Eine Handvoll Bücher – 2/26 – Pride Month Special

Es ist Juni und damit Pride Month.

Bedeutet, dass jedes Jahr im Juni die LGBTQIAP+ Gemeinde zu verschiedenen Veranstaltungen, inkl. dem Christopher Street Day, aufruft und so auf ihren Kampf für Gleichberechtigung aufmerksam macht. Beginnend waren die Stonewall Unruhen von 1969, die als Beginn des Kampfes für Rechte und Gleichberechtigung angesehen werden. Wir haben seitdem einen wunderbaren Wandel in vielen Ländern erlebt, aber noch immer sind wir weit von realer Gleichberechtigung entfernt und entfernen uns Tag für Tag mehr davon. Der Rechtsruck lässt Schutzräume kleiner werden und stärkt den Hass.
In diesem Beitrag soll es um ein paar Lesetipps gehen, die sich mit LGBTQIAP+ befassen. Es handelt sich lediglich um eine kleine Auswahl, gerne könnt ihr mir eure liebsten Bücher zu diesem Thema nennen.

Die mit * gekennzeichneten Büchern sind Rezensionsexemplare, die mir unabhängig von diesem Beitrag von den Autor*innen bereit gestellt wurden. Ich bedanke mich noch einmal dafür und kennzeichne diesen Beitrag daher als Werbung.

Die im Beitrag genannten Bücher nebeneinander aufgereiht mit Cover nach vorne, vor einem Bücherregal. Darunter ist ein Herz in den Pridefarben.

Wo wir bleiben

Die Handlung: Ash bekommt eine tödliche Diagnose und glaubt nur noch ein halbes Jahr leben zu können. Doch dann stellt sich heraus, dass die Diagnosen vertauscht wurden. Nur hat Ash bereits ihren Freund verlassen, ihre Wohnung gekündigt und ein Ticket nach Portugal gebucht. Und wozu Pläne ändern? Vor Ort trifft sie auf die Surflehrerin Martha und die verunfallte Tony. Zu beiden fühlt sie sich hingezogen, doch zunächst sind da innere Wunden, die heilen müssen.

Warum das Buch so wichtig ist: Während im Pride Month oft die immer gleichen Bücher vorgestellt werden und es gerade dieses Jahr (zurecht) vermehrt angeprangert wird, sind es gerade diese kleinen Bücher, die sich auch an andere Aspekte der Repräsentation wagen. So haben wir hier ein Buch über Polyamorie, das eine Beziehung zeigt, wo nicht alle drei involvierten Frauen in einer Beziehung sind, sondern Ash sich ihren Gefühlen für sowohl Martha als auch Tony stellen muss. Das unterscheidet es noch einmal von den wenigen Büchern, die ich bisher mit dieser Repräsentation gelesen habe, die ohnehin rar gesäht sind.

Wie Farben im Regen

Die Handlung: Caro und Sam sind das Traumpaar schlechthin am Internat Schloss Mare. Doch Sam scheint sich immer mehr von Caro abzukapseln. Bis er schließlich ein Coming Out vor ihr hat. Sam ist ein trans Mann und möchte mit der Transition beginnen. Die lesbische Caro möchte ihre große Liebe natürlich bei allem unterstützen, aber fragt sich auch, was das für sie als Paar bedeutet.

Warum das Buch so wichtig ist: Sich selbst als Trans zu identifizieren und die Transition durchzuziehen ist ein unfassbar wichtiges Thema und leider noch immer unterrepräsentiert. Aber hier wurde sich bewusst noch einmal für eine andere Perspektive entschieden. Wir haben nicht die Transperson im Fokus oder die Eltern, sondern die Partnerin. Und zwar die lesbische Partnerin, die sich ihrer Sexualität absolut sicher ist und auf einmal mit einem Mann zusammen ist. Der struggle in diesem own voice Roman ist so nachvollziehbar, denn natürlich will man für die Partnerperson da sein und weiß, wie schwer das Coming Out und die Transition ist, aber irgendwo sind da auch die eigenen Probleme und Gedankenstrudel, die auch Aufmerksamkeit brauchen.

Magie & Milchschaum

Die Handlung: Die tapfere Ork-Kriegerin Viv hat nach vielen erfolgreichen Schlachten eine neue Leidenschaft: Kaffee. Daher setzt sie sich zur Ruhe und eröffnet ihr eigenen Café. Doch dabei muss sie zunächst noch einige Hindernisse überwinden.

