Das Leben der Wünsche

Ein Vorwort

Matthias Schweighöfer ist eigentlich ein Schauspieler, dessen Filme ich meide, da die meist für deutsche Liebeskomödien stehen, die ich nicht wirklich lustig finden. Warum ich dachte, dass ein ruhigeres Drama mit philosophischem Einschlag dann besser wäre, weiß ich leider auch nicht. Warum ihr von Das Leben der Wünsche besser die Finger lassen solltet, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Den Filmtitel als Fanart auf einer Filmklappe liegend

Die Handlung

Felix Niemann ist unglücklich in seinem Leben. Seine Ehe steht auf der Kippe, da seine Frau sich lieber ihrer Forschung und ihrem Forschungspartner zu wenden. Seine Kinder entfremden sich immer weiter von ihm und auch auf der Arbeit wird er nicht gesehen und ist austauschbar. Doch eines Abends findet er einen seltsamen Laden, der ihm drei Wünsche erfüllen will. 

Meine Meinung

Pass auf, was du dir wünschst, denn es könnte wahr werden. Diesen Grundsatz aus der Psychologie wurde schon seit Goethe immer wieder umgesetzt. Und wie Faust und Mephisto sind es hier Matthias Schweighöfer und Henry Hübchen, die eine Wunscherfüllungssituation haben, die natürlich schief läuft. Denn die Handlung ist so vorhersehbar, wie es bereits klingt. Schon unzählige Male gesehen/gelesen und in der Regel wesentlich besser umgesetzt.
Aber fangen wir am Anfang an. Zunächst lernen wir Felix kennen, der super unglücklich in seinem Leben ist. Seine Frau hat sich schon voll von ihm abgewandt, während er verzweifelt versucht ein Familienleben aufrecht zu halten. Sie lässt ihn allerdings auch nicht in der Erziehung mitreden und beschließt ihn zu verlassen. Auch in seinem Job wird er ständig übersehen und als er sich einbringen will, verliert er prompt diesen. Er führt also das typische Leben eines unglücklichen Mannes, der sich einfach nur Aufmerksamkeit und Anerkennung wünscht. Kurz darauf sind wir auch schon im Wünscheladen und ab da beginnt die Handlung noch vorhersehbarer zu werden. Denn natürlich funktionieren die ersten keinen Wünsche wunderbar, aber da wirklich alles wahr wird, passieren Menschen in seinem Umfeld immer wieder Unfälle. 
Denn natürlich sind nicht automatisch alle Probleme gelöst, nur weil er sich Dinge wünscht. Klar, sein Haar wird immer voller und ihm wird im Job endlich zugehört, aber damit gehen die nächsten Probleme einher und er schafft es nicht über alles den Überblick zu behalten und verrennt sich immer mehr. Blöderweise kann er keinen Wunsch zurücknehmen. 
Wäre es nur die vorhersehbare Handlung, könnte man sich den Film ja noch geben. Aber leider kränkelt er an jeder möglichen Stelle. Schon Matthias Schweighöfer kann einfach keinen Film mit Tiefgang tragen und sieht daher wie gewohnt verwirrt durch die Gegend. Immer, wenn es an ihm wäre, dem Film etwas besonderes zu geben, scheitert er auf ganzer Linie und zeigt wieder, dass er bei seinen belanglosen Komödien bleiben sollte. Aber auch der übrige Cast gibt sich nicht wirklich Mühe und scheint durchweg Gelangweilt zu sein. 
Und während der Film versucht die Ehefrau als die Böse hinzustellen, da sie ihn ja verlassen will und für ihr Forschungsprojekt die Familie zurücklassen will, sieht man doch deutlich, dass er sich bisher als Ehemann und Vater nicht wirklich eingebracht hat. Irgendwann ist halt einfach zu spät. Auch seine neue Flamme – ganz nach dem Motto „was du kannst, kann ich schon lange“ – schenkt er nur Aufmerksamkeit, wenn seine Frau ihn abweist. Hier wird so sehr versucht Felix Niemann als das Opfer darzustellen, dass es so plump ist und direkt auffällt, dass es nicht funktioniert. 
Gleichzeitig wird die Karrierefrau natürlich auch als die Verrückte dargestellt, die über Leichen gehen würde. Zwar bekommt sie noch ein paar Zeilen Text, in der sie darauf hinweist, dass sie allein wegen ihres Geschlechts schon Nachteile in der Arbeitswelt hat, doch da wird direkt drüber hinweggegangen und sie muss natürlich ordentlich ausrasten, weil sie nicht ihren Willen bekommt. Daran ist so viel falsch, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. 
Dann wird noch der Brocken eingeworfen, dass die Kundschaft natürlich am besten durch Angst geködert werden kann. Die zustimmende Chefetage steht hier auch nur symbolisch für alles, was falsch läuft in der Gesellschaft. Doch anstatt hier irgendwie mal drauf einzugehen und etwas draus zu machen, geht es wieder nur um Felix und seine Probleme. Der arme alte weiße Mann, der ja keine Chancen im Leben hat. 
Am Ende scheint man dann gemerkt zu haben, dass der Film ja auch noch einen philosophischen Ansatz benötigt und wirft den schnell noch durch eine Nahtoderfahrung ein. Zu spät, zu wenig und auch das ist so gewollt künstlerisch, dass es einfach nicht funktioniert. Kurzum lasst einfach die Finger von dem Film und sucht euch eine andere Faust Interpretation. Es gibt zu dem Thema genug Material da draußen. 

