Citizen Kane & Mank

Ein Vorwort

Mit zehn Oscarnominierungen startet Mank in die diesjährige Verleihung. Damit liefert Netflix erneut einen heißen Anwärter. Da er sich thematisch mit der Entstehung des Drehbuchs von Citizen Kane befasst  und dieser sowieso auf meiner 21 für 2021-Liste stand – um ihn endlich mal von meiner Liste der Schande herunterzubekommen – wurde es Zeit diesen Klassiker auch einmal zu sehen. Im folgenden stelle ich euch beide Filme kurz vor.

Citizen Kane

Die Handlung: Charles Foster Kane erlebt seine letzten Atemzüge auf seinem unvollendeten Privatschloss Xanadu. Sein letztes Wort ist ‚Rosebud‘. Als ein Journalistenteam eine Zusammenfassung seines Lebens bringen will, fehlt ihnen der richtige Ansatz, weswegen sie versuchen herauszufinden, was er gemeint haben könnte. Dabei wird Kanes Leben genau durchleuchtet.

Meine Meinung: Das Problem daran, wenn man Klassiker sehr spät nachguckt ist, dass die Erwartungen dementsprechend hoch sind. Bei Citizen Kane ist mir dies noch einmal viel bewusster geworden, da er bei vielen Bestenlisten sehr oft und sehr lange als der beste Film aller Zeiten beschrieben wird. Hier spielt zwar auch viel technisches mit rein und gerade die Rolle des Films im filmhistorischen Kontext, dennoch ist der Respekt auch für den Laien vor dem Film sehr groß. Doch auch handlungstechnisch hält der Film, was er verspricht. Von der ersten bis zur letzten Szene bleibt das großte Geheimnis von Rosebud. Zwischendurch ist es ein spannendes Porträt eines Mannes, der viel im Leben erreichte, aber auch viel verlor. Vorallem die Beleuchtung aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit Weggefährten Kanes, gibt dem Film und vor allem der Person Kane ständig eine neue Richtung und schafft es so gekonnt zwischen Bewunderung, Mitleid und Verachtung hin und her zu wechseln.

Mank

Die Handlung: 1940 soll Herman J „Mank“ Mankiewicz das Drehbuch zu Citizen Kane schreiben. Damit er sich nach einem Beinbruch gleichzeitig auskurieren und schreiben kann, wird er in eine abgelegte Ranch einquartiert. In Rückblenden werden Stationen seines Lebens gezeicht, viele verarbeitet er im Drehbuch.

Meine Meinung: Mit 10 Oscarnominierungen ist Mank der diesjährige große Favorit. Und das durchaus berechtigt. Denn schon mit den ersten Bildern wird die Stimmung des Vorbilds Citizen Kane eingefangen und schafft es diese auch zu halten. Um den Zeitgeist zu unterstreichen, ist der Film in Schwarz-weiß gedreht. Durch den Wechsel zwischen Gegenwart, in der Mank das Drehbuch schreibt und Rückblenden, die zum einen Manks Leben skizzieren, aber auch die Einflüsse auf Citizen Kane zeigen, ist der Film sehr lebendig. Hier sind die Parallelen sehr deutlich. Citizen Kane vorab einmal gesehen zu haben, ist sehr hilfreich, um die Anspielungen zu erkennen, letztlich ist es aber nicht notwendig, um den Film zu verstehen. Gary Oldman spielt gewohnt auf hohem Niveau, aber auch der übrige Cast kann das Niveau halten. Zusätzlich zur Relevanz für Citizen Kane ist der Film auch ein Porträt Hollywoods der 1930er Jahre und beweist durch die Ähnlichkeit des Studiosystems auch Relevanz für die heutige Zeit. Grundsätzlich ist der Film so durchaus spannend, schafft es aber vor allem den dramatischen Bogen zu spannen und zu halten. Ein Blick lohnt hier auf jeden Fall!

Das Fazit

Ob nun Citizen Kane oder Mank, beide sind auf ihre Art sehr gute Filme, die man – am besten in Kombination – gesehen haben sollte. Ich bin sehr gespannt, wie Mank bei der diesjährigen Oscarverleihung abschneiden wird.

Killers Bodyguard

Am 31.07.2017 erschien eine Actionkomödie mit Samuel L. Jackson und Ryan Reynolds in den deutschen Kinos.

