Es ist zu deinem Besten

Ein Vorwort

Während durch die geschlossenen Kinos in den USA und dem asiatischen Markt, Hollywood immer weiter fleißig Filme verschiebt, ist derzeit zumindest auf den deutschen Film verlass. Denn der haut aktuell ein Film nach dem nächsten raus. Nach Into the Beat und Hello Again dürfen nun aber wieder die altbekannten Herren in eine Komödie schlüpfen. Ob der Film letztendlich mehr kann als sein Trailer, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Quelle

Die Handlung

Die drei Schwäger Artur (Heiner Lauterbach), Kalle (Jürgen Vogel) und Yus (Hilmi Sözer) sind unglücklich über die Wahl der Männer ihrer Töchter. Arturs Tochter Antonia (Janina Uhse) hat die Hochzeit mit einem Anwalt aus Arturs Kanzlei platzen lassen, um mit dem linken Weltverbesserer Alex (Jacob Matschenz) durchzubrennen. Kalles Tochter Luna (Lisa-Marie Koroll) hat sich in einen Aktfotografen und ehemaligen Schulkamerad ihres Vaters (Andreas Pietschmann) verliebt und Yus Tochter Sophie (Lara Aylin Winkler) hat durch Andi (Junis Marlon) Kontakt zum Drogenmilieu. In einem sind sich die Väter einig. Die Männer müssen weg.

Meine Meinung

Handlung und Trailer lassen auf eine typische deutsche Komödie schließen, was mich eher abgeschreckt hätte. Wie schon bei Der Vorname und Das perfekte Geheimnis handelt es sich wieder um eine Neuverfilmung, diesmal eines spanischen Films (Es por tu bien). Während das bei Der Vorname erstaunlich gut funktionierte, war Das perfekte Geheimnis zwar durchaus witzig, hatte aber auch einige Stellen, die schwierig waren. Was mich letztlich doch ins Kino zog war Regisseur Marc Rothemund. Denn mit Sophie Scholl, Mein Blind Date mit dem Leben und Dieses bescheuerte Herz lieferte er durchaus gute Filme ab. Hinzu kommt, dass mein guilty pleasure Groupies bleiben nicht zum Frühstück von ihm ist. 
Zunächst wurde ich in meinen Befürchtungen jedoch bestätigt. Die drei Herren Lauterbach, Vogel und Sözer spielen eben jene deutsche Klischees, die man erwartet hat. Die dazugehörigen Töchter wirken allesamt naiv und wollen zu bewusst rebellieren, und die angehenden Schwiegersöhne sind natürlich bewusst die Dornen im Auge der Väter. Soweit so klischeehaft. Nachdem sich die Charaktere ein wenig gesetzt haben und die Geschichte Fahrt aufnimmt, kann der Film jedoch stellenweise durchaus überraschen. Auch gibt es einige sehr intelligent witzig geschriebene Szenen, die gut funktionieren. Das wird zum Beginn der zweiten Hälfte wieder abgelöst von einigen zu lang ausgespielten Szenen, wie der im Trailer angedeutete Drogenkauf, der dann wieder zu gewollt witzig war. Doch auch das ändert sich dann noch einmal, und wird zum Finale hin noch einmal etwas tiefgründiger. Doch auch hier schafft es der Film nicht über die üblichen Klischeeüberwindungen hinauszugehen. Ernstere Momente und wirkliche Auseinandersetzung mit den Themen gibt es nicht, da die Handlung zu sehr auf Konflikt und Konfrontation aus ist, um möglichst viele vermeintlich witzige Szenen rauszukitzeln. 
Letztlich geht Rothemund hier in allen Bereichen auf Nummer sicher. Der Cast an sich dürfte schon Zuschauer ziehen, der Witz ist größtenteils stimmig und auch das Ende ist genau das, was man erwartet. Die Handlung bietet keine Überraschungen, um die Wohlfühlatmosphäre nicht kaputt zu machen und sich mit den angesprochenen Themen nicht wirklich auseinander setzen zu müssen. Hier ist durchaus Potential liegen geblieben, aber um das zu nutzen, hätte man den Zuschauer aus der Komfortzone ziehen müssen und das hätte das durchschnittliche Erfolgsrezept kaputt gemacht.

Das Fazit

Es ist zu deinem Besten arbeitet nach dem üblichen Prinzip einer deutschen Komödie und verpasst dabei den Absprung, um die Themen ernsthaft zu vertiefen. Das führt zu wenig Überraschungen und voraussehbarem Ende. Dennoch kann der Witz und die Handlung durchaus an einigen Stellen punkten und ist damit doch besser als nach dem Trailer zu erwarten war. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Es ist zu deinem Besten läuft seit dem 08.10.2020 in den deutschen Kinos

Das perfekte Geheimnis

Ein Vorwort

Wie viele Beziehungen würden zerbrechen, wenn der Partner in Handy des Partners schauen würde. Wenn man der Prämisse für das perfekte Geheimnis trauen darf, anscheinend sehr viele. Und so wurde erneut ein namenhafter Cast deutscher Schauspieler vereint, um ein Kammerspiel zu inszenieren. Nur mal so als Fun Fact: Der Film Perfetti Sconosciuti (Perfect strangers) stammt aus Italien und hält den aktuellen Weltrekord mit 18 Versionen. Die deutschen sind also nicht die einzigen, die diesen Stoff aufgegriffen haben, um ein Remake zu erstellen.

