Casino Royale – Kritik zu Buch und Film

Ein Vorwort

Nachdem mit No time to die Daniel Craigs Zeit als Doppelnullagent beendet wurde, hatte ich Lust mir nochmal seine Anfänge anzusehen. Casino Royale hatte ich zwar mal gesehen, konnte mich aber nur noch ganz blass dran erinnern. Da ich vor einiger Zeit begonnen habe, die James Bond Bücher nach und nach zu lesen und Casino Royale das erste ist, wurde es mal wieder Zeit für einen Beitrag aus dem Bereich „Buch und Film“. 

Die Handlung

James Bond reist nach Royale-les-Eaux (im Film Montenegro) um Le Chiffre im Baccara (im Film Poker) zu schlagen, da dieser viel Geld verloren hat und das versucht wieder zu bekommen. Unterstützt wird er vor Ort von Vesper Lynd und Rene Mathis. Auch der CIA-Agent Felix Leiter klinkt sich ein und unterstützt Bond finanziell.

Das Buch

1953 erschien James Bonds erstes Abenteuer aus der Feder von Ian Fleming. Im Vergleich zu den folgenden Werken ist Casino Royale ein sehr ruhig erzählter Agententhriller. Im ersten Drittel erzählt Fleming hauptsächlich Bonds Ankunft in Royale-les-Eaux, wie er seinen Alltag bei so einer Mission bestreitet, mit Sicherheitsbestimmungen, er trifft die Kontaktpersonen Leiter, Mathis und Lynd. Danach geht es hauptsächlich um das Baccara-Spiel – wobei ich trotz der Erklärungen nicht verstanden habe, wie das funktioniert – und erst danach kommt es zu einer kurzen Verfolgungsjagd, wo das Buch das erste Mal spannend wird.
Bond ist hier weniger der Frauenaufreißer und knallharte Agent, wie es vor allem die Filme vermitteln, sondern eher ruhiger und in sich gekehrt. Er hinterfragte die Einteilung in Gut und Böse und kritisiert sein eigenes Verhalten im Job, auch wenn es im durchaus Spaß macht.
Mit 240 Seiten gehört Casino Royale zu den kürzeren Büchern der Reihe. Als Einstieg eignet es sich insofern, dass der Charakter James Bond aufgebaut und gefestigt wird. Spannung kommt leider kaum auf, weswegen es ein wenig mühselig zu lesen war.

Der Film

Casino Royale beginnt von der Handlung wesentlich früher als das Buch. So lernt man zunächst Le Chiffre kennen, dann ist Bond bereits auf seiner Spur, handelt sich ordentlich Ärger mit M ein und stoppt Le Chriffres Plan. Erst dann geht es nach Montenegro zum Poker. Da ist aber auch schon über eine Stunde Film vergangen. Im Folgenden tauchen einige Elemente aus dem Buch auf. Felix Leiter tritt auf, Mathis und Lynd, wenn auch in teilweise abgewandelter Form. Statt des Baccara-Spiels wird Poker gespielt. Auch hier wird sich nur grob am Buch orientiert, was dem Film aber gut tut, weil sich so Poker und spannende Szenen abwechseln. Auch das Ende ist in abgewandelter Form, dennoch im großen und ganzen dem des Buches entsprechend. Vesper Lynd ist auch hier die Frau, die Bonds Herz erwärmen kann. Allerdings werden seine Beweggründe und ihre Liebesgeschichte hier weniger deutlich, weswegen der Schritt seiner Kündigung sehr übertrieben wirkt. Vor allem weil Lynd ihn auch in den folgenden Filmen noch prägt. Grundsätzlich ist Casino Royale eine modernere und ausführlicherere Version des Films. Dadurch gehen ein paar kritische Stimmen verloren, die das Buch ansprach, die das Gesamtbild des Films jedoch nicht stört.

Das Fazit

Sowohl Buch als auch Film sind gute Einstiege. Bei ersterem in die Gesamtheit von James Bond, beim zweiteren in die Ära Craig. Beide haben ihre Schwächen, auch wenn der Film die des Buches gut zu drehen weiß.

James Bond 007 – Keine Zeit zum sterben

Ein Vorwort

Ein weiterer Film, an dessen Kinostart man schon nicht mehr glaubte, hat es endlich auf die große Leinwand geschafft. Daniel Craigs letzter Auftritt als Doppelnullagent mit der Lizenz zum töten. Seine bisherigen Filme wurden gemischt aufgenommen, ich mochte gerade Skyfall, für mich einer der stärksten (bisher gesehenen) Bond-Filme. Ob sich das lange Worten gelohnt hat, erfahrt ihr in meinem heutigen Beitrag.

