Pride Month 2020 – Eine Handvoll (oder auch mehr) Filme

Es ist Juni und damit Pride Month. Bedeutet, dass jedes Jahr im Juni die LGBTQ+ Gemeinde zu verschiedenen Veranstaltungen, inkl. dem Christopher Street Day, aufruft und so für ihren Kampf auf Gleichberechtigung aufmerksam macht. Beginnend waren die Stonewall Unruhen von 1969, die als Beginn des Kampfes für Rechte und Gleichberechtigung angesehen wird. Wir haben seitdem einen wunderbaren Wandel in vielen Ländern erlebt, aber noch immer sind wir weit von realer Gleichberechtigung entfernt. In diesem Beitrag soll es um ein paar Anspieltipps gehen, die sich mit LGBTQ+ befassen. Es handelt sich lediglich um eine kleine Auswahl, gerne könnt ihr mit eure liebsten Filme zu diesem Thema nennen.

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Der verlorene Sohn

Die Handlung: Jared Eamons wächst als Sohn eines Baptistenprediger auf und ist damit sehr christlich erzogen. Auf dem College wird er von einem Kommilitonen vergewaltigt. Als dieser aus Angst, dass Jared ihn verrät, ihn bei seinen Eltern outet, gesteht ihm sein Vater, dass er keinen schwulen Sohn unter seinem Haus wohnen lassen kann. Da Jared sich selbst nicht über seine Gefühle im Klaren ist, stimmt er zu, einer Konversionstherapie beizuwohnen. Unter der Leitung von Victor Syked soll er innerhalb von 12 Tagen im sogenannten „Love and Action“-Zentrum zum Heterosexuellen umerzogen werden. Jared steht nun im Kampf um sich, seiner Familie und seinem Glauben.

Warum dieser Film so wichtig ist: Joel Edgerton verfilmt hier die Geschichte von Garrard Conley. Der Film nimmt sich zwei wichtiger Thematiken an. Zum einen die Intoleranz der Kirche gegenüber allen Mitgliedern der LGBTQ+ Gemeinde. Das dieser Glaube an einen wütenden Gott sich immer noch hält und ganze Familien zerstören kann. Und die daraus resultierende Thematik der Konversionstherapie. Der Glaube, dass wir alle Hetero geboren wurden und alles andere eine Krankheit oder falsche Erziehung sei, hängt darin. Dieser Film prangert niemanden wegen seines Glaubens an. Aber er prangert an, was in diesen Therapien propagiert wird. Er prangert an, dass es Leute gibt, die Eltern einreden, dass mit ihren Kindern etwas nicht stimme, nur wegen ihrer Sexualität und daraus auch noch Profit generieren. Dabei wird selbst der Leiter Victor Sykes nie als großer Bösewicht dargestellt, sondern Edgerton erzählt die Geschichte sehr ruhig, nachdenklich und reduziert. Allein die erzählten Themen stützen die Dramatik des Films.

Love, Simon

Die Handlung: Simon Spier ist ein ganz normaler Jugendlicher. Er hat drei gute Freunde und ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern. Sein einziges Geheimnis ist, dass er schwul ist. Als auf einem Tumblr-Account ein geheimnisvoller Blue sich outet, beschließt Simon mit ihm zu schreiben. Nach und nach verliebt er sich in Blue. Als er vergisst sich am Schulcomputer richtig auszuloggen, erfährt sein Mitschüler Martin sein Geheimnis. Fortan wird Simon von Martin erpresst, da sich Martin in eine Freundin Simons verliebt hat und ein Date will. Simon soll ihn helfen, sonst würde Martin ihn outen.

Warum dieser Film so wichtig ist: Love, Simon wird oftmals als Mainstream-Kitsch kritisiert. Ich sage, es ist gerade gut, dass auch das Mainstream-Hollywood eine Geschichte über das Coming-Out eines homosexuellen Jungen erzählt. Das es einfach kein Tabu-Thema mehr ist oder maximal als schwuler bester Freund toleriert wird. Wir haben hier einen ganz normalen Jungen mit einer ganz normalen Geschichte, der davon träumt, dass es in einer nahen Zukunft nicht mehr nötig ist, sich zu outen. Irgendwo zwischen Drama und Komödie ist diese Geschichte angesiedelt, lässt einen lachen, weinen, mit den Charakteren mitfühlen und ja, die Endszene ist sehr kitschig. Aber das stört uns in anderen Filmen auch nicht.

