Morbius

Ein Vorwort

Obwohl die beiden Venom Filme nicht sonderlich erfolgreich waren und von Kritiker*innen eher zerrissen wurden, hält Sony am Spider-Man Universum fest, in dem sie Antagonisten der Spider-Man Comics nehmen und ihnen eigene Filme geben. Nun stand Morbius bevor, der wegen der Pandemie mehrfach verschoben wurde. Der Trailer sah nur milde vielversprechend aus, die ersten Rückmeldungen waren sehr negativ. Trotzdem bilde ich mir ja gerne eine eigene Meinung. Warum ich jede negative Kritik nur völlig unterstützen kann, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Für Morbius ist kein Vorwissen nötig. Um alle Andeutungen zu verstehen, sollte man zumindest Venom und Spider-Man Homecoming gesehen haben.
Dr. Michael Morbius (Jared Leto) leidet an einer seltenen Blutkrankheit. Für ein Heilmittel reist der Medizin-Nobelpreisträger nach Costa Rica, um dort seltene Fledermäuse zu fangen und aus ihnen ein Serum zu entwickeln. Nachdem er es sich iniziert hat, verwandelt er sich jedoch und gerät in einen Blutrausch. Er entscheidet, dass die Auswirkungen zu heftig sind und versucht die Negativwirkungen unter Kontrolle zu bekommen. Doch sein Freund Milo (Matt Smith), der unter der gleichen Krankheit leidet, findet es und injiziert es sich ebenfalls. Nun muss Morbius ihn aufhalten und sich selbst unter Kontrolle halten.

Meine Meinung

Einen Film, in dem es um eine von Fledermäusen ausgelöste Mutation geht in einer Pandemie, die möglicherweise durch eine Fledermaus ausgelöst wurde, zu verschieben, war auch abgesehen von geschlossenen Kinos eine gute Entscheidung. Inzwischen konnte man diesen Aspekt zumindest mit Humor nehmen. Das Morbius eine einzige Katastrophe ist, liegt also zumindest nicht daran.
Hat Regisseur Daniel Espinos 2017 mit Life noch bewiesen, dass er intelligente und optisch gute Science-Fiction kann, scheint er hier sein Können gänzlich vorab abgegeben zu haben. Bei Morbius stimmt einfach gar nichts. Schlechtes Drehbuch, wirre Kamerafahrt, billige Effekte, schlechtes Schauspiel und von allem eine Nummer Zuviel sind eine sehr schlechte Mischung.
So beginnt der Film bei der Suche nach den Fledermäusen auf Costa Rica. Mit hölzernen Dialogen wird Protagonist Dr. Michael Morbius „vorgestellt“, die Effekte sind hier noch okay. Wenige Minuten später folgt die Rückblende in die Kindheit. Während hier wohl die Freundschaft zwischen Morbius und Milo erklärt werden soll und eine Verbindung entstehen könnte, wird lieblos durch die Szenen geeilt, keine Tiefe, keine Zeit zur Entfaltung. Zeitsprung zurück, die nicht gerade nachvollziehbare Freundschaft wird genutzt, um die Handlung voran zu treiben. Jared Harris taucht aus irgendeinem Grund als Privatarzt bei Milo auf, eine Erklärung dafür gibt es nicht. Kurzer Abstecher auf hoher See, Test mit dem Serum geht schief. Protagonist: Oh, war ne blöde Idee, seh ich ein, belassen wir es dabei. Doch nein! Der Antagonist muss doch noch geschaffen werden!
Ich belasse es mal dabei. Wir haben zu diesem Zeitpunkt knapp ein Drittel des Films geschafft und das war noch der logische. Alles, was danach folgt, wird immer gestellter, abstruser und so schnell und hektisch erzählt, dass man an keiner Stelle mitfieber kann oder sich auch nur irgendwie für das Kommende interessiert. Denn es ist einfach absolut vorhersehbar. Wie eine Checkliste wird ein Punkt nach dem nächsten emotionlos abgehakt. Kein Innehalten, kein Hinterfragen.
Doch auch darüber hinaus, funktioniert einfach nichts an diesem Film. Die Kamera schwenkt wild hin und her, erfasst kaum eine Szene klar. Alles ist verschwommen und hektisch. Darüber werden billige Effekte gepackt, die aber nicht auffallen, weil wir nicht lange genug auf einer Stelle verharren, um wirklich etwas wahrzunehmen.
Das Schauspiel sollte bei Größen, wie Jared Leto, Matt Smith und Jared Harris wohl auch besser sein, doch bei den platten Charakteren, kann auch diese Riege an Chararakterdarstellern nichts mehr ausrichten. Im Fall von Matt Smith schien es auch nicht gewollt zu sein, so gelangweilt, wie er seinen Milo anlegt.
Was bleibt also zu Morbius zu sagen? Eigentlich nichts, denn im großen Dschungel der Comicverfilmungen so etwas abzuliefern und dann auch noch so groß zu vermarkten, ist schon irgendwie peinlich. So wird das nichts mit Sonys Spider-Man Universum, auch wenn sie vermeintlich den nächsten Film schon angekündigt haben.

Das Fazit

Morbius hakt emotionslos eine Liste ab mit Dingen, die in eine Antagonistenverfilmung gehören, bleibt aber durch die lieblos zusammengeschriebene Handlung, emotionslose Charaktere und schlechten Effekten, mit einer hektischen Kamera nicht nur hinter den Erwartungen zurück, sondern versagt auf ganzer Linie. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Morbius läuft seit dem 31.03.2022 in den deutschen Kinos