Michael Bryce war einst ein gut bezahlter und hoch geachteter Bodyguard. Doch nachdem er einen Auftrag in den Sand setzte, verlor er fast alles und gibt sich nun mit unterklassigen Jobs zufrieden. Bis er einen Anruf von seiner Ex-Freundin bekommt, die den Auftragskiller Kincaid dringend zum internationalen Gerichtshof in Den Haag bringen muss, doch befürchtet, dass es in ihrer Organisation einen Maulwurf gibt. Doch Bryce und Kincaid können sich eigentlich überhaupt nicht riechen, da Kincaid öfter Aufträge hatte Bryce Klienten zu töten.

Man nehme einen Ryan Reynolds. Dann schreibe man ihm eine Rolle, die sehr pingelig gegenüber seinem Auftreten, seinem Aussehen, seinen Plänen und seinen Regeln ist. Für den eine Welt zusammen bricht, wenn auch nur ein Glied nicht in seine gut durchdachten Pläne passt oder etwas nicht wie gewünscht aufgeht. Also praktisch einen sehr steifen Charakter, den Reynolds aber mit seinem typischen Charme spielen kann, so dass man trotzdem mit ihm mitfühlt und ihn als Identifikationsfaktor nutzen kann. Als nächste nehme man einen Samuel L. Jackson mit seiner absolut unbeschreiblichen Lache. Dann schreibe man ihm die bekannte Rolle aus Pulp Fiction ein klein wenig um, lässt ihn aber unverhätnismäßig oft „Motherfucker“ sagen. Man hat nun also einen unkontrollierbaren, besserwisserischen, aber trotzdem saucoolen Gegenspieler zu Reynolds Rolle. Ungefähr so werden die Produzenten des Films Killer’s Bodyguard geplant haben. Als Krönchen auf dem bereits sehr gut ausgestatteten Cast, konnte man dann auch noch Gary Oldman für den Film gewinnen.
Während sich im Jahr 2016 bereits Russel Crowe und Ryan Gosling in „The Nice Guys“ an einer Actionkomödie mit zwei sehr unterschiedlichen Protagonisten versuchten und scheiterten, geben sich nun Jackson und Reynolds die Ehre. Und schaffen es tatsächlich trotz ihrer Unterschiede und Differenzen miteinander zu harmonieren, so dass allein die Wortgefechte der beiden viel Spaß machen. Es entwickelt sich eine einzigartige Hassliebe, die durch die großen Talente der beiden Schauspieler sehr gut hervorgehoben werden.
Die Handlung an sich ist sehr einfach konzipiert und bleibt an vielen Stellen sehr eindimensional. Teilweise war es wieder das typische Klischee, dass man schon so oft gesehen hat. Doch dadurch, dass die Actionszenen sehr schön choreographiert wurden und auf der großen Leinwand immer gut wirken und mit einem ganz eigenen Humor gekrönt werden, macht der Film unheimlich viel Spaß beim Anschauen, auch ohne tiefgründige Handlung. Durch kleinere Nebenstränge mit sehr guten Einfällen, um die Stimmung bewusst zu heben und zu senken, wirkt die Handlung abwechslungsreich, bleibt aber trotzdem schlüssig und geradlinig.
Der Humor des Films ist trotz der inflationären Benutzung von Motherfucker stets auf einem guten Niveau und nimmt sich auch ganz gerne an einigen Stellen selbst aufs Korn. So sorgt er für ein befreiendes Lachen und dass die Zuschauer den Kinosaal mit einem guten Gefühl verlassen.
Während Reynolds und Jackson ihr Talent in vielen Szenen unter Beweis stellen können, bleibt Gary Oldman in seiner Rolle sehr blass und hat einfach viel zu wenig Screentime, um wirklich etwas aus seiner Rolle zu machen. Die wenigen Szenen spielt er jedoch auf gewohnt sehr hohem Niveau.
Die musikalische Untermalung ist auch für jede Szene gut gewählt, auch wenn sehr oft auf Klassiker zurück gegriffen wurde. Trotzdem passen die Lieder, sind teilweise etwas ironisch für die Szene und passen damit nur noch besser.

Alles in allem macht Killer’s Bodyguard einfach Spaß beim Anschauen und kann auch ansonsten auf vielen Ebenen punkten. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Den Sternen so nah

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Den Sternen so nah. Der Film lief ursprünglich ab dem 07.02.2017 in den deutschen Kinos.

Gardner Elliott ist der erste auf dem Mars geborene Mensch. Seine Mutter starb bei seiner Geburt und hätte eigentlich schwanger gar nicht an der Marsmission teilnehmen dürfen. Gardner kann jedoch durch seine Geburtsumstände nicht auf die Erde, weil sein Herz das nicht schaffen dürfte. Aber leider hat er sich bereits in den Planeten Erde verliebt und in das rebellische Mädchen Tulsa.

