Wunderschön

Ein Vorwort

Ein weiterer Film, der schon oft weiterverschoben wurde, zuletzt im Dezember 2021 endlich anlaufen sollte, hat es jetzt endlich auf die Kinoleinwand geschafft. Zumal ich mich nach SMS für dich sehr auf einen neuen Film von und mit Karoline Herfurth gefreut habe. Ob meine hohen Erwartungen auch nicht enttäuscht wurden, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Sonja (Karoline Herfurth) ist nach der Geburt ihres zweiten Kindes unzufrieden mit ihrem Leben und ihrem Körper. Ihr Mann Milan (Friedrich Mücke) versucht sie zu unterstützen, hat aber selbst gerade eine Beförderung angenommen und ist damit im Stress. Ihre beste Freundin Vicky (Nora Tschirner) hingegen glaubt nicht die große Liebe und Beziehungen, doch der neue Sportlehrer hat es ihr angetan. Julie (Emilia Schüle) will unbedingt an den Laufsteg, doch ihre Agentin ist der Ansicht, dass sie dafür zu dick und zu konventionell sei. Frauke (Martina Gedeck) hat sich auf die Rente ihres Mannes gefreut. Doch eigentlich ist sie nur gefrustet, weil er sie und ihre Wünsche zu ignorieren scheint. Ein Tangokurs soll Abhilfe schaffen. Dann ist da noch Leyla (Dilara Aylin Ziem), die durch ihr Gewicht in der Schule gemobbt wird. Ausgleich findet sie im Baseball.

Meine Meinung

Auch wenn SMS für dich nicht ganz ohne Klischees auskam und den ein oder anderen schrägen Charakter mit dabei hatte, ist er ein absoluter Herzensfilm von mir geworden. Daher war ich sehr gespannt auf Karoline Herfurths neuen Film.
Mit gleich fünf Protagonistinnen schien er sich ziemlich viel vorgenommen zu haben. Doch der Film wirkt an keiner Stelle überladen. Mit kleineren Überschneidungen bei den Charakteren (Familie, Schule, Freunde), wird sinnvoll von einer zur nächsten geschwenkt, jede bekommt ausreichend Zeit, um die Geschichte zu erzählen und das in allen Facetten. So wirkt der Film zwar immer noch sehr episodenartig, aber das ist in diesem Fall gar nicht schlimm, zumal es keinen harten Cut zwischen den Geschichten gibt, sondern sie nebeneinander herfließen.
Wunderschön ist wohl der ehrlichste und aus dem Leben gegriffendste Film der letzten Zeit. Hier wird der weibliche Körper nach zwei Schwangerschaften nicht beschönigt, vermeintliche Tabuthemen werden angesprochen und alles, womit Frauen zurecht kommen sollen. Die typischen Geschlechterrollen werden hinterfragt und dies stets sehr sachte und mit Denkansätzen, nie aber mit dem Vorschlaghammer, was sehr erfrischend ist. Durch die ehrliche Grundebene lassen sich Argumente viel besser einbauen.
Aber auch abgesehen davon werden die Extreme der Magersucht durch den Traum vom Laufsteg und das Mobbing durch ein Gewicht über der gesellschaftlichen Norm sehr lebensnah angesprochen. Dabei geht es nicht darum die Modebranche an sich zu verteufeln, aber der Film zeigt deutlich die Schwierigkeiten die auftreten können und das Missverständnis, was nach außen getragen wird.
Das Ganze wird wieder mit einer solchen Herzlichkeit verkörpert, dass man sich mittendrin statt nur dabei fühlt. Jede*r kann sich wohl in irgendeine Rolle einfühlen oder fühlt zumindest die eigenen Probleme etwas besser verstanden. Auch die Auflösung des Ganzen kommt nicht mit dem großen Paukenschlag und dann sind alle Probleme weggeräumt, sondern die Charaktere wachsen an ihren Problemen und beseitigen sie aus eigenem Antrieb.
Schauspielerisch hat Herfurth hier wieder gut aufgetragen. Neben Nora Tschirner und Friedrich Mücke, mit denen sie schon in SMS für dich zusammengearbeitet hat, konnte sie diesmal Emilia Schüle und Martina Gedeck mit engagieren. Jede*r trägt seine*ihre Rolle mit Bravour und zeigt einmal mehr, was der deutsche Film abseits des Einheitsklamauks kann. Nämlich wunderschönes, trauriges, und doch starkes Drama.

