Helix – Sie werden uns ersetzen

Durch eine plötzliche Laune, wollte ich unbedingt mal wieder ein Hörbuch hören. Und da mich die Auswahl meines Freundes zwar reizte, aber irgendwie nicht genug, versuchte ich es mit einem Hörbuch, welches mir mehrfach durch Werbung auffiel. Doch erst nach der Lieferung entdeckte ich, dass die Dauer des Hörbuches zu „Helix – Sie werden uns ersetzen“ mit 13 Stunden angesetzt ist und mir zu dem Zeitpunkt keine längere Reise bevorstand…

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Helen und Greg möchten unbedingt ein Kind haben. Nachdem es auf natürliche Weise einfach nicht klappen wollte, beschließen sie eine künstliche Befruchtung durchführen zu lassen. Dabei bekommen sie das Angebot, dass sie ein Kind nach ihren Vorstellungen schaffen können. Es könnte besonders schlau sein, besonders sportlich oder besonders talentiert. Gleichzeitig stirbt der US-Außenminister bei einem Staatsbesuch. Wie hängen diese Ereignisse zusammen?

Helix – Sie werden uns ersetzen befasst sich mit dem Wunsch nach dem perfekten Kind. Das man an einem Computer auswählen kann, was das Kind können soll oder wie das Kind aussehen soll, damit es im späteren Leben aufgrund des ursprünglichen Genmaterial keine Nachteile hat. Was im ersten Moment wie ein Traum klingt, kann auch Zweifel hervorrufen. Was passiert, wenn alle Kinder auf einmal hochbegabt sind und bereits mit 12 Jahren studieren können? Züchten wir dann eine ganze Generation von athletischen hübschen Sheldon Coopers?
Marc Elsberg setzt sich mit diesem Thema allerdings nur im Ansatz auseinander. Denn er schrieb Helix als Thriller und nicht als philosophisches Werk. Er betrachtet die Thematik eher mit einer handvoll „besonderer“ Kinder, die von der Intelligenz ein sehr hohen Niveau haben, sozial aber noch immer Kind sind. Was, wenn sie alles entwickeln könnten, aber die Folgen nicht abschätzen können? Nebenbei erzählt er vom Pärchen Helen und Greg, die als Beispiel für Eltern dienen, die sich mit der Idee anfreunden ihr Kind perfekt gebären zu können. Und als dritter Handlungstrang wird der Tod des US-Außenministers erzählt. Dabei stellt sich heraus, dass ein Virus ihn getötet hat, das genau auf seine DNA abgestimmt wurde, so dass niemand anderes vom gleichen Virus befallen werden konnte. Seine Mitarbeiterin Jessica Roberts wird damit beauftragt die Ursache zu holen.
Die Ausgangssituation klang sehr spannend und auch gerade der Anfang des Buches kann gut begeistern und fesselt einen an das Buch. Doch zu den einzelnen Charakteren wird einfach keine Nähe aufgebaut, so dass sie einem beinahe durchgehend egal sind. Demnach fiebert man auch nicht mit ihnen mit und durch die Länge des Buches entstehen dadurch unweigerlich Längen. Die erste Hälfte des Buches hat irgendwo noch seine Spannungsmomente, da man genau wissen möchte, was hinter allem steckt. Aber das Tempo wird in der zweiten Hälfte stark gedrosselt und es entsteht eine 6 Stunden lange Verfolgungsjagd. Zwar gibt es auch hier immer neue Wendungen, aber so richtig können sie einen nicht mehr überraschen und gerade die Charaktere handeln immer nach dem gleichen Schema. Auch ansonsten haben die Charaktere nur eine bestimmte Anzahl an Charaktereigenschaften bekommen, weswegen sie alle sehr eindimensional und berechenbar sind. Auch werden einfach zu viele Charaktere vorgestellt. Gerade eine Handvoll von Namen kann man sich merken.
Simon Jäger liest das Hörbuch. Die deutsche Synchronstimme von Matt Damon ist geübt im lesen (er ist die Stimme von vielen Hörbüchern) und schafft es den einzelnen Charakteren verschiedene Stimmlagen zu geben, so dass man immer ungefär hören kann, wer gerade spricht.

Alles in allem ein interessanter Thriller, der aber an Neutralität und Langatmigkeit krankt.

„Helix – Sie werden uns ersetzen“ wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!

Maresi – Das Lied der Insel

Durch Zufall sprang mir neulich dieses Buch ins Blickfeld und das Cover sprach sofort meine verträumte Seite an. Auch der Klappentext klang nach einer schönen Fantasy-Lektüre, womit feststand, dass ich das Buch lesen möchte.

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Maresi lebt in einer Welt, in der Frauen nichts wert sind und die Männer den Ton angeben. Doch es gibt einen Ort, der sich diesen Regeln nicht beugt. Das rote Kloster auf der Insel Menos nimmt nur Mädchen auf und lehrt sie, gibt ihnen Hoffnung und Essen. Die Insel lebt in Frieden, bis eines Tages Jai Zuflucht sucht.

