Gemini Man

Ein Vorwort

Ang Lees Bandbreite als Regisseur ist wirklich erstaunlich. So kennt man seinen Namen wahrscheinlich am ehesten von den beiden Oscarprämierten Filmen „Brokeback Mountain“ und „Life of Pi“. Ebenfalls verfilmte er mit „Sinn und Sinnlichkeit“ ein Jane Austen Werk, zeigte mit Tiger und Dragons sein Können im Action Bereich und mit brachte mit Hulk eine Comicverfilmung in die Anfangszeiten der Comicverfilmungen, aber noch vor den großen Universen. Nun sollte es wieder ein Actionfilm werden. Das Hauptaugenmerk diesmal auf die Optik mit einer besonderen 3D-Variante. Was der Film darüber hinaus kann oder auch nicht kann, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Henry Brogan (Will Smith) ist der beste Schatfschütze und Auftragsmörder der DIA. Vor seinem Ruhestand nimmt er einen letzten Auftrag an, der sich jedoch als Falle entpuppt. Brogan muss nun fliehen und bekommt dabei Hilfe von Danny (Mary Elizabeth Winstead) und Baron (Benedict Wong), die ihn eigentlich überwachen sollten. Auf seiner Flucht begegnet er immer wieder einem ihm ebenbürtigen Gegner, der sich als jüngere Kopie seiner selbst herausstellt. Brogan will Antworten, wer einen Klon von ihm erstellt hat und warum dieser ihn nun töten soll.

Meine Meinung

Die Zeiten von Will Smith als Actiondarsteller schienen schon längst vorbei, liefen seine letzten Versuche nicht gerade auf Erfolg hinaus. So wandte er sich zuletzt eher Projekten zu, bei denen er seine Schauspielkünste beweisen wollte (Erschütternde Wahrheit/Verborgene Schönheit). Nun holte ihn Ang Lee gleich in doppelter Rolle zurück. Dabei merkt man Smith in den rasanten Szenen das Alter erst einmal gar nicht an.
Was man aber merkt, ist, dass Ang Lee sich mehr Gedanken um die Optik des Films gemacht hat, als um die Handlung. Dabei ist die Ausgangssituation mit Billy Ray (The Hunger Games, Captain Phillips, Vor ihren Augen), Darren Lemke (Shazam, Gänsehaut) und David Benioff (Game of Thrones – man vergesse hier die letzte Staffel) als Drehbuchautoren erst einmal gar nicht so schlecht. Und so ist gerade der Anfang von Gemini Man zwar etwas stereotypisch – Agent will aussteigen, Chance wird genutzt, um ihn als Sündenbock für einen vermasselten Auftrag zu nutzen, Agent kann fliehen, weil er besser ist als alle Einsatztruppen – aber mit Winstead und Wong als Sidekicks wird die Handlung gut aufgelockert und hätte auch einen neueren Einschlag einnehmen können. Aber sobald Junior, der Klon von Brogan, eingeführt wird, scheint sich der Film nur noch von Actionszene zu Actionszene zu hangeln und jede Tiefe wird hier schmerzlich vermisst. Irgendwo wird dann noch versucht die Ethik hinter dem Klonen zu diskutieren. Mehr als zwei Argumente auf jeder Seite werden dann aber doch nicht angeführt.
Was Gemini Man aber kann sind gelungene Actionszenen. Dabei treten logischerweise zwei ebenbürdige Gegner gegeneinander an, weil sie ja buchstäblich die gleichen Voraussetzungen haben. Auch wenn ein paar durchaus kürzer hätten sein dürfen oder die ein oder andere auch ganz weggelassen, funktioniert der Teil für einen Actionfilm grundsätzlich gut. Allerdings ist auch hier die Konkurrenz – man denke nur an Fallout oder John Wick – inzwischen doch noch einmal wesentlich besser geworden. So kann sich Gemini Man nicht einmal an dieser Stelle als etwas wirklich besonderes hervortun.
Das einzige einigermaßen revolutionäre ist die neue 3D Technik, die das 3D Erlebnis zwar deutlich verbessert, die Szenen aber auch teilweise wie im Schnellvorlauf wirken lässt. So ganz ausgereift ist die Technik also auch noch nicht. So kommt Gemini Man leider nicht aus der Mittelmäßigkeit heraus, auch wenn er beim erstmaligen Sehen noch durchaus Spaß macht. Aber für ein zweites Mal sehen, reicht es dann leider nicht.