Das Fazit

Wunderschön überzeugt in allen Bereichen durch Ehrlichkeit und dem unaufgeregtem Drama direkt aus dem Leben gegriffen. Er ist gleichzeitig schön, traurig und setzt starke Pointen. Bitte mehr von Filmen wie diesen. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Wunderschön läuft seit dem 03.02.2022 in den deutschen Kinos

Die kleine Hexe

Am 01.02.2018 erschien die Verfilmung des Buchklassikers von Ottfried Preußler in den deutschen Kinos.

Ein Vorwort

Ob das kleine Gespenst, der kleiner Wassermann oder eben die kleine Hexe. Die Kinderbuchklassiker von Ottfried Preußler zierten mein Bücherregal als noch klein war. Immer und immer wieder versuchte ich mit der kleinen Hexe eine gute Hexe zu werden, um endlich auch auf dem Blocksberg mit zu tanzen. So schlug mein Kinderherz wieder höher, als ich sah, dass das Buch von 1957 nun mit Karoline Herfurth verfilmt werden sollte, die sich spätestens mit SMS für dich von ihrem Fack ju Göhte Ruf verabschiedet hat.

Die Handlung

Jedes Jahr zur Walpurgisnach fliegen die Hexen auf den Blocksberg und tanzen dort ums Feuer. Nur die kleine Hexe (Karoline Herfurth) darf nicht mittanzen, denn mit ihren 127 Jahren ist sie noch zu jung. Trotzdem schleicht sie sich heimlich zum Tanz und wird dort prompt erwischt. Als Strafe wird ihr der Besen weggenommen und sie muss innerhalb eines Jahres das große Hexenbuch auswendig lernen und eine gute Hexe werden. Wenn sie das schafft, darf sie im nächsten Jahr mit um den Blocksberg tanzen. Ihr zur Seite steht ihr treuer Freund, der Rabe Abraxas.

Meine Meinung

Die kleine Hexe ist eines dieser kleinen aber sehr feinen Filme, den man nur mit einem Dauerlächeln sehen kann. Denn jede Szene, jedes Detail ist nur darauf ausgelegt irgendwo gute Laune zu verbreiten. Zwar merkt man schnell, dass der Film wirklich komplett auf die Kinder als Zielgruppe ausgelegt ist, aber sobald man sein inneres Kind wieder herausgeholt hat, funktioniert der Film ziemlich gut. Für mich war es ein Wiedersehen mit den Charakteren meiner Kindheit.
Ein wichtiger Punkt für das Funktionieren des Films ist eindeutig Karoline Herfurth, die ihre kleine Hexe mit so einer Hingabe und mit deutlich sehr viel Spaß spielt, dass ihre gute Laune einfach nur ansteckend wirkt. Zunächst muss man sich zwar etwas an ihre verlängerte Nase gewöhnen, damit sie zumindest ein bisschen wie eine Hexe aussieht, aber nichts trübt ihre gute Laune. Trotzdem spielt sie die traurigeren und ernsteren Szenen mit dem nötigen Respekt. So ist die kleine Hexe nicht nur eine süße Geschichte, sondern steckt auch voller Lektionen fürs Leben. Sei nett zu anderen Kindern, oder glaube nicht jedem Vorurteil, sind nur zwei Beispiele dafür.
Das es sich um eine deutsche Produktion mit einem nicht allzu großen Budget handelt, sieht man dem Film leider hier und da immer mal an. So kann beispielsweise der Rabe Abraxas seine CGI-Herkunft nicht verbergen. Das stört den Filmverlauf aber nicht. Die schauspielerischen Leistungen schwanken sehr stark. So spielt Karoline Herfurth sehr stark und auch Suzanne von Borsody kann als Wetterhexe Rumpumpel überzeugen. Therese Affolter als Oberhexe schwächelt hingegen in ihrer Rolle und die Kinderdarsteller spielen ziemlich hölzern. Dafür hat das Setting im Wald und das Häuschen der kleinen Hexe eine ganz eigene Magie und zeigt Deutschlands schöne Seiten.

Das Fazit

Die kleine Hexe ist ein süßer kleiner Kinderfilm, der das Buch gut widerspiegelt und den Zuschauer mit einem Dauerlächeln beglückt. Keine große teure Produktion, aber dafür eine mit einem sehr großen Herz. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.