Birds of Prey

Ein Vorwort

2016 brachte DC uns eine Gruppe von Superschurken in die Kinos. Suicide Squad scheiterte trotz genialer Trailer an der unzusammenhängenden, platten und sinnlosen Handlung. Ob James Gunn den kommenden zweiten Teil retten kann, bleibt noch offen. 2017 versuchte es DC erneut mit einer Gruppenformation. Doch auch Justice League konnte das Ruder nicht rumreißen. Der zweite Teil ist wegen misserfolg bis auf weiteres verschoben. Nun versucht es DC erneut und nimmt dafür eine der beliebtesten Figuren aus Suicide Squad, Harley Quinn, und baut um sie eine Gruppe von Frauen auf, die alle nach Emanzipation streben. Ob Harley Quinn auch als Einzelfigur funktioniert, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Harley Quinn (Margot Robbie) hat sich vom Joker getrennt. Zunächst verschweigt sie das, um weiter unter dem Schutz des Jokers zu stehen. Doch nach einer betrunkenen Befreiungstat ist sie auf einmal Freiwild. Mitten in dem Chaos bekommt sie von dem zwielichtigen Roman Sionis aka Black Mask (Ewan McGregor) den Auftrag einen Diamanten zu besorgen, der sich in der kleinen Taschendiebin Cassandra (Ella Jay Basco) befindet. Doch auch Detective Renee Montoya (Rosie Perez) versucht Cassandra zu finden. Und ganz nebenbei taucht auch noch die mit einer Armbrust bewaffnete Huntress (Mary Elizabeth Winstead) auf.

Meine Meinung

Birds of Prey trägt den Beinamen The Emancipation of Harley Quinn. Und beide Titel zeigen dann auch das Problem des Films. Denn eigentlich wäre nur Platz für eine der beiden Handlungen, aber so werden beide irgendwie in einen Film gequetscht, was beiden irgendwie zu wenig Freiraum gibt, um sich richtig zu entfalten.
Doch kommen wir zunächst zu einen der vielen Sachen, die der Film unter der Regie von  Cathy Yan, die hier ihren zweiten Spielfilm inszeniert, absolut richtig macht. Dazu gehört Harley Quinn als Person abseits der Beziehung zum Joker zu zeigen. War sie in Suicide Squad noch eher Sprüchegeber, darf sie nun gleich die ganze Geschichte erzählen. Sie tut dies als ziemlich unzuverlässige Erzählerin, da sie gerne mal ein paar Sachen verdreht oder in willkürlicher Reihenfolge erzählt. Letztlich kann man der Handlung aber trotzdem folgen. Das es immer nur sehr verschwommene Rückblenden zu ihrer Zeit mit dem Joker gibt, dürfte an der Überwerfung Warner Brothers mit Jared Leto liegen, der sich nach seiner Performance in Suicide Squad ungerecht behandelt fühlt, zumal der Jokersolofilm mit Joaquin Phoenix inszeniert wurde, statt mit ihm. Das ist zwar schade, da man dann sicher noch ein paar mehr schöne Rückblenden hätte einfügen können, der Film funktioniert aber auch so. So muss Harley Quinn zum ersten Mal auf eigenen Füßen stehen und bekommt dadurch gleich jede Menge Probleme. Allein diese Loslösung hätte schon zu einem reinen Actionspektakel werden können, hätte man den John Wick Weg gewählt. Doch soll es in diesem Film irgendwo auch noch um die Birds of Prey gehen.
Diese werden irgendwo am Rande eingeführt, obwohl ihre einzelnen Figuren in den Comics wesentlich tiefer gehen. So wurde beispielsweise Black Canary auch in der Serienlandschaft bereits mehrfach vorgestellt. In Smallville noch in ein paar kleineren Folgen als Gastauftritt, in Arrow dann auch in größeren Rollen. Hier übernimmt Jurnee Smollett-Bell die Rolle der Dinah Lance aka Black Canary, bekommt aber relativ wenig Screentime, um ihre Entwicklung richtig zu erzählen. Arbeitet sie am Anfang als Sängerin für Sionis und später als seine Fahrerin, scheint sie doch das Herz am richtigen Fleck zu haben. Dann gibt es Detective Renee Montoya, gespielt von Rosie Perez, die noch in wenigen Sätzen erklärt wird. So erfährt man, dass sie jahrelang in Beförderungen übergangen wird, weil ihre männlichen Kollegen die Lorbeeren für ihre Taten einheimsen. Die letzte im Bunde ist dann noch die mysteriöse Huntress, deren Beweggründe sehr spät offenbart werden. Allein aus der Geschichte, wie sich diese unterschiedlichen Frauen treffen und zu den Birds of Prey werden, hätte sich ein eigener Film machen können. Und genau hier liegt das Problem des Films.
Denn er erzählt diese zwei Geschichten, will an einer Stelle näher auf die Ursprungsgeschichte der Birds of Prey eingehen, versucht an einer anderen Stelle aber Harley Quinn wieder mehr in den Vordergrund zu rücken, weil sie durch ihre Bekanntheit aus Suicide Squad wohl das Zugpferd des Films sein soll. Dies gelingt ihr auch größtenteils, denn gerade Robbies absolutes Overacting bringt der Figur den nötigen Charme, um den Film eine lockere Note mitzugeben. Denn eigentlich werden so ganz nebenbei schwierige Themen versucht zu verarbeiten. Diese noch ein bisschen mehr herauszuarbeiten, hätte dem Film auch nicht wehgetan.
Ewan McGregor merkt man den Spaß am Spielen seiner Rolle auch merklich an. Hier wird versucht dem Bösewicht noch ein bisschen Hintergrundhandlung zu geben, doch letztlich schließt er sich einer Reihe absolut austauschbarer Comicbösewichte an.
Was im Film dann aber absolut gelungen ist und so ein paar Stolperer im vorherigen Abschnitt vergessen lässt, ist das großartige Finale. Hier stimmt so ziemlich alles. Die Fronten sind geklärt, es folgt ein atmosphärisches Setting, das sich gut wandeln lässt und so Abwechslung bietet und vor allem gut choreographierte Action. Das Finale ist spannend, nebenbei durch kurze Oneliner witzig und raubt einem doch immer wieder den Atem. Hier hätte man gerne mehr gesehen.

