also im Prinzip des Bösen (Kann man Deadpool daher als den Guten bezeichnen?). Eiskalt und mit einem sehr trockenen Humor ist er der perfekte Gegenspieler.
Auch die anderen Rollen sind alle sehr durchdacht besetzt. Es gibt keine Rolle, die nicht wie die Faust aufs Auge in den Film passt. Mit einer Spielzeit von unter 2 Stunden ist Deadpool für Marvel Verhältnisse ein kurzer Film. Dadurch wirkt aber auch keine Szene künstlich in die Länge gezogen, sondern der Film nimmt sich genau die Zeit, die er braucht, um die Geschichte zu erzählen. Die Vorgeschichte, die Suche nach Rache und natürlich die obligatorische Endschlacht. Alles hat eine gute Länge und braucht nicht mehr Zeit, um erzählt zu werden. Die Schauplätze sind gut gewählt und auch an den Effekten ist nichts auszusetzten.

Alles in allem überzeugt Deadpool in allen Blickpunkten und lässt keinen Raum für Kritik. Dafür gibt es 10 von 10 möglichen Punkten.

Legend

Am 07.01.2016 erschien ein neuer Film über die berüchtigten Kray-Zwillinge mit Tom Hardy in einer Doppelrolle in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Die Zwillinge Ron und Reggie Kray beherrschen in den 60er Jahren die Unterwelt Londons. Doch dabei haben sie einige Probleme. Denn Reggie Kray muss seiner Ehe zuliebe den Anschein wahren, dass seine Geschäfte komplett legal sind und sich gleichzeitig um seinen unter Schizophrenie leidenden Bruder Ron kümmern, der leicht außer Kontrolle gerät.

London in den 60er Jahren. Der Zuschauer lernt am Anfang erst einmal Reggie Kray kennen. Elegant im Anzug gekleidet, bietet er den beiden Inspectors, die in einem Wagen vor seiner Tür warten, eine Tasse Tee an. Man merkt gleich, dass er nicht ganz der nette Kerl sein kann, der er vorgibt zu sein. Die Inspectors sind natürlich nicht begeistert und lehnen ab. Im folgenden wird zunächst das Kennenlernen zwischen Reggie und seiner zukünftigen Frau Frances gezeigt, die auch als Off-Stimme den Film erzählt. Als nächstes wird Ron Kray vorgestellt. Er sitzt wegen Schizophrenie in einer Psychiatrischen Anstalt. Obwohl der Arzt davon abrät, setzt Reggie alles daran, Ron zu befreien und schafft es. Ab jetzt mischt er sich aber in die Geschäfte mit ein, misstraut treuen Partner und anstatt zu verhandeln und einzuschüchtern, möchte er lieber eine „ordentliche Schießerei“. Trotzdem schaffen sie es, andere „Banden“ zu vertreiben und sich ihr eigenes Imperium aufzubauen. Bis Reggie im Gefängnis landet und Ron die alleinige Führung übernimmt.
In Legend erleben wir einen zweigeteilten Film. Im ersten Teil haben wir einen etwas andere Gangster-Film. Die beiden Brüder bauen sich ein Imperium auf, man erfährt einzelne Sachen ihrer Machenschaften, aber nie wirklich viel, da die Geschichte durch die Off-Stimme von Reggies Frau Francis erzählt wird, die bis zum Schluss glaubt, dass Reggies Geschäfte größtenteils legal sind. Das ist etwas schade, hier hätte man mehr herausholen können. Umso enttäuschender ist es, dass die Machenschaften im zweiten Teil des Films nur noch am Rande thematisiert werden. Hier verkommt der Film zu einem Drama. Die Ehe zu Francis, die am scheitern ist wird in allen Facetten thematisiert und nebenbei noch Reggies komplizierte Beziehung zu seinem Bruder Ron. Das die beiden Gangster sind, wird nur noch am Rande thematisiert. Das ist schade, denn der Film klang sehr verheißungsvoll und fing auch so an, verliert sich aber während seiner langen Laufzeit. Die am Anfang aufgebaute Spannung hält nicht lange an. Nur wenig Unvorhergesehenes geschieht ab der zweiten Hälfte. Dadurch zieht sich der Film immer mehr. Auch das Ende will nicht so ganz rund gelingen.
Tom Hardy spielt sowohl Reggie als auch Ron Kray. Dabei nuanciert er beide Brüder so unterschiedlich, dass man beim Betrachten nicht auf die Idee kommt, dass die Brüder von nur einem Schauspieler gespielt wurden. Dabei beschränkt Hardy sich auf verschiedene Gestik und Mimik ohne bei einer von beiden Rollen ins Übertriebene zu verfallen. Auch die Dreh- und Schnittechniken sind gelungen, um die vollständige Illusion aufrecht zu erhalten. Lediglich in einer Kampfszene der beiden Brüder konnte man sehen, dass mit Stuntdoubeln gearbeitet wurde.
Auch die anderen Rollen wurden mit guten und überzeugend spielenden Schauspielern besetzt allen voran Christopher Eccleston und David Thewlis. Die Kulisse ist ebenfalls sehr gelungen. Man fühlt sich in der Zeitachse nach hinten in die 60er Jahre gezogen und sieht auch einmal andere Ecken von London.

