Weltgeschichte to Go

Für längere Autofahrten bevorzugen mein Freund und ich oftmals ein gutes Hörbuch als Alternative zum Radio. Nachdem wir die Regale des ortsansäßigen Buchladens durchstöberten, fanden wir schließlich dieses Hörbuch und Christoph Maria Herbst als Sprecher war ein nicht ganz unentscheidener Faktor.

Wo liegt der Anfang der Menschheitsgeschichte? Was waren die wichtigsten Entwicklungen, die größten Schurken und die wahren Helden der Weltgeschichte? Auf nur 280 Seiten bzw. in unter sechs Stunden schafft Weltgeschichte to Go die wichtigsten Stationen aufzugreifen und pointiert wiederzugeben.

Bei „to Go“ denkt bestimmt jeder erst einmal an einen Kaffee, den man sich unterwegs schnell kauft und damit weiterhetzt. Doch klappt das auch mit der Weltgeschichte – also per Definition die gesamte Geschichte seit dem Urknall? Die Geschichte, die grundsätzlich in mehreren Tausende von Seiten dicken Buchbänden beschrieben wird? Und selbst in diesen werden meist nur die Hochkulturen bzw später die westliche Welt berücksichtigt. Doch Alexander von Schönburg hat sich davon nicht beeindrucken lassen und auf nur 280 Seiten das wichtigste zusammengefasst und somit die Weltgeschicht zum mitnehmen erschaffen. Schon im Vorwort hat macht er deutlich, dass sein Buch sich nur wenig mit Jahreszahlen beschäftigt und schon gar nicht als vollständiger Überblick genutzt werden kann. Stattdessen erzählt er Episodenartig zu verschiedenen Themen. So befasst er sich mit den ersten Hochkulturen, mit den größten Schurken, den wahren Helden, räumt mit Geschichtsirrtümern auf und schafft es sogar die Kunstgeschichte miteinzubeziehen. Dabei betont er immer wieder, dass es sich um seine sehr subjektive Auffassung der Geschichte handelt. Am Ende jedes Kapitels hat er immer noch zu einem neuen Thema eine Top 10 Liste, zu einem immer passenden Thema zum Vorgängerkapitel.
Weltgeschichte to Go ist kein Buch für jemanden, der sich effektiv mit Geschichte auseinander setzen möchte, denn die beschriebenen Fakten sind sehr wenige. Auch dient es keinesfalls als Lehrbuch. Aber wer sich pointiert mit einzelnen „Events“ aus der Geschichte befassen möchte, der sich auf eine sehr subjektive Aufassung von der Weltgeschichte einlassen kann und wer durchaus gewillt ist auch einmal etwas über die Geschichte zu schmunzeln, der ist mit Weltgeschichte to Go gut bedient. Denn der Reiz des Buches liegt gerade in seiner Kürze. So taucht man als Leser/Hörer für eine Weile in vergangene Zeiten ein, ohne sich gleich darin zu verlieren.
Christoph Maria Herbst als Sprecher ist grundsätzlich eine gute Idee, schließlich hat erst seine Stimme „Er ist wieder da“ zu einem unverwechselbaren Hörerlebnis gemacht. Doch diesmal hat er so seine Probleme bei der Betonung. Die Konsonanten stößt er praktisch heraus, so dass man beim Hören regelmäßig aufschreckt. So gut er eigentlich vorlesen kann, hier stört seine Art definitiv das Hörvergnügen.

Alles in allem ein kurzes humorvolles Werk, das die Geschichte einmal aus einem ganz anderen Winkel zeigt, wobei das Hörbuch selbst nicht zu empfehlen ist.

Daughter of Smoke and Bone

Das erste was einem an einem Buch auffällt, dürfte wohl das Cover sein. Und das Cover von Daughter of Smoke and Bone hat mich zugleich in den Bann gezogen. Eine ausführliche Empfehlung und ein Blick auf den Klappentext später und schon stand es willig gelesen zu werden auf meinem Nachttisch.

Die 18 jährige Kunststudentin Karou lebt in Prag und würde eigentlich gerne ganz normal leben. Aber sie ist bei einem Wunschhändler und Chimären – halb Mensch halb Tier – aufgewachsen und muss für ihn immer wieder Aufträge erfüllen, was ihr Leben immer wieder sehr ungeregelt wirken lässt. Doch eines Tages tauchen merkwürdige Brandzeichen auf der Tür zu Brimstones Laden auf.

