Verpasst im Oktober 2016

Hallo ihr Lieben,
und schon ist wieder ein Monat vorbei und inzwischen wird es immer wieder früh dunkel. Also kann man sich auch gleich im dunklen Kinosaal verkriechen. Trotzdem habe ich nicht jeden Film sehen können, den ich mir vorgenommen habe. Hier wie immer die Übersicht der Filme, die ich verpasst habe.

1) Swiss Army Man: Allein auf einer einsamen Insel kurz davor sich umzubringen, bis auf einmal eine Leiche angespült wird. Ein Film, den ich bewusst im Kino verpasst habe, aber im Heimkino gerne nachholen werde.

2) The Accountant: Der Trailer sah interessant und spannend aus und daher werde ich den Film wohl irgendwann nachholen.

3) 31: Ich mag die Musik von Rob Zombie und bisher hat er ganz interessante Filme hervorgebracht. Also landet auch das neuste Werk wieder auf meiner Liste.

Und hier wieder die Filme, die es zwar nicht auf meine Liste geschafft haben, aber die ich hier trotzdem kurz erwähnen möchte:

Unsere Zeit ist jetzt, Welcome to Norway, Girl on the train

Cinemathek: The Lady in the Van

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: The Lady in the Van. Der Film lief ursprünglich ab dem 14.04.2016 in den deutschen Kinos.

Die wahre Geschichte von Alan Bennett, einem Theaterautor, der einer für ihn unbekannten Miss Shepherd einen Stellplatz für ihren Van vor seiner Haustür gab. Eigentlich sollte dies nur eine vorübergehende Lösung sein, denn Miss Shepherd lebt in diesem Van, doch sie blieb 15 Jahre.

15 Jahre sind eine sehr lange Zeit. Würde man so lange einer alten Dame einen Stellplatz für ihren Van geben, in dem sie gleichzeitig lebt, während sie selbst sehr unfreundlich auftritt und nichts von sich preisgibt? Alan Bennett hat dies getan und seine Erfahrungen in einem Theaterstück niedergeschrieben, das nun verfilmt wurde. Alles beginnt damit, dass Mr Bennett sich ein neues Haus suchte, nachdem er einige erfolgreiche Theaterstücke geschrieben und aufgeführt hatte. Kurz nach seinem Einzug taucht eine merkwürdige ältere Lady, die in einem Van wohnt, in der gleichen Straße auf und parkt ihren Wagen auf der Straße. Die Anwohner kennen die Lady bereits von Erzählungen aus der Nachbarschaft und alle hoffen, dass sie bald weiter zieht und nicht ihre Straße „beschmutzt“. Nachdem sie eine Zeit lang für allerhand Klatsch und Tratsch sorgte, lernt sie Mr Bennett etwas genauer kennen. Beide kommen öfter in ins Gespräch und schließlich bietet Mr Bennett ihr sogar an den Van von der Straße und in seine Einfahrt zu stellen. Über die Jahre entwickeln sie ein etwas eigenartiges Verhältnis zueinander.
The Lady in the Van ist ein Film über eine etwas eigenartige Freundschaft, wenn man es denn so nennen kann. Denn über Miss Shepherd erfährt man so gut wie gar nichts den ganzen Film über. Dies lässt sich zwar darauf zurückzuführen, dass der Film auf realen Ereignissen basiert und auch der reale Mr Bennett nur wenig über die reale Miss Shepherd herausfinden konnte. Trotzdem ist es für den Zuschauer des Film ein wenig unbefriedigend kaum Informationen zu bekommen. Der Mangel an Informationen wird versucht durch nichtssagende Dialoge zu überbrücken, die trotzdem sehr gut funktionieren.
Maggie Smith ist für die Rolle wohl die ideale Besetzung. Sie spielt die exzentrische Miss Shepherd mit einer glaubhaften Überzeugung und kann alle Emotionen gut verkörpern. Auch Alex Jennings spielt die Doppelrolle des Alan Bennett sehr überzeugend. Alan Bennett wird als zwei Figuren dargestellt. Einmal als „der Lebende“ also der reale Mr Bennett, der mit den Leuten spricht, aus dem Haus geht und im Theater auftritt. Und einmal als „der Autor“, ein erdachtes zweites Ich, das die Geschnisse aufschreibt und als Dialogpartner für Mr Bennett dient. Auch wird „der Autor“ als Off-Stimme genutzt, die die Geschichte erzählt.
Die Handlung wird sehr ruhig erzählt, Spannung selbst kommt nicht direkt auf. Trotzdem ist es eine Geschichte, die irgendwo den Zuschauer berührt und auch unterhalten kann. Auch kommen während des Films keine Längen auf.