Was bisher geschah

Hier werde ich kurz die zuvor erschienenen Filme zusammenfassen. Dadurch sind Spoiler leider nicht zu vermeiden. Du weißt bereits, was geschah? Dann überspring dieses Absatz einfach.

Die ersten James Bond Filme mit Daniel Craig sind grundsätzlich nicht verkehrt gesehen zu haben: Casino Royal, Ein Quantum Trost und Skyfall. Zusammenfassen werde ich aber nur Spectre, da hier wichtige Figuren eingeführt werden, die direkt in No time to die auftauchen.
Nach einem eigenständigen Auftrag in Mexiko-Stadt, den er von der in Skyfall verstorbenen M erhielt, wird James Bond vom neuen M suspendiert. Denn dieser hat gerade mit dem Chef des Joint Intelligence Service C zu kämpfen, der verschiedene Auslandsgeheimdienste zusammenführen will. Trotz der Anordnung in London zu bleiben, reist Bond nach Rom, um sich mit der Witwe seines Opfers aus Mexiko-Stadt zu treffen. Von ihr erfährt er von einer geheimen Organisation, die sich in Rom trifft. Durch das Vorzeigen eines erbeuteten Ring, bekommt Bond Zugang und trifft dort auf einen tot geglaubten Bekannten aus seiner Jugend: Franz Oberhauser.
Mit Hilfe von Moneypenny findet Bond in Österreich Mr. White (bekannt aus Ein Quantum Trost), der ihn bittet auf seine Tochter Madeleine aufzupassen. In deren Klinik kommt Bond gerade noch rechtzeitig und nimmt sie mit nach Marokko, wo er durch den Nachlass von Mr. White von Oberhausers aktuellem Aufenthaltsort erfährt. Dort kommt es zum ersten Showdown als Oberhauser sich als Ernst Stavro Blofeld vorstellt, der Kopf von Spectre, einer Organisation, zu der auch die bisherigen James Bond Bösewichte (der Daniel Craig Ära) gehörten. Ihr gehört auch C an, der für Blofeld die Weichen zur absoluten Überwachung gestellt hat. Bond und Madeleine schaffen es zu fliehen und das Gebäude in die Luft zu jagen. Zurück in London treffen sie sich mit M, Moneypenny und Q, um C aufzuhalten. Sie werden jedoch getrennt. Während M an C dran bleibt, muss Bond im alten MI6 Gebäude (wurde in Skyfall zerstört), Madeleine suchen und vor der Explosion retten, denn Blofeld hat überlebt und sinnt auf Rache. Letztlich kann Bond sie retten, Blofeld stellen und M schaltet C aus.

Die Handlung

Fünf Jahre nach Spectre wird die Biowaffe „Herakles“ aus einem Labor in London gestohlen. Da der MI6 und M ihre Finger mit im Spiel haben, wird eine Agentin (Lashana Lynch) auf den flüchtigen Forscher Obruchev (David Dencik) angesetzt. Gleichzeitig bittet Felix Leiter (Jeffrey Wright) von der CIA James Bond (Daniel Craig) ebenfalls um Hilfe bezüglich Herakles. Obwohl eigentlich im Ruhestand, muss Bond von Kuba zurück nach London und sich einigen Personen aus der Vergangenheit stellen.

