Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Am 17.11.2016 erschien ein neuer Film aus dem Harry Potter Universum in den deutschen Kinos.

Newt Scamander reist 1926 in die USA ein. Mit dabei ein Koffer voller magischer Tierwesen. Durch eine Kofferverwechselung können ein paar dieser Tierwesen entkommen und streifen durch die Stadt. Gleichzeitig scheint noch etwas anderes sein Unwesen in der Stadt zu treiben. Dies könnte die Magierwelt enttarnen und den No-Majs offenbaren.

1997 erschien „Harry Potter und der Stein der Weisen“ erstmals in den Regalen der Buchläden. Es folgten sechs Folgebände, die allesamt weltweit mit Rekordzahlen verkauft wurden. Damals entführte uns J. K. Rowling in eine abenteuerliche Welt voller Magie, in der ein Junge namens Harry Potter nicht nur entdeckt, dass er ein Zauberer ist und fortan auf die Hogwarts Schule für Zauberei gehen wird, sondern auch, dass er eine ganz besondere Rolle in dieser Welt spielt. Nach sieben Büchern, die in acht Filmen verfilmt wurden, entließ uns Rowling wieder in die normale „Muggle“-Welt ohne Zauberei. Doch in diesem Jahr erschien nicht nur ein achtes Buch, das viele Jahre nach dem siebten spielt, nein Rowling hat wieder ordentlich in die Tasten gehauen. Das Ergebnis ist diesmal kein neues Buch, sondern ein Drehbuch, das nun verfilmt wurde. Hintergrund ist das Lehrbuch „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“, welches Harry Potter in seinem ersten Lehrjahr in Hogwarts brauchte. Geschrieben wurde es von der fiktiven Figur Newt Scamander – und ist inzwischen auch in unseren Buchläden zu finden – um die es nun in den neuen Filmen geht. Das ganze spielt diesmal aber nicht in den 1990er Jahren in Großbritannien, sondern 1926 in New York.
Die Fans der Harry Potter-Filme dürften schon in den ersten Minuten Gänsehaut bekommen, wenn das altbekannte Harry Potter-Theme durch die Boxen des Kinosaals hallt. Dann fallen über den Zuschauer erst einmal viele verschiedene Zeitungsartikel über Gellert Grindelwald herein. Und dann lernen die Zuschauer auch schon den Hauptcharakter Newt Scamander kennen. Dieser verlässt gerade die Fähre, die ihn nach New York brachte und muss sich nun durch die Muggle-Einreiseformalitäten kämpfen. Mit dabei hat er einen Koffer voller phantastischer magischer Tierwesen. In New York lernt er zunächst die Muggle kennen, die vor Zauberei warnen, und vor genau denen sich die Zaubererwelt versteckt. In Folge einiger unglücklicher Umstände vertauschen sich die Koffer von Scamander und dem Muggle Jacob Kowalski. Dieser Irrtum fällt leider erst im MACUSA – dem magischen Kongress der USA – auf, zu dem Scamander von Tina Goldstein, einer ehemaligen Aurorin geschleift wurde. Da das MACUSA gerade größere Sorgen hat, versuchen Scamander und Goldstein Kowalski nun auf eigene Faust zu finden. Dem sind wiederum inzwischen ein paar Tierwesen abhanden gekommen. Zusammen mit Goldsteins Schwester Queenie Goldstein versuchen sie diese nun fangen. Gleichzeitig gibt es mehrere Zerstörungen in der Stadt, die von einem unbekannten Wesen herrühren. Aus Angst die Magierwelt könnte auffliegen, wurde der Auror Percival Graves darauf angesetzt.
Phntastische Tierwesen und wo sie zu finden sind ist als Auftakt für eine fünfteilige Reihe geplant. Das merkt man dem Film bisher wenig an. Zunächst nimmt er sich alle Zeit der Welt, um die neuen Charaktere vorzustellen und eine sehr humorvolle Suche nach den entlaufenden Tierwesen zu inzenieren. Das ist zwar sehr schön anzusehen und sorgt auch für viele humorvolle Momente, scheint aber im Nachhinein nicht so recht in ein größeres Ganzes zu passen. Dafür nimmt die zweite Hälfte umso mehr Fahrt auf und baut die Spannung groß auf und gipfelt in einem spannenden Showdown. Gerade das Ende lässt Spekulationen offen, wie es weitergehen kann.
Rowling schafft es auch hier wieder die verschiedensten Charaktere zu kreieren. Dafür hat sie zwar diesmal weniger Zeit, denn in einem Film wollen die Charaktere schneller vorgestellt werden als in einem Buch, aber trotzdem gibt sie allen die nötige Tiefe. Dadurch hat man am Ende des Films das Gefühl auch diese Charaktere schon sehr lange zu kennen. Für die einzelnen Rollen wurden sehr passende Darsteller gecastet, die allesamt gute schauspielerische Leistungen abgeben.
Abgesehen von der zeitlichen Komponente versucht Rowling auch durch Kleinigkeiten den Unterschied zwischen der Welt Harry Potters in Großbritannien und der Scamanders in den Staaten. So werden die Muggle nun No-Majs genannt (was für Fans sehr gewöhnungsbedürftig sein dürfte) und statt des Zaubereiministeriums gibt es den MACUSA. So fühlt man sich zwar wieder in die magische Welt versetzt, was mitunter nostalgische Gefühle hervorruft, aber trotzdem gibt es eine klare Abgrenzung zwischen den Welten.
Die Musik unterstützt den Film an allen Stellen und teilweise trägt sie ihn sogar. Mindestens 50% des Spannungsaufbaus wurde durch die sehr dominante Musik geprägt.
Die Namensgebende Tierwesen spielen im Film mitunter eine etwas untergeordnete Rolle, aber wenn sie einen Auftritt haben, sind sie der eindeutige Star. Hier sind wieder einmal die Weiten von Rowlings Fantasie zu bewundern, die wirklich grenzenlos zu sein scheint. Vom Publikumsliebling den Niffler bis zur paarungswilligen Erumpent die Tierwesen sind trotz größerer Hintergrundhandlung doch noch immer die Stars des Films.