Alles in allem ist The Lady in the Van eine interessante und unterhaltsame Geschichte, der aber irgendwo das Gewisse Etwas fehlt. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Rückblick 3. Quartal 2016: Die Highlights und Enttäuschungen

Hallo ihr Lieben,
ich bin fast einen ganzen Monat zu spät dran mit meinem Rückblick für das 3. Quartal. Das liegt vor allem daran, dass ich viele Filme erst Ende September gesehen habe und bisher immer noch damit beschäftigt war, die fehlenden Kritiken zu schreiben. Im dritten Quartal habe ich 21 Filme gesehen (7 im Juli, 5 im August, 9 im September).

Die Enttäuschungen:

Platz 5: Independence Day

20 Jahre hat es gedauert, um eine Fortsetzung des beliebten Filmes aus den 90er Jahren zu drehen. Doch auch wenn es heißt „Was lange währt, wird endlich gut“, konnte Independence Day – die Wiederkehr nicht überzeugen. Zu wenig wurde sich auf eine vernünftige Handlung besonnen und zu sehr auf gutes Bildmaterial. Das ist jedoch gelungen.

Platz 4: Verräter wie wir

Eine John le Carré Verfilmung, die vor allem daran krankt, dass sie als Thriller nicht spannend ist. Die Handlung plätschert nur so vor sich hin und das kann auch der hervorragende Cast nicht mehr retten. Zudem funktioniert Stellan Skarsgard in seiner Rolle als russischer Bösewicht nicht.

Platz 3: Pets

Was habe ich mich auf diesen Film gefreut. Die ersten Teaser ließen eine gute Komödie vermuten. Doch dann die Enttäuschung. Denn Pets schafft es einfach keine Handlung zu erzeugen, verliert dabei viel Witz und hat auch keine eindeutige Botschaft über Freundschaft, wie man sie vom großen Konkurrenten Disney kennt.

Platz 2: Collide

Ein Hollywoodstreifen, der komplett in Deutschland spielt. Rasante Verfolgungsjagden auf der deutschen Autobahn. Und trotzdem kaum Handlung und auch die Verfolgungsjagden sind für einen Thriller nicht spannend genug und irgendwann auch einfach zu unglaubwürdig. Auch hier kann der gute Cast nichts mehr retten.

Platz 1: Captain Fantastic

Kein Superheldenfilm, sondern über eine Familie, die sich komplett vom digitalen, aber auch vom sozialen Leben abgekabelt hat und im Wald lebt. Irgendwo sind versteckte Kritiken an der heutigen Gesellschaft zu finden, aber irgendwo auch nicht ausgereift. Der Film versucht daher als Feel-Good-Movie daher zu kommen, schafft es aber auch nicht diesen Ton wirklich zu treffen und dümpelt so ohne klare Linie vor sich hin.

Die Highlights:

Platz 5: Bad Moms

Endlich ein Film über die Mütter, in denen ihre Sorgen, Ängste und auch ihr Alltag ernst genommen wird. Trotzdem schafft der Film es eine Komödie daraus zu bauen, der erstaunlich niveauvolle Witze loslässt.

Platz 4: Big friendly Giant

Steven Spielberg wagte sich nach E.T. wieder an einen Kinderfilm. Als Vorlage diente der Roman von Roald Dahl, der gespickt ist mit liebevollen Figuren. Auch schafft der Film es auf eine kindgerechte Art die Themen Einsamkeit und Ausgrenzung anzusprechen, den Grundton des Films aber doch positiv zu halten.

Platz 3: Snowden

Die Geschichte von Edward Snowden ging um die Welt, der Whisteblower, der uns allen vor der kompletten Überwachung durch die USA warnte. Diese Verfilmung der wahren Ereignisse bilden, im Gegensatz zum Dokumentarfilm Citizenfour, auch die privaten Ereignisse mit ein und schaffen es so einen neuen Blickwinkel zu geben. Joseph Gordon-Levitt schafft es dabei Snowden so gut darzustellen, dass man denken könnte, Snowden selbst spiele mit.

Platz 2: Frühstück bei Monsieur Henri

Die etwas planlos durchs Leben stolpernde Constance zieht bei einem mürrischen alten Herren ein mit sehr strengen Regeln. Trotzdem entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft. Die liebevoll gezeichneten Figuren machen den Film aus. Trotz einer sehr geringen Gag-Dichte, schafft der Film es eine Komödie zu sein, durch sehr pointierten Witz.

Platz 1: SMS für dich

Das Regiedebüt von Karoline Herfurth, das sehr tief ins Herz geht. Ein Film über Verlust und Trauer und über den Weg zurück ins Leben in Kombination mit einer Liebesgeschichte. Eine Romanze auf sehr hohem Niveau mit Witz und liebevollen Figuren, bei der wohl kaum ein Auge trocken bleiben dürfte.

