Hawkeye

Ein Vorwort

Marvels fünfte Serie auf Disney+ handelte nun endlich von einem Superhelden, der bisher immer irgendwie mit dabei war, aber nie im Fokus lag. Zeitgleich handelt sie von meinem absoluten Lieblingsavenger – und ja, ich habe eine Schwäche für Bogenschützen. Die Rede ist von Hawkeye. Nachdem sich bisher die stärkeren und schwächen Serien abgewechselt haben, standen die Zeichen wieder gut für Hawkeye. Warum es sich dabei zeitgleich um die stärkste Serie handelt, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

Welche Filme man vorab aus dem MCU gesehen haben sollte: Avengers – Age of Ultron, Avengers – Endgame  – diese stelle ich hier kurz vor.
Welche Filme/Serien aus dem MCU gut wären vorab gesehen zu haben: The Avengers, Captain America 3 – Civil War, Black Widow, Daredevil (die Netflix Serie) – hierfür verweise ich auf meine Zusammenfassungen (sofern bereits vorhanden, für die Links einfach die Titel anklicken).

In Avengers – Age of Ultron hat sich das Team wieder versammelt, diesmal um gegen von Strucker vorzugehen, der Lokis Zepter stehlen konnte. Dabei treffen sie zum ersten Mal auf die Zwillinge Pierdro und Wanda Maximoff. Strucker kann besiegt werden und die Avengers nehmen das Zepter mit nach Hause. Dort kommt Iron Man auf die Idee die Intelligenz aus dem Zepter zu holen und in sein Dronenprojekt Ultron zu integrieren. Doch die Intelligenz macht sich selbstständig und besiegt JARVIS, der KI, die Stark als Butler nutzt. Ultron greift die Avengers an. Die Drohe kann zerstört werden, doch Ultron flieht übers Internet. In einer verlassenen Fabrik nimmt er wieder Besitz von einem Maschinenkörper und wird dort von den Maximoffs gefunden, die ebenfalls eine Rechnung mit Stark offen haben. Ultron baut eine ganze Armee von Drohnen mit seiner Intelligenz. Für seinen Plan braucht er das sehr seltene Element Vibranium, die er vom Schmuggler und Waffenhändler Ulysses Klaue bekommen will. Die Avengers bekommen Wind von diesem Plan und spüren Klaue ebenfalls auf. Dabei treffen sie auf Wanda, die als Scarlet Witch manchen der Avengers ihre schlimmsten Ängste zeigt. Dadurch dreht Banner durch und verwandelt sich unkontrolliert in den Hulk. Stark muss in seinem neuen Iron Man Anzug „Hulkbuster“ einstreiten, beiden richten jedoch im Kampf eine Menge Zerstörung an. Um Abstand von allem zu bekommen, ziehen sich die Held*innen in ein Safehouse zurück. Dabei stellen sie fest, dass hier Hawkeyes Familie lebt. Seine Frau, mit dem dritten Kind schwanger, sorgt für die Avengers, die neuen Mut schöpfen.
Ultron entführt als nächstes die Wissenschaftlerin Helen Cho, die ihm einen richtigen künstlichen Körper erschaffen soll. Die Avengers können jedoch die Übertragung von Ultron in den Körper verhindern, Stark setzt aber hinterher den wiedererweckten JARVIS in den Körper ein. Inzwischen haben auch die Maximoffs Ultrons wahre Pläne, die Vernichtung der Menschheit, durchschaut und stellen sich im letzten Kampf auf die Seite der Avengers. Ultron hat eine Maschine entwickelt mit der er die Stadt Sokovia in die Luft steigen kann. Diese will er dann ab einem gewissen Punkt wieder fallen lassen, um damit einen Meteoriteneinschlag zu simulieren, mit dessen Wucht die gesamte Menschheit ausgelöscht werden kann. Beim Kampf tötet Ultron Piedro Maximoff, die Avengers können aber das schlimmste verhindern.
In Avengers – Endgame muss Clint Barton den Verlust seiner Familie durch Thanos Schnippsen mitansehen. Dies prägt ihn so sehr, dass er zu dem Untergrund-Rächer Ronan wird. Erst Black Widow kann ihn von seinem Pfad abbringen und holt ihn zurück zu den Avengers, die mit Hilfe von Scott Lang und Iron Man an einer Zeitmaschine arbeiten. Sie wollen die Infinity-Steine zusammentragen und so alle ausgelöschten Leben zurückholen. Hawkeye wird mit Black Widow als Team eingeteilt. Sie reisen nach Vormir, um den Seelenstein zu besorgen. Dabei wissen sie nicht, dass eine geliebte Person geopfert werden muss. Beide beschließen das Opfer zu sein und leisten sich einen erbitterten Kampf. Black Widow „gewinnt“ schließlich und Hawkeye ist nun zwar im Besitz des Seelensteins, hat aber seine beste Freundin verloren. Die Avengers können den Handschuh mit allen Infinity Steinen wieder zusammensetzen und so die Auslöschung der halben Bevölkerung rückgängig machen. Als Hawkeye einen Anruf seiner bis dahin toten Frau erhält, wissen sie, dass es funktioniert hat. Allerdings hat Thanos Wind von ihrem Plan bekommen und greift an. In einer letzten finalen Schlacht können sie vereint Thanos besiegen. Dabei verliert auch Iron Man sein Leben. Bei der Beerdigung ist Hawkeye wieder mit seiner Familie vereint.

Die Handlung

Kate Bishop (Hailee Steinfeld) ist seit den Ereignissen in New York 2012 (siehe The Avengers) großer Fan von ihrem persönlichen Helden Hawkeye alias Clint Barton (Jeremy Renner). Als bei einer Schwarzmarkt-Auktion auf einer Charity-Veranstaltung der Firma ihrer Mutter das Kostüm des Ronin versteigert wird, landet dies nach einem Anschlag in ihrem Besitz. Damit macht sie zwei Parteien auf sich aufmerksam. Zum einen Hawkeye, der eigentlich wegen eines Musicalbesuchs mit seinen Kindern in der Stadt war, und der Jogging-Anzug Gang, deren Anzahl der Ronin einst stark verkleinerte.

Meine Meinung

Mein inneres Fangirl war seit der Ankündigung der Serie total aus dem Häusschen. Endlich würde mein Lieblingsavenger die Screentime bekommen, die er verdient. Zeitgleich hatte ich Angst, dass es sich vielleicht um einen Abschied handeln könnte. Die Altherrenriege, die Platz macht für frische junge Powerfrauen. Bekommen habe ich ein wahnsinnig gutes Duo.
Aber fangen wir am Anfang an. Die Geschichte wird aus der Sicht von Kate Bishop erzählt. Wie ich, ist sie ein großer Hawkeye-Fan. Allerdings liegt es bei ihr daran, dass er ihr als Kind das Leben gerettet hat, da sie beim Alienangriff 2012 in New York war. Seitdem hat sie hart an ihrer Bogenschützenkarriere gearbeitet. Als sie dann tatsächlich auf Clint Barton trifft, scheinen all ihre Träume sich zu erfüllen. Dieser will aber lieber nach Hause und mit seiner Familie Weihnachten feiern. So spiegeln sich Euphorie und Abweisung in ihren Dialogen wieder. Doch nach und nach wachsen sie als Team zusammen. Durch den Altersunterschied und die familiäre Hintergrundgeschichte Hawkeyes haben wir hier auch keine sich aufbauende Liebesgeschichte, was sehr erfrischend ist.
Dieses Erfrischende ist auch genau das, was die Serie ausmacht. Wir haben hier keinen Thanos, keine weltweit politischen Beziehungen und auch ansonsten keine Übermacht, mit der zu kämpfen ist. Sondern eher kleinere Konflikte – auch wenn gerade gegen Ende noch einmal größere dazu kommen – die dennoch Raum für eine ganze Staffel schaffen. Denn hier kommt an keiner Stelle Langeweile auf. Vor allem durch die flotten Dialoge zwischen Barton und Bishop, aber auch zwischen den beiden und der Jogginganzug-Gang. Dabei bleibt die Serie stets auf dem Boden der Tatsache. Gerade Hawkeye ist ein sehr geerdeter Avenger, der gerade durch seine Familie einfach sehr menschlich geblieben ist. Der trotz seines Ruhms nahbar ist.
So geben sich Spannung, Witz und einmalige Dialoge die Klinke in die Hand und bilden eine Handlung, die zwar im Vergleich zu den großen Filmen des Universums mickrig wirkt, aber genau diese Rückbesinnung auf die „einfachen Probleme“ tut dem ganzen Universum gut. Über das Setting zu Weihnachten lässt sich zwar streiten, aber selbst mich als Grinch hat es jetzt nicht gestört.
Zum Schluss habe ich nur noch einen Wunsch: Ich hätte gerne das komplette „Rogers – the Musical“ gesehen. Lieber Herr Feige, falls Sie das lesen: Bitte, bitte machen Sie aus der Idee ein ganzes Musical!
PS: Ich lass euch das Gif mal hier. Ich kriege davon immer einen Lachflash und lachen ist gesund 😉

Das Fazit

Hawkeye besinnt sich zurück auf ruhigere Zeiten und präsentiert einen auf den Boden gebliebenen Superhelden und seine Fan-Nachfolgerin. Durch einmalige dialoge, viel Witz und gleichzeitig viel Spannung ist die Serie die bisher beste der Reihe.