Maresi – Das Lied der Insel ist geschrieben von der Finnin Maria Turtschaninoff wurde in Finnland und Schweden mehrfach preislich gekürt und war auch für den Astrid Lindgren Memorial Award nominiert. Trotz der finnischen Herkunft der Autorin schreibt sie ihre Bücher auf schwedisch. Wahrscheinlich ist der Schreibstil im schwedischen Original auch durchaus lesenswert, in der deutschen Übersetzung wirkt er aber etwas sehr einfach. Ähnliche Phänomene sind mir bereits bei anderen Büchern aufgefallen, die aus dem schwedischen übersetzt wurden. Der Schreibstil ist schnörkellos und orientiert sich sehr an dem Satzstellungsgrundprinzip, keine Schachtelsätze, aber auch kaum Nebensätze. Ein Beispiel:

Wir sind hier im Kloster zum großen Teil Selbstversorgerinnen. Das Meer und die Berge liefern uns Muscheln und Vogeleier, Beeren und Früchte. Wir haben unsere Ziegen für Milch und Käse und Fleisch, und in einem der Täler zwischen dem Kloster und dem Einsamem Tempel bauen wir Gemüse an.

Maria Turtschaninoff: Maresi – das Lied der Insel, München 2016, S. 51

Dadurch fehlt Nähe und Empathie zum Geschehen und den Figuren. Aber das dürfte grundsätzlich ein Problem der Übersetzung sein.
Andererseits zeigt sich durch das Zitat auch, dass Hauptproblem des Buches: Die unendlich scheinende Einleitung. Auf ca. 150 von 231 Seiten wird die Insel, das Kloster, die Charaktere und vor allem in aller Ausführlichkeit das Klosterleben vorgestellt. Erst danach beginnt die eigentliche Handlung. Diese wird sehr einfach auf ca. 50 Seiten abgehandelt, und es bleiben noch ca. 30 Seiten für das abschließende Nachgeplänkel. So liest man Seite um Seite über das Klosterleben, was nach den ersten Seiten sehr eintönig wird und wenig Abwechslung und praktisch keine Spannung bietet. Auch hat man 150 Seiten Einleitung und erfährt über die von Turtschaninoff erschaffene Welt doch praktisch nichts. Durch einzelne Dialoge erfährt man grob, wie das Frauenbild in der Welt ist und was es für verschiedene Ethnien gibt. Politische, wirtschaftliche und religiöse Ansichten außerhalb des Klosters werden gar nicht angesprochen. Dadurch wirkt die Welt sehr belanglos und beliebig austauschbar. Sie hat keinerlei Relevanz für die Geschichte. Und so plätschert die nicht vorhande Handlung über die Hälfte des Buches hin, ehe das erste Mal etwas relevantes oder handlungsähnliches passiert. Auf ca. 50 Seiten wird die Insel angegriffen. Hier werden Freundschaft, Zusammenhalt und auch die Thematik des Ehrenmordes aufgegriffen, aber auch nicht näher und vor allem nicht kritisch behandelt. Denn dafür bleibt nicht der Platz, den die Themen benötigen würden.
Leider bleiben alle Figuren das ganze Buch über sehr eindimensional. Sie alle wurden nur für eine Aufgabe erschaffen und handeln genau danach. So fehlt dem Leser auch für praktisch alle Charaktere Empathie, Zuneigung und vor allem fiebert man mit keinem mit. Es ist einem egal, ob jemandem etwas passiert oder nicht, was dem Todesstoß eines jeden Buches gleich kommt.
Wirkliche Fantasyelemente bleiben auch aus. Einzig die Welt scheint neu geschaffen zu sein und auch die Religion des roten Klosters. Doch da beides wenig Raum einnimmt und daher beliebig austauschbar ist, wirkt es nicht wie ein Fantasybuch. Wer also nach dem Klappentext eine interessante Fantasyhandlung erwartet, wird stark enttäuscht.

Alles in allem hat mich das Buch sehr enttäuscht, da ich zum einen etwas ganz anderes erwartet hatte, und zum anderen, da das Buch einfach nicht überzeugen konnte.

„Maresi – das Lied der Insel“ wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!

Ausblick auf das neue Jahr 2017

Hallo ihr Lieben,
nachdem wir in den letzten Tagen zunächst auf das Jahr 2016 zurückgeblickt haben, soll es nun um die möglichen Highlights des Jahres 2017 gehen. Mein großes Ziel (das ich in den letzten Jahren immer knapp verpasst habe) ist es dieses Jahr endlich auf die 100 Kinobesuche zu kommen. Ich betone das Wort Kinobesuche, da es mir weiterhin nicht möglich ist, die Sneak-Preview zu besuchen, sondern die Cinemathek, die aber voraussichtlich das nächste halbe Jahr noch Filme mit Kinostart 2016 zeigen werden.

Meine Liste der Filme, die ich unbedingt noch sehen möchte, ist bekanntlich beinahe endlos. Und natürlich wird die Liste auch 2017 noch größer. Hier die Filme, auf die ich mich 2017 (bisher) am meisten freue.

Die kommenden Filmhighlights

Passengers
The Great Wall
Mein Blind Date mit dem Leben
Hidden Figures – unerkannte Heldinnen
The Lego Batman Movie
Logan
The Boss Baby
Guardians of the Galaxy 2
Star Wars Episode VIII

Bei den unten aufgeführten Serien handelt es sich um Serien, die ich entweder endlich sehen will oder die nächstes Jahr endlich erscheinen sollen bzw. fortgesetzt werden sollen. Natürlich ist auch hier meine Liste an Serien, die ich noch sehen will (oder weitersehen will), sehr sehr lang, also auch hier nur eine kleine Auswahl.