War Dogs

Am 29.09.2016 erschien ein Film über die etwas anderen Waffenschieber in den deutschen Kinos.

Efraim Diveroli und David Packouz nutzen eine Lücke im amerikanischen Waffengesetz aus und können so kleine Waffendeals an Land ziehen. Das ganze funktioniert ganz gut, bis sie einen 300 Millionen Dollar Deal für den Irakkrieg bekommen und sich dabei auf dubiose Geschäftspartner einlassen.

In den USA gibt es ein Gesetzt, dass die Regierung nicht alle Waffendeals an die größten Firmen gehen dürfen, sondern auch einige an die Allgemeinheit ausgeschrieben werden müssen. Dabei werden meistens nur kleinere Deals ausgeschrieben, doch wenn man gut genug sucht, findet sich manchmal auch eine kleine Goldgrube.
Dass er einmal Waffenschieber wird, hat sich David wohl nie auch nur träumen lassen. Nach der Schule weiß er nicht so wirklich, was er mit seinem Leben anfangen soll und massiert reiche Leute und versucht sich immer wieder an neuen Verkaufsprojekten, die aber nie so richtig funktionieren wollen. Als seine Freundin schwanger wird, steht er vor dem Problem, wie er seine Familie ernähren soll. Da taucht sein bester Freund aus Kindertagen wieder auf. Efraim gehört zu den kleinen Waffenschiebern, die die Gesetzeslücke der USA ausnutzen. Zusammen mit David möchte er das ganze ausbauen. Schnell finden sie genug Deals, um in Saus und Braus zu leben. Dann entdecken sie den Deal ihres Lebens und schaffen es einen 300 Millionen Dollar Deal an Land zu ziehen. Dafür brauchen sie jedoch neue Geschäftspartner und damit nimmt das Unheil seinen Lauf.
War Dogs basiert auf wahren Ereignissen, was die Geschichte noch unglaublicher macht. Der Film erinnert ein bisschen an „Lord of War“, hat aber einen noch weniger ernsten Ton. Der Film versucht einen Spagat zwischen Komödie und Thriller, schafft diesen aber nicht ganz, so dass die erste Hälfte eher zur Komödie und die zweite Hälfte eher zum Thriller wird. Das liegt vor allem daran, dass das Ende sehr vorhersehbar ist. Aber der Weg ist im typischen fünfstufigen Dramastil gehalten und funktioniert da sehr gut. Die Geschichte ist wenig bekannt und daher bietet sie immer wieder etwas neues und unvorhersehbare Wendungen, auch wenn der Trailer leider schon wieder viel vorwegnimmt.
War Dogs hat mit seiner Castingentscheidung alles richtig gemacht. Miles Teller und Jonah Hill stellen gut die beiden Gegensätze der Geschäftspartner dar und harmonisieren perfekt auf der Leinwand. Hill übernimmt die Rolle des Ephraim Diveroli, ein jähzorniger Lebemann, der einfach nur schnell viel Geld machen will. Teller übernimmt die Rolle des David Packouz, der zurückhaltende und bedachtere der beiden. Diese Gegensätze werden geschickt genutzt, um Teller/Packouz die Geschichte erzählen zu lassen und Hill/Diveroli für die Witze zu nutzen.
Mit einer Spiellänge von 114 Minuten wurde genau die richtige Zeit abgepasst, um die Geschichte mit allen Hoch- und Tiefpunkten zu erzählen, ohne Längen aufkommen zu lassen. Durch regelmäßige Wendungen in der Geschichte bleibt das Spannungslevel oben und die Erfolgsgeschichte der beiden kleinen Waffenschieber kann mitreißen.

Alles in allem eine mitreißende Komödie, auch wenn das Ende sehr vorhersehbar ist. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Snowden

Am 22.09.2016 erschien ein Film über die realen Ereigisse um Edward Snowden in den deutschen Kinos.

Edward Snowden arbeitete bei verschiedenen Geheimdiensten, unter anderem der CIA und der NSA. Dort fand er heraus, dass die USA heimlich fast die ganze Welt ausspionierten und die Legalität dafür fast erfanden. Bis er es nicht mehr aushält und der ganzen Welt davon erzählt. Und dafür als Verbrecher angesehen wird.