Hawkeye ist als Original bei Disney+ im Abo enthalten

Spider-Man 3 – No way home

Ein Vorwort

Kinostart kurz vor Weihnachten ist eigentlich ein Garant für gute Zuschauerzahlen. Doch durch die weitverbreitete 2G-Regelung machen die ersten Filme schon wieder Rückzieher. Dabei hat Spider-Man mit dem besten Einspielergebnis seit der Pandemie erst wieder bewiesen, dass mit dem richtigen Film auch die Zahlen stimmen. Ob der Film mit der Schlagzeile mithalten kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

Welche Filme man vorab aus dem MCU gesehen haben sollte: Spider-Man Homecoming & Far from home – diese stelle ich hier kurz vor.
Welche Filme/Serien aus dem MCU gut wären vorab gesehen zu haben: Avengers – Endgame, Doctor Strange, WandaVision, What if… – hierfür verweise ich auf meine Zusammenfassungen (für die Links einfach die Titel anklicken). Ebenfalls ist es empfehlenswert die bisherigen Spider-Man Filme mit Tobey McGuire und Andrew Garfield zu sehen. Da ich sie selbst nicht gesehen habe, kann ich hier nicht sagen, welche wichtiger und welche unwichtiger sind.

Nach seinem Auftritt in Civil War will Peter Parker unbedingt ein Avenger werden. Doch Tony Stark möchte ihn komplett aus der Schusslinie nehmen. Bei einem Banküberfall merkt Peter das erste Mal, dass sein Handeln auch Konsequenzen haben kann, als beinahe ein Freund von ihm verletzt wird. Bei dem Überfall wurde eine Waffe verwendet, die mit Alientechnik verbessert wurde. Spider-Man versucht den Mann hinter den Waffengeschäften zu finden und trifft auf Adrian Toomes alias The Vulture. Bei der ersten Konfrontation muss Iron Man einschreiten und rügt Spider-Man danach. Dieser lässt sich jedoch nicht aufhalten und stellt mit seinem besten Freund Ned Leeds fest, dass sein Anzug noch mehrere versteckte Funktionen hat, die Ned freischalten kann. Kurz darauf begegnet er wieder the Vulture und seinen Handlangern. Diesmal wird dabei die Staten Island Ferry beschädigt und droht mitsamt aller Zivilisten unterzugehen. Spider-Man bemüht sich alle zu retten, doch wieder muss Iron Man eingreifen. Als Strafe nimmt er Spider-Man seinen Anzug weg. Reumütig versucht sich Peter wieder auf die Schule zu konzentrieren. Als der Homecoming-Ball ansteht, traut sich Peter Liz zu fragen, ob sie ihn begleiten möchte. Doch als er Liz abholt, erkennt er sofort ihren Vater: The Vulture. Er heftet sich an dessen Fersen. Dabei wird er jedoch zunächst überwältigt und hinterfragt seine Spider-Man Identität. Schließlich kann er sich befreien und versucht the Vulture aufzuhalten, der vom Umzug Iron Mans profitieren will und einen Jet in der Luft ausrauben will. Spider-Man schafft es den Jet zum abstürzen zu bringen, ihn aber von New York weg und an den Strand zu bringen, so dass niemand verletzt wird. Ebenfalls rettet er the Vulture, dessen Fluganzug zu explodieren drohte. Tony Stark will ihn daraufhin als neuen Avenger vorstellen, Peter lehnt jedoch ab, da er lieber die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft bleiben will.
In Far from home fährt Peter mit seinen Klassenkamerad*innen auf Klassenfahrt. Durch die Geschehnisse in Endgame ist die Klasse neu zusammengesetzt. Ebenfalls versucht Peter den Tod seines Mentors Iron Man zu verarbeiten. In Venedig taucht ein Wassermonster auf. Bei dem Kampf wird Peter unerwartet von Mysterio unterstützt, dessen Familie durch diese Monster ausgelöscht wurden. Da Peter lieber weiter auf der Klassenfahrt bleibt, leitet Nick Fury diese kurzerhand nach Prag um, wo das nächste Monster vermutet wird. Dort gesteht er seinem Schwarm MJ, dass er Spider-Man ist, was diese jedoch schon wusste. Er findet dabei eine Drohne, die er dem zuvor stattgefundenen Kampf von Mysterio und einem Feuerwesen zuordnet. Dadurch findet er heraus, dass Mysterio ihn angelogen hat und die Kämpfe nur simuliert hat. Zuvor hat er diesem jedoch die Kontrolle über Technologie von Iron Man übertragen. In Berlin versucht er Mytserio zu stellen, muss jedoch feststellen, dass er in einer Simulation gelandet ist. Da nun auch Ned und MJ in Gefahr sind, reist er ihnen nach. In London kommt es zum finalen Kampf, bei dem Mysterio besiegt wird. In der Mid-Credit-Scene beschuldigt J. Jonah Jameson öffentlich Peter als Mörder Mysterios und entlarvt ihn gleichzeitig als Spider-Man.

Die Handlung

Nach Jamesons Enthüllungen steht Peter Parker (Tom Holland) in der Kritik der Öffentlichkeit. Da auch seine Freund*innen da mit reingezogen werden, sucht er Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) auf und bittet ihn um Hilfe. Doch der Zauber geht schief und die Grenzen zum Multiversum verwischen. Kurz darauf tauchen Bösewichte auf, die allesamt Peter zu kennen scheinen.

Meine Meinung

Spider-Man war noch nie mein bevorzugter Superheld. Die früheren Filme habe ich daher nie gesehen. Erst als er zum MCU stieß und man die Filme irgendwie sehen musste, da alle Marvel Filme irgendwo aufeinander aufbauen, habe ich mich mit ihm näher auseinander gesetzt. Während Homecoming für mich noch eine Überraschung war, konnte ich Far from home wenig abgewinnen. Nur kurz zuvor war es Endgame, der irgendwo eine ganze Ära beendete und auf einmal sollte der zweite Spidey Phase 3 beenden? Dementsprechend frustriert ging ich nun in No way home. Immerhin der zweite Trailer ließ mich ein wenig Hoffnung schöpfen, dass es vielleicht doch halbwegs amüsant wird.
Letztlich war No way home eine Achterbahn der Gefühle. Zwischen Euphorie, Spaß aber auch Enttäuschung. Denn die Geschichte an sich konnte mich wesentlich mehr mitreißen und begeistern als zuvor gedacht. Die Idee das Multiversum nach What if… zunächst auf ein paar Bösewichte aus den früheren Spider-Man Filmen zu begrenzen, funktioniert erstaunlich gut und bringt die Handlung gut voran. Zeitgleich verbirgt sich dahinter auch eine Menge Potential für Späße, wovon einiges ausgereizt wird. Selbst wenn man sich im Spider-Man Universum nicht so gut auskennt und die früheren Filme nie gesehen hat, funktionieren viele Anspielungen, auch wenn man wahrscheinlich gar nicht alle mitbekommt, und man kann der Handlung folgen.
Allerdings ist es gerade die sich zunehmends verschiebende Dynamik zwischen Peter und Doctor Strange, die immer mehr ins merkwürdige rutscht. Hier merkt man Benedict Cumberbatch an, dass er wohl von so einigen Dialogzeilen etwas genervt war, da er das nur dezent überspielen konnte. Während Peter durch die Verantwortung und Erwartungshaltung von Strange und seiner Tante May zunehmend überfordert ist, werden auch die Zuschauenden zunehmend verwirrt. Freund und Feind verschwimmt innerhalb von wenigen Minuten, um sich kurz darauf mit dem größtmöglichen Drama neu zu festigen. Ob dies nun wirklich nötig war, bleibt fraglich, denn teilweise scheint es so, als ob dieser nur aus Prinzip und nicht weil er wirklich gepasst hat, eingebaut wurde.
Dafür wird man jedoch am Ende beim großen Finale für alles entschädigt. Das Zusammenspiel aus alten und neuen Charakteren funktioniert hier absolut hervorragend. Es macht Spaß, ist spannend, birgt mehrere Handlungsstränge und bringt das Franchise zu einem würdigen Ende! (PS: Ich habe keine Ahnung, ob weitere Spideys geplant sind, aber es fühlt sich nach einem guten und würdevollen Abschluss an. Das hält in Hollywood zwar niemanden mehr auf, aber vielleicht haben wir ja wieder ein paar Jahre Ruhe)
Das Multiversum wird uns wohl noch die gesamte Phase 4 über begleiten. Vor dem Multiverse of Madness (Doctor Strange 2) fühlte sich dieser sanftere Einstieg unfassbar gut an. Es ist wohl der stärkste Spider-Man Film aus dem MCU (darüber hinaus kann ich nicht beurteilen), auch wenn er eben deutlich spürbare Schwächen hat. Aber mit diesen muss man leben, wenn man die Stärken des Films erkunden will. Das Ende lässt einen dann zwar wieder zwiegespalten zurück, aber auch darin liegt Ende und Anfang zugleich.