Das zweite, was mich an dem Buch gereizt haben dürfte, nach dem Cover, war wohl der Haupthandlungsort Prag. Während viel zu viele Bücher, die einen realen Handlungsort haben meistens irgendwo in den USA oder teilweise zumindest noch in Großbritannien spielen, reizte mich dieser “exotische” Ort in einer Fantasy-Geschichte sehr. Zumal ich erst 2015 mir einen eigenen Eindruck von der “goldenen Stadt” verschaffen konnte.
So schlug ich begeistert die ersten Seiten des Buches auf und lernte zunächst die 18 jährige Karou kennen. Sie schien auf dem ersten Blick sehr normal, studiert Kunst an der Hochschule in Prag, hat die gleichen Männerprobleme, die jeder von uns sehr gut kennen dürfte und hat ihre beste Freundin, die sie bei allem unterstützt. Die größte Auffälligkeit an ihr dürfte das strahlend blaue Haar sein. Doch Karou pendelt immer wieder zwischen zwei Welten. Die zweite Welt lernt der Leser als nächstes kennen. Wir gehen mit Karou durch eine versteckte Tür in den Brimestones Laden. Hier lebt der Chimäre – eine Mischung aus Mensch und Tier – zusammen mit drei Helfern. Auch Karou ist hier aufgewachsen und kannte lange Zeit nichts anderes als diesen Laden. Brimstone ist Wunschhändler. Er tauscht Zähne gegen Wünsche ein. Und Karou geht für ihn immer wieder auf kleine Missionen, um Zähne in aller Welt zu erstehen. Durch die gleiche Tür, durch die sie von Prag aus eintrat, kann sie in alle anderen Städte der Welt gehen. Durch diese kleinen Missionen, die sich immer mehr zu häufen scheinen, gerät jedoch Karous erste Welt immer wieder etwas aus dem Gleichgewicht. Eines Tages taucht der Engel Akiva auf. Er markiert die Tür zu Brimstones Laden mit einem flammenden Handabdruck. Doch dann trifft er auf Karou und für beide ändert sich einiges.
Daughter of Smoke and Bone überzeugt durch einen sehr flüssigen Schreibstil und einer unglaublich spannenden Geschichte, die einen das Buch verschlingen lässt. Nach der ausführlichen Einführung der wichtigsten Charaktere, gewinnt die Handlung zunehmend an Fahrt. Zwischendurch gibt es leider immer wieder kleine Durchhänger, in denen man sich fragt, was die Charaktere damit genau bezwecken. Aber das große Geheimnis um Karous Herkunft, das sie selbst nicht kennt, schwebt immer wieder über der Handlung und lässt einen begierig weiterlesen.
Der größte Kritikpunkt an Laini Taylors Werk dürfte ihre Verliebtheit in die Charaktere sein. Karou ist nämlich nicht nur außergewöhnlich hübsch, sie ist auch noch klug, natürlich die Begabteste an der Kunsthochschule, in allem, was sie tut, sehr geschickt und ihr einziger “Makel” ist ihr schlecht gewählter Ex-Freund. Bei der ausführlichen Beschreibung ihrer Person, wollte ich das Buch zunächst im hohen Bogen aus dem Fenster werfen, denn so perfekte Frauen gibt es nirgendwo, auch nicht im Laden eines Wunschhändlers. Ich gab dem Buch aber noch eine Chance und dies blieb auch der größte Fehler des Buches. Die anderen Charaktere wurden im Laufe des Buches mit weitaus mehr Tiefgang beschrieben.
Daughter of Smoke and Bone wird aus der Sicht von Karou und Akiva geschrieben. So erfährt man von beiden Protagonisten die Gedankenwelt und hilft auch bei der Erzählung der Geschichte von beiden Seiten. So ist kein eindeutiges Einteilen in Gut und Böse möglich, sondern alle Seiten werden mit Vor- und Nachteilen versehen. Nur das die Sichtwechsel mitunter sehr plötzlich passieren und man dann sehr schnell umdenken muss, ist auf Dauer etwas nervig, stört letztendlich aber nicht den Lesefluss.
Prag ist als Hauptort der Geschichte gut gewählt und schmiegt sich sehr passend in die Handlung ein. Auch die übrig besuchten Städte, wie Marrakesch in Marokko passen zum Flair der Geschichte. Die fiktiven Orte der Chimären sind gut beschrieben und man kann es sich beim Lesen gut vorstellen, wie es dort aussehen soll.

Alles in allem ein sehr spannender Einstieg in eine neue Fantasy-Trilogie. Ich bin gespannt, was die Fortsetzungen zu bieten haben.

Der Lauf des Lebens

Neulich zog mich ein Buch an, das ich auf dem Blog der lieben Mel gefunden habe. Ein Buch über die Geschichten der einzelnen Lebensstationen, bzw. die wichtigsten davon.

Einschulung, eigene Wohnung, Hochzeit, Tod. Dies sind nur vier der im Buch aufgeführten Stationen. Stationen im Leben, die man entweder selbst schon erlebt hat, oder vielleicht noch erleben wird. Dies sind die Stationen von Paul und Anna.

Was vereint uns im Leben so verschieden wir auch sind? Wir haben doch bestimmte Stationen, die wir alle einmal erlebt haben oder erleben werden. Was waren unsere ersten Gedanken im Leben? Was werden unsere letzten sein? Jeder hat seine eigene Geschichte und seine eigene Erlebnisse, doch viele ähneln sich auch. Ich erinner mich auch nach all den Jahren noch sehr genau an meine Einschulung, an meinen Auszug von zu Hause, an meinen ersten Arbeitstag. Dabei habe ich gleiche oder ähnliche Erfahrungen gemacht, wie Paul und Anna unsere Protagonisten, aber teilweise auch ganz andere. Andere Stationen habe ich noch nicht erlebt, wie die Hochzeit oder Kinder kriegen. Wieder andere möchte ich eigentlich auch gar nicht erleben, wie Scheidung und Depression. Und doch sind sie so fest in unserer Gesellschaft verankert, dass sie einfach ihren Platz in einem Buch mit dem Titel “der Lauf des Lebens” brauchen.
Mona Jaeger beschreibt uns die einzelnen Stationen entweder aus der Sicht von Paul oder von Anna. Dabei lernen wir von beiden Eltern, Freunde und Partner kennen, konzentrieren uns aber immer auf Paul und Anna. Wobei sich diese beiden selbst nie kennenlernen, sondern getrennte Leben führen und sich nur bei den Kapiteln mehr oder weniger abwechseln. Dadurch, dass die Sicht auf diese beiden Charaktere begrenzt ist, und nicht jedes Kapitel aus der Sicht von jemand anderem geschrieben wurde, lernt man die beiden auch ein bisschen genauer kennen und kann sich dadurch ein bisschen  in sie hineinversetzten. Andererseits sind zwischen den einzelnen Kapiteln meist große Zeitsprünge, da sie versuchen ein ganzes Leben abzudecken.
Der Schreibstil von Jaeger ist an sich sehr flüssig. Dadurch, dass sehr viele Gedanken und sehr wenig Handlung die Kapitel bestimmen, wird das Buch mitunter etwas monoton und wirkliche Spannung kommt auch nicht auf. Dafür gibt es hier interessante Gedankenansätze über das Leben.