Das Fazit

Birds of Prey – the Emancipation of Harley Quinn hat zwei Schwerpunkte, die beide zu kurz kommen. Dies macht er aber mit einer großen Portion Spaß und Frauenpower wett und schafft es trotz Stolpersteine zu funktionieren. Garniert wird das mit dem besten Finale seit Endgame. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Birds of Prey läuft seit dem 07.02.2020 in den deutschen Kinos.

Joker

Ein Vorwort

Für manche der Film des Jahres, für andere ein Film, der Verboten gehört, weil er Menschengruppen aufhetzen könne. Viel Drama wurde bereits vorab um den neusten Streich aus dem Hause DC gemacht. Und die Meldungen hörten nach Kinostart nicht auf. Vor allem Ex-Joker Jared Leto scheint sehr verärgert zu sein. Was Regisseur Todd Phillips, der bisher eher für seine Hangover-Filme bekannt war, nun wirklich fabriziert hat, habe ich mir angeguckt. Meine ganz eigene Meinung findet ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) lebt zusammen mit seiner Mutter in einer schmutzigen kleinen Wohnung und versucht mit Clown-Jobs über die Runden zu kommen. Zu kämpfen hat er mit einem schmalen Selbstbewusstsein und einer psychologischen Erkrankung, die ihn in den unpassendsten Momenten laut auflachen lässt. Sein Leben besteht immer wieder aus Rückschlägen und Erniedrigungen, bis er eine zweite Identität in der Rolle eines gefährlichen Clowns entdeckt. Der Wandel zum Joker steht bevor.

Meine Meinung

Eigentlich wollte ich diese Kritik zeitnah zum Kinostart schreiben und habe extra eine Vorstellung in der ersten Spielwoche besucht. Überwältigt von den verschiedensten Emotionen und Eindrücke setzte ich mich auch zügig ans Schreiben der Kritik. Und bekam einfach nichts auf Papier. Die leere weiße Seite verhöhnte mich regelrecht. Ich schloss sie wieder und setzte mich ein paar Tage später wieder dran. Mit dem Ergebnis, dass ich auch diesmal meine ganzen Eindrücke einfach nicht formuliert bekommen habe. Ich schrieb zwischendurch andere Kritiken und Joker rutschte immer weiter nach hinten. Warum ich euch das erzähle? Weil ich hoffe, dass ich diesmal die Kritik zu Stande bekomme und mich auch halbwegs verständlich ausdrücke.
Joker ist ein Film, der bei mir absolut widersprüchliche Gefühle heraufbeschwört. Zum einen halte ich ihn für ein absolutes Meisterwerk, zum anderen hat mir aber auch einiges nicht gefallen, was ich beim genaueren Nachdenken, aber vielleicht doch wieder positiv finde. Gut, ich versuche dann mal meine Gedanken etwas zu ordnen.
Zum einen ist da die Leistung von Joaquin Phoenix. Er spielt hier vielleicht nicht den typischen Joker, daher hinkt der Vergleich mit früheren Darbietungen, gerade der viel gelobten von Heath Ledger. Beide hatten ganz andere Ansätze und Ambitionen. Dennoch spielt er seine Rolle und das absolut fantastisch. Er geht komplett in der Rolle auf, für die er auch einiges an Gewicht verlieren musste, und spielt gleichzeitig so punktiert und auf jede Nuance bedacht, dass hier doch bitte ein Oscar für fällig sein sollte. Allein das Lachen, was er herausspeit und dabei gleichzeitig absolut traurig aussieht, ist eine Kunst, die seinesgleichen sucht.
Ebenfalls absolut gelungen ist die Umsetzung. Hier stimmt alles, vom Bühnenbild über die Musik über die Masken, die Kostüme und die Darsteller. Betrachtet man rein dies, wirkt Joker wie ein Kunstwerk. Zwar ein sehr düsteres, aber dennoch.
Problematisch sehe ich eher die Handlung an sich. Grundsätzlich ist sie von der Erzählung sehr rund. Hier wird auf eine Menge Details geachtet und dabei doch der Zuschauer gerne an der Nase herumgeführt. Gerade weil Phillips immer wieder Andeutungen macht und Hinweise streut, die hinterher aber wieder zurücknimmt und sich dabei auf Flecks labile Psyche beruft, macht Joker auch unfassbar spannend, regt aber gleichzeitig auch zu vielen Diskussionen an. Der Zuschauer wird hier eben nicht an die Hand genommen und ihm wird alles erklärt, sondern er darf sich Zusammenhänge selbst zusammenreimen und seine eigenen Schlüsse ziehen. Schwierig wird es für mich bei der Aussage des Films. Vielleicht ist mir der Film für einen „Superhelden/Schurken“-Film auch einfach zu realitätsnah.
! Ab hier geh ich näher auf Handlungsaspekte ein. Dies kann zu kleineren Spoilern führen !
Denn die Unterdrückung durch die Oberschicht und die Rebellion der „kleinen Leute“, die dann einen Mörder auf einmal als Helden ansehen, weil er sich gewehrt hat, vermittelt für mich einfach die falsche Botschaft. Und zwar genau deswegen, weil ich glaube, dass es in unserer Gesellschaft nicht anders wäre. Und genau das ist es, was mir am Film Angst macht. Und dadurch hat wohl der ansonsten absolut gelungene Joker für mich irgendwo einen negativen Beigeschmack. Andererseits finde ich es auch wieder mutig, dass Phillips hier eben gerade kein Blatt vor den Mund nimmt. Wahrscheinlich muss ich den Film einfach noch ein- oder zweimal sehen, um wirklich entscheiden zu können, wie viel Gewicht ich diesem Aspekt geben würde.

Das Fazit

Joker überzeugt in Inszenierung und mit seinem grandiosen Hauptdarsteller. Dennoch bietet er Diskussionsmaterial in positiver und negativer Weise. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Joker läuft seit dem 10.10.2019 in den deutschen Kinos.