Das Fazit

Gemini Man dümpelt mit einer mittelmäßigen Handlung vor sich hin und hangelt sich nur von Actionszene zu Actionszene, die trotz starker Bilder nicht mehr mit der starken Konkurrenz mithalten kann. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

Gemini Man läuft seit dem 03.10.2019 in den deutschen Kinos.

Verborgene Schönheit

Am 19.01.2017 erschien ein neuer Film, der sich mit Trauerbewältigung befasst in den deutschen Kinos.

Howard hat vor zwei Jahren seine Tochter verloren. Noch immer kommt er mit seiner Trauer nicht zurecht und läuft durch das Leben wie ein Zombie. In seiner Trauer schreibt er Briefe an die Grundpfeiler des Universums: Liebe, Zeit und Tod. Doch auf einmal stehen genau diese mit seinen Briefen vor ihm und konfrontieren ihn mit seinen Anschuldigungen.

Der Tod seines eigenen Kindes dürfte so ziemlich das schlimmste sein, was Eltern passieren kann. Keiner kann daraufhin jemals wieder in das gewohnte Leben zurückkehren. Es wird immer eine Leere zurückbleiben. Doch wie findet man trotzdem wieder in den Alltag zurück? Wo setzt man in seinem Leben an? Und wie gehen die Freunde damit um, die einen nicht leiden sehen wollen?
Howard hat eine wunderbare Frau, ein süßes Kind und seine eigene Firma, die er mit viel Engagement und Spaß und guten Freunden leitet. Die Grundpfeiler in seinem Leben und das Motto seiner Firma sind Liebe, Zeit und Tod. Er steht mit beiden Beinen fest im Leben. Doch dann erkrankt seine Tochter und stirbt. Den Tod der Tochter überlebt Howards Ehe nicht und auch im Büro ist er nur noch ein Schatten seiner selbst. Seine Freunde Whit, Claire und Simon machen sich immer mehr Sorgen um ihn, da er auch zwei Jahre nach dem Tod seiner Tochter noch immer nicht ansprechbar ist und wie ein Zombie durch die Büroflure wandelt. Irgendwann beginnt Howard Briefe zu schreiben. Aber nicht an jemanden, sondern an etwas, an Liebe, Zeit und Tod. Allen drei macht er heftige Vorwürfe. Doch auf einmal besuchen ihn der Tod, die Zeit und die Liebe und lassen die Vorwürfe nicht auf sich sitzen.
Nachdem uns Demolition im letzten Jahr bereits eine interessante Art der Trauerbewältigung zeigte, setzt Verborgene Schönheit noch einmal an einem ganz anderen Punkt an. Howard ist vom Universum enttäuscht, da er niemand anderem den Vorwurf für den Tod seiner Tochter geben kann. Es war kein Unfall, an dem jemand Schuld war, sondern eine Erkrankung, die zum Tod führte. Das zweite große Thema des Films ist Freundschaft. Denn Howards Freunde Whit Claire und Simon kämpfen darum, ihn wieder unter die Lebenden zu bekommen und haben selbst einiges aufgegeben bzw. selbst etwas/jemanden verloren. So konzentriert sich der Film nicht nur auf einen Charakter, sondern zeigt, dass das Leben der Freunde trotz allem weitergeht und wie diese mit der Situation umgehen.
Als Warnung vor dem Ansehen des Films sollte gesagt werde, dass er sehr emotional ist. Die Dialoge sind überladen mit Gedanken und Gefühlen, was zum einen den Ton des Films widerspiegelt, was zum anderen aber für Fans von mehr tiefgründigen und weniger emotionalen Dialogen nur schwer zu ertragen sein dürfte. Man sollte also bewusst in den Film gehen. Denn erst wenn man sich wirklich auf den Film einlässt, entfaltet er seine Magie und kann uns zu Tränen rühren, ob es nun Freuden-, Lach- oder Traurigkeitstränen sind.
Verborgene Schönheit lebt vor allem von seinem großartigen Cast. Hier reiht sich namhafter Schauspieler an namhafter Schauspieler. Will Smith, Edward Norton, Kate Winslet, Michael Pena, Keira Knightley, Helen Mirren und Naomie Harris geben sich hier die Ehre. Am überzeugendsten ist hier die Performance von Helen Mirren, die ihre Rolle mit einer Begeisterung spielt, die ihresgleichen sucht. Michael Pena, der den meisten wohl erst seit seiner Rolle in Ant-Man bekannt sein dürfte und eher lustige Rollen spielt, schafft es hier den Ton aufzugreifen und beweist, dass er auch ernste und tiefgründige Rollen spielen kann. Will Smith selbst spielt seine Rolle als Howard sehr souverän, gerät jedoch von Zeit zu Zeit ins Overacting. Edward Norton bleibt in seiner Rolle weit hinter seinen Möglichkeiten zurück, spielt aber auch seine Rolle sehr souverän. Der restliche Cast liefert zusammenfassend auch eine sehr souveräne Leistung ab.
Die Spannungskurve des Film ist durchgehend auf einem normalen Niveau, wie man es von einem Film dieses Genres erwarten kann. Zwischendurch gibt es vereinzelte Anstiege, wenn unerwartete Wendungen auftreten. Die Handlung selbst verläuft sehr geradlinig und hält genau das, was man sich vom Film verspricht.