Wer gerne kurze Anekdoten und Gedankengänge über den Lauf des Lebens lesen möchte, ist mit diesem Buch gut bedient. Wer sich eine richtige Handlung oder Spannung verspricht, sollte vielleicht doch lieber die Finger davon lassen.

 „Der Lauf des Lebens“ wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!

Helix – Sie werden uns ersetzen

Durch eine plötzliche Laune, wollte ich unbedingt mal wieder ein Hörbuch hören. Und da mich die Auswahl meines Freundes zwar reizte, aber irgendwie nicht genug, versuchte ich es mit einem Hörbuch, welches mir mehrfach durch Werbung auffiel. Doch erst nach der Lieferung entdeckte ich, dass die Dauer des Hörbuches zu „Helix – Sie werden uns ersetzen“ mit 13 Stunden angesetzt ist und mir zu dem Zeitpunkt keine längere Reise bevorstand…

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Helen und Greg möchten unbedingt ein Kind haben. Nachdem es auf natürliche Weise einfach nicht klappen wollte, beschließen sie eine künstliche Befruchtung durchführen zu lassen. Dabei bekommen sie das Angebot, dass sie ein Kind nach ihren Vorstellungen schaffen können. Es könnte besonders schlau sein, besonders sportlich oder besonders talentiert. Gleichzeitig stirbt der US-Außenminister bei einem Staatsbesuch. Wie hängen diese Ereignisse zusammen?

Helix – Sie werden uns ersetzen befasst sich mit dem Wunsch nach dem perfekten Kind. Das man an einem Computer auswählen kann, was das Kind können soll oder wie das Kind aussehen soll, damit es im späteren Leben aufgrund des ursprünglichen Genmaterial keine Nachteile hat. Was im ersten Moment wie ein Traum klingt, kann auch Zweifel hervorrufen. Was passiert, wenn alle Kinder auf einmal hochbegabt sind und bereits mit 12 Jahren studieren können? Züchten wir dann eine ganze Generation von athletischen hübschen Sheldon Coopers?
Marc Elsberg setzt sich mit diesem Thema allerdings nur im Ansatz auseinander. Denn er schrieb Helix als Thriller und nicht als philosophisches Werk. Er betrachtet die Thematik eher mit einer handvoll „besonderer“ Kinder, die von der Intelligenz ein sehr hohen Niveau haben, sozial aber noch immer Kind sind. Was, wenn sie alles entwickeln könnten, aber die Folgen nicht abschätzen können? Nebenbei erzählt er vom Pärchen Helen und Greg, die als Beispiel für Eltern dienen, die sich mit der Idee anfreunden ihr Kind perfekt gebären zu können. Und als dritter Handlungstrang wird der Tod des US-Außenministers erzählt. Dabei stellt sich heraus, dass ein Virus ihn getötet hat, das genau auf seine DNA abgestimmt wurde, so dass niemand anderes vom gleichen Virus befallen werden konnte. Seine Mitarbeiterin Jessica Roberts wird damit beauftragt die Ursache zu holen.
Die Ausgangssituation klang sehr spannend und auch gerade der Anfang des Buches kann gut begeistern und fesselt einen an das Buch. Doch zu den einzelnen Charakteren wird einfach keine Nähe aufgebaut, so dass sie einem beinahe durchgehend egal sind. Demnach fiebert man auch nicht mit ihnen mit und durch die Länge des Buches entstehen dadurch unweigerlich Längen. Die erste Hälfte des Buches hat irgendwo noch seine Spannungsmomente, da man genau wissen möchte, was hinter allem steckt. Aber das Tempo wird in der zweiten Hälfte stark gedrosselt und es entsteht eine 6 Stunden lange Verfolgungsjagd. Zwar gibt es auch hier immer neue Wendungen, aber so richtig können sie einen nicht mehr überraschen und gerade die Charaktere handeln immer nach dem gleichen Schema. Auch ansonsten haben die Charaktere nur eine bestimmte Anzahl an Charaktereigenschaften bekommen, weswegen sie alle sehr eindimensional und berechenbar sind. Auch werden einfach zu viele Charaktere vorgestellt. Gerade eine Handvoll von Namen kann man sich merken.
Simon Jäger liest das Hörbuch. Die deutsche Synchronstimme von Matt Damon ist geübt im lesen (er ist die Stimme von vielen Hörbüchern) und schafft es den einzelnen Charakteren verschiedene Stimmlagen zu geben, so dass man immer ungefär hören kann, wer gerade spricht.

Alles in allem ein interessanter Thriller, der aber an Neutralität und Langatmigkeit krankt.

„Helix – Sie werden uns ersetzen“ wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!

Maresi – Das Lied der Insel

Durch Zufall sprang mir neulich dieses Buch ins Blickfeld und das Cover sprach sofort meine verträumte Seite an. Auch der Klappentext klang nach einer schönen Fantasy-Lektüre, womit feststand, dass ich das Buch lesen möchte.