Alles in allem ist Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind trotz holprigem Einstieg ein schöner Auftakt mit spannendem Ausblick auf die kommenden Teile. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Doctor Strange

Am 27.10.2016 erschien ein neuer Held des Marvel Universums in den deutschen Kinos.

Dr. Stephen Strange ist ein brillianter Arzt, das er gerne durch protziges und arrogantes Auftreten heraushängen lässt. Als ein schwerer Unfall seine Hände sehr schwer schädigt und kein Arzt ihn heilen kann, erleidet er einer Krise und sucht Hilfe in Kathmandu zu dem geheimnisvollen Ort Kamar-Taj. Dort lernt er jedoch noch viel mehr als sich zu heilen.

Das Marvel Cinematic Universe wird nicht nur jährlich um ein paar Fortsetzungen erweitert, sondern mitunter werden auch neue Helden in eigenen Filmen vorgestellt. Während im letzten Jahr Ant-Man in einem eigenen Film vorgestellt wurde und später in Civil War erneut auftrat, wurde dieses Jahr ein Film mit Doctor Strange auf die große Leinwand gebracht. Strange tauchte das erste Mal im Juli 1963 in einem Marvel-Comic auf und ist seitdem fester Bestandteil des Marvel Universums.
Doctor Stephen Strange ist ein brillianter Neurochirurg. Durch seinen Erfolg verdiente er nicht nur viel Geld, welches er durch einen extravaganaten Lebenstil zur Schau stellte, sondern entwickelte auch eine gewisse Arroganz. Die verwickelte ihn letztendlich auch in den verhängnisvollen Unfall bei dem seine Hände irreparabel geschädigt wurden. Da er in seinem Job seine Erfüllung sieht und diesen nun nicht mehr ausführen kann, dreht er praktisch durch und steckt all sein Geld in mögliche Heilmethoden, die alle ohne Erfolg bleiben. In seiner Verzweiflung steigert er sich immer mehr in die Sache hinein, bis er auch noch die letzte Verbündete verschreckt. Doch dann erzählt ihm sein Physiotherapeut von einem Patienten, der querschnittgelähmt und an den Rollstuhl gefesselt war und dann eines Tages wieder laufen konnte. Der Name des Mannes ist Pangborn und dieser erzählt Strange von einem ganz besonderen Ort in Kathmandu, dem Kamar-Taj. Von seinem letzten Geld kauft sich Strange daraufhin ein Flugticket und sicht in Nepal das Kamar-Taj. Dabei wird er von Mordo entdeckt, der ihn in diese geheime Welt führt. Dort lernt er die Älteste kennen, die ihm erklärt, dass es verschiedene Dimensionen und Magie gibt. Nach kurzen Startschwierigkeiten wird Strange als Schüler akzeptiert und lernt nun eine ganz neue Welt kennen. Doch das Lernen ist nicht von langer Dauer, denn ein abtrünniger ehemaliger Schüler namens Kaecilius hat Pläne.
Doctor Strange scheint auf dem ersten Blick wie eine Mischung aus Iron Man und Inception. Doch schon auf dem zweiten Blick erkennt man, dass Doctor Strange mehr kann. Benedict Cumberbatch ist für Rolle des Strange die ideale Besetzung. Er verkörpert sowohl die arrogante Seite, als auch die verletzliche sehr gut. Gleichzeitig bringt er Witz und Spannung in die Rolle, die kaum einer so gut hätte herüberbringen können. Dafür hat es sich gelohnt den Drehzeitraum zu verschieben. Auch der restlliche Cast ist gut gewählt, vorallem Tilda Swinton als die Älteste kann in ihrer Rolle überzeugen. Nachdem es durch ihre Besetzung einen großen Aufschrei gab – „the ancient one“ ist eigentlich ein alter Tibetaner – und Hollywood wieder einmal „whitewashing“ vorgewurfen wurde, zeigte Swinton, dass Änderungen nicht immer schlecht sein müssen und hat gleichzeitig die ansonsten sehr mickrig ausfallende Frauenquote erhöht. Mads Mikkelsen, der vielen als Hannibal Lector aus der gleichnamigen Serie bekannt sein dürfte, übernimmt die Rolle des „Bösewichten“ Kaecilius. Trotz einiger plumper Dialoge spielt Mikkelsen souverän und schafft es allein durch seine Mimik Ehrfurcht zu gebieten. Leider hat Marvel es wieder verpasst seinem Bösewicht mehr Entfaltungsraum zu geben und war stattdessen der Ansicht noch einen zweiten „Überbösewicht“ dazunehmen zu müssen, der am Ende erscheint, dann aber doch erstaunlich einfach besiegt werden konnte. Immerhin war dieser „Endkampf“ mit reichlich Humor bestückt und so doch irgendwo rund.
Der Humor nimmt Marvel-typisch eine relativ große Rolle ein und konnte wieder gut unterhalten, lenkte aber nicht von der eigentlichen Handlung ab und minderte die Spannung an keiner Stelle. Die zweite große Rolle bilden die Spezialeffekte vorallem die durch Magie veränderten Dimensionen, die zwar an Inception erinnern, aber weit über das dort gezeigte hinausgeht.
Da es sich bei Doctor Strange um eine neue Figur im Marvel Cinematic Universe handelt, wurde am Anfang des Films Platz eingeräumt, um die Figur anständig einzuführen und vorzustellen. Dabei wurde genau die richtige Zeitspanne gewählt und rechtzeitig in den Spannungsaufbau umgestellt, so dass die zweite Hälfte mitunter eine Zerreisprobe für die Nerven darstellt.