Die Handlung

Vier Freunde aus der Schulzeit treffen sich mit ihren Frauen/Freundinnen zum Abendessen. Rocco (Wotan Wilke Möhring) und Eva (Jessica Schwartz) sind verheiratet und geraten öfter aneinander, da Eva mit der pubertierenden Tochter Sophie (Emily Kusche) nicht mehr klar kommt. Carlotta (Karoline Herfurth) und Leo (Elyas M’Barek) sind ebenfalls verheiratet und frisch Eltern von Zwillingen geworden. Während Carlotta jedoch ihre Karriere nicht aufgeben wollte, ist Leo als Hausmann sichtlich überfordert, weswegen er seine Mutter immer öfter um Hilfe bittet. Simon (Frederick Lau) und Bianca (Jella Haase) haben sich kürzlich verlobt. Während Bianca ihre Berufung als Veterinärin gefunden hat, sucht sich Simon immer wieder ein neues Projekt. Zu guter Letzt gibt es noch Pepe (Florian David Fitz), der eigentlich seine neue Freundin beim Essen vorstellen sollte, die er jedoch mit der Begründung, sie hätte Fieber, nicht mitbringt. Zu Beginn des Abends erzählen die Freunde von einem Bekannten, dessen Ehe kaputt ging, weil seine Frau in seinem Handy von seiner Affäre erfuhr. Eva schlägt daher ein Spiel vor. Während der Dauer des Essens werden alle Anrufe auf laut gestellt und alle eingehenden Nachrichten laut vorgelesen. Ein unvergesslicher Abend beginnt.

Meine Meinung

Das deutsche Remakes von Kammerspielen funktionieren können, hat im letzten Jahr erst „Der Vorname“ bewiesen. Ein bekannter Cast hat wohl sein übrigens getan. Diesmal diente der Film Perfetti Sconosciuti vom italienischen Filmemacher Paolo Genovese als Vorlage. Wie interessant die Vorlage für Filmemacher aus aller Welt zu sein scheint, beweist die Vielzahl an Remakes. Während das deutsche Remake viele Elemente aus dem italienischen Original übernommen hat, wurden auch einige Ereignisse abgewandelt und verändert.
Damit so ein Film funktioniert, muss natürlich dafür gesorgt werden, dass so ziemlich jeder ein Geheimnis hat und natürlich auch genau an diesem Abend die entsprechenden Nachrichten und Telefonanrufe eingehen. Dadurch wirkt die Handlung jedoch sehr konstruiert. Bei einem solchen Abendessen mit meinen Freunden wäre wahrscheinlich nicht einmal ein Anruf eingegangen und nur ganz wenige Nachrichten. Aber ohne genau diesen Grundsatz würde wohl der ganze Film nicht funktionieren.
Die Charaktere selbst wirken zunächst wie aus dem Leben gegriffen. Es gibt ganz alltägliche Probleme und selbst die größer wirkenden, wie etwas Uneinigkeit mit einer pubertierenden Tochter gehören noch in die Kategorie glaubhaft. Doch die anderen Geheimnisse scheinen immer größer zu werden, bis die Vielzahl an Affären und ähnlichem dem Film nach und nach die Glaubhaftigkeit nimmt.
Dennoch funktioniert gerade das Zusammenspiel der einzelnen Darsteller so wunderbar und die Handlung wird dennoch glaubhaft mit allen Emotionen herübergebracht. So kommt es, dass fast jeder Gag wirklich sitzt und das Timing stimmt. Das perfekte Geheimnis ist ein Film, dass einen vollen Kinosaal dazubringen kann, nicht mehr mit dem Lachen aufzuhören. Allerdings funktioniert dies wohl auch nur beim ersten Mal sehen, denn danach ist jeglicher Überraschungsfaktor, der die meisten Lacher herausgekitzelt hat, enttarnt.
Etwas schwieriger ist es wohl die gerade die gegen Ende deutlich werdende Homophobie zu tolerieren. Hier haben die Regisseure wohl versucht auf einem schmalen Grat zu balancieren, sind dann aber doch in die falsche Richtung abgerutscht. Hier schafft es letztendlich Florian David Fitz mit einer absolut ehrlichen Performance die Kurve noch zu kriegen.

Das Fazit

Das perfekte Geheimnis ist ein Film, der beim Erstmaligen Sehen großen Spaß macht, trotz einer sehr konstruierten Handlung. Gerade der gut harmonierende Cast schafft es den Film trotzdem rund zu gestalten. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Das perfekte Geheimnis läuft seit dem 31.10.2019 in den deutschen Kinos.

Monsieur Claude und seine Töchter 2

Ein Vorwort

2014 überraschte ein Film aus Frankreich. Ein streng katholischer Mann mit vier Töchtern, die nach und nach alle nicht katholische Männer geheiratet haben. Es war witzig, traf den Nerv der Zeit und hielt dem Zuschauer doch noch einmal den Spiegel vor. Der Film spielte mit Vorurteilen, nahm diese aufs Korn oder verdrehte sie in die entgegengesetzte Richtung. Nun treffen wir erneut auf die Familie. Kann auch der zweite Teil wieder begeistern?

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring diesen Absatz einfach.