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Maresi lebt in einer Welt, in der Frauen nichts wert sind und die Männer den Ton angeben. Doch es gibt einen Ort, der sich diesen Regeln nicht beugt. Das rote Kloster auf der Insel Menos nimmt nur Mädchen auf und lehrt sie, gibt ihnen Hoffnung und Essen. Die Insel lebt in Frieden, bis eines Tages Jai Zuflucht sucht.

Maresi – Das Lied der Insel ist geschrieben von der Finnin Maria Turtschaninoff wurde in Finnland und Schweden mehrfach preislich gekürt und war auch für den Astrid Lindgren Memorial Award nominiert. Trotz der finnischen Herkunft der Autorin schreibt sie ihre Bücher auf schwedisch. Wahrscheinlich ist der Schreibstil im schwedischen Original auch durchaus lesenswert, in der deutschen Übersetzung wirkt er aber etwas sehr einfach. Ähnliche Phänomene sind mir bereits bei anderen Büchern aufgefallen, die aus dem schwedischen übersetzt wurden. Der Schreibstil ist schnörkellos und orientiert sich sehr an dem Satzstellungsgrundprinzip, keine Schachtelsätze, aber auch kaum Nebensätze. Ein Beispiel:

Wir sind hier im Kloster zum großen Teil Selbstversorgerinnen. Das Meer und die Berge liefern uns Muscheln und Vogeleier, Beeren und Früchte. Wir haben unsere Ziegen für Milch und Käse und Fleisch, und in einem der Täler zwischen dem Kloster und dem Einsamem Tempel bauen wir Gemüse an.

Maria Turtschaninoff: Maresi – das Lied der Insel, München 2016, S. 51

Dadurch fehlt Nähe und Empathie zum Geschehen und den Figuren. Aber das dürfte grundsätzlich ein Problem der Übersetzung sein.
Andererseits zeigt sich durch das Zitat auch, dass Hauptproblem des Buches: Die unendlich scheinende Einleitung. Auf ca. 150 von 231 Seiten wird die Insel, das Kloster, die Charaktere und vor allem in aller Ausführlichkeit das Klosterleben vorgestellt. Erst danach beginnt die eigentliche Handlung. Diese wird sehr einfach auf ca. 50 Seiten abgehandelt, und es bleiben noch ca. 30 Seiten für das abschließende Nachgeplänkel. So liest man Seite um Seite über das Klosterleben, was nach den ersten Seiten sehr eintönig wird und wenig Abwechslung und praktisch keine Spannung bietet. Auch hat man 150 Seiten Einleitung und erfährt über die von Turtschaninoff erschaffene Welt doch praktisch nichts. Durch einzelne Dialoge erfährt man grob, wie das Frauenbild in der Welt ist und was es für verschiedene Ethnien gibt. Politische, wirtschaftliche und religiöse Ansichten außerhalb des Klosters werden gar nicht angesprochen. Dadurch wirkt die Welt sehr belanglos und beliebig austauschbar. Sie hat keinerlei Relevanz für die Geschichte. Und so plätschert die nicht vorhande Handlung über die Hälfte des Buches hin, ehe das erste Mal etwas relevantes oder handlungsähnliches passiert. Auf ca. 50 Seiten wird die Insel angegriffen. Hier werden Freundschaft, Zusammenhalt und auch die Thematik des Ehrenmordes aufgegriffen, aber auch nicht näher und vor allem nicht kritisch behandelt. Denn dafür bleibt nicht der Platz, den die Themen benötigen würden.
Leider bleiben alle Figuren das ganze Buch über sehr eindimensional. Sie alle wurden nur für eine Aufgabe erschaffen und handeln genau danach. So fehlt dem Leser auch für praktisch alle Charaktere Empathie, Zuneigung und vor allem fiebert man mit keinem mit. Es ist einem egal, ob jemandem etwas passiert oder nicht, was dem Todesstoß eines jeden Buches gleich kommt.
Wirkliche Fantasyelemente bleiben auch aus. Einzig die Welt scheint neu geschaffen zu sein und auch die Religion des roten Klosters. Doch da beides wenig Raum einnimmt und daher beliebig austauschbar ist, wirkt es nicht wie ein Fantasybuch. Wer also nach dem Klappentext eine interessante Fantasyhandlung erwartet, wird stark enttäuscht.

Alles in allem hat mich das Buch sehr enttäuscht, da ich zum einen etwas ganz anderes erwartet hatte, und zum anderen, da das Buch einfach nicht überzeugen konnte.

„Maresi – das Lied der Insel“ wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!

Ausblick auf das neue Jahr 2017

Hallo ihr Lieben,
nachdem wir in den letzten Tagen zunächst auf das Jahr 2016 zurückgeblickt haben, soll es nun um die möglichen Highlights des Jahres 2017 gehen. Mein großes Ziel (das ich in den letzten Jahren immer knapp verpasst habe) ist es dieses Jahr endlich auf die 100 Kinobesuche zu kommen. Ich betone das Wort Kinobesuche, da es mir weiterhin nicht möglich ist, die Sneak-Preview zu besuchen, sondern die Cinemathek, die aber voraussichtlich das nächste halbe Jahr noch Filme mit Kinostart 2016 zeigen werden.

Meine Liste der Filme, die ich unbedingt noch sehen möchte, ist bekanntlich beinahe endlos. Und natürlich wird die Liste auch 2017 noch größer. Hier die Filme, auf die ich mich 2017 (bisher) am meisten freue.