Das Fazit

Spider-Man 3 – No way home lässt sich nicht so einfach bewerten. Zeitgleich der stärkste Film der Reihe, hat er doch an einigen Stellen deutliche Schwächen, gerade in bestimmten Handlungsabschnitten, die ein grandioses Finale jedoch größtenteils ausbügeln kann. Die Einführung ins Multiversum funktioniert besser als gedacht und zeigt, was möglich ist. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Spider-Man: No way home läuft seit dem 16.12.2021 in den deutschen Kinos

 

The Eternals

Ein Vorwort

Marvel versucht sich in der vierten Phase noch zu finden und startete eine Phase mit einer Mischung aus bekannten Held*innen und ganz neuen Projekten. Nach Black Widow und vor dem dritten Spider-Man durfte nach Shang-Chi uns nun die Eternals ihren ersten Auftritt im MCU (=Marvel Cinematic Universe) machen. Wie das funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Für Eternals muss kein Marvel Film vorab zwingend zum Verständnis gesehen werden. Grundsätzlich ist es sinnvoll für ein paar Anspielungen die Handlung aus Avengers Infinity War und Avengers Endgame zu kennen. Der Film funktioniert aber auch das Vorwissen.

Die Handlung

5000 v. Chr. werden zehn Eternals zur Erde geschickt. Sie sollen sie dort vor den sogenannten Deviants schützen, dürften sich aber nicht in die Menschheitsgeschichte einmischen. Das führt ab einem gewissen Punkt zu Spannungen im Team und sie trennen sich. In der Gegenwart werden Sersi (Gemma Chan) und Sprite (Lia McHugh) von einem Deviant angegriffen, die sie für ausgestorben hielten. Ikaris (Richard Madden) kommt ihnen zur Hilfe. Zusammen ziehen sie los, um das Team wiederzuvereinen und die Emergenz bevorsteht.

Meine Meinung

Das nach Endgame neue Wege im MCU beschritten werden mussten, stand fest. Mit den Serien Loki und What If wurde dann auch festgelegt, dass es wohl in die Richtung der Multiversen geht. Hierfür benötigte man aber neue Teilnehmer*innen, da viele der ursprünglichen Avengers ausgestiegen sind. Da boten sich die Eternals regelrecht an. Dennoch hat der Film einige Schwachstellen und es bleibt fraglich, wie sie in zukünftige Projekte eingebunden werden sollen. Doch von vorne
Während bei Star Wars der am Anfang durchrollende Text mit Erklärungen einfach Kult ist und irgendwie auch noch zu den neuen Filmen dazugehört, so wirkt dies doch in einer Großproduktion wie bei Marvel irgendwie ideenlos. Zumal es darum ging drei grundsätzliche Begrifflichkeiten zu klären, die man im darauffolgenden sowieso noch einmal bildlich erklärt bekommt. Das ist jetzt zwar nichts gravierendes, steht aber symbolisch für vieles im Film.
Die Einführung der Charaktere im Zusammenhang mit mehreren geschichtlichen Ereignissen funktioniert gut und verdeutlicht, wieso sie so lange auf der Erde lebten, ohne in die bisherigen Ereignisse eingegriffen zu haben. Die folgende Handlung wird in der Gegenwart mit mehreren Rückblenden erzählt. Dadurch verzögert sich das sowieso schon lange zusammenraufen der Gruppe und man wird immer wieder aus dem Fluss gerissen. Dabei sind die Rückblenden mitunter spannender als die eigentliche Geschichte. Das Problem ist hier auch, dass es zehn neue Charaktere mit unterschiedlichen Fähigkeiten sind, die alle irgendwie vorgestellt werden wollen. Das klappt nur bedingt und so denkt man ab einbem gewissen Punkt, dass die Gruppe wieder vollständig ist und doch fehlt immer noch jemand.
Und sobald alle wieder versammelt sind, kommt der – eigentlich überhaupt nicht – unerwartete Plottwist. Ab hier wird es eine altbekannte Weltrettungsmission, in der natürlich alle über sich hinauswachsen. Ergo: Der Film traut sich handlungstechnisch nichts, sondern reproduziert alte Erzählstrukturen.
Dennoch funktioniert der Film. Das liegt wohl daran, dass die Charaktere durch ihre Vielfältigkeit punkten können. Auch wenn einige zu kurz kommen oder gar blass bleiben, macht es die Mischung. Und auch, wenn sich die Handlung mitunter zieht und einiges unfreiwillig vorhersehbar ist, wird es nie langweilig.
Am enttäuschendsten ist wohl das Ende. Denn mit einer Lauflänge von 157 Minuten wurde sich gut Zeit gelassen, um die Eternals vorzustellen. Nur, dass sie am Ende so positioniert werden, dass sie vermutlich in den kommenden Filmen keine Relevanz haben werden. Das ist schade, denn von einigen Charakteren möchte ich unbedingt mehr sehen.

Das Fazit

The Eternals wirken etwas lieblos ins MCU eingeführt. Trotz einiger spannenden Sequenzen und Handlungsstränge kann die Haupthandlung nicht überzeugen. Neben einigen tollen Charakteren gibt es zu viele blasse und das Ende katapultiert sie ähnlich wie Captain Marvel in die Bedeutungslosigkeit. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

The Eternals läuft seit dem 03.11.2021 in den deutschen Kinos.

PS: Wie für Marvel üblich gibt es sowohl eine Midcredit, wie auch eine Postcreditscene. Also sitzenbleiben bis zum Schluss 😉

What if…

Ein Vorwort

Nach WandaVision, Falcon and the Winter Soldier und Loki sollte eigentlich erst Hawkeye die nächste große Serie werden, die direkt dem MCU (Marvel Cinematic Universe) zugeordnet wird. Doch dann kam die Nachricht: Auch die Animationsserie What if… sollte nicht nur als Begleitserie gelten, sondern direkten Einfluss auf die Geschehnisse im MCU haben. Da es sich hier um alternative Welten handelt, ist damit wohl die letzte Tür zum Multiversum geöffnet worden, die WandaVision und Loki bereits angestoßen haben. Was die Serie denn nun kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier fasse ich normalerweise die relevanten Filme und Serien aus dem MCU zusammen und erwähne, welche gut wären, darüber hinaus gesehen zu haben. In diesem Fall gibt es aber in der Serie so viele Anspielungen, dass es sich grundsätzlich lohnt alles zuvor erschienende aus dem MCU gesehen zu haben. Zumindest die Serien kann man erst einmal außen vor lassen, aber die Filme tragen zum Verständnis bei.

Die Handlung

Der Watcher (Jeffrey Wright) bewacht die Multiversen. Denn durch jede Entscheidung öffnet sich ein anderer Handlungsstrang. In dieser Serie befasst sich jede Folge mit einem Gedankenspiel. Was wäre wenn, etwas eingetreten oder nicht eingetreten wäre und wie hätte das den Handlungsfluss geändert.