Monsieur Claude Verneuil hat zusammen mit seiner Frau Marie vier Töchter groß gezogen. Sein größter Traum ist es, dass sie alle einmal gute französische katholische Männer heiraten. Doch es kommt alles ganz anders. Die erste Tochter Odile heiratet den jüdischen Geschäftsmann David, die zweite Tochter Isabelle heiratet den muslimischen Rachid und die dritte Tochter Segolene heiratet den chinesischstämmigen Banker Chao. Allein diese Konstellation sorgt bei den Familienessen für allerlei Reibereien, weil nicht nur Claude und Marie so ihre Vorurteile haben, sondern auch die Männer untereinander. Nachdem es immer wieder Streit gab, versucht Marie zu schlichten und versucht ein Festtagsessen der Kulturen auf die Beine zu stellen. Dabei wird halal, koscher und chinesisch gekocht. Schließlich findet auch die jüngste Tochter Laure die große Liebe. Am Telefon erzählt sie stolz ihrem Vater, dass es sich um einen Franzosen handelt. Claude ist außer sich vor Freude. Diese wird jedoch gedämpft, als die Familie zum ersten Mal auf Charles trifft und feststellt, dass es sich um keinen Franzosen, sondern um einen von der Elfenbeinküste handelt. Nun versuchen auch die drei älteren Schwestern mit ihren Männern zu integrieren, um neuen Streit in der Familie zu vermeiden. Doch Laure besteht darauf auch die Liebe ihres Lebens heiraten zu wollen. Schließlich wird diese im großen Anwesen der Verneuils ausgerichtet. Zu diesem Anlass reist jedoch auch Charles Familie von der Elfenbeinküste an. Diese hat ebenfalls wenig übrig für die Franzosen. Beim Zusammentreffen erkennen die Väter Claude und André, dass sie genau die gleichen Vorurteile haben, überwinden diese und freuen sich über neue Familienmitglieder. So bekommen auch Laure und Charles ihre Traumhochzeit.

Die Handlung

Claude und Marie Verneuils brechen zu einer großen Reise auf. Die Ziele sind die Herkunftsländer ihrer Schwiegersöhne. Völlig traumatisiert kommen sie wieder und erfreuen sich wieder an ihrem schönen Frankreich. Doch dann kommen die nächsten Hiobsbotschaften. Die älteren drei Schwestern und ihre Männer haben die Nase voll vom Rassismus in Frankreich und beschließen wieder in ihre Herkunftsländer auszuwandern. Auch Laure und Charles wollen Frankreich verlassen, aber nur, weil Laure ein attraktives Jobangebot aus Indien erhalten hat. Claude und Marie stehen kurz vorm nächsten Zusammenbruch. So beschließt Claude mit seinen Schwiegersöhnen eine ausgiebige Reise durch Frankreich zu machen und ihnen die Schönheiten seines Landes zu zeigen.

Meine Meinung

Monsieur Claude und seine Töchter 2 ist eine typische Fortsetzung eines absoluten Überraschungserfolges. Es wird sich verzweifelt an die bisher funktionierenden Strukturen geklammert und versucht diese weiterzuspinnen. Wie bei so vielen Fortsetzungen schlägt aber genau dieser Ansatz wieder fehl. Anstatt neue Themen und Ansätze reinzubringen, wird das alte lauwarm aufgewärmt.
Dabei beginnt der Film relativ spannend. Claude und Marie bereiten sich auf ihre große Reise vor. Genau diese hätte ich zumindest sehr gerne ausführlicher gesehen. Denn ein Treffen auf die Familien von den Schwiegersöhnen hätte dem Film eine neue Richtung gegeben und den Charakteren noch ein wenig mehr Tiefgang. Leider wird genau dieser Aspekt gleich übersprungen und wir treffen Claude und Marie am Ende ihrer Reise wieder. Und natürlich war die Reise furchtbar und alle anderen Länder außer Frankreich sind auch furchtbar. Dann geht es auch schon weiter zum nächsten Thema, die vier Töchter wollen mit ihren Männern auswandern, wobei eher die Männer die treibende Kraft sind – außer bei Laure und Charles. Das sorgt wieder für mächtigen Trouble im Hause Verneuil. Kurz darauf bekommt der Film aber auch schon seine ersten Längen. Es wird thematisiert, wie die vier Paare mit den Vorbereitungen anfangen. Und als schließlich die rettende Lösung der Frankreich-Reise kommt, ist der Zuschauer schon so weit abgedriftet, dass die wenigen guten Einfälle dieser Reise kaum noch wahrnehmbar sind.
Im Prinzip ist der Film ein einziges Loblied auf Frankreich und gleichzeitig eben auch nicht. Denn auch in Frankreich müssen Firmen Konkurs anmelden, finden Geschäfte keine Nachfolger und dünnt sich die Landbevölkerung immer mehr aus. Trotzdem wird mit aller Macht, genauer gesagt mit dem Vorschlaghammer, gepredigt, wie toll Frankreich sei. Dabei wäre der Ansatz mit einer etwas subtileren Art durchaus eine gute Idee gewesen. Hier hätte man aktuelle politische Entwicklungen, wie die andauernden Gelbwestenproteste, durchaus mit einbauen können. Aber stattdessen wird ein plumper Witz nach dem nächsten gerissen.
Und genau hier liegt dann auch das Hauptproblem von Monsieur Claude und seine Töchter 2. Er ist einfach nicht mehr witzig. Waren die Reibereien zwischen den Schwiegersöhnen im ersten Teil noch spannend und sorgten für allerlei Unterhaltung, scheinen sie nun eingeschlafen und können nur die immer gleichen Vorurteile wiederholen. Es fehlen gute Spitzen, es fehlen Pointen, es fehlt einfach alles, was den ersten Teil noch lustig machte. Bei einer Komödie, die ihren ersten Teil eigentlich nur noch einmal neu aufwärmt, keine gute Voraussetzung.

