Glass Onion

Ein Vorwort

2020 war Knives Out allein nach dem Trailer der von mir am meisten erwartete Film des Jahres. Und er enttäuschte mich nicht, sondern brillierte durch ein einfaches Whoddunit in einer großen Villa mit einigen Verdächtigen. Dennoch war er so intelligent geschrieben und voller unerwarteter Wendungen, dass er mich durchgehend an den Stuhl fesselte. Für mich hat er noch immer die beste Verfolgungsjagd der Filmgeschichte (kleiner Hyundai versucht den schnellen Autos wegzufahren) und Daniel Craig als Benoit Blanc funktionierte einfach als Ermittler, der an die guten alten Zeiten mit Poirot und Co. erinnerte. Nun hatte Netflix die Rechte gekauft und die Fortsetzungen angekündigt. Nach den letzten Netflix Originals war nun das Schlimmste zu befürchten, doch wieder einmal weiß Rian Johnson zu überraschen. Womit diesmal erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Der Milliardär Miles Bron (Edward Norton) lädt seine engsten Freund*innen zu einem Krimidinnerwochenende auf seiner privaten Insel in Griechenland ein. Mit dabei die Firmenbesitzerin und It-Girl Birdie Jay (Kate Hudson), deren Assistentin Peg (Jessica Henwick) Politikerin Claire Debella (Kathryn Hahn), Wissenschaftler Lionel Toussaint (Leslie Odom Jr.) und der problematische Twitcher Duke Cody (Dave Bautista) und dessen Freundin Whiskey (Madelyn Cline). Die Party wird jedoch unangenehm als Brons Firmenmitbegründerin Andi Brand (Janelle Monáe) ebenfalls auftaucht, da diese ein paar Monate zuvor den Gerichtsprozess verlor und damit alle ihre Rechte an der Firma. Ebenfalls überraschend ist das Auftauchen von Benoit Blanc (Daniel Craig), der von irgendjemandem eine Einladung erhielt. Benoit bietet an Ermittlungen zu führen, da er glaubt, dass jemand Bron bei seinem eigenen Krimidinner ermorden möchte.

Meine Meinung

Kann es nach einem perfekten ersten Film eigentlich eine gute Fortsetzung geben? Die Zeichen sahen zunächst schlecht aus, doch Glass Onion setzt auf die richtigen Ansätze und so überzeugt Rian Johnson bei seinem zweiten Streich erneut auf ganzer Linie. Denn anstatt verzweifelt zu versuchen das Erfolgsrezept zu wiederholen, gibt es ein ganz neues Grundszenario. Statt alter Villa mit zerstrittener Familie nun also Privatinsel, Milliardär und auf dem ersten Blick unzertrennliche Freundschaften. So gibt es schon genug Abwechslung, um sich vom ersten Teil weit genug entfernt zu haben, um keine direkten Parallelen ziehen zu können. Zunächst wirken die Charaktere jedoch hochgradig problematisch, weswegen ich zu Anfang meine Zweifel hatte, ob ich den Film mit der Konstellation durchstehen könnte. Sexistischer Twitcher? It-Girl, das angeblich nicht merkt, wenn es antisemitische Phrasen nutzt? Doch dann merkte ich, dass es eigentlich ein geschickter Schachzug war. Denn in dieser Konstellation wäre jeder willkommen als Täter*in oder Opfer.
Das übliche Whodunnit läuft nach einem bestimmten Schema ab. Charaktervorstellung, Gelegenheit, Mord, Ermittlungen, Auflösung. Nun zog sich die Charaktervorstellung immer weiter hin, es gab die Gelegenheit und doch … fehlte der Mord. Denn wie schon im ersten Knives Out hatte Rian Johnson hier noch einige Überraschungen parat. So bleibt die Struktur zwar irgendwo bestehen, doch es wird mit ihr gespielt. Es werden ungeschriebene Regeln gebrochen, neue aufgestellt und den Zuschauenden immer wieder alles präsentiert und doch gleichzeitig verschwiegen.
Ich selbst wäre wohl sehr lange im Dunkeln getappt, wenn mein Mann nicht seine Vermutung aussprechen musste und ich kurz darauf dann tatsächlich den späteren Beweis entdeckte. Doch auch, wenn ich mir daraufhin sehr sicher war, auf wen die Ermittlungen zu laufen, ist auch hier gerade das Wie wieder sehr entscheidend. So brach dadurch die Spannung in keiner Weise ab, sondern nahm fast noch zu, weil nun die Frage nach den Beweisen die entscheidende war.
So bietet Glass Onion nicht nur eine traumhafte Kulisse und erneut einen sehr sehenswerten Cast, sondern erneut einen spannenden Fall rund um Ermittler Benoit Blanc, der lediglich minimal an Charisma eingebüßt hat, weil sich die Handlung mehr auf ihn konzentrierte. Zudem vereint der Film gekonnt das Whodunnit aus dem Krimibereich mit Elementen der Komödie und gerade die kleinen Feinheiten, die gespickt sind mit Andeutungen und Cameos machen den Film wunderbar rund.
So würde ich den ersten Teil noch immer als den besseren bezeichnen, weil seine unkonventionelle konventionelle Art dort noch mehr überraschen konnte, doch der zweite Teil muss sich keinesfalls verstecken und dürfte wohl zu den Highlights gehören, die Netflix zu bieten hat.