Meine Meinung

Ich mag Was wäre, wenn Gedankengänge. Die unbegrenzten Möglichkeiten, wenn man einfach nur eine Komponente verschiebt. Und gerade im MCU durch die vielen Serien und Charaktere ergeben sich eine Unmenge an Möglichkeiten. Umso gespannter war ich auf die Serie und welche Möglichkeiten umgesetzt werden.
Die einzelnen Episoden befassen sich auch je mit einer Variante. Erst die letzte Folge vereint die vorherigen und führt die Serie so zu einer Aussage zusammen. Dabei ist fast jede*r Held*in aus den Filmen vertreten. Teilweise treffen sie auch aufeinander, wo man es nicht erwartet hätte. Dabei klingen die What if zu Anfang sehr interessant. Leider können die wenigsten Episoden die Erwartungen halten. Denn irgendwo verstrickt sich die Handlung stets immer weiter und am Ende bleibt von der Ausgangsfrage nichts mehr übrig als eine nette Idee.
Nehmen wir als Beispiel mal die erste Episode. Was wäre, wenn Peggy Carter Captain America wäre und nicht Steve Rogers. Klingt nach einer Idee, aus der man viel hätte machen können. Stattdessen wird der Film Captain America mehr oder weniger nacherzählt nur mit Peggy in Anzug und Schild. Das ist enttäuschend, weil ich mir von der Grundfrage anderes erhofft hatte. So zieht es sich auch durch die anderen Episoden. Zwischendurch gibt es wirklich spannende und gut durchdachte, die am Ende aber in der Unterzahl bleiben.
Der Animationsstil ist darüber hinaus auch sehr gewöhnungsbedürftig, wird sich doch an den Darsteller*innen aus den Fimen orientiert und nicht an den Comicdarstellungen. Das funktioniert jedoch nur bedingt, da die Animation sehr lieblos wirkt und wenige Details aufweist.
Verbunden mit der deutschen Synchronisation, die bemüht war die Originalsynchronstimmen zu verwenden, es aber nicht bei allen Darsteller*innen geschafft hat, wirken einige Charaktere wie Fremdkörper. So haben wir einen Iron Man, der zwar nach Robert Downey Jr. aussieht, aber nicht so klingt. Gerade hier ist die neue Synchronstimme auch sehr unpassend, wenn man über viele Filme hinweg an die andere gewöhnt war.
Letztlich spielen hier wahrscheinlich viele enttäuschte Erwartungen mit rein, aber im gesamten konnte mich die Serie nicht überzeugen. Allerdings bildet sich dadurch ein Muster aus Gut (WandaVision) – Enttäuschend (Falcon and the Winter Soldier) – Gut (Loki) – Enttäuschend (What if…) – also kommt danach wohl wieder Gut (Hawkeye). Ich freu mich auf jeden Fall auf die Serie mit meinem Lieblingsavenger.

Das Fazit

What if… hat eine gute Grundidee, schafft es aber nur selten, die Erwartung hinter der alternativen Idee zu halten. Die Animation wirkt teilweise lieblos und gewöhnungsbedürftig. Im gesamten eher enttäuschtend, da hier mehr Potential war.

Shang-Chi and the legend of the ten rings

Ein Vorwort

Ein neuer Marvel Film stand bevor. Diesmal wurde wieder ein ganz neuer Marvel-Held vorgestellt, der auch noch keinen Gastauftritt irgendwo hatte. Warum es sich gleichzeitig wie ein Marvel Film und wie keiner anfühlt, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Für Shang-Chi and the legend of the ten rings muss man keinen bisherigen Marvel-Film gesehen haben, um ihn zu verstehen. Um ein paar Andeutungen zu verstehen, empfehle ich folgende Filme gesehen zu haben: Iron Man 3, Der unglaubliche Hulk, Doctor Strange, Captain Marvel.

Die Handlung

Shang-Chi (Simu Liu) lebt zusammen mit seiner besten Freundin Katy (Awkwafina) in den USA. Sie arbeiten zusammen für einen Parkservice. Doch Shang-Chi hat ein düsteres Familiengeheimnis, das ihn nun einholt. Denn sein Vater (Tony Leung) ist der Anführer der zehn Ringe.

Meine Meinung

Im Vorfeld zu Shang-Chi hatte ich so ziemlich keine Meinung zum Film. Es war keiner, auf den ich mich total gefreut habe, da er ein mir unbekannter Avenger war – der also auch noch in keinem von mir gelesenem Comic aufgetaucht ist. Andererseits sah er aber auch neu und erfrischend aus, da er verschiedene Stile kombiniert, die in den bisherigen Filmen des MCU (=Marvel Cinematic Universe) so nicht auftauchten.
Dies merkt man schon am Anfang, wenn die Legende der zehn Ringe von einer Off-Stimme erzählt wird. Kurz darauf wird man in die Gegenwart katapultiert und trifft auf Shang-Chi, der als Shaun sich mit seiner besten Freundin Katy durchs Leben boxt. Hier scheint es erst einmal wie eine typische Marvel Origin Story. Kurz darauf lernt Katy und damit der Zuschauer, dass Shaun ein anderes Leben vorher geführt hat, als er bei seinem Vater aufwuchs. Hier übernimmt der Film Merkmale der typischen Martial Arts Filme. Die Kampfszenen sind dabei sehr beeindruckend, die Busszene, die man auch schon aus dem Trailer kannte, war mir persönlich aber etwas zu lang. Im Folgenden tauchen wir gleich mehrfach in andere Welten ab. Beim zweiten Mal landen wir dabei gleich in einer völlig neuen Fantasy-Welt. So staunend hat man als Marvel-Fan wohl zuletzt Wakanda bestaunt.
So vereint Shang-Chi Fantasy mit Martial Art, einer anderen Kultur und kombiniert dies mit dem typischen Marvel-Humor, der diesmal vor allem durch Awkwafinas Rolle Katy eingebracht wird. Das unterscheidet ihn von den bisherigen Filmen und funktioniert im großen und ganzen auch. Letztlich war es mir aber zuviel. Ich kann es nicht genau begründen, da es in sich irgendwo stimmig war, aber ich war während der Endschlacht weniger beeindruckt, nach dem Motto „oh wow, was für tolle Fantasywesen“, sondern eher „ah, das auch noch“. Nichtsdestotrotz habe ich mich gut unterhalten gefühlt und es ist schön, dass Marvel auch nochmal eine neue völlig neue Richtung einschlagen kann.
Ich bin noch gespannt, wie Shang-Chi sich ins MCU einbringt. Ein Versuch dazu wurde mit der Midcredit-Scene bereits gewagt, wobei der wohl auch nur nochmal für einen Witz gut war.

Das Fazit

Shang-Chi and the legend of the ten rings kombiniert verschiedene Genre und versieht sie mit dem typischen MArvel-Humor. Funktioniert in seiner Gesamtheit ganz gut, haut einen aber auch nicht völlig vom Hocker. Dafür gibt es solide 07 von 10 möglichen Punkten.

Shang-Chi läuft seit dem 02.09.2021 in den deutschen Kinos

Loki

Ein Vorwort

Der Marvel-Serienmarathon auf Disney+ geht weiter. Nachdem wir uns filmisch wahrscheinlich von Loki verabschieden können, bleibt er uns zumindest vorerst in der Serienlandschaft erhalten. Nachdem nun auch eine zweite Staffel kurzfristig bestätigt wurde, wollen wir doch mal einen Blick auf die erste Staffel werfen.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

Welche Filme man vorab aus dem MCU gesehen haben sollte: Thor, Thor 2 – The Dark Kingdom, The Avengers
Welche Filme aus dem MCU gut wären vorab gesehen zu haben: Thor 3 – Ragnarök, Avengers – Infinity War, Avengers – Endgame – hierfür verweise ich auf meine Zusammenfassungen (für die Links einfach die Titel anklicken).

In Thor (2011) lernen wir Loki kennen, der als Baby von Odin als Kriegsbeute von den Eisriesen mitgenommen wurde und als Bruder Thors aufwuchs. Als dieser den Thron Asgards besteigen soll, tauchen Eisriesen auf und stören die Zeremonie. Getrieben von Loki reist Thor mit seinen Freunden nach Jotunheim, um dort Vergeltung zu verüben. Odin kann dies noch verhindern, verbannt Thor aber auf die Erde. Während dieser versucht auf der Erde klarzukommen, fällt Odin in einen tiefen Schlaf. Loki nutzt die Chance und besteigt den Thron. Zusätzlich schickt er den Destroyer auf die Erde, um seinen Bruder endgültig auszuschalten. Dies misslingt jedoch. Auf dem Bifröst kommt es zum Kampf zwischen den beiden Brüdern. Thor wird von Odin gerettet, Loki stürzt sich freiwillig hinab.
In The Avengers (2012) taucht Loki wieder auf und schnappt sich den Thesserakt, einen der Infinity-Steine. Dabei kontrolliert er den Wissenschaftler Erik Selvig und Clint Barton alias Hawkeye. Daraufhin werden die Avengers zum ersten Mal zusammengerufen. Loki kann nach einem Auftritt in Stuttgart zunächst festgenommen werden, entfesselt aber kurz darauf den Hulk und kann so entkommen. Das Team muss sich wieder zusammenraufen, da Loki ein Portal in New York eröffnet hat und die Streitmacht der Chitauri die Erde angreift. Am Ende können die Avengers siegen und Loki wird gefangen genommen.
In Thor – The Dark Kingdom wird Loki verurteilt und sitzt in Asgard im Gefängnis. Beim Angriff der Dunkelelfen stirbt Frigga, seine Mutter, Odin will daraufhin Thors große Liebe Jane Foster, die den Äther durch einen Unfall in sich trägt und daher Angriffziel der Dunkelelfen war, als Köder einsetzen. Thor will das aber unter seinen Bedinungen klären, wofür er Lokis Hilfe braucht. Loki stirbt beim Kampf vermeintlich. Thor und Jane schaffen es mit Hilfe von Freunden die Dunkelelfen zu besiegen. In der After-Credit-Scene sieht man, wie sich Loki als Odin ausgibt, um Thor auf die Erde zu locken, damit er dort mit Jane glücklich wird.
Weitere wichtige Fakten: In Thor 3 – Ragnarök stellt sich Loki schlussendlich auf Thors Seite und hilft dabei die Asen vor der Zerstörung Asgards zu retten. In Infinity War wird Loki von Thanos in der Anfangsszene getötet. In Endgame reisen die Avengers in der Zeit zurück. Unter anderem ins Jahr 2012 und zur Handlung von The Avengers, wo der gefangen genommene Loki mit dem Tesseract antkommen kann.