Alles in allem ist der Film schauspielerisch top, verliert sich aber zu sehr in der Handlung und kann daher nicht überzeugen. Leider nur 06 von 10 möglichen Punkten.

Suite francaise (Kurzkritik)

Am 14.01.2016 erschien ein Film über eine ugewöhnliche Liebe zur Zeit des zweiten Weltkrieges in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Lucile lebt im Haus ihrer strengen Schwiegermutter Madame Angellier während ihr Mann an der Front gegen die Deutschen kämpft. Ihr Situation ändert sich, als die Deutschen in dem Ort stationiert werden und sich in den Häusern einquartieren. So auch Bruno von Falk im Haus der Angelliers. Doch Bruno scheint nicht wie die anderen Deutschen zu sein und teilt Luciles Hang zur Musik. Eine ungewöhnliche Liebe beginnt.

Der Film bietet einmal einen anderen Blick auf die Geschehnisse während des zweiten Weltkrieges. Es werden weder die Qualen an der Front, noch die Beratungen auf Führungsebene gezeigt. Stattdessen führt der Film uns in ein kleines französisches Dorf. Überwiegend sind nur noch Frauen vorzufinden, da die Männer an der Front sind. Nur noch Männer eines gewissen Alters oder mit körperlicher Einschränkung sind anzufinden. Bis die Deutschen kommen und den Ort besetzen. Nun setzt sich der Film mit der Frage auseinander, wie sich die Deutschen und wie die Bewohner verhalten. Beide Seiten wurden mehr oder weniger in den Krieg gezwungen, denn selbst die Deutschen wollten ihn nicht zwangsläufig. Einfühlsam wird beschrieben, wie unter der Besetzung gelitten wird und was passiert, wenn man doch Gefühle für einen Deutschen entwickelt. Dabei wird leider das Augenmerk ein wenig zu sehr auf die Liebesbeziehung und ein wenig zu wenig auf die Verhältnisse gelegt, was schade ist. Auch wird der Film sehr langsam erzählt, was nicht in jeder Szene angebracht ist. Daher zieht sich der Film ungewollt, was sehr schade ist.

Alles in allem behandelt der Film ein interessantes Thema, konzentriert sich aber auf die falschen Aspekte und verpasst es Spannung aufzubauen. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

The Revenant

Hallo ihr Lieben,
da The Revenant mich schon grundsätzlich nicht angesprochen hat, gibt es heute wieder eine Gastkritik von Markus. Also lest ihr nun zunächst meine Meinung und im Anschluss Markus Meinung 🙂