Alles in allem ist Verborgene Schönheit ein berührender Film mit einem schönen Ansatz in der Trauerbewältigung. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Suicide Squad

Am 18.08.2016 erscheint das lang ersehnte Himmelfahrtskommando aus dem DC Multiversum in den deutschen Kinos. Diese Kritik ist spoilerfrei gehalten. Daraus resultierende vage Formulierungen waren anders nicht möglich.

Amanda Waller, eine amerikanische Geheimagentin, möchte ein Team aus Bösewichten zusammenstellen. Ihnen soll eine Strafreduzierung angeboten werden, wenn sie Aufträge annehmen bei denen es wahrscheinlich ist, dass sie sterben. Kaum ist diese Idee genehmigt und eine mögliche Auswahl getroffen, kommt es auch schon zu einem Zwischenfall. Der Suicide Squad wird zusammengerufen.

Während die Marvel Studios einen erfolgreichen Film nach dem anderen produzieren und auch immer wieder neue Helden vorstellen, allein dieses Jahr wurden Deadpool und Doctor Strange neu eingeführt, hat es DC etwas schwerer. Noch heute kann keiner den Green Lantern Film wirklich ernst nehmen. Daher hielt sich DC immer an ihre funktionierenden Helden Batman und Superman. Leider erzielte aber auch der Anfang des Jahres in den Kinos erschiende Batman vs. Superman – Dawn of Justice nicht das gewünschte Ergebnis. Umso begeisterter waren die Fans und auch viele andere, als der erste Trailer zu Suicide Squad erschien. Nachdem Marvel mit Deadpool bewies, dass ein Antiheld auf der Kinoleinwand auch überzeugen kann, schien nun auch DC Mut zu beweisen und die bekannten Bösewichte aus Batman, The Flash und Co. aufzufahren. Das Ganze basiert auf der Comicbuchserie Suicide Squad, in der die Taskforce X zunächst noch aus dem Soldaten Rick Flag und seinen Freunden bestand. Erst später wurde sie aus den bekannten Comicbösewichten zusammengestellt. Nach drei Trailern war die Vorfreude auf diesen Film kaum noch zu bremsen. Leider funktioniert der Film nicht so gut, wie die Trailer vermuten lassen.
Zu Anfang sehen wir Amanda Waller, die das Militär versucht zu überzeugen die Taskforce X zu gründen und sie auf Himmelfahrtskommandos zu schicken. Danach werden die einzelnen Kandidaten vorgestellt. Ihre „besondere Begabung“, ihre Schwachpunkte und ihre Hintergrundgeschichte. Schon hier merkt man, dass sich der Film am stärksten auf die Charaktere Deadshot und Harley Quinn konzentriert. Und dann geht es auch schon los mit der eigentlichen Handlung. Es kommt zu einem Vorfall, der die Menscheit bedroht. Also werden die Kandidaten der Taskforce X zusammen gerufen. Diese sind verständlicherweise wenig begeistert. Jeder von ihnen bekommt einen kleinen Sprengsatz in den Hals, mit denen sie sowohl von Amanda Waller als auch von Rick Flag, der das Kommando übernimmt, mit einem Knopfdruck eliminiert werden können. Die Taskforce X besteht aus Deadshot, Harley Quinn, Captain Boomerang, Slipknot, El Diablo und Killer Croc. Unterstützt werden sie vom Militär unter der Führung von Rick Flag und seinem „Bodyguard“ Katana.
Die Grundidee des Films ist grandios, die Figuren größtenteils gut besetzt und doch funktioniert der Film einfach nicht. Gerüchten zufolge soll der eigentliche Film den Produzenten von Warner Bros zu unlustig und zu düster gewesen sein. Das soll zu massiven Nachdrehs geführt haben. Inwiefern diese Nachdrehs mit den Schwächen des Films zu tun hat, bleibt ungewiss, aber doch könnte eine Verbindung bestehen. Die größte Schwäche des Films ist wahrscheinlich die Handlung an sich. Denn die actionsreichen Szenen der Trailer reichen leider nicht für den ganzen