The King’s Man

Ein Vorwort

Als 2015 der erste Kingsman erschien war ich einfach nur geflasht. Die Eleganz eines James Bonds wurde gepaart mit einem Coolness-Faktor jenseits des messbaren Bereichs. Leider war klar, dass es nicht nur bei einem starken Film bleiben sollte. Der zweite Teil hat sich dann von Großbritannien bereits in die USA zu den Statesman verlagert. Doch trotz des guten Ansatzes, war die Fortsetzung eher enttäuschend. Nun war es folgerichtig, keine zweite Fortsetzung zu drehen. Doch was macht Hollywood, wenn es kein zweites Sequel mehr drehen kann? Genau ein Rebo… äh ich meine Prequel! Wie das funktioniert, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Die Handlung

Der Duke of Oxford (Ralph Fiennes) beobachtet die Geschehnisse im ersten Weltkrieg, beschließt aber nicht einzugreifen und auch seinen Sohn (Harris Dickinson) nicht mitkämpfen zu lassen, da er selbst Pazifist ist und es seiner verstorbenen Frau versprochen hat. Doch im Hintergrund erstellt er ein Netz aus Dienstbot*innen und anderen unsichtbaren Mitarbeitenden, um so eingreifen zu können.

Meine Meinung

Dass der dritte Teil als Prequel funktionieren kann nach einem starken ersten und weniger starken zweiten Teil, hat (meiner Meinung) nach die Underworld-Reihe bewiesen (wir reden nicht über alles nach Teil 3). So war ich trotz mäßigem Trailers und allerlei negativen Kritiken trotzdem noch gespannt, ob mich The King’s Man nicht doch noch überzeugen könnte.
Doch bereits in der ersten Szene wird klar, dass hier wohl mit vielen Klischees gearbeitet wird. Mit einer viel zu langen Sterbeszene wird eine tragische Hintergrundgeschichte geschaffen, die jeder Disneyfilm in der Hälfte der Zeit um ein vielfaches tragischer hätte darstellen können. Sollte so Verständnis und Sympathie geweckt werden, rief es bei mir nur ein Augenrollen hervor. Weiter geht’s mit allerlei belanglosen Szenen, ehe wir Tom Hollander in einer grauenhaften Dreifachrolle kennenlernen, die die Wirren des ersten Weltkriegs auf das simpelste herunterbricht und diese klischeehaft widergibt. Der große Bösewicht, der natürlich im Hintergrund alle politischen Wirrungen auslöst wegen einer Mühle in Schottland – wird sehr früh erwähnt, ist also kein Spoiler – wirkt dann auch sehr übertrieben und gleichzeitig wie eine Witzfigur.
Ebenso unstrukturiert ist auch der Rest des Films. Das Problem ist, dass er irgendwo versteckt immer wieder gute Szenen hat, die auch an die Kreativität des ersten erinnern, doch diese hinter allerlei belanglosen oder leider auch einfach nur widerwärtigen Szenen verpackt. Die ganze im Trailer bereits angedeutete Szene rund um Rasputin ist voller Witze unter der Gürtellinie, inklusive Kotzszene und einer so lächerlichen Kampfszene, dass ich kurz davor war das Kino zu verlassen und erst nach der Szene wieder reinzugehen. Auf so eine Phase folgt dann ein Blick an die Front. Auf einmal ist der Film ein bitterernster Kriegsfilm, der das Leben an der Front ungeschönt widergibt. Gute Umsetzung, aber wie passte das zum restlichen Film?
So hangelt sich The King’s Man von Klischees, platten Figuren, platten Witzen, völlig unterforderten Schauspieler*innen zum bitterernsten Kriegsfilm, zur absoluten Peinlichkeit und zwischendurch eben auch zu ech guten Actionszenen. So richtig weiß man nicht, was man allein in der nächsten Szene zu erwarten hat. Was übrigens völlig untergeht ist die Erstehung der Kingsman. Hier wird irgendwann mitten im Film einfach an einer Buchstütze gedreht und schwupps: Ach übrigens wir existieren und sind bereits sehr gut vernetzt. Wartet, wollte ihr nicht die Vorgeschichte erzählen?
So enttäuscht The King’s Man an jeder Front, auch wenn zwischenzeitlich die guten Intentionen immer wieder hervorscheinen. Spannung kommt auch nur selten auf, weil einem der Ausgang jederzeit bewusst ist, sofern man im Geschichtsunterricht auch nur halbwegs aufgepasst hat. Schade, wie viele gute Schauspieler*innen hier absolut nichts zu tun bekommen oder zwischendurch auch einfach mal vergessen werden.

Das Fazit

The King’s Man variiert pausenlos im Genre und der Tonalität und trifft dabei selten das Passende. Spannung kommt gar nicht auf, da sie zu sehr in Klischees und Abstrusitäten verrant wird, die Charaktere sind unnahbar, Schauspieler*innen werden verbraten. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

The King’s Man läuft seit dem 06.01.2022 in den deutschen Kinos

Kingsman – The Golden Circle

Am 21.09.2017 erschien die Fortsetzung des Überraschungserfolgs aus dem Jahr 2015 in den deutschen Kinos.

Zeitgleich werden systematisch in ganz Großbritannien die geheimen Verstecke der Kingsman systematisch zerstört. Nur Eggsy und Merlin überleben durch Zufälle. Ihre einzige Hoffnung die durchtriebene Poppy aufzuhalten und wieder einmal die Menschheit zu retten, sind ihr amerikanisches Pendant: Die Statesman.