Alles in allem ähnelt Doctor Strange zwar den anderen Filmen des Marvel Cinematic Universe, bringt aber trotzdem durch die Magie einen zwischen Wind hinein. Dafür gibt es 09 von 10 möglichen Punkten.

Die Insel der besonderen Kinder

Am 06.10.2016 erschien eine Buchverfilmung mit Tim Burton als Regisseur in den deutschen Kinos. Nach Betrachtung des Films konnte ich es mir nicht nehmen lassen, auch das Buch in kürzester Zeit zu verschlingen. Beide Kritiken teilen sich diesmal diesen Beitrag.

Jakes Großvater hat ihm immer wieder die tollsten Geschichten über ganz besondere Kinder auf einer Insel vor Wales erzählt. Später glaubte Jake diesen Geschichten aber nicht mehr. Erst als sein Großvater getötet wird und Jake sich auf die Suche nach Antworten macht, entdeckt er, dass es eine ganz eigene Welt auf der besagten Insel gibt.

Der Film:

Tim Burton ist zurück und zeigt wieder einmal, dass er auch eine düstere Grundstimmung trotz farbenfrohes Setting schaffen kann. So wirft er uns zunächst in das ganz alltägliche und absolut durchschnittliche Leben von Jake in einem kleinen Ort in Florida. Nach und nach erfährt man von den Geschichten, die sein Großvater ihm immer erzählte. Von Kindern mit ganz besonderen Fähigkeiten, von einem ganz besonderen Ort, aber auch von ganz schrecklichen Monstern. Als Jake eines Tages seinen Großvater tot auffindet und feststellt, dass es kein natürlicher Tod war, hinterfragt er alles. Ist vielleicht doch mehr an den Geschichten seines Großvaters dran? Die Suche nach Antworten führt ihn bis nach Wales, auf eine kleine vorgelagerte Insel. Dort findet er seine Antworten, und eine ganz eigene Welt.
Die Besonderheiten der Kinder in „die Insel der besonderen Kinder“ sind vielleicht nicht ganz so besonders, vor allem, wenn man sich öfter im Fantasy-Bereich aufhält, dafür sind die Charaktere selbst breit gefächert und interessant gezeichnet. Das Erzähltempo ist relativ langsam und schafft es doch an den richtigen Stellen Neugierde und Spannung zu erzeugen. In erster Linie geht es darum mit Jake eine neue und ungeahnte Welt zu entdecken, als eine von vorne bis hinten spannende Geschichte zu erzählen. Im letzten Drittel zieht das Tempo jedoch stark an und schafft es einen starken Endkampf hinzulegen, in dem sich die Begabungen der Kinder erst richtig zum Vorteil entfalten. Einige leicht trashig wirkende Szenen sorgen dabei noch für eine Extra-Portion Humor.
Die Weltenzeichnung von Tim Burton ist altbekannt und doch wieder sehr wirksam. Während die „reale“ Welt sehr grau und wenig attraktiv erscheint, ist die Welt der besonderen Kinder umso bunter gestaltet. Dabei wirkt sie aber keinesfalls übertrieben, sondern kommt in der typischen Burton-Optik daher. Hauptdarsteller Asa Butterfield spielt auf gewohntem guten Niveau. Herausstechend ist aber Eva Greens Darstellung der Madame Peregrine, die ihrer Rolle eine ganz besondere Note gibt. Samuel L. Jackson funktioniert als Bösewicht sehr gut und man merkt ihm an, dass er hier wieder einmal richtig Spaß am Spiel hatte.

Alles in allem ein gelungener Auftakt, nachdem man zu hoffen wagt, dass auch die Folgeromane verfilmt werden. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Das Buch:

Direkt nach dem Film war ich so in die Welt der besonderen Kinder versunken, dass ich es mir nicht nehmen lassen konnte auch das Buch zu lesen (woher das Verlangen kommt Film und Buch gesehen/gelesen zu haben, weiß ich nicht).

Das Buch selbst schafft es den Leser durch einen sehr flüssigen Lesestil schnell zu bannen und bis zum Ende nicht mehr loszulassen. Obwohl ich die Handlung durch den Film bereits kannte, wurde ich noch einmal neu verzaubert. Das Buch ist gespickt mit alten Fotos, die die Kinder und andere Charaktere zeigen. Diese sind jedoch als und in schwarz-weiß und bilden daher einen stark düsteren Kontrast zum sehr bunten Film, was aber grundlegend nicht störend ist. Über die Verwendung von Bildern der Charaktere in einem Buch kann man sich streiten, da viele Leser sich dadurch in ihrer Fantasie eingeschränkt fühlen. Letztendlich kann man die Bilder aber auch gut überblättern und ignorieren, um die eigene Fantasie zu nutzen. Für die anderen sind sie ein schönes Feature.
Während sind die ersten zwei Drittel des Films fast wörtlich an das Buch halten, ist das Ende stark umgeschrieben worden. So konnte ich trotz des Films am Ende des Buches noch einmal stark mitfiebern. Trotzdem sind beide Enden rund und stehen in keinem Widerspruch. Etwas irritierender war eher, dass der Film zwei Charaktere in ihren Besonderheiten vertauschte. Aber trotzdem ist dies kein Kritikpunkt.