Film. Stattdessen laufen der Suicide Squad durch die halb zerstörte Stadt und treffen ab und an mal auf Gegner. Wenn dies geschieht, gibt es kurze starke und vorallem sehr schön choreographierte Kämpfe. Der herbeigesehnte Endkampf gegen zwei Übergegner, fällt dann aber sehr kurz und auch sehr unspektakulär aus. Hier scheint die Lösung, wie schon bei Dawn of Justice, viel zu einfach und ein wirklicher Überraschungseffekt tritt nur an einer einzigen Stelle auf. Zusätzlich gibt es einen komplett überflüssigen Handlungstrang, der nur dazu dient eine Figur an einen anderen Ort zu bringen. Dafür wird aber mindestens eine halbe Stunde Screentime benutzt. Hier hätte es definitiv eine einfachere Lösung geben können. Die Hauptkritik an der Handlung aber dürfte sein, dass die Taskforce X eigentlich erst bei der großen Endschlacht benötigt wurde. Bei den vorherigen Kämpfen waren sie zwar hilfreich, aber nicht notwenig, da das Militär permanent mit dabei war. Hier bleiben die Figuren eindeutig hinter ihren Möglichkeiten zurück.
Der nächste größte Kritikpunkt dürfte der fehlende Humor sein. Denn außer den coolen Sprüchen, die bereits im Trailer zu sehen waren, hat der Film keine großartig lustigen Einlagen zu bieten. Das wäre okay, wenn eine düstere und ernste Stimmung gewollt gewesen wäre. Aber gerade Harley Quinns loses Mundwerk bot die Möglichkeit zu mehr. Während sie in der ersten Hälfte des Films noch einige Sprüche zu bieten hatte, nimmt das in der zweiten Hälfte rapide ab. Hier setzt dann auch der größte Kritikpunkt ein: Der Film ist seinen Figuren nicht treu. Während in der ersten Hälfte eindrucksvoll gezeigt wurde, zu was die Figuren fähig sind und mehrfach betont wurde, dass sie halt die Bösen sind und daher auch Böses tun, verliert sich dies in der zweiten Hälfte. Nachdem den Zuschauern klar werden dürfte, dass einige coole Szenen aus der ersten Hälfte ziemlich überflüssig sein dürften, und man einen Großteils des Interesses am Film verliert, verliert auch der Film sein Interesse an den Figuren und an der Charakterzeichnung. Denn statt die Bösen zu sein, werden sie zunehmend zu einem sentimentalen Jammerhaufen und bedauern, dass sie als die Bösen abgestempelt werden. Das passt weder zu einem knallharten Auftragskiller, wie Deadshot, noch zu der verrückten Harley Quinn.
Ebenfalls eine große Schwäche des Films ist/sind der/die Endgegner. Von der Grundidee vielleicht passend, sind sie dann doch klitscheehafte Überwesen und dafür viel zu leicht zu besiegen. Sie werden nicht anstänstig vorgestellt und so versteht man nicht warum sie überhaupt die Welt zerstören wollen. Den Zuschauern einfach nur einen Bösewicht hinzustellen und zu sagen: Da, ist noch böser als die anderen, ist dann doch nicht zufriedenstellend.
Als letzten Kritikpunkt ist noch die ungleiche Gewichtung der Charaktere zu nennen. Der Hauptaugenmerk liegt eindeutig auf Deadshot und Harley Quinn. Die anderen bekommen schon weniger Screentime, weniger Tiefe und scheinen teilweise nur Anhängsel zu sein. Gerade Captain Boomerang hat zwar erstaunlich viel Screentime bekommen, es würde aber auch keinen Unterschied machen, wenn er nicht dabei wäre. Dies ist schade, weil er zu den bekannteren Bösewichten des DC Multiversums gehört und man hier mehr aus dem Charakter hätte machen können. Auch gibt es eine Szene, in der er sich von den anderen entfernt. Nur um in der nächsten Szene wieder dazuzustoßen, ohne eine Erklärung für sein Verschwinden und seine Rückkehr abzugeben. Wirklich interessiert es auch niemanden, weil er eben so wenig Beachtung findet.

