Venom – let there be carnage

Ein Vorwort

Nachdem Sony Spider-Man an Disney verkauft hat, allerdings nur mit einer begrenzten Wahl an Antagonist*innen, versuchten sie selbst ihr Franchise aufzubauen. Doch nach den vielen Problemen des ersten Teils, glaubte wohl kaum noch jemand an einen zweiten Teil. Aber das hält ja bekanntlich in Hollywood niemanden ab. Nur sah der Trailer wenig vielversprechend aus. Warum ich den Film nicht so schlecht fand, wie befürchtet, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

In Venom stürzt ein Raumschiff der Life foundation ab. An Bord vier Symbionten. Während drei eingefangen werden können, flieht der vierte, in dem er Besitz von einer Ärztin ergreift. Gleichzeitig hat der Journalist Eddie Brock ein Interview mit dem Chef der Life Foundation Dr. Carlton Drake. Als er sich jedoch kritisch ihm gegenüber äußert, lässt, dieser ihn entfernen. Brock verliert kurz darauf seinen Job und seine Verlobte, die ebenfalls ihren Job verliert. Sechs Monate später wird Brock um Hilfe gebeten. Eine Mitarbeiterin bei der Life Foundation ruft ihn wegen ethischer Bedenken an, da die Experimente mit den Symbionten auf Menschen ausgeweitet werden sollen. Bei einem gescheiterten Befreiungsversuch nimmt ein Symbiont Besitz von Eddie, der kurz darauf übermenschliche Kräfte an sich feststellt. Dies lässt er von dem neuen Freund seiner ehemaligen Verlobten Anne untersuchen, der ihm kurz darauf mitteilt, dass er von einer Art Parasit befallen sei. Da Drake inzwischen von Brocks Einbruch weiß, setzt er eine Söldnergruppe auf ihn an. Bei der Flucht kommt es wieder zu seltsamen Ereignissen und Eddie flieht schließlich in veränderter Gestalt vor der Polizei.
Wieder bittet er Anne und ihren neuen Freund um Hilfe. Sie schaffen es Venom, so hat sich der Symbiont vorgestellt, von Eddie zu lösen, dieser kann jedoch fliehen. Zeitgleich sterben die anderen zwei Symbionten bei der Life Foundation, doch der vierte, der beim Absturz fliehen konnte, ergreift Besitz von Drake. Dieser will nun ein Raumschiff fertig machen, um noch mehr Symbionten auf die Erde zu holen, wodurch jedoch das Leben auf ihr vernichtet wird. Venom will das verhindern und verbindet sich wieder mit Eddie. Es kommt zum großen Kampf zwischen den beiden Symbionten. Dabei wird Drake zusammen mit seinem Symbionten getötet. Eddie und Venom überleben. Anne und Eddie söhnen sich aus, dennoch verschweigt er ihr, dass Venom überlebt hat und noch immer mit ihm verbunden ist.
In einer Mid-Credit-Scene trifft Eddie wieder in seiner Form als Journalist auf den eingesperrten Serienmörder Cletus Kasady. Damit wird unmittelbar der zweite Teil angekündigt.

Die Handlung

Eddie Brock (Tom Hardy) lebt noch immer mit dem Symbionten Venom in einem Körper. Dies birgt einige Probleme. Doch als er ins Gefängnis gerufen wird, um mit dem Serienmörder Cletus Kasady (Woody Harrelson) zu sprechen, findet Venom den entscheidenden Hinweis, um Cletus der Todesstrafe auszusetzen. Bei der Henkersmahlzeit gibt es einen Zusammenstoß von Kasady und Brock, wodurch dieser kurz sein Blut testet. Kurz darauf kann Kasady fliehen. Doch nicht nur das. Er scheint seinen eigenen Symbionten zu besitzen: Carnage.

