Der Teufel trägt Prada 2

Ein Vorwort

Zwanzig Jahre nach dem erfolgreichen ersten Film, der bis heute ikonische Szenen beinhaltet, kam nun doch eine Fortsetzung in die Kinos. Bereits 2013 wurde ein zweiter Band der Buchvorlage veröffentlicht, doch Meryl Streep lehnte stets ab wieder in ihre Rolle der Miranda Priestly zu schlüpfen. Bis jetzt. Warum die Hoffnungen auf eine wirkliche Weiterentwicklung der Geschichte jedoch vergebens sind, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Fanart des Titels mit Kinoticket auf einer Filmklappe.

Die Handlung

Vor 20 Jahren ist Andy Sachs aus der Redaktion der Modezeitschrift Runway ausgeschieden. Nun kehrt sie auf Bestreben des Eigentümers zurück, um einen Skandal zu reduzieren, und legt sich erneut mit Miranda Priestly an, die über diese Einmischung keineswegs begeistert ist.

Meine Meinung

Ich bin ganz ehrlich: Ich konnte den Hype um Der Teufel trägt Prada nie nachvollziehen. Ich fand ihn nicht witzig, ich fand das Verhalten von Miranda Priestly nie in Ordnung und Andy Sachs war auch nie sympathisch, wie sie mit ihren Freundschaften umging. Also habe ich bei der Ankündigung auf einen zweiten Teil nur müde mit der Schulter gezuckt. Aber nach einigem hin und her habe ich ihm doch eine Chance gegeben, weil ich einfach neugierig war, ob sie sich in zwanzig Jahren irgendwie weiterentwickelt haben.
Und zunächst sah es auch danach aus. Andy Sachs ist eine preisgekrönte Journalistin und kämpft mit dem weiteren Abbau von Stellen, da sich Printmedien einfach nicht mehr verkaufen. Aber dann wird ihr ein Job bei Runway angeboten und sie freut sich, wieder unter ihrer früheren Chefin zu arbeiten. Miranda Priestly kämpft nämlich gerade mit einem Skandal, den Andy durch gute Artikel gerade biegen soll. Natürlich will Miranda nichts davon wissen und behandelt Andy wieder herablassend und abwertend. So weit so bekannt und vorhersehbar. Aber hier versucht der Film wenigstens noch den Wandel im Journalismus zu zeigen und Miranda wird mehrfach durch ihre Äußerungen und Taten kritisiert. Die ikonische Mantelszene aus dem ersten Teil wird bewusst als nicht mehr zeigbar benannt, und der Wandel zu Onlineseite und Social Media wird behandelt.
Allerdings nur für ein paar wenige Minuten. Danach wird praktisch der gleiche Film nochmal gezeigt. Andy rennt verzweifelt hinter Miranda her und gibt ihr ganzes Leben auf, um von ihr angelächelt zu werden. Miranda darf immer noch sagen, was sie will, es wird aber halt mit einem „oh, das sagen wir nicht mehr“ ihrer Assistent kommentiert, woraufhin Miranda mit den Augen rollt und fortfährt. Keine Reflexion, keine Auseinandersetzung, nur ein stupides „Das dürfen wir sie unkommentiert nicht mehr sagen lassen“. Dann darf auch noch Emily Blunt wieder auftauchen und obwohl sie sich eine einzigartige Position erarbeitet hat, muss sie auch noch immer Miranda übertreffen und zeigen, dass sie ihr überlegen ist. Es ermüdet einfach nur.
Und das obwohl alle drei Schauspielerinnen Meryl Streep, Emily Blunt und Anne Hathaway in ihrer Karriere gezeigt haben, was in ihnen steckt. Aber hier geben sie das absolute Minimum, auch wenn Sonnenschein Meryl Streep hier noch am ehesten zeigt, was Schauspiel ist. Schade, dass sie hierfür doch nachgegeben hat und nicht standhaft bei ihrer Absage zu einem Sequel blieb.

Das Fazit

Der Teufel trägt Prada 2 erzählt praktisch die gleiche Geschichte nochmal und lässt alle halbwegs guten Ansätze in den ersten Minuten schon hinter sich. Eine ermüdende Geschichte über Charaktere, die in zwanzig Jahren nicht dazu gelernt haben. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Der Teufel trägt Prada 2 läuft seit dem 30.04.2026 in den deutschen Kinos

Cinemathek: Florence Foster Jenkins

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: Florence Foster Jenkins. Der Film lief ursprünglich ab dem 24.11.2016 in den deutschen Kinos.