Suicide Squad hat aber auch ein paar positive Punkte. Zum einen ist die Grundauswahl der verschiedenen Charaktere sehr interessant. Auch die Besetzung der Charaktere ist größtenteils gelungen. Das Setting ist liebevoll gestaltet und kann mit einer grundsätzlich düsteren Stimmung überzeugen. Die Actionszenen sind sehr gut choreographiert und spannend gestaltet.
Der größte Pluspunkt ist aber der geniale Soundtrack. Während viele Kritiken spotten, dass einfach nur viele bekannte Bands und Lieder genommen wurden, so sind diese doch für die jeweiligen Szenen teilweise so herrlich ironisch, dass sie das Sehen des Films teilweise doch zu einem Vergnügen machen.

Will Smith übernimmt die Rolle des Deadshot. Nachdem Smith in „Independence Day 2“ schmerzlich vermisst wurde, zeigt er nun wieder sein Können. Er liefert hierbei eine gute, aber keine außergewöhnliche Performance ab. Deadshot nimmt schnell die Rolle des Anführers unter den Bösewichten ein. Leider passt der knallharte Killer, den man zunächst vorgestellt bekommt, nicht zu den einfühlsamen Mann, zu dem er sich im Laufe des Films entwickelt.
Margot Robbie übernimmt die Rolle der Harley Quinn. Mit ihrer Performance spielte sie sich schon im Trailer in die Herzen der Zuschauer und konnte auch im ganzen Film größtenteils überzeugen. Leider verliert sie gegen Ende ein bisschen von ihrer wahnsinnigen Art, was aber mit der grundsätzlichen „Verwahrlosung“ der Charaktere ab der zweiten Hälfte zu tun hat. Ihre Hintergrundgeschichte und Parallelhandlung mit dem Joker gibt dem Film wenigstens ein bisschen Charme. Über ihr sehr knappes Höschen kann man sich streiten. Fakt ist, dass Harley Quinn nach ihrem Grundoutfit in den Comics immer sehr sexy dargestellt wurde. Nötig wäre das knappe Höschen nicht gewesen, es ist während des Films aber auch nicht störend, da Robbies verrückte Mimik gekonnt davon ablenkt.
Joel Kinnaman übernimmt die Rolle des Rick Flag. Ursprünglich sollte die Rolle mit Tom Hardy besetzt werden, der aus zeitlichen Gründen leider nicht annehmen konnte. Auch die zweite Wahl Jake Gyllenhaal konnte nicht zusagen. Als dritte Wahl wurde nun Kinnaman mit der Rolle vertraut. Als draufgängerischen Flag zeigt er ein bisschen wenig Härte, im großen und ganzen ist die Rolle aber doch gut besetzt und Kinnaman liefert eine solide Leistung ab. DieLiebesgeschichte Flags ist dann aber doch sehr kitschig und unpassend gehalten.
Jai Courntey übernimmt die Rolle des Captain Boomerang. Die Screentime, die seine Rolle bekommt nutzt Courntey gekonnt aus. Der namensgebende Bummerang wurde zwar in ein paar Szenen verwendet, aber doch vergleichsweise wenig genutzt. Grundsätzlich hat Captain Boomerang zu wenig Charaktertiefe bekommen – für einen Dieb mit Bummerängen und einer Vorliebe für pinke Einhörner – hier wäre mehr möglich gewesen, als lediglich zwei Gags.