Shazam!

Ein Vorwort

Lange Zeit stand DC mit Ihrem DC Extended Universe (DCEU) im Schatten des Konkurrenten Marvel (Marvel Cinematic Universe MCU). Nach Flops, wie Dawn of Justice oder Justice League, versucht sich DC nun doch mehr an Solofilmen. Mit Wonder Woman und Aquaman konnten sie zwar endlich die angestrebten Besucherzahlen knacken, die Kritiken fielen dennoch nicht wie gewünscht aus. Nun soll es also Shazam retten, der ironischerweise in früheren Tagen Captain Marvel hieß. Hat doch Konkurrent Marvel soeben erst ihren eigenen Captain Marvel in Form von Carol Danvers ins Kino gebracht. Ob Shazam nun mehr kann, als der angekündigte Klamauk, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Die Handlung

Billy Batson (Zachary Levy & Asher Angel) ist mehreren Pflegefamilien davongelaufen. Nun bekommt er eine neue Chance. Wirklich Lust auf Familienleben hat er jedoch nicht, doch sein neuer Pflegebruder Freddy (Jack Dylan Grazer) heftet sich an seine Fersen. Doch als der verbitterte Dr. Sivana (Mark Strong) die sieben Totsünden befreit, muss ein neuer Champion, ein neuer Shazam, her. Billy ist der Auserwählte.

Meine Meinung

Shazam kam im Trailer wie die lausige DC Variante eines Deadpools daher. Der Trailer war zwar witzig, aber der Biss dahinter fehlte. Gleichzeitig stand die Befürchtung im Raum, dass erneut alle guten Szenen bereits im Trailer verbraten wurden. Trotzdem gab es genug Anreize, um doch ins Kino zu gehen. Zum einen schien Zachary Levi topmotiviert für die Rolle – allerdings bewies zuletzt Aquaman, dass der Ehrgeiz und die Motivation des Hauptdarstellers nicht unbedingt ausreichen. Doch Shazam hat einiges mehr auf Lager, als man am Anfang denken würde. Aber der Reihe nach.
Zum einen hat Shazam etwas, was den meisten DC und Marvelfilmen fehlt. Eine vernünftige Hintergrundgeschichte zu ihrem Bösewicht. So ist Mark Strongs Dr. Silvana nicht einfach nur der obligatorische Endgegner. Vielmehr beginnt die ganze Handlung bei ihm. Es wird ein Charakter gebildet, der sich weiterentwickelt und größtenteils nachvollziehbare Entwicklungen durchläuft.
Zum anderen ist es der Protagonist, der so menschlich dargestellt wird, wie kaum ein Superheld zuvor. Wir lernen Billy Batson kennen, ein Junge, der in frühen Jahren seine Mutter auf einem Jahrmarkt verlor und seitdem versucht sie zu finden. Dafür rennt er immer wieder aus verschiedenen Pflegefamilien weg. Zu Anfang des Films landet er wieder einmal in einer neuen. Doch diesmal ist es keine typische Familie, sondern ein Zusammenschluss aus den verschiedensten Charakteren. Trotzdem hält Billy an dem Wunsch fest seine Mutter zu finden. Durch einen Zufall wird er als neuer Champion auserwählt und bekommt die Fähigkeiten des Shazam. Von nun an kann er sich in einen Superheld verwandeln. Und gerade hier beginnt der Film unglaublich stark zu werden. Denn statt der typischen „Hilfe, ich bin jetzt ein Superheld“-Geschichte, schafft Shazam es auf humorvolle Art den Prozess des Erkundens der Kräfte umzusetzen und doch stets das Niveau weit oben zu halten. Gleichzeitig wird logisch hinterfragt, was in einem Jungen vor sich gehen muss, der keine Perspektive im Leben sieht und auf einmal Superkräfte hat. Dazu gehören das absolute Überlegenheitsgefühl und der Wunsch von allen gemocht und angehimmelt zu werden. Natürlich bleibt auch dies nicht ohne Konsequenzen.
Shazam ist außerdem so ziemlich der einzige Superheldenfilm, der noch einmal von einem ganz neuen Standpunkt an die Themen Freundschaft und Familie herangeht.
Als Kritikpunkt muss man dann doch noch anführen, dass das große Finale sehr vorhersehbar ist und mit Klischees nur so um sich schmeißt. So bleibt man am Ende doch ein wenig mit dem gewohnten Gefühl nach einem DC Film zurück. Und das obwohl Shazam sich ansonsten positiv von allen anderen DC Filmen abhebt.

Das Fazit

Ein in vieler Hinsicht realitätsnaher und nachdenklicher Superheldenfilm, der aber doch die Power und den Witz mitbringt, um das Superheldengenre noch einmal von einer ganz anderen Seite zu beleuchten. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Shazam! läuft seit dem 04.04.2019 in den deutschen Kinos.

Aquaman

Das Vorwort

Diesen Dezember versucht sich DC an einem neuen Solofilm. Diesmal darf der aus Justice League bereits bekannte Aquaman ran. Ob er die Flops des DC Extended Universe (DCEU) retten kann, oder zu einem neuen Misserfolg wird, war nach dem Trailer noch nicht ganz eindeutig. Denn Jason Momoa lebt seine Rolle sichtlich und hat vorab ordentlich die Werbetrommel gerührt. Andererseits dürfte es sich auf ein reines CGI-Feuerwerk belaufen. Aber was kann Aquaman nun wirklich? Ihr erfahrt es hier in meiner Kritik.

Die Handlung

Arthur Curry (Jason Momoa) wurde als Kind einer Königin von Atlantis (Nicole Kidman) und eines menschlichen Leuchtturmwärters Thomas Curry geboren. Jahre später hat er kein Interesse daran den Thron von Atlantis zu erobern, auf dem sein Halbbruder Orm (Patrick Wilson) sitzt. Doch Orm will der Oberwelt den Krieg erklären. Daher sucht Prinzessin Mera (Amber Heart) Arthur auf, da er der Aquaman ist und den Krieg verhindern kann. Dafür benötigt er jedoch den verschollen Dreizack von Atlan.