Das Fazit

Glass Onion ist der Beweis, dass gute Fortsetzungen existieren und das Netflix doch noch gute Filme produzieren kann. Guter Cast, traumhafte Kulisse, ein ungewöhnliches und damit überraschendes Whoddunit und eine gute Portion Humor in den ansonsten spannenden Film sorgen für ein Filmvergnügen vom Feinsten. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Glass Onion läuft seit dem 23.11.2022 in den deutschen Kinos und seit dem 23.12.2022 auf Netflix

Knives Out

Ein Vorwort

Rian Johnson ist für viele wohl nur der Typ, der Star Wars 8 gemacht hat und für viele auch versaut hat. Da ich immer noch ein großer Verteidiger seines Films bin und Mr. Johnson daher in keinster Weise grolle, war ich sehr offen für sein neustes Werk. Das dies auch noch in bester Agatha Christie Manier und mit einem sehr interessanten Cast daher kommt, war für mich nur noch ein weiterer Grund. Warum Knives Out für mich schon jetzt zu den besten Filmen des Jahres gehört, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Der berühmte Krimiautor Harlan Thrombey (Christopher Plummer) wird tot aufgefunden. Schnell wird Selbstmord diagnostiziert und seine Familie trifft sich auf dem Anwesen zur Testamentseröffnung. Doch dann tritt Benoit Blanc (Daniel Craig) auf, ein berühmter Detektiv. Und so müssen sich alle Familienmitglieder noch einmal zur Befragung.

Meine Meinung

War es der Koch in der Küche, der Butler im Salon oder doch der Gärtner im Garten? Auch wenn das Anwesen auf dem der Film hauptsächlich spielt schon rein von der Optik wie ein Cluedo-Brett aussieht, sind die klassischen Verdächtigen gar nicht dabei. Stattdessen finden sich in der Familie genug Verdächtige. So scheint fast jeder irgendwo einen Grund zu haben und irgendwie auch keinen.
Johnson scheint den Film zunächst wie ein einfaches Whodunit aufzuziehen. Die einzelnen Charaktere werden zur Befragung geholt und dürfen ihre Version der Ereignisse wiedergeben. Gleichzeitig wird dem Zuschauer die reale Version gezeigt. Dies wäre dann bereits die erste Modernisierung, dass auf die Off-Stimme, die die Lüge erzählt, verzichtet wird, und der Zuschauer gleich von der Wahrheit weiß. Doch sobald diese Sequenz vorbei ist und der Zuschauer praktisch die Motive so ziemlich aller Familienmitglieder kennt, bricht Johnson gewaltig mit der Tradition. Denn er zeigt, wie Harlan gestorben ist. Oder doch nicht? Vielleicht auch nur unvollständig? Nun wir wollen nicht weiter spoilern. Auf jeden Fall setzte er den Zuschauer noch einmal auf eine ganz neue Fährte. Und spätestens ab hier hat der Film absolut jeden in den Bann gezogen.
Das liegt vor allem auch an Craigs sehr interessanter Darstellung den Benoit Blanc. Denn nicht nur die Erzählstruktur erinnert stark an einen Agatha Christie Roman, auch Blanc wirkt wie ein etwas weniger aufregter Poirot. Doch setzt er ganz pointiert eine gewisse Verrücktheit in die ansonsten elegante britische Fassade, so dass man gar nicht genug von ihm kriegen konnte. Gepaart wird das mit einer wirklich spannenden Geschichte, bei dem ich – mal wieder – bis zum Ende nicht auf den wahren Mörder gekommen bin. Oder war es doch der vermutete Selbstmord? Ich bin aber sehr stolz darauf, dass ich zumindest den Tathergang vermuten konnte. Aber als i-Tüpfelchen gibt es so viele Kleinigkeiten zu entdecken, in denen Johnson mit dem bekannten bricht und die klassische Geschichte modernisiert. Zumal sich sein Cast auch nicht bitten lässt und ihre Charaktere mit einer absoluten Inbrunst verkörpern.
Ich könnte an dieser Stelle noch über so einige Dinge ins Schwärmen kommen, wie zum Beispiel die wohl coolste Autoverfolgung der Filmgeschichte, aber dafür müsste ich viel zu sehr ins Detail gehen und ich möchte die ganzen Entdeckungen nicht vorweg nehmen. Also bleibt mir nur zu sagen: Wer mit dem Prinzip der Detektivgeschichte und des Whodunit etwas anfangen kann, der sollte diesen Film unbedingt sehen.

Das Fazit

Knives Out ist ein spannender, witziger und an so vielen Stellen charmanter Film mit einem tollen Daniel Craig als Detektiv, dass ich ihn nur wärmstens empfehlen kann. Rian Johnson schafft es klassische Motive zu moderniesieren und ihnen dadurch neues Leben einzuhauchen. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Knives Out läuft seit dem 02.01.2020 in den deutschen Kinos.