Meine Meinung

Daniel Craigs Bond war anders. Schon seit Casino Royal hob er sich deutlich von den bisherigen Bonds ab. Er war älter, härter und brach mit vielen vorher unumstößlichen Regeln. Mit Skyfall wurde er auch nochmal deutlich persönlicher. Nach einem schwachen Spectre war ich zunächst kritisch, da Akteure wie Lea Seydoux und Christoph Waltz erneut groß präsent im Trailer waren. War doch gerade Waltz in Spectre ein sehr schwacher Bösewicht – zumal er den ganzen Film über riesig aufgebläht wurde, um dann schnell zu fallen.
Doch No time to die schafft es die Balance zu halten, zwischen Aufarbeitung aus Spectre und Übergang zu Neuem. Craigs Bond ist hier verletzlicher denn je, aber auch nahbarer, menschlicher und doch noch immer der knallharte Doppelnullagent. Gleichzeitig ist die Handlung aufgelockert durch kleine Schmunzler. Hier merkt man, dass neben Regisseur Cary Joji Fukunaga und dem Autoren-Duo Purvis & Wade, die schon an einigen Bond-Filmen beteiligt waren, auch Phoebe Waller-Bridge – die Schöpferin der Dramedyserie Fleabag – maßgeblich am Drehbuch beteiligt war.
Handlungstechnisch schließt No time to die beinahe nahtlos an Spectre an. Viele der Szenen aus dem Trailer – bei dem man dachte, dass man das beste vom Film schon gesehen hätte – tauchen genau an diesem Anfang auf. Dann ein Zeitsprung von fünf Jahren. Was ist passiert? Wo kommt der her? Doch die Erklärungen folgen zeitnah. Und sie sind logisch. Bond ist aus bestimmten Gründen aus seinem Leben als Doppelnullagent ausgetreten. Aber auch seine Wiederkehr ist logisch und sorgt gerade im Aufeinandertreffen mit Nomi für viel Schmunzelmaterial.
Die Handlung bietet genau die Elemente, die in den bisherigen Bonds gut funktioniert haben. Die verschiedenen Orte auf der Welt, die als Kulisse dienen, bieten optische Abwechslung und Bond darf auch einmal mehr vom typischen Anzug abweichen.
Rami Malek als Bond-Bösewicht dürfte spalten zwischen sehr gelungen und eher blass, spielt er doch sehr ruhig und eher zurückhaltend. Doch gerade darin liegt der Reiz. Denn statt großer Worten überzeugt er durch kleine Taten.
Mit einer Lauflänge von 165 Minuten könnte man meinen, dass No time to die zu überladen ist und seine Längen besitzt. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Denn der Film versteht es die Spannung auch in ruhigen Szenen zu halten. Das große Finale ist dann noch einmal das Topping eines durchgehend spannendes Films, auch wenn ich einige Entwicklungen zwischendurch für unnötig halte. Daniel Craig bekommt auf jeden Fall ein für seinen Bond würdiges Ende. Die Suche nach einem*r Nachfolger*in dürfte nochmal spannend werden.

Das Fazit

No time to die vereint die gelungenen Elemente aus den bisherigen Craig-Bonds zu einem fulminanten Finale. Kleinere Stolpersteine in der Handlung und eine große Emotionalität dürften die Fans spalten, aber gerade das lockerere Drehbuch belohnt in vielen Kleinigkeiten. Dafür gibt es 08 von 10 Punkten.

James Bond 007 – No time to die läuft seit dem 30.09.2021 in den deutschen Kinos

Spectre

Am 05.11.2015 erschien ein neuer Film der James Bond-Reihe in den deutschen Kinos.

Kurz zur Story: Die Agenten der 00-Reihe sollen aussortiert werden, nachdem Mi5 und Mi6 zusammengelegt werden sollen. M versucht alles, um das zu verhindern. Doch James Bond spielt dagegen, in dem er in Mexiko City einen Alleingang wagt. Dabei stößt er auf die Organisation Spectre, die er nun verfolgen will. Um der Bürokratie aus dem Weg zu gehen, bittet er Q ihn verschwinden zu lassen und macht sich selbst auf die Suche nach Spectre.