Die Insel der besonderen Kinder ist ein flüssig zu lesendes Buch, das den Leser in eine andere Welt entführt und zum Träumen anregt. Für Filmmuffel eine absolute Empfehlung.

Abschließend ist zu sagen, dass man den Film gut sehen kann, ohne das Buch zu kennen, das Buch aber natürlich mehr über Jake und sein Innerstes verrät. Film und Buch stehen also in Ergänzung zueinander da, bei dem man nicht sagen könnte, ob Film oder Buch besser ist. Wer gerne liest, sollte sich das Buch vornehmen, wer lieber Filme sieht, kann in Burtons Werk versinken.

Verpasst im Oktober 2016

Hallo ihr Lieben,
und schon ist wieder ein Monat vorbei und inzwischen wird es immer wieder früh dunkel. Also kann man sich auch gleich im dunklen Kinosaal verkriechen. Trotzdem habe ich nicht jeden Film sehen können, den ich mir vorgenommen habe. Hier wie immer die Übersicht der Filme, die ich verpasst habe.

1) Swiss Army Man: Allein auf einer einsamen Insel kurz davor sich umzubringen, bis auf einmal eine Leiche angespült wird. Ein Film, den ich bewusst im Kino verpasst habe, aber im Heimkino gerne nachholen werde.

2) The Accountant: Der Trailer sah interessant und spannend aus und daher werde ich den Film wohl irgendwann nachholen.

3) 31: Ich mag die Musik von Rob Zombie und bisher hat er ganz interessante Filme hervorgebracht. Also landet auch das neuste Werk wieder auf meiner Liste.

Und hier wieder die Filme, die es zwar nicht auf meine Liste geschafft haben, aber die ich hier trotzdem kurz erwähnen möchte:

Unsere Zeit ist jetzt, Welcome to Norway, Girl on the train

Cinemathek: The Lady in the Van

Willkommen in der Cinemathek, heute mit: The Lady in the Van. Der Film lief ursprünglich ab dem 14.04.2016 in den deutschen Kinos.

Die wahre Geschichte von Alan Bennett, einem Theaterautor, der einer für ihn unbekannten Miss Shepherd einen Stellplatz für ihren Van vor seiner Haustür gab. Eigentlich sollte dies nur eine vorübergehende Lösung sein, denn Miss Shepherd lebt in diesem Van, doch sie blieb 15 Jahre.

15 Jahre sind eine sehr lange Zeit. Würde man so lange einer alten Dame einen Stellplatz für ihren Van geben, in dem sie gleichzeitig lebt, während sie selbst sehr unfreundlich auftritt und nichts von sich preisgibt? Alan Bennett hat dies getan und seine Erfahrungen in einem Theaterstück niedergeschrieben, das nun verfilmt wurde. Alles beginnt damit, dass Mr Bennett sich ein neues Haus suchte, nachdem er einige erfolgreiche Theaterstücke geschrieben und aufgeführt hatte. Kurz nach seinem Einzug taucht eine merkwürdige ältere Lady, die in einem Van wohnt, in der gleichen Straße auf und parkt ihren Wagen auf der Straße. Die Anwohner kennen die Lady bereits von Erzählungen aus der Nachbarschaft und alle hoffen, dass sie bald weiter zieht und nicht ihre Straße „beschmutzt“. Nachdem sie eine Zeit lang für allerhand Klatsch und Tratsch sorgte, lernt sie Mr Bennett etwas genauer kennen. Beide kommen öfter in ins Gespräch und schließlich bietet Mr Bennett ihr sogar an den Van von der Straße und in seine Einfahrt zu stellen. Über die Jahre entwickeln sie ein etwas eigenartiges Verhältnis zueinander.
The Lady in the Van ist ein Film über eine etwas eigenartige Freundschaft, wenn man es denn so nennen kann. Denn über Miss Shepherd erfährt man so gut wie gar nichts den ganzen Film über. Dies lässt sich zwar darauf zurückzuführen, dass der Film auf realen Ereignissen basiert und auch der reale Mr Bennett nur wenig über die reale Miss Shepherd herausfinden konnte. Trotzdem ist es für den Zuschauer des Film ein wenig unbefriedigend kaum Informationen zu bekommen. Der Mangel an Informationen wird versucht durch nichtssagende Dialoge zu überbrücken, die trotzdem sehr gut funktionieren.
Maggie Smith ist für die Rolle wohl die ideale Besetzung. Sie spielt die exzentrische Miss Shepherd mit einer glaubhaften Überzeugung und kann alle Emotionen gut verkörpern. Auch Alex Jennings spielt die Doppelrolle des Alan Bennett sehr überzeugend. Alan Bennett wird als zwei Figuren dargestellt. Einmal als „der Lebende“ also der reale Mr Bennett, der mit den Leuten spricht, aus dem Haus geht und im Theater auftritt. Und einmal als „der Autor“, ein erdachtes zweites Ich, das die Geschnisse aufschreibt und als Dialogpartner für Mr Bennett dient. Auch wird „der Autor“ als Off-Stimme genutzt, die die Geschichte erzählt.
Die Handlung wird sehr ruhig erzählt, Spannung selbst kommt nicht direkt auf. Trotzdem ist es eine Geschichte, die irgendwo den Zuschauer berührt und auch unterhalten kann. Auch kommen während des Films keine Längen auf.