Die Geschichte des Whistleblowers Snowden erschütterte die Welt. Die USA soll fast die ganze Welt ausspionieren und auch die eigene Bevölkerung. Es soll zwar den Kampf gegen Terrorismus unterstützen, wurde aber in vielen Fällen missbraucht und sich auch gegen die Regierungen anderer Länder richten. Nach diesen Enthüllungen gab es in den Medien kaum noch ein anderes Thema. Doch was hat sich wirklich verändert? Die USA fanden viele Ausreden und Beschönigungen und zumindest die deutsche Regierung hat es sehr schnell auf sich beruhen lassen. Bereits 2014 gab es einen Dokumentarfilm über Snowden von Laura Poitras, in dem Snowden selbst seine Geschichte erzählt. Nun zwei jahre später wurde die Thematik wieder aufgegriffen, diesmal aber nicht als Dokumentation, sondern als Drama/Thriller für die Kinoleinwand.
Im Jahr 2013 wandte sich Snowden, der bereits aus den USA nach Hongkong geflüchtet war, an die Dokumentarfilmerin Laura Poitras und Glenn Greenwald, einem Journalisten des Guardian. Diesen erzählt er für den später veröffentlichten Dokumentarfilm Citizenfour seine Geschichte. Wie er schon immer seinem Land dienen wollte, aber bei den Special Forces ausgemustert wurde, aber durch seine guten IT-Kenntnisse schnell einen Posten in den Geheimdiensten CIA und später auch NSA bekam. Dies dient als Rahmenerzählung des Films und wird gepaart mit der persönlichen Ebene Snowdens. Wie er seine Freundin Lindsay Mills kennenlernt und wie sich ihre Beziehung zu seinen steigenden Erkenntnisse verhält. Wie er letztendlich aussteigt und aus den USA flüchtet, um seine Geschichte publik zu machen.
Die Schwierigkeit bei Biographien ist immer, dass eine große Anzahl des Publikums die Geschichte bereits kennt. Vorallem das Ende dürfte jedem bekannt sein. Trotzdem schafft Snowden es die Spannung hochzuhalten, da der Film nicht nur die Fakten aufzählt, sondern auch die persönliche Komponente hochhält. man erfährt mehr von Snowdens innerer Zerrissenheit, weil er seinem Land dienen will, aber gleichzeitig die vollkommene Überwachung nicht mit seinem Gewissen vereinen kann. Auch wird zum ersten Mal seine Beziehung zu Lindsay Mills thematisiert. Er durfte ihr nichts von seiner Arbeit erzählen, weswegen seine Beweggründe für sie immer schwer nachvollziehbar waren. Snowden versuchte sie vor der Spionage zu warnen, ohne etwas preisgeben zu können. Dadurch erweitert der Film die Erzählungen aus Citizenfour. Leider leiden darunter Fakten zur eigentlichen Arbeit Snowdens, die im Film nicht klar dargestellt wurden, sondern meistens nur angedeutet wurden. Der Film versucht die Jahre 2003 bis 2013 abzudecken, kann daher jede Station in Snowdens Leben immer nur anreißen, was irgendwann etwas unübersichtlich wirkt. Die wesentlichen Etappen sind jedoch klar erkennbar und so hilft Snowden dem Zuschauer die wahren Ereignisse nahe zu bringen.
Einen großen Teil zum erfolgreichen Gelingen des Filmes tragen die Schauspieler, die überwiegend herausragende Leistungen abliefern. Gerade Joseph Gordon-Levitt überzeugt als Edward Snowden. Er traf sich vor Drehbeginn mehrfach mit Sowden in dessen Exil in Russland, um Gestik und Mimik möglichst detailgetreu wiedergeben zu können. Dies gelang ihm auch, so dass man in keiner Sekunde des Films zweifelte, wen er darstellen möchte. Auch Shailene Woodley zeigte einmal mehr, dass sie eine herausragende Schauspielerin ist. Auch der weitere Cast ist mit bekanten Schauspielern besetzt, die ihre Rollen alle sehr souverän spielen, wie Melissa Leo, Zachary Quinto, Tom Wilkinson, Nicolas Cage und Rhys Ifans.
Snowden geht über eine Spielzit von 135 Minuten und schafft es beinahe ohne Längen auszukommen. Nur im Mittelteil, wenn es praktisch nur noch um die persönliche Ebene geht, zieht der Film sich etwas. Hier hätte man ihn um ca. 15 Minuten einkürzen können. Das Ende wurde noch einmal sehr rührend gestaltet, als es um die Enthüllungen und die Reaktion der USA ging. Leider zielt der Film sehr stark auf Präsident Obama als Bösewicht ab, praktisch als wäre er alleine Schuld an der Spionage. Das er als Präsident wenig Macht hat und die meisten Entscheidungen der Kongress fällt, wird nicht berücksichtigt.

Alles in allem ist Snowden ein bewegender und überzeugender Film, der einem wieder die Enthüllungen ins Gedächtnis ruft. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Nerve

Am 08.09.2016 erschien ein Film über ein potenzielles Internet-Phänomen in den deutschen Kinos.