Madame Florence Foster Jenkins ist sehr wohlhabend, aber auch sehr krank. Ihr einziger Lebensinhalt ist die Musik. Da ihr das Klavierspiel durch eine Nervenschädigung verwehrt bleibt, singt sie für ihr Leben gerne Arien. Das einzige Problem an der Sache: Sie kann absolut nicht singen. Doch ihr Mann St. Clair Bayfield setzt alles daran, dass sie ihren Traum leben kann und niemals erfährt, wie schlecht sie singt.

Jahr für Jahr treten bei den verschiedensten Castingshows im deutschen Fernsehen Leute an, die unbedingt wollen, dass ihr Talent entdeckt wird. Gerade offene Gesangscastings zeigen aber schnell, dass nicht jeder das Talent hat, was er in sich selbst zu schlummern glaubt. Aber was, wenn man gar nicht auf die Castingshows angewiesen wär, sondern gleich das nötige Geld hätte, um Konzerte geben zu können oder gar Platten aufzunehmen?
Florence Foster Jenkins lebt praktisch nur für die Musik. Durch ein großes Erbe ist es ihr vergönnt, ihr ganzes Leben nach der Musik auszurichten. Bereits als Kind spielte sie begeistert Klavier und feierte Erfolge damit, doch nach einer Erkrankung, die unter anderem ihre Nerven schädigte, kann sie nicht mehr spielen. Also widmet sie ihr Leben nun auf andere Weise der Musik. Zum einen spendet sie immer wieder großzügig an verschiedene musikalische Einrichtungen, zum anderen singt sie für ihr Leben gern. Dafür engagiert sie extra einen Gesangslehrer von der Metropolitan Opera und den Klavierspieler Cosme McMoon. Dieser ist sehr überrascht, als er sie zum ersten Mal singen hört. Denn Madame Jenkins Gesang besteht aus einer Aneinanderreihung schiefer Töne und der Nichtachtung des Takts. Doch ihr Mann und ihr Gesangslehrer loben ihren Gesang in den höchsten Tönen. St Clair Bayfield, ihr Mann, setzt eine Menge Geld ein, damit immer nur ausgewählte Menschen ihren Gesang hören und sie hinterher loben können. Denn eine echte Kritik, so befürchtet er, könnte ihren Gesundheitszustand verschlechtern.
Florence Foster Jenkins ist ein etwas gespaltener Film. Denn zum einen thematisiert er eine unglaubliche Leidenschaft zur Musik und die Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe und einer tiefen Freundschaft. Andererseits spielt er 1944, also noch mitten im zweiten Weltkrieg und thematisiert nebenbei die schrecklichen Folgen einer Krankheit. Die Grundstimmung ist jedoch während des ganzen Films sehr positiv. Die “negativen” Aspekte, wie Krieg und Krankheit werden dabei dem Zuschauer etwas untergeschoben. So kann man Florence Foster Jenkins mit einer Leichtigkeit gucken und sich an Madame Jenkins Auftritten erfreuen, ohne genauer über die ganzen Umstände nachzudenken. Trotzdem trifft einen gleichzeitig ihre Geschichte, denn sie singt sich – trotz schiefer Töne – in die Herzen der Zuschauer.
Das liegt vor allem an Meryl Streeps Schauspielkünsten. Diese schwanken bekanntlich von Film zu Film, aber als Florence Foster Jenkins ist sie wieder in Höchstform. In einem Interview sagte sie, dass für sie die größte Hürde der Rolle war, wirklich schief zu singen. Bereits in Mamma Mia zeigte sie, dass sie eigentlich singen kann und auch für Florence Foster Jenkins arbeitete sie mit einem Lehrer für Arien zusammen. Erst kurz vor Drehbeginn musste sie lernen diese Lieder schief zu singen. Vor allem die Überwindung zu haben Lieder bewusst schief zu singen, im Bewusstsein, dass jeder der dies hört unweigerlich anfangen wird zu lachen. Chapeau Mrs Streep!
Die übrigen Schauspielleistungen siedeln sich souveränen Bereich an und stechen nicht heraus. Lediglich Simon Helbergs Synchronstimme scheint nicht so richtig zu seiner Rolle zu passen. Sie spricht sehr hoch und piepsig und schafft die Betonungen der Mimik nicht widerzuspiegeln.
Der Film erzählt die Geschichte sehr geradlinig, ohne Schnörkel oder überflüssige Dialoge. Dabei überzeugt vor allem das Gute Herz von Madame Jenkins, was den Film so sehenswert macht. Ein richtiger Spannungsfaktor kommt nur bedingt auf, ist bei diesem Film aber auch überflüssig.

Alles in allem ein Film, der die Herzen berührt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.