Meine Meinung

Der erste Film kränkelte vor allem daran, dass zu viele Regisseure daran herumgedoktort haben und so die Tonalität sich ständig geändert hatte. Nun wurde für den zweiten Teil Andy Serkis verpflichtet. Dieser hat sich als Schauspieler auf jeden Fall einen Namen gemacht, als Regisseur ist er noch eher unbekannt, auch wenn er vorher schon zweimal den Regiestuhl übernahm. Das hat dem Film insofern gut getan, dass er wirklich wirkt, wie aus einer Vision erschaffen.
Nach dem Trailer hatte ich nicht erwartet, dass der Film funktioniert. Ein bisschen witzige Dialoge zwischen Eddie und Venom, und übermäßig viel Action mit Carnage. Herausgekommen sind witzige Dialoge zwischen Eddie und Venom und übermäßig viel Action mit Carnage. Aber! Es gibt tatsächlich so einen Anflug von aufeinander aufbauender Handlung, Charakterentwicklung und Tiefe. Nicht wirklich viel, versteht mich nicht falsch, aber doch deutlich mehr als der Trailer erwarten ließ.
Schon von Anfang an merkt man, dass Eddie und Venom eher schlecht als recht miteinander klar kommen. Neben der Grundhandlung rund um Kasady und später Carnage, geht es auch um das Zusammenleben mit einem Symbionten und die Probleme, die entstehen, wenn man sich mit jemanden den Körper teilen muss. Hier scheint vor allem Venom so eine Art Pubertät durchzumachen und sich von seinem strengen „Vater“ zu lösen. Gerade diese eher kleinen Szenen sind es, die zeigen, was der Film hätte sein können.
Auch die Hintergrundgeschichte von Kasady kommt zunächst einfach viel zu kurz, um dann im Endkampf mal eben eingeworfen zu werden. Das war dann leider der falsche Zeitpunkt, um die Ethik hinter seinen Taten auszudiskutieren. Da hätte vorher ein kritischer Blick deutlich besser getan, hätte dem Film aber mehr geboten. Wobei das verrückte Duo aus Woody Harrelson und Naomie Harris unglaublich viel Charme hat. Man möchte den beiden zwar nie begegnen, aber ihr tragisch verrückte tödliche Liebe schafft es die vielen Actionszenen zu mehr zu machen und auch der Endkampf wird dadurch aufgewertet.
Letztlich schafft Serkis es nicht das Venomverse neu zu erfinden. Er orientiert sich von der Tonalität her stark am Vorgänger, lässt aber viel eigenes einfließen. So ist Let there be Carnage ein Film, den man nett mal weggucken kann, bei dem dann die Schwächen auch nicht so ins Gewicht fallen. Schade ist es, dass man das Potential spürt, dass aber hinter einer belanglosen Actionhandlung verborgen bleibt.
So ist das Sequel nicht die Katastrophe, die ich nach dem Trailer vermutet hatte. Letztlich bleibt auch die Frage, ob ein Antiheld-Actionfilm wirklich Tiefe braucht, oder ob die Skizzierungen dessen bereits reichen. Auf jeden Fall durften sich die Charaktere weiterentwickeln und es war Zeit für ein paar witzige Dialoge, vor allem zwischen Eddie und Venom.

Das Fazit

Venom 2 – let there be carnage schafft es aus dem Schatten des ersten Teils aufzusteigen. Stellenweise erahnt man das Potential einer tiefergehenden Handlung, die dann jedoch von einer Vielzahl von Actionszenen überschattet werden. Letztlich kommt er über ganz nett nicht hinaus. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Venom – let there be carnage läuft seit dem 21.10.2021 in den deutschen Kinos

Venom

Ein Vorwort

Nachdem Sony und Marvel mit den beiden Deadpoolteilen bereits große Erfolge einheimsen konnten, war die Comicfilmwelt wohl für einen weiteren Antihelden bereit. Und zunächst schien ja auch alles gut zu laufen. Der erste Trailer sah technisch gut gemacht aus und Tom Hardy dürfte wohl auch die Idealbesetzung sein. Doch dann kamen die ersten Pressestimmen und berichteten von einem Totalausfall. Das konnte ich nicht glauben und musste mir sogleich ein eigenes Bild machen. Wie schlecht ist Venom also wirklich?