Vee ist eigentlich eher schüchtern und zurückhaltend. Doch um aus dem Schatten ihrer besten Freundin zu kommen, meldet sie sich bei dem illegalen Online-Spiel Nerve als Player an. Die sogenannten Watcher geben den Playern immer neue Aufgaben, die sie für Geld umsetzen sollen. Doch Vee gelant in einen Strudel, den sie nicht aufhalten kann.

Bist du Watcher oder Player? So kündigt sich das Online Game „Nerve“ im gleichnamigen Film an. Die Nutzer werden somit in zwei Gruppen geteilt. Die Wagemutigen Player, die sich zu immer neuen Challenges herausfordern lassen. Bei Bestehen der Challenge gibt es Geld, das direkt auf das eigene Konto überwiesen wird. Finanziert wird das von den Watchern, die um die Challenges ansehen zu können, regelmäßig einen Betrag zahlen müssen. Ziel ist es möglichst viele Challenges zu gewinnen und dabei viele Watcher zu generieren bis am Ende nur noch ein Spieler als Gewinner übrig bleibt, da alle anderen Spieler durch nicht Bestehen einer Challenge ausgeschieden sind. In Zeiten in denen viele ihre Persönlichkeit über ihre Online-Profile auf Facebook, Instagram und ähnliches definieren, ist die Idee hinter diesem Spiel nur eine Steigerung des bereits vorhandenen Wahnsinns.
Im Film will die eher etwas schüchterne und zurückhaltende Vee es allen zeigen und meldet sich für sie untypisch als Player bei Nerve an. Ein weiterer Anreiz für sie ist, dass sie Geld braucht für eine teure Kunst-Akademie. Das Spiel muss sie vor ihrer Mutter geheim halten, die jedoch sowieso den ganzen Tag arbeitet. Schon bei ihrer ersten Challenge lernt sie den sympathischen Ian kennen, mit dem sie ab da ein Team bildet. Doch kann sie ihm wirklich trauen? Und wie viel ist am dem Gerücht dran, dass bereits ein Spieler bei einer Challenge gestorben ist?
Nerve kommt mit einer neuen Idee daher, die in der heutigen Zeit gar nicht so weit hergeholt ist. Die Spannung kommt sehr schnell auf und auch Vees Beweggründe werden gut dargestellt. Die Handlung ist gut in die aktuelle Tendenz und aktuellem Online-Verhalten eingebunden, geht aber einen Schritt weiter. Zunächst ist die Handlung dadurch auch sehr authentisch, verliert diese jedoch ein bisschen gegen Ende, denn der Showdown wirkt dann doch ein bisschen zu übertrieben. Den überwiegenden Teil schaffen es aber die reale Handlung und der hohe Spannungsfaktor eine rasante Geschichte zu erzählen, die mitreißt und begeistert. Hinzu kommt eine gelungene Mischung aus sympathischen, unsympathischen und undurchsichtigen Charakteren mit denen man mitfieber kann, die einen abstoßen und die man versucht zu knacken. Dadurch ist der Zuschauer dauerhaft in die Handlung mit eingebunden und es gibt genug Identifikationspotenzial. Das Ende ist zwar übertrieben, aber dennoch rund und eine vernünftige Aufklärung der Handlung.

Alles in allem ist Nerve ein halbwegs realistischer Film, der durchgängig spannend ist und nur am Ende durch ein zu übertriebendes Finale etwas schwächelt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Bad Moms

Am 22.09.2016 erschien ein Film, der endlich einmal den Müttern gewidmet wurde, in den deutschen Kinos.

Amy hat Ehemann, zwei Kinder, Haus, Hund und Karriere. Doch dies alles unter einen Hut zu bringen, bringt sie beinahe täglich zur Verzweiflung. Eines Tages hat sie die Nase voll und gründet mit zwei weiteren überforderten Müttern die Bad Moms und hören auf zu versuchen perfekt zu sein. Das passt den perfekten Müttern jedoch gar nicht in den Kram.