Die kommenden Serienhighlights

American Crime Story
The Crown
Da Vincis Demons
Luke Cage
Man in the high castle
Sherlock – Staffel 4
Game of Thrones – Staffel 7

Und zu guter Letzt wollen wir auch die Buchwelt nicht außer Acht lassen. Immerhin platzen meine Bücherregale bald aus allen Nähten und mein SuB (Stapel ungelesener Bücher) wird nicht kleiner (gut vielleicht sollte ich aufhören ständig neue Bücher zu kaufen…). Hier die Übersicht der Bücher, die ich unbedingt 2017 lesen möchte (was nicht heißt, dass nicht noch sehr viele dazu kommen könnten)

Die kommenden Buchhighlights

Game of Thrones – Unser ist der Zorn
Daughter of Smoke and Bone
BookElements – Die Welt hinter den Buchstaben
Angelfall – Tage der Dunkelheit
Als ich in meinem Alter war
Die Flammen der Zeit
Die Stadt der besonderen Kinder

Was wollt ihr im nächsten Jahr unbedingt sehen/lesen? Welches wichtige Element habe ich vergessen aufzuzählen?

Als Schisser um die Welt

Blogs sind ja immer dafür da, um sich Inspiration zu holen. Und so konnte ich nach Karos Beitrag auf Inkunabel nicht widerstehen und lieh mir sofort ihr Exemplar von „Als Schisser um die Welt – Die Geschichte von einem, der mitmusste“ aus.

Jan hat eigentlich sehr große Angst vorm Reisen. Mit seinen Eltern war er früher immer nur in Dänemark und das aus gutem Grund. Doch seine Freundin Sarah ist das genaue Gegenteil, ihr kann eine Reise nicht abenteuerlich genug sein. Und so lässt Jan sich regelmäßig überreden noch einen Abenteuerurlaub zu buchen und kämpft vor Ort gegen seine Ängste an.

Als Schisser um die Welt ist schon ein interessanter Titel und wird mit dem Untertitel „Die Geschichte von einem, der mitmusste“ noch unterstützt, um vor der ersten Seite den ersten Lacher hervorzurufen und großes Interesse zu wecken. Die Einführung der beiden Hauptcharaktere Jan und Sarah ist kurz und schmerzlos auf den ersten Seiten und der Unterschied wird schnell herausgearbeitet. Denn während beide im Alltag gut harmonieren, haben sie doch sehr unterschiedliche Urlaubsvorstellungen. So träumt Jan von Dänemark, so wie er es jedes Jahr mit seinen Eltern gemacht hat. Ein kleines Häuschen am Wasser, entspannen, baden, die Seele baumeln lassen. Sarah hingegen hat viel größere Pläne. So schleppt sie Jan zunächst noch ganz harmlos zum Badeurlaub auf Bali. Aber selbst da findet Mr. Superhypochonder ganz viele Einwände und Gründe, um ein ordentlicher Schisser zu sein. Doch es bleibt natürlich nicht bei dem vergleichweise harmlosen Badeurlaub, denn Sarah hat von nun an immer abenteuerlichere Ideen, die die beiden rund um die Welt führt. Und für Jan ist es ein immer bleibender Alptraum. Doch wie er selbst schrieb: „Meine Freundin liebt Reisen und ich liebe meine Freundin“.
Die verschiedenen Reisen beschreibt Jan auf eine so humorvolle Weise, dass man manchmal aus dem Lachen gar nicht mehr heraus kommt. Während man mitunter seine Ängste verstehen kann und sich mit ihm freut, wenn er sich wieder zu etwas überwunden hat, was er gar nicht wollte, kann man über andere Bedenken und Ängste auch nur den Kopf schütteln. Denn manche sind nun wirklich übertrieben.
Als Kritikpunkt ist zu nennen, dass ca. nach 2/3 des Buches immer weniger Reiseerfahrung geteilt wird, sondern das Jammern so groß wird, dass sogar eine kleine Beziehungskrise entstand. Und die sehr detaillierte Beschreibung dieser, störte leider das vorher aufgebaute Gefühl und die Stimmung. Ich verstehe, warum es mit hinein genommen wurde, aber es hätte wesentlich kürzer ausfallen können. Doch danach wird man wieder mit einer neuen Geschichte entlohnt und kann den trüben Teil der Geschichte schnell vergessen.
Der Schreibstil von Autor und Protagonist Jan Kowalsky ist sehr flüssig und lässt sich leicht weg lesen. Zusammen mit sehr interessanten Zeichnungen, die immer ein Erlebnis aus der aktuellen Geschichte darstellen, sorgt inhalt und Schreibweise für viele Lacher und schaffen eine sehr lockere Atmosphäre. Beide Hauptcharaktere werden im Verlauf sowohl mit guten als auch mit negativen Eigenschaften ausgestattet, so dass man für beide Sympathien entwickeln kann und auch nachvollziehen kann, wieso Jan sich immer wieder auf diese Abenteuer einlässt. Vor allem bei Jan ist auch im Verlauf des Buches eine schöne Entwicklung zu sehen, so dass die Charaktere auch nicht stagnieren.

Alles in allem eine sehr schöne Lektüre für alle Reisefreudigen oder für jemand, der einfach mal ausgiebig lachen möchte. Leider habe ich in meiner Tätigkeit als Tourismuskauffrau noch keine Gelegenheit gefunden das Buch zu empfehlen. Aber das kommt bestimmt noch!

Blogparade 6×6: 6 fi(c)ktive Figuren fürs Bett

Hallo ihr Lieben,
vor ein paar Wochen fragte uns die singende Lehrerin, welche Figuren aus Filmen, Serien und Büchern wir gerne heiraten würden. Nun wird es etwas schlüpfriger. Denn diesmal ist die Frage, mit welchen fiktiven Figuren wir gerne einmal ins Bett hüpfen würden. Da man nun ja nicht mehr das ganze Leben mit den Charakteren verbringen muss, ist nun die Bühne frei für die Bad Boys (zumindest teilweise). Ich begründe meine Entscheidung diesmal nicht (die Begründung ist nämlich immer sie sind heiß und keine absoluten Arschlöcher) und auch die Reihenfolge stellt keine Wertung dar!