Das Fazit

Monsieur Claude und seine Töchter 2 verfehlt auf die interessanten Handlungsteile einzugehen und fokussiert die langweiligen zu sehr. Darüber hinaus schafft er es nicht politische Aktualität mit einzubringen und ist nicht wirklich witzig. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Monsieur Claude und seine Töchter 2 läuft seit dem 04.04.2019 in den deutschen Kinos.

100 Dinge

Ein Vorwort

Wenn der Name Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer in einem Film auftaucht, ist das für mich eigentlich ein guter Grund nicht ins Kino zu gehen. Bei Florian David Fitz bin ich hingegen schon geneigt, zumindest genauer hinzusehen, da er mir beispielsweise auch zuletzt in Der Vorname gut gefiel. Nun stand der neue Film von Fitz mit ihm und Schweighöfer in den Hauptrollen an. Der Trailer sah bereits wieder nach einer typischen deutschen Komödie aus, weswegen ich mich wieder vor dem Kinobesucht drücken wollte. Leider wollte meine Kollegin davon nichts wissen und bestach mich mit einem Schichtentausch. Ob der Film nun wirklich der angekündigte Reinfall wurde, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Die Freunde Paul (Florian David Fitz) und Toni (Matthias Schweighöfer) haben zusammen eine App entwickelt. Während Paul diese nutzen wollte, um die Nutzer glücklich zu machen, schafft es Toni Pauls Abläufe zu analysieren und ihn zum Konsum anzuregen. Bei der Feier über den Verkauf der App an ein großes Unternehmen, betrinken sich beide und wetten, dass der jeweils andere es nicht ohne Konsum aushält. So kommen sie auf die Idee, dass ihre Mitarbeiter ihnen die gesamte Wohnung ausräumen und alles einlagern. Jeden Tag, über 100 Tage hinweg, dürfen Sie sich einen Gegenstand zurückholen.

Meine Meinung

100 Dinge ist einer der deutschen Filme, die man von Anfang an abstempelt, die aber unter der Fassade doch einiges zu bieten haben. Florian David Fitz führt hier Regie und schrieb auch das Drehbuch. Hier merkt man, dass er sich mit der Grundthematik durchaus befasst hat und weiß, wovon er spricht.
Natürlich steht die Komödie hier im Vordergrund. Und ein paar Witze unter der Gürtellinie sind auch vorhanden, so wie die obligatorischen Nacktszenen, die wohl vor allem die Zielgruppe (Frauen mittleren Alters) ansprechen sollen. Darüber hinaus gibt es aber auch viele niveauvolle Witze und am wichtigsten: Die Witze sind auch lustig, so dass auch jemand, der den ansonsten typischen Humor für Schweiger/Schweighöfer-Komödien nicht lustig findet, sich durchaus zwischendurch den Bauch vor Lachen halten muss.
Abgesehen von der typischen Komödie hat 100 Dinge aber auch eine Handlung und Tiefgang. Die Hauptthematik ist der Konsum. Diese wird von mehreren Stellen beleuchtet und hinterfragt. Zum einen steht natürlich die Wette im Vordergrund. 100 Tage ohne Konsum und jeden Tag müssen sich die Protagonisten neu entscheiden, was man unbedingt im Leben braucht. Zunächst sind es die offensichtlichen Sachen. Kleidung, eine Matratze zum Schlafen, sehr schnell kommt dann auch das Smartphone dazu. Doch die ganze Überlegung geht weiter. Wieso kaufen wir so viel? Und macht uns Konsum wirklich glücklich? Als Beispiel kommt dann die von Katharina Thalbach gespielte Oma hinzu, die während des Krieges nur einen einzigen Koffer packen durfte und dort alles Wichtige unterbringen musste. Für die anderen Generationen hat Konsum noch eine ganz andere Bedeutung als für uns. Der ganze Gedanke wird dann noch weitergesponnen bis zum Kaufrausch und möglichen psychologischen Erkrankungen, die aus dem Konsum heraus entstehen.
Wir fassen zusammen. 100 Dinge hat eine gut durchdachte Handlung, Tiefgang, nachdenkliche Dialoge, aber schafft trotzdem das Komödienfeeling. Hinzu kommt, dass Fitz und Schweighöfer sich durch ihre unterschiedlichen Darstellungen und Charaktere gut ergänzen. Also ein kompletter Erfolg? Leider nicht ganz, denn 100 Dinge kann das Niveau leider nicht über die gesamte Spieldauer von 111 Minuten halten. Gerade gegen Ende verliert er sich in seinen eigenen Erzählsträngen und versucht mit aller Gewalt noch schnell eine Liebesgeschichte einzubauen, die zunächst subtil begann, am Ende aber doch wieder ins Vorhersehbare abdriftet. So kommt man am Ende weniger überwältigt aus dem Kino, als man am Anfang glauben konnte.

Das Fazit

100 Dinge macht für eine deutsche Komödie sehr viel richtig, da er sich auf die Handlung konzentriert und eine Charakterentwicklung zulässt. Dabei ist er beinahe durchgängig witzig, verliert sich leider am Ende in den zu viel aufgebauten Handlungssträngen. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

100 Dinge läuft seit dem 06.12.2018 in den deutschen Kinos.

Der Sex Pakt

Ein Vorwort

Viele von uns haben wohl genau den Schritt schon hinter sich gebracht. Man hat die Schule beendet und stand dann vor der Entscheidung: Studium oder Ausbildung? Oder vielleicht doch erst einmal ein Jahr etwas ganz anderes machen? Bleibe ich in meiner Heimatstadt bei meinen Freunden, oder schaffe ich mir ein ganz neues Leben in einer neuen Stadt? Aber was verbindet die Freundinnen auch nach dem Schulabschluss? Wenn man dem Film glauben darf, dann wohl nur ein Sex-Pakt, oder?