Die Handlung

Der Journalist Eddie Brock (Tom Hardy) ist nach einem misslungenem Interview in Ungnade gefallen und hat Job und Verlobte verloren. Als nun eine Mitarbeiterin von der Life Foundation zu Brock kommt, eben jener Firma wegen der sein Leben eine drastische Wendung nahm, und ihm erzählt, dass die Anschuldigungen wahr sind und der CEO Dr. Carlton Drake (Riz Ahmed) Experimente an Menschen durchführt, muss sich das Brock genauer ansehen. Von seinem Ausflug kommt er mit einem Parasiten wieder. Der Symbiont Venom hat sich in Brock eingenistet. Nun versuchen beide miteinander klar zu kommen und gleichzeitig Drake davon abzuhalten, das Ende der Welt einzuläuten.

Meine Meinung

Als die Nachricht eintraf, dass sich Sony an einem Venomfilm versucht, war die Verwirrung zunächst groß. Denn Disney, genauer Marvel, hatte sich die Rechte für ihren Spider-Man zurück gesichert und mit Spider-Man Homecoming ihren eigenen Teil verfilmt. Venom als Hauptgegner Spider-Mans gehöre doch eigentlich dazu, so nahm der treue Comicleser an. Immerhin gibt es auch kein Batman ohne seinen Joker. Doch Marvel hatte sich nicht die Rechte an allen Spider-Man Gegnern gesichert. So konnte in Homecoming the Vulture auftauchen, aber Sony nun einen Venom Solofilm herausbringen. Spätestens ab hier sind die ersten Comicleser vom Projekt abgesprungen. Ein Venom Film ohne Spider-Man wäre nicht möglich. Doch Sony ließ sich nicht unterkriegen und versucht sich gegen die Konkurrenz aus dem Hause Marvel zu wehren.
Zunächst wurde Tom Hardy als Venom/Eddie Brock verpflichtet. Das stimmte viele schon wieder milde, immerhin ist Hardy als sehr guter Schauspieler bekannt. Verzückt von der Aussicht an Hardys Seite zu spielen, ließ sich auch Michelle Williams verpflichten, die ihr hohes schauspielerisches Niveau spätestens in den oscarnominierten Filmen Manchester by the Sea und Alles Geld der Welt bewies. Das war dann aber auch schon das Ende der ruhmreichen Entstehungsgeschichte. Es folgten Regisseurwechsel, Drehbuchumschreibungen, Nachdrehs. Bei dem treuen Kinogänger schrillten die Alarmglocken. Denn ähnliches ist vor allem aus dem DC Extended Universe bekannt und auch die Filme fielen fast alle bei Zuschauer und Kritikern durch. Doch wie wirkte sich das nun auf den Film aus?
Man merkt schon deutlich, dass einige Regisseure sich am Film versucht haben. So gibt es mehrere Teile des Films, die deutlich eine andere Handschrift tragen. Am Ende ergibt sich zwar ein schlüssiger Film, aber die unterschiedlich ausgeprägten Teile, mal actionlastiger, mal dialoglastiger, hätten durchaus dynamischer gestaltet werden können. Bei der Charakterisierung merkt man dann, warum zu viele Köche den Brei einfach verderben. Denn zunächst ist Eddie Brock ein willensstarker Journalist, der sich nichts sagen lässt und überall die Oberhand behält. Und dann verliert er Job und Verlobte und schon hängt er nicht einfach nur durch, sondern gibt das Bild eines typischen Versagers, der sich leicht beeinflussen lässt. Gleiche nicht nachvollziehbare Sprünge gibt es auch bei dem Symbionten Venom, der von einer Szene auf die andere erst die Welt vernichten und dann auch einmal retten will. Hier fehlt die konsequente Linie.