Adewale Akinnuoye-Agbaje übernimmt die Rolle des Killer Croc. Die Rolle spielt er gut, aber auch hier fehlt es wieder an Charaktertiefe und an genaueren Erklärungen. Er hält sich während des Films meist im Hintergrund auf und bleibt bis zum Ende sehr unscheinbar.
Jay Hernandez übernimmt die Rolle des El Diablo. Auch er legt eine gute Leistung ab. El Diablo bleibt lange Zeit beinahe Unsichtbar im Film, erst gegen Ende wird erklärt, warum er im Film überhaupt auftaucht. Er ist der einzige Bösewicht, der nicht böse sein möchte.
Viola Davis übernimmt die Rolle der Amanda Waller. Davis liefert ihre gewohnt gute Leistung ab, gibt der Rolle aber auch kein i-Tüpfelchen. Waller selbst wird sehr lange als zu gut dargestellt. Sie hat die Idee mit der Taskforce X, aber als die eigentliche „Antiheldin“, die sie in den Comics darstellt, wird sie immer nur szenenweise dargestellt.
Cara Delevigne übernimmt die Rolle der Enchantress. Delevigne ist wohl die größe Enttäuschung des Films. Schon von der ersten Szene an merkt man, dass sie eigentlich Model und keine Schauspielerin ist. Denn mit starren Gesicht, dass einen fixen Punkt bei der Kamera anfixiert, könnte sie zwar ihr Kostüm als Modelinie verkaufen, doch ohne jegliche Regung eine komplexe Rolle, wie die der Enchantress zu spielen, schafft sie nicht einmal im Ansatz. Hier ist die Frage, wieso der Film, der mit grundsätzlich starken Figuren besetzt wurde, hier so einen Patzer casten konnte. Da ihre Rolle doch eine größere Rolle im Film einnimmt, ist ihre Leistung eines der größen Schwächen des Films.
Jared Leto übernimmt die Rolle des Jokers. Nach dem Tod des beliebten Joker Darstellers Heath Ledgers, tritt Leto ein schweres Erbe an. Seine Darstellung ist auch wunderbar verrückt und sein schon aus dem Trailer bekannte Lachen geht tief unter die Haut. Leider ist seine Rolle aber sehr eindimensional geschrieben. Es wird nur die verrückte Seite gezeigt, nicht die düster brilliante. Dafür, dass er nur eine Nebenfigur ist, reicht die Charaktertiefe vielleicht aus, aber die Fans überzeugen, kann er nicht. Trotzdem möchte man hier gerne mehr sehen.
Karen Fukuhara übernimmt die Rolle der Katana. Für die wenige Screentime, die ihr zusteht, legte sie eine gute Leistung ab. Katana stößt erst relativ spät zum Team dazu und wird als Flags „Bodyguard“ vorgestellt. Wieso sie genau dabei ist, wird während des ganzen Films nicht klar, da sie nicht zum eigentlichen Suicide Squad gehört. Ihre Screentime hätte man für mehr Charaktertiefe der anderen nutzen können.

Alles in allem kränkelt Suicide Squad an zu vielen stellen, um ihn als guten Film zu betiteln und reiht sich leider in die Schlange der DC Enttäuschungen ein. Aus der ersten Hälfte lässt sich irgendwo ein guter Film erahnen, der aber leider nicht auf der Kinoleinwand zu sehen ist. Für die coolen Charaktere und den genielane Soundtrack gibt es dann doch noch 05 von 10 möglichen Punkten.