1) Charakter: Dean Winchester
Körper geliehen von: Jensen Ackles
Serie: Supernatural

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2) Charakter: Clint Barton alias Hawkeye
Körper geliehen von: Jeremy Renner
Film: Avengers, Age of Ultron, Civil War

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3) Charakter: Ash
Körper geliehen von: Iwan Rheon
Serie: Vicious

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4) Charakter: Four
Körper geliehen von: Theo James
Film: Divergent, Insurgent, Allegiant

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5) Charakter: Dr. Leonard „Pille“ McCoy
Körper geliehen von: Karl Urban
Film: Star Trek, Into Darkness, Beyond

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6) Charakter: Jesse Kilmartin
Körper geliehen von: Forbes March
Serie: Mutant X

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Angelfall – Nacht ohne Morgen

Beim Stöbern durch andere Blogs (ich hab vergessen, bei wem ich das Buch gefunden habe… Schande über mich), fiel mir dieses Buch ins Auge und veranlasste mich, es mir sogleich zuzulegen.
Penryn lebt in einer postapokalyptischen Welt, in der Engel die Welt in Schutt und Asche gelegt haben, und nun über die Welt herrschen und die Menschen als minderwertige Affen oder Sklaven ansehen. Bei dem Versuch ihre verrückte Mutter und ihre an den Rollstuhl gefesselte Schwester Paige in Sicherheit zu bringen, werden sie in einen Kampf zwischen Engeln verwickelt. Die Mutter kann fliehen, Paige wird entführt und Penryn bleibt mit einem Engel mit abgeschlagenen Flügeln zurück. Weniger aus Mitleid als vielmehr in der Hoffnung, dass dieser sie zu ihrer Schwester führen kann, hilft sie dem Engel. Doch der Weg durch das zerstörte San Francisco ist voller Gefahren.
Angelfall – Nacht ohne Morgen ist der Auftakt zu einer neuen Reihe der Autorin Susan Ee. Der zweite Teil soll im Januar erscheinen. Der Leser wird ohne Vorwarnung mitten ins Geschehen geworfen, es gibt keine Einführung und keiner Erklärung, was passiert ist. Wir lernen sofort Penryn und ihre Familie kennen, die sich noch in ihrer Wohnung verstecken. Man erfährt in Nebensätzen, dass wohl Engel auf die Erde gekommen sind, um diese in Schutt und Asche zu legen. Dadurch bleiben zunächst viele Fragen offen und so startet das Lesen ein wenig unbefriedigend. Gerade die ersten 20 Seiten ziehen sich dadurch nur so dahin und richtiges Lesevergnügen kommt zunächst nicht auf. Dies ändert sich ab dem ersten großen Kampf, bei dem Penryns Mutter flieht, ihre Schwester Paige, die an den
Rollstuhl gefesselt ist, von den Engeln entführt wird, und Penryn allein mit einem Engel zurück bleibt. Diesem wurde jedoch die Flügel abgeschlagen. Doch in ihm sieht Penryn die einzige Chance ihre Schwester wiederzufinden und das ist alles, an was sie denken kann. Also sucht sie mit ihm ein vorerst sicheres Versteck und versucht Nahrung für beide zu finden und ihn daran zu hindern zu verbluten. Der Engel ohne Flügel stellt sich als Raffe vor, braucht aber ein paar Tage, um wieder zu Kräften zu kommen. Da er ohne seine Flügel sehr hilflos ist, verbündet er sich mit Penryn und verspricht sie zu dem Engelhorst zu bringen, wo sich höchstwahrscheinlich ihre Schwester aufhalten dürfte. Doch der Weg dahin ist lang und nicht ohne Gefahren.
Während die ersten 20 Seiten sich sehr ziehen, wird es ab da sehr schnell spannender. Und selbst als die Spannung im eigentlichen Sinne sich etwas zurückzieht, bleibt man gefesselt am Buch. Die Informationen über das, was passiert ist, bleiben zwar spärlich, aber trotzdem hofft man auf den nächsten Seiten mehr Informationen zu bekommen. Obwohl die Handlung ein bisschen zäh erzählt wird, bleibt man am Buch gefesselt. Das Ende ist zwar irgendwo schlüssig und rund, und vor allem mutig, weil es absolut unvorhersehbar kommt, lässt den
Leser aber doch etwas unbefriedigt zurück. Es ist zwar nur ein kleines offenes Ende, aber trotzdem scheint die Zeit bis zur Fortsetzung im Januar unvorstellbar lang. So hat Angelfall einen sehr schwachen Anfang, einen gelungenen Mittelteil und ein unbefriedigendes Ende.
Die Charaktere sind alle sehr unterschiedlich und interessant gezeichnet. Die Protagonistin Penryn, aus deren Sicht das Buch erzählt wird, wird als recht starke Frau dargestellt, aber auch mit einer schlüssigen Begründung, warum sie zum Beispiel kämpfen kann und warum ihr Wille so stark ist. Auch ihre Intention ihre Schwester so dringend zu retten, ist glaubhaft begründet und wird nicht einfach als selbstverständlich vorausgesetzt. Damit geht Angelfall einen großen Schritt weiter, als vergleichbare Bücher des Genres. Raffe, der Engel, dem zum Anfang die Flügel abgeschlagen wurden, bleibt während des ganzen Buches ein bisschen undurchsichtig und seine Intention etwas zu tun, sehr verschwommen. Natürlich ist er irgendwo auf die Hilfe Penryns angewiesen ohne seine Flügel, aber trotzdem
scheint dies nicht immer der einzige Grund zu sein, zumal er sich in mehr Gefahren stürzt, als er müsste. Penryns Mutter (die das ganze Buch über keinen Namen bekommt) ist ein wiederkehrender Charakter, der zwar in den meisten Situationen sehr nervig ist, aber trotzdem sehr interessant charakterisiert wurde.
Alles in allem ein interessanter Gedanke Engel einmal als das Böse einzusetzen, aber die Umsetzung weist gerade in der Spannungskurve ein paar Lücken auf.