Meine Meinung

Schon als in Justice League angekündigt wurde, dass Aquaman eine Rolle bekommt, dachten die meisten Comicfans wohl an jemandem im lächerlichen Kostüm auf einem pinken Seepferdchen. Die nicht Comicleser wohl an die gleiche Variante, aber so wie sie Raj in The Big Bang Theory darstellte (im lächerlichen Kostüm auf pinkem Seepferchen). Doch dann wurde Jason Momoa gecastet und den ersten Frauen lief der Sabber aus dem Mund, als er sich mit gestähltem Oberkörper präsentierte. In Justice League selbst kam seine Rolle noch nicht groß zur Geltung. Nun war man gespannt, was sein Solofilm bringen würde.
Konzentrieren wir uns zunächst auf das, was der Film absolut richtig macht. An vorderster Stelle steht da natürlich Jason Momoa. Ihm ist die Rolle wie auf den Leib geschnitten und er spielt ihn mit so viel Herz, dass man sich nie wieder jemand anderen in der Rolle vorstellen kann. Wurde der Aquaman in den Comics noch belächelt und bei Big Bang Theory ordentlich durch den Kakao gezogen, kann man nun nur noch sagen, dass Aquaman echt cool ist.
Die Unterwasserwelt rund um Atlantis und den anderen Königreichen ist natürlich sehr CGI lastig. Aber das ist genau dann zu verzeihen, wenn man die Welt das erste Mal sieht. Denn es ist kreativ, mit viel Liebe zum Detail gestaltet und einfach ein Augenschmaus. Auch die Kreaturen der Tiefe wurden gut gestaltet. So wirken selbst die Seepferdchen gefährlich und als würdige Gegner von Haien.
Dann wäre noch die interessante Kameraführung zu erwähnen. Hier wird viel experimentiert, wodurch sich der Film von anderen Vertretern des Genres positiv abhebt.
Leider waren dies dann auch schon die einzigen positiven Aspekte. Denn wirklich gelungen ist Aquaman leider nicht. Und das beläuft sich auf folgende Ursachen.
Zum einen die Handlung. Denn hier werden drei Handlungsthemen aufgegriffen, die richtig ausgearbeitet auch für drei Filme gereicht hätten. Stattdessen wurden sie gekürzt und zusammengeschnitten, damit sie alle in einen passen und letztendlich wirkt jede nur noch absolut Belanglos. Wir haben zum einen die Geschichte der Geschwisterrivalität. Arthur Curry ist das uneheliche Kind der Königin gewesen und gilt damit als Bastard. Orm hingegen ist aus der Ehe von König und Königin hervorgegangen, ist aber letztendlich nur der Zweitgeborene. Hier kommt es zum Kampf der beiden Brüder, wer nun der rechtmäßige Thronerbe ist. Dann gibt es den Handlungsstrang rund um Orm und sein geplanter Krieg gegen die Oberwelt. Hierfür will er die Königreiche der Meere vereinen und als alleiniger Herrscher antreten. Und zu guter Letzt hätten wir noch den Handlungsstrang um den verschollenen Dreizack von Atlan. Hierfür wird erst einmal die komplette restliche Handlung unterbrochen, um eine Art Odyssee gestaltet. Natürlich darf zwischendrin die obligatorische Verfolgungsjagd mit großen Zerstörungspotential nicht fehlen, die die Handlung dann aber auch nur streckt und nicht voranbringt.
Zum anderen sind da die unausgereiften stereotypischen Charaktere. Der einzige wirklich ausgearbeitete Charakter ist Aquaman selbst. Sein Vater bekommt wenigstens noch ein bisschen Herz. Die anderen sind dann alle nach Belieben austauschbar. Orm als Hauptbösewicht ist der typische machthungrige jüngere Bruder. Sein grundsätzlicher Hintergrundgedanke mit der Vermüllung der Ozeane hätte man viel deutlicher herausarbeiten müssen. Als Berater des Königs wurde Willem Dafoe gecastet. Das Potential aus der Besetzung wurde dann aber überhaupt nicht genutzt, denn mehr als ein paar Mal im Bild zu stehen und einen schlauen Oneliner von sich zu geben, schafft Vulko auch nicht. Kommen wir zu Amber Hearts Mera. Sie ist praktisch die zweite Protagonistin. Eigentlich versucht sie die Oberwelt zu retten und verbündet sich daher mit Arthur, obwohl sie eigentlich in anderer Verantwortung steht. Doch ihr innerer Konflikt wird weder über das Drehbuch wirklich deutlich, noch durch Hearts Schauspiel, was man als reduziert bezeichnen kann – man kann es aber auch einfach als nicht vorhanden beschreiben.
Kommen wir nun noch zur Musik. Hier hatte ich eine längere Diskussion mit meinem Lebensgefährten, ob sie gewollt trashig war (mein Lebensgefährte) oder ungewollt komisch (meine Meinung). Denn während mein Lebensgefährte darauf besteht, dass ein hartes Gitarrenriff, das einen Kampf ankündigt, dem Charme der Trashfilme aus den 80er Jahren entspricht, finde ich genau dies in der heutigen Zeit zwar witzig, aber doch fehl am Platz. Wirklich auf dem Boden vor Lachen lag ich aber, als sich die beiden Kontrahenten gegenüber standen und beide jeweils eine Kampfansage losließen und die Musik ein dramatisches Dum-dum-duuum von sich ließ und das leider nicht nur einmal.

Das Fazit

Auch wenn Aquaman im weltweiten Boxoffice der erfolgreichste DCEU Film ist, bleibt er leider in großen Teilen ein Reinfall. Dabei birgt er Potential, wenn man sich eben auf eine Handlung konzentriert und dafür die Charaktere besser herausgearbeitet hätte. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Aquaman läuft seit dem 20.12.2018 in den deutschen Kinos.

Wonder Woman

Am 15.06.2017 erschien der nächste Teil des DC Extended Universe in den deutschen Kinos.