Erschütternde Wahrheit

Am 18.02.2016 erschien ein Film über eine wahre Geschichte, die zu einem Skandal beim NFL sorgte, in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Bennet Omalu ist ein Gerichtsmediziner mit etwas eigenartigen Methoden. Doch als ein berühmter ehemaliger Footballspieler bei ihm auf dem Tisch landet, entdeckt er eine Krankheit, die bei Footballspielern durch die ständigen Erschütterungen im Gehirn verursacht wird. Die Spieler machen kurz vorher eine große Charakterveränderung durch, ehe sie entweder Herzinfarkten sterben oder sogar Selbstmord begehen. Als Omalu seine Forschungen veröffentlich, streitet die NFL alles ab und greifen Omalu öffentlich an. Ein Kampf um die Wahrheit entbrennt.

Bennet Omalus Vorgehensweise in den Sälen der Gerichtsmedizin erscheinen auf dem ersten Blick sehr merkwürdig. Er spricht mit seinen Patienten, die aber ja bereits tot sind. Dabei bittet er immer um ihre Mithilfe, ihren Tod aufzuklären. Und es hilft. Doch als er einen ehemaligen Footballspieler auf dem Tisch hat und entdeckt, dass dieser in Folge der vielen vielen Kopfstöße in seiner Profikarriere gestorben ist, stößt er an seine Grenzen. Denn die Veröffentlichung zieht einen Skandal bei der NFL nach sich. Dieser lässt die Vorwürfe natürlich nicht auf sich sitzen und wettert gegen Omalu und ist als riesige Instition weitaus mächtiger als Omalu. Hilfe findet Omalu in Dr. Julian Bailes, einem ehemaligen Mannschaftsarzt.
Der Film ist in zwei Hälften geteilt. In der ersten Hälfte geht es um die Entdeckung der Krankheit und ihrer Folgen. Hier wird die Diagnose bis ins letzte Detail geprüft. In der zweiten Hälfte geht es um die „Schlacht“ gegen die NFL, der natürlich alles abstreitet und gegen Omalu wettert. Zwar ist die eigentliche Thematik spannend und wie der Titel schon sagt erschütternd, aber der Film ist es nicht. Das liegt vor allem an einem sehr schlechten Schnitt. Auf unwichtige Szenen wird die Kamera ewig gehalten, während entscheidende Szenen nur kurz gezeigt werden und dann ein abrupter Schnitt erfolgt. Dadurch wird jeglicher Bezug zum eigentlichen Thema verloren. Als bestes Beispiel ist hier die Szene, in der Omalu seiner Freundin anhand eines Apfels in einem Glas versucht zu zeigen, was mit dem Gehirn bei ständigen Stößen passiert. Omalu schüttelt und schüttelt, man wartet auf die Pointe, aber stattdessen gibt es einen Cut. Und man bleibt zurück mit einem „Was sollte mir das jetzt sagen?“. Auch die Nebengeschichte mit Omalus späterer Frau scheint einfach nur unpassend und fehl am Platz. Zwar wurde sie wahrscheinlich aus biographischer Richtigkeit aufgenommen und um Omalus Charakter ein wenig Tiefe zu geben, aber im Endeffekt verlängert sie den Film unnötig und bietet keinen großen Einblick in Omalus Wesen. Stattdessen ist sie wieder eine Liebesgeschichte, die vom eigentlichen Thema ablenkt. Hier hätte statt auf biogrphischer Genauigkeit lieber auf gute Filmtechnik der Augenmerk liegen sollen.  Allgemein sympathisiert man nicht mit Omalu, was für den Film kontraproduktiv ist, da er als der „Held“ der Geschichte gilt. Will Smith in der Rolle des Bennet Omalu brilliert durch seinen angelernten nigerianischen Akzent, überzeugt ansonsten aber nicht. Seine Mimik bleibt auch in Schlüsselszenen ausdruckslos und gibt dem Publikum durch durchgehende Distanz keinen Anlass ihm zu trauen.

Alles in allem ist der Film ein netter Versuch die Thematik aufzugreifen, überzeugt aber nicht. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.