Jeder, der nicht selbst Mutter ist, dürfte kaum verstehen, wie schwer es ist Kinder und Job unter einen Hut zu kriegen und dabei auch noch das eigene Leben zu genießen. Man möchte den Kindern alles bieten und rund um die Uhr für sie da sein, aber gleichzeitig auch noch das Geld für alles zu verdienen. Zu allem Überdruss wird einem aber auch noch von allen Seiten zugetragen, dass sie perfekt sein müssen, um eine gute Mutter zu sein. Sei es in der Werbung, in Filmen und Serien oder von den perfekten Müttern in Kindergarten und Schule. Mit Bad Moms startet nun endlich ein Film in den Kinos, der die Sorgen und Ängste der Mütter ernst nimmt und diese auf humorvolle Weise beleuchtet.
Wenn man an die Zukunft denkt, dann gehört meistens ein Haus, ein Mann, Kinder und natürlich der Hund dazu. Meistens wird dies auch gerne gegen eine Karriere ausgetauscht, manchmal soll auch beides verbunden werden. Genauso ist es bei Amy. Sie hat ein Haus, ist verheiratet, hat zwei Kinder, einen Hund und auch eine Karriere. Und um alles zu kombinieren eine Menge Stress und nie Zeit für sich. So eilt sie permanent vom Job zu Schule, um ihre Kinder immer rechtzeitig zu ihren Freizeitaktivitäten zu bringen. Doch als sie bemerkt, dass ihr Mann sie online betrügt, ändert sich ihre Einstellung gewaltig. Sie wirft ihren Mann raus und gründet zusammen mit zwei anderen überforderten Müttern die Bad Moms. Was zunächst eine totale Erleichterung des Alltags zu sein scheint, dreht sich langsam zu einer Katastrophe, als die perfekten Mütter davon Wind bekommen und dagegen angehen.
Wie weit geht die Verantwortung einer Mutter perfekt sein zu müssen? Mit dieser Frage geht Bad Moms respektvoll um und schafft es dennoch mit gekonntem Witz eine Komödie zu erschaffen. Die einzelnen Aspekte im Leben einer Mutter werden realitätsnah aufgegriffen und auch die verschiedenen Muttertypen werden vorgestellt. Von der reichen Gattin mit den perfekten Kindern, zur überforderten alleinerziehenden Mutter, die viel zu wenig Zeit mit ihrem Kind verbringt sind alle Stereotypen dabei. Alle diese Typen werden mit positiven und negativen Eigenschaften dargestellt, so dass hier keine Mutter als Idealtyp, aber auch keine als abschreckendes Beispiel fungieren muss.
Bereits im Trailer wurde mit „Von den Machern der Hangover Reihe“ geworben. Hier könnte man denken, dass Bad Moms mit ebenso derben Humor daher kommt, doch das ist nicht der Fall. Denn der Humor in Bad Moms ist wohldosiert, gut durchdacht und verzichtet, bis auf ein paar Ausnahmen, gänzlich auf Witze unter der Gürtellinie. Dadurch wird es zu einem Spaß für mehrere Altersgruppen. Die Schauspieler sind passend ausgewählt und spielen ihre Sache sehr souverän. Spannung wird während des Films erzeugt und auch bis zum Ende ausrecht erhalten, ist aber nicht der Kernpunkt des Films.

Alles in allem endlich ein gelungener Film für die Mütter. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Captain Fanstastic – Einmal Wildnis und zurück

Am 18.08.2016 erschien ein Film über eine Familie, die in der Wildnis lebt, in den deutschen Kinos.

Ben lebt mit seinen sechs Kindern in der Wildnis, fernab der Zivilisation. Die Mutter ist derzeit aufgrund einer bipolaren Störung in einer Klinik. Die Kinder wachsen mit Jagen, Überlebenstraining, strengem Privatunterricht und Musik auf. Doch nachdem die Mutter sich das Leben nahm, wollen sie zur Beerdigung fahren. Dafür müssen sie wieder in die Zivilisation.