Porträt einer jungen Frau in Flammen

Die Handlung: 1770 reist die junge Malerin Marianne auf eine abgelegene Insel. Sie soll sich dort als Gesellschaftlerin ausgeben und heimlich ein Porträt von der adligen Heloise anfertigen. Dies soll ihrem Verlobten zur Hochzeit geschenkt werden. Heloise ist jedoch nicht einverstanden mit der Verlobung und verweigert daher auch das Anfertigen des Porträts. Marianne gibt ihr Bestes, doch nach dem ersten Versuch wirft ihr Heloise vor, sie gar nicht richtig zu kennen. Marianne bekommt einen zweiten Versuch und in Abwesenheit von Heloises Mutter kommen sich beide Frauen näher. Dies bringt Mariannes Malerei auf ein ganz neues Level.

Warum dieser Film so wichtig ist: Vergesst alle Romanzen, Liebesgeschichten, berühmte Beziehungen und Schauspieler, die angeblich die Anziehung zweier Personen gut rübergebracht hätten. Denn die Anziehung zwischen Marianne und Heloise ist unglaublich intensiv und wird größtenteils durch Blicke und kleine Berührungen vermittelt. So haben wir eine Geschichte über eine Liebe zwischen zwei Frauen, die zu der Zeit natürlich in keiner Weise toleriert werden würde und die bevorstehende Vermählung Heloises steht immer mit im Raum, dennoch wird nicht die ganze Zeit auf den Umstand hingewiesen. Keine langen Gespräche á la „Wir dürfen das nicht“. So haben wir einen Film, der die Liebe der beiden Frauen als etwas vollkommen natürliches darstellt und die Zwangsverheiratung Heloises mit einem Mann als etwas unnatürliches.

Call me by your name

Die Handlung: Der 17-jährige Elio verbringt den Sommer auf dem Landsitz seiner Eltern in Norditalien. Wie jedes Jahr lädt sein Vater, ein Archäologe, einen Studenten für sechs Wochen zu sich ein, damit dieser ihn bei seinen Forschungen helfen kann. Dieses Jahr ist es der 24-jährige Oliver. Während Elio Oliver wegen seiner Art, die er als Arrogant empfindet, zunächst nicht leiden kann, kommen sich beide schon bald näher.

Warum dieser Film so wichtig ist: Call me by your name spielt im Jahr 1983. Auch wenn wir dies vielleicht als nahe Vergangenheit betrachten, war es damals für homosexuelle Paare nochmal deutlich schwerer als heute. So müssen Elio und Oliver ihre Beziehung von Anfang an geheim halten. Dennoch hat der Film eine unglaubliche Leichtheit und man vergisst einfach alle Probleme, die auftauchen könnten. Und vor allem am Ende der Monolog des Vaters ist unglaublich tiefsinnig und so wichtig.

Danish Girl

Die Handlung: Gerda und Einar Wegener sind Anfang der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein Künstlerpaar in Dänemark. Als ein Model Gerdas ausfällt, springt Einar kurzerhand ein. Dadurch entdeckt er seine feminine Seite wieder. Er springt noch öfter ein und bald entwickelt es sich als Spiel zwischen dem Paar und Einar wird auch immer öfter in der Öffentlichkeit zu Lili. Als Einar beschließt sich einer geschlechts-angleichenden Operation zu unterziehen, wird die Beziehung der beiden auf eine harte Probe gestellt.

Warum dieser Film so wichtig ist: Wir wenden uns von der Homosexualität einem wahrscheinlich noch viel schwierigerem Thema zu: Transsexualität. Genauer gesagt begegnet uns mit Einars Wandel zu Lili Elbe eine der ersten Transsexuellen der Welt. Dabei befasst sich der Film an erster Stelle mit Einars Erkenntnis Lili sein zu wollen und der zunehmenden Nichtakzeptanz seines derzeitigen Geschlechtes. Gleichzeitig begleitet der Film Gerda auf ihrem Weg. Kritisiert wird der Film zwar von vielen Seiten, weil er wichtige Schritte in der Beziehung des Paares ausspare und auch die damaligen Operationsbedingungen beschönige. Das mag zwar alles sein, aber hier wird halt mehr Augenmerk auf Einars Gedanken gelegt. Und allein, dass das Thema angesprochen werden kann, ist schon ein großer Schritt.