Die Handlung

Julie (Kathryn Newton), Sam (Gideon Adlon) und Kayla (Geraldine Viswanathan) sind seit Beginn ihrer Schulzeit die besten Freundinnen. Nun steht das Ende der gemeinsamen Zeit bevor, denn sie haben den Schulabschluss hinter sich und planen nun den Abschlussball. Jede der drei hat sich ein Date organisiert und kurz bevor schließen sie noch einen gemeinsamen Pakt, der sie für immer als Freundinnen zusammenschweißen soll. Sie wollen alle an diesem Abend Sex haben. Doch ihre Eltern Lisa (Leslie Mann), Mitchell (John Cena) und Hunter (Ike Barinholtz) finden das heraus und setzen nun alles daran, diesen Pakt zu verhindern.

Meine Meinung

Der Sex-Pakt fängt ganz klassisch mit der Vorstellung der Charaktere an. Wir erfahren wie unterschiedlich die drei Mädchen eigentlich aufgewachsen sind. Während Julie bei ihrer alleinerziehenden Mutter lebt und sie eine sehr innige Beziehung haben – außer, dass Julie ihrer Mutter die Bewerbung an einer fernen Uni verschweigen muss. Kayla ist gut behütet im intakten Familienverhältnis aufgewachsen, auch wenn ihr Vater Mitchell ein wenig überängstlich ist. Und schließlich Sam, die sich nach der Scheidung ihrer Eltern komplett von ihrem Vater Hunter entfernt hat. So weit, so normal. Der Film krankt aber vor allem daran, dass jemand der Ansicht war aus ihm eine Komödie machen zu müssen. Denn als Drama hätte der Film stellenweise richtig gut funktioniert. An sich spricht er viele gute Themen an. So ist er eine Mischung aus Coming-of-Age – OMG ich habe die Schule beendet und der Abschlussball steht bevor und danach fängt das reale Leben an, weil ich von zu Hause ausziehen muss – Erkundung der eigenen Sexualität – inklusive der Unterschiede bei Jungs und Mädchen – und den Problemen bei der Erziehung, wenn die kleinen Prinzessinnen auf einmal erwachsen werden. Es werden verschiedene Sichtweisen gezeigt und mit Argumenten begründet, so dass der Film auch keinem seine Meinung aufdrückt. Soweit so gut. Leider kam irgendjemand auf die Idee aus den ganzen guten Grundprämissen und der Charaktervielfalt eine schlechte 08/15 Komödie zu machen. Auf einmal werden alle Charaktere unglaublich platt, obwohl eigentlich gut charakterisiert, und die Handlung zu einer Abfolge vorhersehbarer Banalitäten, die leider auch noch mit unglaublich schlechten Witzen untersetzt werden. Dass Seth Rogen als Executive Producer aufgelistet wurde, sollte am Ende keinen mehr überraschen. Denn Witze wie „Arschsaufen“ dürfte nur ein ziemlich kleines Publikum wirklich witzig gefunden haben.
Der ganz große Reinfall, wie vielleicht von vornherein durch den Trailer angedeutet, wurde der Sex-Pakt dann trotzdem nicht. Denn auch wenn der Film als Komödie versagt, da er kaum unterhalten konnte, zeichnen sich die kleineren Dramaelemente umso mehr aus. Und die Szenen ohne jegliches Niveau sind sogar erstaunlich wenige, die werden dafür aber grundlos in die Länge gezogen ohne die Handlung voranzutreiben.
Schauspielerisch ist der Film so semioptimal besetzt. Denn während die Jungdarsteller noch eine solide Leistung – wenn auch nicht überragend – abliefern, schaffen es gerade John Cena und Ike Barinholtz nicht, mehr als einen Gesichtsausdruck abzuliefern. Und auch Leslie Mann schafft es nicht über ihr übliches Mittelmaß zu springen.

Das Fazit

Der Sex-Pakt hat irgendwo gute dramatische Ansätze versteckt, die alleinstehend gut funktioniert hätten. Leider wurde der Film zu einer schlechten Komödie verhunzt und das eigentlich relativ hohe Niveau wurde immer wieder mit schlechten Witzen runtergezogen, so dass als Endprodukt leider ein schlechter Film entstand. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Der Sex-Pakt lief ab dem 12.04.2018 in den deutschen Kinos.

Game Night

Ein Vorwort

John Francis Daley war mir bisher nur in seiner Rolle als Psychologe Dr. Lance Sweets aus der Fernsehserie „Bones“ bekannt, in der er immerhin 104 Mal die Rolle übernahm und über viele Staffeln zur Stammbesetzung gehört. Erst als ich mir nach der Sichtung die Beteiligten an Game Night genauer ansah, stieß ich auf Daley als Regisseur und musste zu meiner Überraschung feststellen, dass Game Night erst sein zweites Regieprojekt ist, er aber vorher neben seiner Schauspieltätigkeit auch immer wieder Drehbücher schrieb, unter anderem für Spider-Man Homecoming oder auch für anderen Komödien, wie die beiden Kill the Boss- Filme.