Alles in allem ist The Lady in the Van eine interessante und unterhaltsame Geschichte, der aber irgendwo das Gewisse Etwas fehlt. Dafür gibt es 06 von 10 möglichen Punkten.

Rückblick 3. Quartal 2016: Die Highlights und Enttäuschungen

Hallo ihr Lieben,
ich bin fast einen ganzen Monat zu spät dran mit meinem Rückblick für das 3. Quartal. Das liegt vor allem daran, dass ich viele Filme erst Ende September gesehen habe und bisher immer noch damit beschäftigt war, die fehlenden Kritiken zu schreiben. Im dritten Quartal habe ich 21 Filme gesehen (7 im Juli, 5 im August, 9 im September).

Die Enttäuschungen:

Platz 5: Independence Day

20 Jahre hat es gedauert, um eine Fortsetzung des beliebten Filmes aus den 90er Jahren zu drehen. Doch auch wenn es heißt „Was lange währt, wird endlich gut“, konnte Independence Day – die Wiederkehr nicht überzeugen. Zu wenig wurde sich auf eine vernünftige Handlung besonnen und zu sehr auf gutes Bildmaterial. Das ist jedoch gelungen.

Platz 4: Verräter wie wir

Eine John le Carré Verfilmung, die vor allem daran krankt, dass sie als Thriller nicht spannend ist. Die Handlung plätschert nur so vor sich hin und das kann auch der hervorragende Cast nicht mehr retten. Zudem funktioniert Stellan Skarsgard in seiner Rolle als russischer Bösewicht nicht.

Platz 3: Pets

Was habe ich mich auf diesen Film gefreut. Die ersten Teaser ließen eine gute Komödie vermuten. Doch dann die Enttäuschung. Denn Pets schafft es einfach keine Handlung zu erzeugen, verliert dabei viel Witz und hat auch keine eindeutige Botschaft über Freundschaft, wie man sie vom großen Konkurrenten Disney kennt.

Platz 2: Collide

Ein Hollywoodstreifen, der komplett in Deutschland spielt. Rasante Verfolgungsjagden auf der deutschen Autobahn. Und trotzdem kaum Handlung und auch die Verfolgungsjagden sind für einen Thriller nicht spannend genug und irgendwann auch einfach zu unglaubwürdig. Auch hier kann der gute Cast nichts mehr retten.

Platz 1: Captain Fantastic

Kein Superheldenfilm, sondern über eine Familie, die sich komplett vom digitalen, aber auch vom sozialen Leben abgekabelt hat und im Wald lebt. Irgendwo sind versteckte Kritiken an der heutigen Gesellschaft zu finden, aber irgendwo auch nicht ausgereift. Der Film versucht daher als Feel-Good-Movie daher zu kommen, schafft es aber auch nicht diesen Ton wirklich zu treffen und dümpelt so ohne klare Linie vor sich hin.

Die Highlights:

Platz 5: Bad Moms

Endlich ein Film über die Mütter, in denen ihre Sorgen, Ängste und auch ihr Alltag ernst genommen wird. Trotzdem schafft der Film es eine Komödie daraus zu bauen, der erstaunlich niveauvolle Witze loslässt.

Platz 4: Big friendly Giant

Steven Spielberg wagte sich nach E.T. wieder an einen Kinderfilm. Als Vorlage diente der Roman von Roald Dahl, der gespickt ist mit liebevollen Figuren. Auch schafft der Film es auf eine kindgerechte Art die Themen Einsamkeit und Ausgrenzung anzusprechen, den Grundton des Films aber doch positiv zu halten.

Platz 3: Snowden

Die Geschichte von Edward Snowden ging um die Welt, der Whisteblower, der uns allen vor der kompletten Überwachung durch die USA warnte. Diese Verfilmung der wahren Ereignisse bilden, im Gegensatz zum Dokumentarfilm Citizenfour, auch die privaten Ereignisse mit ein und schaffen es so einen neuen Blickwinkel zu geben. Joseph Gordon-Levitt schafft es dabei Snowden so gut darzustellen, dass man denken könnte, Snowden selbst spiele mit.

Platz 2: Frühstück bei Monsieur Henri

Die etwas planlos durchs Leben stolpernde Constance zieht bei einem mürrischen alten Herren ein mit sehr strengen Regeln. Trotzdem entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft. Die liebevoll gezeichneten Figuren machen den Film aus. Trotz einer sehr geringen Gag-Dichte, schafft der Film es eine Komödie zu sein, durch sehr pointierten Witz.

Platz 1: SMS für dich

Das Regiedebüt von Karoline Herfurth, das sehr tief ins Herz geht. Ein Film über Verlust und Trauer und über den Weg zurück ins Leben in Kombination mit einer Liebesgeschichte. Eine Romanze auf sehr hohem Niveau mit Witz und liebevollen Figuren, bei der wohl kaum ein Auge trocken bleiben dürfte.

War Dogs

Am 29.09.2016 erschien ein Film über die etwas anderen Waffenschieber in den deutschen Kinos.