Die kommenden Filmhighlights

Passengers
The Great Wall
Mein Blind Date mit dem Leben
Hidden Figures – unerkannte Heldinnen
The Lego Batman Movie
Logan
The Boss Baby
Guardians of the Galaxy 2
Star Wars Episode VIII

Bei den unten aufgeführten Serien handelt es sich um Serien, die ich entweder endlich sehen will oder die nächstes Jahr endlich erscheinen sollen bzw. fortgesetzt werden sollen. Natürlich ist auch hier meine Liste an Serien, die ich noch sehen will (oder weitersehen will), sehr sehr lang, also auch hier nur eine kleine Auswahl.

Die kommenden Serienhighlights

American Crime Story
The Crown
Da Vincis Demons
Luke Cage
Man in the high castle
Sherlock – Staffel 4
Game of Thrones – Staffel 7

Und zu guter Letzt wollen wir auch die Buchwelt nicht außer Acht lassen. Immerhin platzen meine Bücherregale bald aus allen Nähten und mein SuB (Stapel ungelesener Bücher) wird nicht kleiner (gut vielleicht sollte ich aufhören ständig neue Bücher zu kaufen…). Hier die Übersicht der Bücher, die ich unbedingt 2017 lesen möchte (was nicht heißt, dass nicht noch sehr viele dazu kommen könnten)

Die kommenden Buchhighlights

Game of Thrones – Unser ist der Zorn
Daughter of Smoke and Bone
BookElements – Die Welt hinter den Buchstaben
Angelfall – Tage der Dunkelheit
Als ich in meinem Alter war
Die Flammen der Zeit
Die Stadt der besonderen Kinder

Was wollt ihr im nächsten Jahr unbedingt sehen/lesen? Welches wichtige Element habe ich vergessen aufzuzählen?

Als Schisser um die Welt

Blogs sind ja immer dafür da, um sich Inspiration zu holen. Und so konnte ich nach Karos Beitrag auf Inkunabel nicht widerstehen und lieh mir sofort ihr Exemplar von „Als Schisser um die Welt – Die Geschichte von einem, der mitmusste“ aus.

Jan hat eigentlich sehr große Angst vorm Reisen. Mit seinen Eltern war er früher immer nur in Dänemark und das aus gutem Grund. Doch seine Freundin Sarah ist das genaue Gegenteil, ihr kann eine Reise nicht abenteuerlich genug sein. Und so lässt Jan sich regelmäßig überreden noch einen Abenteuerurlaub zu buchen und kämpft vor Ort gegen seine Ängste an.

Als Schisser um die Welt ist schon ein interessanter Titel und wird mit dem Untertitel „Die Geschichte von einem, der mitmusste“ noch unterstützt, um vor der ersten Seite den ersten Lacher hervorzurufen und großes Interesse zu wecken. Die Einführung der beiden Hauptcharaktere Jan und Sarah ist kurz und schmerzlos auf den ersten Seiten und der Unterschied wird schnell herausgearbeitet. Denn während beide im Alltag gut harmonieren, haben sie doch sehr unterschiedliche Urlaubsvorstellungen. So träumt Jan von Dänemark, so wie er es jedes Jahr mit seinen Eltern gemacht hat. Ein kleines Häuschen am Wasser, entspannen, baden, die Seele baumeln lassen. Sarah hingegen hat viel größere Pläne. So schleppt sie Jan zunächst noch ganz harmlos zum Badeurlaub auf Bali. Aber selbst da findet Mr. Superhypochonder ganz viele Einwände und Gründe, um ein ordentlicher Schisser zu sein. Doch es bleibt natürlich nicht bei dem vergleichweise harmlosen Badeurlaub, denn Sarah hat von nun an immer abenteuerlichere Ideen, die die beiden rund um die Welt führt. Und für Jan ist es ein immer bleibender Alptraum. Doch wie er selbst schrieb: „Meine Freundin liebt Reisen und ich liebe meine Freundin“.
Die verschiedenen Reisen beschreibt Jan auf eine so humorvolle Weise, dass man manchmal aus dem Lachen gar nicht mehr heraus kommt. Während man mitunter seine Ängste verstehen kann und sich mit ihm freut, wenn er sich wieder zu etwas überwunden hat, was er gar nicht wollte, kann man über andere Bedenken und Ängste auch nur den Kopf schütteln. Denn manche sind nun wirklich übertrieben.
Als Kritikpunkt ist zu nennen, dass ca. nach 2/3 des Buches immer weniger Reiseerfahrung geteilt wird, sondern das Jammern so groß wird, dass sogar eine kleine Beziehungskrise entstand. Und die sehr detaillierte Beschreibung dieser, störte leider das vorher aufgebaute Gefühl und die Stimmung. Ich verstehe, warum es mit hinein genommen wurde, aber es hätte wesentlich kürzer ausfallen können. Doch danach wird man wieder mit einer neuen Geschichte entlohnt und kann den trüben Teil der Geschichte schnell vergessen.
Der Schreibstil von Autor und Protagonist Jan Kowalsky ist sehr flüssig und lässt sich leicht weg lesen. Zusammen mit sehr interessanten Zeichnungen, die immer ein Erlebnis aus der aktuellen Geschichte darstellen, sorgt inhalt und Schreibweise für viele Lacher und schaffen eine sehr lockere Atmosphäre. Beide Hauptcharaktere werden im Verlauf sowohl mit guten als auch mit negativen Eigenschaften ausgestattet, so dass man für beide Sympathien entwickeln kann und auch nachvollziehen kann, wieso Jan sich immer wieder auf diese Abenteuer einlässt. Vor allem bei Jan ist auch im Verlauf des Buches eine schöne Entwicklung zu sehen, so dass die Charaktere auch nicht stagnieren.