Die Handlung

Loki Laufeyson (Tom Hiddleston) konnte durch die Zeitreise der Avengers in Endgame mit dem Tesseract fliehen. Doch seine Freude wehrt nur kurz, denn die TVA fässt ihn kurz darauf, weil er gegen den wahren Zeitstrahl verstoßen hat. Er landet vor Gericht und steht kurz vor der Stutzung – also der endgültigen Auslöschung. Doch Agent Mobius (Owen Wilson) setzt sich für ihn ein, da er seine Hilfe braucht, um eine Variante zu finden, die einige Zeitagenten ausgelöscht hat.

Meine Meinung

Loki ist wohl einer der coolsten Bösewichte, die das MCU (Marvel Cinematic Universe) zu bieten hat. Doch nach den drei Thorfilmen und seinem Auftritt in The Avengers, merkte man schon, dass der Figur langsam die Luft ausging. Gerade in Thor 3 – Ragnarök war er kaum mehr als eine Parodie auf sich selbst. Als die Serie zu Loki angekündigt wurde, war ich dementsprechend skeptisch. Bewusst habe ich mir keinen Trailer angesehen, sondern mich ganz unvoreingenommen auf die Serie eingelassen.
Mit der Idee der Zeitreise und das es sich beim gezeigten Loki nicht um den toten aus dem Filmbereich, sondern eine Variante handelt, funktioniert die Serie erstaunlich gut. Die Serie braucht ca. zwei Folgen um in Fahrt zu kommen. Man lernt die TVA kennen, die so wunderbar voller Bürokratie ist. Man möchte sagen, wie aus den 1970er Jahren – oder eben aus den deutschen Behörden in der heutigen Zeit. Dann hat die Serie ihren Rhythmus gefunden und funktioniert gerade wegen der guten Chemie zwischen Loki und Mobius. Loki darf sich hier noch einmal ganz neu entwickeln und wir kriegen auch ganz neue Facetten von ihm zu sehen. 
Der Zeitreisenaspekt funktioniert bis zu einem gewissen Grad, dann treten die üblichen Logiklöcher auf. Wenn man diese einfach akzeptiert, statt zu hinterfragen, hat man mit der Serie eine Menge Spaß. Gerade das Ende lässt einen dann aber wieder hinterfragen, inwiefern die Serie doch noch Auswirkungen auf die Filme – gerade Doctor Strange 2 – haben könnte. Material für die zweite Staffel ist auf jeden Fall noch da. Dennoch wäre es vielleicht sinnvoller gewesen, die Serie einfach mit ein paar mehr Folgen zu konzipieren, statt gleich eine weitere Staffel draus zu machen.
Grundsätzlich funktioniert die Staffel aber wirklich gut. Es gibt immer wieder neue Handlung, nichts wirkt erzwungen oder gestreckt, es gibt genügend kleine (oder größere) Anspielungen für die Comicfans, tolle Charaktere und genügend zu entdecken. Auch Loki und sein Humor funktioniert wieder deutlich besser, auch wenn er mit der Zeit immer ernster wird. So ist die Vorfreude auf Staffel 2 auf jeden Fall da.

Das Fazit

Loki funktioniert als Serie erstaunlich gut, hadert mit ein paar Logiklöchern im Zeitreisesegment, funktioniert aber gerade durch die Charaktere und die kleinen Feinheiten. Für Loki-Fans auf jeden Fall einen Blick wert.

Black Widow

Ein Vorwort

Mit Avengers Endgame – okay und mit Spider-Man – Far from home – ist die dritte Phase des MCU (Marvel Cinematic Universe) zu Ende gegangen. Phase 4 sollte im letzten Jahr mit Black Widow beginnen. Durch geschlossene Kinos und vielen Terminverschiebungen durften jetzt aber die Serien der Phase vorher ihre Premiere feiern. So lief WandaVision, Falcon and the Winter Soldier und auch Loki schon (fast) vollständig auf Disney+. Nun durfte Natasha Romanoff endlich ihren lange gewünschten Solofilm haben. Warum wir den alle derzeit verdient haben, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

Welche Filme man vorab aus dem MCU gesehen haben sollte: Captain America 3 – Civil War & Avengers – Endgame – diese werde ich hier kurz vorstellen.
Welche Filme aus dem MCU gut wären vorab gesehen zu haben: Iron Man 2, The Avengers, Avengers – Age of Ultron, Falcon & the Winter Soldier – hierfür verweise ich auf meine Zusammenfassungen (für die Links einfach die Titel anklicken).

In Captain America 3 – Civil War wird nach einem gescheiterten Einsatz in Lagos der Schrei immer größer, die Avengers mit einem Regelwerk stärker zu kontrollieren. Nach einem Anschlag auf die UN, wo der Gesetztesentwurf diskutiert werden sollte, spalten sich die Avengers in zwei Lager. Captain America ist auf der Flucht, da sein Freund Bucky für den Anschlag verantwortlich gemacht wird. Black Widow steht auf der anderen Seite im Team Iron Man. Beim großen Kampf der beiden Lager, entscheidet sie sich am Ende doch für die andere Seite und hilft Cap und Bucky zu fliehen, um Baron Zemo aufzuhalten. Dadurch wird sie von Thaddeus Ross mit den anderen unter Arrest gestellt, kann jedoch fliehen.
In Avengers – Endgame raufen sich die übrig gebliebenen Avengers zusammen, um gegen Thanos anzutreten. Dafür entwickeln sie die Möglichkeit von Zeitreisen. Clint Barton alias Hawkeye und Black Widow reisen dafür nach Vormir, um den Seelenstein zu holen. Red Skull offenbahrt ihnen den Preis, nämlich ein geliebtes Leben zu Opfern. Clint und Natasha sind beide willig sich zu opfern, im Kampf siegt jedoch Natasha und stirbt.

Die Handlung

Natasha Romanoff alias Black Widow (Scarlett Johannson) ist nach den Geschehnissen in Civil War auf der Flucht. In einer sicheren Unterkunft bringt ein Freund ihr ihre Post aus einem Haus in Budapest. Dort ist auch ein Koffer, den ihre Schwester Yelena (Florence Pugh) geschickt hat. Als sie von einem maskierten Kämpfer angegriffen wird, schafft sie es nach Budapest zu fliehen, wo sie auf Yelena trifft. Diese ist frisch auf der Flucht vorm roten Raum – dem Programm, das beide in der Kindheit zu Profikillerinnen ausgebildet hat. Um diesen endgültig zu besiegen, müssen sie sich mit alten Bekannten zusammentun.