Am 06.01.2016 erschien einer der aufwendigsten Filme der Filmgeschichte in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Hugh Glass ist zusammen mit seinem Sohn, einem Halbindianer, und einem Trupp Trapper auf Felljagd. Dabei werden sie von Indianern verfolgt, die glauben, dass die Trapper die Tochter des Häuptlings entführt haben. Auf der Flucht wird Glass von einem Bären angegriffen und schwer verletzt. Durch den Wintereinbruch und den landschaftlichen Bedingungen muss Glass zurückgelassen werden. Der griesgrämige John Fitzgerald, der unbedarfte Jim Bridger und Glass Sohn bleiben bei ihm. Ihr Auftrag: Glass bis zu seinem unausweichlichen Tod nicht allein lassen. Aber der Winter und die Indianer sitzen ihnen im Nacken und so beschließt Fitzgerald, dass sein Leben ihm mehr Wert ist. Er begräbt Glass noch lebendig und bringt dessen Sohn um, der versucht ihn zu hindern. Zusammen mit Bridger, der davon nichts mitbekam, macht er sich auf den Heimweg. Aber Glass ist nicht tot und sinnt nun auf Rache, die ihm scheinbar Superkräfte bescheren.

The Revenant behandelt zwei Themen. Rache und Überleben in einer unberührten Natur. Dabei verschmelzen beide Themen immer wieder miteinander, so dass es so scheint, als würde es im Film nur um Rache gehen. Der Zuschauer wird am Anfang gleich ins Geschehen geworfen. Glass und sein Sohn haben gerade Jagd auf einen Elch gemacht. Dann werden die Trapper vorgestellt und man erfährt, dass sie von Indianern verfolgt werden. Und schon geht es los: Die Indianer überfallen das Lager und töten mindestens die Hälfte der Trapper. Den Überlebenden bleibt nichts anderes über, als sich auf ein Boot zu flüchten und flussabwärts die Ware zu verstecken und möglichst schnell zur Basis zurückzukehren. Bei einem Spährundgang wird Glass aber von einem Bären angegriffen und lebensbedrohlich verletzt. Der Leiter der Trapper Andrew Henry hat eine so hohe Meinung von Glass, dass er es mit seinem Gewissen nicht ausmachen kann, ihn einfach zum sterben zurückzulassen. Doch die landschaftlichen Bedingungen lassen nicht zu, dass Glass lange auf einer Trage transportiert werden kann. Henry will ihn aber auch nicht ganz alleine zum sterben zurücklassen. Also sucht er freiwillige. Glass Sohn und Bridger melden sich sofort. Fitzgerald erst, als eine großzügige Belohnung angeboten wird. Doch die Indianern, angetrieben von Rache, denn sie glauben, dass die Trapper die Tochter des Häuptlings entführt haben, sitzen ihnen weiterhin im Nacken. Als Glass nach Tagen immer noch nicht sterben will, entschließt Fitzgerald die Initiative zu ergreifen. Er will Glass helfen zu sterben und ihn ersticken. Da greift dessen Sohn ein. In dem Handgemenge wird dieser getötet. Handlungsunfähig kann Glass nichts tun, außer Fitzgerald zusehen, wie der die Leiche seines Sohnes versteckt und schließlich ihn in ein Grab wirft und lebendig begräbt. Bridger bekam davon nichts mit und glaubt Fitzgerald, dass Glass starb. Die beiden machen sich nun ebenfalls auf dem Weg zur Basis. Aber Glass ist nicht tot. Unter Qualen erhebt er sich aus seinem Grab und krabbelt zur Leiche seines Sohnes. Doch die Indianer sind nicht weit. Von Rache getrieben, macht sich nun auch Glass auf dem Weg zur Basis. Aber er hat drei Gegner: die Indianer, die weiterhin auf Verfolgungsjagd sind, seine Verletzungen und den Winter in einem unbesiedelten Gebiet, wo die Natur eher dein Feind, als dein Freund ist.