Alle Farben des Lebens

Die Handlung: Ray  ist als Ramona geboren, lebt inzwischen aber seit fünf Jahren als Ray. Nun will der 16-jährige auch die offizielle Geschlechtsangleichung vollziehen lassen. Dafür braucht er die Unterschrift beider Elternteile. So muss seine alleinerziehende Mutter ihren Ex ausfindig machen. Dieser ist der Angleichung jedoch abgeneigt. Keine große Hilfe ist Rays lesbische Großmutter, die ebenfalls mit im Haus lebt.

Warum dieser Film so wichtig ist: Wir bleiben beim Thema Transsexualität. Diesmal gehen wir in moderne Zeiten und betrachten die Seiten der Familie. Ray, der sich lange genug im Körper des falschen Geschlechts befunden hat und endlich er selbst sein will, seine Mutter, die es versucht zu verstehen und dennoch damit hadert ihre Tochter aufzugeben und schließlich der Vater, der zwar nie da war, sich nie um die Erziehung gekümmert hat, aber auf einmal meint, er wüsste es besser und gegen die Angleichung ist. Dabei bekommt jede Seite Zeit ihren Standpunkt darzustellen.

Brokeback Mountain

Die Handlung: Ennis und Jack lernen sich als Schafhirten auf dem Brokeback Mountain kennen. Während des einsamen Sommers kommen sich beide näher und erkennen ihre Liebe zueinander. Doch als sie nach der Saison wieder abreisen, kehren beide in ihr Leben zurück. Doch nach einigen Jahren treffen sie sich wieder und entfliehen ihrem Alltag. So geht es zwanzig Jahre lang.

Warum dieser Film so wichtig ist: Wir kehren zurück zum Thema Homosexualität. Und zwar zu einem Film, der eine ziemliche Kontroverse in den USA ausgelöst hat, da er das „Bild des Cowboys zerstöre“. Dabei haben wir hier einfach einen Film über zwei Männer, die ineinander verliebt sind, aber aus Angst vor der Reaktion der Gesellschaft sich in heterosexuelle Ehen flüchten und sich nur zweimal im Jahr sehen. Es geht darum, was das mit ihren Wünschen und Träumen macht. Dabei wird die Gesellschaft an sich gar nicht gezeigt, vor der sie Angst haben, sondern die Konzentration liegt auf beiden Charakteren.

Was sind eure Filme zum Thema Pride im Pride Month Juni? Gerne her mit dem Empfehlungen!

Verpasst aber nicht vergessen – Teil 5 – Oscarspezial

Hallo ihr Lieben,
die Verleihung der legendären Academyawards findet in Kürze statt und ich habe noch schnell drei Filme nachgeholt, die nominiert wurden und möchte euch vorab noch schnell meine Meinung dazu nennen.

The Danish Girl

Am 07.01.2015 erschien ein Film, der sich mit der ersten Geschlechtsumwandlung befasst in den deutschen Kinos.
Das Künstlerpärchen Einar und Gerda Wegener leben ein glückliches Leben in Kopenhagen. Doch Einar fühlt sich nicht ganz wohl in seinem Körper, kann es aber nicht definieren, woher dieses Gefühl kommt. Bis Gerdas Model ausfällt und Einar ihre Strümpfe und ihr Kleid anzieht. Dadurch entwickelt er seine zweite Persönlichkeit Lili. Was als Spiel des Ehepaares beginnt, wird für Einar zu einer wahren Persönlichkeitsfrage. The Danish Girl ist ein Film, der den inneren Zwiespalt einer Person, das Unwohlfühlen im eigenen Körper so authentisch darstellt ohne darüber viele Worte verlieren zu müssen. Einar hat wenig Chancen mit jemanden darüber zu reden. Ärzte sehen in ihm eine gestörte Persönlichkeit, seine Frau Gerda weiß nicht, wie sie mit der Situation umgehen soll. Einerseits will sie ihren Mann glücklich sehen und ihn daher bei seiner Findung unterstützen, andererseits brauch sie auch ihren Mann als Stütze im Leben. Eddie Redmayne und Alicia Vikander harmonieren perfekt vor der Kamera und haben für ihre Leistung zu Recht Oscar-Nominierungen bekommen. Der Film hält einen hohen Spannungsgrad, auch wenn von Anfang an der Ausgang relativ klar ist. Trotzdem überrascht das Ende und rührt einen noch eine längere Zeit. Lediglich bei den Kostümen verfehlt der Film knapp das Ziel. Die Geschichte von Lili spielt in den 1920er Jahren, die Kostüme spiegeln aber eher die Jahrhundertwende wieder. Trotzdem sind die Schauplätze sehr schön, man fühlt den Kontrast des Kopenhageners und des Pariser Lebens zu der Zeit.
Alles in allem berührt der Film sehr und führt zu der ein oder anderen Träne im Auge und bekommt dafür 09 von 10 möglichen Punkten.

 Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten

Am 21.01.2016 erschien ein Film über das Heimatgefühl und wie schwierig es ist seine Heimat zu verlassen in den deutschen Kinos.
Die Irin Eilis hat in Irland keine Zukunft. Durch die Wirtschaftskrise gibt es keine Jobchancen und ihre Schwester organisiert daher, dass sie in die USA auswandern kann. Doch Heimweh plagt sie, trotz Job und Abendschule. Erst als sie sich in den Italiener Tony verliebt, fühlt sie sich besser. Als jedoch ihre Schwester stirbt, muss sie zurück nach Irland. Dort läuft es nun besser für sie, sie findet einen Job und lernt den netten Jim kennen. Doch ist Irland noch ihre Heimat?
Brooklyn ist ein herzerwärmender Film, der sich weniger um die klassische Liebe dreht, als viel mehr um die Liebe zur Heimat. Die Frage ist pernament: Wo gehör ich hin? Kann sich auch in einem fremden Land das Heimatgefühl aufbauen? Und was passiert, wenn die Gründe für die Auswanderung plötzlich wegfallen? Dabei dramatisiert der Film nicht großartig, sondern erzählt relativ langsam, aber auf sehr schöne Weise die Geschichte von Eilis. Auch Saoirse Ronan überzeugt durch ein minimalistisches Schauspiel. Sie überzeugt einen mit ihren Emotionen ohne offensichtliches Lachen oder der bebenden Unterlippe. Man fühlt mit Eilis mit und kann ihre innere Zerissenheit nachvollziehen. Obwohl der Film langsam und ruhig erzählt wird, ist er doch an keiner Stelle langweilig.
Alles in allem ist Brooklyn ein schöner Film über das Heimatgefühl und jetzt schon einer der schönsten Filme des Jahres. Dafür gibt es 09 von 10 Punkten.

Spotlight

Am 25.02.2016 erschien die Verfilmung der mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnete Journalismusarbeit um den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in den deutschen Kinos.
Der Boston Globe hat ein spezielles Team für investigativen Journalismus: Spotlight. Der neue Chefredakteur des Globe setzt dieses Team auf einen Missbrauchsfall von einem katholischen Priester an einem Jungen an. Doch bald merkt das Team, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. Auch Anwälte sind mit in den Skandal verwickelt, die immer zwischen der Kirche und den „Opfern“ vermitteln.
Spotlight ist ein Film, dessen Ausgang man schon kennt. Man weiß, dass die Story veröffentlicht wurde und das es einen riesen Skandal auslöste. Aber trotzdem ist der Film durchgehend spannend. Er zeigt in allen Ausführlichkeiten die Recherchearbeiten des Teams mit allen Steinen, die ihnen in den Weg gelegt wurden und mit allen moralischen Fragen. Dabei decken sie immer mehr auf und man entdeckt das eigentliche Ausmaß. Die Schauspielleistungen sind durchgehend gut, was auch daran liegt, dass ein sehr starker Cast gewählt wurde. Die Oscar-Nominierungen für Mark Ruffalo und Rachel McAdams sind jedoch unbegründet, da sie keine herausragenden Leistungen zeigen, sondern standarisierte gute Leistungen. Gerade Ruffalo fällt teilweise fast ins Overacting und steigert sich sehr in seine Rolle hinein. Die Handlung ist, obwohl das meiste bereits bekannt ist, packend und mitreißend, allerdings sollte man sich schon für das Thema interessieren.
Alles in allem ist der Film eine packende Umsetzung der Recherchearbeiten mit einem starken Cast und erhält daher 08 von 10 Punkten.