Nach dem Erfolg von Skyfall waren die Erwartungen an Spectre sehr hoch. Skyfall schaffte es mit den bestehenden Klitschees spielerisch umzugehen („Was haben Sie erwartet? Explodierende Kugelschreiber? So etwas machen wir eigentlich nicht mehr“) und eine neue Zeit einzuläuten. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen an Spectre.
Wie gewohnt wirft uns auch Spectre sofort mitten in eine Szenerie, in der Bond sich schnell mitten in nervenaufreibender Action wiederfindet. Vor der schönen Kulisse des „Tag der Toten“ in Mexiko-City, verfolgt er ein paar Männer, hört Informationen ab und sprengt schließlich den ganzen Blog in die Luft, um die Männer umzubringen. Das ganze endet in einem Kampf in einem Hubschrauber direkt über dem zentralen Ort des „Tag der Toten“. Überblende ins Intro, dass diesmal weder mit der Musik noch mit den Bildern überzeugen kann. Das Lied ist aussagelos und die Bilder setzen zu sehr auf halb nackte Frauen. Lediglich das wiederkehrende Bild eines Octopus lässt auf einen direkten Bezug zum Film schließen. Zurück in London muss sich Bond der Bürokratie stellen, denn M ist von Bonds Alleingang alles andere als begeistert. Der geplante Zusammenschluss des Mi5 und Mi6 mit der möglichen Auflösung der 00-Reihe zerrt an Ms Nerven und durch das von Bond verursachte Chaos fällt es ihm immer schwerer gegen die Argumentation seines Gegeners C anzukommen. Doch Bond hat eine eigene Mission. Eingeweiht werden Moneypenny und Q, die helfen sollen Bond verschwinden zu lassen. Dieser folgt den Spuren von Spectre, die ihn zu Ernst Stavro Blofeld führen, dem Kopf von Spectre. Ein Bösewicht, der schon immer dagewesen ist, und laut eigener Aussage, für all das Leid, dass Bond jemals wiederfahren ist, Schuld sein soll.
Spectre schürte Erwartungen in diesem Film einen Übergegner zu kreieren, jemand der sich wie ein roter Faden durch die Filme zieht. Nach kurzer Recherche findet der interessierte Zuschauer heraus, dass dies auch stimmt. Blofeld tauchte schon in den Filmen Liebesgrüße aus Moskau, Feuerball, Man lebt nur zweimal, Im Geheimdienst Ihrer Majestät, Diamantenfieber, In tödlicher Mission und Sag niemals nie auf. Leider verpasst Spectre auf diese Filme Bezug zu nehmen und scheint einen neuen Superbösen vorstellen zu wollen. Erwähnt werden die Filme Casino Royale und Skyfall, und auch die werden nur kurz angeschnitten. Der Zuschauer bekommt keine näheren Erklärungen, sondern soll die Tatsache einfach kommentarlos akzeptieren. Denn dafür hat Spectre keine Zeit. Der Film möchte nämlich nur eins: Eine bildgewaltige Actionszene nach der anderen sinnfrei aneinanderreihen und möglichst viel in möglichst kurzer Zeit zerstören. Das die eigentliche Handlung darunter leidet, scheint egal. Zwischendurch muss noch schnell die Frauenquote erfüllt werden, also wird eine Monica Belucci auf die Leinwand gezerrt mit max. 10 Minuten Leinwandzeit, aber Hauptsache Bond hat schnell jemanden zum verführen – wobei hier nicht einmal mehr von Verführung gesprochen werden kann. Beluccis Rolle ist wahllos austauschbar und erfüllt nur den Zweck Bond in eine Richtung zu schicken. Das hätte auch ein Zettel mit einem Hinweis drauf geschafft. Lediglich der Dialog zwischen Bond und Mr. White scheint tiefgründiger zu sein und verrät ein paar Details über Spectre.
Daniel Craig übernimmt die Rolle des James Bond. Gewohnt souverän, aber auch wortkarg stürzt er sich in eine Verfolgungsjagd nach der nächsten. Frauen muss er nicht einmal mehr verführen, ein ausdrucksloser Gesichtsausdruck scheint zu reichen. Für mehr ist auch keine Zeit, denn das Drehbuch drängt, es muss wieder mehr Action passieren. Die gewohnte coole, elegante Art von Bond kann nicht durchkommen.
Lea Seydoux übernimmt die Rolle des Bondgirls Madeleine Swann. Bekannt wird sie wohl eher als nervigste und unentschlossenste Bondgirl. Sie ändert ihre Meinung teilweise minütlich und scheint eher ein Klotz am Bein als eine wirkliche Hilfe für Bond. Von „fass mich nicht an“ zu „schlaf mit mir“ zu „aber ich liebe dich“ in einem Handgefecht und einer Entführung ist aber auch ein Rekord. Eine wirkliche Charakterentwicklung ist nicht erkennbar.
Christoph Waltz übernimmt die Rolle des übermächtigen Gegeners Blofeld. Aber mit gefühlten 10-15 Minuten Leinwandzeit von 150 Minuten schafft auch ein Christoph Waltz nicht irgendetwas im Film zu reißen. Das Markenzeichen Blofelds ist aus den alten Bonds Glatze und Katze. Während die Glatze komplett fehlt, wird zumindest die Katze zweimal kurz eingeblendet. Zwar völlig aus dem Zusammenhang gerissen, aber sie ist zu sehen. Wie oben erwähnt, wird die Rolle nichts genutzt, sondern viel zu schnell abgehandelt und auch letztendlich viel zu schnell besiegt.
Ben Whishaw übernimmt die Rolle des Q. Und damit die einzige Rolle, die etwas dynamik in den einschläfernden Film bringt. Seine sehr steife, britische Art steht im direkten Gegensatz zu Bond und somit führen die Dialoge zur einzigen Erheiterung im Film. Die einzige Rolle, die sich ebenfalls weiterentwickelt ist Ralph Fiennes als M. In Skyfall wusste man noch nicht genau, was man von ihm halten sollte, und auch in Spectre scheint das positive Bild wieder zu kippen, da M kaum hinter dem Schreibtisch hervorkommt. Erst im letzten Drittel schafft er es auszubrechen und dort findet man das sympathische an dem neuen M wieder.

Alles in allem sollte man Spectre nicht zu zu später Stunde sehen, denn es droht trotz viel Action Einschlafgefahr. Für die schwache Leistung gibt es 04 von 10 möglichen Punkten.