Alles in allem eine sehr schöne Lektüre für alle Reisefreudigen oder für jemand, der einfach mal ausgiebig lachen möchte. Leider habe ich in meiner Tätigkeit als Tourismuskauffrau noch keine Gelegenheit gefunden das Buch zu empfehlen. Aber das kommt bestimmt noch!

Blogparade 6×6: 6 fi(c)ktive Figuren fürs Bett

Hallo ihr Lieben,
vor ein paar Wochen fragte uns die singende Lehrerin, welche Figuren aus Filmen, Serien und Büchern wir gerne heiraten würden. Nun wird es etwas schlüpfriger. Denn diesmal ist die Frage, mit welchen fiktiven Figuren wir gerne einmal ins Bett hüpfen würden. Da man nun ja nicht mehr das ganze Leben mit den Charakteren verbringen muss, ist nun die Bühne frei für die Bad Boys (zumindest teilweise). Ich begründe meine Entscheidung diesmal nicht (die Begründung ist nämlich immer sie sind heiß und keine absoluten Arschlöcher) und auch die Reihenfolge stellt keine Wertung dar!

1) Charakter: Dean Winchester
Körper geliehen von: Jensen Ackles
Serie: Supernatural

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2) Charakter: Clint Barton alias Hawkeye
Körper geliehen von: Jeremy Renner
Film: Avengers, Age of Ultron, Civil War

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3) Charakter: Ash
Körper geliehen von: Iwan Rheon
Serie: Vicious

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4) Charakter: Four
Körper geliehen von: Theo James
Film: Divergent, Insurgent, Allegiant

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5) Charakter: Dr. Leonard „Pille“ McCoy
Körper geliehen von: Karl Urban
Film: Star Trek, Into Darkness, Beyond

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6) Charakter: Jesse Kilmartin
Körper geliehen von: Forbes March
Serie: Mutant X

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Angelfall – Nacht ohne Morgen

Beim Stöbern durch andere Blogs (ich hab vergessen, bei wem ich das Buch gefunden habe… Schande über mich), fiel mir dieses Buch ins Auge und veranlasste mich, es mir sogleich zuzulegen.
Penryn lebt in einer postapokalyptischen Welt, in der Engel die Welt in Schutt und Asche gelegt haben, und nun über die Welt herrschen und die Menschen als minderwertige Affen oder Sklaven ansehen. Bei dem Versuch ihre verrückte Mutter und ihre an den Rollstuhl gefesselte Schwester Paige in Sicherheit zu bringen, werden sie in einen Kampf zwischen Engeln verwickelt. Die Mutter kann fliehen, Paige wird entführt und Penryn bleibt mit einem Engel mit abgeschlagenen Flügeln zurück. Weniger aus Mitleid als vielmehr in der Hoffnung, dass dieser sie zu ihrer Schwester führen kann, hilft sie dem Engel. Doch der Weg durch das zerstörte San Francisco ist voller Gefahren.
Angelfall – Nacht ohne Morgen ist der Auftakt zu einer neuen Reihe der Autorin Susan Ee. Der zweite Teil soll im Januar erscheinen. Der Leser wird ohne Vorwarnung mitten ins Geschehen geworfen, es gibt keine Einführung und keiner Erklärung, was passiert ist. Wir lernen sofort Penryn und ihre Familie kennen, die sich noch in ihrer Wohnung verstecken. Man erfährt in Nebensätzen, dass wohl Engel auf die Erde gekommen sind, um diese in Schutt und Asche zu legen. Dadurch bleiben zunächst viele Fragen offen und so startet das Lesen ein wenig unbefriedigend. Gerade die ersten 20 Seiten ziehen sich dadurch nur so dahin und richtiges Lesevergnügen kommt zunächst nicht auf. Dies ändert sich ab dem ersten großen Kampf, bei dem Penryns Mutter flieht, ihre Schwester Paige, die an den
Rollstuhl gefesselt ist, von den Engeln entführt wird, und Penryn allein mit einem Engel zurück bleibt. Diesem wurde jedoch die Flügel abgeschlagen. Doch in ihm sieht Penryn die einzige Chance ihre Schwester wiederzufinden und das ist alles, an was sie denken kann. Also sucht sie mit ihm ein vorerst sicheres Versteck und versucht Nahrung für beide zu finden und ihn daran zu hindern zu verbluten. Der Engel ohne Flügel stellt sich als Raffe vor, braucht aber ein paar Tage, um wieder zu Kräften zu kommen. Da er ohne seine Flügel sehr hilflos ist, verbündet er sich mit Penryn und verspricht sie zu dem Engelhorst zu bringen, wo sich höchstwahrscheinlich ihre Schwester aufhalten dürfte. Doch der Weg dahin ist lang und nicht ohne Gefahren.
Während die ersten 20 Seiten sich sehr ziehen, wird es ab da sehr schnell spannender. Und selbst als die Spannung im eigentlichen Sinne sich etwas zurückzieht, bleibt man gefesselt am Buch. Die Informationen über das, was passiert ist, bleiben zwar spärlich, aber trotzdem hofft man auf den nächsten Seiten mehr Informationen zu bekommen. Obwohl die Handlung ein bisschen zäh erzählt wird, bleibt man am Buch gefesselt. Das Ende ist zwar irgendwo schlüssig und rund, und vor allem mutig, weil es absolut unvorhersehbar kommt, lässt den
Leser aber doch etwas unbefriedigt zurück. Es ist zwar nur ein kleines offenes Ende, aber trotzdem scheint die Zeit bis zur Fortsetzung im Januar unvorstellbar lang. So hat Angelfall einen sehr schwachen Anfang, einen gelungenen Mittelteil und ein unbefriedigendes Ende.
Die Charaktere sind alle sehr unterschiedlich und interessant gezeichnet. Die Protagonistin Penryn, aus deren Sicht das Buch erzählt wird, wird als recht starke Frau dargestellt, aber auch mit einer schlüssigen Begründung, warum sie zum Beispiel kämpfen kann und warum ihr Wille so stark ist. Auch ihre Intention ihre Schwester so dringend zu retten, ist glaubhaft begründet und wird nicht einfach als selbstverständlich vorausgesetzt. Damit geht Angelfall einen großen Schritt weiter, als vergleichbare Bücher des Genres. Raffe, der Engel, dem zum Anfang die Flügel abgeschlagen wurden, bleibt während des ganzen Buches ein bisschen undurchsichtig und seine Intention etwas zu tun, sehr verschwommen. Natürlich ist er irgendwo auf die Hilfe Penryns angewiesen ohne seine Flügel, aber trotzdem
scheint dies nicht immer der einzige Grund zu sein, zumal er sich in mehr Gefahren stürzt, als er müsste. Penryns Mutter (die das ganze Buch über keinen Namen bekommt) ist ein wiederkehrender Charakter, der zwar in den meisten Situationen sehr nervig ist, aber trotzdem sehr interessant charakterisiert wurde.
Alles in allem ein interessanter Gedanke Engel einmal als das Böse einzusetzen, aber die Umsetzung weist gerade in der Spannungskurve ein paar Lücken auf.