„Angelfall – Nacht ohne Morgen“ wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!

Inferno

Am 13.10.2016 erschien die inzwischen dritte Verfilmung eines Dan Brown Romans in den deutschen Kinos. Diesmal hatte ich das Buch bereits im Vorfeld gelesen und war nun auf die filmische Umsetzung gespannt. Daher gibt es hier wieder sowohl die Buch- als auch die Filmkritik in einem Beitrag zusammen gefasst.

Der Symbologe Robert Langdon erwacht mit einer Kopfverletzung und damit einhergehendem Gedächtnisverlust, was die letzten Tage betrifft, in einem Krankenhaus in Florenz. Er hat keine Ahnung, wie er dahin gekommen ist. Kurz darauf sucht ihn eine Attentäterin auf und er muss zusammen mit der Ärztin Sienna Brooks fliehen. Dabei entdecken sie einen kleinen Projektor in Langdons Jackett, der Dantes Kreise der Hölle zeigt, zusammen mit einem Rätsel. Und schon befinden sie sich auf einer Jagd durch die Stadt auf der Suche nach weiteren Hinweisen und Rätseln. Was hat das Ganze mit Bertrand Zobrist zu tun, der das Ende der Menschheit durch Überbevölkerung vorhergesagt hat?

Das Buch:

Bereits 2013 erschien der inzwischen vierte Band über den Symbologen Robert Langdon aus der Feder von Dan Brown. Während er mit Illuminati und Sakrileg den Zorn der katholischen Kirche auf sich zog, war sein drittes Werk, das verlorene Symbol, sehr schwach geraten. Nun hat Brown sein viertes Langdon-Buch keiner Verschwörung innerhalb der katholischen Kirche gewidmet, sondern einem Meisterwerk der Literatur. Dante Alighieris „Göttliche Komödie“, bzw. zumindest dem ersten Drittel davon, nämlich dem „Inferno“-Teil. Hier beschrieb Dante seinen Weg durch die 10 Kreise der Hölle, jeden Kreis schrieb er einer anderen Art Sünde zu. Da Brown in diesem Film selbst keine Verschwörung finden oder hineininterpretieren konnt, nutzt er Inferno nur als Mittel für die Rätsel und Hinweise und nimmt sich im gleichen Atemzug noch einem ganz anderen Thema an: der Überbevölkerung. Dafür erfindet er die Figur des Bertrand Zobrist. Dieser hält nun die Pest und andere große Naturkatastrophen für einen Schutzmechanismus der Natur, um die Überbevölkerung aufzuhalten, und will selbst durch eine Seuche der Natur helfen. Davon ahnt unser Protagonist Robert Langdon zunächst aber noch nichts. Er hat nämlich mit einem Gedächtnisverlust zu kämpfen und der Tatsache, dass er sich nicht nur statt in Harvard in Florenz befindet, wo er auch noch beinahe einer Attentäterin zum Opfer fällt. Zusammen mit der Ärztin Sienna Brooks versucht er die letzten Tage zu rekonstruieren und stößt dabei vermehrt auf Hinweise, die allesamt mit Dantes Inferno in Verbindung stehen, und muss gleichzeitig feststellen, dass er von gut ausgebildeten Männern verfolgt wird.
Brown gibt seinem erfolgreichen Helden Langdon mal wieder viel zu tun und viel zu enträtseln. Dabei geht er diesmal aber anders vor, da Langdon nicht von vornherein bewusst in die Sache gezogen wird, weil seine Fähigkeiten als Symbologe gefragt sind, sondern Brown lässt Langdon und die Leser sehr lange im Dunkeln tappen und einzelne Hinweise aufspüren. Abgesehen von dieser Haupthandlung gibt Brown dem Leser immer wieder Einblicke in das Handeln anderer Charaktere, deren Rolle man lange Zeit nicht einordnen kann. Dadurch baut Brown zunächst sehr viel Spannung auf. Leider lässt er die Leser ein bisschen zu lange im Dunkeln tappen, so dass einem mitunter das Interesse die Rätsel zu lösen verloren geht. Auch merkt man, dass Brown in Vorbereitung auf das Buch einen ausgiebigen Urlaub in Florenz unternommen hat. Denn eine gewisse Liebe zur Stadt ist mehr als deutlich zu spüren. So lässt er Langdon immer wieder von der Stadt und seiner Geschichte schwärmen und dies teilweise ausschweifend während einer Verfolgungsjagd. Dadurch kommen Szenen, wie „Langdon und Sienna fliehen, können gerade noch durch Gang X entwischen, oh Gang X, hier hat der und der, das und das gemacht, und dann hat der dieses Gemälde gekauft und das ist so besonders, weil“, drei Seiten später, „Langdon und Sienna erreichen das Ende des Ganges“. Gerade im Mittelteil nimmt das Auswüchse an, die den Mittelteil nur sehr schwer ertragbar machen. Mitunter wurde eine Aufklärung zu einer bestimmten Inferno-Stelle so lange gerausgezögert, dass ein Gang zum Bücherregal unvermeidbar war, um die entsprechende Stelle einfach selbst in der Göttlichen Komödie nachzulesen. Während der Leser nun das Buch fast aufgegeben hat und kaum noch die Lust verspürte weiterzulesen, bringt Brown einen dazu im letzten Viertel des Buches dieses gar nicht mehr aus der Hand legen zu wollen. In einem einzigen Kapitel führt er eine so unvorhersehbare Wendung herbei, die alles bisher geglaubte auf den Kopf stellte. Und damit nicht genug. Brown schafft es von nun an die anfängliche Spannung wiederherzustellen und sogar zu erhöhen, in dem er neue Rätsel aufgibt, die aber nun wesentlich schneller gelöst werden und schafft es ein so packenden Showdown zu inzenieren, dass es unmöglich zu sein scheint den Leser an dieser Stelle aus der Welt des Buches zu reißen. Auch das Ende ist wieder absolut unvorhersehbar und stellt eine drastische Wendung der Ereignisse da. Dabei schafft es Brown gleich noch einen neuen Denkansatz in die Köpfe der Leser zu setzen und wirft gleichzeitig alle Regeln für ein Ende eines Buches über den Haufen. So wird der treue Leser doch noch für ein sehr langatmigen Mittelteil belohnt.