Efraim Diveroli und David Packouz nutzen eine Lücke im amerikanischen Waffengesetz aus und können so kleine Waffendeals an Land ziehen. Das ganze funktioniert ganz gut, bis sie einen 300 Millionen Dollar Deal für den Irakkrieg bekommen und sich dabei auf dubiose Geschäftspartner einlassen.

In den USA gibt es ein Gesetzt, dass die Regierung nicht alle Waffendeals an die größten Firmen gehen dürfen, sondern auch einige an die Allgemeinheit ausgeschrieben werden müssen. Dabei werden meistens nur kleinere Deals ausgeschrieben, doch wenn man gut genug sucht, findet sich manchmal auch eine kleine Goldgrube.
Dass er einmal Waffenschieber wird, hat sich David wohl nie auch nur träumen lassen. Nach der Schule weiß er nicht so wirklich, was er mit seinem Leben anfangen soll und massiert reiche Leute und versucht sich immer wieder an neuen Verkaufsprojekten, die aber nie so richtig funktionieren wollen. Als seine Freundin schwanger wird, steht er vor dem Problem, wie er seine Familie ernähren soll. Da taucht sein bester Freund aus Kindertagen wieder auf. Efraim gehört zu den kleinen Waffenschiebern, die die Gesetzeslücke der USA ausnutzen. Zusammen mit David möchte er das ganze ausbauen. Schnell finden sie genug Deals, um in Saus und Braus zu leben. Dann entdecken sie den Deal ihres Lebens und schaffen es einen 300 Millionen Dollar Deal an Land zu ziehen. Dafür brauchen sie jedoch neue Geschäftspartner und damit nimmt das Unheil seinen Lauf.
War Dogs basiert auf wahren Ereignissen, was die Geschichte noch unglaublicher macht. Der Film erinnert ein bisschen an „Lord of War“, hat aber einen noch weniger ernsten Ton. Der Film versucht einen Spagat zwischen Komödie und Thriller, schafft diesen aber nicht ganz, so dass die erste Hälfte eher zur Komödie und die zweite Hälfte eher zum Thriller wird. Das liegt vor allem daran, dass das Ende sehr vorhersehbar ist. Aber der Weg ist im typischen fünfstufigen Dramastil gehalten und funktioniert da sehr gut. Die Geschichte ist wenig bekannt und daher bietet sie immer wieder etwas neues und unvorhersehbare Wendungen, auch wenn der Trailer leider schon wieder viel vorwegnimmt.
War Dogs hat mit seiner Castingentscheidung alles richtig gemacht. Miles Teller und Jonah Hill stellen gut die beiden Gegensätze der Geschäftspartner dar und harmonisieren perfekt auf der Leinwand. Hill übernimmt die Rolle des Ephraim Diveroli, ein jähzorniger Lebemann, der einfach nur schnell viel Geld machen will. Teller übernimmt die Rolle des David Packouz, der zurückhaltende und bedachtere der beiden. Diese Gegensätze werden geschickt genutzt, um Teller/Packouz die Geschichte erzählen zu lassen und Hill/Diveroli für die Witze zu nutzen.
Mit einer Spiellänge von 114 Minuten wurde genau die richtige Zeit abgepasst, um die Geschichte mit allen Hoch- und Tiefpunkten zu erzählen, ohne Längen aufkommen zu lassen. Durch regelmäßige Wendungen in der Geschichte bleibt das Spannungslevel oben und die Erfolgsgeschichte der beiden kleinen Waffenschieber kann mitreißen.

Alles in allem eine mitreißende Komödie, auch wenn das Ende sehr vorhersehbar ist. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Snowden

Am 22.09.2016 erschien ein Film über die realen Ereigisse um Edward Snowden in den deutschen Kinos.

Edward Snowden arbeitete bei verschiedenen Geheimdiensten, unter anderem der CIA und der NSA. Dort fand er heraus, dass die USA heimlich fast die ganze Welt ausspionierten und die Legalität dafür fast erfanden. Bis er es nicht mehr aushält und der ganzen Welt davon erzählt. Und dafür als Verbrecher angesehen wird.