The Revenant nimmt mehrere Schicksale und Wege genau unter die Lupe. Die Indianer, die Traper in drei Gruppen und in Rückblenden auch Glass Vorgeschichte. Dadurch übernimmt sich der Film, auch mit den beiden Themen. Um alles genau zu erzählen, braucht der Film eine Spiellänge von fast drei Stunden. Auch für den geübten Kinogänger ist das einfach zu lang. Denn durch die Länge der Handlung ergeben sich auch immer mehr Logiklöcher in der Handlung. Das ist besonders schlecht, weil der Film sehr auf Logik aufbaut und gerade die Landschaftsaufnahmen alles Originalaufnahmen sind. Hier hätten Kürzungen dem Film gut getan. Die Handlung lässt Kritikpunkte offen – die Kamera, der Schnitt und die Filmgestaltung nicht. Durch die natürlichen Gestaltungen, reale Landschaftsaufnahmen und sehr gute Kostüme wird eine einzigartige Atmosphäre geschaffen, die ihr volles Potenzial auf der Kinoleinwand entfaltet.
Leonardo diCaprio übernimmt die Rolle des Hugh Glass und wird schon jetzt als absoluter Oscarfavorit gehandelt. Und natürlich kann man ihm ein gutes Spiel nicht aberkennen, doch mitunter wirkt es auch sehr steif und die Mimik scheint immer wieder dasselbe zu zeigen. Gerade als er seine Geschichte erzählt und von dem Mord an seinem Sohn berichtet, zeigt er absolut keine Emotion. Gutes Schauspiel, aber für den Oscar gibt es doch bessere Kandidaten. Glass ist ein Charakter, der eine sehr bewegende Vergangenheit hat, wie durch einige Rückblenden gezeigt wird. Leider wird seine Geschichte trotz minutenlanger Rückblenden nie deutlich, weswegen sie eher verwirren und daher zur Kürze weggelassen werden sollten. Glass Überlebenskampf wird in allen Facetten gezeigt. Das ist grundsätzlich gut, nur zieht er sich zu lange hin. Mit seinen vielen Verletzungen ist es schon unlogisch, dass er überhaupt den Weg überlebt. Dass aber immer noch mehr hinzukommen auf seinem Weg und er trotzdem weitergehen kann, strapaziert die Geduld des Zuschauers.
Tom Hardy übernimmt die Rolle des Fitzgeralds. Dieser ist der Folter von Indianern entkommen, die ihn, am Kopf beginnend, die Haut abziehen wollten. Eine große Narbe am Kopf erinnert noch an diese Tat. Darüber hinaus ist er der komplette Antagonist. Er lässt Glass halb tot zurück und tötet auch noch dessen Sohn. Er wird vollkommen rücksichtslos dargestellt und scheint kein Gewissen zu haben. Vielleicht muss er so ohne Ecken und Kanten als Böse dargestellt werden, damit die Rachethematik funktioniert und man noch mehr mit Glass sympathisiert. Hardy ist als bester Nebendarsteller für einen Oscar nominiert. Hier sogar äußerst verständlich, zudem die Chancen gut sein dürften.
Will Poulter übernimmt die Rolle des Jim Bridger. Dabei spielt er das, was er am besten kann. Einen verängstigten Jungen, der zu Glass aufsieht, aber sich von Fitzgerald manipulieren lässt. Die Rolle spielt er gut, aber eine neue Leistung ist es nicht.