Diana wächst auf der paradiesischen Insel Themyscira auf, die nur von Amazonen bewohnt ist und sich vor der Außenwelt verbirgt. Das ihr Schicksal ihr größeres vorherbestimmt, muss sie erst herausfinden, als sie auf den Piloten Steve Trevor trifft und durch ihn vom großen Krieg erfährt. Der festen Überzeugung den Krieg beenden zu können, bricht Diana aus ihrem geschützten Umfeld auf.

Während Marvel mit seinem Cinematic Universe immer wieder Rekorde bricht und unzählig viele Zuschauer in die Kinos lockt, musste DC bisher immer wieder schlechte Kritiken für sein Extended Universe einstecken. Während Man of Steel noch mäßig gut ankam, wurden Batman vs. Superman – Dawn of Justice und Suicide Squad von den Massen in der Luft zerrissen. Dies sollte nun Wonder Woman alles zum positiven wenden. Und so war auch der Zuspruch zunächst groß, denn das erste Mal bekam eine weibliche Superheldin ihren eigenen Solofilm. Auch die Kritiken sind bei weitem positiver als bei den vorherigen Filmen, doch auch hier mischen sich negative Meinungen unter die Positiven.
Der Film beginnt mit einer kurzen Geschichtsstunde über die griechische Mythologie und erzählt die Geschichte der Amazonen und wie sie auf der paradiesischen Insel Themyscira landeten. Auf dieser Insel wächst die kleine Diana auf, der gar nicht auffällt, dass sie das einzige Kind auf der ganzen Insel ist. Ihr größter Wunsch ist es mit den anderen Amazonen das Kämpfen zu lernen, doch zunächst sträubt sich ihre Mutter, die Anführerin der Amazonen, gegen die Ausbildung Dianas. Irgendwann bekommt Diana ihren Willen und wächst zu einer starken Kriegerin heran. Doch obwohl Themyscira vor der Außenwelt gut versteckt war, findet der Kriegspilot Steve Trevor auf der Flucht vor den deutschen Truppen die Insel und bringt ungewollt den Krieg mit. Diana, die der festen Ansicht ist, dass der griechische Kriegsgott Ares hinter dem Krieg steckt, will unbedingt mit Steve mit, um den Krieg mit Ares Tod zu beenden. Dort entdeckt sie eine für sie ganz neue Welt, in der sie erst lernen muss sich zurecht zu finden.
Für die erste halbe Stunde, während der Film auf Themyscira spielte, konnte man wirklich denken, dass DC diesmal aus den Fehlern der vorherigen Filme gelernt hat und für eine halbe Stunde bekam man einen spannenden Film mit einer interessanten Hintergrundgeschichte zu den Charakteren geliefert. Doch dann tritt der Krieg in das Geschehen ein und alles ändert sich. Die bis dahin unglaublich stark und emanzipierte wirkende Diana wirkt in der neuen Welt auf einmal wie ein naives Blondblondchen und nervt ungemein mit ihrer nicht belehrbaren Art. Selbst eigentlich heroische Auftritte, wie das selbstsichere Überqueren eines Schlachtfeldes, verkommt in der Bedeutungslosigkeit, da es aus einer naiven Laune der Protagonistin heraus geschah. So befindet man sich in den grauenhaften Fängen des ersten Weltkrieges – pauschal sind auch hier wieder die Deutschen die Bösen, auch wenn im ersten Weltkrieg die Verhältnisse von gut und böse nicht so eindeutig zu definieren waren – und muss sich immer wieder gegen die Stirn schlagen, weil Wonder Woman sich einfach nicht aus ihren Ansichten lösen lässt. Das ganze gipfelt dann in den sinnlosesten Endkampf, den die Kinowelt seit langem sah und die eigentlichen Heldentaten im Endkampf gehen beinahe unter.
Das Wonder Woman aber trotzdem kein kompletter Reinfall ist, liegt eindeutig nicht an Gal Gadot, die immer wieder beweist, dass sie zwar den starken Kämpferblick drauf hat, aber darüber hinaus nicht wirklich schauspielern kann. Sondern eher an den kleinen Nebencharakteren, die dem Film einen liebevollen Touch geben. An einem Chris Pine, der Steve Trevor den eigentlichen Helden verkörpert. An einer wirklich guten Kameraführung, die sowohl das traumhafte Paradies von Themyscira als auch das unsagbare Grauen des Schlachtfeldes gekonnt einfangen konnte.
Mit einer Laufzeit von 140 Minuten schafft es Wonder Woman trotz allem irgendwo spannend zu bleiben und fesselt einen trotz vieler Schwachstellen und nerviger Momente bis zum Ende an den Kinosessel. Die Errettung der Frauenwelt in den Superheldenfilmen ist Wonder Woman definitv nicht, dafür wird sie zu oft sehr naiv dargestellt. Trotzdem ist Wonder Woman für DC erst einmal wieder ein Schritt in die richtige Richtung und lässt doch auf Justice League hoffen.

Alles in allem ist Wonder Woman nicht so gut, wie der Hype erwarten lässt und kämpft mit einigen Schwachstellen, kann stellenweise aber doch überzeugen. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

The Lego Batman Movie

Am 09.02.2017 erschien der Nachfolgefilm von The Lego Movie diesmal mit Batman in der Hauptrolle in den deutschen Kinos.

Batman, der Held von Gotham, rühmt sich damit ein Eigenbrödler zu sein und jeden Bösewicht im Alleingang platt zu machen. Dabei hat er immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Doch als Commissioner Gordon in den Ruhestand geht und seine Tochter sich weigert nur immer das Batsignal zu drücken, nimmt sein Leben eine drastische Wendung. Zugleich hat der Joker natürlich auch wieder einen unschlagbaren Plan.