Die Handlung

Die Pärchen Annie (Rachel McAdams) und Max (Jason Bateman), Kevon (Lamorne Morris) und Michelle (Kylie Bunbury), sowie ihr Singlefreund Ryan (Billy Magnussen) mit einem wöchentlich wechselndem Date, treffen sich regelmäßig zu einem Spieleabend. Dabei stehen Spiele wie Scharade und Montagsmaler an der Tagesordnung. Bis Maxs Bruder Brooks (Kyle Chandler) zu Besuch kommt und den Spieleabend aufpeppen will. Er inszeniert eine Mörder-Mystery-Entführungsgeschichte mit einer dafür angeheuerten Firma. Doch Brooks ist in dubiose Geschichten verwickelt und wird von echten Kriminellen entführt. Bis die Spieleabendteilnehmer zu denen an diesem Abend auch Ryan Date Sarah (Sharon Horgan) gehört, dies aber kapieren, sind sie schon ziemlich tief in das Geschehen verwickelt.

Meine Meinung

Game Night lief in meinem Kino nur nachts ab 23Uhr. Als ich also das Kino besuchte, hatte ich den Saal zusammen mit meiner Begleitung für uns alleine. Das war sehr gut, denn ansonsten wäre ich wohl irgendwann Opfer fieser Popcorn-Attacken geworden. Der Grund dafür ist, dass Game Night so unglaublich lustig war, dass ich beinahe pausenlos lauthals lachen musste. Mitunter musste ich mich tatsächlich am Vordersitz abstützen, um nicht vor Lachen auf dem Boden zu landen. Und das lag bei Game Night nicht nur an einzelnen Szenen, sondern der gesamte Film mit Handlung und Charakteren war so unfassbar gut gestrickt, dass alle Witze zündeten und man aus dem Lachen nicht mehr herauskam. Von 100 Minuten Spielzeit habe ich mindestens 80 Minuten nur gelacht. Und ich denke das ist das größte Kompliment, dass man einer Komödie machen konnte.
Das liegt zu aller erst an der gut geschriebenen Handlung. Natürlich kann man nicht alles so wirklich ernst nehmen und kleinere Logiklöcher treten doch immer mal wieder auf, aber über die kann man gut hinwegsehen. Hinzu kommen die Charaktere, die alle gut harmonieren, obwohl sie sehr unterschiedlich sind. Jedes Paar bekommt genügend Screentime, um noch eine eigene Nebenhandlung hinzugeschrieben zu bekommen, die auch nochmal viel zum lachen anregen. Und dann sind es natürlich die Witze, die alle zünden, was ich bei einer Komödie auch noch nicht erlebt habe. Ein möglicher Erklärungspunkt könnte sein, dass die Witze aller sehr gut durchdacht sind und sich immer an der jeweiligen Szene orientieren. Auch ist jeder Witz auf einem gutem Niveau, so dass kein typischer UnterderGürtellinie-Humor nötig ist. Ein weiterer Erklärungspunkt könnte sein, dass man den Darstellern auch allesamt anmerkt, dass sie einfach richtig viel Spaß dabei hatten, den Film zu drehen.
Zwischendurch gab es dann Entwicklungen in der Handlung, die schnell zu viel des guten hätten werden können, aber es wird immer wieder der Bogen bekommen und gelungen weitergemacht. Dabei kommt neben dem hohen Humoranteil auch die Spannung nicht zu kurz. Denn sobald man mitbekommt, dass die Game Night nicht so verläuft, wie geplant und das es sich um eine echte Entführung handelt, wird auch das Spannungsniveau stark erhöht und kann bis zum Ende gehalten werden. So bleibt die Handlung unvorhersehbar und kann immer wieder überraschen.

Das Fazit

Game Night ist eine der besten Komödien der letzten Jahre. So viel habe ich schon lange nicht mehr während einer Kinovorstellung gelacht. Hinzu kommt eine tolle Handlung und Schauspieler, die unheimlich viel Spaß beim Dreh haben mussten, was man ihnen auch anmerkt. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Game Night läuft seit dem 01.03.2018 in den deutschen Kinos.

Happy Deathday

Am 16.11.2017 erschien eine neue Variante von Täglich grüßt das Murmeltier mit Horroreinschlag in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort:

1993 erschien der Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murray in der Hauptrolle in den Kinos. Die Faszination den gleichen Tag immer und immer wieder zu erleben und bei jedem Neustart die Möglichkeit zu haben, etwas zu verbessern, fasziniert die Kinowelt bis heute. Seither wird das Handlungsprinzip regelmäßig wieder aufgegriffen, entweder in ganzen Filmen, zuletzt in Tom Cruises „Edge of Tomorrow“, der bereits den passenden Originaltitel „Live, Die, Repeat“ trug, oder in dem Drama mit dem viel zu langen Titel „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“. Alternativ wird das Prinzip auch gerne in einzelnen Serienfolgen verwendet, wie beispielsweise in Supernatural. Happy Deathday ist also auch kein gänzlich neuer Film. Aber sind wir dem Murmeltier inzwischen überdrüssig oder funktioniert das Filmprinzip noch immer?

Die Handlung

Tree führt ein relativ normales Collegeleben. Als Mitglied einer Studentenverbindung lebt sie ein ziemliches Partyleben und wacht auch prompt zu Beginn des Films in einem fremden Bett auf. Da Carter aber nicht so wirklich ihren Ansprüchen genügt, flieht sie schnell in ihr eigenes Zimmer. Unterwegs begegnet sie mehreren Personen, die nicht ganz gut aus sie zu sprechen sind. So beginnt ein durchschnittlicher Tag am College. Doch etwas ist anders. Denn an diesem Abend wir Tree ermordet… und wacht wieder im Bett von Carter auf. Völlig verwirrt, erlebt sie von nun an den gleichen Tag immer und immer wieder und wird jeden Abend wieder ermordet. Als sie sich schließlich Carter anvertraut, ist dieser ganz zuversichtlich: Immerhin hat sie unbegrenzt Möglichkeiten den Mord an sich aufzudecken.