Meine Meinung

Lange mussten Marvel Fans auf diesen Film warten. Nicht nur, weil er seit letztem Sommer regelmäßig verschoben wurde, sondern vor allem weil Fans diesen Film schon seit Ende Phase 1 fordern. Lange wurde sich dagegen gewehrt, da musste erst DC mit Wonder Woman kommen, um zu beweisen, dass auch Frauen einen Solofilm tragen können. Warum man sich dann zunächst für Captain Marvel entschied, bleibt fraglich. So wirkt er fast wie hinten eilig rangeschoben, vor allem durch die Ereignisse in Endgame.
Nichtsdestotrotz ist es der Film, den Marvel Fans verdient haben! War ich nach dem Trailer noch sehr kritisch, zumal man ihn dort zeitlich schlecht einordnen konnte – und was sollte das auf einmal mit der Familie? – so werden die Unklarheiten in den ersten 15 Minuten beseitigt. So startet der Film komplett logisch und passt sich gut in die zeitliche Abfolge. Eine kurze Einfindungsphase und dann geht es auch schon sehr actionlastig weiter.
Das ist es auch, was der Film perfekt beherrscht: Die Balance zwischen Action und Handlung vorantreiben bzw. wichtige Informationen an die Zuschauer weitergeben. Neben ein paar Fanserviceantworten – wir wissen endlich was in Budapest passiert ist! – wird aber auch der Charakter der Black Widow noch einmal greifbarer. Das, was zuvor eher unterschwellig angedeutet bzw in Age of Ultron auch etwas konkretisiert wurde, festigt sich nun zu einer Hintergrundgeschichte. Gleichzeitig schafft es gerade Florence Pughs Yelena einige Sachen wirklich auf den Punkt zu treffen. Die Dialoge zwischen den beiden Schwestern passen in die übliche Marvelmanier und lockern den Film neben den tollen Actionsequenzen wahnsinnig auf.
Chronologisch arbeitet sich der Film an verschiedenen Handlungselementen ab, die aber alle für das große Ganze gebraucht werden. Mit 134 Minuten ist Black Widow ein verhältnismäßig kurzer Marvel-Film. Dennoch kommt hier kein Element zu kurz und die Charaktere kriegen genug Freiraum, um sich entwickeln zu können.
Grundsätzlich ist Black Widow ein gelungener filmischer Auftakt der vierten Phase und beweist ein für allemal, dass auch Superheldinnen einen Film tragen können, ohne das sie männliche Love Interests benötigen. Leider verabschieden wir uns damit auch vollständig von ihr. Die After Credit Scene – unbedingt sitzen bleiben! – legt dann wohl den Grundstein für die kommende Hawkeyeserie. Es bleibt spannend.

Das Fazit

Black Widow ist ein gelungener Auftakt der vierten Phase des MCU. Die Balance zwischen Handlung und Action wird hier permanent gehalten und neu gewonnene Charaktere passen sich perfekt ein. Natürlich kommt der typische Marvel-Humor nicht zu kurz. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Black Widow läuft seit dem 08.07.2021 in den deutschen Kinos und zeitgleich auf Disney+ mit VIP-Option

Falcon and the Winter Soldier

Ein Vorwort

Nachdem WandaVision den Auftakt zu (mindestens) einer Handvoll Marvel-Serien auf Disney+ macht, ziehen nun zwei weitere altbekannte nach. Ein Duo, das bisher eher dafür bekannt ist, sich nur zu kabbeln, bekommt ihre eigene Serie. Dabei ist die Prämisse diesmal wieder ganz typisch für Marvel, also keine Sitcom mehr, wie bei WandaVision. Was die Serie denn nun kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.
Welche Filme man vorab aus dem MCU gesehen haben sollte: Captain America 2 – Winter Soldier, Captain America 3 – Civil War, Avengers – Endgame – diese werde ich hier kurz vorstellen.
Welche Filme aus dem MCU gut wären vorab gesehen zu haben: Captain America, Black Panther, Avengers – Infinity War und Spider Man – Far from home – hierfür verweise ich auf meine Zusammenfassungen (für die Links einfach die Titel anklicken).
In Captain America 2 – Winter Soldier trifft Steve Rodgers (Captain America) beim Ausdauertraining auf Sam Wilson, einem Kriegsveteranen. Als Steve kurz darauf von dem SHIELD Projekt „Insight“ erfährt, stellt er sich dagegen. Er bekommt von Nick Fury einen Datenträger, der kurz darauf bei einem Angriff von einem maskierten Soldaten stirbt. Zusammen mit Natasha Romanoff (Black Widow) findet Steve heraus, dass HYDRA noch immer aktiv ist und Spione bei SHIELD hat. Bei der darauffolgenden Flucht suchen Natasha und Steve bei Sam Unterschlupf, der anbietet ihnen zu helfen. Durch die Entwendung eines Raketentournisters wird Sam zum Falcon und hilft aus der Luft. Als sie versuchen sich Zutritt zum SHIELD-Hauptquartier zu verschaffen, werden sie vom gleichen maskierten Soldaten angegriffen, bei dem es sich wohl um einen russischen Supersoldaten handelt. Bei der Demaskierung durch Steve, stellt dieser fest, dass es sich um seinen Kumpel Bucky aus der Zeit des zweiten Weltkriegs handelt, den HYDRA abgerichtet hat und der keine Erinnerungen mehr an ihre gemeinsame Zeit hat. Beim großen Endkampf appelliert Steve immer wieder an Buckys Erinnerungen, weswegen dieser ihm zum Schluss das Leben rettet. In der After Credit Scene sieht man Bucky, wie er eine Ausstellung über Captain America besucht.
In Captain America 3 – Civil War gibt es bei einem Einsatz der Avengers in Lagos einen Zwischenfall mit vielen zivilen Opfern, an der auch Captain America und Falcon beteilgt waren. Darauf entbrennt eine Debatte, ob die Avengers nur noch nach staatlicher Erlaubnis agieren dürfen. Bei den Verhandlungen der Vereinten Nation, kommt es jedoch zu einem Anschlag. Verübt wurde er von Baron Zemo, der jedoch Bucky die Schuld in die Schuhe schiebt. Es folgt eine Auseinandersetzung und schließlich die Spaltung der Avengers in zwei Lager. Am Ende folgen Steve, Bucky und Iron Man Zemo zu einem alten HYDRA Komplex, in der Befürchtung, dass Zemo das Winter Soldier Projekt wiederaufleben lassen will. Dieser hat aber das genaue Gegenteil getan, bringt aber durch eine alte Aufnahme Iron Man und Captain America gegen einander auf. Black Panther stößt dazu und hindert nicht nur Zemo am Selbstmord, sondern bietet auch Bucky Aysl in Wakanda, wo er in Cryostasis versetzt wird, bis es einen Weg gibt, ihn endgültig vor einer Konditionierung zu schützen. (Am Ende von Black Panther wird genau dies gezeigt, wodurch Bucky bereits in Infinity War wieder mitkämpft.)
In Avengers – Endgame sind fünf Jahre seit Thanos Schnipps vergangen und die Weltbevölkerung hat sich darauf eingestellt, dass sie um die Hälfte dezimiert wurden. Nachdem die Avengers es durch Zeitreisen geschafft haben, den Schnips rückgängig zu machen, kehren sowohl Falcon als auch Bucky zurück und kämpfen im finalen Entscheidungskampf mit. Am Ende kehrt Captain America noch einmal in die Vergangenheit zurück, doch anstatt zurückzuspringen, bleibt er in der Vergangeheit, um endlich mit Peggy Carter glücklich zu werden. So taucht er als alter Mann wieder auf und vermacht sein Schild an Sam (Falcon).

Die Handlung

Sam Wilson alias the Falcon (Anthony Mackie) kann sich nicht damit anfreunden, dass er Steves Schild bekommen hat und damit in seine Fußstapfen treten soll. Stattdessen arbeitet er weiter als Falcon für die Air Force. James „Bucky“ Barnes (Sebastian Stan) ist nicht begeistert, dass das Schild nun in einem Museum steckt und stellt Sam zur Rede. Gleichzeitig befindet er sich in Therapie, um seine Taten als Winter Soldier verarbeiten zu können. Als eine Gruppe Supersoldaten auftauchen und für die Wiederherstellung der Verhältnisse vor dem Blip (Thanos Schnipps) kämpfen, passieren mehrere Sachen gleichzeitig. Falcon und Bucky müssen sich zusammenraufen und einen alten Feind rekrutieren und das Verteidigungsministerium ernennt einen neuen Captain America, inklusive dem gespendet Schild.