Die Geschichte des Whistleblowers Snowden erschütterte die Welt. Die USA soll fast die ganze Welt ausspionieren und auch die eigene Bevölkerung. Es soll zwar den Kampf gegen Terrorismus unterstützen, wurde aber in vielen Fällen missbraucht und sich auch gegen die Regierungen anderer Länder richten. Nach diesen Enthüllungen gab es in den Medien kaum noch ein anderes Thema. Doch was hat sich wirklich verändert? Die USA fanden viele Ausreden und Beschönigungen und zumindest die deutsche Regierung hat es sehr schnell auf sich beruhen lassen. Bereits 2014 gab es einen Dokumentarfilm über Snowden von Laura Poitras, in dem Snowden selbst seine Geschichte erzählt. Nun zwei jahre später wurde die Thematik wieder aufgegriffen, diesmal aber nicht als Dokumentation, sondern als Drama/Thriller für die Kinoleinwand.
Im Jahr 2013 wandte sich Snowden, der bereits aus den USA nach Hongkong geflüchtet war, an die Dokumentarfilmerin Laura Poitras und Glenn Greenwald, einem Journalisten des Guardian. Diesen erzählt er für den später veröffentlichten Dokumentarfilm Citizenfour seine Geschichte. Wie er schon immer seinem Land dienen wollte, aber bei den Special Forces ausgemustert wurde, aber durch seine guten IT-Kenntnisse schnell einen Posten in den Geheimdiensten CIA und später auch NSA bekam. Dies dient als Rahmenerzählung des Films und wird gepaart mit der persönlichen Ebene Snowdens. Wie er seine Freundin Lindsay Mills kennenlernt und wie sich ihre Beziehung zu seinen steigenden Erkenntnisse verhält. Wie er letztendlich aussteigt und aus den USA flüchtet, um seine Geschichte publik zu machen.
Die Schwierigkeit bei Biographien ist immer, dass eine große Anzahl des Publikums die Geschichte bereits kennt. Vorallem das Ende dürfte jedem bekannt sein. Trotzdem schafft Snowden es die Spannung hochzuhalten, da der Film nicht nur die Fakten aufzählt, sondern auch die persönliche Komponente hochhält. man erfährt mehr von Snowdens innerer Zerrissenheit, weil er seinem Land dienen will, aber gleichzeitig die vollkommene Überwachung nicht mit seinem Gewissen vereinen kann. Auch wird zum ersten Mal seine Beziehung zu Lindsay Mills thematisiert. Er durfte ihr nichts von seiner Arbeit erzählen, weswegen seine Beweggründe für sie immer schwer nachvollziehbar waren. Snowden versuchte sie vor der Spionage zu warnen, ohne etwas preisgeben zu können. Dadurch erweitert der Film die Erzählungen aus Citizenfour. Leider leiden darunter Fakten zur eigentlichen Arbeit Snowdens, die im Film nicht klar dargestellt wurden, sondern meistens nur angedeutet wurden. Der Film versucht die Jahre 2003 bis 2013 abzudecken, kann daher jede Station in Snowdens Leben immer nur anreißen, was irgendwann etwas unübersichtlich wirkt. Die wesentlichen Etappen sind jedoch klar erkennbar und so hilft Snowden dem Zuschauer die wahren Ereignisse nahe zu bringen.
Einen großen Teil zum erfolgreichen Gelingen des Filmes tragen die Schauspieler, die überwiegend herausragende Leistungen abliefern. Gerade Joseph Gordon-Levitt überzeugt als Edward Snowden. Er traf sich vor Drehbeginn mehrfach mit Sowden in dessen Exil in Russland, um Gestik und Mimik möglichst detailgetreu wiedergeben zu können. Dies gelang ihm auch, so dass man in keiner Sekunde des Films zweifelte, wen er darstellen möchte. Auch Shailene Woodley zeigte einmal mehr, dass sie eine herausragende Schauspielerin ist. Auch der weitere Cast ist mit bekanten Schauspielern besetzt, die ihre Rollen alle sehr souverän spielen, wie Melissa Leo, Zachary Quinto, Tom Wilkinson, Nicolas Cage und Rhys Ifans.
Snowden geht über eine Spielzit von 135 Minuten und schafft es beinahe ohne Längen auszukommen. Nur im Mittelteil, wenn es praktisch nur noch um die persönliche Ebene geht, zieht der Film sich etwas. Hier hätte man ihn um ca. 15 Minuten einkürzen können. Das Ende wurde noch einmal sehr rührend gestaltet, als es um die Enthüllungen und die Reaktion der USA ging. Leider zielt der Film sehr stark auf Präsident Obama als Bösewicht ab, praktisch als wäre er alleine Schuld an der Spionage. Das er als Präsident wenig Macht hat und die meisten Entscheidungen der Kongress fällt, wird nicht berücksichtigt.

Alles in allem ist Snowden ein bewegender und überzeugender Film, der einem wieder die Enthüllungen ins Gedächtnis ruft. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.

Nerve

Am 08.09.2016 erschien ein Film über ein potenzielles Internet-Phänomen in den deutschen Kinos.

Vee ist eigentlich eher schüchtern und zurückhaltend. Doch um aus dem Schatten ihrer besten Freundin zu kommen, meldet sie sich bei dem illegalen Online-Spiel Nerve als Player an. Die sogenannten Watcher geben den Playern immer neue Aufgaben, die sie für Geld umsetzen sollen. Doch Vee gelant in einen Strudel, den sie nicht aufhalten kann.

Bist du Watcher oder Player? So kündigt sich das Online Game „Nerve“ im gleichnamigen Film an. Die Nutzer werden somit in zwei Gruppen geteilt. Die Wagemutigen Player, die sich zu immer neuen Challenges herausfordern lassen. Bei Bestehen der Challenge gibt es Geld, das direkt auf das eigene Konto überwiesen wird. Finanziert wird das von den Watchern, die um die Challenges ansehen zu können, regelmäßig einen Betrag zahlen müssen. Ziel ist es möglichst viele Challenges zu gewinnen und dabei viele Watcher zu generieren bis am Ende nur noch ein Spieler als Gewinner übrig bleibt, da alle anderen Spieler durch nicht Bestehen einer Challenge ausgeschieden sind. In Zeiten in denen viele ihre Persönlichkeit über ihre Online-Profile auf Facebook, Instagram und ähnliches definieren, ist die Idee hinter diesem Spiel nur eine Steigerung des bereits vorhandenen Wahnsinns.
Im Film will die eher etwas schüchterne und zurückhaltende Vee es allen zeigen und meldet sich für sie untypisch als Player bei Nerve an. Ein weiterer Anreiz für sie ist, dass sie Geld braucht für eine teure Kunst-Akademie. Das Spiel muss sie vor ihrer Mutter geheim halten, die jedoch sowieso den ganzen Tag arbeitet. Schon bei ihrer ersten Challenge lernt sie den sympathischen Ian kennen, mit dem sie ab da ein Team bildet. Doch kann sie ihm wirklich trauen? Und wie viel ist am dem Gerücht dran, dass bereits ein Spieler bei einer Challenge gestorben ist?
Nerve kommt mit einer neuen Idee daher, die in der heutigen Zeit gar nicht so weit hergeholt ist. Die Spannung kommt sehr schnell auf und auch Vees Beweggründe werden gut dargestellt. Die Handlung ist gut in die aktuelle Tendenz und aktuellem Online-Verhalten eingebunden, geht aber einen Schritt weiter. Zunächst ist die Handlung dadurch auch sehr authentisch, verliert diese jedoch ein bisschen gegen Ende, denn der Showdown wirkt dann doch ein bisschen zu übertrieben. Den überwiegenden Teil schaffen es aber die reale Handlung und der hohe Spannungsfaktor eine rasante Geschichte zu erzählen, die mitreißt und begeistert. Hinzu kommt eine gelungene Mischung aus sympathischen, unsympathischen und undurchsichtigen Charakteren mit denen man mitfieber kann, die einen abstoßen und die man versucht zu knacken. Dadurch ist der Zuschauer dauerhaft in die Handlung mit eingebunden und es gibt genug Identifikationspotenzial. Das Ende ist zwar übertrieben, aber dennoch rund und eine vernünftige Aufklärung der Handlung.