Captain Fantastic ist kein Film über einen großen Superhelden, wie der Titel vielleicht vermuten lässt. Es ist ein Film, in dem irgendwo versteckte Systemkritik schlummert, die aber nicht primär im Vordergrund steht. Stattdessen ist das Grundszenario zwar ein Entkommen der digitalen Welt, aber der Film kommt trotzdem zunächst als einfacher Road-Movie daher.
Der Zuschauer lernt zunächst Ben und seine sechs Kinder kennen. Sie haben sich nahezu komplett von jeder Zivilisation zurückgezogen und leben in tiefster Wildnis. Hier lehrt Ben seinen Kindern jagen und Überleben in der Wildnis, dazu gehören auch viele Sporteinheiten, aber er lehrt ist auch ihr Lehrer für alle schulischen Sachen. Die Kinder sind größtenteils glücklich mit ihrem Leben, nur Rellian, einer der Söhne, wünscht sich ein normaleres Leben. Ihr Leben wird aus dem Gleichgewicht gebracht, als die Mutter Selbstmord begeht. Diese ist bereits zu Beginn des Films in einer psychiatrischen Klinik, um ihre bipolare Störung zu behandeln. Die Mutter war strenge Buddhistin und hat daher verfügt, dass sie verbrannt und die Asche in einer öffentlichen Toilette heruntergespült wird. Nur hat ihr Vater als strenger Christ beschlossen, dies zu ignorieren und eine normale Beerdigung zu organisieren. Um dies zu verhindern, beschließen Ben und seine Kinder zurück in die Zivilisation zu fahren, um die Beerdigung zu verhindern. Dort müssen gerade die Kinder feststellen, dass sie sich sehr stark von allen anderen unterscheiden und Ben muss überdenken, ob seine Erziehungsmethoden wirklich in allen Bereichen gut ist.
Captain Fantastic zeigt zwei verschiedene Welten auf und zeigt beide in ihren absoluten Extremen. Es gibt einmal die Welt der „normalen“ Zivilisation, in diesem Film repräsentiert durch Bens Schwester Harper und ihre Familie. Sie leben in einem schönen Haus und die Kinder haben technisch gesehen eine große Ausstattung. Diese nutzen sie jedoch auch die meiste Zeit über und konzentrieren sich wenig auf soziale Kontakte und ihre Bildung. Die Eltern lassen den Kindern viel durchgehen und nehmen wenig Anteil am Tun der Kinder. Als Gegenbeispiel werden Ben und seine Kinder gezeigt. Die Kinder werden unter strengen Hand erzogen, leben ohne jeglichen technischen Fortschritt und lernen schon in jüngstem Alter mehr als an jeder Schule. Abgesehen von der eigenen Familie haben sie keine sozialen Kontakte, können aber jagen und die Bill of Rights auswendig aufsagen. Durch die Gegenüberstellung werden beide Extreme dargestellt und die Nachteile herausgearbeitet. Dadurch kommt eine gewisse Systemkritik auf, die aber nicht konsequent genutzt wurde. Stattdessen wurde ein Road Movie konzipiert, der daran krankt lediglich Andeutungen statt Aussagen zu machen. Durch Bens sehr abstruse Vorstellungen eines guten Lebens für seine Kinder ist keinerlei Identifikation mit den Charakteren möglich. Dadurch geht jedoch auch die Spannung verloren, denn der Ausgang der Geschichte ist keine Überraschung. Der Film soll einem gute Laune vermitteln durch das befreite Lebensgefühl von Ben und seinen Kindern. Doch gibt es viele Spannungen innerhalb der Familie, dass auch dies nicht aufkommen kann. So setzt der Film an vielen Stellen an und kann doch keine der Versuche erfüllen.

Alles in allem versucht der Film mehr zu sein, als er ist und selbst was er ist, setzt er nicht gut um. Dafür gibt es 03 von 10 möglichen Punkten.

Cinemathek: Mängelexemplar

Willkommen in der Cinemathek, heute mit „Mängelexemplar“. Der Film lief am 12.05.2016 in den deutschen Kinos an.

Karo verliert erst ihren Job, dann ihren Freund und verliert sich dann in einer Depression. Ihre beste Freundin möchte nichts mehr mit ihr zu tun haben und auch ihre Familie ist nicht gerade intakt. Aber wie kommt man aus diesem Kreislauf wieder heraus?

Depressionen sind eine psychische Störung, über die noch immer sehr wenig bekannt ist und deren Symptome meist sehr spät erkannt werden. Studien nach ist die Verbreitung nicht klar einzugrenzen, da sie weltweit auftritt, in allen Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern. Der Film Mängelexemplar befasst sich mit Karo. Karo ist ein Beispiel von vielen und zeigt mögliche Ursachen und mögliche Lösungswege. Karo war noch nie ein sehr fröhlicher Mensch und leidet unter der Scheidung ihrer Eltern, die ihre Mutter in eine Depression stürzte. Daher ist sie zum großen Teil bei ihren Großeltern aufgewachsen, doch inzwischen ist ihr Großvater verstorben. Durch ihre negative Art verliert sie am Anfang des Films erst ihren Job, vergrault durch die daraus resultierende schlechte Laune erst ihre beste Freundin und dann ihren Freund. Dadurch stürzt sie immer mehr in ein Tief und sucht Hilfe bei einer Therapeutin. Die rät ihr nicht an sich selbst herumzudoktoren, sondern allem Zeit zu lassen. Leider hält sich Karo da nicht dran und stürzt sich damit selbst in eine Depression. Nun braucht sie wirklich Hilfe.
Mängelexemplar ist ein Film, der versucht Depressionen ein bisschen zu erklären und das jeder versuchen kann aus dem Kreislauf wieder heraus zu kommen. Leider gibt es mit der von grundauf sehr unsympathischen Protagonistin keinerlei Identifizierungspunkt. Dadurch ist immer eine große Kluft zwischen Film und Publikum und kann dadurch auch keine Botschaft herüberbringen. Durch innere Monologe versucht der Film die Gedankenwelt der Protagonistin darzustellen, um ihre Handlungen besser nachvollziehbar zu machen. Leider sind die Gedanken zu kreuz und quer, dass auch dies den Zuschauer nicht näher einbezieht. Die Ursachen der Depression werden zwar gezeigt, aber auch nicht näher erklärt. Beispielsweise gibt es die Möglichkeit der Vererbung eines bestimmten Gens, das Depressionen auslösen kann. Da die Mutter bereits Depressionen hatte, wäre das eine Möglichkeit. Aber auf Details wird im Film an keiner Stelle eingegangen, was besonders schade ist. So wirkt der Film sehr überflüssig und auch die Thematik selbst hat keine Bedeutung. Da die Identifizierung mit der Protagonistin fehlt, kann auch keine Spannung im Film aufgebaut werden. Es ist dem Zuschauer einfach egal, ob Karo geheilt wird und ob sie ihr Leben auf die Reihe bekommt.