Im Jahr 2014 erschien The Lego Movie und begeisterte mit guter Animation und einer schönen Geschichte über den Meisterbauer Emmett. Heimlicher Star des Films war jedoch Batman, der durch seine kühle und selbstverliebte Art die meisten Lacher für sich gewinnen konnte. Da lag es nah, dass Batman zeitnah auch seinen Solo-Lego-Film bekommt. Die ersten Trailer ließen uns groß hoffen.
Zunächst wird der Zuschauer gleich in die erste große Actionsequenz gestoßen. Der Joker und so ziemlich alle anderen Batman-Bösewichte, u. a. Poison Ivy, der Pinguin, der Riddler, Harley Quinn, etc, versammelt und versucht – mal wieder – Gotham einzunehmen. Diesmal scheint er wirklich an alles gedacht zu haben, denn er hat sogar das Batsignal blockiert, um Batman daran zu hindern, seinen Plan zu vereiteln. Doch dieser ist natürlich wie immer zur Stelle und rettet die Stadt. Während die Stadt seinen Sieg feiert und die Bösewichte wieder einmal ins Arkham Asylum einsperrt, zieht sich Batman auf sein Anwesen zurück und suhlt sich in seiner Einsamkeit. Doch während der Joker schon wieder einen neuen Plan schmiedet und Batman aus versehen ein Waisenjungen adoptiert, geht Commissioner Gordon in den Ruhestand. Er übergibt den Knopf für das Batsignal an seine Tochter, die jedoch gleich klarstellt, dass sie den Knopf für das Batsignal nicht drücken wird, sondern die Polizei darauf schulen will, dass sie sich selbst wehren können. Das gefällt Batman ganz und gar nicht und er trifft eine folgenschwere Entscheidung.
Während The Lego Movie gut funktionierte und Batman dort durch seine eingebildeten Sprüche aufgefallen ist und viele Lacher auf seiner Seite hatte, muss Batman nun die Handlung tragen, weiter für Witze sorgen und eigentlich auch mehr drauf haben, als nur ein paar Sprüche abzulassen. Leider war dies nicht der Fall. Dadurch war der Film leider überhaupt nicht mehr lustig, abgesehen von ein paar Szenen, die leider alle schon im Trailer zu sehen waren. Die Handlung selbst hatte ein paar gute Einfälle, so dass der Film zumindest ein bisschen auch spannend wurde, aber im großen und ganzen war der Handlungsverlauf sehr vorhersehbar. The Lego Batman Movie ist an sich vor allem eins: ein großer Fansupport. So wurden die wichtigsten DC Superhelden und DC Bösewichte mindestens einmal gezeigt, es gab Anspielungen auf die ganzen Batman-Filme und auch aus anderen großen Fandoms wurden zumindest die Bösewichte aufgegriffen. So freute man sich doch jedes Mal wieder, wenn man ein “bekanntes Gesicht” sah oder einen Charakter direkt erkannt hat.
Was The Lego Batman Movie aber vor allem kann, ist bildgewaltige Action mit Legofiguren zu erstellen. Denn das Bildmaterial, das geliefert wird, kann sich sehen lassen und rechtfertigt sogar den Besuch im Kino, um das Ganze auf der großen Leinwand auf sich wirken zu lassen. Die Spezialeffekte haben sich in den zwei Jahren seit The Lego Movie noch einmal stark verbessert.
Im Film werden die Themen Einsamkeit und Freundschaft bzw. Feindschaft angesprochen und sehr groß thematisiert. Leider stellen beide Parteien meist nur Behauptungen auf und liefern keine direkten Argumente, so dass der Erziehungswert für Kinder auch sehr gering sein dürfte.

Alles in allem konnte The Lego Batman Movie zwar durch seine Optik ein bisschen überzeugen, enttäuschte aber dadurch, dass er einfach nicht lustig war. Dafür gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.

Suicide Squad

Am 18.08.2016 erscheint das lang ersehnte Himmelfahrtskommando aus dem DC Multiversum in den deutschen Kinos. Diese Kritik ist spoilerfrei gehalten. Daraus resultierende vage Formulierungen waren anders nicht möglich.

Amanda Waller, eine amerikanische Geheimagentin, möchte ein Team aus Bösewichten zusammenstellen. Ihnen soll eine Strafreduzierung angeboten werden, wenn sie Aufträge annehmen bei denen es wahrscheinlich ist, dass sie sterben. Kaum ist diese Idee genehmigt und eine mögliche Auswahl getroffen, kommt es auch schon zu einem Zwischenfall. Der Suicide Squad wird zusammengerufen.