Alles in allem ist The Revenant ein Film, der technisch und landschaftlich begeistert, aber handlungstechnisch und durch die Länge Schwächen aufweist. Daher gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Und nun die Kritik von Markus:

Am 06. Januar 2016 erschien das für zwölf Oscars nominierte Survival-Western-Drama „The Revenant“ in den deutschen Kinos. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Michael Punke basiert auf der angeblich wahren Geschichte des Trappers (Pelztierjägers) Hugh Glass (Leonardo DiCaprio). Im Jahr 1823 erforscht er gemeinsam mit einer vom Captain Andrew Henry (Domhnall Gleeson) angeführten Gruppe die amerikanische Wildnis. Bei einem alleinigen Gang durch die Wälder wird er von einem Grizzly angegriffen und dabei lebensgefährlich verletzt. Während ein Großteil der Trapper den Weg fortsetzt, sollen die beiden Männer John Fitzgerald (Tom Hardy) und Jim Bridger (Will Poulter) sich um Glass kümmern. Als sie keine Chance mehr auf Rettung für ihn sehen und anscheinen Indianer in der Nähe des Lagers auftauchen, entschließen sie sich, den Schwerverletzten ohne Ausrüstung in der Wildnis zurückzulassen…

Der Regisseurs Alejandro González Iñárritu, der bereits 2015 für seinen Film Birdman vier Oscars bekommen hat, soll unter Extrembedingungen gedreht haben. Zum Beispiel wurde nur mit natürlichem Licht in den ländlichen Gebieten Kanadas und Argentiniens in extremer Kälte gedreht. Darüber hinaus seien auch die Schauspieler bis an die Grenze gegangen. So habe der Vegetarier Leonardo DiCaprio laut eigenen Angabe eine rohe Bison-Leber gegessen. Nun kann darüber gestritten werden, ob selbstauferlegte schwierige Drehbedingungen und körperliche Strapazen der Schauspieler gleich einen hervorragenden Film auszeichnen. Warum der Film abgesehen davon trotzdem hervorragend für mich funktioniert, werde ich im Folgenden erläutern.

Zum einen liefert der Kameramann Emanuel Lubezki, der auch bereits in den letzten beiden Jahren für die Filme Gravity und Birdman mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, großartige Bilder, die man unbedingt im Kino genießen sollte. Aufgrund der vielen nahen Kameraeinstellungen, die den Protagonisten folgen, wird dem Zuschauer permanent das Gefühl vermittelt, mitten im Geschehen zu sein und nicht nur stiller Beobachter. Zudem ist der Film, wie z.B. bei der jetzt schon berühmt berüchtigten Grizzly-Angriffsszene technisch grandios umgesetzt. Auch die atemberaubenden Landschaftsaufnahmen des verschneiten Kanadas bringen die Kälte des Films, die sich auch in der Handlung wiederfindet, direkt an den Zuschauer weiter. Ich persönlich konnte die Kälte regelrecht spüren und war nach kurzer Zeit so tief in dem Film versunken, dass ich irgendwann vergaß, dass ich im warmen Kino saß.

Auch die Schauspielleistungen waren durchgehend sehr gut. DiCaprio nimmt man seinen Überlebenskampf komplett ab und obwohl er vor allem in der Mitte des Films kaum mehr als Stöhn-Geräusche von sich gibt, schaffte er es allein durch Mimik und Gestik dem Zuschauer seine Verzweiflung sehr glaubhaft rüberzubringen. Auch Tom Hardy hat seine Rolle als Antagonist perfekt gespielt, obwohl ich mir vielleicht nicht nur das absolute Böse in Person, sondern auch ein paar Zwischentöne in der Gestaltung der Figur gewünscht hätte. Domhnall Gleeson und Will Poulter haben ihre Rollen ebenfalls mehr als glaubhaft verkörpert und ich bin gespannt, was in nächster Zeit noch alles von den Schauspielern kommen wird.

Die Geschichte an sich, die man irgendwo zwischen Western und Survival-Drama mit integrierter Rachethematik einordnen kann, ist letztendlich sicherlich sehr dünn und auch vorhersehbar. Diese wurde allerdings mithilfe von Kamera, Schauspieler und der Bilder grandios umgesetzt und das Beste herausgeholt.

Letztendlich hat „The Revenant“ bei mir aufgrund der überwältigenden Bilder und der durchgehend sehr guten Schauspielleistungen einen bleibenden Eindruck hinterlassen und mich regelrecht in den Kinosessel gedrückt. Allerdings würde ich empfehlen den Film unbedingt im Kino anzusehen, da die großartigen Bilder am besten auf der großen Leinwand zur Geltung kommen. Darüber hinaus kann ich aber auch Leute verstehen, die mit der stellenweise sehr langsamen Erzählweise wenig anfangen können. Tatsächlich hatte ich auch in der Mitte des Filmes kurz das Gefühl, dass der Überlebenskampf von Hugh Glass um 5 Minuten hätte gekürzt werden können. Andererseits benötigt der Film aber auch diese Länge, um als Zuschauer komplett in das Geschehen eintauchen zu können. Wer sich also darauf einlassen kann, der wird mit einem einmaligen Filmerlebnis belohnt, das man so schnell nicht wieder vergessen wird. Für mich persönlich ist der Film aufgrund des einmaligen Erlebnisses 9 von 10 Punkten wert.