Warum das Buch so wichtig ist: Wir haben hier ein süßes kleines cosy Fantasy Buch mit High Fantasy Elementen. Was wir in der Regel in diesem Genre nicht haben, ist queere Repräsentation. Aber hier haben wir die Ork-Kriegerin Viv, die ganz nebenbei die Sukkubus Tandri kennenlernt, die ihr mit ihrem Kaffeehaus hilft und ganz nebenbei kommen sich die beiden eben näher. Hier ist der Fokus definitiv nicht auf der Liebesgeschichte, sondern die kleinen und größeren Probleme des Kaffeehauses, aber umso schöner ist es, dass dann eben nicht Standardmäßig auf das Heteronormativ zurückgegriffen wurde, sondern einfach ganz selbstverständlich queere Repräsentation enthalten ist.

Doppeltreffer*

Die Handlung: Kate kann nach vielen Hürden endlich an der Uni Erfurt dem Florettfechten nachgehen. Schade nur, dass ihr großes Idol Amelie den Sport inzwischen aufgegeben hat. Bis sie bei einem Freundschaftsturnier aufeinander treffen. Doch dies verläuft nicht wie geplant und beide bekommen die jeweils andere nicht mehr aus dem Kopf.

Warum das Buch so wichtig ist: Sportromance, but make it queer. Und im Gegensatz zu den ganzen „Trendsportarten“ wie Eishockey, haben wir hier halt Fechten. Und das von einer Autor*in, die nicht einfach irgendeine Sportart nutzen wollte, sondern ihre große Leidenschaft. Aber bevor ich mich zu sehr auslassen, wie cool das ist, kommen wir wieder zum eigentlichen Thema. Denn wir haben hier eine woman loves woman Story, mit Fangirlvibes und hier steht gar nicht so sehr das große Coming Out im Fokus, sondern die ganze einfache Frage: Was passiert, wenn ich mich in mein großes Vorbild verliebe und sie mich auf einmal auch liebt? Und wie viel komplizierter die Frage wird, wenn man auf das gleiche Geschlecht steht.

Prinzessin der 1000 Diebe

Die Handlung: Hana will nichts mit ihrer Familie zu tun haben, wurden sie und ihre Mutter doch aus der Gilde ausgeschlossen. Doch die Nachfolge steht an und ihr Vater hegt auf einmal Familiengefühle und will sie statt ihrer Stiefschwester als Clanführerin sehen. Doch da steht noch eine Prüfung auf Leben und Tod dazwischen. Zum Glück kann sie sich mit einem machtlosen Gott zusammentun, der ebenfalls noch eine Rechnung mit der Familie offen hat.

Warum das Buch so wichtig ist: Hier habe ich mich wieder einmal für ein Buch entschieden, dass auf dem ersten Blick gar nicht queer wirkt, denn unser love-interest – Mr. Tigergott – ist männlich und unsere Prota weiblich. Also eindeutig hetero. Aber eben nicht. Denn Mr. Tigergott hatte in der Vergangenheit auch eine Beziehung zu einem Mann. zu meiner Schande muss ich sagen, dass ich nicht mehr genau weiß, wie er gelabelt wurde (bi, pan, ungelabelt), aber es wird deutlich, dass ein Teil des Pärchens nicht hetero ist. Und dass Beziehungen auch dann queer sind, wenn ein Teil nicht dem heteronormativ entspricht und gleichgeschlechtliche Beziehungen einen nicht weniger queer machen. Und zum Glück wird die frühere Beziehung hier auch nicht nur in einem Nebensatz erwähnt, sondern spielt eine größere Rolle, aber mehr möchte ich aus spoilergründen nicht verraten.

Edens Secret*

Die Handlung: Haru ist aus dem Hiatus zurück, doch noch immer kann er nicht über den Grund seiner Abwesenheit reden. Denn seit dem Liebesgeständnis seines Bandkollegen Honey, hinterfragt er seine Sexualität. Honey ahnt jedoch nicht, dass er im Halbschlaf seine wahren Gefühle ausgeplaudert hat und versteht nicht, wieso Haru ihn immer weiter von sich stößt. Bis eine Dancekompetition ansteht und Haru mit seiner früheren Partnerin und seinem größten Feind zusammenarbeiten muss. Können sie die Vorurteile einer gleich-geschlechtlichen Beziehung in Korea überwinden und zusammenfinden?

Warum das Buch so wichtig ist: Das Buch habe ich euch erst im letzten Monat vorgestellt und mein Plädoyer darüber abgelegt, weswegen es so wichtig ist solche Geschichten, die im immer noch sehr konservativ geprägtem Korea spielen, zu schreiben. Während im K-Pop nicht über Beziehungen gesprochen wird – weder queer, noch straight – dichten Fans gern ihre eigenen Geschichten zusammen und shippen verschiedene Member von Gruppen. Doch was, wenn es diese Gefühle wirklich gibt? Wie schafft man es nicht unter dem Druck unterzugehen? Vor allem, wenn man negative Erfahrungen gemacht hat oder sich noch gar nicht über seine eigene Sexualität im Klaren ist. Ein tolles Buch, das alle Themen dazu beleuchtet.