Während die Marvel Studios einen erfolgreichen Film nach dem anderen produzieren und auch immer wieder neue Helden vorstellen, allein dieses Jahr wurden Deadpool und Doctor Strange neu eingeführt, hat es DC etwas schwerer. Noch heute kann keiner den Green Lantern Film wirklich ernst nehmen. Daher hielt sich DC immer an ihre funktionierenden Helden Batman und Superman. Leider erzielte aber auch der Anfang des Jahres in den Kinos erschiende Batman vs. Superman – Dawn of Justice nicht das gewünschte Ergebnis. Umso begeisterter waren die Fans und auch viele andere, als der erste Trailer zu Suicide Squad erschien. Nachdem Marvel mit Deadpool bewies, dass ein Antiheld auf der Kinoleinwand auch überzeugen kann, schien nun auch DC Mut zu beweisen und die bekannten Bösewichte aus Batman, The Flash und Co. aufzufahren. Das Ganze basiert auf der Comicbuchserie Suicide Squad, in der die Taskforce X zunächst noch aus dem Soldaten Rick Flag und seinen Freunden bestand. Erst später wurde sie aus den bekannten Comicbösewichten zusammengestellt. Nach drei Trailern war die Vorfreude auf diesen Film kaum noch zu bremsen. Leider funktioniert der Film nicht so gut, wie die Trailer vermuten lassen.
Zu Anfang sehen wir Amanda Waller, die das Militär versucht zu überzeugen die Taskforce X zu gründen und sie auf Himmelfahrtskommandos zu schicken. Danach werden die einzelnen Kandidaten vorgestellt. Ihre „besondere Begabung“, ihre Schwachpunkte und ihre Hintergrundgeschichte. Schon hier merkt man, dass sich der Film am stärksten auf die Charaktere Deadshot und Harley Quinn konzentriert. Und dann geht es auch schon los mit der eigentlichen Handlung. Es kommt zu einem Vorfall, der die Menscheit bedroht. Also werden die Kandidaten der Taskforce X zusammen gerufen. Diese sind verständlicherweise wenig begeistert. Jeder von ihnen bekommt einen kleinen Sprengsatz in den Hals, mit denen sie sowohl von Amanda Waller als auch von Rick Flag, der das Kommando übernimmt, mit einem Knopfdruck eliminiert werden können. Die Taskforce X besteht aus Deadshot, Harley Quinn, Captain Boomerang, Slipknot, El Diablo und Killer Croc. Unterstützt werden sie vom Militär unter der Führung von Rick Flag und seinem „Bodyguard“ Katana.
Die Grundidee des Films ist grandios, die Figuren größtenteils gut besetzt und doch funktioniert der Film einfach nicht. Gerüchten zufolge soll der eigentliche Film den Produzenten von Warner Bros zu unlustig und zu düster gewesen sein. Das soll zu massiven Nachdrehs geführt haben. Inwiefern diese Nachdrehs mit den Schwächen des Films zu tun hat, bleibt ungewiss, aber doch könnte eine Verbindung bestehen. Die größte Schwäche des Films ist wahrscheinlich die Handlung an sich. Denn die actionsreichen Szenen der Trailer reichen leider nicht für den ganzen Film. Stattdessen laufen der Suicide Squad durch die halb zerstörte Stadt und treffen ab und an mal auf Gegner. Wenn dies geschieht, gibt es kurze starke und vorallem sehr schön choreographierte Kämpfe. Der herbeigesehnte Endkampf gegen zwei Übergegner, fällt dann aber sehr kurz und auch sehr unspektakulär aus. Hier scheint die Lösung, wie schon bei Dawn of Justice, viel zu einfach und ein wirklicher Überraschungseffekt tritt nur an einer einzigen Stelle auf. Zusätzlich gibt es einen komplett überflüssigen Handlungstrang, der nur dazu dient eine Figur an einen anderen Ort zu bringen. Dafür wird aber mindestens eine halbe Stunde Screentime benutzt. Hier hätte es definitiv eine einfachere Lösung geben können. Die Hauptkritik an der Handlung aber dürfte sein, dass die Taskforce X eigentlich erst bei der großen Endschlacht benötigt wurde. Bei den vorherigen Kämpfen waren sie zwar hilfreich, aber nicht notwenig, da das Militär permanent mit dabei war. Hier bleiben die Figuren eindeutig hinter ihren Möglichkeiten zurück.
Der nächste größte Kritikpunkt dürfte der fehlende Humor sein. Denn außer den coolen Sprüchen, die bereits im Trailer zu sehen waren, hat der Film keine großartig lustigen Einlagen zu bieten. Das wäre okay, wenn eine düstere und ernste Stimmung gewollt gewesen wäre. Aber gerade Harley Quinns loses Mundwerk bot die Möglichkeit zu mehr. Während sie in der ersten Hälfte des Films noch einige Sprüche zu bieten hatte, nimmt das in der zweiten Hälfte rapide ab. Hier setzt dann auch der größte Kritikpunkt ein: Der Film ist seinen Figuren nicht treu. Während in der ersten Hälfte eindrucksvoll gezeigt wurde, zu was die Figuren fähig sind und mehrfach betont wurde, dass sie halt die Bösen sind und daher auch Böses tun, verliert sich dies in der zweiten Hälfte. Nachdem den Zuschauern klar werden dürfte, dass einige coole Szenen aus der ersten Hälfte ziemlich überflüssig sein dürften, und man einen Großteils des Interesses am Film verliert, verliert auch der Film sein Interesse an den Figuren und an der Charakterzeichnung. Denn statt die Bösen zu sein, werden sie zunehmend zu einem sentimentalen Jammerhaufen und bedauern, dass sie als die Bösen abgestempelt werden. Das passt weder zu einem knallharten Auftragskiller, wie Deadshot, noch zu der verrückten Harley Quinn.
Ebenfalls eine große Schwäche des Films ist/sind der/die Endgegner. Von der Grundidee vielleicht passend, sind sie dann doch klitscheehafte Überwesen und dafür viel zu leicht zu besiegen. Sie werden nicht anstänstig vorgestellt und so versteht man nicht warum sie überhaupt die Welt zerstören wollen. Den Zuschauern einfach nur einen Bösewicht hinzustellen und zu sagen: Da, ist noch böser als die anderen, ist dann doch nicht zufriedenstellend.
Als letzten Kritikpunkt ist noch die ungleiche Gewichtung der Charaktere zu nennen. Der Hauptaugenmerk liegt eindeutig auf Deadshot und Harley Quinn. Die anderen bekommen schon weniger Screentime, weniger Tiefe und scheinen teilweise nur Anhängsel zu sein. Gerade Captain Boomerang hat zwar erstaunlich viel Screentime bekommen, es würde aber auch keinen Unterschied machen, wenn er nicht dabei wäre. Dies ist schade, weil er zu den bekannteren Bösewichten des DC Multiversums gehört und man hier mehr aus dem Charakter hätte machen können. Auch gibt es eine Szene, in der er sich von den anderen entfernt. Nur um in der nächsten Szene wieder dazuzustoßen, ohne eine Erklärung für sein Verschwinden und seine Rückkehr abzugeben. Wirklich interessiert es auch niemanden, weil er eben so wenig Beachtung findet.

Suicide Squad hat aber auch ein paar positive Punkte. Zum einen ist die Grundauswahl der verschiedenen Charaktere sehr interessant. Auch die Besetzung der Charaktere ist größtenteils gelungen. Das Setting ist liebevoll gestaltet und kann mit einer grundsätzlich düsteren Stimmung überzeugen. Die Actionszenen sind sehr gut choreographiert und spannend gestaltet.
Der größte Pluspunkt ist aber der geniale Soundtrack. Während viele Kritiken spotten, dass einfach nur viele bekannte Bands und Lieder genommen wurden, so sind diese doch für die jeweiligen Szenen teilweise so herrlich ironisch, dass sie das Sehen des Films teilweise doch zu einem Vergnügen machen.