Das Fazit

Das Leben der Wünsche ist ein Fehlschlag auf ganzer Linie. Er ist vorhersehbar, kratzt thematisch überall an der Oberfläche herum, benennt aber nichts richtig und stigmatisiert die Frauen zu dem Böse, das dem armen alten weißen Mann nur schaden will. Und wer auch immer sich gedacht hat, dass Matthias Schweighöfer in Dramen spielen könnte, sollte seine Berufswahl überdenken. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Das Leben der Wünsche läuft seit dem 13.11.2025 in den deutschen Kinos

 

100 Dinge

Ein Vorwort

Wenn der Name Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer in einem Film auftaucht, ist das für mich eigentlich ein guter Grund nicht ins Kino zu gehen. Bei Florian David Fitz bin ich hingegen schon geneigt, zumindest genauer hinzusehen, da er mir beispielsweise auch zuletzt in Der Vorname gut gefiel. Nun stand der neue Film von Fitz mit ihm und Schweighöfer in den Hauptrollen an. Der Trailer sah bereits wieder nach einer typischen deutschen Komödie aus, weswegen ich mich wieder vor dem Kinobesucht drücken wollte. Leider wollte meine Kollegin davon nichts wissen und bestach mich mit einem Schichtentausch. Ob der Film nun wirklich der angekündigte Reinfall wurde, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Die Freunde Paul (Florian David Fitz) und Toni (Matthias Schweighöfer) haben zusammen eine App entwickelt. Während Paul diese nutzen wollte, um die Nutzer glücklich zu machen, schafft es Toni Pauls Abläufe zu analysieren und ihn zum Konsum anzuregen. Bei der Feier über den Verkauf der App an ein großes Unternehmen, betrinken sich beide und wetten, dass der jeweils andere es nicht ohne Konsum aushält. So kommen sie auf die Idee, dass ihre Mitarbeiter ihnen die gesamte Wohnung ausräumen und alles einlagern. Jeden Tag, über 100 Tage hinweg, dürfen Sie sich einen Gegenstand zurückholen.

Meine Meinung

100 Dinge ist einer der deutschen Filme, die man von Anfang an abstempelt, die aber unter der Fassade doch einiges zu bieten haben. Florian David Fitz führt hier Regie und schrieb auch das Drehbuch. Hier merkt man, dass er sich mit der Grundthematik durchaus befasst hat und weiß, wovon er spricht.
Natürlich steht die Komödie hier im Vordergrund. Und ein paar Witze unter der Gürtellinie sind auch vorhanden, so wie die obligatorischen Nacktszenen, die wohl vor allem die Zielgruppe (Frauen mittleren Alters) ansprechen sollen. Darüber hinaus gibt es aber auch viele niveauvolle Witze und am wichtigsten: Die Witze sind auch lustig, so dass auch jemand, der den ansonsten typischen Humor für Schweiger/Schweighöfer-Komödien nicht lustig findet, sich durchaus zwischendurch den Bauch vor Lachen halten muss.
Abgesehen von der typischen Komödie hat 100 Dinge aber auch eine Handlung und Tiefgang. Die Hauptthematik ist der Konsum. Diese wird von mehreren Stellen beleuchtet und hinterfragt. Zum einen steht natürlich die Wette im Vordergrund. 100 Tage ohne Konsum und jeden Tag müssen sich die Protagonisten neu entscheiden, was man unbedingt im Leben braucht. Zunächst sind es die offensichtlichen Sachen. Kleidung, eine Matratze zum Schlafen, sehr schnell kommt dann auch das Smartphone dazu. Doch die ganze Überlegung geht weiter. Wieso kaufen wir so viel? Und macht uns Konsum wirklich glücklich? Als Beispiel kommt dann die von Katharina Thalbach gespielte Oma hinzu, die während des Krieges nur einen einzigen Koffer packen durfte und dort alles Wichtige unterbringen musste. Für die anderen Generationen hat Konsum noch eine ganz andere Bedeutung als für uns. Der ganze Gedanke wird dann noch weitergesponnen bis zum Kaufrausch und möglichen psychologischen Erkrankungen, die aus dem Konsum heraus entstehen.
Wir fassen zusammen. 100 Dinge hat eine gut durchdachte Handlung, Tiefgang, nachdenkliche Dialoge, aber schafft trotzdem das Komödienfeeling. Hinzu kommt, dass Fitz und Schweighöfer sich durch ihre unterschiedlichen Darstellungen und Charaktere gut ergänzen. Also ein kompletter Erfolg? Leider nicht ganz, denn 100 Dinge kann das Niveau leider nicht über die gesamte Spieldauer von 111 Minuten halten. Gerade gegen Ende verliert er sich in seinen eigenen Erzählsträngen und versucht mit aller Gewalt noch schnell eine Liebesgeschichte einzubauen, die zunächst subtil begann, am Ende aber doch wieder ins Vorhersehbare abdriftet. So kommt man am Ende weniger überwältigt aus dem Kino, als man am Anfang glauben konnte.

Das Fazit

100 Dinge macht für eine deutsche Komödie sehr viel richtig, da er sich auf die Handlung konzentriert und eine Charakterentwicklung zulässt. Dabei ist er beinahe durchgängig witzig, verliert sich leider am Ende in den zu viel aufgebauten Handlungssträngen. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

100 Dinge läuft seit dem 06.12.2018 in den deutschen Kinos.