Alles in allem ist Mängelexemplar ein Film, der die richtige Intention hat, diese aber nicht umsetzen kann. Dafür gibt es 05 von 10 möglichen Punkten.

SMS für dich

Am 15.09.2016 erschien eine traurig schöne deutsche Romanze in den deutschen Kinos.

Vor zwei Jahren verlor Clara ihren Verlobten Ben bei einem Verkehrsunfall. Noch immer ist sie nicht über diesen Verlust hinweg und schreibt in ihrer Einsamkeit SMS an Bens alte Handynummer. Nur leider ist diese inzwischen neu vergeben und landet bei Sportjournalist Mark. Die sehnsüchtigen SMS berühren Mark so sehr, dass er Clara unbedingt kennenlernen muss.

Caroline Herfurth dürfte den meisten spätestens seit Fack ju Göhte ein Begriff sein. Nun versuchte sie sich das erste Mal auch als Regisseurin und übernimmt auch gleich noch die Hauptrolle der Clara. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Sofie Cramer.
Clara Sommerfeld ist Zeichnerin und brachte mehrere Bildbände des Kinderbuches „Die kleine Raupe Rieke“ heraus. Doch als ihr Verlobter Ben vor ihren Augen bei einem Verkehrsunfall stirbt, bricht ihre ganze Welt zusammen. Zunächst versuch sie sich vor der ganzen Welt zu verstecken und zieht zu ihren Eltern und versucht dort ihre Trauer zu überwinden und einen weiteren Bildband zu zeichnen. Doch auch nach zwei Jahren schafft sie es immer noch nicht eine glückliche Raupe zu zeichnen. Trotzdem beschließt sie aus der Abgeschiedenheit des Elternhauses auszubrechen und sich wieder mit der Großstadt Berlin auseinander zu setzen. Sie zieht wieder in eine WG mit ihrer guten Freundin Katja, die nun versucht Clara aus ihrem Kokon zu holen. Ihr Allheilmittel sind neue Dates. Doch Clara tut sich schwer mit der Idee. Beim Auspacken ihrer Sachen entdeckt sie ihr altes Handy und versucht ihren Kummer zu vertreiben, in dem sie SMS an Bens alte Nummer schreibt. Nicht ahnend, dass die Nummer bereits neu vergeben wurde. Mark, der neue Besitzer, kann sich nicht so richtig in der Beziehung mit seiner Freundin Fiona finden. Doch die SMS von Clara verändern etwas in ihm und er möchte unbedingt den Absender kennenlernen.
SMS für dich hat keine Handlung mit besonders vielen Überraschungen. Nachdem das Anfangsszenario geklärt war, war relativ schnell klar, wie der Film weitergehen und enden würde. SMS für dich hat aber dafür mehr Gefühl, romantische und tieftraurige Momente als jede vergleichbare Romanze. Der Film berührt den Zuschauer gerade durch die einfach gehaltene Handlung und sorgt für schöne Dialoge. Hier wird der Zuschauer gleichzeitig romantisch verzaubert und zu Tränen gerührt. Alle Charaktere sind mit verschiedenen positiven und negativen Eigenschaften gekennzeichnet und können so direkt aus dem realen Leben entspringen. Gleichzeitig sind sie auch alle sehr verschieden, so dass für jeden ein Charakter zum identifizieren da ist.
Die Idee jemanden durch SMS an den verstorbenen Verlobten kennenzulernen ist auch einmal Neu und so noch nicht gesehen. Dadurch reduziert sich der Film nicht nur auf die Liebesgeschichte, sondern zeigt auch den Umgang mit Trauer und deren Bewältigung. Auch wird der Weg Claras zurück ins Leben gezeigt, zurück zu ihren Freunden, zurück in ihren Beruf und wie man wieder Lebensfreude empfinden kann. Der einzige etwas unpassende Faktor im Film ist Katja Riemanns Rolle als Schlagerstar Henriette Boot. Zwar hat ihre Rolle ihre Daseins Berechtigung für die Handlung, doch ist sie etwas zu schrill und bunt geraten und stört so die Dynamik des Films.

Alles in allem ein runder Film, der sowohl berühren als auch zu Tränen rühren kann. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.