Will Smith übernimmt die Rolle des Deadshot. Nachdem Smith in „Independence Day 2“ schmerzlich vermisst wurde, zeigt er nun wieder sein Können. Er liefert hierbei eine gute, aber keine außergewöhnliche Performance ab. Deadshot nimmt schnell die Rolle des Anführers unter den Bösewichten ein. Leider passt der knallharte Killer, den man zunächst vorgestellt bekommt, nicht zu den einfühlsamen Mann, zu dem er sich im Laufe des Films entwickelt.
Margot Robbie übernimmt die Rolle der Harley Quinn. Mit ihrer Performance spielte sie sich schon im Trailer in die Herzen der Zuschauer und konnte auch im ganzen Film größtenteils überzeugen. Leider verliert sie gegen Ende ein bisschen von ihrer wahnsinnigen Art, was aber mit der grundsätzlichen „Verwahrlosung“ der Charaktere ab der zweiten Hälfte zu tun hat. Ihre Hintergrundgeschichte und Parallelhandlung mit dem Joker gibt dem Film wenigstens ein bisschen Charme. Über ihr sehr knappes Höschen kann man sich streiten. Fakt ist, dass Harley Quinn nach ihrem Grundoutfit in den Comics immer sehr sexy dargestellt wurde. Nötig wäre das knappe Höschen nicht gewesen, es ist während des Films aber auch nicht störend, da Robbies verrückte Mimik gekonnt davon ablenkt.
Joel Kinnaman übernimmt die Rolle des Rick Flag. Ursprünglich sollte die Rolle mit Tom Hardy besetzt werden, der aus zeitlichen Gründen leider nicht annehmen konnte. Auch die zweite Wahl Jake Gyllenhaal konnte nicht zusagen. Als dritte Wahl wurde nun Kinnaman mit der Rolle vertraut. Als draufgängerischen Flag zeigt er ein bisschen wenig Härte, im großen und ganzen ist die Rolle aber doch gut besetzt und Kinnaman liefert eine solide Leistung ab. DieLiebesgeschichte Flags ist dann aber doch sehr kitschig und unpassend gehalten.
Jai Courntey übernimmt die Rolle des Captain Boomerang. Die Screentime, die seine Rolle bekommt nutzt Courntey gekonnt aus. Der namensgebende Bummerang wurde zwar in ein paar Szenen verwendet, aber doch vergleichsweise wenig genutzt. Grundsätzlich hat Captain Boomerang zu wenig Charaktertiefe bekommen – für einen Dieb mit Bummerängen und einer Vorliebe für pinke Einhörner – hier wäre mehr möglich gewesen, als lediglich zwei Gags.
Adewale Akinnuoye-Agbaje übernimmt die Rolle des Killer Croc. Die Rolle spielt er gut, aber auch hier fehlt es wieder an Charaktertiefe und an genaueren Erklärungen. Er hält sich während des Films meist im Hintergrund auf und bleibt bis zum Ende sehr unscheinbar.
Jay Hernandez übernimmt die Rolle des El Diablo. Auch er legt eine gute Leistung ab. El Diablo bleibt lange Zeit beinahe Unsichtbar im Film, erst gegen Ende wird erklärt, warum er im Film überhaupt auftaucht. Er ist der einzige Bösewicht, der nicht böse sein möchte.
Viola Davis übernimmt die Rolle der Amanda Waller. Davis liefert ihre gewohnt gute Leistung ab, gibt der Rolle aber auch kein i-Tüpfelchen. Waller selbst wird sehr lange als zu gut dargestellt. Sie hat die Idee mit der Taskforce X, aber als die eigentliche „Antiheldin“, die sie in den Comics darstellt, wird sie immer nur szenenweise dargestellt.
Cara Delevigne übernimmt die Rolle der Enchantress. Delevigne ist wohl die größe Enttäuschung des Films. Schon von der ersten Szene an merkt man, dass sie eigentlich Model und keine Schauspielerin ist. Denn mit starren Gesicht, dass einen fixen Punkt bei der Kamera anfixiert, könnte sie zwar ihr Kostüm als Modelinie verkaufen, doch ohne jegliche Regung eine komplexe Rolle, wie die der Enchantress zu spielen, schafft sie nicht einmal im Ansatz. Hier ist die Frage, wieso der Film, der mit grundsätzlich starken Figuren besetzt wurde, hier so einen Patzer casten konnte. Da ihre Rolle doch eine größere Rolle im Film einnimmt, ist ihre Leistung eines der größen Schwächen des Films.
Jared Leto übernimmt die Rolle des Jokers. Nach dem Tod des beliebten Joker Darstellers Heath Ledgers, tritt Leto ein schweres Erbe an. Seine Darstellung ist auch wunderbar verrückt und sein schon aus dem Trailer bekannte Lachen geht tief unter die Haut. Leider ist seine Rolle aber sehr eindimensional geschrieben. Es wird nur die verrückte Seite gezeigt, nicht die düster brilliante. Dafür, dass er nur eine Nebenfigur ist, reicht die Charaktertiefe vielleicht aus, aber die Fans überzeugen, kann er nicht. Trotzdem möchte man hier gerne mehr sehen.
Karen Fukuhara übernimmt die Rolle der Katana. Für die wenige Screentime, die ihr zusteht, legte sie eine gute Leistung ab. Katana stößt erst relativ spät zum Team dazu und wird als Flags „Bodyguard“ vorgestellt. Wieso sie genau dabei ist, wird während des ganzen Films nicht klar, da sie nicht zum eigentlichen Suicide Squad gehört. Ihre Screentime hätte man für mehr Charaktertiefe der anderen nutzen können.

Alles in allem kränkelt Suicide Squad an zu vielen stellen, um ihn als guten Film zu betiteln und reiht sich leider in die Schlange der DC Enttäuschungen ein. Aus der ersten Hälfte lässt sich irgendwo ein guter Film erahnen, der aber leider nicht auf der Kinoleinwand zu sehen ist. Für die coolen Charaktere und den genielane Soundtrack gibt es dann doch noch 05 von 10 möglichen Punkten.