Meine Meinung

Was habe ich mich auf diese Serie gefreut. Ganz bewusst habe ich jeglichen Trailer vermieden, um alles neu und unvoreingenommen erleben zu können. Gerade die Figur des Winter Soldier finde ich sehr faszinierend und war hier gespannt, wie seine weitere Entwicklung verläuft. Nun stehe ich aber vor einem großen Problem: Ich weiß nicht, ob mir die Serie zu viel oder zu wenig erzählt hat.
Mit einer Lauflänge von 315 Minuten ist die Serie etwas länger als zwei durchschnittliche Marvel-Filme. Also jede Menge Zeit, um viel zu erzählen. Das wird einerseits genutzt und so werden eine Vielzahl von Themen angesprochen und es bleibt auch nicht nur beim ansprechen, sondern es werden auch viele Diskussionen geführt. Da gerät die aufkeimende Freundschaft zwischen Sam und Bucky gerne mal in den Hintergrund. Gerade hier fehlt mir zum Beispiel, wie es dazu kam, da sie auf einmal einfach zu zweit losziehen und das auch gar nicht mehr hinterfragen, sondern sich wie ein eingespieltes Team verhalten. Auch fehlten mir hier einfach die sarkastischen Dialoge, wie es sie noch in Civil War gegeben hat. Bis auf eine Szene, haben die beiden nur oberflächliche Dialoge oder sehr ernste.
Wirklich Schwung kommt in die Serie erst, wenn Daniel Brühl erneut in die Rolle des Baron Zemo schlüpfen darf, denn er bringt genau den Witz mit, den man zuvor vermisste. Allerdings gibt es auch hier einige Logiklöcher, die nicht so ganz zusammenpassen wollen. Vor allem Zemos Motiv bleibt lange unklar, nur um es dann in wenigen Szenen als erledigt abzuhaken.
Weil man ja Zeit hatte, konnte man aber nebenbei auch noch Sharon Carter wieder auftauchen lassen, deren Rolle und Motive sehr platt waren, wo man sich schon fragt, ob man sie dann nicht besser weggelassen hätte. Dann kommen noch die Dora Milaje (bekannt aus Black Panther) dazu, die auch eher Mittel zum Zweck sind. Also ich fand es schön, dass sie dabei waren, aber man hätte sie dann in die Handlung besser einbinden müssen!
Über den „neuen Captain America“ und seine Charakterentwicklung reden wir am besten nicht weiter. Hier war zwar ein Konzept dahinter, das nötig war, um bei Falcon eine nötige Entwicklung hervorzurufen, aber er war so nervig! Und irgendwie auch nur dafür da, dass die anderen beiden besser dastehen, bzw. die Serie gestreckt werden kann, weil er immer wieder Missionen vereitelt. Ihr merkt, hier wurde mir eindeutig zu viel unnötiges erzählt. Hätte man das weggelassen, wäre ein Film bei rausgekommen, der in seiner Gesamtheit dann wenigstens spannend gewesen wäre.
Und jetzt kommt das große Aber. Denn auch wenn hier vieles zu viel war, oder eben unnötig eingebunden, gab es eben auch die Handlungsstränge, die mir zu kurz kamen. Das beginnt mit der Antagonistin Karli bzw. der Gruppierung um sie, die eigentlich einen spannenden Hintergrund haben. Hier geht es nämlich um die Folgen des Blips und die Zurücknahme, die ebenfalls die Welt in Atem hält. Um Menschen, die einfach abgeschoben werden sollen. Um politische Diskussionen, um Einblicke in Flüchtlingsheime und eben um den Widerstand dagegen. Und während die Kämpfe mit Karli gerne ausufernd gezeigt werden, sind es gerade die Gespräche die zu kurz kommen. Hier verpasst die Serie wirklich in die Tiefe zu gehen und sich einer unbequemen Diskussion zu stellen.
Im großen und ganzen konzentriert sich die Serie zu sehr auf die ganzen Actionszenen, die alle toll choreographiert sind und denen man das hohe Budget auch ansieht, und zu wenig auf das zwischenmenschliche. Lieber werden unzählige oberflächliche Handlungsstränge aufgemacht, als ein paar wenige tiefgründige. Das macht die Serie nicht an sich schlecht. Aber sie verschenkt sehr viel Potential, um sich von der Masse der Filme abzuheben. Ihr fehlt das Alleinstellungsmerkmal und leider fehlt ihr auch der typische Marvelhumor, der nur selten durchkommt. Vielleicht habe ich auch einfach zu sehr auf etwas gehofft, was es am Ende nicht war.

Das Fazit

Falcon and the Winter Soldier ist eine Serie in typischer Marvelmanier, die als Film wahrscheinlich besser funktioniert hätte. Hier wurde gleichzeitig zu viel und zu wenig erzählt und wirkt so sehr unausgeglichen. Dafür entlohnen die Actionszenen, die mit den Kinoproduktionen mithalten können.

Falcon and the Winter Soldier ist seit dem 23.04.2021 vollständig auf Disney+ zu sehen

Disney+ Original: WandaVision

Ein Vorwort

Das Marvel Cinematic Universe ist nach Endgame erst einmal in eine coronabedingte Starre verfallen (ja, es gab noch Far from home, aber für mich bleibt Endgame das Finale aus drei Phasen). Dafür durfte nun nach langem Warten endlich die erste Serie aus dem Hause Marvel auf Disney+ einziehen. Wir erinnern uns kurz, dass es bereits mehrere Serienanläufe gab, von dem sehr nah am MCU stehenden Agents of SHIELD, dem Desaströsen Inhumans oder auch den sehr durchmischten Netflix Produktionen rund um die Defenders. Doch nun sind die Serien wieder direkt mit dem MCU verbunden, so darf Wandavision nun den Anfang bilden und ist zeitgleich das „Intro“ für den zweiten Doctor Strange Film. Aber was kann die Serie nun? Das erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.
Welche Filme man vorab aus dem MCU gesehen haben sollte: Avengers – Age of Ultron, Captain America 3 – Civil War, Avengers – Infinity War, Avengers – Endgame – diese werde ich hier kurz vorstellen.
Welche Filme aus dem MCU gut wären vorab gesehen zu haben: Thor, Thor – the Dark Kingdom, Ant-Man & the WASP, sowie Captain Marvel – hierfür verweise ich auf meine Zusammenfassungen (für die Links einfach die Titel anklicken).
In Avengers – Age of Ultron treffen wir zum ersten Mal auf die Maximoff Zwillinge Wanda und Piedro, die von Hydra mit Superkräften ausgestattet wurden. Als die Avengers die Festung von Baron von Strucker angreifen, werden sie mit Piedros Schnelligkeit und mit Wandas magischen Kräften konfrontiert. Dennoch schaffen die Avengers es, Lokis Zepter zu bergen. Tony Stark (Iron Man) und Bruce Banner (Hulk), versuchen mithilfe des Zepters eine künstliche Intelligenz zu entwickeln, die in ihrer Abwesenheit jedoch zum Leben erwacht und JARVIS – Tonys Butler und Assistent, der ebenfalls eine künstliche Intelligenz ist – in sich aufnimmt. Der somit erschaffene Ultron denkt aber gar nicht daran, sich Befehle erteilen zu lassen und reist nach Sokovia, wo ihn die Maximoffs finden und sich ihm anschließen, da sie aufgrund ihrer Vergangenheit gegen die Avengers sind. Ultron entführt eine Wissenschaftlerin, die einen hochmodernen künstlichen Körper erschaffen soll. Dabei entdeckt Wanda, dass Ultron die Menschheit vernichten will und die Maximoffs stellen sich gegen ihn. Die Intelligenz aus Lokis Zepter wird dennoch in den neuen Körper übertragen, wodurch Vision entsteht. Dieser schließt sich den Avengers an, was misstrauische Stimmen beruhigt. Im finalen Kampf gegen Ultron stellen sich die Maximoffs auf die Avengers Seite und auch Vision kämpft mit. Piedro stirbt jedoch im Kampf, als er sich schützend vor Hawkeye stellt.
In Captain America 3 – Civil War sind Wanda und Vision inzwischen feste Mitglieder der Avengers und leben zusammen im Hauptquartier. Bei einem Einsatz in Lagos schafft es Wanda noch den Supersöldner Crossbone mit einer Bombe aus der Gefahrenzone am Boden zu ziehen, dabei kommt er aber zu nah an ein nahestehendes Gebäude, was einen Einsturz auslöst. Daraufhin entflammt eine Debatte, ob Superhelden, wie die Avengers, strengeren Richtlinien des Militärs unterliegen sollten. Dies entzweit die Avengers. Während sich Vision der Seite von Iron Man anschließt und für die strengeren Richtlinien ist, stellt sich Wanda, nachdem sie von Hawkeye aus ihrem Hausarrest befreit wurde, auf die Seite von Captain America, der gegen die Richtlinien ist. Beim Kampf kommt es zu einem Unfall, als Vision den im eigenen Team kämpfenden War Machine schwer verletzt, so dass dieser eine Querschnittslähmung davon trägt.
In Avengers – Infinity War treffen wir Wanda und Vision zum ersten Mal als Paar. Sie sind gerade in Edinburgh und haben sich ein paar Stunden Zweisamkeit erschlichen, als Thanos Helfer auftauchen. Sie wollen den Gedankenstein, der sich in Vision befindet. Mit Hilfe von Catpain America, Falcon und Black Widow, die im richtigen Moment auftauchen, können sie sich retten. Im Hauptquartiert beratschlagen sie, was sie tun sollen und reisen kurz darauf nach Wakanda. Dort soll Shuri, die Schwester von Black Panther, versuchen den Gedankenstein aus Vision zu extrahieren, ohne, dass dieser dadurch stirbt. Die einzige Alternative wäre es, dass Wanda den Stein zerstören müsste, was Vision Tod bedeuten würde. Das wäre die letzte Möglichkeit, damit Thanos nicht an den Stein kommt und so alle sechs Infinity Steine zusammenhätte. Doch im Kampf kommt alles anders und schließlich bleibt Wanda nichts anderes übrig. Unter Aufwendung all ihrer körperlichen und geistigen Kräfte, schafft sie es den Stein und damit Vision zu zerstören. Allerdings ist Thanos bereits im Besitz des Zeitsteins und kann daher alles rückgängig machen. Als er den Gedankenstein von Vision an sich nimmt, zerstört er ihn damit. Nach Thanos Schnippser, der die halbe Weltbevölkerung auslöscht, ist auch Wanda dabei und löst sich auf.
In Endgame sind fünf Jahre vergangen seit den Ereignissen in Infinity War. Die übrig gebliebenen Avengers versuchen noch immer Thanos Auslöschung rückgängig zu machen. Schließlich gelingt es und so kehrt auch Wanda zurück. Allerdings kann Vision nicht dadurch zurückkehren, weil der Gedankenstein im finalen Kampf gegen Thanos zerstört wird.