Was passiert, wenn wir irgendwann nicht mehr genug Ressourcen auf der Erde haben? Ist der Mars dann wirklich eine Alternative? Mit diesen Fragen befasst sich im Film “Den Sternen so nah” das Unternehmen Genesis, gegründet und geleitet von Nathaniel Shepherd. Erste Teams sollen immer für ein paar Jahre den Mars besiedeln und auf die Lebensfähigkeit testen. Unter dem ersten Team ist Sarah Elliott. Erst an Bord wird bemerkt, dass sie schwanger ist. Da keiner die Mission abbrechen will, bekommt Sarah schließlich ihren Sohn Gardner auf dem Mars. Das hat zwei Konsequenzen. Zum einen überlebt Sarah die Geburt nicht, zum anderen kann unterscheidet sich Gardners Muskel- und Körperauffbau von den anderen Menschen, so dass es für ihn sehr gefährlich bis unmöglich sein wird auf die Erde zu kommen. Also beschließen die Verantwortlichen eine Vertuschungsaktion zu starten. Offiziell starb Sarah an einem kaputten Raumanzug und Gardner existiert offiziell nicht.
Jahre später ist Gardner inzwischen zum Teenager herangewachsen. Noch immer ahnt niemand auf der Erde von seiner Existenz. Über das Internet hat er Kontakt zu einem auf der Erde lebenden Mädchen namens Tulsa. Die Wahrheit darf er ihr nicht sagen, also lügt er ihr eine Krankheit vor und das er deswegen nicht das Haus verlassen darf. Bis er eines Tages die Chance bekommen soll und auf die Erde darf. Dort entkommt er Genesis und sucht zunächst Tulsa auf, um mit ihrer Hilfe nach seinem Vater zu suchen.
Den Sternen so nah ist eine wilde Mischung aus verschiedenen Genres. Zum einen ist es eine klassische Geschichte über die erste große Liebe zwischen Gardner und Tulsa, die mit unterschiedlichen Problemen bestückt ist. Zum anderen ein Coming-of-Age Film über das heranwachsen in fast vollkommener Isolation. Gardner hat auf dem Mars keine Gleichaltrigen, mit denen er sich über seine Gefühle und Gedanken austauschen könnte. Auch lernt er viel über die Gepflogenheiten der Erdbewohner aus Filmen, da ihm die Astronauten immer nur alles wichtige über den Mars beibringen. Als drittes großes Thema geht es im Science-Fiction Bereich über die Möglichkeiten den Mars wirklich dauerhaft zu besiedeln und welche Chancen und Risiken dies bildet. Obwohl alle Themen in ihrer Komplexität auf das wichtigste reduziert werden, wirkt der Film weder überladen, noch aussagelos. Gerade die Mischung der verschiedenen Genres lässt den Film aus der grauen Masse hervorheben. So hat man in großen Teilen ein Road-Movie, wenn Gardner und Tulsa auf der Suche nach Gardners Vater sind. Hier ist die Stimmung sehr locker und leicht, wodurch man trotz schwieriger Themen am Ende beschwingt den Kinosaal verlässt. Leider ist dieser Teil wesentlich länger als die restlichen Themengebiete, weswegen oft Fragen offen bleiben oder sich Ungereimtheiten einschleichen.
Der Spannungsfaktor schwankt immer mal wieder während der Laufzeit und weist gerade in der Mitte einen Abfall vor, da sich der Film an dieser Stelle etwas verliert. Dies wird aber wieder gut gemacht durch Gardners ganz neuen Blick auf die Welt, die sie voller Herz ist und einem erst einmal wieder vor Augen führt, wie schön doch unsere Erde ist, wenn man sie nicht jeden Tag vor Augen hat.
Die schauspielerischen Leistungen sind durchweg gut. Asa Butterfield scheint als Teenagerrolle immer eine gute Wahl zu sein und zeigte nun nach Enders Game und Die Insel der besonderen Kinder erneut sein Können. Diesmal hatte er niemand geringeres als Gary Oldman an seiner Seite, der seine Rolle gut spielt, aber doch hinter seinen Möglichkeiten bleibt.

Alles in allem ist Den Sternen so nah ein solider Film, der die Balance aus verschiedenen Genres nicht immer hält, aber mit viel Herz doch einen schönen Film kreiert. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.