Was sind eure Empfehlungen zum Pride Month?

Love with Pride

Ein Vorwort

Autorin Lea Kaib ist einigen vielleicht ein Begriff als Booktuberin Liberiarium. Mit ihren Videos und Instagramposts verzaubert sie einen regelmäßig mit buchigen Themen. Nun hat sie sich an ihr erstes eigenes Buch gewagt. Da war ich schon neugierig. Doch LBTBQIAP+ Roman mit Own Voice Hintergrund? Ich musste das Buch haben. Wie mir das Debüt gefallen hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Stella hat keine guten Erfahrungen an ihrer Highschool gemacht. Nun soll es am College ganz anders laufen. In Haydensburgh will sie einen Neustart wagen und mutig sein. Trotz ihrer sozialen Ängste bewirbt sie sich bei den Zeta Kappa Sigmas. Dort trifft sie auf Ellie, die ihr ruhiges Leben ganz schön auf den Kopf stellt.

Meine Meinung

Neuautor*innen oder Menschen, die mit dem Schreiben beginnen wollen, wird oft geraten, viel zu lesen, um dabei zu lernen. Wenn jemand diesen Tipp wirklich gut umgesetzt hat, dann wohl Liberiarium. Aber reicht das, um einen guten Roman abzuliefern?
Vielleicht nicht bei jedem, aber Lea Kaib schafft es eine tolle Geschichte zu zaubern. Das es sich um ein Debüt handelt, merkt man eher an kleineren sprachlichen Dingen, die einen aber wohl auch eher auffallen, wenn man sich selbst mal mit dem Schreiben und Überarbeiten befasst hat – Ich sag nur mein Erzfeind „Als-Konstruktionen“.
Dafür hat die Geschichte so viel mehr zu bieten. Am Anfang habe ich ein bisschen gebraucht, um reinzukommen, vielleicht habe ich auch einfach einen Roman, der an einem amerikanischen College spielt zu viel gelesen. Dafür kreiert Lea mit Stella eine Protagonistin, die durch ihre Mobbingerfahrung geprägt ist und nun versucht daran zu wachsen. Die sozialen Ängste, die sich dadurch entwickelt haben, kann ich persönlich gut nachvollziehen, weswegen ich ganz und gar mit ihr mitgefiebert habe. Die Fortschritte, die sie macht, ebenso wie ihre Rückschläge habe ich bis in jedes Nervenende gespürt.
Ellie ist dabei ihr genauer Gegenpart. Das war wunderbar erfrischend und hat die Atmosphäre an mehreren Stellen deutlich aufgelockert. Man könnte anmerken, dass sie vergleichsweise wenig Ecken und Kanten hatte, aber da der Fokus auf Stella liegt, ist das vollkommen in Ordnung, da Ellie so mehr auf Stella eingehen kann und die Lesenden mit ihr wachsen.
Das es neben den Thematiken Outing, soziale Ängste, Mobbing und Labels auch um das Thema Studierendenverbindungen geht, hatte mich beim Klappentext etwas gestört. Aber ich finde die Aufarbeitung der Thematik sehr gelungen, da sie nicht so hochglorifiziert werden und das Für und Wider gerade durch Stellas Mitbewohnerin thematisiert wird. Schattenseite wie teilweise erniedrigende Aufnahmerituale werden angesprochen, aber in der Handlung selbst ausgespart.
Letztlich war es eine tolle Geschichte und gerade die Aufarbeitung von sozialen Ängsten hat mir gut gefallen. Ebenso, dass es eine LGTBQIAP+ Geschichte war, die sich mit Labels und Outing zwar beschäftigt, wo die Liebesgeschichte aber im Vordergrund steht. Gerade die Aufteilung in ein Davor und Danach hilft dabei, der Geschichte eine weitere Ebene zu schenken, ohne am Ende noch unbedingt ein paar Szenen anhängen zu müssen.

Das Fazit

Love with Pride ist eine Geschichte mit vielen Themen, die gut ausgearbeitet sind, und mit tollen Charakteren. Die Thematik soziale Ängste habe ich selten so gut aufgearbeitet gelesen und die Liebesgeschichte ist einfach Zucker. Ein Debüt, dem man auf jeden Fall eine Chance geben sollte.