Der Film:

Nach Sakrileg und Illuminati war sehr schnell klar, dass auch weitere Bücher von Dan Brown verfilmt werden. Doch dann sprang Regisseur Ron Howard für das Folgeprojekt „das verlorene Symbol“ ab, da er im Buch keinen Reiz für eine Verfilmung fand. So lag das Projekt brach, bis Inferno erschien und Ron Howard sich sofort wieder begeistern konnte. Also wurde filmisch „das verlorene Symbol“ einfach übersprungen, und es wurde sich „Inferno“ gewidmet. Tom Hanks wurde wieder als Robert Langdon besetzt, den er wieder mit seiner bekannten souveränen Art spielt. An seine Seite wurde Felicity Jones als Sienna Brooks gestellt. Das Problem an Jones ist, dass sie zwischen sehr guten Perfomances, wie in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“, und sehr schlechten, wie in „Collide“, hin und her springt. Auch Inferno zählt gemessen an den Möglichkeiten nicht gerade zu ihrer Glanzleistung. Star Wars-Fans können daher nur hoffen, dass sie sich im bald erscheinden „Rogue One“ wieder ein bisschen mehr anstrengt.
Die Verfilmung an sich betrachtet ist ein souveräner Film, mit vielen Rätseln, Verfolgungsjagden und Spannung. Doch das kann man nur genießen, wenn man das Buch nicht gelesen hat. Denn der Film überspringt zwar die vielen Liebesbekundungen an die Stadt Florenz, schafft es aber die großen unvorhersehbaren Wendungen im Buch und das brilliante Ende komplett zu zerstören. Denn die erste 180° Wendung des Buches wurde nach nur fünf Minuten durch die Einblendung eines Untertitels zerstört. Der Showdown selbst ist zwar auch im Film sehr spannend und man hängt gebannt an der Leinwand, aber die Auflösung am Ende des Showdown wurde im Drehbuch komplett umgeschrieben, so dass ein ganz anderes Ende dabei herauskommt. Für Buchleser ein sehr unbefriedigendes, für Filmgucker ein sehr vorhersehbares. Und durch das Umschreiben des Endes, bleibt auch die letzte unerwartete Wendung des Buches aus, gerade das diskuttiertwürdige Ende, das Ende das Inferno als Buch zu etwas besonderem macht. Zwar wurde der Grundgedanke des Buches, irgendwo in der Mitte des Films mal in einem Nebensatz erwähnt, aber hat bei Weitem nicht die Gewichtung, wie im Buch.
Hat man das Buch vorher nicht gelesen, dann ist der Film und auch das Ende wohl für einen rund und auch trotzdem spannend, aber trotzdem bleibt der Film weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Hier wollten die Macher wohl längere Erklärdialoge am Ende vermeiden.

Alles in allem sollte man als perfekte Kombination, zunächst anfangen das Buch zu lesen, den Mittelteil dann mit dem deutlich spannenderen Mittelteil des Films abkürzen und den großen Showdown und das Ende dann wieder lesen. Für den Film gibt es aber trotzdem nur 05 von 10 möglichen Punkten.

Die Insel der besonderen Kinder

Am 06.10.2016 erschien eine Buchverfilmung mit Tim Burton als Regisseur in den deutschen Kinos. Nach Betrachtung des Films konnte ich es mir nicht nehmen lassen, auch das Buch in kürzester Zeit zu verschlingen. Beide Kritiken teilen sich diesmal diesen Beitrag.

Jakes Großvater hat ihm immer wieder die tollsten Geschichten über ganz besondere Kinder auf einer Insel vor Wales erzählt. Später glaubte Jake diesen Geschichten aber nicht mehr. Erst als sein Großvater getötet wird und Jake sich auf die Suche nach Antworten macht, entdeckt er, dass es eine ganz eigene Welt auf der besagten Insel gibt.