Die Handlung

Wanda (Elizabeth Olsen) und Vision (Paul Bethany) ziehen ins beschauliche Westview, um sich dort häuslich niederzulassen. Dabei haben sie einige Anpassungsprobleme, passen eine Hausfrau mit magischen Kräften und ein Android doch nicht ins übliche Vorstadtleben. Eine Sitcom im Wandel der Zeiten.

Meine Meinung

Wanda und Vision waren bisher nicht meine liebsten Charaktere im MCU und als ihre Serie angekündigt wurde, wollte ich erst passen. Doch Marvel weiß doch immer, wie sie mich kriegen. Und so wurde Wandavision als Sitcom angekündigt. Eine Superheldenserie in Form einer Sitcom? Das musste ich mir dann doch mal angucken.
Und tatsächlich landet man als Zuschauer in der ersten Folge mitten in einer Sitcomwelt der 1950er Jahre. Auch wenn ich keine Ahnung hatte, worauf die Serie hinaus will, hatte ich einfach Spaß bei den Alberheiten und dem Setting. Die zweite Folge setzt dann den Sitcomcharakter fort und orientiert sich eher an die 1960er Jahre. Erst ab der dritten Folge bekommt man einen Einblick dazu, dass etwas nicht zu stimmen scheint. Und ab der vierten fangen dann langsam die Erklärungen an.
Auch wenn mir die ersten beiden Folgen immer noch am besten gefallen, war es danach noch immer eine gute Mischung aus dem Sitcomcharakter und einer guten Portion Mystery. Neue und altbekannte Charaktere wechseln sich ab und es gab ordentlich Fanservice. Wenn möglich sollte man aber zuvor wenig über die Serie wissen, damit die Überraschungen, die den Reiz der Serie ausmachen, noch überraschend bleiben. Deswegen ist auch der Handlungsteil in diesem Beitrag sehr kurz gehalten.
Was man allerdings wissen sollte, ist, dass die Serie eben nicht nur für Marvelfans ist. Denn sie funktioniert, auch wenn sie die typische Marveldynamik erst sehr spät einführt. Tatsächlich fehlt der Serie gegen Ende ein bisschen der zuvor herrschende Charme, aber dafür ist es wieder bildgewaltig und kann qualitativ definitiv mit den Kinoproduktionen mithalten.
Mit 9 Folgen, die zwischen 30 und 40 Minuten lang sind, ist die Serie auch relativ zügig zu schauen. Inzwischen sind auch alle Folgen bei Disney+ enthalten. Nun haben wir genügend Zeit über diverse Handlungsstränge zu diskutieren, Vermutungen über weitere Geschehnisse anzustellen, bis wir hoffentlich mehr in Doctor Strange 2 erfahren. Die Serie ist in sich aber erst einmal geschlossen. Eine zweite staffel ist aktuell wohl auch nicht geplant.

Das Fazit

WandaVision ist in erster Linie eine gelungene Sitcom, kommt aber schnell mit einem Mysterytourch daher, der der Serie nur bis zu einem gewissen Grad guttut. Die Einordnung ins große MCU ist definitiv gelungen. Ob Marvel Fan oder nicht, hier sollte man mal vorbei schauen.

WandaVision ist bei Disney+ auf Abrruf verfügbar

X-Men: New Mutants

Ein Vorwort

Nach einer langen Leidensgeschichte hat es nun der letzte X-Men Film in die Kinos geschafft. Zwischendurch standen die Chancen dafür ja sehr schlecht. Regisseur Josh Boone (Das Schicksal ist ein mieser Verräter) hatte zunächst eine große Vision, sie sollte nah an den Comics bleiben und einem Horrorfilm gleichen. Seitdem wurde der Film immer weiter nach hinten verschoben und immer mehr wurde daran herumgedoktert, bis er schließlich fast neu gedreht wurde. Was der letzte X-Men Film nun wirklich kann und warum er kein Vollfiasko, wie zuvor Dark Phoenix war, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Danielle Moonstar (Blu Hunt) erwacht nach einem Angriff auf ihr Reservat in einem eher ungewöhnlichen Krankenhaus. Unter der Leitung der Ärztin Dr. Reyes (Alice Braga) sind hier eine Handvoll Patienten untergebracht, alle mit ungewöhnlichen Fähigkeiten. Laut Dr. Reyes sollen sie diese kontrollieren lernen, um auf eine größere Sache vorbereitet zu werden. Doch etwas scheint dort nicht zu stimmen.

Meine Meinung

Nach der langen Entstehungsgeschichte habe ich ehrlich gesagt eine absolute Katastrophe erwartet. Ähnlich wie bei Venom, wo man zu viele Handschriften erkannt hat. Zumal die letzten X-Men Filme Apocalypse und Dark Phoenix sich ja eher zu übertreffen versuchten, wer die Reihe unwürdiger beendet hätte. Nun fällt diese Aufgabe den New Mutants zu. Und ganz ehrlich, der Reihe hätte es wesentlich schlechter ergehen können, allerdings auch wesentlich besser.
Mit New Mutants wird sich zum ersten Mal vom klassischen Schema weggetraut. Wir haben hier keine Superhelden im Superheldenanzug und auch keinen klassischen Bösewicht. Wir haben keine Cameos von bekannten Mutanten und auch nur ganz wenig Anspielungen auf die bekannte Welt. Stattdessen haben wir eine Anstalt, die grundsätzlich einem Horrorfilm entsprungen sein könnte, was wohl auch der ursprüngliche Wille des Regisseurs war, und drinnen haben wir eine Mutanten Coming of age Story, die aus gutem Grund mit dem Breakfast Club verglichen wird. 
Das Ganze wurde mit einem überwiegend guten Cast unterstrichen, auch wenn Hauptdarstellerin Blu Hunt ihre Danielle eher blass darstellt. Hier kommt sie gegen ihre erfahreneren Kollegen, allen voran Anya Taylor-Joy, einfach nicht an. Die Stärke des Films liegt auch deutlich in den Charakteren und ihrem Miteinander. Denn solange sich der Film auf das Coming-of-age konzentriert, funktioniert er. 
Das ändert sich leider, sobald er versucht sich auch als Horrorfilm zu präsentieren. Was mir als Schisser vielleicht noch zu Gute kommt, ist leider eine ziemliche Verschwendung des Settings. Die zwischendurch auftauchenden Monster sind wenig gruselig und eigentlich beobachten wir eher die Charaktere, die schreien, wenn es sie selbst betrifft und die anderen die von einem zum anderen rennen. Gerade hier hätte man viel mehr aus dem Setting machen können, mehr mit den Ängsten der Charaktere spielen und die Fähigkeiten der Mutanten mehr einsetzen können.
Denn dann hätte man sich das sehr plumpe Finale wohl auch sparen können. Denn so ist es ein reines „Wir lassen noch einmal alle Charaktere ihre Fähigkeiten zeigen! Und zwar schön nach einander, damit auch alle richtig zur Geltung kommen“. Das ist für das Finale des Finalfilms einer solchen Reihe dann doch sehr billig. 
Letztlich passt der Titel, denn der Film zeigt neue Mutanten, die mit den Filmen zuvor nichts zu tun hatte. Letztlich lässt er sich auch mit den wenigen Referenzen trotzdem ins X-Men Universum einordnen. Was hier aber hätte draus werden können, wenn man dem Regisseur einfach vertraut hätte, bleibt nur zu erahnen.

Das Fazit

X-Men: New Mutants ist wohl nicht der schlechteste Abschluss der Reihe, aber kränkelt dann doch an zu vielen Stellen, um wirklich gut zu sein. So bleibt es nur ein netter Versuch eines Horrorfilms mit Coming-of-Age und Mutantenelementen. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

X-Men: New Mutants läuft seit dem 10.09.2020 in den deutschen Kinos