„Angelfall – Nacht ohne Morgen“ wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!

Inferno

Am 13.10.2016 erschien die inzwischen dritte Verfilmung eines Dan Brown Romans in den deutschen Kinos. Diesmal hatte ich das Buch bereits im Vorfeld gelesen und war nun auf die filmische Umsetzung gespannt. Daher gibt es hier wieder sowohl die Buch- als auch die Filmkritik in einem Beitrag zusammen gefasst.

Der Symbologe Robert Langdon erwacht mit einer Kopfverletzung und damit einhergehendem Gedächtnisverlust, was die letzten Tage betrifft, in einem Krankenhaus in Florenz. Er hat keine Ahnung, wie er dahin gekommen ist. Kurz darauf sucht ihn eine Attentäterin auf und er muss zusammen mit der Ärztin Sienna Brooks fliehen. Dabei entdecken sie einen kleinen Projektor in Langdons Jackett, der Dantes Kreise der Hölle zeigt, zusammen mit einem Rätsel. Und schon befinden sie sich auf einer Jagd durch die Stadt auf der Suche nach weiteren Hinweisen und Rätseln. Was hat das Ganze mit Bertrand Zobrist zu tun, der das Ende der Menschheit durch Überbevölkerung vorhergesagt hat?

Das Buch:

Bereits 2013 erschien der inzwischen vierte Band über den Symbologen Robert Langdon aus der Feder von Dan Brown. Während er mit Illuminati und Sakrileg den Zorn der katholischen Kirche auf sich zog, war sein drittes Werk, das verlorene Symbol, sehr schwach geraten. Nun hat Brown sein viertes Langdon-Buch keiner Verschwörung innerhalb der katholischen Kirche gewidmet, sondern einem Meisterwerk der Literatur. Dante Alighieris „Göttliche Komödie“, bzw. zumindest dem ersten Drittel davon, nämlich dem „Inferno“-Teil. Hier beschrieb Dante seinen Weg durch die 10 Kreise der Hölle, jeden Kreis schrieb er einer anderen Art Sünde zu. Da Brown in diesem Film selbst keine Verschwörung finden oder hineininterpretieren konnt, nutzt er Inferno nur als Mittel für die Rätsel und Hinweise und nimmt sich im gleichen Atemzug noch einem ganz anderen Thema an: der Überbevölkerung. Dafür erfindet er die Figur des Bertrand Zobrist. Dieser hält nun die Pest und andere große Naturkatastrophen für einen Schutzmechanismus der Natur, um die Überbevölkerung aufzuhalten, und will selbst durch eine Seuche der Natur helfen. Davon ahnt unser Protagonist Robert Langdon zunächst aber noch nichts. Er hat nämlich mit einem Gedächtnisverlust zu kämpfen und der Tatsache, dass er sich nicht nur statt in Harvard in Florenz befindet, wo er auch noch beinahe einer Attentäterin zum Opfer fällt. Zusammen mit der Ärztin Sienna Brooks versucht er die letzten Tage zu rekonstruieren und stößt dabei vermehrt auf Hinweise, die allesamt mit Dantes Inferno in Verbindung stehen, und muss gleichzeitig feststellen, dass er von gut ausgebildeten Männern verfolgt wird.
Brown gibt seinem erfolgreichen Helden Langdon mal wieder viel zu tun und viel zu enträtseln. Dabei geht er diesmal aber anders vor, da Langdon nicht von vornherein bewusst in die Sache gezogen wird, weil seine Fähigkeiten als Symbologe gefragt sind, sondern Brown lässt Langdon und die Leser sehr lange im Dunkeln tappen und einzelne Hinweise aufspüren. Abgesehen von dieser Haupthandlung gibt Brown dem Leser immer wieder Einblicke in das Handeln anderer Charaktere, deren Rolle man lange Zeit nicht einordnen kann. Dadurch baut Brown zunächst sehr viel Spannung auf. Leider lässt er die Leser ein bisschen zu lange im Dunkeln tappen, so dass einem mitunter das Interesse die Rätsel zu lösen verloren geht. Auch merkt man, dass Brown in Vorbereitung auf das Buch einen ausgiebigen Urlaub in Florenz unternommen hat. Denn eine gewisse Liebe zur Stadt ist mehr als deutlich zu spüren. So lässt er Langdon immer wieder von der Stadt und seiner Geschichte schwärmen und dies teilweise ausschweifend während einer Verfolgungsjagd. Dadurch kommen Szenen, wie „Langdon und Sienna fliehen, können gerade noch durch Gang X entwischen, oh Gang X, hier hat der und der, das und das gemacht, und dann hat der dieses Gemälde gekauft und das ist so besonders, weil“, drei Seiten später, „Langdon und Sienna erreichen das Ende des Ganges“. Gerade im Mittelteil nimmt das Auswüchse an, die den Mittelteil nur sehr schwer ertragbar machen. Mitunter wurde eine Aufklärung zu einer bestimmten Inferno-Stelle so lange gerausgezögert, dass ein Gang zum Bücherregal unvermeidbar war, um die entsprechende Stelle einfach selbst in der Göttlichen Komödie nachzulesen. Während der Leser nun das Buch fast aufgegeben hat und kaum noch die Lust verspürte weiterzulesen, bringt Brown einen dazu im letzten Viertel des Buches dieses gar nicht mehr aus der Hand legen zu wollen. In einem einzigen Kapitel führt er eine so unvorhersehbare Wendung herbei, die alles bisher geglaubte auf den Kopf stellte. Und damit nicht genug. Brown schafft es von nun an die anfängliche Spannung wiederherzustellen und sogar zu erhöhen, in dem er neue Rätsel aufgibt, die aber nun wesentlich schneller gelöst werden und schafft es ein so packenden Showdown zu inzenieren, dass es unmöglich zu sein scheint den Leser an dieser Stelle aus der Welt des Buches zu reißen. Auch das Ende ist wieder absolut unvorhersehbar und stellt eine drastische Wendung der Ereignisse da. Dabei schafft es Brown gleich noch einen neuen Denkansatz in die Köpfe der Leser zu setzen und wirft gleichzeitig alle Regeln für ein Ende eines Buches über den Haufen. So wird der treue Leser doch noch für ein sehr langatmigen Mittelteil belohnt.