Der Film:

Tim Burton ist zurück und zeigt wieder einmal, dass er auch eine düstere Grundstimmung trotz farbenfrohes Setting schaffen kann. So wirft er uns zunächst in das ganz alltägliche und absolut durchschnittliche Leben von Jake in einem kleinen Ort in Florida. Nach und nach erfährt man von den Geschichten, die sein Großvater ihm immer erzählte. Von Kindern mit ganz besonderen Fähigkeiten, von einem ganz besonderen Ort, aber auch von ganz schrecklichen Monstern. Als Jake eines Tages seinen Großvater tot auffindet und feststellt, dass es kein natürlicher Tod war, hinterfragt er alles. Ist vielleicht doch mehr an den Geschichten seines Großvaters dran? Die Suche nach Antworten führt ihn bis nach Wales, auf eine kleine vorgelagerte Insel. Dort findet er seine Antworten, und eine ganz eigene Welt.
Die Besonderheiten der Kinder in „die Insel der besonderen Kinder“ sind vielleicht nicht ganz so besonders, vor allem, wenn man sich öfter im Fantasy-Bereich aufhält, dafür sind die Charaktere selbst breit gefächert und interessant gezeichnet. Das Erzähltempo ist relativ langsam und schafft es doch an den richtigen Stellen Neugierde und Spannung zu erzeugen. In erster Linie geht es darum mit Jake eine neue und ungeahnte Welt zu entdecken, als eine von vorne bis hinten spannende Geschichte zu erzählen. Im letzten Drittel zieht das Tempo jedoch stark an und schafft es einen starken Endkampf hinzulegen, in dem sich die Begabungen der Kinder erst richtig zum Vorteil entfalten. Einige leicht trashig wirkende Szenen sorgen dabei noch für eine Extra-Portion Humor.
Die Weltenzeichnung von Tim Burton ist altbekannt und doch wieder sehr wirksam. Während die „reale“ Welt sehr grau und wenig attraktiv erscheint, ist die Welt der besonderen Kinder umso bunter gestaltet. Dabei wirkt sie aber keinesfalls übertrieben, sondern kommt in der typischen Burton-Optik daher. Hauptdarsteller Asa Butterfield spielt auf gewohntem guten Niveau. Herausstechend ist aber Eva Greens Darstellung der Madame Peregrine, die ihrer Rolle eine ganz besondere Note gibt. Samuel L. Jackson funktioniert als Bösewicht sehr gut und man merkt ihm an, dass er hier wieder einmal richtig Spaß am Spiel hatte.

Alles in allem ein gelungener Auftakt, nachdem man zu hoffen wagt, dass auch die Folgeromane verfilmt werden. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Das Buch:

Direkt nach dem Film war ich so in die Welt der besonderen Kinder versunken, dass ich es mir nicht nehmen lassen konnte auch das Buch zu lesen (woher das Verlangen kommt Film und Buch gesehen/gelesen zu haben, weiß ich nicht).

Das Buch selbst schafft es den Leser durch einen sehr flüssigen Lesestil schnell zu bannen und bis zum Ende nicht mehr loszulassen. Obwohl ich die Handlung durch den Film bereits kannte, wurde ich noch einmal neu verzaubert. Das Buch ist gespickt mit alten Fotos, die die Kinder und andere Charaktere zeigen. Diese sind jedoch als und in schwarz-weiß und bilden daher einen stark düsteren Kontrast zum sehr bunten Film, was aber grundlegend nicht störend ist. Über die Verwendung von Bildern der Charaktere in einem Buch kann man sich streiten, da viele Leser sich dadurch in ihrer Fantasie eingeschränkt fühlen. Letztendlich kann man die Bilder aber auch gut überblättern und ignorieren, um die eigene Fantasie zu nutzen. Für die anderen sind sie ein schönes Feature.
Während sind die ersten zwei Drittel des Films fast wörtlich an das Buch halten, ist das Ende stark umgeschrieben worden. So konnte ich trotz des Films am Ende des Buches noch einmal stark mitfiebern. Trotzdem sind beide Enden rund und stehen in keinem Widerspruch. Etwas irritierender war eher, dass der Film zwei Charaktere in ihren Besonderheiten vertauschte. Aber trotzdem ist dies kein Kritikpunkt.

Die Insel der besonderen Kinder ist ein flüssig zu lesendes Buch, das den Leser in eine andere Welt entführt und zum Träumen anregt. Für Filmmuffel eine absolute Empfehlung.

Abschließend ist zu sagen, dass man den Film gut sehen kann, ohne das Buch zu kennen, das Buch aber natürlich mehr über Jake und sein Innerstes verrät. Film und Buch stehen also in Ergänzung zueinander da, bei dem man nicht sagen könnte, ob Film oder Buch besser ist. Wer gerne liest, sollte sich das Buch vornehmen, wer lieber Filme sieht, kann in Burtons Werk versinken.

Geek Pray Love

Vor einigen Jahren las ich das Buch Eat Pray Love und sah den dazugehörigen Film. Beides gefiel mir sehr gut. Als ich nun auf der German Comic Con über ein Buch mit ähnlichem Titel stolperte war mein Interesse doch geweckt.

Geeks. Was sind das für Lebewesen? Wieso geben sie all ihr Geld auf Conventions für Merchandise aus? Was hat es mit ihren Stammtischen auf sich? Welche Fehler sollte man im Umgang auf keinen Fall machen? Diese und viele weitere Fragen werden in diesem Buch von Geeks für Geeks und „Muggle“ beantwortet.