Meine Meinung

Als Horrorkomödie ausgeschrieben und mit einer Altersfreigabe ab 12 Jahren gekennzeichnet. So richtig für voll, wurde der Film von Anfang an nicht genommen. Dementsprechend gering war die Erwartungshaltung, mit der ich den Kinosaal betrat. Und natürlich zeigt Happy Deathday viele Elemente, die man bereits viel zu oft gesehen hat. Aber gerade das Prinzip College-Bitch muss sich bessern, mit ein paar Horrorelementen – der Film orientiert sich zeitweise eher an einem Thriller als an einem Horrorfilm – und dann dem Murmeltierteffekt dazu, scheint gut zu harmonieren. So ist zwar einiges vorhersehbar, aber Happy Deathday hat trotzdem die eine oder andere Überraschung parat und überzeugt vor allem durch seine grandiose Selbstironie. So nimmt er sich durchgehend nicht so ganz ernst, was viele lustige Szenen hervorruft, bleibt aber doch in sich logisch und präsentiert ein gut durchdachtes Werk.
Mit einer Lauflänge von 97 Minuten, hat Happy Deathday genau die richtige Länge, um durchgehend spannend zu bleiben. Wäre der Film länger geworden, wäre man dem Thema irgendwann überdrüssig, wäre er kürzer geworden, hätte die logische Aufklärung viel zu gehetzt gewirkt. So aber lässt sich Happy Deathday an genau den richtigen Stellen Zeit und überfliegt die anderen. Gerade das Ende wird dann noch einmal herausgezögert, was ein mutiger Schritt ist und positiv im Gedächtnis bleibt – hier mehr zu sagen, würde leider stark spoilern – weil es doch eine Überraschung birgt.

Das Fazit

Happy Deathday hat weder die College-Bitch muss sich bessern-Handlung neu erfunden, noch Täglich grüßt das Murmeltier revolutioniert. Aber in der Kombination und dem gewissen Etwas an Selbstironie macht der Film einfach Spaß und eignet sich perfekt für einen verregneten Sonntagnachmittag, wenn man über einen Film nicht allzu sehr nachdenken möchte, sondern sich eher der leichten Unterhaltung widmet. Der Spannungsbogen wird gut gehalten. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Unter deutschen Betten

Am 05.10.2017 erschien eine neue deutsche Komödie in den deutschen Kinos.

Linda Lehmann hatte vor 10 Jahren einen Hit. Seitdem fühlt sie sich aber noch immer als großer Star und hat sich zu einer richtigen Diva entwickelt. Doch als ihr Comeback scheitert und sie erkennt, dass ihr Produzent und Lebensgefährte sie betrügt, bleibt ihr nichts mehr. Als auch ihre Freunde sie verschmähen, ist ihre letzte Hoffnung ihre ehemalige Putzfrau Justyna. Deren Leben wird von da an ordentlich auf den Kopf gestellt.

Es geht das Gerücht, dass deutsche Filmemacher nur Komödien können. Und wenn man sich die aktuellen Kinofilme ansieht, so scheint das Gerücht fast bestätigt. Denn neben High Society und dem bald anlaufenden Fack Ju Göthe 3 ist Unter deutschen Betten bereits die dritte aktuelle Komödie. Aber ist der Film wirklich eine reine Komödie?
Die Frage kann man sehr schnell mit einem „Ja“ beantworten. Denn das Buch selbst beschreibt humorvoll die Zustände in deutschen Haushalten und spricht dabei die Themen Schwarzarbeit, Mindestlohn und Ausländerfeindlichkeit an. Die Protagonistin Justyna Polanska basiert dabei auf verschiedenen polnischen Putzfrauen, die der Autor Holger Schlageter unter einem Pseudonym vereint. Der Film hingegen schlägt von Anfang an eine ganz andere Kerbe ein und suchte sich eine neue Protagonistin. Der One-Hit-Schlagerstar Linda Lehmann wird erfunden, die nach einem gescheiterten Comeback vor den Scherben ihres Lebens steht. Verlassen von Lebensgefährten und Freunden, gibt es nur eine Person, die überhaupt noch etwas mit ihr zu tun haben möchte: Ihre ehemalige Putzfrau. Wobei das auch nicht so wirklich stimmt. Außergewöhnliche Umstände zwingen die beiden zusammen zu arbeiten. Wobei Linda Lehmann ihres Zeichen Diva nicht gerade die größte Putzhilfe ist. Leider beißt sich der Film an der lustigen Idee, dass der völlig abgedrehte Schlagerstar auf einmal putzen muss fest. Natürlich ist es zunächst auch sehr amüsant, aber das Frau Lehmann so partout gar nichts lernt, ist doch irgendwann etwas absurd. Nebenher tauchen immer wieder leicht kritische Themen auf. So erzählt Justyna, dass keiner der Bewohner je auf die Putzfrau achte, obwohl sie täglich in ihrem Haushalt herumschwirrt. Ebenso lernen wir Justynas Mitbewohner Rami kennen, der in seinem Heimatland ein Arztstudium bestanden hat und in Deutschland nun als Taxifahrer arbeiten muss, weil sein Studium in Deutschland nicht anerkannt wird. Hier wäre durchaus Potential für mehr gewesen, wenn man sich nicht auf eine Schiene eingeschossen hätte.
Schon nach dem ersten Trailer kam eine wichtige Frage auf: Wer um Himmels willen hatte nur Veronica Ferres gecastet? Die Antwort ist sehr einfach und überrascht wohl kaum jemanden. Denn Frau Ferres hat die Rechte an dem Buch erworben und sich damit ganz einfach selbst gecastet. Zu ihrer Verteidigung muss man aber sagen, dass sie ihre Rolle durchaus souverän spielt. Schauspielerisches Talent ist zwar an keiner Stelle erkennbar, aber die Rolle der Diva konnte sie trotzdem spielen. Auch der restliche Cast spielt souverän, sticht jedoch an keiner Stelle wirklich positiv hervor.
So kommt am Ende ein Film heraus, der an keiner Stelle wirklich schlecht ist, sich aber auch durch keine großen positiven Aspekte hervorhebt. So bleibt Unter deutschen Betten am Ende im allgemeinen Wusel der deutschen Komödien weit hinter seinem Potential zurück.