Handlungstechnisch ist Venom sehr einfach aufgebaut und folgt dem typischen Schema eines Superheldenfilms. Gerade hier hätte Venom mutiger sein dürfen. Wir haben einen markanten Antihelden verkörpert von einem sehr guten Schauspieler. Daraus hätte man mehr machen können. Stattdessen wird sich auf altbekanntes verlassen. Frei nach dem Motto, eine Prise Drama, ein Löffel Humor und ein Liter Action. Vielleicht hätte man das Rezept gerade, was den Humor angeht, ändern sollen. Denn wirklich witzig sind nur die Dialoge zwischen Brock und seinem „Parasiten“. Hier hätte man sich entweder darauf einigen sollen, den knallharten Actionfilm zu drehen, den man angekündigt hat, oder man hätte sich in Deadpoolmanier darauf einigen sollen, den Film auch wirklich witzig zu machen. Aber so sieht Venom wie schon die Filme des DC Extended Universe allesamt so aus, als würden sie dem großen Konkurrenten Marvel hinterherlaufen, aber einfach nicht an ihn heranreichen können. Blöd natürlich, dass Venom der Auftakt von Sonys neuem „Sony’s Universe of Marvel Charakters“ werden sollte. Ob die Idee auch direkt wieder eingestampft wird, wie Universals Versuch seines Dark Universe, nachdem der Startfilm „Die Mumie“ absolut gefloppt ist?
Was Venom ebenfalls fehlt sind die intelligenten Dialoge, gerade am Anfang. Wer auch immer diese Dialoge geschrieben hat, kann froh sein, dass Hardy und Williams es schaffen diese nur halbwegs lächerlich klingen zu lassen, was schon wieder ein großes Lob an die Darsteller ist. Denn gerade in einer romantischen Restaurantszene am Anfang zwischen den beiden, sind die Dialoge einfach nur unterirdisch.
Womit wir wieder einmal auf Michelle Williams zu sprechen kommen. Denn ihre Rolle verdient eindeutig mehr Aufmerksamkeit, als sie bekommt. Denn sie ist tatsächlich ein Love interest, der mehr als nur schreiend wegrennen kann. Sie arbeitet hart an ihre Karriere und verlässt Brock, sobald er ihr nicht mehr guttut. Dennoch ist sie besorgt und hilft ihm, nachdem er sich den „Parasiten“ eingefangen hat. Sie wird in den Kampf mit reingezogen, ohne spezielle Kräfte zu haben. Trotzdem gewinnt sie den Endkampf sogar mehr oder weniger, weil sie als einzige den Kopf und nicht die Muskeln eingesetzt hat. Klar wird sie gerne zurückgelassen, um eben nicht in Gefahr zu geraten, doch sie lässt sich vom Machogehabe der Männerriege nicht unterkriegen. Wie gesagt, ich hätte mir gerne mehr Szenen mit ihr gewünscht!
Zu guter Letzt sollten wir noch über den großen Endkampf reden. Denn dieser ist visuell zwar sehr schön anzusehen, wenn zwei Symbionten gegeneinander kämpfen, doch leider sind die beiden Symbionten farblich sehr ähnlich gestaltet, so dass man schnell den Überblick verloren hat, welches Körperteil nun zu wem gehört. Dadurch verliert man leider auch ein wenig das Interesse am Kampf, weil man ihn nicht nachvollziehen kann.

Das Fazit

Venom ist definitiv nicht der Totalausfall, wie die ersten Kritiken befürchten ließen. Er hat zwar einige Schwachstellen, die jedoch während des Sehens nur bedingt stören und erst im Nachhinein wirklich ins Gewicht fallen. Dennoch ist es schade, dass die ständigen Regisseurwechsel das Potential des Films so klein gehalten haben. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Venom läuft seit dem 03.10.2018 in den deutschen Kinos.