Geek Pray Love hat den passenden Beinamen „Ein praktischer Leitfaden für das Leben, das Fandom und den ganzen Rest“. Denn das Buch befasst sich von vorne bis hinten mit Geeks. Dabei werden alle gängigen Formen vorgestellt und genauer beleuchtet. Das Buch richtet sich dabei in manchen Kapiteln an die Geeks selbst und führt praktisch ein Gespräch unter Gleichgesinnten. In anderen Kapiteln wiederrum wendet sich das Buch direkt an die Menschen, die die Geeks gerne verstehen würden. Sei es weil das Kind/der Partner/jemand im Freundeskreis ein Geek ist und man seine Handlungen einfach nicht nachvollziehen kann.
Geek Pray Love besteht zum einen aus einer kleinen Geschichte über den Neugeek Lukas Lang, der in der Schule gemobbt wird, von den Eltern nicht verstanden wird und eines Tages durch Zufall in den Film „Krieg der Welten“ stolpert. Von da an ändert sich seine Welt und er lernt einen Phantastikstammtisch kennen und wird das erste Mal in seinem Leben von anderen Menschen richtig verstanden und akzeptiert. Die Geschichte wird Kapitelweise erzählt und taucht immer wieder im Buch auf. Leider spielt die Geschichte mit vielen Klitschees, nachdem ein Neugeek, wie Lukas, natürlich in der Schule gemobbt werden muss. Hier wäre ein ganz normaler Junge vielleicht wirksamer gewesen. Aber die Idee Lukas nach und nach verschiedene „Geek-Erfahrungen“ machen zu lassen, ist dann doch unterhaltsam, um die anderen Kapitel zu unterstreichen.
Die anderen Kapitel sind Erklärungen und Leitfäden für Geek und Nicht-Geek durch das Leben von Geeks. Vom Besuchen von Conventionen, über Cosplay, Rollenspiele, Stammtische, Magazine ist einfach alles vertreten. Dabei macht das Lesen dem Geek genauso viel Spaß, wie dem Nicht-Geek, der so einen guten Einblick in die Welt des Geeks bekommt. Der Schreibstil ist locker und sehr flüssig, wodurch man das Buch in zwei Tagen durchgelesen haben kann. Zwischendurch kommt der Geek dann doch immer mal wieder zum schmunzeln, wenn er bekannte Sachen wiedererkennt und sich die Hinweise für Nicht-Geeks durchliest. Trotzdem kann man mit dem Buch auch nach vielen Jahren als Geek immer noch etwas dazu lernen.

Eine schöne Lektüre für Zwischendurch, die das Verständnis von Geek und „Muggle“ verbessert.

Studierst du noch oder lebst du schon?

Meine Tage als Studentin waren kurz und sind auch schon wieder ein paar Jährchen her. Trotzdem fühlte ich mich von dem Buch „Studierst du noch oder lebst du schon?“ direkt angesprochen.

Jeanne möchte ihr Sabbatjahr nutzen, um eine Doktorarbeit zu schreiben. So ist sie außer sich vor Freude, als ihr dieses genehmigt wird. Allerdings erhält sie kein Stipendium. Kein Problem, denkt Jeanne, dann arbeite ich halt nebenbei an der Uni. Doch der Alltag als Doktorantin ist ganz anders, als man ihn sich vorstellt.

Tiphaine Rivière war einst selbst Doktorantin, gab dieses jedoch zu Gunsten einer Karriere als Comic-Zeichnerin auf und berichtet nun von ihren Erfahrungen, die sie während ihres dreijährigen Versuches gemacht hat eine Doktorarbeit zu schreiben.
Jeanne ist von ihren Beruf als Lehrerin total genervt, denn ihre Schüler haben keinen Respekt und sind überhaupt nicht zu bändigen. Also beschließt sie ein dreijähriges Sabbatjahr einzulegen (in Frankreich laut Buch ohne Probleme möglich) und in diesen drei Jahren ihre Doktorarbeit zu schreiben. Schnell wird sie auch als Doktorantin angenommen, leider ohne Stipendium. Also will sie nebenbei an der Uni dozieren. Doch das Schreiben einer Doktorarbeit ist trotzdem kein Zuckerschlecken. Die verschiedensten Probleme werden in dieser Graphic Novel ausführlich dargestellt. Durch viele innere Monologe wird die Nähe zur Protagonistin sehr stark, man fühlt durchgängig mit ihr. Durch viele Schilderungen von Alltagssituationen findet man sein eigenes Studentenleben in einigen wieder, was die Nähe noch mehr verstärkt. Gleichzeitig schildert die Graphic Novel jedoch einen Zeitraum von ca. 5 Jahren auf 179 Seiten. Dadurch gibt es viele Zeitsprünge, die nur leider nur selten gekennzeichnet werden, wodurch man zwischendurch doch den Überblick verliert. Doch der Leser kann den Faden schnell wiederfinden, so dass man das Buch gut in ein paar Stunden durchgelesen hat. Die Bilder sind im ganz eigenen Stil gezeichnet und haben dadurch einen ganz persönlichen Charme. Die Handlungen und Emotionen sind alle passend dargestellt, so dass man zu den Denk- und Sprechblasen gleich die richtige Betonung erkennt. Das Bild/Text-Verhältnis ist passend. Der Text ist gut lesbar und überdeckt das Bild dabei nicht. Wenn einmal mehr Text nötig ist, so wurde das Bildmaterial verringert, aber trotzdem passend um den Text drapiert.
Der einzige Haken am Buch ist der Titel. Denn dieser gibt dem Leser das Gefühl, es handele sich um eine Graphic Novel, die wirklich das Leben eines Studenten unter die Lupe nimmt. Denn zwischen Student und Doktorant ist noch einmal ein himmelweiter Unterschied. Aber vielleicht überrascht uns Autorin Rivière mit einer Fortsetzung.

Alles in allem ist „Studierst du noch oder lebst du schon?“ ein kurzweiliges, aber realistisches Abenteuer in die Abgründe eines Doktorantenlebens.

„Studierst du noch oder lebst du schon?“ wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House zur Verfügung gestellt. Vielen Dank hierfür!