Alles in allem wäre mehr aus dem Film herauszuholen gewesen, wenn Veronica Ferres auch einfach weniger Screentime bekommen hätte. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Happy Burnout

Am 27.04.2017 erschien eine neue deutsche Komödie, die sich mit dem Thema Burnout befasst, in den deutschen Kinos.

Fussel ist Punker und lebt von Hartz 4. Dass er dafür eigentlich Auflagen erfüllen müsste, ignoriert er, immerhin hat er seine Betreuerin mit allerhand mitfühlender Geschichten gefüttert, so dass sie ihm stets den Rücken freigehalten hat. Doch durch eine interne Untersuchung ist nun Schluss damit. Eine Diagnose muss her und zwar schnell. Burnout wird als Lösung gefunden, aber für die Glaubwürdigkeit muss Fussel noch in eine Klinik. Doch dort trifft er auf Menschen, die wirklich Hilfe brauchen.

Der Begriff Burnout existiert in der heutigen Form erst seit den 1960er/1970er Jahren. Heute ist er in aller Munde und wird gerne als “Modekrankheit” abgetan. Während die eine Seite versucht durch die Diagnose an Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen heran zu kommen, kritisiert die andere Seite, dass die Diagnose Burnout oftmals die Diagnose Depression verhindere. Und dazwischen gibt es die Menschen, die es betrifft, die, die Burnout ernst nehmen, und die, die den Patienten auch wirklich helfen wollen. Vor diesem Kontext spielt Happy Burnout – oder versucht es zumindest.
Gleich zu Anfang wird der Protagonist Fussel vorgestellt. Sein richtiger Name ist Andreas Poschka, ein Punk, der vollkommen sorglos in den Tag hinein lebt. Sein größtes Talent liegt im Erfinden von Geschichten. Dies stellt er auch sofort unter Beweis. Im Anschluss besucht er Frau Linde, seine Bearbeiterin beim Arbeitsamt. Auch ihr hatte Fussel immer wieder rührende Geschichten erzählt, die sie bereitwillig geschluckt hat und ihm sein Hartz 4 genehmigt, ohne dass er die dafür erforderlichen Auflagen erfüllt hat. Doch nun gibt es eine interne Prüfung und Fussel droht sein Hartz 4 und Frau Linde ihren Job zu verlieren. Um dies zu verhindern hat Frau Linde einen Notfallplan. Fussel wird als an Burnout erkrankt eingestuft und zur Bestätigung muss er an einer Therapie in einem Sanatorium teilnehmen. Doch dort trifft er auf Menschen, die wirklich Burnout haben und Hilfe brauchen. Mit seiner ganz eigenen Sicht auf die Welt versteht er nicht so genau, was denn deren Probleme sind, trifft aber manchmal auch gerade deswegen den richtigen Ton.
Schon nach dem ersten Trailer war klar, dass der Film sich nicht mit dem Thema Burnout auseinander setzen wird. Dafür ist er zu sehr auf die Sparte Komödie fixiert. Und so kam es auch. Burnout ist hier nur der Mittel zum Zweck, um eine Kulisse für die Handlung zu schaffen. Die Einzelschicksale der Patienten, werden nur teilweise und dann auch nur sehr grob erzählt. So wirklich weiß man danach immer noch nicht, wie es denn genau zu dem Burnout kam.
Viel zu sehr hängt die Handlung an Fussel, der auch während der Therapie das Leben sehr locker nimmt, was aber bei manchen Patienten Anklang findet. Und gerade dadurch provoziert er immer wieder Szenen, die einfach nur lustig sind. Dabei achtet der Film sehr stark darauf, über wen man lacht. So lacht man beispielsweise meist über Fussel und seine Sprüche oder die Abstrusität der Situation, aber niemals über die Patienten oder die Krankheit selbst. Und das ist einem Film mit dem Titel “Happy Burnout” hoch anzurechnen.
Ansonsten plätschert die Handlung so vor sich hin und nimmt keinen richtigen Spannungsbogen auf. Da sich der Film an das deutsche Komödienschema hält, gibt es selbst beim Showdown am Ende wenig Überraschungen. Alles verläuft so, wie man es sich von Anfang an denken konnte. Wenn man dies aber nicht schlimm findet, hat Happy Burnout durchaus seine Momente, in dem man laut loslachen muss. So gesehen funktioniert der Film als leichte Komödie, wenn man weder Thema näher beleuchtet haben muss, noch eine neue Handlung erwartet. Die Charaktere sind alle sehr unterschiedlich, was im Zusammenspiel den komödischen Reiz ausmacht. Die schauspielerischen Leistungen liegen alle auf einem guten Niveau.

Alles in allem kann Happy Burnout durchaus Spaß machen, hat aber leider nicht zu übersehende Schwachstellen. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.