Alles in allem ist Nerve ein halbwegs realistischer Film, der durchgängig spannend ist und nur am Ende durch ein zu übertriebendes Finale etwas schwächelt. Dafür gibt es 07 von 10 möglichen Punkten.

Bad Moms

Am 22.09.2016 erschien ein Film, der endlich einmal den Müttern gewidmet wurde, in den deutschen Kinos.

Amy hat Ehemann, zwei Kinder, Haus, Hund und Karriere. Doch dies alles unter einen Hut zu bringen, bringt sie beinahe täglich zur Verzweiflung. Eines Tages hat sie die Nase voll und gründet mit zwei weiteren überforderten Müttern die Bad Moms und hören auf zu versuchen perfekt zu sein. Das passt den perfekten Müttern jedoch gar nicht in den Kram.

Jeder, der nicht selbst Mutter ist, dürfte kaum verstehen, wie schwer es ist Kinder und Job unter einen Hut zu kriegen und dabei auch noch das eigene Leben zu genießen. Man möchte den Kindern alles bieten und rund um die Uhr für sie da sein, aber gleichzeitig auch noch das Geld für alles zu verdienen. Zu allem Überdruss wird einem aber auch noch von allen Seiten zugetragen, dass sie perfekt sein müssen, um eine gute Mutter zu sein. Sei es in der Werbung, in Filmen und Serien oder von den perfekten Müttern in Kindergarten und Schule. Mit Bad Moms startet nun endlich ein Film in den Kinos, der die Sorgen und Ängste der Mütter ernst nimmt und diese auf humorvolle Weise beleuchtet.
Wenn man an die Zukunft denkt, dann gehört meistens ein Haus, ein Mann, Kinder und natürlich der Hund dazu. Meistens wird dies auch gerne gegen eine Karriere ausgetauscht, manchmal soll auch beides verbunden werden. Genauso ist es bei Amy. Sie hat ein Haus, ist verheiratet, hat zwei Kinder, einen Hund und auch eine Karriere. Und um alles zu kombinieren eine Menge Stress und nie Zeit für sich. So eilt sie permanent vom Job zu Schule, um ihre Kinder immer rechtzeitig zu ihren Freizeitaktivitäten zu bringen. Doch als sie bemerkt, dass ihr Mann sie online betrügt, ändert sich ihre Einstellung gewaltig. Sie wirft ihren Mann raus und gründet zusammen mit zwei anderen überforderten Müttern die Bad Moms. Was zunächst eine totale Erleichterung des Alltags zu sein scheint, dreht sich langsam zu einer Katastrophe, als die perfekten Mütter davon Wind bekommen und dagegen angehen.
Wie weit geht die Verantwortung einer Mutter perfekt sein zu müssen? Mit dieser Frage geht Bad Moms respektvoll um und schafft es dennoch mit gekonntem Witz eine Komödie zu erschaffen. Die einzelnen Aspekte im Leben einer Mutter werden realitätsnah aufgegriffen und auch die verschiedenen Muttertypen werden vorgestellt. Von der reichen Gattin mit den perfekten Kindern, zur überforderten alleinerziehenden Mutter, die viel zu wenig Zeit mit ihrem Kind verbringt sind alle Stereotypen dabei. Alle diese Typen werden mit positiven und negativen Eigenschaften dargestellt, so dass hier keine Mutter als Idealtyp, aber auch keine als abschreckendes Beispiel fungieren muss.
Bereits im Trailer wurde mit „Von den Machern der Hangover Reihe“ geworben. Hier könnte man denken, dass Bad Moms mit ebenso derben Humor daher kommt, doch das ist nicht der Fall. Denn der Humor in Bad Moms ist wohldosiert, gut durchdacht und verzichtet, bis auf ein paar Ausnahmen, gänzlich auf Witze unter der Gürtellinie. Dadurch wird es zu einem Spaß für mehrere Altersgruppen. Die Schauspieler sind passend ausgewählt und spielen ihre Sache sehr souverän. Spannung wird während des Films erzeugt und auch bis zum Ende ausrecht erhalten, ist aber nicht der Kernpunkt des Films.

Alles in allem endlich ein gelungener Film für die Mütter. Dafür gibt es 08 von 10 möglichen Punkten.