2015 erschien der erste Teil der Kingsman-Reihe in den deutschen Kinos. Während er zunächst lediglich durch die im Kino kursierenden Trailer bekannt wurde, verbreitete er sich später wie ein Lauffeuer über Mundpropaganda und wurde damit in kürzester Zeit ein großer Erfolg. Elegant und britisch wie James Bond, knallharte und gut durchchoreografierte Action, wie bei John Wick und einen absolut durchgeknallten Superschurken. All dies machte das Erfolgsrezept aus.
Vor ein paar Wochen kündigte dann der nächste Trailer die Fortsetzung an. Während der erste Trailer noch wie ein billiger Abklatsch des ersten Teils wirkte und berechtigte Zweifel an der Notwendigkeit einer Fortsetzung schürte, konnte der zweite Trailer dann bereits wieder hohe Erwartungen schüren. Denn die Zerstörung der Kingsman und die Verlagerung der Handlung in die USA zu den Statesman bot ein großes Potential und gerade der Unterschied zwischen den steifen Kingsman und den lässigen Statesman machte ein Großteil des Witzes aus.
Und genau so wird der Film dann auch präsentiert. Er beginnt sogleich mit einer actionreichen Verfolgungsjagd, die dem Zuschauer gleich wieder die Dynamik von Kingsman vor Augen führt. Als nächstes lernen wir den neuen Superschurken kennen. Julianne Moore beerbt hier Samuel L. Jackson. Schon in einer ihrer ersten Szenen lässt sie sich darüber aus, dass sie nicht ernst genommen wird, weil sie im Drogengeschäft ist und dazu noch eine Frau. Dennoch ist sie nicht weniger verrückt als Jacksons Valentine. Trotzdem ist ihre Rolle kein einfacher Abklatsch, sondern hat Witz, eine ganz andere Idee, um die „Weltherrschaft zu übernehmen“ und ihren ganz eigenen Stil. Die erste Hälfte des Films bleibt größtenteils der Vorstellung aller neuen Charaktere überlassen. Im zweiten Teil hieß es dann „Country roads, take me home, to the place I belong“ und ist der Stratschuss für die eigentliche Mission und den ganz großen Spaß. Doch trotz einer Länge von 142 Minuten ist Kingsman durchgehend spannend. Es gibt keinerlei Längen oder überschlüssige Szenen. Dabei sprüht Kingsman nur so vor Witzen und komischen Szenen, bleibt dabei trotzdem knallhart und stets elegant. Genau diese Mischung macht Kingsman so einzigartig. Der bissige Konkurrenzkampf zwischen Kingsman und Statesman bleibt stets auf einem guten Level und drängt sich nie zu sehr in den Vordergrund.
Schauspielerisch hat der Film einige große Namen auf die Leinwand gebracht. Wie schon im ersten Teil schlüpfen Taron Egerton, Mark Strong und Colin Firth wieder in die Rolle der Kingsman. Neu ist hier Michael Gambon, der vielen als Dumbledore aus den Harry Potter Filmen bekannt sein dürfte. Auf amerikanischer Seite wurden Jeff Bridges, Halle Berry, Channing Tatum und Pedro Pascal gecastet, wobei nur letzterer genug Screentime bekam, um seine Rolle richtig entfalten zu können. Mit Julianne Moore wurde der Cast rund.

Alles in allem ist Kingsman ein Leinwandschmaus vom feinsten. Guter Cast, guter Soundtrack, durchdachte Handlung, gelungener Humor und Action vom allerfeinsten, bleibt trotzdem ein Punkt hinter dem Vorgänger zurück. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Kingsman – The Secret Service

Ebenfalls am 12.03.2015 erschien der neue Film von Matthew Vaugn in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Während eines Einsatzes wird Galahad, Mitglied der Kingsman, von einem Kollegen gerettet. Dieser stirbt dabei. Also übergibt Galahad der Familie ein Medaillon, mit einer Nummer für Notfälle. Jahre später ist Eggsy, der Sohn des Verstorbenen, in Schwierigkeiten und erinnert sich an das Medaillon. Er ruft auf der Nummer an und trifft wenig später auf Galahad. Dieser holt ihn nicht nur aus seinen Schwierigkeiten, sondern weiht ihn auch in das Geheimnis der Kingsman ein. Eggsy ist faszniert und bekommt seine Chance selbst ein Kingsman zu werden.

Ich bin absolut begeistert von dem Film! Er kombiniert die Eleganz von James Bond, die Härte und den Witz von John Wick und parodiert sich trotzdem teilweise selbst. Der Humor ist teilweise sehr subtil, was dem Film noch einen zusätzlichen Charme verleiht.
Die Figuren sind allesamt voller Liebe kreiert. Aber nur ein Film, der sich nicht ganz ernst nimmt, bringt es fertig einen Schurken zu präsentieren, der einen Sprachfehler hat und absolut kein Blut sehen kann. Samuel L. Jackson mit Sprachfehler ist allein schon ein Kinobesuch wert. Auch ansonsten ist der Cast sehr gut gewählt, allen voran Colin Firth, auf dem die Rolle genau zugeschrieben scheint. Die Handlung ist spannend und mitreißend und an den wenigsten Stellen vorhersehbar, was mittlerweile bei einem Actionfilm selten geworden ist.
Die Musik ist sehr gut komponiert. Auch in diesem Bereich schimmert einiges an Ironie durch, wenn ein fetziger Popsong während eines absoluten Gemetzels gespielt wird.

Alles in allem finde ich kaum Worte für die Brillianz des Films und empfehle daher jeden, sich sein eigenes Bild zu machen. Von mir erhält der Film 10 von 10 möglichen Punkten.