Der Film:

Nach Sakrileg und Illuminati war sehr schnell klar, dass auch weitere Bücher von Dan Brown verfilmt werden. Doch dann sprang Regisseur Ron Howard für das Folgeprojekt „das verlorene Symbol“ ab, da er im Buch keinen Reiz für eine Verfilmung fand. So lag das Projekt brach, bis Inferno erschien und Ron Howard sich sofort wieder begeistern konnte. Also wurde filmisch „das verlorene Symbol“ einfach übersprungen, und es wurde sich „Inferno“ gewidmet. Tom Hanks wurde wieder als Robert Langdon besetzt, den er wieder mit seiner bekannten souveränen Art spielt. An seine Seite wurde Felicity Jones als Sienna Brooks gestellt. Das Problem an Jones ist, dass sie zwischen sehr guten Perfomances, wie in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“, und sehr schlechten, wie in „Collide“, hin und her springt. Auch Inferno zählt gemessen an den Möglichkeiten nicht gerade zu ihrer Glanzleistung. Star Wars-Fans können daher nur hoffen, dass sie sich im bald erscheinden „Rogue One“ wieder ein bisschen mehr anstrengt.
Die Verfilmung an sich betrachtet ist ein souveräner Film, mit vielen Rätseln, Verfolgungsjagden und Spannung. Doch das kann man nur genießen, wenn man das Buch nicht gelesen hat. Denn der Film überspringt zwar die vielen Liebesbekundungen an die Stadt Florenz, schafft es aber die großen unvorhersehbaren Wendungen im Buch und das brilliante Ende komplett zu zerstören. Denn die erste 180° Wendung des Buches wurde nach nur fünf Minuten durch die Einblendung eines Untertitels zerstört. Der Showdown selbst ist zwar auch im Film sehr spannend und man hängt gebannt an der Leinwand, aber die Auflösung am Ende des Showdown wurde im Drehbuch komplett umgeschrieben, so dass ein ganz anderes Ende dabei herauskommt. Für Buchleser ein sehr unbefriedigendes, für Filmgucker ein sehr vorhersehbares. Und durch das Umschreiben des Endes, bleibt auch die letzte unerwartete Wendung des Buches aus, gerade das diskuttiertwürdige Ende, das Ende das Inferno als Buch zu etwas besonderem macht. Zwar wurde der Grundgedanke des Buches, irgendwo in der Mitte des Films mal in einem Nebensatz erwähnt, aber hat bei Weitem nicht die Gewichtung, wie im Buch.
Hat man das Buch vorher nicht gelesen, dann ist der Film und auch das Ende wohl für einen rund und auch trotzdem spannend, aber trotzdem bleibt der Film weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Hier wollten die Macher wohl längere Erklärdialoge am Ende vermeiden.

Alles in allem sollte man als perfekte Kombination, zunächst anfangen das Buch zu lesen, den Mittelteil dann mit dem deutlich spannenderen Mittelteil des Films abkürzen und den großen Showdown und das Ende dann wieder lesen. Für den Film gibt es aber trotzdem nur 05 von 10 möglichen Punkten.